Dienstag, 28. Juni 2016

Classic Confessions Nr. 4: Habt ihr einen Lieblings-Kinderbuchklassiker und wenn ja: Welchen und warum?


Ich habe derzeit einiges um die Ohren und bin kaum jemals zuhause, worunter natürlich mein Blog mal wieder leidet. Ich komme auch gerade kaum dazu, eure Beiträge zu kommentieren. Ich möchte aber doch noch - gerade rechtzeitig - die vierte Frage beantworten, die Lauter & Leise im Zuge der Classic Confessions gestellt hat.
 
Mein liebster Kinderbuchklassiker ist ein Buch, das ich hier auf dem Blog schon öfter erwähnt habe: Die Brüder Löwenherz von Astrid Lindgren, für mich ist das eins der besten Bücher, das es gibt. Ich habe das Buch als Achtjährige nach dem Tod meines Vaters geschenkt bekommen und ich war in der Zeit sicher empfänglich für das Thema, das es behandelt, aber ich bin mir sicher, dass das nicht der Grund ist, weshalb ich den den Roman so liebe. Denn "Die Brüder Löwenherz" lässt sich nicht allein auf die Themen Tod und Jenseits reduzieren; es ist vor allem auch eine sehr spannende Abenteuergeschichte und die Geschichte eines Jungen, der über sich hinauswächst, aber dabei immer er selbst bleibt.
Bereits vorher, nämlich etwa in der ersten Klasse Volksschule, habe ich von Astrid Lindgren Ronja Räubertochter gelesen, das ich ebenfalls sehr mochte. 
Andere Kinderbuchklassiker, die ich geliebt habe bzw. immer noch liebe, sind Die rote Zora von Kurt Held, Krabat von Otfried Preußler und Die unendliche Geschichte von Michael Ende. Sie haben für mich gemeinsam, dass sie ziemlich große und wichtige Themen auf eine kindgerechte Weise bearbeiten, sie dabei aber trotzdem nicht zu sehr vereinfachen. Ich denke, das ist es vor allem, was diese Bücher auch für Erwachsene noch so lesenwert macht. Und abgesehen davon sind diese Themen dort auch in eine spannende Handlung verpackt, wodurch die Bücher selbst dann fesseln, wenn man sie gänzlich oberflächlich liest.
Vor allem aber nehmen gute Kinderbücher wie die genannten Kinder ernst, gestehen ihnen Eigenständigkeit zu und machen sie auch nicht zu reinen Trägern einer Moral, die vermittelt werden soll.
 

Mittwoch, 22. Juni 2016

Buchstabengeplauder #57 und Stift Göttweig

Erst Mittwoch und ich habe seit Beginn der Woche schon folgende Dinge erlebt: meinen letzten Dienst im bisherigen Job, einen Monitor, der auf einmal nicht mehr erkannt wurde, während ich noch eine Hausarbeit zu schreiben hatte, eine Exkursion ins Stift Göttweig und die Donauuniversität Krems, zwei Prüfungen und den letzten Kurstag.

Ja, der Lehrgang ist nun im Wesentlichen vorbei: heute war die letzte Prüfung und mit einem Wordpress-Workshop (da wir unsere Abschlussprojekte auch im Internet präsentieren müssen) war dann auch das letzte Modul zu Ende. Ich kann es kaum fassen, dass damit der Lehrgang bis auf die Abschlussprojekte bereits vorbei ist. Die Zeit ist einfach nur davongeflogen und obwohl ich froh bin, dass der Prüfungsstress jetzt ein Ende hat, werden mir doch die vielen gemeinsamen Stunden mit meinen KurskollegInnen im Seminarraum fehlen. Ich habe im vergangenen Jahr so viele tolle Menschen kennengelernt und hoffe sehr, dass unsere Gruppe es schafft auch weiterhin in Kontakt zu bleiben.

Vielleicht werde ich ab jetzt auch wieder mehr zum Lesen und Bloggen kommen - gerade die letzte Zeit war doch sehr hektisch. Ich habe zwar Der Schwarm zu Ende gehört und Fantastic Beasts and Where to Find Them ausgelesen, aber allzu oft hatte ich in der vergangenen Woche kein Buch in der Hand.

Dieser Beitrag wird aber trotzdem ausreichend buchlastig, da ich euch noch eine Auswahl der Fotos zeigen möchte, die ich gestern im Benediktinerstift Göttweig gemacht habe. Wir durften den barocken Bibliothekssaal besichtigen und haben einige der besonderen Schätze der Stiftsbibliothek zu sehen bekommen, die eine ganze Reihe von alten Handschriften und Inkunabeln besitzt.

das ist mal ein Wälzer!
nicht nur Buchblogger müssen ihre Bücher zweireihig aufstellen
schaut euch dieses Foto in der großen Ansicht an für die arabischen Schriftzeichen

Freitag, 17. Juni 2016

[Selbstgemachtes] Mein Kalender

Ich habe derzeit einiges um die Ohren, da nächste Woche wieder Prüfungen anstehen und bringe daher gerade nicht die Energie auf, um Rezensionen zu schreiben. Damit es hier dennoch nicht ganz still ist, werde ich euch heute meinen Kalender zeigen. Bei BücherFähes Motivationswochenende habe ich diesen erwähnt, woraufhin in den Kommentaren der Wunsch auftauchte, dass ich ihn doch mal herzeigen sollte.

Ich habe nun bereits zum dritten Mal meinen Kalender selbst gestaltet. Warum ich mir diese Mühe mache? Weil ich einfach den für mich perfekten Kalender noch nirgends gefunden habe. Mein idealer Kalender sieht nämlich so aus, dass die erste Hälfte die Wochen im Überblick beinhaltet und die zweite Hälfte rein für Notizen zur Verfügung stellt. Bislang habe ich zum Kaufen nur Kalender gefunden, bei denen lediglich auf den letzten paar Seiten für Notizen Platz ist oder bei denen sich jeweils links eine Kalenderwoche und rechts eine Notizseite befindet.
Da beide Lösungen nicht das sind, was ich suche, habe ich 2014 erstmals beschlossen, dass ich einfach selbst einen Kalender für mich gestalte.

Vorweg: Entschuldigt bitte die teilweise nicht so guten Fotos, aber ich komme gerade immer erst abends zum Fotografieren, wenn die Lichtverhältnisse nicht mehr so gut sind (und meine Kamera ist schon eine alte Dame).

Mein diesjähriger Kalender ist ein Conceptum-Notizbuch in A5 mit zwei Lesebändchen, einer Stiftschlaufe und einer Einlegetasche jeweils vorne und hinten:



Vom Aufbau her sieht es so aus, dass ich zuerst einen ausgedruckten Jahresüberblick über das aktuelle und das kommende Jahr einklebe und dann pro Seite eine Woche unterbringe. So habe ich also immer zwei Wochen auf einen Blick vor mir, was ich sehr praktisch finde. 


Mit Bananenpapier und Bildern gestalte ich dann jeweils eine Zwischenseite für den Blogkram und eine für allgemeine Notizen. Dabei klebe ich das Bananenpapier mit Decoupage-Kleber auf die Seiten, die dadurch beim Blättern immer rasch zu finden sind:



Der Bereich "Lesen & Blog" sieht bei mir so aus, dass ich darin meine Bücher notiere (wann ich welches begonnen und beendet habe und wie ich es bewerte), allgemeine Notizen zu Rezensionen oder geplanten Blogbeiträgen hineinschreibe und außerdem eine Überblicksseite zu meinen Blogbeiträgen anlege. Auf dieser markiere ich mit bunten Punkten (z.B. grün für Rezensionen und lila für diverses Geplauder) die Beiträge der jeweiligen Monate. Das ganze ist für mich kein Planungstool, sondern dient mir als Überblick, damit ich sehe, ob meine Beitragsfrequenz sowie die Aufteilung auf verschiedene Kategorien in etwa ausgeglichen ist. Das gelingt mir mal mehr, mal weniger gut.
Außerdem lege ich auch immer eine kleine Rezensions-To-Do-Liste mit Bleistift an - sobald ich dann ein gelesenes Buch rezensiert habe, wird es einfach wegradiert.


Ich bin nun am Überlegen, ob ich nächstes Jahr wirklich wieder einen Kalender nach diesem System gestalten soll. Es ist schon sehr viel Arbeit und immer so ein A5-Büchlein mit sich rumzuschleppen, ist eben auch nicht immer praktisch. Inzwischen stellt sich für mich doch die Frage, ob es nicht eine einfachere Lösung wäre, wenn ich schlichtweg den Kalender meines Smartphones nutze. Allerdings finde ich das nicht sehr übersichtlich und ich hänge auch irgendwie an meinen Büchern.
Aber ich habe ja noch ein halbes Jahr, um darüber nachzudenken. ;-)

Wie ist das bei euch? Nutzt ihr noch "analoge" Kalender oder tragt ihr Termine am Smartphone ein? Wie sieht für euch der ideale Kalender aus? Wollt ihr darin auch Platz für Notizen haben oder ist der Kalender für euch ein reiner Terminplaner?

Samstag, 11. Juni 2016

Classic Confessions Nr. 2: Habt ihr alle Klassiker, die ihr in der Schule lesen solltet, auch gelesen und welche habt ihr gelesen?


Die zweite Frage, die Lauter & Leise im Zuge der Classic Confessions gestellt hat, habe ich zum Teil schon einmal beantwortet, da ich vor drei Jahren meine Schullektüre im Deutschunterricht aufgelistet und kommentiert habe. Ich möchte jetzt nicht die gesamte Liste hier hereinkopieren - wenn ihr euch dafür interessiert, könnt ihr sie euch gern im verlinkten Beitrag ansehen. Hier möchte ich nur im Überblick auf die Schullektüre eingehen.
 
Wir haben im Deutschunterricht recht viel gelesen und zwar sowohl Klassiker als auch Gegenwartsliteratur und (in der Unterstufe) ein paar Kinder- und Jugendbücher. Ich habe alle Bücher gelesen und im Großen und Ganzen mochte ich sie auch. Der Deutschunterricht war für mich neben meiner Lese- und Schreibbegeisterung der Hauptgrund, weshalb ich mich für ein Germanistikstudium entschieden habe. Ich fand Literaturgeschichte wahnsinnig spannend und mochte meistens auch das Diskutieren über die gelesenen Bücher. Nur mit der Interpretation von Gedichten und Kurzgeschichten bis ins kleinste Detail konnte ich nichts anfangen.
Mir hat die Schullektüre einige Lieblingsbücher beschert: Besonders gut in Erinnerung sind mir Kinderbuchklassiker wie Maikäfer flieg von Christine Nöstlinger und Krabat von Otfried Preußler, die ich auch danach noch unzählige Male gelesen habe. Auch Das Tagebuch der Anne Frank hat mir sehr gut gefallen, wobei ich das im Kopf gar nicht so sehr mit Schullektüre verbinde, da ich das Buch bereits vorher gelesen hatte.
 
Was die spätere Schullektüre betrifft, so sind mir Goethes Faust, Lessings Nathan der Weise und ganz besonders Schnitzlers Traumnovelle in sehr guter Erinnerung. Und Marlen Haushofers Die Wand zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Es gab natürlich auch das eine oder andere Werk, mit dem ich nichts anfangen konnte - Büchners Woyzeck etwa und Schillers Kabale und Liebe. Mir haben aber solche Bücher weder in der Schulzeit noch im Studium niemals das Lesen an sich verleidet. Es war für mich einfach so wie auch mit den Büchern, die ich in der Freizeit gelesen habe: manche fand ich toll, manche eher mittelmäßig und manche haben mir eben nicht gefallen.
 
Viele Klassiker, die für andere zur typischen Schullektüre zählen, habe ich übrigens erst im Studium gelesen. Der Grund dafür war, dass bei uns im Deutschunterricht damals einige Bücher sozusagen individuelle Lektüre waren, die dann im Rahmen von Referaten den anderen vorgestellt wurden. Dazu gehörten Goethes Werther, Kleists Der zerbrochne Krug und auch Fontanes Effi Briest. Ich mochte diese Bücher im Studium alle sehr gern, wobei die intensivere Auseinandersetzung damit sicher von Vorteil war. So finde ich es immer schade, wenn Werther rein auf eine unglückliche Liebesgeschichte reduziert wird.
 
Könnte man nun behaupten, dass mir die Schule die Liebe zu den Klassikern mitgegeben hat? Nicht direkt. Ich habe auch in der Freizeit alle Genres gelesen, die mir im heimischen Bücherregal und in der Stadtbücherei in die Finger gekommen sind und Klassiker auch gar nicht unbedingt mit Schullektüre verknüpft. Für mich war es sogar eine Überraschung, als ich festgestellt habe, dass nicht alle Leseratten gern Klassiker lesen und ihre Schullektüre oft in sehr schlechter Erinnerung haben. Für mich hat das alles immer sehr zum Lesen als Hobby dazugehört und ich habe Klassiker auch nie als "andere" Bücher betrachtet im Vergleich zu dem, was ich sonst so in meiner Freizeit gelesen habe.

Freitag, 10. Juni 2016

Bettina Balàka - Die Prinzessin von Arborio




erschienen bei Haymon

entdeckt durch den Indiebookday

woher: Kauf (Thalia)





Elisabetta Zorzi führt erfolgreich ein Restaurant und ist (dank Schönheitschirurgie) bildhübsch, aber mit den Männern will es nicht so recht klappen. Da sich die in Ungnade gefallenen Geliebten aber stets wie die Zecken in ihrer Wohnung festsetzen und Zorzi mit Trennungen so ihre Probleme hat, bleibt aus ihrer Sicht nur ein Ausweg aus der Affäre: Mord. Da es aber irgendwann doch auffällt, wenn die Lebensgefährten wegsterben wie die Fliegen, kommt ihr bald der Kriminalpsychologe Arnold Körber auf die Schliche.

In letzter Zeit habe ich mich selten so gut von einem Buch unterhalten gefühlt wie von Bettina Balàkas Geschichte über die Mörderin Zorzi. Da man gleich zu Beginn erfährt, dass die "Prinzessin von Arborio" (ein Spitzname, den sie einem Risotto verdankt) ihrer Taten überführt wurde, liegt die Spannung des Romans nicht darin, dass man mitfiebert, ob die Polizei wohl Zorzi schnappen wird. Dennoch fand ich die Beschreibung der Morde bis hin zur Festnahme spannend zu lesen.

Es handelt sich allerdings bei dem Buch nicht um einen Krimi, sondern eher um eine Charakterstudie mit einem sehr bissig-humorvollen Unterton. Egal, ob es nun um das Verhalten von Zorzis Liebhabern, dem Alltag im Gefängnis oder Körbers Schwärmerei für die Mördern geht - die Beschreibungen wirken stets sehr treffend und auf den Punkt gebracht.
Die Figur der Elisabetta Zorzi ist zweifellos an die Geschichte von Estibaliz C. angelehnt, eine Wiener Eissalonbesitzerin, die zwei ehemalige Lebensgefährten ermordet hatte und in einem beispiellosen Medienaufruhr als "Eislady" betitelt wurde. Die Autorin spart nicht mit Seitenhieben auf die Presse, deren Hauptaugenmerk bei Zorzi (wie bei Estibaliz) mehr auf dem attraktiven Äußeren als auf den Morden zu liegen scheint. 

Die Liebesgeschichte, die sich zwischen Zorzi und Arnold Körber entspinnt, hat etwas absurdes und tragikomisches an sich, driftet aber nicht in Kitsch ab. Dazu ist der Erzählton zu trocken, der Blick auf Arnold Körbers Gefühle zu ironisch. 
Es ist auch irgendwo verständlich, dass der Kriminalpsychologe Zorzi verfällt, denn auch ich konnte mich beim Lesen nur schwer ihrem Bann entziehen. Sie ist keine liebenswerte Figur, aber ich habe trotzdem Sympathie für sie empfunden und hätte mir beinahe gewünscht, dass sie mit ihren Verbrechen davonkommt.

"Die Prinzessin von Arborio" ist ein scharfsinnig geschriebener Roman mit viel Ironie und treffend gezeichneten zwischenmenschlichen Beziehungen. Sehr amüsant zu lesen und unbedingt zu empfehlen!

Montag, 6. Juni 2016

Classic Confessions Nr. 1: Was ist für dich ein „Klassiker"?

Durch BücherFähe bin ich auf die Aktion "Classic Confessions" von Lauter&Leise aufmerksam geworden. Die genaue Beschreibung könnt ihr bei ihr nachlesen, aber hier in aller kürzen: Ein Jahr lang wird sie jeden Mittwoch eine Classic-Confessions-Frage posten, die man bis zum folgenden Dienstag beantworten kann. Für jede beantwortete Frage landet dann der Name im Lostopf.



Ich bin sonst nicht der größte Fan von solchen wöchentlichen Fragen/Aktionen, aber an dieser komme ich kaum vorbei, zumal ich der Meinung bin, dass Klassiker auf Bücherblogs ohnehin oft zu kurz kommen. Das heißt nicht, dass ich unbedingt jede Woche teilnehmen werde, aber wenn mich die Frage anspricht und ich die Zeit finde, einen Beitrag zu schreiben, werde ich mit dabei sein.

Die erste Frage lautet:

Was ist für dich ein Klassiker?


Diese Frage ist zwar perfekt als Einstieg geeignet, für mich aber auch sehr schwierig zu beantworten. "Klassiker" zu definieren ist ebenso schwierig wie eine Antwort darauf zu finden, welche Werke man als "literarisch" bezeichnen würde. 
Für mich ist ein Klassiker zunächst mal ein Werk, das bereits eine bestimmte Zeit überdauert hat und auch einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt. Viele Klassiker waren bereits Bestseller, als sie veröffentlicht wurden, aber es gibt auch einige, die erst Jahre später zu Ruhm kamen (z.B. Moby Dick, Dracula oder auch die Werke von Rainer Maria Rilke). Darüber hinaus erwarte ich von einem Klassiker aber auch, dass er eine Aussage über die reine Handlungsebene hinaus besitzt oder aber zumindest für ein bestimmtes Genre prägend war. 
Daher geht der Begriff für mich auch über das hinaus, was man so gemeinhin als klassische Schullektüre kennt. So betrachte ich etwa die Romane von Astrid Lindgren als Kinderbuchklassiker, Tolkiens Herr der Ringe als richtunggebend für das Fantasygenre und die Werke von Jules Verne als Klassiker der Science Fiction.

Für viele sind Klassiker gleichbedeutend mit sperrigen, schwer zu lesenden Büchern, was ich sehr schade finde. Ich würde mir wünschen, dass mehr Leser unbefangener an Klassiker herangehen würden, also weder allzu ehrfurchtsvoll noch von vornherein ablehnend. Oder wie BücherFähe so schön geschrieben hat: Klassiker sind auch nur Bücher!

Es gäbe noch einiges mehr, was ich gern über Klassiker und meine Erfahrung damit schreiben würde, aber da noch 52 weitere Fragen folgen werden, nehme ich an, dass sich noch reichlich Gelegenheit dafür ergeben wird.

Samstag, 4. Juni 2016

Henrik Pontoppidan - Rotkäppchen


Projekt Gutenberg


 Der dänische Schriftsteller Henrik Pontoppidan wurde 1857 in Fredericia geboren und erhielt im Jahr 1917 den Nobelpreis für Literatur. Seine bekanntesten Werke sind die Romane Hans im Glück, Das gelobte Land und Das Totenreich, die dem Naturalismus zuzuordnen sind. Beliebte Themen sind bei ihm die Gegensätze zwischen Kultur und Natur sowie Stadt und Land.
 
In der Erzählung "Rotkäppchen" sind diese Themen allerdings nicht vertreten. Es geht darin um den Gutsbesitzer Engelstoft, der sich nach langer unglücklicher Ehe von seiner misstrauischen und geizigen Frau scheiden lässt. Kurz vor seinem Tod versucht er sich mit ihr auszusöhnen, aber es kommt zum Streit über sein Testament, da er seinen Gutshof nicht der gemeinsamen Tochter vererben, sondern ihn wohltätigen Zwecken widmen möchte.

Zunächst einmal hat "Rotkäppchen" nichts mit dem gleichnamigen Märchen zu tun, was ich ursprünglich gedacht hätte. Ich habe zwar keine Adaption erwartet, aber doch eine Parallele in der Struktur oder im Thema, wohingegen der Name nur auf eine kleine Episode in der Kindheit von Frau van Decken anspielt.
Stattdessen geht es um einen Testamentsbetrug und seine Folgen und um eine Frau, die das Leben so verbittert und misstrauisch gemacht hat, dass ihre gesamte Umgebung darunter leiden muss.

Die Erzählung war sehr flüssig zu lesen und über weite Strecken auch sehr spannend. Henrik Pontoppidan hat zudem seine Figuren gut ausgearbeitet und man merkt schnell, dass sie vielschichtiger sind als es zunächst den Anschein hat. So ist bei Frau van Decken nachvollziehbar, weshalb sie so ein schwieriger Mensch wurde, auch wenn sie das noch keineswegs sympathisch macht.

Abgesehen davon, dass mich "Rotkäppchen" von Anfang an gefesselt hat und ich auch den Schreibstil als sehr angenehm empfunden habe, muss ich aber gestehen, dass ich für mich nur wenig aus dem Kurzroman mitgenommen habe. Mir kommt die Einstellung, die ihm zugrunde liegt, eher konservativ vor. So schwingt darin etwa die Aussage mit, dass eine Ehe tatsächlich für immer halten sollte, damit es auch für die Frau eine gewisse Sicherheit gibt. Das ist ein Aspekt, der für die damalige Zeit wohl auch bedacht werden musste, aber aus der heutigen Sicht betrachtet man das natürlich ein wenig anders. Henrik Pontoppidan bringt außerdem seine Kritik so sacht an, dass sie nicht wirklich zu weiterem Nachdenken anregt.

Für mich entstand letztendlich beim Lesen der Eindruck einer zwar spannenden, wenn auch eher belanglosen Erzählung, die man zwar gut zwischendurch lesen kann, die aber nicht unbedingt eine Bereicherung darstellt. Zumindest von einem Nobelpreisträger würde ich da schon etwas mehr erwarten.
Vielleicht versuche ich es noch einmal mit einem Roman von Henrik Pontoppidan, da mir sein Schreibstil an sich gefallen hat und es mich durchaus interessieren würde, wie im Vergleich die längeren Werke von ihm sind.

Mittwoch, 1. Juni 2016

Buchstabengeplauder #56

Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich den Frühling liebe? Vermutlich mehrmals, aber derzeit würde ich mal wieder am liebsten die ganze Jahreszeit umarmen. Abgesehen davon, dass ich es liebe, im Frühling auf dem Balkon oder im Grünen die Sonne zu genießen (was man im Sommer wegen Hitze meist vergessen kann), ist das einfach kulinarisch eine der besten Zeiten des Jahres.
Ich koche ja sehr viel mit Gemüse, liebe Obst und versuche möglichst regional-saisonal einzukaufen. Dementsprechend freue ich mich über das aktuelle Angebot: In den letzten Wochen habe ich mich mit grünem und weißem Spargel ausgetobt, Erdbeeren genascht und den ersten Pflücksalat von meinem Balkon geerntet. Ich war auf der Donauinsel, um Holunderblüten zu sammeln (ein paar Wiesenblumen habe ich auch gleich mitgenommen) und heute Abend habe ich Rhabarberkompott gekocht.

Aber auch sonst läuft es gerade einfach gut: Wir hatten letzte Woche die ersten Tage für unser Abschlussprojekt, diese Woche hat der letzte Kursblock begonnen (aktuell gehts um Teaching Library) und ... *trommelwirbel* ... ab Ende Juni habe ich einen festen Job. Ich hatte wirklich unverschämtes Glück und werde also unmittelbar im Anschluss an die letzten Kurse und Prüfungen beginnen. Das kommt mir noch immer so unwirklich vor, dass ich mir noch nicht mal sicher war, ob ich überhaupt hier schon darüber schreiben soll. Das ganze ist aus einem Praktikum entstanden, was bedeutet, dass ich sowohl meine zukünftigen Kollegen als auch meine Arbeit schon ein wenig kenne und also bereits weiß, was in Zukunft auf mich zukommt, was natürlich super ist.
Im Sommer wird es möglicherweise noch eine stressige Zeit werden, da daneben noch das Abschlussprojekt angesagt ist, aber ich bin mir sicher, dass das zu bewältigen ist. Da habe ich schon ganz andere Zeiten hinter mir. ;-)
Seit letztem Freitag weiß ich es übrigens fix und so gesehen ist es kein Wunder, dass ich am Wochenende so voller Motivation und Schwung war.

Und was tut sich in dieser ereignisreichen Zeit beim Lesen? Ich habe Die Prinzessin von Arborio gelesen und mich dabei sehr amüsiert, ich bin mit Der Schwarm fast durch und kämpfe mich außerdem durch 1913. Der Sommer des Jahrhunderts. Ausgerechnet dieses Sachbuch, das so interessant geklungen hat, kann mich gar nicht begeistern. Mal sehen, ob ich es überhaupt noch zu Ende lesen werde.
Außerdem ist ein neues Buch bei mir eingezogen und zwar habe ich mir Fantastic Beasts and Where to Find Them von J. K. Rowling gekauft. Schließlich möchte ich vor dem Filmstart wissen, wer genau Newt Scamander ist. :-)

Was leider immer noch komplett stillsteht, das ist mein Schreiben, aber ich hoffe, dass es vielleicht auch damit wieder etwas wird, wenn ich endlich einmal wo "angekommen" bin, geregelte Arbeitszeiten habe und nicht immer zwischen so vielen verschiedenen Verpflichtungen herumwuseln muss.
Falls nicht, sollte ich mir allmählich mal Gedanken über meinen Blognamen machen ...

Genießt ihr auch den Frühling? Hat er euch vielleicht ebenfalls Neuerungen in eurem Leben gebracht? Und schwelgt ihr auch im derzeitigen Obst- und Gemüseangebot?