Sonntag, 26. März 2017

Eine bibliothekarische Reise durch die Niederlande

Während es rundherum die Blogger zur Leipziger Buchmesse gezogen hat, war ich für einige Tage dienstlich in den Niederlanden. In erster Linie waren wir für eine Tagung dort, haben aber auch noch einige Führungen durch verschiedene Bibliotheken angehängt. Hier nun also ein paar fotografische Eindrücke:

Gouda

Die Bibliothek in Gouda ist seit 2012 zusammen mit einem Archiv, einer Druckerwerkstatt und einem Café in einer ehemaligen Schokoladenfabrik untergebracht. Es ist noch deutlich zu erkennen, dass das Gebäude früher eine Fabrik war, aber man hat quasi aus der Not eine Tugend gemacht und so versprüht die Bibliothek einen gewissen Industriecharme.
Von den Bibliotheken, die wir besichtigt haben, war Gouda die kleinste, dafür aber sehr gemütlich. Im Eingangsbereich vermischen sich gleich Bibliothek und Café und ich könnte mir gut vorstellen, hier einige Stunden zu verbringen.


Markierungen auf dem Boden zeigen die Bereiche der einstigen Fabrik
Paletten zur Präsentation ausgewählter Bücher

Almere

Die "nieuwe bibliotheek" in Almere war ein Gegenprogramm zu Gouda: Statt shabby chic gab es hier ein klares, luftig-helles Design und massenhaft Platz. Eine sehr elegante, beeindruckende Bibliothek, die ein Gesamtkunstwerk darstellt, für meinen Geschmack aber etwas mehr Leben vertragen könnte.





Amersfoort

Von Almere aus ging es weiter nach Amersfoort, wo wir wieder ein ganz andere Bibliothek zu sehen bekamen: Die zahlreichen Computerplätze auf der Treppe, die den Eingangsbereich beherrscht und die zugleich die Zeitschriftensammlung darstellt, erinnern eher an eine wissenschaftliche als eine öffentliche Bibliothek. Wie in Gouda sind auch hier ein Café und ein Archiv in den Bibliotheksbereich integriert. Mit den Holzmöbeln wirkte die Bibliothek fast ein wenig altmodisch, aber tatsächlich war sie die neueste von den hier vorgestellten.




Amsterdam

Als letztes stand die Openbare Bibliotheek in Amsterdam (OBA) auf dem Programm - natürlich mit Abstand die größte der vier. Die Bibliothek erstreckt sich über sechs Stockwerke und ist wirklich sehenswert.





Es war sehr interessant, diese Bibliotheken zu besichtigen. So unterschiedlich sie auch waren, so haben sie doch deutlich gezeigt, welch hohen Stellenwert Bibliotheken in den Niederlanden haben. Ich war von allen vieren begeistert und hätte gern noch viel mehr Zeit dort verbracht. In welcher würdet ihr euch am liebsten für eine Weile mit einem Stapel Bücher vergraben?

Bei all dem dichten Programm ist auch noch ein wenig Zeit zum Sightseeing geblieben und daher lasse ich euch auch noch ein paar gänzlich unbibliothekarische Fotos hier:


Die wunderschöne Altstadt von Amersfoort





Amsterdamer Impressionen





Samstag, 18. März 2017

Ein kleiner Lesetag der anderen Art

Als ich vor zwei Wochen darüber geschrieben habe, wie ich mich von der Fülle an Büchern auf meiner Leseliste erschlagen fühle, habe ich in den Kommentaren mit Winterkatze darüber geschrieben, dass ich wohl mal einen Tag in der Bücherei verbringen müsste, um einige der Bücher anzulesen (und festzustellen, ob ich sie überhaupt lesen möchte).
Da heute kaltes, graues und stürmisches Wetter war, bin ich nach einem ausgedehnten Frühstück mit einer Freundin spontan noch weiter in die Bücherei gefahren, um genau das zu machen.

Ich habe mich zunächst mal mit einem Stapel Bücher eingedeckt und mir dann ein gemütliches Plätzchen gesucht, wo ich mir ein wenig in den Büchern vergraben und mir dazu Notizen gemacht habe.


Karnak-Café von Nagib Machfus, das zeitlich um den Sechstagekrieg herum angesiedelt ist, hat interessant begonnen und da es so ein schmales Büchlein ist, habe ich es auch direkt ausgeliehen.

Bis ans Ende der Meere von Lukas Hartmann schildert aus der Sicht des Malers John Webber die dritte Südseereise von James Cook. Der Einstieg ist mir nicht ganz einfach vorgekommen, aber das Buch scheint gut geschrieben zu sein und da mich auch das Thema interessiert, bleibt das Buch auf meiner Liste.

Vor dem Fest von Saša Stanišić war 2014 für den Deutschen Buchpreis nominiert und erhielt den Preis der Leipziger Buchmesse. Es beschreibt eine Nacht vor dem Fest im uckermärkischen Fürstenfelde. Beim Anlesen war mir der Roman etwas zu skurril und wirr. Ich glaube, das ist nicht wirklich mein Fall und fliegt daher von der Liste.

Auch Als wir unsterblich waren von Charlotte Roth wird wohl nicht auf der Liste bleiben. Der historische Roman erzählt in zwei Zeitebenen vom Mauerfall einerseits und dem Ersten Weltkrieg andererseits. Ich hatte beim Einstieg Probleme mit der Hauptfigur im Jahr 1989, die ich sehr unsympathisch fand und mit der Instant-Liebe, die dann auch gleich noch mit einem dunklen Familiengeheimnis verbunden ist. Ein wenig neugierig wäre ich auf das Geheimnis ja schon, aber zuhause habe ich dann noch herausgefunden, dass Charlotte Roth ein Pseudonym von Charlotte Lyne ist, deren "Die Glocken von Vineta" überhaupt nicht mein Fall war.


Cocktails von Pamela Moore war in den 50er-Jahren ein Kultbuch in den USA. Die Autorin war damals erst 18 Jahre alt, nahm sich mit Mitte zwanzig das Leben und war danach (zumindest im deutschsprachigen Raum) weitgehend vergessen. Ich bin auf den Roman aufmerksam geworden, als er 2015 in einer neuen Übersetzung bei Piper veröffentlicht wurde. Der Anfang hat mir gefallen und somit bleibt er auf meiner Liste.

Bei Blauer Hibiskus von Chimamanda Ngozi Adichie hat mich schließlich ein wenig die Konzentration verlassen. Ich war mir daher beim Anlesen nicht so sicher, ob ich ihn lesen möchte - vorerst bleibt er auf jeden Fall auf der Liste.

Als ich mich eigentlich schon halb zum Gehen wandte, bat mich ein Herr, der während meiner Anleseaktion die ganze Zeit neben mir mit Deutschübungen beschäftigt gewesen war, um Rat bei einer Aufgabe. Ich muss ja sagen, dass ich selbst die Aufgabenstellung mehrmals lesen musste. Wenn man hier als eine Person mit deutscher Muttersprache, fertigem Germanistikstudium und viel Leseerfahrung erst einmal ein wenig stutzt, fragt man sich ja schon, wie das jemand bewältigen soll, der gerade erst die Sprache lernt.
Danach hatte ich dann doch noch einmal Lust für eine kleine Runde und habe mir noch einmal ein paar Bücher von der Liste gesucht:

Die andere Hälfte der Hoffnung von Mechthild Borrmann hat mir beim Anlesen so gut gefallen, dass der Roman gleich direkt mitkommen durfte.

Die Traumknüpfer von Carolin Wahl wurde dagegen von meiner Liste gestrichen. Ich habe einfach gemerkt, dass das wohl nicht so mein Fall von Fantasy ist.

Auch Herr des Lichts von Roger Zelazny habe ich von meiner Liste gestrichen. Der sehr mythisch-religiöse Einstieg war nicht so meins und auch mit den handelnden "Göttern" konnte ich nicht so viel anfangen. Science-Fiction ist nicht mein bevorzugtes Genre und wenn ich Bücher daraus lese, müssen die mich einfach gleich packen, damit ich Lust darauf habe. 

Neben den zwei genannten Büchern habe ich dann auch noch zwei Filme mitgenommen, wovon ich mir einen - die Verfilmung des Romans I Capture the Castle - gleich heute Abend angesehen habe. Wie der Roman hat mir auch der Film sehr gut gefallen. Ich finde die Besetzung sehr passend und die Stimmung des Buchs wurde gut eingefangen.


Da ich außerdem gerade so schön in Fahrt war, habe ich mir daheim auch noch ein paar Leseproben von Büchern der Liste auf meinen Reader geladen und auch noch angelesen:

Die Villa am Rande der Zeit des serbischen Autors Goran Petrović beginnt mit einem seltsamen Auftrag: Der Belgrader Student Adam soll ein bereits erschienenes Buch umschreiben. Der Roman wird mit Endes "Unendlicher Geschichte" verglichen und da ich den Einstieg interessant fand, bleibt er auf meiner Liste.

Etwas unschlüssig bin ich dagegen bei dem Krimi Eisesgrab von Jenny Milchmann und dem Jugendbuch Wie mein Sommer in Flammen aufging von Jennifer Salvato Doktorski. Bei beiden Büchern konnten mich weder die Hauptfiguren noch die Ausgangssituation wirklich überzeugen.
Auch Windjäger von Jim Butcher wird wohl eher von meiner Liste gestrichen werden. Ich bin mir nicht sicher, ob ich eine Fantasyserie beginnen möchte, von der es bisher nur den ersten Band gibt. Zudem kam mir auch die Übersetzung etwas holprig vor. Mal sehen, was ich in der nächsten Zeit noch von dieser Reihe höre.

Die Flutwelle von Mikael Niemi verbleibt dagegen sicher auf meiner Liste. Der Einstieg in den Roman, der vom Bruch eines Staudamms in Schweden und der folgenden Katastrophe erzählt, hat mir gut gefallen. 


Insgesamt habe ich heute also ganze 14 Bücher angelesen, von denen 4 sicher und 3 vermutlich von meiner Liste fliegen. Die restlichen Bücher haben mich mit ihrem Einstieg überzeugt und zwei davon habe ich auch direkt mitgenommen. 
Das war heute doch einmal ein ganz interessantes Experiment. Ich habe damit nicht nur meine Liste ein klein wenig reduziert, sondern mir auch einige Bücher wieder besser ins Gedächtnis gerufen, deren Titel mir inzwischen gar nicht mehr viel gesagt haben. Die Schattenseite der Aktion ist, dass es nun eine ganze Reihe von Büchern gibt, die ich am liebsten alle gleichzeitig lesen möchte - aus dem Grund habe ich auch nur zwei der angelesenen Bücher ausgeliehen.
Mal sehen, ob ich das vielleicht in Zukunft nochmal wiederhole. Es war schon ein bisschen anstrengend, so viele Anfänge zu lesen, aber es hat auch Spaß gemacht!

Montag, 13. März 2017

Guy Gavriel Kay - Im Schatten des Himmels



erschienen bei Fischer Tor


Zwei Jahre lang hat Shen Tai die Knochen von toten Kriegern auf einem alten Schlachtfeld bestattet, um deren Geister zur Ruhe zu bringen. Als ihm eine Prinzessin zur Belohnung für diese Tat zweihundertfünfzig kostbare und seltene Pferde schenkt, wird damit sein Leben auf den Kopf gestellt: Mit einem Mal zäht Shen Tai damit zu einem einflussreichen Mann in seiner Heimat Kitai und findet sich inmitten von politischen Intrigen und dem Ränkespiel der Mächtigen wieder.


Guy Gavriel Kay ist einer meiner Lieblingsautoren, dessen Werke ich meist ohne großes Nachdenken lese. Bei "Im Schatten des Himmels" habe ich aber lange gezögert - nicht unbedingt, weil es bislang keine deutsche Übersetzung gab, sondern mehr, weil ich mit asiatischen Settings oft nicht so viel anfangen kann.
Tatsächlich hatte ich mit diesem Buch streckenweise meine Probleme, auch wenn das nicht unbedingt am Setting lag.

Wie immer kann Kay zwar mit komplexen und intelligenten Figuren punkten, dennoch habe ich in diesem Roman weniger mit den Figuren mitgefiebert als sonst. Sie sind mir teilweise etwas fern geblieben, auch wenn es sich bei Shen Tai an sich um einen sympathischen Helden handelt.
Ein typisches Markenzeichen von Kay ist auch ein anspruchsvoller Schreibstil und eine verschachtelte Erzählstruktur. Mit letzterer hat er es hier meiner Meinung nach etwas übertrieben und mir kam die Geschichte stellenweise unnötig umständlich erzählt vor. Auch eines seiner Stilmittel - ein sonst sehr gelungener Wechsel zwischen Präsens und Präteritum - wurde hier eher seltsam umgesetzt: So erzählen die männlichen Perspektiven im Präteritum und die weiblichen im Präsens, ohne dass mir klar geworden wäre, aus welchem Grund der Autor das so handhabt.

Trotz meiner Kritikpunkte habe ich den Roman spannend zu lesen gefunden. Es gibt ein paar schöne Wendungen und auch das eine oder andere Aha-Erlebnis, wenn sich einzelne Puzzleteile auf einmal ineinander fügen. Ich finde es auch immer erfreulich, wenn Kameradschaft eine wichtige Rolle spielt und also die Beziehungen unter den Figuren sich nicht immer nur auf Liebe beschränken. Diese bekommt zwar auch ihren Platz in dem Roman, steht aber nicht im Vordergrund.
Zum Ende hin werden leider einige Ereignisse etwas zu knapp zusammengefasst erzählt, wodurch ein gehetzter Eindruck entsteht. Da Kay sich vorher soviel Zeit nimmt, um in die Welt einzuführen und die Figuren vorzustellen, fällt das umso mehr auf. Die Welt hat mir aber trotz meiner Vorbehalte gegen ein asiatisches Setting sehr gut gefallen. Ich habe mich darin zwar nicht auf Anhieb so wohlgefühlt wie etwa im spätantiken Sarantium, aber Kay erweckt Landschaften und Städte schön zum Leben und beschreibt auch die Kultur von Kitai sehr anschaulich.

Unterm Strich würde ich sagen, dass "Im Schatten des Himmels" auf eine gewisse Weise ein typischer Kay ist und der Roman auch zu den besseren Vertretern einer eher "historischen" Fantasy gehört. Leider hat der Autor aber hier einige seiner besonderen Stilmerkmale nicht so gelungen wie sonst oder aber zu stark eingesetzt. Alles in allem ergibt sich dadurch ein mitunter etwas holprig wirkender Roman.

Samstag, 11. März 2017

Buchstabengeplauder #71

Vorige Woche habe ich darüber geschrieben, wie überwältigt ich mich in letzter Zeit fühle von der Menge an Büchern, die ich alle gern lesen würde und der Menge, die regelmäßig neu hinzukommt. Viele von euch haben mir in den Kommentaren geschrieben, dass es ihnen ähnlich geht und ich habe auch einige Ratschläge bekommen. Danke euch allen für den regen Austausch in den Kommentaren - es tut gut zu wissen, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht.
Ich habe dann in den vergangenen Tage beherzt meine Leseliste aussortiert. Einige Bücher haben einfach schon seit Jahren darauf gewartet, dass ich mal in der passenden Stimmung dafür bin und ich bezweifle, dass ich diese in absehbarer Zeit jemals gelesen hätte. Die Liste ist trotzdem noch immer beängstigend lang, aber ich werde versuchen, mich nicht zu sehr davon stressen zu lassen. Ich glaube, die einzige Methode, die mir tatsächlich dieses leichte Stressgefühl nehmen würde, wäre eine Weile mit dem Bloggen (und auch dem Lesen von Blogs) aufzuhören, aber das habe ich aktuell nicht vor.

Ich bin vergangene Woche aber nicht nur über meiner Leseliste verzweifelt, sondern habe mich auch eifrig an den Frühlingsputz gemacht und mich auf die neue Balkonsaison vorbereitet. Bei den Pflanzen konnte ich natürlich noch nicht viel machen, dafür ist es noch zu früh, aber ein paar erste Frühlingsblüher sind doch schon bei mir eingezogen. Auch die Wohnung hat sich ein neues Mäntelchen passend zum Frühling angezogen. Ich konnte auch schon ein paarmal draußen in der Sonne sitzen, auch wenn es immer noch recht kalt ist, sobald sich mal eine Wolke vor die Sonne schiebt.
Hier mal ein paar fotografische Eindrücke:







Eher noch zum Winter passend ist dagegen meine neue Auswahl an Tees, die bei mir eingezogen ist. Warum ich das hier erzähle? Weil ich mir in den vergangenen Monaten hier manchmal vorgekommen bin wie beim SuB-Abbau. Ich hatte bei mir viel zu viel verschiedene Tees angesammelt, die ich großteils schon seit einer gefühlten Ewigkeit zuhause hatte. Schließlich habe ich beschlossen, keinen neuen Tee mehr zu kaufen, solange ich nicht mindestens die Hälfte davon aufgebraucht hätte. Also habe ich den Herbst und Winter über brav meine vorhandenen Teesorten getrunken (auch die, die leider kein rechter Glücksgriff waren) und mir nun endlich wieder erlaubt, mich mit neuen einzudecken - darunter auch ein paar, die sich bestimmt auch prima als Eistee im Sommer eignen.

Kennt ihr sowas? Habt ihr zuhause auch etwas außerhalb der Bücher, von dem ihr zuviel angesammelt hattet und wo ihr das Gefühl habt/hattet, es wäre mal ein "Abbau" fällig? Neben dem Tee ist das bei mir übrigens Wolle (und damit verbunden auch zuviele begonnene Häkelprojekte).

Apropos häkeln: Ich schnappe mir jetzt mein aktuelles Projekt und werde dazu den letzten Stunden von Harry Potter lauschen.

Habt noch ein schönes Wochenende!

Sonntag, 5. März 2017

Überwältigt von all den Büchern, die man gern lesen würde

Es gab einmal eine Zeit, da bin ich immer, wenn ich neuen Lesestoff brauchte, in die Bibliothek gegangen und habe mich dort ganz spontan mit Büchern eingedeckt. Oft waren es Zufallsfunde, oft auch Autoren, bei denen ich mich nach und nach durch deren gesamtes Œuvre las. Dazwischen kamen auch häufig altgeliebte Bücher zum Zug, die ich wieder und wieder las oder ich lauerte auf eine lang ersehnte Fortsetzung einer Reihe. Manches Mal hatte ich das Gefühl, in der Bibliothek nicht mehr so recht fündig zu werden, aber abgesehen davon waren das sehr entspannte Lesejahre, in denen es mir außerdem herzlich egal war, ob ein Buch vor einem, zehn oder hundert Jahren erschienen war.

In den letzten Jahren fühle ich mich aber nahezu erschlagen von der Fülle an interessanten Neuerscheinungen bzw. Empfehlungen. Ich habe zwar einen überschaubaren SuB, dafür aber eine elendslange Bücherliste, die ich stets in die Bibliothek mitnehme (plus eine Wunschliste mit Titeln, die es entweder nicht in der Bibliothek gibt oder die ich unbedingt selbst besitzen möchte). Wenn ich auf ein neues Buch aufmerksam werde, das ich gern lesen möchte, kommt es nur ganz selten vor, dass ich das direkt kaufe/ausleihe und lese. Stattdessen landet es erst einmal auf meiner Liste - und bleibt dort unter Umständen auch für eine geraume Zeit.
Dadurch wächst stetig das Gefühl, mit dem Lesen nicht hinterherzukommen. Es gibt so viele interessante ältere Titel, daneben unzählige Neuerscheinungen und schließlich auch Autoren, zu denen ich blind greifen würde und durch deren Backlist ich mich eigentlich gern mal lesen würde. Aber woher kommt eigentlich dieses Gefühl der Überforderung, das ich früher nicht hatte? Liegt es am Bloggen und daran, dass man dadurch rundherum einfach zu viele Buchempfehlungen liest? Liegt es am Internet ganz allgemein? Oder daran, dass der Buchmarkt allgemein so schnelllebig geworden ist? Ich nehme an, dass es eine Mischung aus allem ist.

Die Frage ist aber, wie man am besten mit diesem Problem umgeht. Die eine Möglichkeit wäre, dass ich für einen (längeren) Zeitraum einfach alles, was neu erscheint und was mir auf anderen Blogs so unterkommt, ignoriere und mich einmal für eine Weile auf die älteren Werke konzentriere, die ich schon seit so langer Zeit lesen möchte. Hier steht mir aber doch der Blog ein bisschen im Weg. Die Beiträge, die am allerwenigsten aufgerufen werden (wie mir die Statistik sagt), sind Rezensionen von Büchern, die bereits vor einigen Jahren erschienen sind. Nun bin ich nicht diejenige, die großartig auf solche Zahlen achtet, aber irgendwann stellt sich dann doch die Frage, wofür man sich überhaupt die Mühe mit den Rezensionen macht. Abgesehen davon ist es auch einfach schön, wenn man zeitnah ein Buch liest, das jemand anderer gerade vorgestellt hat und sich dann in den Kommentaren darüber austauschen kann.
Der andere Weg wäre, einfach einmal die Liste zu ignorieren und immer spontan das zu lesen, was einem aktuell gerade unterkommt. Das lässt sich aber nur schwer umsetzen, wenn man darauf angewiesen ist, diese Titel auch spontan in der Bibliothek zu ergattern und ich kenne mich außerdem gut genug um zu wissen, dass ich dennoch immer die Liste im Hinterkopf hätte (so wie anderen der SuB im Nacken sitzt).

Die ideale Lösung wäre es natürlich, darüber gar nicht so viel nachzudenken, sondern es einfach entspannt hinzunehmen, dass die Liste wächst und wächst und man nun einmal nie alles lesen kann, was man lesen möchte. Allerdings will mir genau das nicht gelingen - sonst würde ich ja nicht die ganze Zeit damit hadern.
Ich möchte einfach einmal zahlreiche Werke von meiner Liste lesen, ohne dabei von neuen Titeln "abgelenkt" zu werden. Ich möchte endlich alles lesen, was ich von Patricia McKillip, John Steinbeck und anderen Lieblingsautoren noch nicht kenne. Ich möchte auf eine interessante Neuerscheinung nicht mehr mit dem Gedanken "oh nein, schon wieder wächst die Liste" reagieren, sondern mich begeistert darauf stürzen.

Wie geht ihr damit um? Kennt ihr dieses Gefühl der Überforderung? Oder seht ihr das alles völlig entspannt? Wenn ja: Hattet ihr damit ohnehin noch nie Stress oder habt ihr im Laufe der Zeit Strategien gefunden damit umzugehen? Habt ihr vielleicht Ratschläge für mich?

Donnerstag, 2. März 2017

[Kurzrezensionen] Von einer silbernen Königin, Alaska und einem Zwergenschatz

Katharina Seck - Die silberne Königin

Die Stadt Silberglanz ist seit Jahrzehnten in einem ewigen Winter gefangen. Als Emma in der Chocolaterie von Madame Weltfremd zu arbeiten beginnt, hört sie dort das Märchen von der silbernen Königin, in dem die Lösung, wie der ewige Winterfluch zu brechen ist, verborgen zu sein scheint.
Mich hat "Die silberne Königin" nach dem Lesen sehr zwiespältig zurückgelassen. Einerseits hat es mir gut gefallen, wie Märchen mit der Wirklichkeit verwoben werden, aber andererseits hat der Roman für mich sehr viele Fragen aufgeworfen. Das Problem ist, dass er versucht, das Leben im ewigen Winter realistisch zu schildern. Hier ergeben sich für mich aber zahlreiche logische Probleme, über die ich gar nicht erst nachgedacht hätte, wenn der Roman bei der Hintergrundwelt von Vornherein auf einer märchenhaften Ebene geblieben wäre.
Vom Plot her hat mir der Roman dennoch gut gefallen, auch wenn ich mit der Liebesgeschichte, die darin vor allem im letzten Drittel eine sehr große Rolle spielt, nicht viel anfangen konnte.
Fazit: Eine schöne, märchenhafte Geschichte, die zu langen Winterabenden passt - solange man sich nicht an einer etwas problematischen Liebesgeschichte stört und man nicht die Logik der Hintergrundwelt hinterfragt.


John Green - Looking for Alaska

Als der sechzehnjährige Miles auf ein Internat wechselt, lernt er dort die faszinierende und undurchschaubare Alaska kennen - und verliebt sich in sie.
Mein Problem mit "Looking for Alaska" war im Wesentlichen, dass ich vorher bereits Paper Towns gelesen hatte und die beiden Romane einander vor allem in der Personenkonstellation sehr ähneln. Es gibt einen Außenseiter als Ich-Erzähler, zwei recht skurrile Freunde und das unerreichbare Mädchen, das allen den Kopf verdreht.
Wegen dieser Ähnlichkeiten, aber auch weil ich die Geschichte an sich eher uninteressant fand, konnte ich mit der ersten Hälfte des Romans nicht sehr viel anfangen. Dann kommt es zu einem Ereignis, das zwar recht vorhersehbar ist, aber doch den Erzählton zum besseren wendet.
Trotzdem hat mich "Looking for Alaska" nicht überzeugt. Ein locker zu lesendes Buch mit ernsten Tönen, das es meiner Meinung nach mit dem Mythos, das es rund um Alaska kreiiert, deutlich übertreibt.


Martin Schemm - Der Goldschatz der Elbberge

Im Jahr 1065 macht sich eine Gruppe von Männern auf Geheiß des Erzbischofs Adalbert in die Tiefen des Sollonberges auf, um dort einen sagenumwobenen Schatz zu suchen. Doch damit lösen sie einen alten Fluch aus.
"Der Goldschatz der Elbberge" ist ein historischer Roman mit phantastischen Elementen, der ein interessantes Setting zu bieten hat und sich in mancher Hinsicht wohltuend vom Einheitsbrei der Mittelalterromane abhebt. Allerdings hätte ihm meiner Ansicht nach ein kräftiges Kürzen gut getan. Die Geschichte liest sich mitunter etwas langatmig und ertrinkt zudem immer wieder im Infodump. Der Stil des Autors ist manchmal etwas holprig und die Figuren erhalten nicht besonders viel Charaktertiefe.
Der Roman hat sehr interessante Ansätze zu bieten, aber alles in allem hat mich das Buch dennoch enttäuscht. Es kam wohl doch nicht von ungefähr, dass es so lange auf meinem SuB vor sich hinvegetiert ist.