Samstag, 25. April 2015

Kate Quinn - The Lion and the Rose

 
Genre: Historischer Roman
Seiten: 465
Verlag: Berkley Books
ASIN: B00DGZKYAW
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen
 
 


Während die Borgias nach mehr Macht und Einfluss streben, drohen die Menschen um sie herum in dem Gewirr von politischen Hochzeiten, Geheimnissen und Gewalt unterzugehen. Giulia Farnese muss erkennen, wie ihr Einfluss auf den Papst mehr und mehr schwindet und ihr die Menschen, die sie einst lieben gelernt hat, mit einemmal fremd werden. Carmelina, die selbst einige Geheimnisse mit sich herumträgt, erregt die Aufmerksamkeit der falschen Leute und Leonello schließlich begibt sich mit seiner Suche nach einem Mörder auf gefährliche Wege.

"The Lion and the Rose" schließt fast nahtlos da an, wo The Serpent and the Pearl aufgehört hat. Es wird aber schnell klar, dass die Zeiten, in denen Giulia sich mit ihren Zofen im Garten gesonnt und Carmelinas Leckereien genascht hat, vorbei sind. War die Nähe zu den Borgias bislang noch eine Art Sicherheit, kommt nun die eigentliche Gefahr aus der Familie selbst.
Diese bedrohliche Situation vermittelt Kate Quinn so eindrucksvoll, dass ich beim Lesen selbst ein Gefühl der Angst und Hilflosigkeit verspürte. Teilweise wollte ich kaum weiterlesen, aus Angst, dass alles noch schlimmer wird und gleichzeitig habe ich jede freie Minute zum Lesen genutzt, weil ich so gefesselt war.
 
Schon der 1. Band beinhaltete einige grausame Szenen, aber hier wird es nun deutlich schlimmer und man sollte wirklich nicht zu zimperlich beim Lesen sein. Obwohl es manchmal ziemlich gewalttätig zugeht, hat man aber nie das Gefühl, dass die Autorin diese Szenen nur zum Selbstzweck eingebaut hat oder die Skandale rund um die Borgias als Anlass genutzt hat, genüßlich blutrünstige Taten auszuschmücken. Ganz im Gegenteil: Die Szenen wirken nie überzogen, sondern sehr realistisch (was sie vielleicht umso schlimmer macht) und man hat auch das Gefühl, dass Quinn sich sehr darum bemüht, bei allen Gerüchten um die Borgias das herauszufiltern, was der wahre Kern sein könnte. Das ist natürlich auch immer Interpretationssache, aber für mich hat sich Quinns Roman sehr glaubhaft gelesen. Wer allerdings wilde Orgien, Inzest oder ähnliches erwartet, wird hier vielleicht eher enttäuscht werden.
 
Dennoch kommt kein Zweifel daran auf, wie gefährlich es ist, sich gegen die Borgias zu stellen. Das muss Giulia erfahren, die sich mehr und mehr gegen Rodrigo behauptet und das müssen auch Carmelina und Leonello erfahren, die sich einen gefährlichen Feind schaffen.
Sie alle drei machen in diesem 2. Band eine große Entwicklung durch, am stärksten wohl Giulia, die zu immer mehr Selbstbewusstsein findet und auch ein wenig die Stimme der Vernunft darstellt. Bei Leonello führt die Entwicklung über weite Teile dagegen eher bergab und er gerät zu sehr in den Dunstkreis von Cesare Borgia, der vor nichts zurückschreckt, wenn es um die Sicherheit seiner Familie geht. Das wird auch Carmelina schmerzhaft klar, die zudem auch von ihrer Vergangenheit eingeholt wird.
 
Aber nicht nur die drei Hauptfiguren entwickeln sich weiter, sondern auch die Borgias, die sich gewissermaßen alle in einer Abwärtsspirale befinden. Ihnen steigt mehr und mehr die Macht zu Kopf und es ist schmerzhaft zu lesen, wie sich etwa Lucrezia zu ihrem Nachteil verändert (wobei ich oft auch einfach Mitleid mit ihr hatte) und wie blind Rodrigo ist, wenn es um die Fehler seiner Kinder geht, obwohl er sonst ein durchaus intelligenter und fähiger Mann ist.
Obwohl in "The Lion and the Rose" die vermeintliche Idylle des 1. Bandes nun in Scherben fällt, ist bei weitem nicht alles negativ. Es gibt stets Hoffnungsschimmer, es gibt Liebe von unerwarteter Seite und es gibt auch Veränderungen zum Guten.
 
Mich hat dieser Roman gefesselt wie schon länger kein Buch mehr. Es gibt eine rasante und spannende Handlung und interessante Figuren, mit denen Kate Quinn auch sehr mutig umgeht - einerseits, indem sie sie nicht schont und andererseits auch, indem sie nicht davor zurückschreckt, sie auch moralisch zweifelhaft handeln zu lassen. Da sie mir alle sehr ans Herz gewachsen sind, habe ich um sie und mit ihnen gebangt, mich mit ihnen gefreut und inständig gehofft, dass die Sache für alle ein gutes Ende nimmt.
Mir hat auch schon der 1. Band gut gefallen, aber den 2. habe ich noch als eine deutliche Steigerung empfunden. Ein wirklich toller Roman, der mich emotional mitgerissen und mir einige sehr spannende Lesestunden beschert hat.

Donnerstag, 23. April 2015

Kate Quinn - The Serpent and the Pearl


Genre: Historischer Roman
Seiten: 433
Verlag: Berkley Books
ASIN: B009RYKXCA
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen




Rom im ausgehenden 15. Jahrhundert: Die junge Adelige Giulia Farnese stellt sich auf das übliche Leben einer verheirateten Frau ein und findet sich stattdessen als Mätresse von Rodrigo Borgia wieder, der als Papst Alexander VI. seinen unaufhaltsamen Aufstieg beginnt. Neben Giulia werden auch die resolute Köchin Carmelina und der Zwerg Leonello unvermutet mit hineingezogen in die politischen Machtspiele der Familie Borgia.

Ich bin auf "The Serpent and the Pearl" nur über Umwege aufmerksam geworden. Vor längerem haben die beiden tollen Köchinnen vom Inn at the Crossroads ein Gericht aus Kate Quinns Roman gekocht - und da es das Buch gerade günstig in einer Aktion gab, habe ich kurzerhand zugeschlagen. Dann allerdings ist es erst einmal für eine ganze Weile auf meinem Reader versauert, ehe ich endlich damit begonnen habe.

Kate Quinn nähert sich in ihrem historischen Roman der berüchtigten Borgia-Familie einmal von einer etwas anderen Seite. So sind ihre Perspektiventräger nicht die Borgias selbst, sondern "La Bella" Giulia Farnese und die beiden fiktiven Figuren Carmelina und Leonello. Ich habe alle drei, die jeweils aus der Ich-Perspektive erzählen, schnell in mein Herz geschlossen, am meisten aber Giulia. Sie ist in diesem Trio vielleicht die "schwächste" Figur, aber eine liebenswerte und herzensgute Person, deren Aufgaben es vor allem sind, Rodrigo Boriga des Nachts zu unterhalten und tagsüber ihre Schönheit zu pflegen. Das klingt jetzt eher oberflächlich, aber es wird schnell klar, dass Giulia durchaus Köpfchen hat und auch ihren eigenen Willen. Ich konnte ihren Frust, als sie feststellt, dass sie von ihrer eigenen Schwiegermutter praktisch an den Papst verhökert wurde, gut nachvollziehen, hätte mir aber von ihrer Seite noch etwas mehr Widerstand in manchen Situationen gewünscht. Aber Giulia ist eben doch auch ein Kind ihrer Zeit und macht als solche auch einen sehr glaubwürdigen Eindruck.
Besonders sympathisch fand ich ihre Schwäche für Carmelinas Leckereien, die mir selbst auch das Wasser im Magen zusammenlaufen ließen - natürlich, wenn eine Köchin eine Perspektiventrägerin ist, spielt Essen eine große Rolle. Die Liebe, die Carmelina für das Kochen aufbringt, kann Kate Quinn sehr gut vermitteln. Man spürt einfach beim Lesen, dass man es da mit einer Figur zu tun hat, die sich mit Leib und Seele ihrer großen Leidenschaft verschrieben hat. Anderen Menschen gegenüber verhält sich Carmelina allerdings ziemlich ruppig und scheucht gnadenlos die Küchenhilfen herum. Das fand ich sehr amüsant zu lesen, auch wenn sie mir stellenweise nicht unbedingt sympathisch war.

Und schließlich ist da noch Leonello, ein Zwerg, der nach einem grausamen Mörder sucht und im Zuge seiner Ermittlungen bei den Borgias landet. Er hat mich ein wenig an Tyrion Lannister erinnert - nicht nur, weil er auch ein Zwerg ist, sondern weil er eine ähnlich sarkastische Erzählstimme und eine ebenso scharfe Zunge hat.
Die Kapitel aus seiner Sicht haben mir fast am besten gefallen, da die Suche nach dem Mörder sehr spannend ist und Leonello außerdem eine Reihe von interessanten Gesprächen führt, etwa mit Cesare Borgia, dem vielleicht faszinierendsten und zugleich unheimlichsten Familienmitglied.

Aus den Augen dieser drei Figuren lernt man schließlich beim Lesen die Familie Borgia kennen. Abgesehen von Juan, bei dem man die guten Eigenschaften mit der Lupe suchen muss, sind alle sehr differenziert gezeichnet. So macht Rodrigo zwar einen sehr charmanten und in vielerlei Dingen auch aufgeklärten Eindruck, aber er hat doch auch seine Schattenseiten.
Leider habe ich eine Weile gebraucht, bis ich mich mit den Borgias, wie sie in dem Roman dargestellt werden, anfreunden konnte. Das liegt nicht an dem Buch, sondern daran, dass ich letztes Jahr mit großer Begeisterung die Serie "The Borgias" (die mit Jeremy Irons) geschaut habe und nun erst einmal mit Kate Quinns Interpretation der Personen klarkommen musste.
Dafür dürfte aber der Roman - sowohl in der Figurenzeichnung als auch der Schilderung der Ereignisse - historisch korrekter sein als die Serie, die ja doch recht frei mit den historischen Tatsachen umgeht. Überhaupt ist der zeitliche Hintergrund sehr schön ausgestaltet und sorgt dank der vielen kleinen Details für eine sehr bunte und lebhafte Atmopshäre.

Alles in allem hat mir "The Serpent and the Pearl" sehr gut gefallen, auch wenn der Roman durchaus noch etwas Luft nach oben bietet. Obwohl er stellenweise ziemlich brutal ist und die Autorin mit ihren Figuren auch nicht allzu zimperlich umgeht, hat dieser 1. Band einen gewissen "Wohlfühlfaktor" beim Lesen. So ist etwa auch das Erzähltempo eher ruhig, obwohl mich der Roman fast durchwegs gefesselt hat. Er endet ziemlich abrupt mit zahlreichen Cliffhangern, weshalb man also den Nachfolger möglichst schon griffbereit haben sollte.
Da ich diesen inzwischen auch schon gelesen habe, kann ich bereits sagen, dass das Tempo dort ordentlich anzieht und mir "The Serpent and the Pearl" vergleichsweise wie ein harmloser Auftakt vorkommt. Aber dazu dann in den nächsten Tagen mehr, wenn ich "The Lion and the Rose" rezensiere.

Donnerstag, 16. April 2015

Buchstabengeplauder #28

Hach, es ist so schön, dass endlich Frühling ist (auch wenn es ja die nächsten Tage wieder eher kalt werden soll). Gestern habe ich tatsächlich um etwa 21:30, als ich von der Arbeit nach Hause gekommen bin, auf dem Balkon gelesen, weil es noch so warm war. Und heute habe ich auch so einige Lesepäuschen auf dem Balkon eingelegt.
Derzeit bin ich auch sehr mit der Frage der Bepflanzung beschäftigt. In der Wohnung wachsen schon meine Zucchinisämlinge eifrig und es wird Zeit, dass ich sie in einen größeren Topf umtopfe. Zum Glück kommt mir morgen Lyne mit dem Auto zuhilfe und ich kann dann also Pflanzen und Töpfe kaufen. :-) Allerdings bin ich skeptisch, ob bei mir am Balkon überhaupt großartig was wachsen wird - ich habe ja nicht unbedingt einen grünen Daumen und noch dazu müssen die Pflanzen bei mir da ziemlich viel Wind aushalten. Naja, ich werde einfach mal mit verschiedenen Kräuter-, Gemüse- und Blumensorten experimentieren und falls das alles eine Katastrophe wird, bin ich immerhin im nächsten Jahr schlauer (und pflanz dann nur noch Koniferen *lol*).

Trotz der Lesezeit auf dem Balkon habe ich das Gefühl, dass ich auch weiterhin nicht mit meinen Büchern vorankomme. Bei Die Furcht des Weisen bin ich immer noch mit dem 1. Teil des Hörbuchs beschäftigt und Besessen von Byatt liegt schon seit einer gefühlten Ewigkeit auf meinem Nachttisch. Den Roman kenne ich ja bereits - als Jugendliche hatte ich den durch Zufall in der Bücherei entdeckt und war davon begeistert. Nun habe ich leider das Gefühl, dass er sich ein wenig zieht. Ich war sogar schon knapp davor abzubrechen, aber irgendwie wollte ich das dann doch auch nicht.
Schließlich lese ich - wie fast immer - parallel auch noch ein ebook. Nachdem mir The Serpent and the Pearl von Quinn sehr gut gefallen hat und der Roman auch mit totalen Cliffhangern aufgehört hat, habe ich mir spontan auch gleich noch den 2. Band The Lion and the Rose gegönnt. Für ein englisches ebook war es ziemlich teuer, aber zum Glück gibt es für den Koboshop immer mal wieder Rabattcodes, dadurch wurde der Preis dann doch wieder ganz in Ordnung. Und der Kauf hat sich auf jeden Fall gelohnt, da mir auch dieser 2. Band über Giulia Farnese und die Borgias sehr gut gefällt.

Und daneben wühle ich mich - um wieder einen Bogen zum Anfang dieses Beitrags zu schlagen - auch immer noch durch diverse Pflanzen-/Balkonratgeber. Vielleicht werde ich ein paar davon mal in einer Art Sammelrezension vorstellen.
Ob die Lektüre so hilfreich ist oder mich eher verunsichert, ist allerdings die Frage. Vielleicht hätte ich einfach nach Lust und Laune mit dem Gärtnern loslegen sollen. ;-)

Montag, 13. April 2015

[Wiener Streifzüge] Zwischen Wienfluss und Donaukanal

StartpunktStadtpark (U4)
EndpunktFriedensbrücke (U4)
Gehzeitetwa 1 Stunde

Ich wollte schon längst endlich wieder meine Streifzüge aufnehmen - und heute hab ich ganz spontan einen kleinen im Anschluss an eine Einschulung unternommen (deshalb gibt es auch leider mal wieder nur blasse Handyfotos). 
Ab jetzt würde ich gern wieder regelmäßig kleine oder größere Touren machen und hoffe, dass ich mich nun, da der Frühling endlich richtig Einzug hält, auch wieder dazu aufraffen kann.

Den heutigen Weg habe ich beim südwestlichen Eingang zum Stadtpark begonnen, beim Wienflussportal von Friedrich Ohmann:

Früher war ich auch schon mal im Herbst hier, als die Weinblätter gerade wunderschön gefärbt waren:

Ich bin dann am Wienfluss entlang durch den Stadtpark gegangen (der übrigens auch sehr schön ist, man könnte da also auch einen kleinen Abstecher durch den Park machen) und immer weiter am Fluss entlang bis zur Urania:

Auf diesen Foto seht ihr links an der Wienflusseinfassung eine Treppe, die in meinem Roman "Die geraubte Seele" eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt. Das helle Gebäude dahinter mit der Kuppel ist die Urania, die Wiens älteste Volkssternwarte, ein Kino und zahlreiche Kurse und Veranstaltungen der Volkshochschule beherbergt. 

An der Urania mündet der Wienfluss in den Donaukanal:


Unmittelbar am Zusammenfluss befindet sich die Strandbar Hermann, die derzeit noch leer und verlassen ist, im Sommer aber praktisch aus allen Nähten platzt (da kann man froh sein, wenn man noch freie Liegestühle bekommt).


Mein Weg führt mich aber nicht an der Strandbar vorbei, sondern in die andere Richtung flussaufwärts am Donaukanal entlang.
Hier gibt es zahlreiche witzige, kunstvolle, seltsame, schaurige und manchmal hässliche Graffitis zu bestaunen:


Nach einer Weile wird es dann immer grüner und ruhiger.


Vor eineinhalb Jahren war ich hier im Spätsommer, als alles saftig grün war - damals wollte ich hier bereits einen Streifzug unternehmen, aber damals ist mir meine Kamera runtergefallen und das Display gebrochen, was dann meinem Spaziergang ein nicht so schönes Ende gesetzt hat (zum Glück konnte mein Bruder dann noch ein neues Display einbauen, auch wenn der Ersatz nicht unbedingt billig war).


Ich hätte dem Donaukanal noch bis zu seinem Ursprung folgen können und wäre damit fast zu mir nach Hause gekommen, allerdings hatte ich nicht die richtigen Schuhe an, es wurde immer stürmischer und ich hatte auch nicht genug Zeit. Daher habe ich nach einer guten Stunde diesen kleinen Streifzug an der U4-Station Friedensbrücke beendet.

Das war heute ein netter, kleiner innerstädtischer Spaziergang, der eine Mischung aus Stadt, Bäumen und Wasser geboten hat. 
Vor etwa zwei Jahren war ich mal am Stadtrand von Wien am Wienfluss unterwegs - bei Gelegenheit werde ich diesen Streifzug auch mal beschreiben, um euch auch noch ein etwas anderes Gesicht der Wien zu zeigen.

Freitag, 10. April 2015

[Buchvorstellung] Birthe zur Nieden - Wer steht schon auf Pferde?

Wer auf Birthes Blog Von Windsprechern, Drachen und Intriganten mitliest, wird dort vielleicht schon mitbekommen haben, dass vor kurzem ihr erster Roman erschienen ist. Es handelt sich dabei um den ersten Band der Serie Kat&Co, der sowohl als gebundene Ausgabe als auch als ebook erhältlich ist (ISBN: 978-3868275063).
Ich habe den Roman schon vor einer Weile testgelesen, hatte aber jetzt erneut sehr viel Spaß damit. Es geht darin um die 13jährige Kat, die mit einer pferdeverrückten Mutter gesegnet ist, selbst aber mit dem Reiten gar nichts anfangen kann. Als ihre Mutter ein Pferd bekommt, ist Kat dementsprechend eher genervt als begeistert. Dummerweise ist da aber im Pferdestall dieser obercoole Junge, vor dem sie behauptet, sie würde auch mit dem Reiten beginnen. Jetzt bleibt ihr also nichts anderes mehr übrig, aber dummerweise hat sich ihre Mutter mit dem faulen, gefräßigen Pony Otto nicht eben ein Pferd zum Angeben ausgesucht.

Birthes Roman ist im großen Sumpf der vielen Pferdebücher wirklich eine willkommene Abwechslung: So entdeckt Kat erst allmählich ihre Liebe zu Pferden und hat zunächst auch ordentlich Respekt vor den Tieren. Und Otto, die sture Haflingermischung, ist denkbar weit von den stolzen, temperamentvollen Rappen, die nur von der Hauptperson geritten werden können, entfernt.
Diese eher untypische Ausgangssituation und die realistischen Schilderungen (hier hat man es nicht mit einem Hochglanz-Turnierstall und einer einzigartig talentierten Reiterin als Hauptperson zu tun) erinnern mich ein wenig an die Serie Sofie, die ich heiß und innig liebe - auch wenn die resolute Kat recht wenig mit der schüchtern-ängstlichen Sofie gemeinsam hat. Aber beide Serien wirken quasi wie aus dem Leben gegriffen - wie etwas, das sich auch im Stall nebenan abspielen könnte. Dazu sind in "Wer steht schon auf Pferde?" auch alle Aspekte rund um Pferde und Reiten sehr sorgfältig und glaubwürdig dargestellt. Ich kann mich erinnern, dass ich beim Betalesen noch das eine oder andere Detail benörgelt habe, aber nun bin ich wirklich über nichts mehr gestolpert.

Dank Kats Ironie, ihrer überschwänglichen Mutter und nicht zuletzt dank Otto kommt außerdem der Humor nicht zu kurz. Kat ist eine herrlich direkte und sehr sympathische Hauptfigur, deren größte Schwäche es ist, dass sie manchmal sehr damit beschäftigt ist, möglichst cool zu wirken. Teilweise ist sie so darum bemüht, unabhängig von den Meinungen anderer zu sein, dass sie erst recht wieder davon abhängig wird. Diese Fehler sorgen für viel Entwicklungspotenziel und schon in diesem ersten Band lernt Kat so einiges dazu.

Zuletzt möchte ich noch darauf hinweisen, dass es sich bei Francke um einen Verlag christlicher Literatur handelt und dementsprechend spielen Religion und Glaube eine gewisse Rolle in dem Roman. Kat, die aus einer religiösen Familie kommt, ist wie selbstverständlich in die kirchliche Gemeinschaft mit hineingerutscht und beginnt nun zu überlegen, was der Glaube für sie eigentlich bedeutet und ob sie diesen ganzen "Kirchenkram" überhaupt mag. Ich war als Teenager in einer ganz ähnlichen Situation wie sie und habe mit denselben Zweifeln gekämpft und konnte das daher gut nachfühlen - auch wenn es bei mir in die gänzlich gegenteilige Richtung geführt hat. Birthe versucht in dem Roman keineswegs zu missionieren, aber wer auf solche Themen allergisch reagiert, ist hiermit gewarnt.
Ansonsten ist "Wer steht schon auf Pferde?" ein sehr amüsanter und origineller Roman für alle jungen und junggebliebenen Pferdefans.

Mittwoch, 8. April 2015

Wählt die BücherTreff Leserlieblinge 2014

http://www.buechertreff.de/Award/

Beim BücherTreff werden derzeit die besten Bücher des vergangenen Jahres gewählt. Der früher Bookie-Buchpreis genannte Award wird bereits seit 2005 vergeben.

Die Nominierungsphase ist mittlerweile vorüber und man kann nun bis zum 19. 4. über die Lesehighlights 2014 abstimmen. Die Awards werden in folgenden acht Kategorien vergeben:
  • Erzählungen
  • Fantasy
  • Historische Romane
  • Jugendbücher
  • Krimis/Thriller
  • Liebesromane
  • Sachbücher
  • Science Fiction
Um an der Abstimmung teilnehmen zu können, müsst ihr euch beim BücherTreff registrieren und habt dann eine Stimme pro Kategorie. Nach Wahlende werden dann die Gewinner auf der BücherTreff-Seite bekanntgegeben.

Dienstag, 7. April 2015

Toni Morrison - Gnade

Genre: Gegenwartsliteratur
Seiten: 224
Verlag: rororo
ISBN: 978-3499249624
aus dem Englischen übersetzt von Thomas Piltz 
Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternchen

Noch ein Jahr mit Nobelpreisträgern


Delaware im 17. Jahrhundert: Der Farmer Jacob Vaark nimmt eher widerwillig eine junge Sklavin als "Bezahlung" für Schulden an. Als er überraschend an einer Krankheit stirbt, lässt er neben der Sklavin Florence auch seine Ehefrau Rebekka, eine indianische Dienerin und ein krankes Waisenmädchen zurück, die nun mit einem Mal auf sich alleine gestellt sind.

"Gnade" ist ein rätselhafter, anspruchsvoller und manches Mal beinahe undurchdringlicher Roman. Er erzählt die Geschichte von Jacob Vaark und den vier Frauen auf seiner Farm aus verschiedenen Perspektiven und springt dabei auch zwischen den Zeitebenen. Manchmal wird nicht sofort klar, aus wessen Sicht das jeweilige Kapitel erzählt wird und an welchem Zeitpunkt man sich befindet. Es ist also große Konzentration beim Lesen gefordert, aber mit der Zeit findet man sich gut hinein. Verschiedene Ereignisse werden dadurch teilweise auch aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt und so fügen sich die Perspektiven alle zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

Der Roman thematisiert Sklaverei, Kolonialismus, Ungerechtigkeit, das Verhältnis zwischen Dienern und Herren und auch die schwierige Situation von Frauen, die zur Ehe in die neue Welt verkauft wurden. Er gibt auch einen Einblick in ganz unterschiedliche Frauenschicksale, die sich damals so vielleicht zugetragen haben. Sie haben mit Unterdrückung zu kämpfen, mit Verachtung, religiösen Zwängen, Vergewaltigungen, dem Verlust von Kindern, Krankheit und schließlich auch mit dem entbehrungsreichen Leben auf einer Farm in der damaligen Zeit. 
Bei all diesen schwierigen Themen und Lebenswegen betreibt Toni Morrison keine Schwarz-Weiß-Malerei. Man findet in ihrem Roman nicht einfach die "guten" Unterdrückten auf der einen und die "bösen" Herren auf der anderen Seite, sondern Menschen mit Stärken und Schwächen. So bringt etwa Jacob Vaark eine gewisse Menschlichkeit in diese ungerechte Gesellschaft, ist aber doch auch weit davon entfernt, ein Heiliger oder Held zu sein. Sogar die Frage, wer "frei" und  wer "versklavt" ist, findet in dem Roman keine einfache Antwort, wenn etwa ein freier schwarzer Schmied geknechteten Weißen gegenübersteht.

Es fällt mir wahnsinnig schwer, zu dem Roman eine Rezension zu schreiben, weil mir alles, was ich darüber sagen kann, so banal und unbeholfen formuliert vorkommt. Toni Morrison hat mit "Gnade" ein Buch von einer so unglaublichen sprachlichen und inhaltlichen Wucht geschrieben, dass ich es nur schwer in Worte fassen kann. 
Ich hatte stellenweise meine Schwierigkeiten damit, fand es aber trotzdem sehr faszinierend und fesselnd. Besonders gut hat mir auch die historische Komponente daran gefallen, da die Autorin das Leben im 17. Jahrhundert ungemein atmosphärisch schildert. Ich könnte mir vorstellen, den Roman irgendwann noch einmal zu lesen, da er bei einem zweiten Lesen sogar noch dazugewinnen könnte.

Ich kann "Gnade" allen wärmstens ans Herz legen, die nicht vor sperriger Literatur zurückschrecken. Es handelt sich um einen wirklich beeindruckenden Roman, der ein Stück amerikanischer Geschichte aus der Perspektive von mehreren Figuren erzählt - und ihnen allen dabei eine ganz eigene Erzählstimme gibt. Trotz seiner Kürze ist "Gnade" ungemein komplex und nicht zum Schnelllesen geeignet, bleibt aber dennoch zugänglich genug, dass er sich flüssig lesen lässt.
Einer der interessantesten Romane, der mir in den letzten Jahren untergekommen ist.

Donnerstag, 2. April 2015

[Knüpfereien] Schlüsselanhänger

Als Winterkatze vorige Woche Katzenfotos auf ihrem Blog herzeigte mit den Worten, dass das Katzenbesitzer machen würden, wenn sie keine Zeit zum "richtigen" Bloggen hätten, meinte ich, dass ich gerade auch Katzen brauchen könnte. Winterkatze hat daraufhin vorgeschlagen, dass ich stattdessen doch mal wieder Knüpfarbeiten herzeigen könnte - also mach ich das einfach mal. ;-)

Ich habe in letzter Zeit leider kaum geknüpft (ein großes Sorry an die, die noch auf die vesprochenen Geschenke für die Nobelpreis-Challenge warten - ich hab es nicht vergessen!), aber von den letzten Jahren gibt es noch immer genug herzuzeigen.
Dieses Mal gibt es etwas kleinere Knüpfereien, nämlich Schlüsselanhänger zu sehen:

Candy
Simon's Cat
Futhark
Karneval
Thekla
Alle meine Entchen
Rosenträume
Obstsalat
Pueblo
Fergus

Mittwoch, 1. April 2015

[Tag] 7 Deadly Sins of Reading

Diesen netten Tag habe ich bei Tine entdeckt und gleich mal mitgenommen, da mir solche Arten von Tags immer viel Spaß machen. Wobei es der Titel meiner Meinung nach nur so halb trifft, da für mich eine Todsünde des Lesens eher so etwas wäre, wie z.B. schon zu Beginn die letzte Seite eines Buches zu lesen. ;-)

Gier
Welches ist dein teuerstes Buch und welches das günstigste?

 
Ich glaube, das teuerste ist wohl das Griechisch-deutsche Schul- und Handwörterbuch von Gemoll, für das ich, als ich das Graecum im Studium gemacht habe, an die 50 Euro bezahlen musste. Sonst besitze ich kaum wirklich teure Bücher, da ich auch die Fachbücher für mein Studium hauptsächlich in der Bibliothek ausgeliehen habe. 

Das günstigste ist ziemlich schwer - vermutlich lande ich da bei irgendeinem gratis-ebook oder aber bei einem Reclam, da dünnere Exemplare wie z.B. Heines Deutschland. Ein Wintermärchen gerade mal gut 2 Euro kosten.

Zorn
Mit welchem Autor führst du eine Hass-Liebesbeziehung?


Dazu fallen mir spontan zwei Autoren ein. Zum einen Friedrich Schiller, den ich als Mensch und Autor wahnsinnig faszinierend finde - nur seine Werke mag ich leider nicht. Das führt dazu, dass ich gern Bücher über ihn aber nicht von ihm lese.
Und zum anderen Jostein Gaarder, den ich für mich entdeckt habe, als ich mit etwa 15 Jahren "Sofies Welt" gelesen habe. Seither habe ich so ziemlich alle Bücher von ihm nicht nur gelesen und mir die meisten auch gekauft. Einige fand ich großartig, andere mittelmäßig und wieder andere gar nicht gut. Und leider hat es sich im Laufe der Zeit immer mehr zu letzterem hin verlagert. Trotzdem ist bei mir noch immer dieser "Oh, ein neues Buch von Gaarder? Das brauch ich"-Reflex da.

Völlerei
Welches Buch hast du immer und immer wieder genüsslich verschlungen?


Es gibt einige Bücher, die ich sehr häufig gelesen habe, da ich vor allem als Kind und Jugendliche gern wieder und wieder zu denselben Büchern gegrifffen habe. Exemplarisch greife ich zwei Bücher heraus:

Zunächst mein allerliebstes Kinderbuch Die Brüder Löwenherz von Astrid Lindgren, das nebenbei bemerkt nicht "nur" ein Kinderbuch ist, sondern einer der besten Romane überhaupt. Es ist das einzige Buch, das ich, als ich nach dem ersten Mal lesen bei der letzten Seite angekommen war, sofort noch einmal gelesen habe. Damals war ich acht Jahre alt und seither habe ich es zigmal gelesen.

Ein Buch, das nicht aus meiner Kindheit stammt, das ich aber ebenfalls sehr oft gelesen habe, ist Sommerschwestern von Judy Blume. Das ist eines meiner liebsten Wohlfühl-Bücher, auch wenn darin nicht alles zum Wohlfühlen ist. Irgendwann muss ich das übrigens unbedingt mal im Original lesen, da mir die Übersetzung inzwischen stellenweise recht sperrig vorkommt. 
 

Faulheit
Welches Buch hast du bisher vernachlässigt zu lesen, weil du zu faul warst?


Ich weiß nicht, ob Faulheit es wirklich trifft, aber gewissermaßen ja doch: Ulysses von James Joyce. Bei diesem Roman habe ich ein paar Anläufe gestartet und bin nie besonders weit gekommen. Ich finde ihn sehr schwer zu lesen, kann nicht wirklich etwas damit anfangen und weiß, dass es eine sehr mühsame Lektüre werden würde. Dass das Buch fast 1000 Seiten lang ist, macht die Sache nicht eben besser. Also ja, irgendwie ist es schon Faulheit.

Stolz
Über welches Buch redest du am häufigsten, um wie ein intellektueller Leser zu wirken?


Über keins. ;-) Ich rede nicht über Bücher, um intellektuell zu wirken, wofür sollte das denn gut sein? Was nicht heißt, dass ich nicht gern literarische Bücher lese - würde ich das nicht tun, hätte ich nicht Germanistik studiert. Aber der Grund, weshalb ich mit jemandem über Bücher rede, ist immer der gleiche, ganz egal, um welches Genre es sich nun handelt: weil ich bei diesem Buch Gesprächs- bzw. Diskussionsbedarf verspüre oder es anderen unbedingt ans Herz legen möchte (oder manchmal auch, um andere davor zu warnen ;-)).

Und klar, dieser Diskussionsbedarf kann auch bei Büchern da sein, die man als "intellektuell" bezeichnen könnte. Mir fällt da etwa Kassandra von Christa Wolf ein, das ich sehr liebe und über das ich auch eine Seminararbeit geschrieben habe. 
So richtig schön gebildet wirken könnte ich aber vermutlich mit Candid von Voltaire, das Leibniz' Theorie von der "besten aller möglichen Welten" übersteigert und auf eine unglaublich böse Weise vorführt. Aber eigentlich würde ich über dieses Buch nicht reden wollen, um gebildet zu wirken, sondern um anderen zu sagen: Lest es! Dieser Roman ist so ein ungemein kluger und zugleich alberner Lesespaß!


Wollust
Welche Charaktereigenschaften findest du an männlichen/weiblichen Figuren am attraktivsten?


Hm, schwierig. Es gibt zwar immer wieder Figuren, die ich beim Lesen absolut toll finde, aber diese sind vom Charakter her alle recht unterschiedlich. Manchmal sind es grauschattierte Antagonisten wie Brandin of Ygrath, manchmal echte Kickass-Heldinnen wie Ananna und manchmal auch die stillen, zurückhaltenden Menschen, die einfach tun, was richtig ist, wie etwa Kent Ouvrelet.
Ich kann das also nur schwer an bestimmten Charaktereigenschaften festmachen.

Neid
Welche Bücher möchtest du am liebsten als Geschenk erhalten?


Ein Buch, das ich wirklich gern als Geschenk hätte, wäre A Map of the World: The World According to Illustrators and Storytellers, weil es mir einfach zu teuer ist, um es selbst zu kaufen. Ich würde mich außerdem sehr freuen, wenn mir mal jemand Der Schatten der Scheuermagd von Lord Dunsany schenken würde, da der Roman auch gebraucht nicht mehr so einfach aufzutreiben ist (vor allem, wenn man in Österreich wohnt). 
Natürlich ist meine ganze Wunschliste noch deutlich länger, aber die meisten Bücher, die sich darauf tummeln, könnte ich mir auch einfach mal kaufen. Die beiden Genannten habe ich mal exemplarisch herausgegriffen für Bücher, die ich wirklich in erster Linie gern geschenkt bekommen würde.


Na, möchte sich sonst noch wer den Tag schnappen?