Sonntag, 31. Mai 2015

Buchstabengeplauder #31

Ich dachte eigentlich, ich könnte heute einen meiner Wünsche für das Jahr 2015 als erledigt betrachten und zwar die Teilnahme am Österreichischen Frauenlauf. Ich habe mich auch angemeldet, habe das Startgeld bezahlt und gestern Startnummer sowie Frauenlauf-Shirt abgeholt. Trotzdem war ich heute nur als Zuschauerin beim Lauf.
Wie kam's? Ich war leider die letzten Tage krank, mit Halsschmerzen, leichtem Fieber und seit gestern auch Husten und Schnupfen. Noch heute am Morgen habe ich überlegt, ob ich mitlaufen soll, aber letztendlich hätte das keinen Sinn gehabt, zumal ich danach auch noch in die Arbeit musste, also nicht riskieren konnte, danach flachzuliegen.
Tja. Schöner Mist.
 
Nun hatte ich mir ja (genau für einen solchen Fall) den Women's Run als Alternative offengehalten, aber man glaubt es nicht: Dieses Jahr findet in Wien kein Women's Run statt (weshalb auch immer). Das ist Sabotage!
 
Mein Ausweichplan ist jetzt der Krebsforschungslauf, bei dem es nicht um eine bestimmte Distanz und um eine schnelle Zeit geht, sondern darum, möglichst viele Runden (mit je 850 m) zu laufen, da für jede gelaufene Runde 5 Euro von diversen Sponsoren an die Initiative Krebsforschung gespendet werden. Na bitte, das klingt doch nach einer schönen Sache. Hoffentlich klappt es wenigstens damit.
 
Was übrigens die weiteren Vorsätze angeht: Ich übe brav am Klavier und kann "I've Seen Hell" immerhin schon bis etwa zur Hälfte, aber bei der schwierigen 2. Hälfte gerate ich noch ziemlich ins Straucheln. Im Sommerkino war ich logischerweise noch nicht und an den restlichen Vorsätzen (Roman "veröffentlichen" und Ölbild malen) muss ich auch noch arbeiten. Immerhin bin ich aber derzeit mit einem Buntstift-Porträt einer meiner Romanfiguren beschäftigt, das ist ja schon mal ein Anfang.
 
Alles in allem sollte ich aber doch mal in die Gänge kommen, da schon fast ein halbes Jahr rum ist. Und dieses "in die Gänge kommen" ist auch für die Challenges angesagt, bei denen ich überall ziemlich hinterherhinke. Immerhin habe ich aber mit In 72 Tagen um die Welt ein weiteres Sachbuch beendet, mit Lord of the Flies von William Golding einen weiteren Nobelpreisträger begonnen und mit Die Furcht des Weisen 2 wartet schon ein weiteres Hörbuch darauf, endlich rezensiert zu werden. Es wird, es wird ....

Samstag, 30. Mai 2015

[Tag] The Classics Booktag

Bei Sam von Buchflimmern habe ich diesen schönen Tag entdeckt, der ursprünglich von It's a Books World stammt. Da es gefühlte 100 Tags zu Jugendbüchern, Lesegewohnheiten und Protagonisten gibt, aber kaum mal einen zu Klassikern, muss ich den natürlich unbedingt beantworten.
 
1. Ein überbewerteter Klassiker, der dir nicht gefallen hat
Schwierig. Ich habe mich zwar unglaublich bei "Die Geschichte des Agathon" von Wieland gelangweilt, habe aber das Gefühl, dass den sowieso nur Germanisten kennen, insofern trifft "überbewertet" es wohl nicht so ganz. Vielleicht "Schuld und Sühne", das mir meine Schwester wärmstens ans Herz gelegt hat und womit ich leider nicht viel anfangen konnte (siehe meine Rezension).
 
2. Epoche, über die du am liebsten liest
Hm, da es hier um Klassiker geht, bin ich etwas unsicher, wie diese Frage tatsächlich gemeint ist. Geht es wirklich um Bücher über eine Epoche oder eher aus einer Epoche? Ich lese am liebsten über die Antike, greife aber bevorzugt zu Klassikern aus Aufklärung und Romantik.
 
3. Lieblingsmärchen
Ich war als Kind ein großer Märchenfan und hatte nicht nur zwei heißgeliebte Märchenbücher, sondern habe sie auch sehr gern als Hörspiele gehorcht. Es fällt mir daher sehr schwer, mich für eines zu entscheiden. Ich weiß, dass wir "Brüderchen und Schwesterchen" noch auf Schallplatte hatten und dieses Märchen für mich immer ein Muss war, wenn ich krank im Bett lag. Außerdem habe ich auf meinem Kassettenrecorder "Die sechs Diener" praktisch rauf und runter gehört. Eine sehr seltsame Vorliebe hatte ich aber auch für "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern", weil ich anscheinend schon als Kind auch gern mal ein trauriges Ende hatte.
 
4. Welchen Klassiker schämst du dich am meisten, bisher nicht gelesen zu haben
Da ich in den letzten Jahren ein paar der Klassiker, die mir quasi im Nacken saßen, auch endlich gelesen habe, fällt mir auf Anhieb gar keiner ein. Vielleicht "Ulysses", bei dem ich mich aber nicht unbedingt schäme - ich habe nämlich den Eindruck, dass nur die wenigsten überhaupt mit dem Roman klarkommen und ich also mit meinen bisher vergeblichen Anläufen in guter Gesellschaft bin.
Allerdings habe ich dafür, dass ich Germanistik studiert habe, eklatante Schiller-Lücken. Ich finde Schiller als Mensch wahnsinnig interessant, aber was die Werke betrifft, da halte ich mich eher an seinen Freund Goethe. Daher habe ich bisher weder "Wallenstein" noch "Die Räuber" jemals vollständig gelesen.
 
5. Top 5 Klassiker, die du (bald) lesen willst
"Nils Holgersson", nachdem ich mir ja gerade erst eine so schöne Ausgabe geleistet habe, außerdem "Herz der Finsternis", "North&South", unbedingt noch etwas von Steinbeck und "Heinrich von Ofterdingen".
  
6. Liebstes Buch, das auf einem Klassiker basiert
"Kassandra" von Christa Wolf, das auf der "Ilias" basiert. Ich liebe diesen Roman und muss ihn unbedingt mal wieder lesen.
 
7. Liebste Film-/TV-Adaption eines Klassikers
Da fallen mir so viele BBC-Verfilmungen ein, dass ich kaum weiß, wofür ich mich entscheiden soll. Vielleicht für "Jane Eyre" aus dem Jahr 2006 mit Ruth Wilson und Toby Stephens, eine BBC-Miniserie, die mich trotz einiger Modernisierungen sehr begeistert hat.
Nachtrag: Oh, und ich muss unbedingt noch "Viel Lärm um nichts" von Kenneth Branagh erwähnen. Meiner Meinung nach die beste Shakespeare-Verfilmung mit einer grandiosen Emma Thompson.
 
8. Schlechteste Adaption
Da wüsste ich so einige, aber passend als Kontrast zur vorigen Antwort (und auch, weil ich sie sehr überbewertet finde): Die "Jane Eyre"-Verfilmung von 2011 mit Mia Wasikowska und Michael Fassbender. Nicht nur fand ich die Hauptcharaktere fehlbesetzt, der gesamte Film hat mich auch völlig kaltgelassen. 
 
9. Lieblingsausgaben, die du sammeln willst
Hier fällt mir ehrlich gesagt nichts ein. Am ehesten vielleicht die süßen, kleinen Hardcover-Büchlein der Fischer Taschenbibliothek, die sich aber nicht direkt auf Klassiker konzentriert.
 
10. Ein zu wenig bekannter Klassiker, den du allen empfiehlst
Ich weiß nicht, ob ich den Roman allen empfehlen würde, aber ich finde auf jeden Fall, dass Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow auch hierzulande eine größere Bekanntheit verdienen würde.
 
Wie geht es euch mit Klassikern? Lest ihr sie gerne oder eher nicht? Bei welchen Fragen seid ihr überhaupt nicht meiner Meinung?
Vielleicht habt ihr ja auch Lust, den Tag mitzunehmen und die Fragen zu beantworten.

Dienstag, 26. Mai 2015

[Kurzrezensionen] Balkonratgeber

In den letzten Monaten habe ich so einige Ratgeber zu Balkon- und Terrassenpflanzen gelesen. Die drei, mit denen ich mich am intensivsten beschäftigt habe, möchte ich euch hier in Kurzrezensionen vorstellen (die ich quasi als einen Sammelbeitrag für Winterkatzes Sachbuch-Challenge zähle).


Jo Whittingham - Gärtnern ohne Garten

Von den drei Büchern ist das hier das einzige, das ich mir gekauft habe (die anderen waren aus der Bücherei) und die Anschaffung hat sich gelohnt. "Gärtnern ohne Garten" ist ein kompakter Ratgeber, von dem man sich nicht erschlagen fühlt und der trotzdem sehr viel Wissen vermittelt. Für Blumenfans ist das Buch wohl nicht so gut geeignet, aber wer Gemüse, Obst und Kräuter auf kleinem Raum anbauen möchte, findet darin viele hilfreiche Tipps. Zuerst geht es um allgemeine Dinge wie die richtigen Gefäße, geeignete Erde und das Aussäen von Pflanzen. Danach stellt Jo Whittingham diverse Kombinationsmöglichkeiten vor - vom Grillgemüse bis hin zu Tomatenampeln mit Kräutern. Nach Tipps zur Pflege und Schädlingsbekämpfung werden schließlich noch alle möglichen Pflanzen in Kurzporträts vorgestellt.
Für den Einstieg finde ich diesen Ratgeber sehr hilfreich. Wenn man einen "essbaren Balkon" anlegen möchte, bekommt man hier das richtige Rüstzeug für einen gelungenen Start mit. Ich hatte das Buch auf jeden Fall in den letzten Wochen sehr häufig in der Hand.


Karl Ploberger - Die schönsten Balkone und Terrassen für intelligente Faule

Als ich diesen Titel in der Bücherei gelesen habe, hatte ich gleich den Eindruck, dass es der richtige Ratgeber für mich wäre. Nach dem Prinzip "intelligente Faulheit" habe ich schließlich meine gesamte Schulzeit überstanden. ;-)
Auch hier gibt es zuerst einige allgemeine Pflanztipps, etwa auch zu Balkonkästen mit Wasserspeichern und anderen Möglichkeiten, die Gießintervalle zu verlängern. Dann stellt Ploberger Beispiele für gemischt bepflanzte Balkonkästen vor. Der Schwerpunkt liegt hier auf bunten Blüten, aber auch Kräutern und Gemüse wird ein wenig Aufmerksamkeit geschenkt. 
Die verschiedenen Kombinationen liefern zwar eine schöne Anregung, aber die Aufmachung fand ich ein wenig unübersichtlich. So muss man sich die Beschreibungen, die Abbildungen und die Anordnung im Kasten ein wenig zusammenpuzzeln.
Ich bin mir auch nicht sicher, ob der Titel des Buches so zutreffend ist. Zwar gibt es immer wieder Hitlisten sortiert nach Arbeitsaufwand, aber ich hätte mir doch noch eine klarere Konzentration auf pflegeleichte und möglichst auch winterfeste Pflanzen gewünscht. 
Alles in allem ein Buch, das ein paar schöne Anregungen liefert, aber meine erste Anlaufstelle für Balkonpflanzen wäre es nicht.


Ursula Braun-Bernhart - Balkon&Terrasse: 280 Pflanzen im Porträt

Dieser Ratgeber bietet wirklich eine Fülle an verschiedenen Tipps zu Balkonpflanzen. Abgesehen von der üblichen Einführung zu Gefäßen, Erde, Aussäen und Jungpflanzen, die man auch in den anderen Büchern findet, liefert Braun-Bernhart darüber hinaus auch noch Gestaltungsideen. So beschreibt sie etwa, wie man einen Miniteich in einem Kübel anlegen oder Dekoration selbst basteln kann. 
Wie Plobergers Ratgeber konzentriert sich auch dieser auf Blumen, macht aber ebenfalls Abstecher zu Nutzpflanzen. 
Die im Titel angekündigten Porträts sind sehr hilfreich und gut gelungen. Neben einer Abbildung gibt es jeweils einen kleinen Steckbrief zu Blütezeit, Pflege, Standort, Wasserbedarf und Gestaltungsmöglichkeiten (ob in Kästen, Kübeln oder Ampel, welche Kombination geeignet ist, etc.). Dadurch eignet sich das Buch auch sehr gut als Nachschlagewerk zu einzelnen Pflanzen. Auch in diesem Ratgeber gibt es Kombinationsvorschläge für Balkonkästen, die meiner Ansicht nach übersichtlicher als bei Ploberger ausgefallen sind. 
Wenn man einen blühenden Balkon anlegen möchte, ist dieses Buch sicher gut für einen Einstieg geeignet, zumal die zahlreichen Fotos auch sehr inspirierend sind.

Donnerstag, 21. Mai 2015

Agatha Christie - Kurz vor Mitternacht


Genre: Krimi
Seiten: 336
Verlag: Fischer Taschenbuch
ISBN: 978-3596511730
Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternchen
Aus dem Englischen übersetzt von Rebecca Gablé



In Gull's Point kommt im Sommer eine explosive Mischung an Personen zusammen: Der gefeierte Tennisspieler Nevile Strange besucht Lady Tressilian, die ihn einst großgezogen hat und bringt seine neue Frau Kay mit. Zur selben Zeit finden sich dort aber auch seine erste Ehefrau Audrey, ein Verehrer von Kay, sowie Neviles Vetter Thomas, der lange in Audrey verliebt war, ein. Kein Wunder, dass es nicht der entspannende Urlaub wird, den die Beteiligten sich gewünscht hätten. Bald darauf gibt es die erste Leiche und auch die zweite lässt nicht lange auf sich warten. 

Früher habe ich Agatha Christies Krimis rauf und runter gelesen, bis ich irgendwann ein wenig übersättigt war. In den letzten Jahren habe ich dann immer wieder mal zu Büchern von ihr gegriffen und war mal mehr, mal weniger begeistert. "Kurz vor Mitternacht" gehört nun zu denen, die mich sehr gefesselt haben, auch wenn es sich dabei um einen Krimi der etwas anderen Art handelt.

Er beginnt mit einigen Ereignissen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben - und mit Figuren, zwischen denen es keine Verbindung zu geben scheint. Hier braucht man etwas Geduld und das Vertrauen, dass die Autorin einen Grund dafür haben wird, ausgerechnet diese Ereignisse zu schildern. Und natürlich: später fügt sich alles ineinander.
Nach dieser Exposition beginnt der Roman dann in Gull's Point bei Lady Tressilian, wo es zwischen den beiden Frauen von Nevile erwartungsgemäß zu Spannungen kommt, die schließlich auch die ganze Gesellschaft, die sich dort eingefunden hat, ergreift. Bald kommt das Gefühl einer unterschwelligen Bedrohung auf, das durch die Erzählungen von einem rätselhaften Mordfall (oder war es doch nur ein Unfall?) in der Vergangenheit noch verstärkt wird. Obwohl also die eigentlichen Ermittlungen erst spät einsetzen, lässt die Spannung auch vorher nicht zu wünschen übrig und man wird auch schon mit einigen kleineren Rätseln konfrontiert.

Die Ermittlungen schließlich leitet ein Polizist von Scotland Yard, also keiner von Christies berühmten Spürnasen wie Poirot oder Miss Marple. Die Ermittlungsarbeit ist vielleicht nicht ganz so ausgefeilt, wie man es sonst von Agatha Christie kennt, aber das stört gar nicht, da in diesem Roman der Schwerpunkt eben anders gesetzt ist.
Es ist mehr ein sehr atmosphärisches Psychogramm als ein klassischer Krimi mit falschen Fährten (obwohl diese auch nicht fehlen). Und gerade diese etwas unüblichen Krimis von Agatha Christie haben mir in den letzten Jahren fast am besten gefallen. Sie hat ein gutes Händchen für interessante Figuren und ebenso interessante Beziehungen zwischen ihnen und so habe ich es wirklich genossen, über Nevile und Kay und die anderen zu lesen.
Zur Auflösung mag es zwar etwas schneller kommen als etwa bei den verschlungenen Fällen, mit denen es Poirot meist zu tun hat, aber es gibt trotzdem überraschende Wendungen und ein zufriedenstellendes Ende, das keinerlei Fragen offen lässt.
Das einzige, was mich gestört hat, war eine etwas überhastete Liebesgeschichte, die zum Ende hin noch eingefügt ist und die für mich ein wenig fehl am Platz war.

Von diesem kleinen Schönheitsfehler abgesehen gehört "Kurz nach Mitternacht" für mich aber zu den Highlights unter Agatha Christies Büchern. Ich könnte mir vorstellen, dass der Roman nicht ganz jedermanns Fall ist, da viele vielleicht bei einem Christie-Krimi etwas anderes erwarten. Mir hat er aber gerade deshalb so gut gefallen, weil er ein wenig aus der Reihe schlägt.

Dienstag, 19. Mai 2015

Phantastische Bücher auf dem SuB und im Keller

In den letzten Tagen hatte ich das Gefühl, dass mir mein SuB nun tatsächlich zu klein geworden ist für eine gewisse Auswahl (zumal ich davon zwei Bücher schon mal begonnen und vorläufig wieder abgebrochen habe) und deshalb habe ich mir zuerst ein ganz tolles, schmuckes Buch gegönnt und mich dann eifrig in der Bücherei eingedeckt.

Das besagte schmucke Buch ist diese schöne Hardcover-Ausgabe von Nils Holgersson:

Es handelt sich dabei um die erste vollständige Übersetzung ins Deutsche, die mit Illustrationen, einer Karte und einem Druck in Dunkelblau äußerst schick gestaltet ist.

Gestern war ich dann in einer nahen Zweigstelle der Büchereien, die einen Fantasyschwerpunkt hat (Nachtrag: Es handelt sich um die Zweigstelle Engerthstraße, für die Wiener, die sich hier fragen, wo sie denn den Fantasykeller finden). Dort habe ich mich mit folgenden Büchern eingedeckt:


Die Welt der Drachen von Anne McCaffrey ist der Auftakt zu ihrer "Drachenreiter von Pern"-Reihe und eins der Bücher, das in In einer anderen Welt erwähnt wird. Ich habe auch schon ein wenig reingelesen, fühle mich aber etwas erschlagen von den vielen Namen zu Beginn.
(Nachtrag: Die teils sehr sprunghaft wirkende Erzählweise hat mich misstrauisch gemacht und offensichtlich handelt es sich hier um eine massiv gekürzte Übersetzung. Nein, darauf wird nirgends im Buch hingewiesen; erst ein Vergleich der Seitenzahlen und ein wenig Recherche im Internet haben mir das verraten ... Ich werde also schauen, ob ich entweder das englische Original oder eine andere Übersetzung in der Bücherei finde)

Ice. Hüter des Nordens von Sarah Beth Durst passt zwar nicht wirklich zur Jahreszeit, steht aber schon länger auf meiner Liste. Es handelt sich dabei um eine Interpretation des norwegischen Märchens Østenfor sol og vestenfor måne (Östlich von der Sonne und westlich vom Mond), was mich auf den Roman gleich neugierig gemacht hat.
Mit Kinder des Nebels starte ich noch einmal einen Sanderson-Versuch (auch wenn ich bezweifle, dass ich die Challenge noch schaffen werde). Lieber hätte ich von ihm ja etwas auf Englisch gelesen und es hätte sogar Way of Kings in der Bücherei gegeben, aber ich habe gerade wirklich keine Lust darauf, eine noch unvollendete Serie anzufangen, die auf 10 Bände ausgelegt ist.
Abseits vom Phantastischen habe ich mir dann noch Murakamis Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki geholt, das voriges Jahr ja in aller Munde war.

Bei der Gelegenheit gibt es hier auch noch ein paar fotografische Eindrücke des Fantasykellers in der besagten Zweigstelle:

Im ersten Raum ist allgemeine Fremdsprachenliteratur,
im zweiten dann die Phantastik
Auf dem Foto leider schlecht zu erkennen, aber sehr vorbildlich:
Bände von Serien sind auf dem Buchrücken klar ausgezeichnet -
es findet sich jeweils die Serie und die Bandnummer.

Bei den neuen Bänden vom "Lied von Eis und Feuer" gibt es
sogar einen Hinweis auf die neue Übersetzung
Ich finde, der Fantasykeller könnte durchaus noch besser ausgestattet sein (vor allem mit unbekannteren Autoren), aber im Vergleich zur stiefmütterlichen Behandlung dieses Genres in anderen Büchereien ist das schon mal super. Es gibt nicht nur High Fantasy, sondern auch Science Fiction, Horror/Grusel, phantastische Kinder- und Jugendbücher, englische Fantasy im Original und Graphic Novels. Die Aufstellung ist sehr übersichtlich und auf die vorbildliche Kennzeichnung von Serienbänden habe ich ja schon bei den Fotos hingewiesen.

Die vielen Zweigstellen der Büchereien Wien und ihre teils sehr unterschiedlichen Schwerpunkte haben mich übrigens gerade auf eine etwas verrückte Challenge-Idee gebracht. Hmmm ... Demnächst vielleicht mehr dazu. Jetzt werde ich mich erst mal auf die neuen Bücher stürzen. ;-)

Sonntag, 17. Mai 2015

Antonia S. Byatt - Besessen


Genre: Roman, Gegenwartsliteratur
Seiten: 631
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3518388761
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen
Aus dem Englischen übersetzt von Melanie Walz



Der Literaturwissenschaftler Roland Mitchell stößt in einem Buch, das der Bibliothek des Lyrikers Randolph Henry Ash angehörte, auf Notizen des Dichters. Darunter befindet sich auch der Entwurf eines Briefes an eine unbekannte Dame, die Roland als die Schriftstellerin Christabel La Motte identifiziert. Er wendet sich daraufhin an Maud Bailey, eine Expertin für La Motte, die zunächst an einer Bekanntschaft zwischen den beiden Schriftstellern zweifelt. Nach und nach finden die beiden aber immer mehr heraus - und erregen damit auch die Aufmerksamkeit anderer Wissenschaftler, die selbst den Ruhm der sensationellen Entdeckung ernten möchten.
 
Als Jugendliche bin ich durch Zufall in der Bücherei über diesen Roman gestolpert, den ich daraufhin fast atemlos verschlungen habe. Seither ist er immer bei mir im Hinterkopf geblieben und ich wollte ihn gern noch einmal lesen. Wie das aber manchmal so ist mit Werken, die einen begeistert haben, konnte der Roman dieses Mal meine hohen Erwartungen nicht mehr ganz erfüllen. Er hat sich für mich nach dem tollen Einstieg ein wenig gezogen und es hat gedauert, bis ich wieder so richtig hineingefunden habe.
 
Dabei leistet Byatt hier etwas ganz großes: Sie erweckt zwei fiktive, viktorianische Schriftsteller so überzeugend zum Leben, dass man fast zum nächsten Nachschlagewerk greifen und sich genauer über Ash und La Motte informieren möchte. Sie flicht nicht nur Briefe der beiden ein, sondern auch Gedichte, Erzählungen und schließlich sogar Sekundärliteratur über sie.
Byatt hat in ihrem Roman ein ganzes Forschungsnetzwerk aufgebaut. So finden sich neben Roland und Maud auch Rolands Professor Blackadder, der mit einem weiteren Ash-Forscher aus Amerika konkurriert und eine Professorin, die sich auf Ashs Frau spezialisiert hat. Zu La Motte gibt es dagegen eine ganze, eigene Forschungsrichtung am Institut für Frauenliteratur, die sich der Dichterin von einer sexualpsychologischen Seite nähert.
Es ist faszinierend, wie Byatt hier eine ganze literaturwissenschaftliche Welt erschafft. Ein gewisses Interesse an diesen Themen ist also Voraussetzung, damit man die Lektüre genießen kann. Sehr schön ist auch das Augenzwinkern, das man manchmal dahinter spürt, denn diese Neigung zur Über-Interpretation oder eben auch diese Besessenheit mit bestimmten Schriftstellern kenne ich selbst von meinem Studium nur zu gut.
 
Doch "Besessen" ist noch deutlich mehr - es ist eine Liebesgeschichte auf zwei zeitlichen Ebenen und eine Charakterstudie nicht nur der Schriftsteller, sondern auch der Figuren in der Gegenwart. Schließlich ist es auch ein Krimi, wenn Roland und Maud sich von einem Hinweis zum nächsten hangeln und schließlich einen Wettlauf gegen die Zeit antreten müssen, als immer mehr auf ihre Forschungen aufmerksam werden.
 
Byatt hat hier wirklich ein Meisterwerk geschaffen, das zugleich anspruchsvoll und unterhaltsam ist. Weshalb mich "Besessen" nicht mehr so begeistert hat wie vor Jahren noch, kann ich allerdings nur schwer in Worte fassen. Vermutlich ist die traurige, aber simple Wahrheit, dass ich inzwischen eine ungeduldigere Leserin geworden bin und es mir schwerer fällt, mich auf solche Romane einzulassen. Glücklicherweise konnte mich das Buch dann doch wieder in seinen Bann ziehen und ich habe es nicht bereut, es noch einmal gelesen zu haben.

Samstag, 16. Mai 2015

Gekürzte Hörbücher

Ein Thema, worüber ich öfter mal nachdenke, ist das Kürzen von Hörbüchern. Ich halte im Grunde nichts davon, Bücher für die Hörbuchfassung zu kürzen. Gerade deshalb habe ich vor einer Weile wieder ein Abo für Audible abgeschlossen, da es dort oft auch ungekürzte Fassungen zu Büchern gibt, die auf CDs nur gekürzt angeboten werden.
 
Trotzdem habe ich auch schon das eine oder andere Mal ein gekürztes Hörbuch gehört - sei es im Rahmen eine Gratisaktion, sei es, weil mir die CDs in der Bücherei untergekommen sind und ich erst zu Hause gemerkt habe, dass sie nicht ungekürzt sind oder sei es auch, weil es um ein Buch ging, das mich nicht so brennend interessiert hat und von dem ich einfach einen Eindruck bekommen wollte. Meine Erfahrungen waren dabei durchaus unterschiedlich. So kam mir etwa "Drachenbrut" von Naomi Novik sehr überhastet und sprunghaft vor, während ich bei "Seelen" von Stephenie Meyer viele Szenen als redundant und übermäßig in die Länge gezogen empfunden habe - und mich gefragt habe, wie das denn bitte erst in der ungekürzten Fassung ist.
 
Ab und zu stellt sich also vielleicht auch die Frage, ob nicht schon das Buch energischer gekürzt werden sollte und von einer gewissen Verschlankung nicht auch profitieren würde. Trotzdem ist es für mich etwas anderes, wenn der Autor in Zusammenarbeit mit dem Lektor den Roman kürzt als wenn das jemand Außenstehender macht. Wenn man bei einem gekürzten Hörbuch nie das Gefühl hat, dass etwas fehlt, spricht das im Grunde nicht besonders für den Roman und man wird wohl auch die gekürzte Fassung als gelungen bezeichnen können, aber weiß ich denn als Leserin, ob dabei nicht der Schwerpunkt verschoben wurde? Schließlich ist das auch sehr subjektiv, was als "überflüssig" empfunden wird. Und wenn etwa Sätze gekürzt werden, verfälscht das nicht gänzlich den ursprünglichen Schreibstil?
Das sind natürlich Probleme, die nicht nur Hörbücher betreffen, sondern auch gekürzte Fassungen z.B. von Klassikern oder die gängige Praxis, dass man vor einigen Jahren Bücher anscheinend in der Übersetzung ungeniert gekürzt hat (etwa Kinderbücher wie Trixie Belden, aber auch bei Agatha Christie war das häufig der Fall).
 
Es gibt übrigens von Audible hierzu einen älteren, aber noch immer interessanten Beitrag, der einerseits nachvollziehbare Gründe für das Kürzen nennt, andererseits aber auch Probleme anspricht, wie etwa, dass man Reihenbände nur schwer kürzen kann, wenn man die Fortsetzungen nicht bereits alle kennt.
Ich persönlich habe von gekürzten Hörbüchern mittlerweile gänzlich Abstand genommen - und würde mir gerade deshalb eine deutlichere Kennzeichnung wünschen. Manches Mal musste ich wirklich bei CDs nahezu mit der Lupe danach suchen, was ich sehr ärgerlich finde.
 
Wie ist das bei euch? Hört ihr lieber gekürzte oder ungekürzte Hörbücher oder ist euch das egal? Was haltet ihr von gekürzten Fassungen ganz allgemein?

Freitag, 15. Mai 2015

Buchstabengeplauder #30

Lesegeplauder

Derzeit lese ich in diverse Romane auf meinem SuB hinein und keiner "zieht" für mich so richtig. Letzte Woche habe ich noch Kurz vor Mitternacht von Agatha Christie im Schnelltempo gelesen, weil ich den Krimi so spannend fand, aber seither habe ich anscheinand ein kleines Lesetief. Zuerst habe ich es mit Das Haupt der Welt probiert, den Roman aber relativ bald abgebrochen. Ich muss dazu sagen, dass ich von Rebecca Gablé in den letzten Jahren nicht begeistert war. Mir kamen alle ihre Romane sehr ähnlich vor und dementsprechend extrem vorhersehbar, außerdem nervt mich ihre starke schwarz-weiß-Zeichnung (es gibt immer besonders fiese Schurken und denen gegenübergestellt die guten Helden) und die "magischen" Elemente, die sich häufig finden, wie prophetische Fähigkeiten oder ähnliches. Eigentlich wollte ich daher von ihr auch nichts mehr lesen, aber "Das Haupt der Welt" habe ich von einer Freundin bekommen, die quasi ein Leseexemplar "über" hatte. Nachdem der Roman nun seit etwa eineinhalb Jahren bei mir rumlag, weil ich keine Lust darauf hatte und ich nun auch nicht weit gekommen bin, habe ich das Thema Gablé nun für mich abgehakt. Schade, da ich vor Jahren sowohl "Das zweite Königreich" als auch "Die Siedler von Catan" sehr mochte.

Nun ja, danach habe ich mich dem Wolkenatlas zugewandt, da ich den Roman schon seit einer Weile aus der Bücherei zuhause habe. Irgendwie ist das aber auch gerade nicht das rechte. Zum Glück kann ich das Buch noch einmal verlängern - vielleicht bin ich in 2 oder 3 Wochen eher in der Stimmung dafür.
Als nächstes habe ich in Sündenfall von Galsworthy hineingelesen, da ich meiner Nobelpreis-Challenge schon ziemlich hinterherhinke. So richtig "angebissen" habe ich aber auch da nicht.

Nun probiere ich, was sich im letzten Jahr bei solchen kleinen Lesetiefs bewährt hat: ein Sachbuch. Erfreulicherweise war in der Onleihe gerade In 72 Tagen um die Welt verfügbar, auf das ich durch Hermia aufmerksam geworden bin. Vielleicht ist das ja derzeit das richtige für mich.

Probleme mit Benachrichtigung bei neuen Kommentaren

Schon seit längerem funktioniert bei mir das Abonnieren von Kommentaren bei Wordpress nicht ganz zuverlässig. Ich muss immer für jeden einzelnen Beitrag das Folgen nochmal bestätigen (vielleicht, weil ich keine Wordpress-Account habe) und manchmal bekomme ich die entsprechende Bestätigungsmail einfach nicht.
Dagegen hat das Abonnieren von Kommentaren bei Blogspot bisher immer tadellos funktioniert. Seltsamerweise habe ich aber vorige Woche überhaupt keine Benachrichtigungen bekommen, obwohl ich bei allen, bei denen ich kommentiert habe, das entsprechende Häkchen gesetzt habe. Falls also jemand von euch auf einen Kommentar von mir mit einer Frage oder einem Diskussionsansatz geantwortet hat und sich wundert, weshalb ich nicht reagiere: Es tut mir leid, aber da ich mich sonst immer so auf die Benachrichtigungen verlasse, habe ich gerade nicht wirklich einen Überblick, welche Beiträge ich da jetzt alles nochmal aufrufen müsste, um nach Folgekommentaren Ausschau zu halten ...
Ich hoffe, dass das eine einmalige Sache war und das nun wieder besser funktioniert. Hat(te) denn von euch jemand ähnliche Probleme?

Sonstiges Geplauder: Es grünt so grün

Zuletzt gibt es noch ein paar Fotos von meinen Balkonpflanzen, wie schon beim letzten Buchstabengeplauder angekündigt. Ich hoffe, dass ich euch dann in ein paar Wochen Fotos von den ersten Früchten und noch mehr Blüten zeigen kann und nicht schreiben muss "inzwischen alles eingegangen". ;-)

Blumenmischung aus dem Gartencenter - ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr genau,
was das alles ist
links Pelargonien und rechts Hängeerdbeeren
diverse Kräuter: im linken Kasten Lavendel und Thymian, im rechten Basilikum,
Rosmarin und Salbei
Koniferen und Pflücksalat, der eifrig vor sich hinwächst
Auf dem Fensterbrett sind links Asia-Salate (Mizuna und Pak Choi) und rechts Kräuter,
die es auch etwas schattiger vertragen: Minze, Schnitt-Knoblauch, Melisse, Oregano
Und schließlich meine Zucchini, die wie verrückt wachsen. Die rechte Pflanze habe
ich etwa zwei Wochen nach der linken ausgesät (bei der ich etwas zu ungeduldig war),
daher ist sie noch nicht so groß.
Ich habe außerdem noch diverse Samen zwischen den Pflanzen ausgesät: Ringelblumen bei den Erdbeeren, Steinkraut zwischen den Koniferen, Kapuzinerkresse bei den Zucchini, Mangold zum Pflücksalat. Bisher treiben alle brav aus - mal sehen, ob auch aus allen etwas wird. In einem Sack habe ich außerdem Kartoffeln angepflanzt (hoffentlich ebenso erfolgreich wie Susanne Klingner) und ich habe noch einen kleinen Pflanzkübel übrig, eventuell für Tomaten.
Von den Salaten habe ich übrigens schon einige Male geerntet, also zumindest die kann ich schon mal als Erfolg verbuchen. :-)

Mittwoch, 13. Mai 2015

Patrick Rothfuss - Die Furcht des Weisen 1

Genre: High Fantasy
Dauer: 27 Stunden (ungekürzte Lesung)
gelesen von: Stefan Kaminski
Verlag: der Hörverlag
ISBN: 978-3867179614
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen

Hörbuch-Challenge


Kvothe setzt in diesem Band seine Studien an der Universität fort und hat dabei wieder mit Ambrose zu kämpfen, der keine Gelegenheit auslässt, um ihn zu demütigen. Zwar setzt Kvothe sich mit Hilfe seiner Freunde gut zur Wehr, aber es kommt zu einem Zwischenfall, der ihn dazu zwingt, seine Studien zu unterbrechen. Kvothe reist an den Hof von Maer Alvaron, der ihn schließlich auf eine gefährliche Mission schickt.

Der Beginn des zweiten Bandes schließt praktisch nahtlos an den ersten an und krankt im Wesentlichen auch an denselben Problemen. Obwohl Rothfuss den Universitätsalltag sehr atmosphärisch beschreibt und ich viele der Figuren dort sehr mag, haben mich auch hier wieder die kindischen Spielchen mit Ambrose genervt. Außerdem hatte ich fast noch mehr als im ersten Band den Eindruck, dass Rothfuss um jeden Preis dafür sorgen möchte, dass Kvothe an Geldmangel leidet. Obwohl er immer wieder einiges verdient (anders wäre es mit seinen vielen Talenten auch kaum noch zu erklären), findet Rothfuss immer wieder Möglichkeiten, Kvothe trotzdem weiterhin in die Arme von Geldverleihern zu treiben und permanent darüber klagen zu lassen, wieviel ärmer als alle anderen Studenten er ja wäre. Das wirkt inzwischen schon sehr konstruiert.

Ich habe mich deshalb richtig gefreut, als es endlich einmal von der Universität wegging, auch wenn ich einige der Figuren dort vermisse. Aber mit Kvothes Reise an den Hof von Maer Alvaron und dem ganzen Intrigenspiel dort kommt ein frischer Wind in das Buch, der dringend notwendig war. Auch die darauffolgende Reise, die Kvothe mit einer bunt zusammengewürfelten Truppe von Abenteurern antritt, fand ich sehr spannend zu lesen. Es hat mir besonders gut gefallen, dass man die praktische Anwendung der Magie einmal etwas ausführlicher miterlebt, da ich Rothfuss' Magiesystem sehr interessant finde.

Kvothe ist hier nicht mehr ganz so der Überflieger wie im ersten Band. Zwar ist er immer noch ein sehr talentierter Schüler, aber manchmal stellt er sich sehr dämlich an, begreift überhaupt nichts oder ist schlichtweg nicht in der Lage, Konsequenzen abschätzen zu können. Das war dann auch schon wieder etwas ärgerlich, da ich ab und zu nur noch den Kopf schütteln und mich fragen konnte, wie man überhaupt so dumm und kurzsichtig sein kann. Zum Glück betrifft das aber in erster Linie die Zeit in der Universität und lässt dann im Laufe des Buches deutlich nach.

Alles in allem war ich vom zweiten Band nicht ganz überzeugt. Zwar bin ich immer noch der Meinung, dass Rothfuss einen wunderbaren Blick für kleine Details hat und die meisten Szenen sehr atmosphärisch beschreibt, aber die Handlung könnte nun doch mal etwas flotter voranschreiten. Dass Kvothe, der schlaue Überflieger, außerdem in vielen Dingen dermaßen lernresistent ist, dass er dieselben Fehler wieder und wieder macht, hat mich ein wenig genervt. Ich fand es außerdem schade, dass man weiterhin nur wenig über die Chandrian erfährt und auch in der Rahmenhandlung nicht viel passiert.
Es macht aber Spaß, wieder neue Figuren und auch neue Gegenden kennenzulernen. Rothfuss kann sehr schön beschreiben und so kann man sich neue Umgebungen oder kulturelle Besonderheiten sehr gut vorstellen. Gut, dass auch die Handlung in der zweiten Buchhälfte so richtig in Gang kommt und dann auch so einige Überraschungen zu bieten hat.

Der 1. Teil von "Die Furcht des Weisen" ist ein Fantasyroman, der eine sehr durchdachte Welt zu bieten hat und sich sehr flüssig liest, leider aber oft sehr auf der Stelle tritt und auch so einige andere Schwächen hat. Die Lesung von Stefan Kaminski war dafür wieder auf dem gewohnt hohen Niveau.

Freitag, 8. Mai 2015

[Wiener Streifzüge] Im Norden der Donauinsel

BeschreibungWien geht 2: Track19
StartpunktLeystraße (Linien 5A, 11A)
EndpunktStrebersdorf (Linie S3)
Gehzeitknapp 3 Stunden

Gestern habe ich das schöne Wetter und meinen freien Tag dazu genutzt, um mal wieder eine längere Tour zu unternehmen. In der Beschreibung beginnt sie beim Bahnhof Nußdorf, aber ich bin in der Leystraße losgegangen und habe mich also dem Steinitzsteg von der anderen Seite genähert. Hier überquert man nun die Donau.


Auf der Donauinsel geht es nun immer nordwärts. Man kann entweder am linken Uferweg gehen und sich den Weg mit zahlreichen Spaziergängern und Hunden teilen oder auf der Straße in der Mitte, wo vor allem Radfahrer unterwegs sind oder aber am rechten Uferweg (also dem Ufer der Neuen Donau), wo man im Mai auch schon ersten FKKlern begegnet. Aber keine Sorge, das klingt jetzt überfüllter als es tatsächlich ist (wobei am Wochenende natürlich nochmal deutlich mehr los ist).


Zu dieser Jahreszeit ist es wirklich schön auf der Donauinsel - alles blüht und das Gras leuchtet in sattem Grün.


Umso weiter nördlich man kommt, umso ruhiger und idyllischer wird es nicht nur auf der Insel, sondern auch am gegenüberliegenden, also quasi innerstädtischen Ufer.

Blick auf Kahlenbergerdorf
Schließlich erreicht man das nördliche Ende der Donauinsel, wo beim Einlaufbauwerk Langenzersdorf die Neue Donau vom Hauptstrom abzweigt. Kurz zur Erklärung für alle Nicht-Wiener: Bei der Neuen Donau handelt es sich um ein Entlastungsgerinne zum Schutz vor Überschwemmungen. Bei geschlossenem Wehr (das nur bei Hochwasser geöffnet wird) ist die Neue Donau im Grunde ein stehendes Gewässer und auch prima zum Baden geeignet.

Blick auf die Neue Donau
Man überquert nun das Wehr und biegt rechts in einen Weg ein, der am Marchfeldkanal entlangführt.


Wenn sich dann der Marchfeldkanal zur Schwarzen Lacke verbreitert, biegt man links ab in die Scheydgasse, die einen schließlich zum Bahnhof Strebersdorf führt.


Es handelt sich bei diesem Streifzug um einen ausgedehnten, gemütlichen Spaziergang ohne jegliche Steigungen. Die meiste Zeit geht es einfach nur geradeaus - zuerst die Donauinsel hinauf und dann den Marchfeldkanal entlang, sodass also keinerlei Gefahr besteht, sich zu verirren. ;-) Leider ist der Weg dadurch aber auch zuweilen etwas langweilig, gerade im letzten Abschnitt, also am Marchfeldkanal entlang, zumal man dort auch ständig dem Verkehrslärm der Donauufer-Autobahn ausgesetzt ist. Auf der Donauinsel hingegen ist es wirklich schön zu gehen und im Norden auch sehr ruhig.
Ich war schon oft auf der Donauinsel unterwegs, aber noch nie so weit im Norden. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, auch mal diesen Teil der Insel zu erkunden und auch einmal zu sehen, wo eigentlich die Neue Donau beginnt. 
Ich könnte mir übrigens vorstellen, dass sich dieser Streifzug auch gut für eine Fahrradtour eignen würde.

Mittwoch, 6. Mai 2015

Jo Walton - In einer anderen Welt


Genre: Phantastischer Roman
Seiten: 300
Verlag: Golkonda
ISBN: 978-3942396752
aus dem Englischen übersetzt von Hannes Riffel 
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen



Die 15jährige Morwenna flieht nach einem Unfall, für den sie ihre Mutter verantwortlich macht, zu ihrem Vater, den sie nie richtig kennengelernt hat. Dieser schickt sie in ein Internat, wo Morwenna sich völlig fehl am Platz vorkommt: Sie ist als Waliserin nicht nur eine Außenseiterin unter all den englischen Mädchen, sondern kann wegen einer Beinverletzung auch nicht am täglich stattfindenden Sportunterricht teilnehmen. So verbringt sie diese Zeit in der Schulbibliothek, wo sie in andere Welten entflieht - in ihre geliebten Fantasy- und Science Fiction-Romane, die ihr in ihrer schwierigen Situation einen gewissen Halt geben.

"In einer anderen Welt" ist nicht nur eine Liebeserklärung an das Lesen, sondern auch ein Roman, in dem eine gewisse Nostalgie an die Jugendzeit in den späten 70er Jahren mitschwingt. Soweit ich (als Teenager der 90er Jahre) das beurteilen kann, hat die Autorin die Atmosphäre jener Zeit wunderbar eingefangen und es macht Spaß, Morwennas Alltag mitzuerleben, in dem Bücher eine unglaublich wichtige Rolle spielen. Morwenna, genannt Mori, verschlingt ein Buch nach dem anderen und reflektiert über ihre Lektüre in dem Roman, der in Tagebuchform geschrieben ist. Sie liest sich durch die Schulbibliothek und deckt sich jeden Samstag in der nahen Stadt mit Büchern ein - zunächst in Buchhandlungen und der örtlichen Bücherei und schließlich auch über die Fernleihe, die sie ausgiebig und begeistert nutzt.
Moris Liebe gilt nicht nur der klassischen Fantasy wie "Herr der Ringe" und "Narnia", sondern vor allem der Science Fiction. Sie liest sich durch Heinlein, Delany, Zelazny und LeGuin, wagt sich aber mit Platon und Hardy auch an Genres abseits der Phantastik heran.
Moris Begeisterung, mit der sie ein Buch nach dem anderen verschlingt und mit der sie sich auf das gesamte Repertoire mancher Autoren stürzt, hat mich an mein eigenes Leseverhalten in diesem Alter erinnert und ich denke, dass sich so ziemlich jede Leseratte mit ihr identifizieren kann.

Aber es geht in dem Roman nicht nur um Bücher, sondern auch um Magie. Jo Walton zeichnet darin das Bild einer verwirrenden, beängstigenden Magie, die nicht aus Regeln und Zaubersprüchen besteht, sondern ganz unterschiedliche Formen annehmen kann und manchmal nur schwer zu erkennen ist. Das gilt auch für die Feen, die für Mori in Wales ständig präsent waren, während sie die rätselhaften Wesen rund um das Internat nur vereinzelt antrifft. Die Magie zeigt sich auch in Moris Mutter, einer mächtigen Hexe, die noch immer versucht, Kontrolle über ihre Tochter zu erlangen.
Gerade, weil Waltons Magie nur schwer greifbar ist, fand ich sie besonders faszinierend. Teilweise war ich mir nicht einmal sicher, ob es sich tatsächlich um Magie handelt oder ob das alles nur Moris Fantasie entspringt. Diese Frage wird nicht endgültig aufgelöst und so kann das jede(r) beim Lesen für sich selbst beantworten. Meine eigene Interpretation geht dabei einen anderen Weg als offensichtlich von der Autorin gedacht (ich habe nach der Lektüre ein Interview mit ihr gelesen).

Und schließlich gibt es in "In einer anderen Welt" auch noch eine dritte Ebene und zwar handelt es sich um einen klassischen "Coming of Age"-Roman. Mori wird allmählich erwachsen, sie entwickelt sich weiter, findet Freunde und verliebt sich auch zum ersten Mal (ohne dass es deshalb gleich um die eine große Liebe geht). Jo Walton schildert das alles sehr einfühlsam und nachvollziehbar und hat mit Mori auch eine sehr vielschichtige Figur geschaffen.

Trotzdem hat das Buch für mich auch einige Schwächen. So empfand ich gerade am Anfang die Tagebuchform eher als bremsend, auch wenn ich mich im Laufe des Romans besser hineingefunden habe. Zudem wird auf den Unfall, der zu Moris Verletzung und dem Tod ihrer Zwillingsschwester geführt hat, nie wirklich genauer eingegangen. Ich hatte mir bis zum etwas überstürzten Ende eine Art Auflösung erhofft, aber diese bekommt man nur zum Teil.
Leider fand ich außerdem die Übersetzung stellenweise etwas holprig, weshalb ich das Buch eher im Original empfehlen würde (mir ist die deutsche Ausgabe in der Bücherei in die Hände gefallen). Wenn im Englischen Mori ihre Tanten liebevoll "Auntie" nennt, lässt sich das im Deutschen nicht wirklich mit "Tantchen" übersetzen, das für mich eher einen spöttischen oder sogar verächtlichen Beiklang hat.

Abgesehen von den Kritikpunkten habe ich aber "In einer anderen Welt" sehr genossen. Es ist einmal ein ganz anderer Roman, der sich gar nicht wirklich in ein Genre einordnen lässt und gerade auch deshalb etwas besonderes ist. All die Bezüge auf Bücher darin machen wirklich Spaß, wobei ich nur wenige der genannten Romane gelesen habe. Das hat dem Lesevergnügen nicht geschadet, auch wenn ich mir vorstellen kann, dass man noch mehr von dem Roman hat, wenn man mit den Bezügen konkret etwas anfangen kann. Auf alle Fälle hat Jo Walton mich nun auf einige Science Fiction-Romane neugierig gemacht, obwohl das sonst gar nicht so mein Genre ist. Dank der Leseliste (hier auf Englisch und hier auf Deutsch) könnte man übrigens auch sämtliche Bücher nachlesen, die Morwenna in "In einer anderen Welt" liest und erwähnt.

Freitag, 1. Mai 2015

Buchstabengeplauder #29

Ich habe gerade zwei ziemlich turbulente Wochen hinter mir (bzw. stecke noch drinnen) - mit Dienststress (dank Personalmangel im einen und einer kranken Kollegin im anderen Job) und Freizeitstress. So habe ich in Wien Besuch von meiner früheren Mitbewohnerin bekommen, bin außerdem mehrmals zwischen Wien und meiner Familie hin- und hergependelt wegen diversen familiären Verpflichtungen und habe außerdem meinen Balkon weiter bepflanzt und mit kleinen Lampions verschönert. Mein selbst ausgesäter Salat wächst nun schon brav vor sich hin, bei den Erdbeerpflanzen zeigen sich schon einige Blüten und meine beiden Zucchinikeimlinge schießen nur so in die Höhe.
Hier seht ihr mal einen Teil meiner Lampionbeleuchtung. Die Pflanzen fotografiere ich dann lieber mal bei Tageslicht und schönem Wetter. ;-)



Zeit zum Lesen hatte ich da fast nur im Zug und letzten Sonntag konnte ich mir mal ein Lesestündchen auf dem Balkon gönnen. In dieser Zeit habe ich zuerst The Lion and the Rose gelesen und dann In einer anderen Welt von Jo Walton, das mir sehr gut gefallen hat.

Außerdem bin ich nun (endlich) mit dem 1. Teil von Die Furcht des Weisen durch. Das "endlich" soll übrigens nicht heißen, dass mir das Hörbuch nicht gefallen hätte, aber ich bin einfach nicht so viel zum Hörbuch-horchen gekommen in letzter Zeit und habe für die 27 Stunden eine gefühlte Ewigkeit gebraucht. Übrigens stehe ich gerade vor dem Problem, dass ich nicht recht weiß, ob ich die beiden Teile nun als ein Buch oder als zwei zählen soll. Im englischen Original ist es ja nur ein Band und dementsprechend ist es für mich auch ein Roman. Aber die deutsche Übersetzung ist nun mal auf zwei Bücher aufgeteilt erschienen (nicht nur das Hörbuch, auch die Hardcover). Warum diese Frage überhaupt wichtig ist? Weil ich unschlüssig bin, wie ich das nun für die Hörbuch-Challenge zählen soll. Wenn nur als ein Buch, werde ich wohl noch kleine Probleme mit der Challenge bekommen, da insgesamt etwa 44 Stunden einen ja doch ziemlich lange beschäftigen ... Aber als zwei Bücher gezählt kommt es mir irgendwie "geschummelt" vor.
Hmpf ... wenn ich Zeit dafür habe, mir über solche Dinge den Kopf zu zerbrechen, kann wohl der Stress noch nicht so schlimm sein. *gg*

Ich hoffe auf alle Fälle, dass ich dieses Wochenende mal wieder ein wenig zum Lesen komme. Ich muss allerdings arbeiten und habe am Sonntagabend mit einer Freundin eine gemeinsame Marmelade-Kocherei geplant, daher bezweifle ich das.
Und was habt ihr so geplant am Wochenende?