Samstag, 27. Februar 2016

Buchstabengeplauder #49

Lebens- und Lesegeplauder

Vorigen Montag hatten wir die vielleicht anspruchvollste Prüfung des Lehrgangs - Formalerschließung nach RDA - und obwohl alles gut gelaufen ist, war ich danach ziemlich geschlaucht. Am Montagabend war ich noch ganz voller Nach-Prüfungs-Euphorie und habe mich mit Rechercheliteratur über antikes Theater (für mein "Bühnenzauber") eingedeckt, aber die restliche Woche war dann mit mir nicht mehr viel anzufangen. Der Stress der letzten Wochen war doch ziemlich heftig und ich bin froh, dass jetzt erst einmal für eine Weile keine Prüfungen sind.

Auch lesetechnisch hat sich bei mir in den letzten Tagen nicht viel getan, wobei ich nicht so recht sagen kann, ob es nun an den Büchern liegt oder an meiner fehlenden Motivation. Der Winter erwacht habe ich gerade als ebook unterwegs mit dabei, bin aber nicht wirklich davon begeistert. Auf meinem Nachttisch liegt schon seit einer gefühlten Ewigkeit The Tropic of Serpents und obwohl ich den Roman an sich sehr charmant finde, kann er mich überhaupt nicht fesseln. Ich lese meist am Abend ein paar Seiten und dann reicht es mir auch wieder. Schließlich habe ich mir aus der Onleihe spontan Wie Blut so rot als Hörbuch ausgeliehen, obwohl mich schon der Vorgänger Wie Monde so silbern nicht überzeugt hat (hierzu kommt noch eine Rezension). Ich bin daher noch unschlüssig, ob ich da Hörbuch überhaupt zu Ende hören werde.

Coloring Books

Dafür bin ich in der letzten Zeit einem Trend gefolgt, der irgendwann im vergangenen Jahr (?) aufgekommen ist, nämlich Ausmalbücher für Erwachsene. Ich hatte daran zunächst kein Interesse, da ich mir dachte: Wenn ich schon mal zu Stiften greife, dann möchte ich nicht ausmalen, sondern das Bild an sich zeichnen. Aber tatsächlich beginne ich nur alle heiligen Zeiten mit einem Bild, da das doch eine ziemliche kreative Herausforderung ist. Ausmalen dagegen klang für mich wie etwas, das man ganz gut zur Entspannung mit nur halb eingeschaltetem Gehirn machen kann, so ähnlich wie Puzzles legen. Also hab ich mir versuchsweise mal ein Bild ausgedruckt und ausgemalt - ich habe die Vorlage von dieser Seite.

Da das doch recht viel Spaß gemacht hat, habe ich dann nach Malbüchern Ausschau gehalten. Die populärsten sind derzeit wohl die von Johanna Basford, die mir aber zu großformatig sind (so große Motive mit so vielen kleinen Details wirken auf mich eher einschüchternd). Da mir ihre Bilder aber sehr gut gefallen, habe ich mir The Enchanted Forest als Postkartenbüchlein vom Rest meiner Weihnachtsgutscheine gegönnt. Die Motive darin sind wirklich schön und sehr präzise gezeichnet, aber im kleinen Postkartenformat sind das dermaßen winzige Details, dass das eine ziemliche Sisyphusarbeit ist.


Deshalb habe ich diese Woche spontan bei einem Buch zugeschlagen, das ich unterwegs beim Einkaufen gesehen habe: Zauberwald & Fabelwesen mit Illustrationen von Christoph Heuer. Das Buch war sehr günstig und wenn man sich die Bilder genauer ansieht, wird auch schnell klar weshalb: Sie sind eher "schlampig" gezeichnet, mit teils etwas verwackelten Linien. Aber mir gefallen die abwechslungsreichen und fantasievollen (zugegeben auch etwas kitschigen) Motive, bei denen man auch schön ein wenig mit Schattierungen und Farbverläufen arbeiten kann, da die einzelnen Bereiche nicht ganz so winzig und detailreich sind.


So gut, wie ich jetzt also mit Motiven eingedeckt bin, kann ich nur hoffen, dass mir die Ausmalerei auch noch eine Weile Spaß macht ...

Balkongeplauder

Die Temperaturen sind aktuell zwar noch recht winterlich, aber bei mir am Balkon ist fast schon ein wenig der Frühling eingezogen. Ich habe ein paar Hyazinthen gesetzt, die nun eifrig blühen und der Schnittlauch beginnt bereits kräftig zu sprießen (ich hätte gar nicht gedacht, dass der wiederkommen würde). Voriges Jahr habe ich außerdem sehr spät noch Salatrauke ausgesät - es muss schon Ende November gewesen sein, aber die Temperaturen waren noch so mild, dass ich es einfach probiert habe. Leider hat sich da nichts mehr getan, aber jetzt treiben die Samen auf einmal aus. Ich war ganz überrascht, da ich mich seit Wochen nicht mehr um diesen Balkonkasten gekümmert habe. Mal sehen, ob es jetzt tatsächlich noch etwas damit wird. 
Und wie ist es bei euch? Wärt ihr auch schon bereit für den Frühling oder freut ihr euch über die noch winterlichen Temperaturen?

Montag, 22. Februar 2016

Elizabeth Gaskell - Norden und Süden


erschienen bei Argon Hörbuch
auch als Download bei Audible erhältlich

ungekürztes Hörbuch (20 h)
gelesen von Gabriele Blum




England in der Industriellen Revolution: Die Pfarrerstochter Margaret Hale muss mit ihren Eltern aus dem ländlichen Süden nach Milton ziehen, eine Stadt im Norden, die von Handel und Industrie beherrscht wird. Margaret kann sich nur schwer an das veränderte Leben und das laute, hektische Treiben in der Stadt gewöhnen. Während sie sich rasch mit der Arbeiterfamilie Higgins anfreundet, begegnet sie dem Fabrikbesitzer John Thornton zunächst mit Vorurteilen und Ablehnung. Als es zum Streik der Arbeiter kommt, findet Margaret sich zwischen den Fronten wieder.

Ich liebe schon seit längerem die BBC-Miniserie "North & South" mit Daniela Denby-Ashe und Richard Armitage. Leider gab es den Roman lange nur in einer sehr veralteten und offensichtlich nicht sehr werkgetreuen Übersetzung - und über Klassiker traue ich mich auf Englisch nicht so recht drüber. 2014 erschien schließlich eine neue Übersetzung von Christina Neth, die mittlerweile auch von Argon Hörbuch vertont wurde. Für mich also die passende Gelegenheit, um endlich zuzuschlagen - und es hat sich mehr als gelohnt.

"Norden und Süden" ist ein wenig, als hätte man eine Liebesgeschichte ala "Stolz und Vorurteil" um eine sozialkritische Ebene erweitert - und was für eine Ebene das ist! Elizabeth Gaskell beschreibt in diesem Roman das Leben in einer Industriestadt in der Mitte des 19. Jahrhunderts so kritisch und differenziert, dass lediglich die Sprache verrät, dass es sich hier nicht um einen modernen Roman handelt. Anfangs entsteht noch der Eindruck, dass hier einem idyllisch-romantischen Süden die Industriestadt als negativer Pol gegenübergestellt wird. Aber es ist vor allem Margarets Blick, der Milton zunächst in ein negatives Licht stellt und die Welt in ein vermeintliches Schwarz-Weiß-Schema einteilt (Norden vs. Süden, Stadt vs. Land, Fabrikbesitzer vs. Arbeiter). Aus Lesersicht wird schnell klar, dass sich die Sache nicht so einfach gestaltet - und allmählich muss das auch Margaret erkennen.

Es ist eine große Stärke des Romans, dass so viele verschiedene Sichtweisen dargestellt werden und keine davon klar als richtig oder falsch betrachtet werden kann. Neben Margarets Perspektive bekommt man vor allem tiefe Einblicke in Mr. Thorntons Gedanken und Gefühle, aber es kommen auch noch viele weitere Figuren in interessanten und intelligenten Dialogen zu Wort.
Ich habe beim Lesen fast alle diese Figuren ins Herz geschlossen und mit ihnen mitgelitten: Mit Mr. Higgins und seinen Töchtern, Margarets Eltern, ihrer oberflächlichen, aber liebenswerten Cousine und tatsächlich auch mit John Thorntons strenger Mutter. Mit Margarets Bruder kommt schließlich noch eine weitere gesellschaftskritische Komponente mit ins Spiel, nämlich der geforderte bedingungslose Gehorsam im Militär und was es bedeutet, wenn man sich diesem aus moralischen Gründen widersetzt.

Im Zentrum des Romans stehen aber natürlich Margaret und John Thornton, die beide sehr lebendig gezeichnet sind und sowohl Stärken als auch Schwächen haben. Die Liebe zwischen ihnen entsteht nur langsam, da Margaret anfangs Johns Gefühle nicht erwidert - und es bleiben auch einige Missverständnisse nicht aus. Es ist sehr schön mitzuerleben, wie sich die Einstellung der beiden allmählich ändert, wie sie einander besser kennenlernen und den Horizont des/der jeweils anderen erweitern.

Weshalb Elizabeth Gaskell im Vergleich zu Jane Austen eher unbekannt ist, ist mir ein völliges Rätsel, da "Norden und Süden" wirklich ein wunderbarer, kraftvoller Roman ist, der ein ungemein lebendiges und vielschichtiges Bild der damaligen Zeit zeichnet. Und noch dazu handelt es sich bei Margaret um eine erstaunlich selbstbestimmte und mutige junge Frau, deren Ideale auch heute noch gültig sind.
Vielleicht führt der Roman deshalb ein Schattendasein, da es sich nicht unbedingt um leichtfüßige Wohlfühllektüre handelt. Es gibt einige traurige Ereignisse und man muss von so manchen liebgewonnen Figuren Abschied nehmen. Umso mehr vermag das Ende zu strahlen - und ich habe es mir tatsächlich zweimal hintereinander angehört, weil ich es so schön fand.

"Norden und Süden" ist ein eher ruhig erzählter Roman, der aber trotzdem sehr viel Wut, Trauer, Leidenschaft und sozialen Sprengstoff in sich trägt. Für mich war es eines der besten Bücher der letzten Jahre und ich kann es allen, die gern Klassiker lesen, nur wärmstens ans Herz legen. Die Lesung von Gabriele Blum war sehr gelungen und ich halte auch die Verfilmung für eins der besten Period Dramas überhaupt.
Also: Unbedingt lesen/hören und danach anschauen. Aber auch die umgekehrte Reihenfolge funktioniert - wie ich selbst bestätigen kann - sehr gut.

Freitag, 19. Februar 2016

[31 Tage - 31 Filme] Tag 14

Vor langer Zeit habe ich einmal begonnen, die "31 Tage - 31 Filme" von Lena zu beantworten - schon damals eher unregelmäßig, da ich meinen Buchblog nicht zu filmlastig werden lassen wollte. Mittendrin habe ich dann allerdings ganz abgebrochen, was zu einem großen Teil daran lag, dass ich mich bei der folgenden Frage schlichtweg nicht entscheiden konnte. ;-)

Welcher Film hat die schönste Musik?

Ich schaue mir nur sehr sporadisch Filme an, bin aber dennoch ein großer Fan von Filmmusik. Deshalb ist es mir beinahe unmöglich vorgekommen, mich hier für eine davon zu entscheiden. Angefangen von so bekannten Soundtracks wie beim "Herr der Ringe" über Filme, bei denen es um Musik geht wie "Das Piano" bis hin zu der wunderschönen Filmmusik von Joe Hisaishi gibt es so viele, die ich hätte nennen können. Vor allem aber hatte ich auch das Bedürfnis, euch auf schöne Lieder aus Soundtracks hinzuweisen, die vielleicht nicht ganz so bekannt sind und deshalb wollte ich auch nie so recht eine Entscheidung treffen.
Ich lege euch jetzt einfach mal das wunderschöne, melancholische Main Theme von Das Konzert ans Herz und Les Marionettes aus Die zwei Leben der Veronika.

Was nun die eigentliche Frage betrifft, so habe ich mich für einen Film entschieden, in dem Musik nicht nur eine große Rolle spielt, sondern sogar handlungsbestimmend ist. Es handelt sich um das wunderbare kleine Juwel Once über einen irischen Straßenmusiker und eine tschechische Immigrantin. Ich kann den Film allen nur ans Herz legen - nicht alleine deshalb, weil der Soundtrack grandios ist und verdientermaßen sogar einen Oscar für den besten Song bekommen hat. 
Unten seht ihr zwei Szenen aus dem Film, die ich nicht nur der Lieder wegen mag, sondern auch, weil ich die Szenen an sich so schön finde (auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob sie außerhalb des Kontextes funktionieren):

Once - Falling Slowly


 Once - If You Want Me

Mittwoch, 17. Februar 2016

Seanan McGuire - Indexing




erschienen bei 47north (Amazon Publishing)

entdeckt bei Winterkatze

Märchen-Bingo





Märchen sind nur Fiktion? Von wegen! Das Team rund um Henry Marchen hat alle Hände voll zu tun, um die Märchen daran zu hindern, sich in der Realität zu manifestieren und im Zuge dessen für allerlei Chaos zu sorgen. Dabei steckt das Team selbst mittendrin im Märchen-Schlamassel: Henry ist ein inaktives Schneewittchen, Sloane eine böse Stiefschwester, Jeff ein Schuhmacher und nun ist mit Demi auch noch eine aktive Rattenfängerin dazugekommen. Dass in der letzten Zeit die Märchenwelt verrückt zu spielen scheint, ist da nicht eben hilfreich.

Die Idee hinter "Indexing" ist witzig und originell: Märchen streben beständig danach zur Wirklichkeit zu werden und nur das ATI Management Bureau kann dem Einhalt gebieten. "ATI" steht dabei für den Aarne-Thompson-Index, anhand dessen die Mitarbeiter die Märchen klassifizieren und der auch Literaturwissenschaftler ein Begriff sein dürfte (auch wenn ich ihn als ATU kenne). 
Mir hat die Grundidee sehr gut gefallen und auch, dass es sich hier eher um die düstere Seite der Märchen handelt, nicht um "happily ever after".

Trotzdem hat mich die Umsetzung nicht ganz überzeugt. Teilweise mag das daran liegen, dass das Buch ursprünglich als "Kindle Serial", also als Fortsetzungsroman erschienen ist. Der Aufbau ist daher sehr episodenhaft und zum Beginn eines neuen Kapitels werden oft die wichtigsten Informationen wieder und wieder erklärt. Es gibt zwar auch einen übergeordneten Spannungsbogen, allerdings fand ich diesen eher schwach umgesetzt und es kam mir ein wenig so vor, als hätte die Autorin zu Beginn selbst noch nicht gewusst, wohin dieser am Ende führen soll. Ich kann mir vorstellen, dass das weniger auffällt, wenn man "Indexing" nicht als Roman in einem durch, sondern tatsächlich über einen längeren Zeitraum verteilt als Fortsetzung liest.
Den Hintergrund mit den Märchen, die danach streben, sich in der Realität zu manifestieren, fand ich außerdem nicht immer stimmig umgesetzt. Welche "Freiheiten" sich da nun die Geschichten nehmen, wie Menschen als Märchenfiguren aktiviert werden und wie überhaupt die Regeln hinter der ganzen Sache aussehen, hat meiner Meinung nach stark geschwankt. Da werden durchaus mal in einer Episode Behauptungen aufgestellt, die mit späteren Episoden nicht übereinstimmen. Es war nichts, was mich massiv gestört hätte, aber es ist mir doch ab und zu aufgefallen und ich hatte den Eindruck, als würde sich die Autorin das immer so zurechtbiegen, wie sie es für die Handlung gerade braucht.

Ich hatte aber dennoch meinen Spaß mit dem Roman. Die Episoden sind abwechslungsreich und manchmal kann man auch ein wenig mitraten, um welches Märchen bzw. welche Märchenfigur es sich überhaupt gerade handelt.
Auch die Hauptcharaktere fand ich nach einer kleinen Eingewöhnungsphase ganz interessant, wobei mir ausgerechnet die Ich-Erzählerin Henry bis zum Schluss ein wenig unsympathisch blieb. Möglicherweise lag das aber auch nur daran, dass ich überhaupt kein Schneewittchen-Fan bin oder daran, dass ich ihr diese völlige Gleichgültigkeit, wenn da mal eben unzählige Tiere sterben, nicht verzeihen konnte. 

Alles in allem war "Indexing" eine kurzweilige Lektüre und auf jeden Fall mal ein bisschen was anderes. Ob ich den Folgeband "Reflections" auch noch lesen werde, weiß ich aber noch nicht genau.

Samstag, 13. Februar 2016

Buchstabengeplauder #48

Die letzte Woche war es hier auf dem Blog sehr ruhig und vielleicht könnt ihr euch denken, was der Grund dafür ist: Ich habe gerade einiges um die Ohren mit dem Lehrgang. Aktuell lernen wir die formale Erschließung nach RDA und obwohl ich es spannend finde, fühle ich mich ziemlich davon erschlagen. Das Regelwerk ist sehr umfangreich und für "Anfänger" meiner Meinung nach eher unübersichtlich und es gibt einfach so viele Kleinigkeiten und Ausnahmen, die es zu beachten gibt. Aber wir haben mit dem praktischen Katalogisieren ja auch gerade erst begonnen (zuerst gab es einige Tage lang nur Theorie) - ich hoffe also, dass wir mit mehr Übung auch besser hineinfinden werden.
Noch dazu ist am Montag noch eine recht umfangreiche Prüfung zu einem früheren Modul, die mich ziemlich auf Trab hält.
In Kombination mit Diensten dieses Wochenende und Unternehmungen in der Freizeit (mehr dazu weiter unten) bleibt also sonst nicht mehr sehr viel Zeit. Ich hoffe, dass ich nächste Woche endlich dazu komme, ein paar meiner ausstehenden Rezensionen zu schreiben. Zwar steht bald auch die Prüfung zur Erschließung an, aber da wir dort einige Beispiele Katalogisieren müssen und ich ALEPH (das Bibliothekssystem, das dafür genutzt wird) natürlich zuhause nicht auf dem Computer habe, werde ich außerhalb der Lehrgangszeiten ohnehin nicht so viel üben können.

Zum Lesen komme ich derzeit also nicht so viel - am meisten noch unterwegs in den Öffentlichen Verkehrsmitteln. Da mich dort immer mein Reader begleitet, komme ich zumindest bei meinem aktuellen ebook Chalice ganz gut voran. Bisher gefällt mir der Roman sehr gut und ich könnte mir vorstellen, dass ich ihn recht flugs ausgelesen hätte, wenn ich gerade die Zeit dafür hätte.

Star Wars Identities

Ich habe oben Freizeitunternehmungen erwähnt und dabei handelte es sich - abgesehen von einem sehr netten gemeinsamen Abend mit meinen KurskollegInnen - um den Besuch der "Star Wars Identities"-Ausstellung. Ihr erinnert euch vielleicht - das war einer meiner Jahres"vorsätze" oder eher Jahreswünsche und deshalb werde ich hier ein wenig mehr dazu schreiben, auch wenn das nur sehr am Rande zum Lesen passt.
Diese Ausstellung ist gerade auf Europatournee und aktuell befindet sie sich in Wien im Museum für angewandte Kunst. Darin gibt es eine ganze Reihe von Originalen aus den Filmen zu sehen - von Kostümen über Modellen bis hin zu Konzeptzeichnungen. Daneben geht es aber auch noch um das Thema Identität und im Zuge dessen kann man sich einen eigenen Star Wars-Charakter erschaffen. Es gibt im Museum diverse Stationen, bei denen man sich mit einem Armband einloggen und dann verschiedene Entscheidungen treffen kann.
Ich habe die Ausstellung sehr interessant und schön gefunden, aber für den Preis hätten es gern noch mehr Ausstellungsstücke sein können. Das Identitätsthema ist zwar an sich gut umgesetzt, bleibt aber doch eher an der Oberfläche und die Charaktererstellung erfolgt (wohl zwangsläufig) nach einem Baukastenschema.
Alles in allem hat mir die Ausstellung aber sehr gut gefallen und wir haben zwei unterhaltsame Stunden dort verbracht. Hier bekommt ihr einen kleinen Einblick, was es dort so zu sehen gab:










Die Erstellung des Charakters ist wohl an sich so gedacht zu überlegen, wer man selbst im Star Wars-Universum sein würde. Bei mir ist nach zwei Stationen die Schreiberin durchgekommen und ich habe mir überlegt, wie die Figur wohl Entscheidungen treffen würde, die ich zu dem Zeitpunkt schon vor Augen hatte.

Herausgekommen ist dabei schließlich Pooja Churhee, eine Twi'lek, in der die Macht nicht sehr stark ist und die sich mehr auf ihren Intellekt verlässt. Leia Organa war eine Art Mentorin für sie und Pooja ist schließlich Senatorin geworden. 

Mit mehr Entscheidungsmöglichkeiten und teilweise auch mehr Informationen, etwa zu den Spezies und Planeten, die man anfangs auswählen kann, hätte das ganze meiner Meinung nach noch besser funktioniert. Vermutlich sollte man das aber mehr als nette Spielerei betrachten und nicht unbedingt den Ehrgeiz haben, einen in sich stimmigen Charakter zu erschaffen. ;-)

Passend dazu kann ich euch übrigens noch eine Häkelei zeigen, die ich in letzter Zeit gemacht habe - ausnahmsweise einmal für mich und nicht als Geschenk oder Auftragsarbeit. Ja, ich habe den neuen Star Wars Film gesehen, mag ihn sehr und habe nun eine neue Lieblingsfigur (sorry R2-D2).


Sonntag, 7. Februar 2016

[Challenge] Carolines Lese-Bingo 2016

Gerade erst ist mir aufgefallen, dass ich bisher schlichtweg vergessen habe, einen Beitrag zu Carolines diesjährigem Lese-Bingo zu erstellen.

Es handelt sich um eine denkbar simple Challenge: Es geht einfach darum, möglichst viele (idealerweise alle) Felder im Laufe des Jahres lesetechnisch abzudecken. Rezensionen oder kurze Leseeindrücke sind keine Pflicht, die einzige Regel ist im Grunde, dass ein Buch nur für ein Feld zählt.

Und hier sind die Kategorien (die es teilweise ganz schön in sich haben):


Ein Buch mit einem Monatsnamen im Titel: Anja Jonuleit - Novemberasche
Ein Buch mit mehr als 350, aber weniger als 400 Seiten: Thomas Raab - Still
Ein Buch mit einem Bösewicht: J.K. Rowling - Harry Potter and the Philospher's Stone
Ein Buch mit einem "und" im ersten Satz: Lord Dunsany - Der Schatten der Scheuermagd
Ein Buch deiner Kindheit: Ilse van Heyst - Heike bricht aus
Ein Buch, dessen Autor dieselben Initialen hat wie du:
Lies ein gelesenes Buch noch einmal (Re-Read): Frank Schätzing - Der Schwarm
Ein Buch, in dem die Hauptfigur wie du heißt (Vor- oder Nachname):
Ein Buch, das in Südamerika spielt:
Ein Buch, auf dessen Cover sich mindestens 5 Gegenstände befinden: Morgan Matson - Amy and Roger's Epic Detour (Re-Read, daher Rezension bereits von 2014)
Ein Buch, in dem etwas gesucht wird: Abrams/Dourst - S. Das Schiff des Theseus
Ein Buch, das mit Frankreich zu tun hat: Guy Gavriel Kay - Ysabel
Ein Buch mit einer Zeitangabe im Titel: Florian Illies - 1913. Der Sommer des Jahrhunderts
Ein Buch mit Illustrationen: Patrick Rothfuss - The Slow Regard of Silent Things
Ein Buch, das in der Zukunft spielt: Marissa Meyer - Wie Monde so silbern
Ein Buch, das älter ist als du: Elizabeth Gaskell - Norden und Süden
Ein Buch mit einem Turm auf dem Cover:
Ein Buch über einen Prinzen/ eine Prinzessin: Marissa Meyer - Wie Blut so rot
Ein Buch, dessen Widmung dir gefällt: Maureen Johnson - Die Schatten von London
Ein Buch, das dir nicht gehört: E. Lockhart - We Were Liars
Ein Buch, das dir wegen des Covers aufgefallen ist: J.J. Abrams, Doug Dorst - S. Das Schiff des Theseus
Eine Neuerscheinung (maximal 6 Monate alt): Bettina Baláka - Die Prinzessin von Arborio
Ein Buch über Geschwister: Edith Pattou - East
Ein Buch, das du geschenkt bekommen hast: John Steinbeck - Das Tal des Himmels
Ein Buch über einen Schauplatz, an dem du schon einmal warst: Dagmar Trodler - Der letzte lange Sommer

Freitag, 5. Februar 2016

[Kurzrezensionen] Von Tschernobyl, der Stille und einem Kuss

Alina Bronsky - Baba Dunjas letzte Liebe 

Baba Dunja ist als alte Frau in ihr geliebtes Dorf in der "Todesszone" rund um Tschernobyl zurückkehrt. Nach und nach sind ihr andere gefolgt und so führt das Grüppchen nun ein ruhiges Leben in der Abgeschiedenheit, bis eines Tages ein Fremder ins Dorf kommt.

Ich habe vorige Woche erwähnt, dass ich das Buch in einem Rutsch gelesen habe, als ich bei meiner Familie war und das sagt bereits einiges darüber aus, wie gut es mir gefallen hat. Alina Bronskys Roman ist auf der einen Seite ein trauriges, fast schwermütiges Buch und auf der anderen Seite aber auch warmherzig und manchmal witzig. Und ähnlich ambivalent erscheint auch das Dorf Tschernowo selbst: gleichermaßen ein lebensfeindlicher Ort und eine Idylle. Die Bewohner sind teils recht skurril, aber die wunderbare Ich-Erzählerin Baba Dunja steht mit beiden Beinen fest auf der Erde. Ihre trockene und zugleich kluge Erzählstimme kommt besonders gut zur Geltung, wenn sie ihren Alltag wie etwa eine Reise in die nächstgelegene Stadt oder ein Gespräch mit den Nachbarn beschreibt. Als dagegen die Ankunft des Fremden Aufruhr in das Dorf bringt, wirkt nicht nur Baba Dunja ein wenig verloren - auch die Handlung kam hier für mich ein wenig ins Trudeln.
Dennoch hat der Roman für mich noch die Kurve gekratzt und als ganzes ein rundes Bild ergeben. Vielleicht ist es verwegen, das so früh im Jahr zu sagen, aber ich denke, das wird eines meiner Lesehighlights 2016 sein. Ein ganz besonderes Buch, das ich allen nur wärmstens empfehlen kann.


Patrick Rothfuss - The Slow Regard of Silent Things

Dieser kurze Geschichte erzählt von Auri, einer Figur der Königsmörder-Chroniken, und ihrem Leben in den Gängen und Räumen unter der Universität. Das Buch lebt ganz von Sprache und Atmosphäre, da es kaum eine nennenswerte Handlung gibt. Ich muss zugeben, dass ich gerade deshalb einige sprachliche Probleme mit dem Buch hatte. Wenn es soviel um Beschreibungen, kleine Details und besondere Sprachbilder geht, ist es entscheidend, alles zu verstehen - und da bin ich mit meinen englischen Sprachfähigkeiten einige Male an die Grenzen gestoßen.
Aus dem Grund konnte mich das Buch auch nicht so ganz überzeugen, obwohl ich die Idee dahinter interessant finde. Es ist beeindruckend, wie gut Patrick Rothfuss sich in eine Figur wie Auri hineinfindet, die gleichermaßen zerbrochen und in sich selbst ruhend wirkt. Es ist auch faszinierend, ihren Alltag mitzuerleben und das Labyrinth unter der Universität besser kennenzulernen. Auri hat einen ganz besonderen Blick auf die Dinge und betrachtet Räume wie Gegenstände als eigenständige Charaktere. 
 "The Slow Regard of Silent Things" ist eine sehr stille Charakterstudie, die sicher nicht jedermanns Fall ist und ein größeres Interesse an sprachlichen Spielereien als einer tatsächlichen Handlung erfordert. Das Buch an sich ist mit den Illustrationen von Nate Taylor wunderschön gestaltet. 


Lynn Raven - Der Kuss des Kjer

Im Auftrag seines kranken Königs entführt der Heerführer Mordan die junge Heilerin Lijanas, die dem Herrscher helfen soll. Lijanas hat anfangs nur Flucht im Kopf, fühlt sich aber mit der Zeit mehr und mehr zu Mordan hingezogen.
Ich hätte von der Beschreibung her nicht erwartet, dass das ein Buch für mich ist, aber da es für mich ein bisschen ähnlich wie The Assassin's Curse klang und mir auch mehrfach empfohlen worden war, habe ich es mir doch aus der Onleihe ausgeliehen. Hier hätte ich aber doch auf meine Intuition horchen sollen, denn der Roman war überhaupt nicht mein Fall. Wäre ich nicht gerade krank und mit haufenweise Lesezeit im Bett gelegen, hätte ich ihn wohl abgebrochen. 
Ich fand den Roman ziemlich klischeehaft und konnte mit den Figuren überhaupt nichts anfangen. Die Art, wie sie beschrieben wurden und die Art, wie ich sie wahrgenommen habe, sind für mich meilenweit auseinandergeklafft: Mordan, den erfahrenen, fähigen und angeblich beherrschten Krieger, habe ich als emotional völlig instabilen Mann erlebt, der alles andere als ein souveräner Anführer ist und zudem mit seiner ach so schlimmen Kindheit nicht abschließen kann. Lijanas, beschrieben als stark, mutig und schlagfertig, habe ich als sehr schwache Frau empfunden, die ständig aus Gefahrensituationen gerettet werden muss und vor allem am Anfang die ganze Zeit auf trotzig-kindische Weise herumjammert (mit schlagfertig hatte das meiner Meinung nach nichts zu tun).
Mich haben auch Plot und Hintergrundwelt nicht so wirklich überzeugt (vor allem hätte ich mir mehr Diversität gewünscht, wenn man denn schon ein orientalisch angehauchtes Wüstensetting nimmt). Immerhin ließ sich der Roman schnell und flüssig dahinlesen, aber ansonsten war das einfach kein Buch für mich.

Dienstag, 2. Februar 2016

Buchstabengeplauder #47

Regalzuwachs!

Ich habe ein neues (naja, eigentlich ein gebrauchtes) Bücherregal! :-) Bei mir im Schlafzimmer ist ein zweiter schmaler Billy eingezogen und ich würde gerade nichts lieber tun, als ihn mit Büchern zu füllen. Allerdings ist der Grund für das neue Regal, dass ich die Bücher, die noch bei meiner Familie sind, gerne bei mir in Wien hätte. Da ich selbst kein Auto habe, weiß ich aber noch nicht, wann und wie die Bücher tatsächlich zu mir nach Wien kommen werden.

Also plane ich vorerst mal in Gedanken herum. Bei meiner Familie habe ich nämlich einen sehr bunten Mix aus Krimis, Kinderbüchern, Sachbüchern und allgemeiner Belletristik. Dementsprechend werden die nicht alle im neuen Regal landen, sondern natürlich passend nach Genre mit meinen Büchern in Wien zusammengemischt. Hier ist also hoffentlich bald munteres Bücher-neu-aufstellen angesagt. :-)

Lesegeplauder

Abgesehen davon ist es bei mir diese Woche gerade recht ruhig, ehe dann mit Anfang nächster Woche eine ziemlich lange, anstrengende Phase - bestehend aus Modul, Praktikum, nächstem Modul und weiterem Praktikum - beginnt.
Ich genieße jetzt also noch die Ruhe vor dem Sturm und lese mich ausgiebig durch meinen aktuell etwas größeren SuB. In den letzten Tagen habe ich Indexing ausgelesen, das mir so mittelgut gefallen hat, und ich habe Norden und Süden zu Ende gehört, das ich ganz toll fand. Ich habe sogar direkt im Anschluss wieder mit der BBC-Miniserie begonnen, obwohl ich die schon zweimal gesehen habe.
Als nächstes Hörbuch habe ich mir Der Ruf des Kuckucks aus der Bücherei geschnappt, das mir bislang sehr gut gefällt. Und ebenfalls aus der Bücherei habe ich mir Wie Monde so silbern ausgeliehen, als Beitrag für Lynes Märchen-Bingo. Das Setting und das Thema sind aber leider nicht wirklich meins.

Märchen und deren Adaptionen

Das Buch hat mich auf jeden Fall dazu gebracht, mal ein wenig über Märchen nachzudenken. Ich stelle nämlich fest, dass es ein paar Märchen gibt, um die man kaum herumkommt, da sie ständig neu adaptiert werden und auch in solchen Märchenmixen wie "Indexing" oder der Serie "Once Upon a Time" im Mittelpunkt stehen. Dies sind "Aschenputtel", "Dornröschen" und "Schneewittchen". Ich kann mir deren Popularität nur dadurch erklären, dass es dazu Disney-Filme gibt, von denen ich als Kind nur "Aschenputtel" gesehen habe. Und ich mochte den Film schon damals nicht besonders, da gerade diese typischen "Prinzessin bekommt Prinzen"-Märchen nie so recht mein Fall waren.
Wovon ich dagegen nie genug bekommen konnte, waren "Die sechs Diener", "Das blaue Licht", "Frau Holle" und "Brüderchen und Schwesterchen". Außerdem war ich ein großer Andersen-Fan - besonders die Märchen "Die wilden Schwäne", "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" und "Die Nachtigall" sind mir noch sehr gut in Erinnerung.

Wie ist das bei euch? Was sind eure Lieblingsmärchen? Habt ihr die Disney-Versionen gesehen und wenn ja, wurdet ihr eher von ihnen geprägt oder von den Originalen?
Und was haltet ihr von aktuellen Märchenadaptionen?

Ich persönlich greife ja immer wieder gern zu Adaptionen und habe dabei festgestellt, dass ich es sehr gern mag, wenn Märchen eher realistisch umgesetzt werden, etwa in Das Schneemädchen oder Winterkind (in der Version mag ich sogar Schneewittchen). 
Kennt ihr vielleicht Adaptionen, in denen Märchen realistisch interpretiert werden - sei es nun in einem historischen oder modernen Setting? Oder kennt ihr Adaptionen von Märchen, die eher nicht so gängig sind?