Sonntag, 16. Juli 2017

Lese-Sonntag mit Winterkatze

Winterkatze veranstaltet heute einen sommerlichen Lese-Sonntag und da ich beim letzten im Juni nicht dabeisein konnte, schließe ich mich heute gerne an.
Ich habe schon am Balkon gefrühstückt - es war zwar draußen nocht recht kühl, aber der blaue Himmel verspricht einen schönen (und vermutlich nicht zu heißen) Tag.


Seit ein paar Wochen besitze ich erstmals einen Standmixer (vorher musste mein Pürierstab für alles herhalten) und seither bin ich total im Smoothie-Fieber bzw. eher im Smoothie Bowl-Fieber. Nicht, weil letztere gerade so im Trend liegen, sondern weil ich mein Frühstück lieber löffle als trinke. Ich richte mich nicht nach irgendwelchen Rezepte, sondern schmeiße rein, was ich gerade so im Haus habe und das gelingt manchmal vorzüglich und manchmal nicht so gut. Die heute Mischung ist leider aus der zweiten Kategorie. Sie enthält etwas Avocado, Marillen, Blattspinat und Gurke, aber das ist für meinen Geschmack doch ein etwas zu hoher Gemüseanteil (zumal die Marillen leider nicht allzu süß sind). Vielleicht hätte ich die Heidelbeeren eher in den Smoothie schmeißen sollen anstatt sie als Topping zu verwenden. 

Nun, wie auch immer, ehe das hier zum Foodblog wird: Als Lektüre gabs dazu Operation Red Jericho von Joshua Mowll. Da ich damit gerade erst begonnen habe, kann ich noch nicht viel dazu sagen, aber die Aufmachung ist toll (vielleicht mach ich später noch ein paar Fotos).

So, jetzt lese ich mal weiter. Bis später!


Update um 13:15

ein kleiner Kartenausschnitt
Ich habe heute Vormittag weniger bei "Operation Red Jericho" weitergelesen als gedacht und bin stattdessen eher beim Hörbuch hängegenblieben, da ich an einer überarbeiteten Karte meiner Fantasywelt rumpinsle (was ziemlich viel Arbeit ist und nicht dadurch erleichtert wird, dass ich früher mit Photoshop gearbeitet habe und nun mit Gimp).
Allerdings wird mich auch mein Hörbuch sicher eine ganze Weile begleiten, da ich mit The Dragonbone Chair von Tad Williams begonnen habe. Ich hatte vor Jahren schon mal in das Buch (auf Deutsch) reingelesen und damals aber nach wenigen Seiten abgebrochen, da es mich nicht gereizt hat.
Nun versuche ich es noch einmal, muss aber gestehen, dass meine Geduld auf eine harte Probe gestellt wird. Nach zweieinhalb Stunden geht mir Simon schon einigermaßen auf die Nerven, während die Handlung noch nicht so recht in Gang kommen möchte. Ich habe allerdings schon von mehreren Seiten gehört, dass die ersten 200 Seiten mühsam sind und es danach besser wird, also bin ich mal optimistisch.

Gerade hatte ich auch schon Mittagessen - Kartoffel-Zucchini-Curry mit Einkorn - und nun werde ich mal eine kleine Blogrunde drehen.   


Update um 19:00

Irgendwie passiert mir das öfter mal an Lesetagen: Ich mache alles mögliche, lese aber kaum. %-)
Zwar habe ich am Nachmittag eine Weile am Balkon bei "Operation Red Jericho" weitergelesen, aber dann war ich spazieren und seit ich zurück bin, war ich die ganze Zeit mit der Karte und mit Gimp beschäftigt. Da ich mit diversen Tutorials herumprobiert habe, habe ich dabei noch nicht mal Hörbuch gehorcht. Mal sehen, ob ich am Abend nun noch zum Lesen komme - abgesehen davon, dass mich gerade die Kartenbastelei mehr interessiert, finde ich auch einfach das Buch noch nicht so fesselnd. So faszinierend auch die Aufmachung ist - Plot und Schreibstil können mich bislang nicht ganz überzeugen.

Und sonst so? Wir haben einen 13. Doctor! Ich kenne die Person bereits aus einer anderen Serie, wo ich die schauspielerische Leistung sehr überzeugend fand. Insofern bin ich mal vorsichtig optimistisch, auch wenn ich gern noch mindestens eine weitere Staffel mit Peter Capaldi hätte. Ich bin aber auf jeden Fall gespannt, was Chris Chibnall aus der Serie machen wird. Seine Charaktere bei Broadchurch waren richtig gut geschrieben - was das betrifft, habe ich also große Hoffnungen.
Jetzt würde ich mir nur noch wünschen, dass Jack Harkness endlich mal wieder in der Serie auftaucht!


Update um 23:45

Ich werde mich nun ins Bett verabschieden. Am Abend hab ich noch eine Weile beim Hörbuch weitergehört und bin nun immerhin schon viereinhalb Stunden weit gekommen. Inzwischen zeigen sich auch Anflüge eines Plots. ;-) Mal sehen, wie es damit noch weitergeht und wie mir "Operation Red Jericho" weiterhin gefällt.

Ich hab zwar heute nicht sehr viel gelesen, aber dennoch wars ein netter Lese- und Kreativtag. Danke fürs Kommentieren und schlaft gut! 

Donnerstag, 13. Juli 2017

Buchstabengeplauder #80

Der Juli hat uns in Wien bisher einen Wechsel aus Hitze und Unwettern beschert. Ich finde zwar die extremen Wetterwechsel etwas anstrengend, aber immerhin ist trotz heißen Tagen die Temperatur in der Wohnung noch in Ordnung (auf jeden Fall angenehmer als Ende Juni), da zwischendurch immer wieder mal ausgiebiges Lüften möglich ist. Auch auf meinem Balkon ist es abends an den meisten Tagen recht erträglich und so verbringe ich dort gerade viele gemütliche Lesestunden.

Die Kirschtomaten freuen sich über die vielen Sonnenstunden
 Zuletzt habe ich Karten von Simon Garfield ausgelesen, das sich mit der Geschichte der Kartografie beschäftigt und mir gut gefallen hat. Als ich es gestern in die Bibliothek zurückgebracht habe, wollte ich eigentlich nur ein, zwei Bücher mitnehmen, aber mir sind dann ein wenig die Pferde durchgegangen. Dieser kleine Stoß ist temporär bei mir eingezogen:


Cavaliersreise von Mackenzi Lee klang bei Winterkatze ganz unterhaltsam und Operation Red Jericho von Joshua Mowll stand wegen der ungewöhnlichen Gestaltung schon lang auf meiner Liste. Cocktails von Pamela Moore habe ich dieses Jahr bereits einmal angelesen und ganz interessant gefunden; Kosmologie für Fußgänger von Harald Lesch und Jörn Müller durfte ebenfalls mit, da es ein sehr kurzweiliges Buch über Astronomie sein soll. Und schließlich habe ich durch Zufall noch Humboldts letzte Reise von Vincent Froissard und Étienne Le Roux erspäht - eine Graphic Novel, die ich vor kurzem auf meine Wunschliste gesetzt hatte.
Da ich nicht geplant hatte, mich so gut einzudecken, war ich nur mit einem recht kleinen Rucksack unterwegs, in dem sich außerdem schon andere Sachen befanden. Kennt jemand die Szene aus "Gilmore Girls", in der Rory eine ganze Reihe von Büchern in ihrem Schulrucksack unterzubringen versucht? Alle, die sie nicht kennen, können sie hier sehen (es lohnt sich):



Daran musste ich gestern auf jeden Fall denken, als ich meinen Rucksack viermal ein- und ausgepackt habe, bis schließlich doch noch alle Bücher darin Platz gefunden haben. ;-)

Aber ich bin nicht nur mit Lesen beschäftigt: voriges Wochenende war ich mit einer Freundin im Germanischen Gehöft Elsarn, einem kleinen aber feinen Freilichtmuseum.


Bücher, Ausflüge, Balkonernte - alles in allem kann der Sommer von mir aus gern so weitergehen!

Sonntag, 9. Juli 2017

[Zwischenstand] Challenges und Lesevorhaben 2017

Da nun die Hälfte des Jahres rum ist, ist das die passende Zeit, um einmal einen kleinen Blick auf meine diesjährigen Lesevorhaben zu werfen.

Lese-Bingo 2017


Meine einzige "richtige" Challenge dieses Jahr ist Carolines Lese-Bingo. Ich komme sehr gut voran - von 25 Feldern fehlen mir nur noch sieben. Bei den meisten fehlenden weiß ich schon, was ich lesen möchte, aber speziell bei einer Kategorie tue ich mir noch etwas schwer: Ein Buch mit einer Zahl auf dem Cover
Fallen euch entsprechende Bücher ein, die ihr weiterempfehlen könnt? 
Ich hatte mir dafür eigentlich "Eierlikörtage. Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 ¼ Jahre" überlegt, aber bisher war mir nicht wirklich danach und allmählich habe ich das Gefühl, dass ich einen Plan B brauche.

Ein wenig macht mir auch noch die Kategorie Ein Buch, in dem es spukt zu schaffen. Da ich ein Angsthase hoch drei bin, brauche ich also ein Buch, in dem es spukt, das aber dennoch nicht gruselig ist. Nicht ganz einfach (und vermutlich werde ich am ehesten bei Kinderbüchern fündig). Auch hier nehme ich gern Empfehlungen entgegen!  
 

Persönliche Lesevorsätze


Neben der Challenge habe ich mir (wie zu Beginn des Jahres erwähnt), ein paar eigene Vorsätze überlegt, die ich auf dem Blog nicht aufgelistet habe, um mich nicht unter Druck zu setzen. Bei dieser Gelegenheit werfe ich aber auch hierauf einmal einen Blick:

12 englische Bücher

Es hat sich bei mir schon seit Jahren etabliert, dass ich wenigstens ein englisches Buch pro Monat lesen möchte. Da ich in den Vorjahren mit diesem Ziel keine Probleme hatte und auch dieses Jahr bereits 10 englische Bücher gelesen habe, ist es möglicherweise inzwischen überflüssig, diesen Vorsatz überhaupt zu formulieren. Folgende englische Bücher habe ich in diesem Jahr gelesen bzw. gehört:

1. J. K. Rowling - Harry Potter and the Half-Blood Prince
2. John Green - Looking for Alaska
3. J. K. Rowling - Harry Potter and the Deathly Hallows
4. Carol Rifka Brunt - Tell the Wolves I'm Home
5. Brandon Sanderson - The Rithmatist
6. Guy Gavriel Kay - A Song for Arbonne
7. Morgan Matson - Amy & Roger's Epic Detour (Reread)
8. Marie Brennan - In the Labyrinth of Drakes
9. Patricia McKillip - The Bell at Sealey Head
10. Kirsten Hubbard - Wanderlove

5 Sachbücher

Auch dieser Vorsatz ist keine große Herausforderung - ich hatte ihn bereits vor der Hälfte des Jahres erfüllt:
1. Dirk Liesemer - Lexikon der Phantominseln
2. Cheryl Strayed - Der große Trip
3. Nathaniel Philbrick - Im Herzen der See
4. Kathleen Winter - Eisgesang
5. Dan Kieran - Slow Travel

3 Nobelpreisträger

Mit diesem Vorsatz habe ich deutlich mehr zu kämpfen. Bisher komme ich nur auf ein Buch und zwar auf "Karnak-Café" von Nagib Machfus. Wird Zeit, dass ich mir mal wieder einen Nobelpreisträger/eine Nobelpreisträgerin schnappe.

10 SuB-Leichen (Bücher, die vor 2017 auf meinem SuB gelandet sind)
 
Dieser Vorsatz hat mich dieses Jahr wirklich angespornt, endlich meinen Alt-SuB abzubauen. Bis Ende des Jahres habe ich hoffentlich einen sehr jugendlichen SuB und so soll es dann auch bleiben (das wäre zumindest der Plan). Gelesen habe ich bislang:

1. Martin Schemm - Der Goldschatz der Elbberge (im April 2014 bei mir eingezogen)
2. Hans Traxler - Die Wahrheit über Hänsel und Gretel (auf meinem SuB seit Mitte 2016)
3. Barbi Markovic - Superheldinnen (Roman einer Lehrgangs- und nun Arbeitskollegin, der seit Februar 2016 bei mir auf das Lesen wartete)
4. Brandon Sanderson - The Rithmatist (war im Sommer 2015 ein Geschenk von Elena)
5. Christoph Ransmayr - Der Weg nach Surabaya (ist mir Anfang 2016 in einem Antiquariat in die Hände gefallen)
6. Liz Jensen - Das neunte Leben des Louis Drax (im Sommer 2016 bei mir eingezogen)
7. Rachel van Kooij - Klaras Kiste (in meinem Regal seit Oktober 2016 und und damit meine jüngste SuB-Leiche)
8. Wolfgang Herrndorf - tschick (hat im Juli 2016 den Weg zu mir gefunden)

Mal sehen, ob ich meinen SuB im Laufe des Jahres vielleicht noch gänzlich von 2015- und 2016-Zugängen befreien kann. Da ich ja ab und zu auch ganz niegelnagelneue Bücher lesen bzw. in der Bibliothek stöbern möchte, streue ich diese halt immer nur sporadisch dazwischen.
 

Es läuft also dieses Jahr sehr gut. Ich denke, es macht sich bezahlt, dass ich mich mit Challenges heuer so zurückgehalten habe. Mal sehen, ob ich bis Ende des Jahres alle Vorhaben schaffe - beim Lese-Bingo wäre es eine Premiere, wenn ich tatsächlich einmal alle Felder durchstreichen könnte. 

Samstag, 8. Juli 2017

[Kurzrezensionen] Von neun Leben, dem Sterben und einem alten Verbrechen

Liz Jensen - Das neunte Leben des Louis Drax

Louis Drax scheint Glück im Unglück zu haben: Obwohl er schlimme Unfälle wie magisch anzieht, überlebt er doch immer wieder. Als er an seinem neunten Geburtstag in eine Schlucht stürzt, fällt er ins Koma und sein Vater verschwindet spurlos. War es wieder ein Unfall oder hat sein Vater ihn hinuntergestoßen? Und waren die früheren Ereignisse vielleicht auch keine Unfälle?

Liz Jensen wirft in diesem spannenden Roman eine ganze Reihe von Fragen auf, die Louis' Arzt zu beantworten versucht. Die Autorin lässt dabei die Grenzen zwischen Realität, Einbildung und auch Übernatürlichem verschwimmen. Diese Mischung mag nicht jedermanns Fall sein, aber mir hat sie sehr gut gefallen. Interessant fand ich auch, wie mit verschiedenen Perspektiven gespielt wurde.
Obwohl ich schon bald eine Ahnung hatte, worauf das ganze wohl hinausläuft, hat mich der Roman bis zum Schluss gefesselt und mir hat auch die Auflösung gut gefallen.


Rachel van Kooij - Klaras Kiste

Klara Meindert, die Lehrerin von Julius, ist schwer krank, möchte aber noch soviel Zeit wie möglich mit ihren Schülern verbringen. Als sich das Schuljahr dem Ende zuneigt, wollen Julius und seine Freunde der Lehrerin ein Abschiedsgeschenk machen. Sie beschließen, ihr einen Sarg zu bauen - keinen düsteren, traurigen Sarg, sondern einen bunten und fröhlichen, um ihr die Angst zu nehmen. Als Julius' Mutter davon erfährt, ist sie entsetzt und möchte der Sache ein Ende bereiten.

Rachel van Kooij hat keine Scheu davor, problematische Themen in Kinderbüchern anzusprechen. "Klaras Kiste" setzt sich schonungslos und dennoch altersgerecht mit dem Thema Sterben auseinander und damit, wieviel man Kindern zumuten kann. Sie beschreibt sehr glaubwürdig, wie unbefangen die Kinder nach anfänglichem Schock damit umgehen und wie die Eltern ihnen aus falsch verstandener Fürsorge bei dem Trauerprozess im Weg stehen.
Trotz des schweren Themas handelt es sich nicht nur um ein trauriges, sondern auch ein warmherziges und humorvolles Buch. Es richtet sich zwar an Kinder ab 10 Jahren, ich kann es aber auch Erwachsenen sehr ans Herz legen.


Gillian Flynn - Finstere Orte

Als Libby sieben Jahre alt war, wurden ihre Mutter und ihre beiden Schwestern eines Nachts brutal ermordet. Für die Tat wurde Libbys Bruder Ben verurteilt - nicht zuletzt aufgrund ihrer Aussage. Fünfundzwanzig Jahre später liegt Libbys Leben noch immer in Scherben. Aus Geldmangel lässt sie sich auf das Angebot einer Gruppe von Hobby-Kriminologen ein, die an der Schuld von Ben zweifeln. Libby soll ihnen dabei helfen, die Sache noch einmal neue zu untersuchen. Dabei kommen ihr selbst Zweifel an ihrer damaligen Aussage. Könnte ihr Bruder tatsächlich unschuldig sein?

Libby ist eine sehr sperrige Protagonistin und das macht sie interessant und zugleich schwierig als Perspektiventrägerin. Sie ist schwer traumatisiert von den Ereignissen in jener Nacht, zugleich aber so unsympathisch, dass es manchmal nicht so einfach ist, Verständnis für sie aufzubringen. Leider hat es sich die Autorin meiner Meinung nach etwa ab der Hälfte des Romans ein wenig zu einfach gemacht. Während Libby zuerst kaum imstande ist, normal mit ihren Mitmenschen zu interagieren und viele alltägliche Situationen sie überfordern, kann sie auf einmal hervorragend funktionieren, sobald der Plot es von ihr verlangt. Das kam mir reichlich inkonsequent vor. Außerdem war mir der obligatorische Showdown etwas zu übertrieben - das hätte der Roman nicht gebraucht.
Von den Kritikpunkten abgesehen handelt es sich nämlich um einen sehr spannenden und ungewöhnlichen Krimi. Die Auflösung zeichnet sich früh ab, ist aber stimmig und hat für mich auch gut funktioniert.

Montag, 3. Juli 2017

Meine Sommerwünsche 2017

Für mich hat nun der Sommer so richtig begonnen (auch wenn er wettermäßig schon längst da ist): Die vielen Auswärts-Termine im Juni sind geschafft, meine Schulung am vergangenen Dienstag ist gut über die Bühne gegangen und ich habe nun einen unbefristeten Dienstvertrag. 


Die besten Voraussetzungen also, um einen Tag von 2015 nochmal aufzugreifen - ich habe wie damals einige Wünsche für den Sommer und bin mal gespannt, wieviele ich mir erfüllen kann. Dieses Jahr haben meine Wünsche viel damit zu tun, in meiner Freizeit einerseits wieder kreativer zu werden und andererseits auch einfach nette kleine Dinge zu unternehmen.

1. Minigolf spielen
Ich war schon ewig nicht mehr Minigolf spielen. Für mich ist das etwas, das ich unweigerlich mit dem Sommer verbinde, da ich als Kind immer nur dann Minigolf spielen war, wenn wir zu einem bestimmten See baden gefahren sind.

2. Ausflug mit unbekanntem Ziel
Ich weiß noch nicht, wie ich das genau machen möchte. Aber ich würde gern einfach spontan in eine Schnellbahn steigen, bis zu einer zufälligen Station fahren und mich dort umsehen. Warum? Weil ich sonst eine ewige Planerin bin und vor lauter planen, recherchieren und überlegen, wohin ich gern fahren würde, manchmal gar nicht mehr dazu komme, tatsächlich irgendwohin zu fahren ...

3. 15 Bänder knüpfen/aus Perlen basteln
Vor zwei Jahren habe ich mir 20 Stück vorgenommen und das nicht ganz geschafft - nun versuche ich es mit einem etwas kleineren Ziel. Ich habe seither nämlich kaum geknüpft und finde das sehr schade. Da Freundschaftsbänder zudem etwas sehr Sommerliches an sich haben, passt das für mich perfekt.

4. Meine Wiener Streifzüge wieder aufleben lassen
Ich habe noch einige alte Ausflüge, die ich hier nie vorgestellt habe und würde gern auch wieder einige neue unternehmen. Ich wünsche mir daher, dass ich diese Blogkategorie wieder eingermaßen regelmäßig befüllen kann.

5. Eine Seite in einem Coloring Book ausmalen
Ich habe schon wieder ewig keinen Stift oder Pinsel zur Hand genommen und dabei habe ich zuhause nicht nur sehr viele Malsachen, sondern auch drei Coloring Books herumliegen. Bevor die bei mir ganz in der Versenkung verschwinden, würde ich es damit doch gerne noch einmal probieren.

6. Drachensteigen
Vor einer Weile habe ich einer Freundin gegenüber erwähnt, dass ich mal Lust hätte auf Drachensteigen (zumal ich das als Kind nie so richtig gemacht habe) - zumal es in Wien und speziell auf der Donauinsel an Wind nicht mangelt. Daraufhin hat sie mir zum Geburtstag einen Drachen geschenkt und den möchte ich natürlich im Sommer einweihen.

7. Kein Internet beim Frühstück
Ich gebe zu, das ist schon mehr ein handfester Vorsatz als ein Wunsch. Früher habe ich beim Frühstück immer gelesen, aber seit einer Weile habe ich es mir angewöhnt, mich dabei an den Computer zu setzen. Das nervt mich und da der Sommer die beste Zeit ist, um draußen auf dem Balkon zu frühstücken, ist das auch die richtige Jahreszeit, um mit dieser Angewohnheit zu brechen.

8. Meine Fantasywelt wieder bebasteln
Zum ersten Mal seit Jahren habe ich in der letzten Zeit wieder angefangen, ein wenig an meiner Fantasywelt (die als Hintergrund für meine Romane dient) herumzubasteln. Da das ganze eine Riesenbaustelle (viele veraltete Texte, etc.) ist, die mich als gesamtes sehr einschüchtert, würde ich in den nächsten Wochen gern mit ein paar Kleinigkeiten anfangen.

9. Ins Sommerkino gehen
Das habe ich schon die letzten zwei Jahre gemacht und fand es sehr schön - und da ich mich nun mal kenne, wird das ein konkreter Wunsch, damit das nicht im Nichts versandet.

10. Einen Ausflug mit meiner Kindheitsfreundin machen
Meine Kindheitsfreundin und ich schenken und seit Jahren nichts mehr zum Geburtstag (wir haben genau im Abstand von einem Monat im Juni und Juli Geburtstag), sondern machen stattdessen einen gemeinsamen Ausflug im Sommer. Soweit die Theorie. Seit meine Freundin wieder in unserer Heimatstadt wohnt und ein Kind hat und ich die meiste Zeit in Wien bin, schaffen wir das nicht jedes Jahr. Da meine Freundin nun wieder schwanger ist, hoffe ich aber sehr, dass wir es dieses Jahr wieder hinbekommen. Danach wird das nämlich wohl eine Weile nichts mehr.


Habt ihr auch Lust, eine Wunschliste für den Sommer zu erstellen? Was sind eure Wünsche?

Sonntag, 2. Juli 2017

Marie Brennan - In the Labyrinth of Drakes



erschienen bei Titan Books


 Im vierten Band von "A Memoir by Lady Trent" verschlägt es Isabella und Tom nach Akhia, wo sie im Auftrag der Armee herausfinden sollen, wie man Drachen in Gefangenschaft züchten kann. Isabella trifft hier nicht nur auf einen alten Bekannten, sondern macht in der Wüste auch bahnbrechende neue Entdeckungen.


Ich lese die Reihe von Marie Brennan gern, allerdings hatte ich bei allen Bänden bisher das Problem, dass sie mich nur mäßig fesseln konnten. Diesen Band fand ich nun spannender als den Vorgänger - vielleicht, weil die Handlung insgesamt etwas stringenter und zielgerichteter war. Das geplante Zuchtprogramm stellt hier den Hauptplot dar und alle Nebenhandlungen (die mitunter auch recht actiongeladen sind), gruppieren sich um diesen herum.

Isabella kann hier also ihre Studien über Drachen ein ganzes Stück vorantreiben und die wissenschaftlichen Entdeckungen stehen hier noch mehr im Vordergrund als in den vorigen Bänden. So bildet dann auch eine solche Entdeckung den Höhepunkt des Romans und nicht etwa eine dramatische Actionszene - das fand ich sehr stimmig und passend.

Sehr schön ist auch, dass hier einige altbekannte Figuren wieder mehr Raum bekommen. Isabellas Kollege Tom spielt eine wichtige Rolle und auch die Freundschaft zwischen den beiden wird weiter vertieft. Mit Isabellas Bruder Andrew und Suhail, der hier erneut in Isabellas Leben tritt (wie bereits nach Bekanntgabe des Landes, in dem dieser Band spielt, zu erwarten war), sind außerdem zwei sehr liebenswerte Figuren mit dabei, die man bereits aus früheren Bänden kennt.

Weshalb ich nun diesen Roman trotz interessanter Handlung und schön gezeichneten Figuren nicht ganz überzeugend fand, liegt an der Welt. Zu Beginn der Reihe hat mir diese Idee einer viktorianischen Welt, die unserer nicht unähnlich ist, aber Drachen beheimatet, gut gefallen. Inzwischen finde ich es aber einerseits etwas langweilig, dass man Brennans Kulturen nahezu eins zu eins durch unsere austauschen kann und andererseits ermüdend, dass Frauen wieder einmal mit denselben Einschränkungen zu kämpfen haben. Praktisch in jedem Band steht Isabella ihr Geschlecht im Weg und sie ist Beleidigungen, Spott und bösen Gerüchten ausgesetzt. Ich erwarte bei einem phantastischen Roman sicher keine perfekten Gesellschaften (ganz im Gegenteil!), aber ich finde es doch schade, wenn die gesellschaftlichen Strukturen wieder nur die schon altbekannten sind.
Das sind natürlich nur persönliche Referenzen und vielen gefällt wohl gerade diese viktorianische Alternativwelt besonders gut.

Alles in allem hat mir "In the Labyrinth of Drakes" gut gefallen und ich fand ihn gelungener als die beiden Vorgängerbände, aber es gab doch auch einiges, was mich daran gestört hat.
Ich freue mich, dass auf meinem SuB schon der abschließende fünfte Band liegt und ich bin neugierig, was Isabella darin noch herausfinden wird - aber ich bin auch nicht unbedingt traurig, dass die Serie danach zu Ende sein wird.

Donnerstag, 29. Juni 2017

[Tag] Mid-Year Book Tag

Diesen Tag, der Gelegenheit bietet, einen leserischen Rückblick auf die erste Hälfte des Jahres zu werfen, habe ich mir von Elena mitgenommen.

1. Best book you’ve read so far in 2017

Schwierig. Ich hatte dieses Jahr schon einige sehr gute Bücher, die ich begeistert verschlungen habe, aber es sticht nicht ein einzelnes klar heraus. Am schwersten aus der Hand legen konnte ich aber Der große Trip von Cheryl Strayed. Ich fand diesen Erfahrungsbericht fesselnd, berührend und auch sprachlich sehr gut.

2. Best sequel you’ve read so far in 2017

Das wäre in diesem Fall ein Re-Read und zwar Harry Potter and the Deathly-Hallows. Ich mag den Abschlussband der Harry Potter-Reihe sehr gern und finde ihn auch deutlich stärker als die beiden vorhergehenden Bände.

3. New release you haven’t read yet, but want to

Ihr wisst ja, ich habe manchmal eine etwas andere Definition von "Neuerscheinung". Bei dieser Frage fiel mir nämlich als erstes Children of Earth and Sky von Guy Gavriel Kay ein - das allerdings schon im Mai 2016 erschienen ist. Aber in meinem Kopf ist das immer noch "das neue Buch von Kay, das ich gleich lesen muss". Weshalb ich es bisher noch nicht getan habe? Weil sich darin angeblich Anklänge an "The Sarantine Mosaic" finden und ich daher zuerst das gerne noch einmal lesen möchte.  

4. Most anticipated release for the second half of the year 

Auweh, ich verfolge nur selten mit, was in Zukunft erscheinen wird, wenn ich nicht gerade auf eine Fortsetzung einer Reihe warte. Da wohl weder von George R.R. Martin noch von Patrick Rothfuss dieses Jahr noch etwas zu erwarten ist, muss ich hier passen ...

5. Biggest disappointment

Richtige Flops hatte ich dieses Jahr bislang kaum. Am wenigstens hat mir vielleicht Am Ende der Welt traf ich Noah von Irmgard Kramer gefallen, aber da ich bei diesem Buch keine hohen Erwartungen hatte, war auch die Enttäuschung nicht so groß. Anders bei Eisgesang von Kathleen Winter, das ich zwar nicht direkt schlecht fand, von dem ich aber viel mehr erwartet hätte.

6. Biggest surprise

Das wäre wohl The Rithmatist von Brandon Sanderson. Nachdem ich mit diesem Autor vorher kein Glück hatte, waren meine Erwartungen nicht allzu hoch, aber mir hat dieses Jugendbuch richtig gut gefallen. Sympathische Figuren, ein interessantes Magiesystem und dazu noch ein spannender Kriminalfall!

7. Favourite new author (debut or new to you)

Ich habe in diesem Jahr sehr viel von Autorinnen und Autoren gelesen, die ich bereits kannte. Sehr gefallen hat mir aber das Debüt von Isabel Bogdan: Der Pfau. Ich werde in Zukunft sicher nach weiteren Romanen der Autorin Ausschau halten.

8. Newest fictional crush

In der Hinsicht hatte meine Lektüre dieses Jahr bisher noch nicht viel für mich zu bieten. ;-) Guy Gavriel Kay trifft ja hier gern mal meinen Nerv, aber ausgerechnet bei "Im Schatten des Himmels" war die Hauptfigur nicht so mein Fall. Am ehesten könnte ich hier noch Suhail aus "In the Labyrinth of Drakes" von Marie Brennan nennen. Ich würde zwar nicht direkt von einem "Crush" sprechen und so neu ist er genaugenommen auch nicht mehr, da Suhail bereits im Vorgängerband "Voyage of the Basilisk" eingeführt wurde, aber auf jeden Fall ist er für mich ein sympathischer, interessanter Charakter, bei dem ich gut nachvollziehen kann, weshalb sich die Ich-Erzählerin in ihn verliebt.

9. Newest favourite character

Auch hier ist mir nicht gleich jemand eingefallen. Ganz entzückend und ungemein liebenswert fand ich Mae in Eine Geschichte der Zitrone von Jo Cotterill. Oder in meiner ganz aktuellen Lektüre "The Bell at Sealey Head" von Patricia McKillip mochte ich Gwyneth sehr gern. Ich bin mir bei beiden aber nicht sicher, ob sie für mich zur Lieblingsfigur reichen.

10. Book that made you cry

Hier muss ich wieder auf einen Re-Read zurückgreifen: A Song for Arbonne von Guy Gavriel Kay hat mich - wie auch schon die Male zuvor - zum Weinen gebracht.

11. Book that made you happy

Die Wahrheit über Hänsel und Gretel von Hans Traxler. Was für ein witziges, intelligentes und originelles Buch! Mich hat es beim Lesen einfach glücklich gemacht, dass jemand so kreativ und überzeugend eine Wissenschaftsparodie verfasst und ich musste mir ständig vorstellen, was für einen diebischen Spaß der Autor bei der Sache gehabt haben muss.

12. Favourite book to film adaptation you saw this year

I Capture the Castle nach dem gleichnamigen Roman von Dodie Smith. Die Verfilmung ist wunderbar und auch sehr überzeugend besetzt. Fast genauso gut hat mir aber Die Mitte der Welt nach dem Jugendbuch von Andreas Steinhöfel gefallen. Die Verfilmung kann atmosphärisch für mich nicht mit dem Buch mithalten, aber es ist trotzdem ein sehr sehenswerter Film mit einem äußerst beeindruckenden Louis Hofmann als Phil.

13. Favourite review you’ve written this year

Ach herrje, diese Frage könnt ihr vielleicht besser für mich beantworten. Am leichtesten von der Hand gegangen ist mir vielleicht die Rezension zu Die Wahrheit über Hänsel und Gretel von Hans Traxler.

14. Most beautiful book you’ve bought (or received) so far this year


Ich mag die Aufmachung von Cox oder Der Lauf der Zeit von Christoph Ransmayr sehr gern. Das Cover ist schlicht, aber die schimmernden chinesischen Schriftzeichen und die leicht erhabene Schrift machen sehr viel her. Ich finde auch die Farbkombination sehr edel. 

15. What books do you need to read by the end of the year

Ich würde bis zum Ende des Jahres gern alle Bücher von meinem SuB lesen, die sich dort bereits seit den Vorjahren tummeln. Das wären 10 Stück und somit gut zu schaffen, aber ich mag mich da nun auch nicht unter Druck setzen. 
Was ich aber auf jeden Fall dieses Jahr noch lesen möchte, sind die weiteren Bände der Raven Boys-Reihe von Maggie Stiefvater. Es würde sonst nicht sehr viel bringen, dass ich extra meine Erinnerung an den ersten Band auffrische, wenn ich dann erst recht nicht zeitnah weiterlese.


Und wie sieht eure Bilanz der ersten Jahreshälfte aus? Möchtet ihr euch vielleicht auch den Tag mitnehmen?

Sonntag, 25. Juni 2017

Buchstabengeplauder #79

Die sommerliche Hitze hat Wien gerade ziemlich im Griff (wobei es sich nun zusammenzieht und für heute auch Unwetter angesagt sind) und bei mir leidet die allgemeine Motivation ein wenig darunter. Allerdings muss ich sagen, dass meine Gedanken ohnehin sehr vereinnahmt werden von der Schulung, die ich am Dienstag geben muss und ich mich in dieser Zeit vermutlich so und so nicht gut auf etwas anderes konzentrieren könnte. Ich freue mich also schon darauf, wenn ich das am Dienstag gut überstanden habe.

Immerhin war ich motiviert, dieses Wochenende ein wenig meinen Balkon zu verschönern. Ich möchte schon länger meine eine weiße Wand aufpeppen, war aber lange unsicher, womit. Streichen war mit etwas zuviel Aufwand; Kletterpflanzen sind dort auch nicht so gut geeignet, da drunter meine große Gartentruhe steht und ich da also keine Töpfe/Pflanzenkästen unterbringe.
Nun habe ich vorige Woche ganz billige bunte Bilderrahmen gefunden (noch nicht mal mit Glas, sondern nur einer Art Folie) und einfach mit Edding Silhouetten von Vögeln und Pflanzen gezeichnet. So schaut die Wand jetzt also aus:


Außerdem habe ich die nun schon recht müde aussehenden Frühlingsblumen durch Zwergsonnenblumen ersetzt und erfreue mich an der gut gedeihenden Zucchinipflanze sowie den vielversprechenden heranwachsenden Tomaten. 


Die Pflanze trägt noch eine ganze Reihe von weiteren Tomaten


Was mir am Balkon jetzt noch immer fehlt und was bei diesen Temperaturen wichtiger wäre als Dekoration, ist ein Sonnenschutz. Das ist allerdings nicht so leicht umzusetzen - schon gar nicht bei einer Mietwohnung. Ich habe schon ein paar Ideen, aber ich befürchte, eine Weile werde ich die pralle Sonne auf dem Balkon noch hinnehmen müssen.

Zum Lesen komme ich aufgrund der mangelnden Konzentration gerade nicht so viel, aber ich höre gerade Wen der Rabe ruft als gekürztes Hörbuch. Ich habe den Roman auf Englisch bereits vor drei Jahren gelesen und möchte nun endlich die weiteren Bände lesen. Da ich das Buch nur ausgeliehen hatte und mich an vieles nicht mehr erinnern kann, dachte ich mir, dass so eine verkürzte Lesung in dem Fall vielleicht ganz gut zum Auffrischen der Erinnerung wäre. 
Nachdem ich fast am Ende angekommen bin, kann ich sagen, dass das Hörbuch für diesen Zweck in der Tat gut geeignet ist. Trotzdem bin ich schockiert, wie verstümmelt die Geschichte in dieser Version ist. Die Handlung funktioniert durchaus noch, aber die wunderbaren Szenen mit Blue und den vier Jungs wurden auf ein Minimum reduziert. Darunter leidet nicht nur die Figurenzeichnung, sondern auch die Beziehungen zwischen ihnen. Die Freundschaft zwischen den Jungs kommt kaum zur Geltung und das Kennenlernen von Blue erfolgt sehr überhastet - wodurch auch die dezente Liebesgeschichte auf einmal wie Instalove wirkt. 

Es ist mir wirklich ein Rätsel, wieso man einen so schönen Roman dermaßen für eine Lesung zusammenkürzt. Die englische Originalversion dauert 11 Stunden - die gekürzte deutsche Fassung gerade einmal etwas mehr als 6 Stunden. Hier wurde also ein Jugendbuch von relativ überschaubarer Länge um gut ein Drittel reduziert. Warum macht man so einen Schwachsinn? Wenn man nicht den Roman, wie ich, schon vorher kennt, halte ich die deutsche Hörbuchversion für nahezu unbrauchbar. Und es hat mir wieder einmal bestätigt, weshalb ich normalerweise um gekürzte Hörbücher einen sehr großen Bogen mache.  

Habt ihr auch schon einmal eine gekürzte Hörbuchversion gehört, bei der ihr das Buch vorher bereits gelesen habt? Und wenn ja, wie fiel da für euch der direkte Vergleich aus?

Samstag, 24. Juni 2017

Isabel Bogdan - Der Pfau

erschienen bei Argon Hörbuch
ungekürzte Lesung von Christoph Maria Herbst
woher: Büchereien Wien (eAudio)

Eine Gruppe Investment Banker reist zum Teambuilding in die schottischen Highlands, wo Lord und Lady McIntosh ihren alten Landsitz zu einem Gästehaus umgebaut haben. Die Banker sind von dieser Art der Wochenendgestaltung nicht eben begeistert und dann ist da auch noch ein verrückt gewordener Pfau, der für Chaos sorgt - bis irgendwann niemand mehr weiß, was überhaupt passiert ist.

Voriges Jahr gab es zum Welttag des Buches die Anthologie LiteraTier, in der auch das erste Kapitel von Isabel Bogdans Debütroman enthalten war. Ich habe damals das Buch auf meiner Liste gesetzt und hatte nun sehr viel Freude mit dem Hörbuch.
"Der Pfau" ist eine amüsante, unterhaltsame Geschichte mit einer ordentlichen Prise Ironie. Der Landsitz in den schottischen Highlands mit allerlei Getier, das sich dort tummelt, bildet einen sehr passenden Hintergrund für den Plot. Unter den Tieren der McIntoshs befindet sich nämlich auch ein Pfau, der äußerst aggressiv auf die Farbe Blau reagiert. Dummerweise hat Liz, die Chefin der Banker, ein blaues Auto und damit nimmt das Unheil seinen Lauf.

Obwohl die Verwicklungen um den Pfau im Stile einer Verwechslungskomödie sehr witzig zu lesen sind, waren die Banker für mich das echte Highlight. Manche begeistert, manche widerwillig finden sie sich abseits der Zivilisation zusammen mit einem Coach und einer Köchin ein, um Teambuilding zu betreiben. Die Methoden, die Coach Rachel zum Einsatz bringt, sowie die unterschiedlichen Reaktionen der Banker darauf haben mich so stark an vergleichbare Veranstaltungen bei uns erinnert (wenngleich diese am Wolfgangsee anstatt in Schottland stattfinden), dass ich immer wieder kichern musste.
Die einzelnen Figuren (von den Bankern über die resolute Köchin bis hin zum Hausmädchen) sind mit ihren Skurrilitäten nicht unbedingt mitten aus dem Leben gegriffen, aber so liebevoll beschrieben, dass sie mir alle irgendwie sympathisch waren. Als sich das ganze Chaos erst so richtig entfaltet und die Banker bei Schnee ohne Strom in dem Haus festsitzen, entdeckt sogar Chefin Liz noch ihre umgängliche Seite.

Mir hat auch der auktoriale Erzählstil gut gefallen, der eher distanziert ist und ganz ohne direkte Rede auskommt, aber sehr gut zu dieser Geschichte passt. Er unterstreicht noch die skurrilen Situationen und erlaubt einen Einblick in die Gedanken aller beteiligten Figuren.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass sich die Geschichte ab und zu ein wenig im Kreis dreht. Ich hatte den Eindruck, als wollte Isabel Bogdan zu viel erklären und sicherstellen, dass garantiert alle Leser genau verstehen, was gerade passiert. Hier wäre etwas weniger durchaus mehr gewesen - so waren ein paar Szenen und Gedankengänge etwas redundant.

Abgesehen davon habe ich mich aber prächtig amüsiert, zumal das Hörbuch von Christoph Maria Herbst auch sehr schön gelesen war.

Sonntag, 18. Juni 2017

Buchstabengeplauder #78

Wieder einmal ist eine Woche vergangen und ich habe nur einen recht bilderlastigen Plauderbeitrag für euch. In der letzten Zeit war ich einfach zu wenig in Wien - zuerst die Dienstreisen und dann war ich über den Feiertag bei meiner Familie, wo ich mit meiner Mutter die Landesgartenschau in Kremsmünster besucht habe. Die Gartenschau war auf zwei Standorte verteilt - das Stift Kremsmünster und das Schloss Kremsegg - und durchaus sehenswert, wenn auch etwas überteuert. Hier ein paar Eindrücke davon:




Stiftskirche



Allgemein ist bei mir der Juni sehr vollgestopft und wuselig. Bis zum 27. Juni muss ich noch eine Schulung vorbereiten (ich bin schon ziemlich nervös beim Gedanken daran), aber danach sollte es ruhiger werden und ich denke, dass ich dann auch den Kopf wieder freier haben werde fürs Bloggen.

Ein stiller Blog heißt allerdings bei mir nicht unbedingt, dass ich wenig lese. Gerade heute Abend habe ich Finstere Orte von Gillian Flynn ausgelesen, das mich nicht hundertprozentig überzeugt hat, das ich aber doch so spannend fand, dass ich noch bei Einbruch der Dämmerung mit angestrengten Augen draußen am Balkon gelesen habe. Auf dem Ebook-Reader tummelt sich außerdem gerade The Bell at Sealey Head von Patricia McKillip, das mir bislang sehr gut gefällt. Vom Aufbau her erinnert es mich ein wenig an "Alphabet of Thorns", das eins meiner Lieblingsbücher von McKillip ist. Hoffentlich lösen sich all die Rätsel auch zufriedenstellend auf.

Da ich vorige Woche Geburtstag hatte, habe ich außerdem Zuwachs für den SuB bekommen:


Das Labyrinth der Lichter von Carlos Ruiz Zafón ist der Abschluss seiner Romane rund um den Friedhof der Vergessenen Bücher. Sein vorheriges Werk Der Gefangene des Himmels hat mir nicht so gut gefallen, aber ich hoffe, dass der aktuelle Roman wieder etwas besser ist.
Zu diesem Wälzer gesellen sich noch zwei Sachbücher, die ich schon seit einer Weile auf der Wunschliste hatte - Gegen Vorurteile von Nina Horaczek und Sebastian Wiese sowie Fünf Hausmittel ersetzen eine Drogerie.
Ich habe außerdem noch Büchergutscheine bekommen und einen Teil davon schon für zwei Ebooks eingelöst: When Marnie Was There von Joan Robinson und Wanderlove von Kirsten Hubbard. Beim Rest muss ich noch überlegen, welche Bücher ich noch vom ewigen Wunschlisten-Dasein erlösen möchte.
Auf jeden Fall ist genug Lesestoff für den Sommer gesichert!

Sonntag, 11. Juni 2017

Christoph Ransmayr - Der Weg nach Surabaya


erschienen bei Fischer


"Der Weg nach Surabaya" enthält 16 Texte von Christoph Ransmayr - hauptsächlich Reportagen, die er für Merian und Extrablatt geschrieben hat, aber auch Kurzprosa und Dankreden, die er bei der Verleihung von Literaturpreisen gehalten hat. Gemeinsam haben die Texte, dass sie sich alle mit Reisen oder der Beschreibung einzelner Landstriche auseinandersetzen.

Der oberösterreichische Schriftsteller Christoph Ransmayr ist nicht nur ein begeisterter Reisender (er selbst bezeichnet sich als "Halbnomaden"), sondern hat vor allem in den 80er Jahren auch zahlreiche Reportagen für (Reise)magazine geschrieben. Dabei geht es aber zumindest in den hier versammelten Texten nur selten um exotische Reiseziele, sondern um das vermeintlich Naheliegende: Bayern, das Salzkammergut, Kaprun, das Mostviertel, Hallig Hooge im Wattenmeer. Erst in den letzten Texten schweift Ransmayr weiter in die Ferne und erzählt vom Zuurberg in Südafrika und einer Lastwagenfahrt nach Surabaya.

Es hat mich selbst überrascht, dass ich die ersten "nahen" Gegenden am faszinierendsten beschrieben fand. Der Autor hat einen ungemein aufmerksamen Blick für das Alltägliche, das scheinbar Uninteressante und beschreibt das Leben in kleinen Dörfern sehr anschaulich.
Dabei hilft natürlich sein Schreibstil, der alles andere als nüchtern und karg ist, sondern wortgewaltig und fast ein wenig altmodisch. Hier eine kleine Kostprobe:

"Am Rand einer jäh abfallenden Lichtung des Mischwaldes dreht sich der Totengräber nach mir um, weist auf Schroffen und Bergkämme und zählt ihre Namen auf. Wie abblätternder Kalk gleiten Nebelfetzen die Steinhalden hinab. Tief unter uns, im besänftigenden Rauschen des Regens, liegt der südlichste und kälteste See des oberöstereichischen Salzkammergutes und an seinem Ufer, klein und verschwindend, Hallstatt; die Salzgrubenstadt."
(aus: Die ersten Jahre der Ewigkeit. Der Totengräber von Hallstatt; S. 63)

Nicht zuletzt aufgrund des poetischen Stils fügen sich Reportagen und Prosatexte so harmonisch zusammen. Denn nicht alle Texte in dem Buch sind reine Beschreibungen des Wirklichen. Ransmayr erzählt auch von einer fiktigen Reise zur Kaiserin Zita im Exil, überlegt, wie der letzte Tag von Konstantinopel 1453 ausgesehen haben könnte und lässt Minos Daedalus den Auftrag zum Bau des Labyrinths von Knossos geben.

Obwohl ich manche Texte gelungener fand als andere, hat mir diese Sammlung ebenso gut gefallen wie die Romane von Christoph Ransmayr. Ich hatte sogar fast den Eindruck, dass seine Sprache in diesen kurzen Texten besser zur Geltung kommt als in langen Romanen, wo diese mitunter ermüdend werden kann (was nichts daran ändert, dass ich auch seine Romane sehr gern lese).

"Der Weg nach Surabaya" ist ein Buch der stillen Zwischentöne, das Fernweh erzeugt - selbst (oder erst recht) dort, wo die Reise gar nicht allzu weit in die Ferne schweift. Ransmayrs Schreibstil mag die Meinungen spalten. Ich bin auf jeden Fall ein großer Fan davon und kann daher diese Textsammlung ebenso empfehlen wie etwa "Die letzte Welt" oder "Der fliegende Berg".

Montag, 5. Juni 2017

Buchstabengeplauder #77

Wie erwähnt hat es mich vorige Woche dienstlich an den Wolfgangsee geführt, wo ich mehr oder weniger rund um die Uhr eingespannt war. Es war also anstrengend, aber auch sehr interessant und schön, da die Kursgruppe wahnsinnig nett war. In der ersten Wochenhälfte hatten wir zudem sehr viel Glück mit dem Wetter und ich konnte in den Pausen ein wenig am See joggen sowie spazierengehen (einige waren schlauer als ich und hatten anstatt Laufschuhen Badesachen mit dabei).
Während es im Salzkammergut dann am Mittwoch kühler und regnerisch wurde, blieb das Wetter in Wien die ganze Woche heiß und sonnig - dementsprechend besorgt war ich um meine Pflanzen, aber erstaunlicherweise haben sie die Tage sehr gut überstanden und sind sogar ordentlich gewachsen.
Ein paar Eindrücke von Balkon und Wolfgangsee:



Endlich treibt auch die Kapuzinerkresse aus



Möglicherweise verletzte ich hier die Persönlichkeitsrechte der Schnecken

Morgen führt es mich für eine Konferenz noch einmal für drei Tage an den Wolfgangsee. Der Wetterbericht ist nicht allzu vielversprechend, was schade ist, da wir am Mittwoch eine abendliche Schifffahrt geplant hätten.

Leider haben mich vorige Woche ziemlich starke Schulter- und Nackenschmerzen geplangt, die nun übers Wochenende zum Glück nachgelassen haben (hoffentlich bleibt es so!). Aus diesem Grund habe ich aber ein sehr ruhiges und faules Wochenende verbracht und bin auch über den zusätzlichen Ruhetag heute froh. 
Ich habe also etliche Stunden lesend auf dem Balkon verbracht. Derzeit habe ich offenbar etwas Pech mit Klassikern. Bei "Moby Dick" komm ich nicht weiter (und überlege immer noch, ob ich abbrechen soll), weil mich der Roman unglaublich langweilt. Und als Hörbuch habe ich gerade "Schloß Gripsholm" von Kurt Tucholsky ausgeliehen, von dem ich fest angenommen habe, dass das genau meinem Geschmack entsprechen würde. Leider gefällt mir aber der Sprachstil nicht besonders gut und ich habe außerdem große Probleme, den plattdeutschen Einsprengseln zu folgen. 
Daneben gibt es mit "In the Labyrinth of Drakes" von Marie Brennan auch etwas modernes, wobei mich auch dieses Buch nicht direkt fesselt. Das Problem hatte ich auch schon mit den vorigen Bänden der Memoiren von Lady Trent, aber alles in allem mag ich die Serie trotzdem. 

Wie habt ihr das verlängerte Wochenende genutzt?

Samstag, 3. Juni 2017

Dan Kieran - Slow Travel. Die Kunst des Reisens


erschienen bei Heyne


Dan Kieran schreibt in seinem Buch vom entschleunigten Reisen und unterscheidet dafür auch klar zwischen Touristen und Reisenden. Er tritt dafür ein, dass man nicht nur reisen sollte um anzukommen, empfiehlt, auch einfach mal die unmittelbare Gegend zu erkunden und reflektiert kritisch, ob es denn das Ziel einer Reise sein kann, möglichst viel in möglichst wenig Zeit zu sehen. 


Mich haben Titel und Klappentext gleich angesprochen, da sich mein eigenes Reiseverhalten in den letzten Jahren auch verändert hat. Ich bin von dem Wunsch, in kurzer Zeit "alles" sehen zu wollen abgekommen, bereise zunehmend auch meine nähere Umgebung und fühle mich gestresst, wenn Mitreisende hektisch W-Lan suchen, um ihre Fotos auf Instagram hochladen oder Selfies an Freunde schicken zu können. Von Dan Kieran habe ich mir daher erhofft, verschiedene Denkanstöße für eine langsame Art des Reisens zu bekommen sowie zum Nachdenken angeregt zu werden.
Zum Teil wurden meine Hoffnungen auch erfüllt, aber nach einem sehr schönen Einstieg konnte mich das Buch dann doch nicht ganz überzeugen. 

Der Autor beschreibt in "Slow Travel" vor allem seine eigenen Reiseerlebnisse. Er erzählt von einem vierwöchigen Trip durch das Land in einem Milchwagen, erkundet die Wege direkt vor seiner Haustür, schildert die zahlreichen Pannen während einer Reise nach Schottland und bricht eine Lanze für Zugreisen (anstatt sich ins Flugzeug zu setzen). Zwischen diese persönlichen Berichte streut er recht triviale Tourismuskritik und bespricht sehr ausgiebig einige Bücher, die ihn selbst beim Thema Reisen geprägt haben. Das ist alles unterhaltsam, ergibt aber mitunter eine seltsame Mischung, die für mich nicht recht harmonieren wollte. Für mein Empfinden beißt er sich auch zu sehr an einzelnen Tipps (etwa den Zugreisen) fest und liefert als Denkanstoß nur seine persönliche Art des Reisens. Das fand ich schade, da es doch so viel mehr Möglichkeiten des entschleunigten Reisens gäbe als nur seine ganz eigenen Erfahrungen.
Vermutlich würde es nicht schaden, wenn der Klappentext deutlicher machen würde, dass es sich bei dem Buch in erster Linie um Erfahrungsberichte handelt - dann wäre ich auch mit einer anderen Erwartung an das Buch herangegangen.

Dennoch hat mir die Lektüre an sich gefallen und ich konnte auch ein paar Anregungen und Überlegungen für mich mitnehmen.

Sonntag, 28. Mai 2017

Buchstabengeplauder #76

Mich führt es nächste Woche wieder an den Wolfgangsee, weil ich dort eine Ausbildung (organisatorisch) betreue - und die Woche danach gleich nochmal für eine Konferenz. Ich hatte ursprünglich überlegt, ob ich dazwischen am Pfingstwochenende gleich in der Gegend bleibe, aber nun fängt bei mir am Balkon endlich alles an zu wachsen und zu blühen und ich möchte nicht für fast zwei Wochen jemanden zum Blumengießen organisieren müssen. Ich hoffe also, dass die Pflanzen alle gut bis zum kommenden Freitag überleben und ich dann auch das nächste Wochenende so schön mit einem Buch am sonnigen Balkon genießen kann.

Derzeit sieht es bei mir auf jeden Fall so aus:

Die Pflücksalatsaison hat wieder begonnen!
Endlich beginnen auch die Pelargonien zu wachsen und zu blühen
Die Hornveilchen blühen dagegen schon seit Wochen unermüdlich
Die Kräuter gedeihen und die totgeglaubten Erdbeeren haben sich wieder aufgerappelt
Ich versuch es nochmal mit Zucchini und dieses Jahr erstmals auch mit Tomaten

Heute Abend habe ich noch Rucola und Radieschen für den Salat geerntet - es ist so schön, wenn ich endlich wieder mein Abendessen vom Balkon holen kann. Deshalb fällt es mir auch etwas schwer, gerade jetzt für ein paar Tage wegzufahren. Nicht nur deshalb, sondern auch, weil ich befürchte, dass die nächste Woche ziemlich anstrengend werden könnte. Ich hoffe aber mal, dass alles glatt läuft.
Eigentlich wollte ich noch die eine oder andere Rezension vorbereiten, aber dazu bin ich nicht mehr gekommen - dabei war ich gerade so schön am Aufholen bei meinen liegengebliebenen Rezensionen. Vielleicht komme ich nächste Woche ja ein wenig zum Bloggen. Falls nicht, lesen wir uns nächstes Wochenende wieder.
Habt eine gute Woche!


Samstag, 27. Mai 2017

Guy Gavriel Kay - A Song for Arbonne

erschienen bei Penguin Audio
19 Stunden 39 Minuten (ungekürztes Hörbuch)
gelesen von Euan Morton


Nach einem Zerwürfnis mit seinem Vater verschlägt es Blaise aus dem kriegerischen Gorhaut in den Süden nach Arbonne, wo er sich als Söldner verdingt. Anfangs hat er Schwierigkeiten mit der fremden Kultur des Landes, in dem Frauen herrschen und Troubadoure verehrt werden und man an eine Göttin glaubt, aber allmählich wird er immer tiefer in die Politik von Arbonne hineingezogen. Bald holt ihn auch seine eigene Vergangenheit ein und er muss sich entscheiden, auf welcher Seite er steht.

"A Song for Arbonne" ist meiner Meinung nach einer der besten Romane von Guy Gavriel Kay. Er erzählt eine Geschichte, bei der man am Anfang nicht recht weiß, wo sie hinführen wird, die sich allmählich entfaltet und bei der schließlich alle Fäden harmonisch zusammenlaufen. Es gibt Intrigen und unerwartete Wendungen, die auch erfahrene Kay-Leser teilweise noch überraschen dürften. 

Mit Blaise hat Kay einen sehr interessanten Protagonisten erschaffen. Anfangs engstirnig, arrogant und unbedacht wirkt er zunächst nicht sehr sympathisch. Dennoch fällt es nicht schwer, sich in ihn hineinzuversetzen und im Laufe des Romans macht er eine große, aber dennoch glaubwürdige Entwicklung durch. 
Aber auch die anderen Perspektiventräger und Nebenfiguren sind sehr gut gelungen. Da sind auf der einen Seite Signe de Barentain, Gräfin von Arbonne, und ihr Umfeld; auf der anderen Seite der Umkreis des Königs von Gorhaut. Auch wenn die Sympathien klar bei Arbonne liegen und die Führungsriege von Gorhaut tendentiell eher als die "böse" Seite dargestellt wird, gibt es keine schwarz-weiß-Malerei und die meisten Figuren bekommen Gelegenheit, unterschiedliche Seiten von sich zu zeigen. Am einseitigsten erscheint noch Galbert de Garsenc, Hohepriester von Gorhaut, der seinen Glauben in Arbonne auch mit Gewalt verbreiten möchte, aber er ist weit mehr als nur ein religiöser Fanatiker und es zeigt sich erst nach und nach, wo er überall seine Fäden zieht.

Bertran de Talair, einer der einflussreichsten Adeligen von Arbonne, ist vielleicht die typischste Kay-Figur - der vermeintliche Tunichtgut und Frauenheld, der nach und nach hinter die Fassade blicken lässt. Er erinnert mich sowohl an Ammar ibn Khairan (The Lions of Al-Rassan) als auch an Prinz Diarmuid (A Fionavar Tapestry), ist aber dennoch eine eigenständige Figur. Die Freundschaft, die sich langsam zwischen ihm und Blaise entwickelt, wird sehr schön dargestellt - so wie überhaupt Freundschaften in diesem Roman einen hohen Stellenwert haben. Daneben kommt auch Liebe nicht gänzlich zu kurz, wobei aber die Liebesgeschichten wirklich sehr im Hintergrund bleiben.

Neben der ganzen politischen Seite, die gute Einblicke in die Entstehung eines (Religions-)Krieges bietet, kommt mit den Troubadouren auch eine künstlerische Seite mit ins Spiel. Musik nimmt einen großen Raum im Buch ein und mit Lisseut bekommt man auch eine Perspektiventrägerin unter den Sängern. Es ist interessant, wie Kunst und Politik ineinander verschränkt werden - zusammengehalten durch Bertran de Talair, der selbst ein Musiker ist und dessen Lied über ein vergangenes politisches Abkommen mit ein Grund für den Krieg ist.

Ich habe diesen Roman nicht zum ersten Mal gelesen, aber er hat mich ein weiteres Mal gefesselt und emotional gefangen genommen. Wie oft bei Kay herrscht eine eher melancholische Stimmung und es gibt auch einige tragische Szenen. Da die Nebencharaktere so gut ausgearbeitet sind, hatte ich auch beim Tod einer eher unbedeutenden Figur mit den Tränen zu kämpfen. Neben den vielschichtigen Figuren mag ich besonders das Setting, das vom Albigenserkreuzzug inspiriert ist und praktisch ohne Magie auskommt.

Es war nun das erste Mal, dass ich das Buch auf Englisch gehört habe und ich hatte anfangs ein wenig Schwierigkeiten, in die Sprache hineinzufinden - was auch am leichten schottischen Akzent des Sprechers liegen mag. Mit der Zeit bin ich dann aber gut hineingekommen und ich finde, dass Euan Morton nicht nur die Geschichte sehr gut liest, sondern auch die enthaltenen Lieder sehr gut singt. Da ich das Buch auf Deutsch schon einige Male gelesen habe, hatte ich manche Passagen noch im Kopf und mir ist aufgefallen, dass die Übersetzung teilweise weniger gut ist, als ich gedacht hätte. Guy Gavriel Kay hat durchaus einen anspruchsvollen Schreibstil, aber auf Deutsch sind manche Formulierungen doch deutlich umständlicher ausgefallen. Daher hat es sich auf jeden Fall gelohnt, den Roman endlich mal im Original zu lesen.
Letztendlich kann ich "A Song for Arbonne" aber sowohl auf Englisch als auch in der Übersetzung nur wärmstens empfehlen. Es ist einmal ein Fantasyroman der etwas anderen Art und meiner Meinung nach ein sehr guter Einstieg in die Werke von Kay.

Sonntag, 21. Mai 2017

Buchstabengeplauder #75 + ein Mini-Streifzug

Nachdem die vergangene Woche wunderschönstes Wetter war (und ich es kein einziges Mal früh aus der Arbeit raus geschafft habe), kamen natürlich pünktlich zum Wochenende Sturm, Abkühlung und Regen. 
Ich habe mich daher gestern hauptsächlich auf dem Sofa vergraben und ein paar Häkeleien für die Geburtstage von Arbeitskolleginnen fertiggestellt. Als Hörbuch-Begleitung hatte ich dabei zuerst noch A Song for Arbonne von Guy Gavriel Kay und dann, als ich damit durch war, Der Pfau von Isabel Bogdan. 
Außerdem wurschtle ich mich weiter durch Moby Dick (aber nach knapp 300 Seiten bin ich nun ehrlich gesagt kurz davor abzubrechen) und habe mit In the Labyrinth of Drakes begonnen.

Heute kam dann am Nachmittag doch noch die Sonne raus, obwohl es weiterhin recht stürmisch war. Ich bin spontan losgezogen, um ein paar Geocaches zu suchen (die ich dann nicht loggen konnte, weil mein Stift den Geist aufgegeben hat) und zwar habe ich das Nordbahnhofgelände erkundet. Der Wiener Nordbahnhof wurde erstmals 1838 eröffnet und nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch als Frachtenbahnhof weiterbetrieben. Seither wurde auch der Güterverkehr sukzessive zu anderen Strecken verlegt und der Nordbahnhof ist heute ein Gelände irgendwo zwischen Wildnis, Park und Lost Place. Da dort nun ein neuer Stadtteil entsteht, ist nur noch ein kleiner Teil der Stadtwildnis in dieser Form erhalten.
Es war sehr interessant, sich dort ein wenig umzusehen, stellenweise war es aber gerade bei dem stürmischen Wetter etwas unheimlich auf dem verlassenen Gelände - auch wenn die sonnigen Fotos diese Atmosphäre gar nicht recht vermitteln können.







Samstag, 20. Mai 2017

[Kurzrezensionen] Von Hoffnung, Denunziation und Lüge

Mechtild Borrmann - Die andere Hälfte der Hoffnung 

In einer kalten Nacht nimmt der Bauer Martin Lessmann eine junge osteuropäische Frau bei sich auf, die vor zwei Männern flüchtet. Währenddessen wartet Walentyna, die in der Entfremdungszone wohnt, darauf, dass ihre Tochter aus Deutschland zurückkehrt.
Mechtild Borrmann erzählt in diesem Roman eine packende Geschichte und setzt sich dabei mit den Themen Menschenhandel, Prostitution und den Folgen des Reaktorunglücks von Tschernobyl auseinander. Dazu verwebt sie ineinander drei Handlungsstränge: Martin Lessmann in Deutschland, der sich um die verängstigte Tanja kümmert und ihr bei ihrer Suche nach ihrer Freundin helfen will; Walentyna, die für ihre Tochter ihre Lebensgeschichte und ihre Erfahrung mit Tschernobyl niederschreibt; die Ermittlungen von Leonid, Mitglied einer neu gegründeten Sondergruppe in Kiew.
"Die andere Hälfte der Hoffnung" ist ein fesselnder Roman, der einem unter die Haut geht. Mich haben die Einzelschicksale darin sehr berührt, wobei ich aber finde, dass die Geschichte von Walentyna mit dem Rest der Handlung nur sehr lose verknüpft ist. Dadurch wird ihre Erinnerung an das Reaktorunglück und die Zeit danach eher zum Beiwerk, was schade ist. Trotzdem ein sehr empfehlenswerter Roman.


Nagib Machfus - Karnak-Café

Der ägyptische Autor Nagib Machfus, der 1988 den Literaturnobelpreis erhielt, wurde vor allem durch "Die Midaq-Gasse" und seine "Kairoer Trilogie" bekannt. "Karnak-Café" ist eher eins seiner unbekannteren Werke und wurde erst 35 Jahre nach seinem Erscheinen erstmals ins Deutsche übersetzt. Es geht darin um ein von einer ehemaligen Tänzerin geleiteten Café, in dem sich eine bunte Mischung an Leuten trifft, um über Politik und Probleme des Alltags zu diskutieren. Die familiäre Atmosphäre nimmt ein jähes Ende, als einige Studenten für eine Weile verschwinden und klar wird, dass sie verhaftet wurden.

"Karnak-Café" ist ein kurzer, aber sehr vielschichtiger Roman, in dem Machfus sehr eindringlich schildert, wie die Stimmung in dem Café vergiftet wird, als schließlich jeder beginnt jeden zu verdächtigen. Historischer Hintergrund der Handlung ist der Sechstagekrieg von 1967 und man sollte mit diesen Hintergründen bereits etwas vertraut sein, um dem Roman gänzlich folgen zu können. Ich hatte nur wenig Vorwissen und daher ab und zu Schwierigkeiten, der Handlung zu folgen, aber dennoch hat mir der Roman sehr gut gefallen.


Marie Hermanson - Der unsichtbare Gast

Für Florence Wendman ist die innere Uhr 1943 stehengeblieben. Auf ihrem Gut hat sie ein Grüppchen junger Menschen versammelt, die allesamt im Leben gescheitert sind und nun für Florence' Dienstboten spielen und Feste vorbereiten für Gäste, die in Wahrheit schon lange tot sind. Als in diese seltsame Gemeinschaft weitere Menschen eindringen, lässt sich aber die wirkliche Welt nicht weiter ausschließen.

Die Inhaltsbeschreibung hat mich auf den Roman neugierig gemacht und tatsächlich ist die Ausgangssituation interessant. Marie Hermanson schildert die Gemeinschaft auf Gut Glimmenäs sehr anschaulich und erschafft eine vermeintliche Idylle, bei der von Anfang an klar ist, dass sie nicht ewig halten kann. Obwohl mir der Hintergrund gefallen hat und der Roman spannend zu lesen ist, fand ich aber doch vieles zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Die Handlung wirkt gerade zum Ende hin sehr konstruiert und es gibt eine ganze Reihe von Logiklücken (etwa, dass die Polizei um einen rätselhaften Tod herum anscheinend kaum Nachforschungen anstellt). Da ich auch die Figuren eher eindimensional fand, konnte mich der Roman leider nicht so begeistern, wie ich es mir anfangs erhofft hätte.