Sonntag, 29. November 2015

[Vorweihnachts-Lesewochen] 1. Wochenende

Spät, aber doch kommt nun mein erster Beitrag zu Arianas Vorweihnachts-Lesewochen. Am Ende der letzten Woche bin ich schon ziemlich am Zahnfleisch gegangen wegen all dem Prüfungsstress. Zum Glück konnte ich dann am Freitag die dritte Prüfung abhaken und obwohl nächste Woche schon wieder eine ansteht, bin ich fest entschlossen, mir dazwischen etwas ruhige Zeit zu gönnen und den Advent zu genießen.
Tatsächlich konnte ich heute einige Zeit für mich selbst unterbringen, die zwar nicht ruhig war, dafür aber weihnachtlich-produktiv.
Ich habe bei mir im Zimmer umdekoriert - so haben nun die herbstlichen Kürbisse und Kastanien winterlichen Mistelzweigen und meinem Adventteller Platz gemacht:



Außerdem habe ich bereits die ersten Kekse gebacken - begleitet von dem Hörbuch Das Schneemädchen von Eowyn Ivey, das ich mir gestern Abend spontan aus der Onleihe ausgeliehen habe. Dieses Mal funktioniert die App auf meinem Smartphone zum Glück auch ohne Aussetzer (bis jetzt). Der Roman gefällt mir bis jetzt sehr gut und er passt auf jeden Fall auch gut in diese Jahreszeit. 
Die Kekse werde ich nun gleich einmal probieren, wenn ich mich für ein Stündchen aufs Sofa zum Lesen setze (danach werde ich mich wohl doch noch einmal meinem Lernstoff zuwenden müssen).

Bevor ich mich aber auf dem Sofa einmümmel, kann ich euch hier noch etwas Größeres ankündigen. Ich kann es selbst kaum fassen, dass ich es noch geschafft habe, das fertig vorzubereiten ...

Es gibt bei mir dieses Jahr einen Adventskalender und in diesem werde ich jeden Tag ein Türchen zu meinem Roman Frostpfade öffnen. Eigentlich wollte ich euch ja lieber "Bühnenzauber" lesen lassen, aber leider habe ich bei all den Umbrüchen in meinem Leben dieses Jahr die Überarbeitung nicht hinbekommen.
So sind es nun also doch meine "Frostpfade" geworden, die ja auch sehr gut in die Winterzeit passen. Den Adventskalender verlinke ich auch in der Seitenleiste - ich habe dafür einen schlichten, kleinen Blog ins Leben gerufen. Die Beiträge sind bereits allesamt fertig und geplant; das heißt, sie werden jeden Tag pünktlich um 18 Uhr erscheinen und mir kann der Stress nicht mehr dazwischenfunken.
Ein paar Worte zu dem Kalender und zum Roman gibt es bereits zu lesen - ansonsten geht es dann am 1. Dezember so richtig los. :-)

Mittwoch, 25. November 2015

Buchstabengeplauder #44

Lebensgeplauder

Derzeit ertrinke ich ein wenig im Stress. Wir haben gerade eine sehr intensive Prüfungsphase und daneben sind einige kleinere Arbeiten zu schreiben und Präsentationen bzw. Projekte vorzubereiten. Unter der Woche bleibt für all das nur am Abend Zeit und an den Wochenenden habe ich oft Dienst - es ist also gerade nicht so einfach, das alles unterzubringen.
Allerdings sieht es nun so aus, als würde eine der Prüfungen nach hinten verschoben werden, da sowohl die Lehrgangsleitung als auch die Vortragenden der Meinung sind, dass wir sinnvollerweise genug Zeit zum Lernen und dem Erstellen der Arbeiten haben sollten, damit das ganze für uns auch etwas bringt. Sehr löbliche Einstellung. :-)
Also ja, es ist gerade alles sehr viel, aber immerhin ist eine gewisse Entlastung in Sicht.
Spannend ist es auf jeden Fall weiterhin. Aktuell geht es viel um Suchstrategien, Kataloge/Bibliografien, Datenbanken und Management (wobei mir letzteres nicht wirklich liegt). Zwischendurch haben wir einen kurzen Ausflug zu xml gemacht, was für mich insofern ein Highlight war, da es mir ein tieferes Verständnis für html mitgegeben hat.

Lesegeplauder

In punkto Lesen tut sich daneben natürlich nicht gar so viel, auch wenn ich ein paar Bücher fertiggelesen habe, die mich ohnehin schon eine Weile begleitet haben: In der Mitte ihres Lebens von Samuel J. Agnon, Das größere Wunder von Thomas Glavinic und Die Buchspringer von Mechthild Gläser. 

Ansonsten erlebe ich gerade ein ähnliches Phänomen wie schon früher in stressigen Zeiten: Ich beginne daneben auf einmal überzusprudeln vor Kreativität, finde aber keine Zeit, diese auszuleben. Früher ging es mir vor allem mit dem Schreiben so; jetzt sind es alle möglichen Blogeinträge, die mir im Kopf herumspuken und in Lernpausen als halbgare Entwürfe entstehen.
Ich muss mich auch gerade sehr zusammenreißen, um mich nicht zu allerlei Challengevorhaben fürs nächste Jahr hinreißen zu lassen und denke außerdem über ein ganz besonderes Projekt nach, das etwas mit Büchereien zu tun hat (wenn auch nicht mit wissenschaftlichen - insofern steht es nicht im Zusammenhang mit meinem Lehrgang).
Letztendlich ist das alles wohl mal wieder eine Form von Lernprokrastination ...

Ankündigung: Vorweihnachts-Lesewochen

Apropos Challenges und Projekte: Bei Ariana gibt es dieses Jahr wieder das schon fast traditionelle Adventlesen, das kommendes Wochenende beginnt. 
Ariana schreibt dazu folgendes:
Wie schon in den letzten Jahren entscheidet jede(r) Mitleser(in) für sich, wie er/sie die Adventswochen gestalten möchte, ob er/sie sich konkrete (Lese-)Ziele setzt oder einfach nur bewusst Zeit zur Entspannung und Besinnung einplant. Schließlich kann man die “staade Zeit” auf so viele verschiedene Arten interpretieren, da soll wirklich jede(r) für sich festlegen, wie die persönlichen Vorweihnachts-Lesewochen aussehen sollen. Allerdings wäre es schön, wenn ihr irgendeinen Bezug zur Advents- und Weihnachtszeit herstellen könntet – das ist ja immerhin der Grundgedanke der Aktion.   
In dem oben verlinkten Beitrag bekommt ihr genauere Infos und könnt euch auch anmelden.

Nachdem ich letztes Jahr ausgesetzt habe, möchte ich in diesem Jahr auf alle Fälle wieder mitmachen, schon alleine deshalb, um mir vielleicht in all dem Stress bewusste, kleine Auszeiten zu nehmen.
Direkte Lesepläne habe ich noch nicht (eventuell Das Wunder einer Winternacht, das ich aber erst einmal in der Bücherei ergattern muss), allerdings werde ich am 6.12. passenderweise mit meiner Mutter an einem weihnachtlichen Literaturfrühstück teilnehmen. 

Eine Stadt. Ein Buch 2015

LeserInnen meines Blogs kommen an dieser Aktion ja kaum vorbei, da ich sie jedes Jahr ankündige bzw. darüber berichte. Heute Mittag ist also der Startschuss gefallen und es liegen 100.000 Exemplare von Jostein Gaarder Sofies Welt in allen Zweigstellen der Büchereien Wien, in vielen Buchhandlungen, Filialen der Bank Austria und weiteren Verteilstellen aus. Ich habe mir heute gleich ein Buch auf dem Heimweg geholt. Zwar habe ich bereits das Hardcover, aber so ein handliches Taschenbuch kann man ja auch immer brauchen. :-)

Heute und morgen gab und gibt es auch einige Veranstaltungen dazu (Lesungen und Signierstunden mit dem Autor etwa), aber die fallen für mich zeitlich gerade sehr ungünstig (am Freitag ist eine Prüfung). 
Dafür habe ich eben ganz spontan eine Karte für die Vorführung des Films mit anschließender Diskussion am Samstag reserviert. Ich finde den Film zwar nur mäßig gelungen, hatte aber doch Lust, ihn im Zuge der Aktion noch einmal zu sehen.

Das ist jetzt ein ganz schön langer Beitrag geworden (Prokrastination, ich sags ja), aber nun muss ich mich wirklich wieder an meine Unterlagen setzen. Habt noch einen schönen Abend!


Samstag, 21. November 2015

Monika Reitprecht - Wo stehen hier die E-Books?


erschienen bei Milena

woher: Geburtstagsgeschenk

Sachbuch-Challenge




Monika Reitprecht betreut seit 2009 die Facebook-Seite der Büchereien Wien, die mit gut 44.000 Likes zu den erfolgreichsten Social Media-Auftritten der Buchwelt gehört. In dem Buch stellt die Autorin 250 Postings nach Themen geordnet zusammen, von Kundenfragen über Fundstücke in Büchern bis hin zu Einblicken hinter den Kulissen.
Das eher dünne Taschenbüchlein ist mit zahlreichen Fotos farbig hinterlegten Textkästen sehr liebevoll gestaltet - und dank Fadenbindung auch recht strapazierfähig. 


Die kleinen Anekdoten sind sehr schlagfertig und witzig, mitunter aber auch recht bösartig. Das reicht von Kunden auf der verzweifelten Suche nach Büchern ("Haben Sie 'Die Tribute von Panama?'" oder "Ich hätte gern 'Die Räuber' von Schiller, aber nicht so mit verteilten Rollen.") über den alltäglichen Wahnsinn mit ebooks ("Was passiert eigentlich, wenn ich Ihr E-Book verliere?") bis hin zu spitzen Kommentaren zu bestimmten Büchern: "Bei uns wird jede(r), die '50 Shades of Grey' ausborgen will, ausgepeitscht. Viel besser als das Buch."
Aber Monika Reitprecht spart auch nicht mit Selbstironie und Seitenhieben auf die bibliothekarische Arbeit ("Feilsche mit dem Putztrupp, wie lange ich noch im Büro bleiben darf. Ich sollte dringend mein Leben überdenken.").

Das Buch garantiert auf jeden Fall einige vergnügliche Stunden - ob man es nun in einem durch liest oder einfach immer wieder mal einzelne Anekdoten herauspickt. Und viele davon haben mich auch nach mehrmaligem Lesen noch immer zum Lachen gebracht. Es eignet sich auch gut, um in geselliger (idealerweise bibliophiler) Runde einzelne Häppchen daraus vorzulesen.

Ob es allerdings wirklich seinen recht stolzen Preis von 17,90€ wert ist oder man lieber einfach die Facebook-Seite liest, ist schwer zu beantworten. Es macht auf jeden Fall Spaß, in dem Buch zu blättern und sich über die Einträge zu amüsieren. Dafür hat man auf Facebook (abgesehen davon, dass es gratis ist) auch gleich noch die Kommentare mit dabei, die teilweise mindestens ebenso lustig sind wie die Postings.
Ich kann aber bestätigen, dass sich das Buch auf jeden Fall gut als Geschenk für Leseratten eignet. ;-)

Sonntag, 15. November 2015

[Ankündigung] Neue Challenges bei Lyne's Books

Während viele Lesechallenges mit Anfang des Jahres starten, beginnen bei Lyne nun schon Ende November zwei interessante Challenges.


Das eine ist die Klassik-Challenge vom 1.12.2015 bis zum 30.11.2016. In diesem Zeitraum müssen 12 Bücher gelesen werden - es handelt sich also durchaus um eine etwas umfangreichere Challenge. Im Zentrum stehen zwar Klassiker, aber nicht nur. Die Bücher dürfen nämlich von diesen Listen gewählt werden (pro Liste 4 Bücher):

Unter den erfolgreichen Challenge-Teilnehmern wird ein Wunschbuch im Wert von 20€ verlost. Alle weiteren Regeln findet ihr hier



Die zweite Challenge, in der es um Märchen geht, finde ich insofern reizvoll, weil sie als Bingo aufgebaut und somit ein bisschen etwas anderes ist. Hier gibt es keine fix vorgeschriebene Anzahl von Büchern, sondern es landet pro erlesener Bingo-Reihe ein Los im Topf für die Gewinn-Auslosung am Ende (ebenfalls ein Wunschbuch im Wert von 20€).
Es zählen für diese Challenge Märchen-Adaptionen, aber auch märchenhafte Bücher mit typischen Elementen wie etwa Prinzessinnen und Königen.

Start ist am 30.11.2015, Ende genau ein Jahr später am 30.11.2016.
Zu den genauen Regeln geht es hier.  


Mich würden ja beide Challenges ansprechen, aber ich hatte mir eigentlich vorgenommen, im nächsten Jahr möglichst an keinen Challenges teilzunehmen, weil ich vermutlich so viel um die Ohren haben werde, dass ich froh sein kann, wenn ich überhaupt zum Lesen komme.
Aber gerade die Märchen-Challenge könnte doch zu schaffen sein, da man bereits mit 5 Büchern erfolgreich mit dabei ist (sofern diese alle in einer Reihe sind). Und es gibt auch einige Märchenadaptionen, die ich ohnehin gern noch lesen würde (z.B. "East" von Edith Pattou und "Die blutroten Schuhe" von Alana Falk).
Die Klassiker-Challenge mit 12 Büchern ist da schon eine größere Herausforderung, aber Klassiker reizen mich ja immer - und gerade von der BBC-Liste wollte ich ja ohnehin noch ein paar Bücher lesen.

Ich werde noch ein wenig darüber nachdenken müssen.
Falls ihr ebenfalls noch Bedenkzeit braucht - für beide Challenges kann man sich noch bis Ende des Jahres anmelden.

Donnerstag, 12. November 2015

[Wiener Streifzüge] Herbst im Nordwesten von Wien

Seit Ende Oktober kann man hier in Herbstfarben nahezu baden: goldene und rote Blätter, wohin man sieht und dazu noch ein (meist) blauer Himmel.
Letzte Woche habe ich daher zum Entspannen zwischen dem Lernen einige Spaziergänge unternommen und war außerdem mit meiner Schreibgruppe am Kahlenberg.
Da man diese verschiedenen Spaziergänge auch gut miteinander verbinden kann, habe ich sie hier zu einem kleinen Streifzug zusammengefasst.

Ich war zuerst am nördlichsten Teil des Donaukanals unterwegs (erreichbar z.B. von der Endhaltestelle Griegstraße der Buslinie 5A), wo man sehr schön spazierengehen kann, wenn auch leider nicht in idyllischer Stille, da einige stark befahrene Straßen hier nicht fern sind.


Nach einem kleinen Spaziergang kommt man zur Heiligenstädter Brücke, auf der man den Donaukanal überquert.


Auf der anderen Seite des Donaukanals liegt etwas erhöht der kleine Wertheimsteinpark:

noch mehr Herbstblätter ;-)

Vom Park aus sind es etwa zehn Gehminuten zur Station Heiligenstadt, von wo aus die Buslinie 38A auf den Kahlenberg fährt. Bis zum Parkplatz Kahlenberg fährt man knapp eine halbe Stunde - aber man könnte natürlich auch ganz sportlich hinaufwandern.
Von der Aussichtsterrasse beim Parkplatz hätte man an sich einen schönen Blick über Wien - leider lag an diesem Tag noch ein wenig der Nebel über der Stadt.


Unser Weg hat uns dann zum Kahlenberger Friedhof geführt, der früher einmal schön verwachsen war, mittlerweile aber dank zurechtgestutzter Botanik recht unspektakulär ist.

Von hier aus sind wir durch Weinberge und kleine Wege hinuntergewandert nach Nussdorf.

Ich kann unseren Weg nicht mehr vollständig konstruieren, aber irgendwo haben wir wohl eine falsche Abzweigungen genommen (nach dem Motto: Hauptsache nach unten). Wir sind dann erst einmal an der Heiligenstädter Straße gelandet, an der entlang wir nach Nussdorf gewandert sind. 
Dort sind wir noch an einem interessanten, alten Gebäude (dem Brauhaus Nussdorf) vorbeigekommen, ehe unser Streifzug dann bei der Straßenbahnlinie D ein Ende gefunden hat.


Beide Spaziergänge zusammengenommen und dazwischen noch die Busfahrt miteingerechnet, würde dieser Streifzug wohl etwa zweieinhalb Stunden dauern. Natürlich könnte man auf dem Kahlenberg noch deutlich länger wandern - so führt etwa auch der Stadtwanderweg 1 über den Kahlenberg.

Montag, 9. November 2015

Buchstabengeplauder #43

Lebensgeplauder

Ich habe heute die erste Prüfung gut überstanden und hoffe, dass ich bei den weiteren etwas ruhiger sein werde (heute war ich ein rechtes Nervenbündel). Dabei kenne ich Prüfungssituationen aus dem Studium zur Genüge, aber meine letzte Prüfung war nun schon eine Weile her und ich setze mich auch mit meinen hohen Erwartungen an mich selbst gerne mal zu sehr unter Druck.
Da nächste Woche auch schon die nächste Prüfung ansteht, bleibt nicht viel Zeit für Entspannung dazwischen, aber immerhin ist gerade noch Lehrgangspause.

Ein wenig Lesezeit konnte ich zum Glück trotz allem noch ganz gut dazwischenquetschen - und bei dem grandiosen Wetter konnte ich sogar auf dem Balkon in der Sonne lesen und lernen.
Apropos Wetter: Es steht endlich mal wieder ein Streifzug in den Startlöchern, da ich vorige Woche mit meiner Schreibgruppe eine kleine Wanderung unternommen habe.
Ebenfalls in den Startlöchern steht eine Figurenvorstellung, da Nanwigs Porträt nun fast fertig ist. Es fehlen nur noch ein Teil der Kleidung und ihre Halskette. Mal sehen, ob das diese Woche noch etwas wird.


Lesegeplauder

Was meinen aktuellen Lesestoff betrifft, so möchte ich gerade mal wieder auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Der Schatten der Scheuermagd habe ich schon vor einer Weile begonnen, aber irgendwie sind mir dann ständig andere Bücher dazwischengekommen. Eins davon ist Die Buchspringer, das mir meine Nichte geliehen hat; ein weiteres In der Mitte ihres Lebens für die Nobelpreis-Challenge. Als Hörbuch begleitet mich gerade Das größere Wunder, auch wenn ich in der letzten Woche kaum zum Hörbuch-horchen gekommen bin. Und als wäre das alles noch nicht genug, habe ich mit What If? Was wäre wenn? endlich mal wieder ein Sachbuch zur Hand genommen, das übrigens sehr amüsant ist.


Seriengeplauder

Als Entspannung abends nach dem Lernen habe ich mich außerdem wieder vermehrt Serien zugewandt. So habe ich mich nun bei Downton Abbey endlich auf den neuesten Stand gebracht und war mit der 6. Staffel alles in allem doch glücklicher als mit der 5. Nun kommt nur noch ein Christmas Special, dann wars das. So sehr ich mich auch über den einen oder anderen Handlungsstrang geärgert habe - bei dem Gedanken ist mir doch wehmütig zumute. Im Staffelfinale musste ich auch schon das eine oder andere Tränchen unterdrücken (ich kann manchmal so sentimental sein, wenn es um Charaktere geht, die mir am Herzen liegen!).

Und dann die aktuelle Folge von Doctor Who. Ach. Hach. Das war endlich mal wieder eine Folge, die mich wirklich emotional gepackt hat.
Achtung, es folgen leichte Spoiler!
Offensichtlich war sie vielen zu kitschig oder unrealistisch, aber obwohl ich mitunter auch recht zynisch sein kann und es auch gern düster habe in Büchern oder Serien, finde ich es doch schön, wenn nicht alles immer in Krieg und Zerstörung enden muss. Wenn schon in der realen Welt meist keine friedlichen Lösungen gefunden werden, darf das doch bitte wenigstens in einer Science Fiction-Serie der Fall sein.
Abgesehen davon: Peter Capaldi. Ach, macht das Freude, diesem Mann beim Schauspielen zuzusehen. Dem kauft man selbst die pathetischste Rede ab. Ich hoffe, dass uns dieser Doktor noch eine Weile erhalten bleibt.

Sonntag, 8. November 2015

Kenzaburō Ōe - Reißt die Knospen ab


erschienen bei Fischer
(mittlerweile nur noch als Taschenbuchausgabe)

woher: Städtische Büchereien
entdeckt bei Ariana

Nobelpreis-Challenge


Während des Zweiten Weltkriegs wird eine Gruppe japanischer Jungen aus einer Erziehungsanstalt evakuiert und in ein entlegenes Bergdorf gebracht. Als dort zunächst einige Tiere und dann auch Menschen an einer Seuche sterben, fliehen die Dorfbewohner und versperren den Jugendlichen den einzigen Fluchtweg. Diese müssen nun auf sich allein gestellt in dem Dorf zurechtkommen.

"Reißt die Knospen ab" war einer der ersten Romane von Kenzaburō Ōe. Er erschien 1958, wurde aber erst 1997 ins Deutsche übersetzt - nachdem Ōe drei Jahre zuvor den Nobelpreis erhalten hatte. Der Roman wird gern mit Goldings "Herr der Fliegen" verglichen und tatsächlich gibt es insofern Parallelen in der Grundsituation, da in beiden Büchern Kinder und Jugendliche für einen kurzen Zeitraum alleine zurechtkommen müssen, ehe dann von den Erwachsenen die Ordnung wieder hergestellt wird. Darüber hinaus sind die Romane aber kaum miteinander zu vergleichen.

Bei "Reißt die Knospen ab" liegt das Hauptaugenmerk vor allem auf den Konflikten zwischen den Jugendlichen und den Erwachsenen. Die Dorfbewohner wollen die Jungen von Anfang an nicht bei sich haben und lassen sie letztendlich auch gezielt zurück. Als sie dann schließlich zurückkehren, um die Ordnung wiederherzustellen, gehen sie mit Ungerechtigkeit und Härte vor und die Situation wird für die Jungen im Grunde noch schlimmer als zuvor.

Die Grundstimmung des Romans ist also sehr düster und bedrückend. Die Gesellschaft, die sich die Jugendlichen aufbauen, ist recht grausam, aber nicht, weil die Situation auf eine solche Weise eskaliert wie in "Herr der Fliegen", sondern weil sie selbst offensichtlich nie etwas anderes kennengelernt haben. Und im Vergleich zur Herrschaft der Erwachsenen erscheint ihre Gemeinschaft selbst in all ihrer Brutalität beinahe noch paradiesisch, zumal ich zwischendurch das Gefühl hatte, sie wären durchaus imstande, es mit der Zeit besser zu machen.
 
Ariana erwähnt in ihrer Rezension die etwas irritierende "Penis-Fixierung des Autors/Ich-Erzählers" und das ist mir auch beim Lesen aufgefallen. Allgemein herrscht oft eine sehr sexuell aufgeladene Stimmung, was vielleicht bei einer Gruppe pubertierender Jungs verständlich ist, angesichts der Situation aber doch manchmal fehl am Platz wirkt. Vor allem die Fixierung der Jugendlichen auf Soldaten und eine Szene, die zumindest ich eindeutig als Vergewaltigung gelesen habe, fand ich eher befremdlich.
 
Sprachlich liest sich der Roman sehr flüssig, stellenweise auch fast poetisch, wobei insgesamt ein schlichter Stil vorherrscht. Man kann daher "Reißt die Knospen ab" durchaus flott lesen, auch wenn ich aufgrund des Inhalts und der Stimmung nie sehr lange am Stück gelesen habe.
 
Alles in allem handelt es sich bei Ōes Roman um ein interessantes und stellenweise sehr spannendes, aber auch recht verstörendes Werk. Das Ende hat mich zugegebenermaßen sehr ratlos zurückgelassen und ich weiß noch immer nicht, wie ich es einordnen soll.
Von mir gibt es daher nur eine vorsichtige Leseempfehlung - vor allem die trostlose Stimmung ist vermutlich nicht jedermanns Sache.

Dienstag, 3. November 2015

Yrsa Sigurðardóttir - Das gefrorene Licht

Band 2 der Serie um Dóra Guðmundsdóttir

ungekürztes Hörbuch (12 h 8 min)
gelesen von Christiane Marx
erschienen bei Argon Hörbuch

 woher: Städtische Bücherei (Onleihe)

Hörbuch-Challenge

Die Anwältin Dóra wird von einem ihrer Mandanten auf die Halbinsel Snæfellsnes gerufen, um ein Wellness-Hotel mit esoterischem Anstrich genauer unter die Lupe zu nehmen. Angeblich soll es dort spuken, was den Wert des Hotels deutlich mindern würde. Doch Dóra kommt kaum dazu, die vermeintlichen Spukerscheinungen zu untersuchen, da gibt es bereits die erste Tote - und es handelt sich ausgerechnet um die Architektin des Hotels.

Obwohl mich Das letzte Ritual nicht ganz überzeugt hat, wollte ich dieser isländischen Krimiserie noch einmal eine Chance geben. Ich denke aber, dass ich nach diesem Band nun keine weiteren mehr lesen werde. Was ich bereits im 1. Band kritisiert habe, hat mich hier erneut (teilweise sogar noch mehr) gestört: Dóra war mir mit ihrer kindischen und selbstgerechten Art wieder sehr unsympathisch und ihr Verhalten als Mutter fand ich absolut unverantwortlich. Dabei finde ich ihre Familienprobleme sogar recht unterhaltsam und ihr Sohn Gylfi ist meiner Meinung nach ja der heimliche Star des Buches, aber ihr Verhalten hat mir hier fast die Haare zu Berge stehen lassen.

Wer sich bei der Nebenhandlung nicht von mir spoilern lassen möchte, sollte den folgenden Absatz überspringen:
Während Dóra auf Snæfellsnes ist, büchsen ihre beiden Kinder (der Sohn ist 16, die Tochter 6 Jahre alt) vom geschiedenen Vater aus. Zwar hat Gylfi noch keinen Führerschein, aber das hindert ihn nicht daran, mitsamt seiner kleinen Schwester und seiner schwangeren Freundin in einem Wohnwagen durch die Gegend zu fahren. Als Dóra herausfindet, wo die drei unterwegs sind, befiehlt sie ihnen nur, an Ort und Stelle zu bleiben, bis sie am Abend jemand abholen kann und verschwendet für den Rest des Tages keine Gedanken mehr an sie. Die wiederholten Anrufe des Vaters (der zu dem Zeitpunkt noch nicht einmal weiß, wo die Kinder sind) ignoriert sie aus reinem Trotz und findet es sogar noch amüsant, ihn zappeln zu lassen; die Eltern des hochschwangeren Mädchens informiert sie auch nicht, weil sie keine Lust hat, sich von ihnen Vorwürfe anhören zu müssen. 
Ich halte nicht sehr viel von überbesorgten Müttern, aber hier konnte selbst ich nur noch fassungslos den Kopf schütteln.

Auch Matthias ist wieder mit von der Partie und zwischen ihm und Dóra fehlen erneut jedes erotische Knistern und jede spürbare Anziehung. Mit seinem arroganten Getue und den spöttischen Bemerkungen darüber, dass Dóra nicht gerade ein Modepüppchen ist (er dafür schon), konnte er bei mir auch nicht mehr Sympathiepunkte sammeln als im 1. Band.

Der Kriminalfall dagegen war wieder spannend und stimmig. Es gibt ein paar Elemente mit leichtem Gruselfaktor und dazu eine recht interessante Familiengeschichte. Zwar fühlte ich mich stellenweise ein wenig von all den Namen und verwandtschaftlichen Beziehungen überfrachtet, doch im Laufe der Zeit konnte ich doch alle Figuren zuordnen. 
Die Auflösung hat mich überrascht, aber von ein paar kleinen Details abgesehen hat sie mich durchaus überzeugt.

Nach zwei Büchern ist nun mein Eindruck, dass Yrsa Sigurðardóttir zwar ganz gute Krimiplots stricken und auch eine schöne Atmosphäre erzeugen kann, allerdings kein Händchen für Figuren hat.  Vielleicht werde ich ihr mit "Geisterfjord" noch einmal eine Chance geben, da es dort um andere Ermittler geht.
Die Serie um Dóra und Matthias kann ich auf jeden Fall nur bedingt empfehlen - ob man daran Gefallen findet, hängt wohl stark davon ab, ob man mit den beiden Hauptfiguren etwas anfangen kann. Ich konnte es leider nicht.