Mittwoch, 27. Juli 2016

The Intimidating TBR - Der furchterregende SuB

Sam hat vor kurzem ein Tag gepostet, in dem es um den SuB geht. Nun habe ich nicht direkt einen furchterregenden SuB, dafür ist meiner doch zu klein. Aber ich finde die Fragen ganz interessant und ich habe mir gedacht, dass es Spaß machen könnte, meinen SuB mal unter diesen Gesichtspunkten unter die Lupe zu nehmen:

1. Ein Buch, das du nicht beendet hast

Vorweg: Ich habe nicht direkt einen Sachbücher-SuB, weil ich eine Reihe von Sach- und Fachbüchern zuhause habe, die ich eher als Nachschlagewerke betrachte. Es fällt mir daher schwer zu sagen, welches Sachbuch ich wirklich lesen möchte und welche ich als gelesen oder ungelesen betrachte. Für diese Frage wähle ich dennoch Arm und Reich. Die Schicksale menschlicher Gesellschaften von Jared Diamond. Wie ihr an dem Foto sehen könnt, bin ich bisher nicht sehr weit gekommen, was mich ziemlich ärgert. Ich habe das Buch nämlich bereits seit zwei Jahren und mir bereits bei zwei Challenges vorgenommen es zu lesen. Mal sehen, ob es irgendwann etwas wird.

2. Ein Buch für das du einfach noch keine Zeit hattest



Das trifft auf die meisten Bücher auf meinem SuB zu, besonders aber auf Von Arsen bis Zielfahndung, da ich es aus der Unibibliothek ausgeliehen habe und es nun seit Wochen bei mir nur herumliegt. Da ich es irgendwann auch einmal zurückgeben muss (und nebenbei auch nur noch bis zum offiziellen Ende unseres Lehrgangs im September als Studentin inskribiert bin), wird es höchste Zeit, dieses Buch zu lesen.



3. Ein Buch, dass du nicht gelesen hast, weil es sich um eine Fortsetzung handelt

Mit Voyage of the Basilisk von Marie Brennan habe ich eine Fortsetzung auf dem SuB, die ich an sich jederzeit lesen könnte, da ich die Vorgängerbände bereits kenne. Üblicherweise lese ich Fortsetzungen direkt auch hintereinander, wenn ich die Bände bereits verfügbar habe. In diesem Fall hat mich aber leider der zweite Band nicht ganz überzeugt und nun kann ich mich nicht aufraffen, den nächsten Band zu lesen.


4. Ein Buch, dass du nicht gelesen hat, weil es brandneu ist

Wanderer, kommst du nach Spa ... von Heinrich Böll ist erst vor kurzem bei mir eingezogen und bislang war ich noch mit anderen Büchern beschäftigt. Diese Kurzgeschichtensammlung war eher ein Spontankauf und gewissermaßen auch ein "überflüssiger" Kauf, da ich es auch in der Bibliothek ausleihen könnte. Aber nachdem mir Bölls Irisches Tagebuch (das ausgeliehen war) so gut gefallen hatte, wollte ich mir das nun doch kaufen. Ich hoffe, dass mir die Kurzgeschichten ebenso gut gefallen wie der literarische Reisebericht.




5. Ein Buch von einem Autor, von dem du schon etwas gelesen hast, das du nicht wirklich mochtest

Ich habe von Brandon Sanderson schon Alcatraz und die dunkle Bibliothek gelesen, das mir nicht gefallen hat und "Elantris" sowie "Kinder des Nebels" habe ich überhaupt abgebrochen. Ich möchte ihm aber noch eine letzte Chance geben mit Rithmatist, das ich von Elena im Zuge eines Gewinnspiels geschenkt bekommen habe. Nun bin ich einerseits gespannt auf dieses Buch, habe aber gleichzeitig Angst, dass es mir wieder nicht gefallen könnte. Das ist wohl der Grund dafür, weshalb es nun leider schon seit Jahr auf meinem SuB liegt.


6. Ein Buch, für das du einfach nicht in der richtigen Stimmung bist

Erik Hellauge von Henry Rider Haggard ist ein Fantasyroman im Stil der Isländersagas. Ich habe es voriges Jahr - zusammen mit Die Hexe von Orkney - von einer Freundin bekommen, die ihre Bücher ausgemistet hat und damals hat es mich sofort angesprochen. Ich bin dann aber nicht gleich zum Lesen gekommen und seither war ich nie in der richtigen Stimmung für diesen Roman.


7. Ein Buch, das du noch gelesen hast, weil es ENORM ist

Ein gar so enormes Buch habe ich momentan gar nicht auf meinem SuB. Die meisten Seiten hat Der Goldschatz der Elbberge mit 576 Seiten, was nun auch nicht so viel ist, aber mich doch davon abhält, das Buch unterwegs mit dabei zu haben (zumal es auch recht großformatig ist). Und den Weg auf mein Nachttischchen hat es noch nicht gefunden. 





8. Ein Buch, das du wegen des Covers gekauft hast

Achtung, Bookporn-Alarm! Tschick von Wolfgang Herrndorf habe ich mir tatsächlich erst heute gekauft, als ich eigentlich nur in die Buchhandlung Kuppitsch gegangen bin, um meine bestellte Vorteilskarte abzuholen. Dann sah ich das Buch dort liegen ... und es war um mich geschehen. Überflüssig zu sagen, dass das Taschenbuch daneben nur gut ein Drittel gekostet hätte und es das Buch natürlich auch in der Bibliothek gibt ...
Es handelt sich um ein Hardcover mit Fadenbindung, Lesebändchen und einem Gummiband zum Schließen (ähnlich einem Notizbuch). Der Buchschnitt ist in drei Farben - blau, gelb und rot - und es sind tolle Illustrationen von Laura Olschok enthalten.

 
Wie ich zuhause herausgefunden habe, handelt es sich bei diesem Buch übrigens um den Gewinner des Büchergilde Gestalterpreises 2016, der alle zwei Jahre an NachwuchskünstlerInnen vergeben wird. Nicht verwunderlich, da das Buch wirklich eine Augenweide ist - und dazu auch noch sehr handlich und stabil, also perfekt auch für unterwegs geeignet. Ich bin schon sehr gespannt auf den Roman, der in den letzten Jahren überall gepriesen wurde.


9. Das ehrfurchtgebietendste Buch auf deinem SuB

Bei dieser Frage schließt sich der Kreis: Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen ist ein weiteres Buch von Jared Diamond - noch dicker und großformatiger als "Arm und Reich". Inhaltlich klingt es wirklich spannend, aber ich befürchte, dass es mich noch einige Überwindung kosten wird, tatsächlich mit diesem Buch zu beginnen. Noch dazu würde ich vorher eigentlich gern das andere Buch von Jared Diamond auslesen, da es gewissermaßen sein Vorgänger ist.





Was meint ihr? Welches Buch sollte unbedingt ganz schnell von seinem tristen SuB-Dasein befreit werden? Habt ihr eines der genannten schon gelesen? Und was sind eure furchterregendsten SuB-Bücher?

Dienstag, 26. Juli 2016

[Kurzrezensionen] Von rätselhaften Morden, Parallelwelten und mysteriösen Flugzeugabstürzen

Maureen Johnson - Die Schatten von London

Da ihre Eltern einen Lehrauftrag in England angenommen haben, soll die Amerikanerin Rory ein britisches Internat besuchen. Doch ihre Ankunft in London fällt mit einer Serie von Morden zusammen, die verdächtig an die Verbrechen von Jack the Ripper erinnern. Keine Überwachungskamera kann den Mörder aufzeichnen - und Rory scheint die einzige zu sein, die ihn sehen kann.
Ich habe mir diesen Auftakt zu einer phantastischen Jugendbuchreihe aus der Onleihe ausgeliehen, worüber ich froh bin, da ich die Serie wohl nicht weiterlesen werde. Mir hat der Beginn, als Rory sich allmählich im Internat einlebt, sehr gut gefallen, aber der phantastische Krimiplot über Geister und eine geheime Organisation war nicht mein Fall. Mir blieben viele Motive (vor allem die des Mörders) sehr unklar und auch die Organisation kam mir nicht sonderlich durchdacht vor.
Da das Internatsleben sehr lebhaft und glaubwürdig geschildert ist und ich Rory sowie die meisten Nebenfiguren sehr sympathisch fand, kann ich mir aber vorstellen, dass ich es mit einem realistischen Jugendbuch von Maureen Johnson noch einmal probieren werde.


Åsa Böker - Im Glanz der Welten

Ähnlich wie mit "Die Schatten von London" ist es mir mit diesem Roman ergangen: Auch hier handelt es sich um einen Reihenauftakt und auch hier wird das Schulleben eines Teenagers mit einer phantastischen Handlung verknüpft. Und auch bei diesem Buch hat mir der Schulplot gut gefallen, während mich der Fantasyteil nicht zufrieden gestellt hat.
"Im Glanz der Welten" erzählt von der sechzehnjährigen Silke, die in der Schule gemobbt wird und schließlich in eine phantastische Parallelwelt flüchtet, in der sie an einer gefährlichen Suche nach den seltenen Diamantblumen teilnehmen muss.
Während Silkes Probleme mit ihren Schulkollegen sehr gut dargestellt werden, sind die phantastischen "Nordlande" für mich eher blass geblieben. Es werden einige Elemente der nordischen Mythologie und schweden Sagenwelt damit verwoben, aber alles in allem hatte ich den Eindruck einer typischen, mittelalterlich angehauchten Fantasywelt, die nicht sonderlich in die Tiefe geht. Vielleicht hatte ich deshalb diesen Eindruck, da für mich persönlich das Erzähltempo nicht gepasst hat. Da werden teilweise innerhalb von wenigen Sätzen Freundschaften geschlossen und wieder aufgelöst und größere Ereignisse fast nebenbei abgehandelt. Ich hätte mir hier mehr Ruhe in der Erzählung gewünscht, ausführlichere Beschreibungen und bessere Einblicke in die verschiedenen Figuren, da es neben Silke auch noch drei weitere Perspektiventräger gibt.
Vielleicht bin ich aber auch einfach schon zu alt für dieses Buch - bei den Jugendlichen scheint es laut Rezensionen sehr gut anzukommen.


Sarah Lotz - Die Drei

Und noch ein ebook aus der Onleihe, aber diesmal eines, das ich bereits vor längerer Zeit gelesen habe.
In dem Mysterythriller geht es um vier rätselhafte Flugzeugabstürze, bei denen es jeweils nur eine überlebende Person gibt. Eine davon stirbt kurz danach, hinterlässt vorher aber noch über ihr Handy eine beängstigende Nachricht. Die anderen drei sind Kinder, ihren Angehörigen danach seltsam verändert vorkommen. Oder ist das nur Einbildung?
Ich habe "Die Drei" unglaublich spannend gefunden, aber auf eine subtile Weise auch unglaublich gruselig. Ich habe mir mit der Rezension lange Zeit gelassen, da ich nach dem Lesen das Buch erst einmal aus dem Kopf bekommen musste. Auch jetzt noch, Wochen später, gruselt es mich schon wieder, wenn ich daran zurückdenke. 
Dabei handelt es sich beileibe um keinen Horrorroman und über weite Strecken wird noch nicht einmal klar, ob hier überhaupt etwas Mysteriöses vor sich geht, oder ob es sich lediglich um Zufälle und Einbildung handelt. Gerade das hat mir daran gut gefallen, auch wenn mich das Ende dann nicht ganz überzeugt hat.
Interessant ist auch der Aufbau des Romans, der im Stil einer Dokumentation geschrieben ist und Chat-Protokolle, Twitter-Meldungen und Interviews einflicht. 
Die lose Fortsetzung "Tag Vier" werde ich dennoch nicht lesen, da diese Art von Grusel definitiv nichts für mich ist und mir nur schlaflose Nächte beschert.

Sonntag, 24. Juli 2016

Buchstabengeplauder #59

Bloggeplauder
 
Ich bin derzeit noch damit beschäftigt, wieder annähernd so etwas wie eine Blogroutine zu entwickeln. Ich bin zwar gerade auch noch mit dem Abschlussprojekt für unseren Lehrgang beschäftigt, aber trotzdem ist mangelnde Zeit gar nicht mal das Hauptproblem. Ich bin nämlich bisher im Juli erstaunlich viel zum Lesen gekommen, da ich ja nun an den Abenden und Wochenenden zumindest nicht mehr lernen muss.
Aber früher bei meinem Nebenjob am Servicedesk hatte ich mehrmals im Monat auch Dienste bei einem Standort, wo sehr wenig los war und ich immer nur auf vereinzelte Besucher gewartet habe. Dort habe ich einen Großteil meiner Blogeinträge erstellt - vor allem Rezensionen habe ich dort oft gleich mal für zwei Wochen im Voraus zumindest als Entwurf geschrieben. Jetzt muss ich mich erst einmal daran gewöhnen, das Bloggen gänzlich zuhause zu erledigen, wo mir dann meist alle möglichen anderen Dinge dazwischen kommen.

Lesegeplauder

Ich habe aber, wie erwähnt, seit dem Ende des Lehrgangs recht viel gelesen. Da die Temperaturen in diesem Sommer bislang deutlich erträglicher sind als im vorigen Jahr, habe ich einige Abende mit einem Buch auf dem Balkon verbracht und dort die beiden Jugendbücher Im Glanz der Welten von Åsa Böker sowie Die Schatten von London von Maureen Johnson gelesen. Beides sind Reihenauftakte und beide Bücher habe ich zwar ganz nett gefunden, aber nicht gut genug, dass ich die Reihen weiterlesen möchte. Auch das Hörbuch Die Frau mit dem roten Schal von Michel Bussi hat mir zwar gefallen, mich aber doch nicht gänzlich überzeugt.
Aktuell lese ich wieder einmal einiges parallel. Neben meinem Bett liegt schon seit geraumer Zeit Atlas der verlorenen Städte, unterwegs habe ich derzeit die Anthologie LiteraTier mit dabei, als Hörbuch lausche ich Second Chance Summer von Morgan Matson und daneben habe ich schließlich auch noch mit Zur fraglichen Stunde von Dorothy L. Sayers begonnen. Letzteres gefällt mir bislang sehr gut - ich war doch etwas skeptisch, da ich den vorigen Lord Peter Wimsey-Krimi "Fünf falsche Fährten" abgebrochen hatte, aber dieses Mal fühle ich mich wieder sehr gut unterhalten.

Lebensgeplauder

Gestern Abend haben mich zwei Freunde zu einem etwas anderen Ausflug mitgenommen und zwar zur Mondscheinführung auf der Franzensburg. Dabei handelt es sich um eine unter Kaiser Franz II. erbaute Burg im mittelalterlichen Stil, die von Anfang an als eine Schauburg konzipiert war. Sie befindet sich im weitläufigen Schlosspark von Laxenburg inmitten eines künstlich angelegten Sees und ist von der einen Seite über eine Brücke und von der anderen Seite über eine kleine Fähre erreichbar.

Wir haben gestern kurz nach 21 Uhr beim Schloss Laxenburg geparkt und sind in der Dämmerung zur Franzensburg spaziert, was dann doch ein etwas längerer Weg war als gedacht - der Schlosspark ist sehr weitläufig. Bei unserer Führung waren lustigerweise nur wir drei, obwohl bei der Führung davor und danach jeweils recht große Gruppen unterwegs waren. In so einem kleinen Grüppchen war die Führung natürlich besonders nett - sie hat vom Verlies hinauf in den Burgturm geführt, dann weiter über die Wehrmauer und durch einige ausgewählte Räumlichkeiten.
Der Rückweg war dann etwas abenteuerlich, da es im Schlosspark inzwischen stockdunkel war, wir aber kein Geld für den Bummelzug ausgeben wollten. Ein Hoch auf moderne Smartphones, die auch mal eben als Taschenlampe fungieren können. ;-)
Es war auf jeden Fall ein sehr netter Abendausflug, der mir außerdem bewusst gemacht hat, dass ich unbedingt mal tagsüber nach Laxenbrug fahren muss. Der Schlosspark dort ist nämlich sehr schön und es lohnt sich bestimmt, ihn bei Tageslicht zu erkunden. 

Ich habe diesen Sommer ja (wie so oft in den letzten Jahren) keinen Urlaub geplant, dafür aber noch den einen oder anderen kleinen Ausflug am Wochenende. Sowas ist dann auch einfach ein schöner Urlaubsersatz und ich finde es immer sehr angenehm, wenigstens mal für ein paar Stündchen aus der Stadt rauszukommen. Hoffentlich spielt auch bei den weiteren geplanten Ausflügen das Wetter mit.

Wie war euer Wochenende? Habt ihr etwas besonderes unternommen oder es euch einfach zuhause gemütlich gemacht? Und habt ihr diesen Sommer noch einen Urlaub geplant?

Dienstag, 19. Juli 2016

Classic Confessions Nr. 7: Wie steht ihr zu Klassiker-Verfilmungen?


Ich hoffe, die Classic Confessions von Lauter&Leise nehmen für euch in letzter Zeit nicht überhand. Da mein Blog gerade ein wenig unter der Kombination neuer Job + Abschlussprojekt + zuviele Freizeitunternehmungen + lieber lesen am Balkon statt schreiben am PC leidet, ist meine Postingfrequenz aktuell nicht sehr hoch und ich kann nur für wenig Abwechslung zwischen den wöchentlichen Fragen sorgen.
Für die aktuelle Frage bin ich auch schon wieder recht knapp dran, möchte sie aber unbedingt noch beantworten, da mein Herz ganz klar für Klassiker-Verfilmungen schlägt. Ich mag ja allgemein Buch-Verfilmungen sehr gern, bin dann aber häufig davon enttäuscht (vor allem in den letzten Jahren). Interessanterweise finde ich bei Klassikern viel eher Verfilmungen, die mir richtig gut gefallen. Möglicherweise liegt es daran, dass es in diesem Bereich sehr häufig Miniserien gibt, die den Vorteil haben, dass sich darin die Handlung langsam entfalten kann, Zeit für Charakterentwicklung bleibt und nicht so viele geliebte Buchszenen gestrichen werden müssen.

Tatsächlich sind die meisten meiner Lieblings-Klassiker-Verfilmungen Miniserien (großteils von BBC): Zuallererst möchte ich hier North&South nennen, das ich für eine der besten BBC-Miniserien überhaupt halte - wobei ich in diesem Fall die Verfilmung noch vor dem Buch kannte. Ich bin außerdem ein großer Fan der Jane Eyre-Serie von 2006 mit Ruth Wilson und Toby Stephen, die sich in einigen Teilen recht weit von der Vorlage entfernt, meiner Meinung nach aber die Figuren und die allgemeine Stimmung des Buches sehr gut einfängt. Mit dem neuesten Kinofilm, der sonst so gepriesen wird, kann ich dagegen nicht sehr viel anfangen.
Ähnlich ist es mit der Emma-Serie von 2009, die für mich die reinste Offenbarung war, da ich zuvor weder mit dem Kinofilm von 1996 noch mit der BBC-Serie aus demselben Jahr viel anfangen konnte. Weder Gwyneth Paltrow noch Kate Beckinsale haben meiner Vorstellung von Emma entsprochen, während ich Romola Garai in der Rolle ganz wunderbar fand.
Bei Sense and Sensibility dagegen mag ich sowohl die Serie von 2008 als auch den Film mit Emma Thompson, wobei die Serie meiner Meinung nach großteils ein besseres Händchen bei der Besetzung hatte.
Weitere Miniserien, die ich sehr gelungen finde, sind Great Expectations von 2012 und Ich Claudius, Kaiser und Gott, eine Serie von 1976, die den Roman von Robert Graves toll umsetzt und zwar nicht mit großen Kulissen, dafür aber einem sehr intensiven Schauspiel und punktet.

Bei Verfilmungen in normaler Spielfilmlänge hat mich vor allem Northanger Abbey von 2007 überzeugt, die ebenso ironisch-süß wie das Buch ist und auch Peter Pan mit einem grandiosen Jeremy Sumpter als Peter. Ganz herrlich ist auch Viel Lärm um nichts von und mit Kenneth Branagh, das wohl meiner allerliebste Shakespeare-Verfilmung ist.
Herbe Enttäuschungen habe ich dagegen mit den Buddenbrooks von 2008 erlebt, außerdem mit Sturmhöhe mit Juliette Binoche und Ralph Fiennes (wobei ich in diesem Fall auch die Miniserie mit Tom Hardy nicht allzu gelungen finde). Auch die so gepriesene Verfilmung von Stolz und Vorurteil mit Keira Knightley finde ich lediglich mittelmäßig.

Woran ich aber oft auch sehr viel Freude habe, das sind (moderne) Adaptionen, die häufig nur locker auf der Vorlage basieren. So halte ich Clueless für eine der besten Umsetzungen von "Emma" - davon abgesehen, dass der Film einfach ein Riesenspaß ist, transportiert er den Plot sehr clever in ein High School-Setting. Auch Große Erwartungen mit Gwyneth Paltrow und Ethan Hawke finde ich sehr interessant, nicht zuletzt dank der starken Bildsprache von Alfonso Cuarón, die mich später auch beim dritten Harry Potter-Film so begeistert hat.
Ein ganz toller Film ist auch Dreamchild, der das Leben von Alice Liddell und ihre Bekanntschaft mit Lewis Carroll mit einer recht schaurigen Version von "Alice im Wunderland" verwebt. Mir hat aber auch die buchgetreue Umsetzung von Alice im Wunderland in dem Film von 1999 mit Tina Majorino sehr gut gefallen. 

Nun ist dieser Beitrag länger geworden als geplant, aber wenn es um Verfilmungen von Klassikern geht, komme ich schnell einmal ins Schwärmen. Es gibt auch noch ganz viele, die ich mir irgendwann ansehen möchte - aktuell habe ich mit East of Eden (der Miniserie von 1981, nicht dem Spielfilm mit James Dean) begonnen und auch die neueste Verfilmung von Der große Gatsby steht noch auf meiner Liste.

Und wie geht es euch mit Klassiker-Verfilmungen? Geliebt, gehasst oder habt ihr erst gar keine Interesse daran?

Montag, 18. Juli 2016

Dagmar Trodler - Der letzte lange Sommer


erschienen bei Blanvalet


Frustriert von ihrem Job und ihrem Leben beschließt Lies, eine Auszeit zu nehmen und ein Jahr in Island zu arbeiten. Doch ihr Traum von einer magischen Insel wird von der Wirklichkeit eingeholt: Sie landet auf einem heruntergekommenen Hof mitten in der Einöde und ihre einzige Gesellschaft ist der alte, mürrische Elías. Während Lies lernt, Schafe zu versorgen und Lämmer auf die Welt zu bringen, gewöhnt sie sich allmählich an das Leben auf Gunnarsstaðir und beginnt die Einsamkeit des Landes zu lieben.

Da ich vor einigen Jahren Urlaub in Island gemacht habe und seither das Land nicht aus meinem Kopf bekomme, ist Dagmar Trodlers Roman schnell auf meiner Wunschliste gelandet - umso mehr, da ich "Die Waldgräfin" von der Autorin einst begeistert gelesen habe.
Tatsächlich habe ich "Der letzte lange Sommer" im Nu gelesen und konnte den Roman kaum aus der Hand legen. Dabei ging es mir anfangs ein wenig wie Lies: Ich hatte die Schönheit von Islands Natur und die Gastfreundschaft der Isländer, wie ich sie damals empfunden habe, erwartet - nicht einen einsamen Hof in einer kargen Gegend mit einem abweisenden Bewohner.
Letztendlich ist es aber gerade das, was Dagmar Trodlers Roman so interessant macht. Lies wird auf Gunnarsstaðir wirklich ganz auf sich selbst zurückgeworfen und kann auf diese Weise letztendlich auch zu sich finden. Mit der Zeit erkennt sie auch die Schönheit der Landschaft rund um sie herum, die die Autorin sehr lebhaft beschreibt. Auch die Arbeit auf dem Hof stellt Dagmar Trodler sehr anschaulich dar.
Mir hat über weite Strecken die Entwicklung von Lies gut gefallen und auch ihre sehr langsame Annäherung an Elías war nachvollziehbar beschrieben.

Trotzdem hatte ich manches Mal meine Schwierigkeiten mit Lies, da sie mir in manchen Situationen zu störrisch und zimperlich vorkam, während ich in anderen Situationen den Eindruck hatte, dass sie zu schnell mit dem für sie ungewohnten Leben zurechtkam.
Mich hat außerdem sehr gestört, dass sie - da sie auf dem einsamen Hof keinen Empfang mit ihrem Handy hat - anscheinend über Monate keinen Kontakt mit den Menschen aus ihrer Heimat hat. Mich hat nicht nur irritiert, dass Lies sich darüber bald gar keine Gedanken mehr macht, sondern auch, dass anscheinend niemand versucht, mit ihr in Kontakt zu treten. Wenn meine Tochter oder Schwester oder Freundin ins Ausland aufbrechen und sich dann nie wieder melden würde, wäre ich in größter Sorge und würde alle Hebel in Bewegung setzen, um mich mit ihr in Verbindung zu setzen. Immerhin bekommt Lies den Job von einer Agentur vermittelt und man sollte meinen, dass man über diese irgendwie (und sei es über Briefe) einen Kontakt herstellen könnte.
Abgesehen davon hat es mich genervt, dass die Stadt Egilsstaðir permanent falsch geschrieben wird (nämlich mit nur einem s).

Die Kritikpunkte ändern aber nichts daran, dass mich der Roman ungemein gefesselt hat, obwohl er großteils einfach nur den neuen Alltag von Lies beschreibt. Gerade diese ruhige, unaufgeregte Erzählweise hat mir aber sehr gut gefallen und ich war stets neugierig darauf, wie es mit Lies und Elías und dem Leben auf dem Hof weitergehen würde. Es war einfach schön zu lesen, wie Lies an ihren Aufgaben wächst, auch wenn sie tagein tagaus nur den Stall ausmistet, die Schafe füttert und sich mit Elías' Launen herumschlägt.
Die kleine Liebesgeschichte, die sich daneben mit dem Tierarzt Jói entwickelt, hätte es meiner Meinung nach gar nicht gebraucht, aber sie war trotzdem schön zu lesen.

"Der letzte lange Sommer" ist ein ruhiger und warmherzig erzählter Roman, der Island einmal von einer etwas anderen Seite beschreibt. Ein perfektes Buch war es für mich aufgrund einiger Kritikpunkte und Ungereimtheiten nicht, aber trotzdem eine sehr lesenswerte  Lektüre.

Sonntag, 10. Juli 2016

Classic Confessions Nr. 6: Habt ihr eine bevorzugte Literaturepoche oder lest ihr gern quer durch die Vergangenheit?


Bei der aktuellen Frage der Classic Confessions von Lauter & Leise musste ich eine Weile überlegen, ob ich in irgendeiner Weise von einer Lieblingsepoche sprechen kann. Auf eine literarische Epoche an sich kann ich es wohl nicht eingrenzen, aber ich stelle eine allgemeine Tendenz zum 19. Jahrhundert fest. Jane Austen, die Bronte-Schwestern, Goethes Spätwerke, Alexandre Dumas, Elizabeth Gaskell, Adalbert Stifter ... das sind AutorInnen, zu denen ich gern greife und deren Werke mir zu einem großen Teil auch gut gefallen.
Allerdings bin ich ja eine Querbeet-Leserin und das ist bei Klassikern nicht viel anders. Ich mag auch deutlich frühere Werke, wobei mein Hauptaugenmerk da auf dem Mittelalter liegt - das 16. bis 18. Jahrhundert wird von mir (womöglich zu Unrecht) oft eher verschmäht.

Womit ich mir auch ein wenig schwertue, das sind Naturalismus und teils auch Expressionismus. Hauptmann, Schlaf, Döblin, Hamsun, Dostojewski und Joyce sind etwa Autoren, mit denen ich nur wenig anfangen kann.
Dafür lese ich dann aber Thomas Mann, Arthur Schnitzler, Heinrich Böll und John Steinbeck wieder sehr gerne.

Man merkt also, dass es bei mir gewisse zeitliche Schwerpunkte gibt und dazwischen Phasen, die eher nicht mein Fall sind. Aber eine Lieblingsepoche in dem Sinn, dass ich sagen könnte "hach, Sturm und Drang, das ist einfach meins", habe ich nicht.
Böse Zungen könnten außerdem anmerken, dass ich wohl eher auf der traditionellen Schiene als im Bereich der experimentellen Literatur unterwegs bin. Ja, das stimmt wohl irgendwie. ;-)

Samstag, 9. Juli 2016

Florian Illies - 1913. Der Sommer des Jahrhunderts



erschienen bei Fischer Taschenbuch

woher: Buchhandlung Kuppitsch


Florian Illies beschreibt in diesem Buch in Anekdoten, kleinen Episoden und Stimmungsbildern die künstlerische, literarische und philosophische Gesellschaft des Jahres 1913, eines Jahres, das rückblickend als ein Wendepunkt oder letzter Höhepunkt vor den Kriegswirren der Folgejahre betrachtet wird.

Es gelingt Florian Illies in den kleinen Streifzügen sehr gut zu vermitteln, wie es sowohl in der k. u. k. Monarchie als auch im Deutschen Kaiserreich im Jahr 1913 von expressionistischen Künstlern, Schriftstellern und Gelehrten nur so wimmelte. Oskar Kokoschka, Thomas Mann, Franz Kafka, Else Lasker-Schüler, Alma Mahler-Werfel, Rainer Maria Rilke, Egon Schiele, Sigmund Freud, Robert Musil und Karl Kraus sind nur einige Persönlichkeiten, die einem in dem Buch begegnen - und die zum Teil auch einander begegnen in diesem Jahr.
Aber obwohl das episodenhafte Erzählen einerseits ganz gut ein Gesamtpanorama entwirft, bleibt Florian Illies andererseits auf diese Weise doch sehr an der Oberfläche. Da er außerdem meist nur für eine kurze Szene bei einer Person verbleibt, ehe er wieder zur nächsten springt, ist es mir schwer gefallen, in das Buch hineinzufinden. Ich wäre oft gern länger bei einer Person verweilt und habe die Struktur als recht zerfasert empfunden. Ich kann mir aber vorstellen, dass diese Erzählweise für manche gerade einen besonderen Reiz hat und man einfach austesten muss, ob einem das zusagt.

Was mich auch etwas zwiespältig zurücklässt, ist der Stil von Florian Illies. Er schreibt amüsant und spritzig und mit einer leichten Ironie, aber manchmal war mir diese Ironie zuviel des Guten. Ich habe sie mehrmals fast schon als spöttisch empfunden und auch wenn ich nicht der Meinung bin, dass man Künstler auf ein Podest heben und verehren sollte, finde ich nicht, dass man alle Eigenheiten, Sorgen, Ängste und Probleme von anderen nur mit distanzierter Ironie betrachten muss. Und ich finde es auch ziemlich überheblich, wenn man sich als Mensch der modernen Zeit unterschwellig darüber lustig macht, wenn Menschen in einer Zeit, in der die Medizin noch nicht so weit fortgeschritten war, vor Krankheiten und Beschwerden, die aus unserer Sicht vielleicht banal wirken, Angst haben oder vermeintlich übertrieben darauf reagieren. 
Vielleicht hätte ich mir auch gewünscht, dass man mehr Sympathie des Autors mit den Personen, über die er schreibt, spürt. Hätte er eine klare Kritik zum Ausdruck gebracht, hätte mich das noch weniger gestört, aber diese allgemeine, ziellose Ironie hatte für mich teilweise eher etwas von Selbstdarstellung.

Das bedeutet nicht, dass ich 1913. Der Sommer des Jahrhunderts schlecht gefunden hätte. Das Buch vermittelt einiges an Wissen und unbekannteren Fakten und bringt zudem auch gut zum Ausdruck, in welchem Spannungsfeld zwischen Tradition und Aufbruchsstimmung sich viele Künstler und Gelehrte in dieser Zeit befunden haben.
Letztendlich konnten mich aber leider sowohl die Struktur des Buches als auch der Schreibstil des Autors nicht so begeistern, wie ich mir das erhofft hätte.

Sonntag, 3. Juli 2016

Buchstabengeplauder #58

Ich bin inzwischen in meinem neuen Leben angekommen, um es mal sehr überspitzt auszudrücken und habe die ersten "offiziellen" Tage im neuen Job als sehr schön empfunden, auch wenn es zeitweise recht stressig und aufgrund der Temperaturen auch schweißtreibend war.
Außerdem hatte ich nun das erste freie Wochenende seit Jahren, bei dem ich nicht befürchten musste, dass ich möglicherweise für jemanden einspringen müsste. Das ist mehr als angenehm, auch wenn es wohl noch etwas dauern wird, bis ich mich daran gänzlich gewöhnt habe. So hatte ich noch immer das (stressige) Gefühl, ich müsste dieses eine kostbare, freie Wochenende unbedingt ganz ausnutzen und möglichst viel erledigen - dabei habe ich doch das nächste Wochenende auch frei und das danach auch und das danach ...

Auf jeden Fall habe ich das Wochenende dafür genutzt, um auf dem Balkon 1913. Der Sommer des Jahrhunderts auszulesen. Es tut mir ja leid, dass ich dabei so ein erleichterndes "endlich"-Gefühl hatte, da das Buch nicht so schlecht war, aber ich ewig gebraucht hatte, um es zu lesen. Der episodenhafte Stil war wohl einfach nicht ganz das richtige für mich - aber mehr dazu demnächst in der Rezension. 

Außerdem habe ich einen Riesenstapel Fotos sortiert. Es handelte sich um nicht weniger als neun Jahre - nämlich von 1995, als ich meine erste eigene Kamera bekommen habe, bis 2004, als ich auf digital umgestiegen bin. In all den Jahren hatte ich immer die großen Urlaube schön säuberlich samt Beschreibungen in eigene Mappen eingeklebt, aber alle anderen Fotos einfach nur in einer Schachtel gesammelt sowie Teile davon unübersichtlich auf einzelne kleine Alben aufgeteilt. Nun habe ich wirklich sehr kräftig ausgemistet und alle Fotos mit kurzen Beschriftungen in ein kompaktes Album einsortiert. Da wird man ziemlich nostalgisch, wenn man mal eben neun Jahre seines Lebens auf diese Weise Revue passieren lässt. Besonders nett war es, als ich von eher kleinen Ereignissen auch Fotos vorgefunden habe - so etwa vom Augensezieren in Biologie (bei dem ich nur deshalb zufällig meine Kamera mit dabei hatte, weil für den Nachmittag ein Besuch der Welser Pferdemesse geplant war), von einer Probe mit der Musicalwerkstatt (leider habe ich von den Aufführungen gar keine Fotos) und von einem Ausflug zum Studio eines Radiosenders, wo wir Aufnahmen für ein Schulprojekt gemacht haben.
Ich glaube, ich muss mich mal durch die vielen Digitalfotos der letzten Jahre wühlen und einige auswählen, die ich drucken lasse. Bislang habe ich das nur bei Urlaubsfotos gemacht und bei ein paar Fotos von Freunden und Familie für eine kleine Collage an der Wand. Aber es ist doch etwas anderes, wenn man sich in einem Album so durch die Jahre hindurchblättert als wenn man sich am Computer von Ordner zu Ordner klickt.
Wie handhabt ihr denn das mit euren Digitalfotos?

Und schließlich war ich heute Vormittag mit einer Freundin beim Vortrag/Workshop Urban Gardening - Gärtnern auf kleinstem Raum in den Blumengärten Hirschstetten. Das Wetter war nach einem nächtlichen Gewitter nicht sehr schön, aber das hatte immerhin den Vorteil, dass es sowohl beim Vortrag als auch in den Blumengärten ganz allgemein sehr ruhig und nahezu menschenleer war.

Der Workshop war sehr nett und informativ und beschäftigte sich vor allem mit der Frage, wie man Pflanzen auf Balkonen kompakt unterbringt und zwar hauptsächlich mit recycleten Materialien. Dazu gab es zahlreiche Anschauungsbeispiele nebst Tipps zu passenden Pflanzensorten und am Ende haben wir noch "Blumentöpfe" aus alten Milchpackungen für Grünlilien-Ableger gemacht, damit wir alle etwas mit nach Hause nehmen konnten. Wie auch der Eintritt in die Blumengärten war der kurze Workshop kostenlos und hat uns sehr gut gefallen. 
Falls ich Zeit und Lust habe, werde ich vielleicht noch an weiteren Sommerworkshops teilnehmen. Heiße Favoriten sind "Erdäpfel, Topinambur & Co", "Tipps und Tricks aus dem bäuerlichen Haushalt" und die Thementage über Gemüseraritäten im September.
Hier aber nun endlich ein paar fotografische Eindrücke:

neue Sommerblumen seit meinem letzten Besuch
 

Und was habt ihr so an diesem Wochenende gemacht? Habt ihr die Hitze gestern zum Baden genutzt oder hattet ihr kein so sommerliches Wetter?

Samstag, 2. Juli 2016

J.K. Rowling - Fantastic Beasts and Where to Find Them


erschienen bei Bloomsbury Publishing

Ein Teil des Verkaufserlöses dieses Buches geht an die Hilfsorganisation Comic Relief


"Fantastic Beasts and Where to Find Them" ist ein fiktives Schulbuch aus der Harry Potter-Welt, in dem der Zauberer Newt Scamander eine ganze Reihe von phantastischen Wesen, von Acromantula bis Yeti, beschreibt.
Es finden sich darin sowohl Wesen, die man aus der Mythologie kennt (etwa Hippokampen und Basilisken) als auch ganz eigenständige Erfindungen. Manche kennt man bereits aus den Harry Potter-Bücher, manche sind aber auch ganz neu. 

Die Beschreibungen sind großteils kurzweilig und oft auch witzig zu lesen und ab und zu finden sich dazwischen auch Kommentare von Harry, Ron und Hermione.
Es handelt sich also um ein nettes, kleines Büchlein, an dem mich aber doch einige Aspekte gestört haben. Zum Einen sind die Kreaturen sehr auf den westlichen Kulturkreis konzentriert. Bei den Beschreibungen ist mir schnell aufgefallen, dass die meisten in Europa vorkommen, manchmal auch in Nordamerika, aber alle anderen Kontinente sind lediglich Ausnahmen. Auch der mythologische Einfluss beschränkt sich fast ganz auf das antike Griechenland und auf Nordeuropa - als eine seltene Ausnahme findet sich darin der japanische Kappa. Das fällt umso störender auf, wenn Newt schreibt: I have visited lairs, burrows and nests across five continents, observed the curious habits of magical beasts in a hundred countries (...)
Entweder übertreibt hier Newt also oder die anderen Kontinente sind tatsächlich so spärlich mit magischen Wesen besiedelt. Wie man es dreht und wendet: Das hier ist mal wieder ein perfektes Beispiel dafür, wie stark Fantasy auf Europa ausgerichtet ist und hier natürlich auch stark auf Mittel- und Nordeuropa. 

Noch dazu gilt das Buch als Standardwerk für Zauberschüler und so liest es sich meiner Meinung nach nicht. Ich erwarte keine detaillierte wissenschaftliche Abhandlung von einem Buch, das sich an junge Schüler richtet, aber die Beschreibungen sind großteils so knapp und selektiv, dass ich mir nur schwer vorstellen kann, wie so etwas (auch in einer magischen) Schule als Lehrbuch verwendet werden soll. Am gelungensten fand ich in der Hinsicht noch die Einleitung, in der Newt Scamander diskutiert, was überhaupt als "beast" gilt und wie sich der Begriff im Laufe der Zeit gewandelt hat.

Seltsam habe ich auch die ganz selten dazwischen gestreuten kleinen Zeichnungen gefunden, die aussehen, als hätte sie jemand mal eben in ein paar Minuten aufs Papier geworfen. So wie sie in den Text integriert worden sind, erwecken sie den Eindruck, als sollten sie von Newt Scamander sein, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass ein leidenschaftlicher Forscher solche oberfächlichen, ungenauen Skizzen in sein Buch integrieren würde.
Überhaupt finde ich, dass mehr und detailliertere Illustrationen das Buch sehr aufwerten würden. Dann könnte man sich auch viele der Wesen besser vorstellen, deren Erscheinungsbild oft nur sehr knapp beschrieben wird.

Das klingt jetzt, als würde ich an dem Buch kein gutes Haar lassen. Tatsächlich habe ich mir davon mehr versprochen. Zwar schimmert immer wieder einiges von Rowlings Phantasie und Humor durch, den man auch aus ihren Harry Potter-Romanen kennt, aber stellenweise habe ich das Buch etwas langweilig gefunden. Dazu kommt eben noch, dass so ausdrücklich darauf beharrt wird, was für ein Standardwerk das nun schon seit Jahrzehnten wäre, was sich mir aus den oben genannten Gründen nur schwer erschließt.
Vielleicht hätte mir das Buch besser gefallen, wenn ich mich nicht lange sehr intensiv mit Weltenbasteln beschäftigt hätte und dementsprechend in der Hinsicht auch anspruchsvoll bin und auf Stimmigkeit innerhalb eines fiktiven Universums sehr viel Wert lege. Die meisten treuen Fans werden wohl einfach froh sein, mehr aus der Welt von Harry Potter zu lesen zu bekommen und ich mag dem Büchlein auch nicht absprechen, dass darin einige wirklich sehr nette Ideen stecken.

Darüber hinaus ist es natürlich sehr erfreulich und erwähnenswert, dass mit dem Verkauf sowohl dieses Werkes als auch von "Quidditch Through the Ages" mehrere Millionen Pfund für Comic Relief gesammelt werden konnten.