Sonntag, 29. März 2015

Buchstabengeplauder #27

Wenn ich mir so meine Lesestatistik vom März anschaue, möchte man es kaum glauben, dass ich vor einer Woche Urlaub hatte. Bisher habe ich nämlich sage und schreibe zwei Bücher im März gelesen. Aber wie das oft so ist im Urlaub, hat man tausend Dinge zu erledigen und so habe ich Blumenkästen für den Balkon gekauft, versucht die Bepflanzung zu planen (bisher bin ich noch nicht wirklich auf einen grünen Zweig gekommen), habe einen gründlichen Wohnungsputz gemacht für einen Besuch von Verwandten und war bei meiner Familie.
Und im Anschluss an den Urlaub erwarteten mich natürlich Dienste noch und nöcher, weshalb ich erneut nicht viel Lesezeit hatte.

Zwischen Freizeitstress und Diensten habe ich weiter ein wenig klassische Doctor Who-Folgen geguckt und habe außerdem nochmal mit Lost begonnen, das ich vor Jahren nur bis zur Mitte der 4. Staffel gesehen hatte. Ich merke gerade wieder, wie zeitraubend fernsehen sein kann und überlege, ob ich mein Netflix-Abo nicht lieber wieder kündige. Schließlich habe ich seit Jahren bewusst keinen Fernseher, um eben nicht ewig davor zu versumpfen - da ist es nur wenig zielführend, wenn ich nun stattdessen im Internetfernsehen versumpfe ...

Was meinen derzeitigen Lesestoff betrifft, so fehlen mir bei Gnade von Toni Morrison nur noch wenige Seiten, was gut ist, da ich das Buch morgen zurück in die Bücherei bringen muss. Etwas stressig könnte es noch mit dem Sachbuch Feuer gefangen. Meine Reisen zu den Vulkanen der Erde von Angelika Jung-Hüttl werden, das ebenfalls morgen zurück in die Bücherei muss, bei dem ich aber noch ziemlich am Anfang bin. Da kann ich nur hoffen, dass es heute in der Arbeit ruhig bleibt und ich ein paar Seiten schaffe.
Die Furcht des Weisen von Patrick Rothfuss wird mich wohl noch eine ganze Weile beschäftigen, da das Hörbuch (oder eher: die Hörbücher) ja doch eine stattliche Länge aufweisen. Und ehrlich gesagt gibt es auch manchmal Phasen, in denen ich keine rechte Lust darauf habe, weil mich diese ganzen Ambrose-Intrigen so nerven. Umgekehrt gibt es natürlich auch Phasen, in denen ich wie gebannt weiterhöre, aber ich werde wirklich einen Luftsprung machen, wenn Kvothe endlich von der Universität geworfen wird (sorry, Kvothe).
Und da ich ja bekennende Parallelleserin bin, tummelt sich außerdem auf meinem Reader der historische Roman The Serpent and the Pearl von Kate Quinn, der die Geschichte der Borgias aus etwas anderen Perspektiven erzählt.
 
Ich denke gerade über einen ganz spontanen, kleinen Lesetag am Dienstag nach. Da habe ich frei, bevor es bei mir dann so richtig stressig mit Diensten wird über Ostern und ich habe an dem Tag auch noch nicht großartig was vor. Einfach ein gemütlicher Lesetag ohne große Planungen, Organisation oder Fragen. Andererseits ist so etwas im Frühling nur halb so schön, wenn man nicht auch ein wenig draußen in der Sonne lesen kann - und derzeit sieht es nicht so aus, als ob das Wetter das erlauben würde.
Na mal sehen ...
 
Wie war denn euer Lesemärz bisher so?

Donnerstag, 26. März 2015

[Buchvorstellung] Leonora Stratton - One Fateful Night

"One Fateful Night" ist die erste Veröffentlichung einer lieben Freundin und Schreibkollegin von mir, die ich euch hier gerne vorstellen möchte. Der Roman ist im Verlag "Romance Edition" erschienen und sowohl als Taschenbuch als auch als ebook erhältlich (ISBN: 978-3902972354).
Wie der Name des Verlags und auch das Cover schon vermuten lassen, handelt es sich dabei um einen Liebesroman oder genauer gesagt um Regency Romance.
 
Adelyna Mulgrave ist eine wohlbehütete junge Dame aus gutem Haus, die einer Hochzeit mit einem angesehenen Gentleman entgegenfiebert. Als ihr Verlobter von dem Lebemann Jared zu einem Duell herausgefordert wird, ist sie bereit alles zu tun, um das zu verhindern - und dieses "alles" führt leider zu einer äußerst verhängnisvollen Nacht, die ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellt.
 
"One Fateful Night" klingt zwar wie ein typischer Liebesroman, hat aber so einige Überraschungen zu bieten. Zunächst einmal durchzieht den Roman ein ständiges Augenzwinkern und der Humor kommt also nicht zu kurz. Dann gibt es auch eine ordentliche Prise Abenteuer und man findet darin nicht nur Schlägereien in einem Bordell, sondern etwa auch eine actionreiche Auseinandersetzung mit Schmugglern.
Adelyna kann auch mit einigen Überraschungen aufwarten. Sie ist zwar mit einer nahezu unendlichen Naivität gesegnet, ist aber alles andere als eine passive Heldin. Tatkräftig nimmt sie allerlei Unternehmungen in Angriff und scheut euch vor unangenehmen Auseinandersetzungen nicht zurück. Nun gut, ich muss einräumen, dass viele dieser Unternehmungen nicht eben klug sind und sie auch ziemlich in die Bredouille bringen, aber es ist einfach schön, wenn eine Liebesroman-Heldin nicht nur tatenlos vor sich hinschmachtet.
Jared ist da vielleicht ein etwas traditionellerer Held: ein draufgängerischer Nichtsnutz mit etwas lockerer Moral, der aber doch das Herz am rechten Fleck hat. Nach außen hin ist er also ganz das Gegenteil von Richard, dem immer korrekt wirkenden Verlobten von Adelyna. Gerade deshalb übt er natürlich auf sie eine große Anziehungskraft aus und dazu knistert es auch erotisch ordentlich zwischen den beiden.
Die Liebesgeschichte mag zwar den Anfang in einer etwas unkonventionellen gemeinsamen Nacht nehmen, aber ich fand sie auch sonst sehr gut nachvollziehbar, da es nicht einfach nur Liebe auf den ersten Blick ist, sondern sich die Gefühle im Laufe der Zeit erst so richtig entwickeln.
 
Normalerweise fallen Bücher dieses Genres nicht unbedingt in mein Beuteschema, aber mit "One Fateful Night" hatte ich beim Lesen großes Vergnügen.
Man sollte natürlich schon ein gewisses Interesse für Liebesromane mitbringen, damit man mit dem Roman seine Freude hat, aber ich könnte mir vorstellen, dass er - nicht zuletzt wegen der Ironie und einiger unkonventioneller Wendungen - auch für LeserInnen geeignet ist, denen Regency Romance sonst ein wenig zu kitschig ist.
Mit der Mischung aus historischem Liebesroman, Humor und einer Prise Erotik sollte der Roman außerdem alle Fans von Julia Quinn und vergleichbaren Autorinnen ansprechen.

Samstag, 21. März 2015

Lesung von Patrick Rothfuss in Wien - ein kleiner Bericht

Gestern Abend fand in der Buchhandlung Kuppitsch in Wien eine Lesung von Patrick Rothfuss im Rahmen der Fantasytage "Vindragona" statt. Vor zwei Wochen, als ich euch von meiner Anmeldung zur Lesung erzählt habe, habe ich auch erwähnt, dass es zu dem Zeitpunkt laut Mail nur noch Plätze ohne Sicht auf den Autor geben würde. Ein paar von euch haben in den Kommentaren gerätselt, wie das wohl zu verstehen wäre, also werde ich das zunächst mal erläutern:
Im ersten Stock der Buchhandlung waren zunächst einige Reihen Sessel aufgestellt für alle, die sich früh genug angemeldet hatten, um noch Sitzplätze zu ergattern. Dahinter gab es dann noch freien Raum zum Stehen für alle, die etwas später mit der Anmeldung dran waren. Und für die, die noch später dran waren (wie ich) wurden dann ums Eck (also hinter den Bücherregalen) noch einige Sitzbänke aufgestellt. Allerdings war es bei den Stehplätzen nicht so voll wie anscheinend befürchtet und so habe ich mich bei Lesungsbeginn auch noch hinten hingestellt. Also hatte ich - wenn auch von weit hinten - doch noch einen Blick auf Patrick Rothfuss. ;-)


Nachdem also die Raumsituation geklärt ist, kommen nun meine Eindrücke von dem Abend: Die Lesung war so aufgebaut, dass Patrick zuerst ein bisschen über das Buch und über seinen Besuch in Wien geplaudert hat. Viel von der Stadt hatte er nicht gesehen, da am Nachmittag wegen es großen Andrangs noch eine weitere Lesung eingeschoben worden war, aber seine wichtigste Wiener Errungenschaft waren Mistelzweige, die er sich mit vollem Körpereinsatz beschafft hatte (da er in den USA noch nie Misteln gefunden hatte). ;-)
Danach hat er ein bisschen vom Anfang von "The Slow Regard of Silent Things" vorgelesen, ehe die Moderatorin und Übersetzerin ihm einige Fragen gestellt hat. Später hat sie dann noch eine weitere Passage auf Deutsch vorgelesen und schließlich durften Fragen aus dem Publikum gestellt werden. Der Schwerpunkt lag ganz eindeutig auf den Fragen und einem Dialog zwischen Autor und Lesern, weniger auf dem Vorlesen, was mir ohnehin lieber war.

Was gab es so an Fragen und Antworten? Es ging viel um den Schreibprozess, um Planung vs. Drauflosschreiben, darum, wen Patrick von den Figuren beim Schreiben am wenigsten mochte (Tempi), welches Buch er derzeit liest (er liest gerade mit seinem Sohn „Little House in the Prairie“ von Laura Ingalls Wilder), wie weit er bei seinen Figuren die Zügel in der Hand hat, weshalb es in seinen Romanen so viele "mentally interesting" Figuren gibt ("All who have completely normal friends raise their hands" - niemand hat die Hand gehoben *gg*), usw. 
Es gab auch einige sehr konkrete Fragen zu den Büchern, etwa zu bestimmten Handlungselementen oder zu (noch) unerklärten Dingen, also alles Fragen, die "Spoileralarm" schrieen und dementsprechend hat Patrick stets nur mit "That's an interesting question" geantwortet und es dabei belassen.
Ansonsten hat er aber sehr bereitwillig geplaudert, auch wenn er sich ab und zu entschuldigt hat, dass er aufgrund Schlafmangel ziemlich müde wäre und daher vielleicht auf manches etwas zu ehrlich oder flapsig antworten würde. Ich fand ihn aber durchwegs sehr freundlich, sehr humorvoll und vor allem auch sehr menschlich. Man hatte nicht das Gefühl, er würde vorgefertigte Antworten runterrattern, sondern es kam mir wirklich wie ein sehr spontantes und ehrliches Gespräch vor. Das war auf jeden Fall der schönste Teil der Lesung.
Vielleicht auch deshalb, weil die Übersetzerin bei den Publikumsfragen und Patricks Antworten aus Zeitgründen nicht mehr übersetzt hat - und das war wirklich ein Segen. Der einzige Wermutstropfen an dem Abend war nämlich die Übersetzung. Ich weiß nicht, wer die Dame genau war, aber sie kam mir extrem unerfahren vor und schlimmer noch: Oft hat sie falsch übersetzt oder bekam sogar einzelne Wörter aus dem Publikum souffliert. Mein englisches Hörverständnis ist ja nicht das beste, aber ich hatte wirklich keinerlei Probleme Patrick zu verstehen und kann überhaupt nicht nachvollziehen, weshalb die Übersetzerin manchmal anscheinend auch vom Sinn her gar nicht verstanden hat, was er gesagt hatte. Das war ziemlich nervig - und schade für die, die auf ihre deutsche Übersetzung angewiesen waren.

Am Ende schließlich konnte man sich noch die Bücher signieren lassen. Da hieß es eine ganze Weile warten, aber es hat sich gelohnt, da Patrick trotz der langen Schlange mit jedem/r zumindest ein paar Worte gewechselt hat. Das fand ich sehr schön, da ich wirklich den Eindruck hatte, dass er selbst auch Freude am Kontakt mit den Lesern hatte.


Alles in allem war es ein sehr schöner Abend und es hat mich auch nicht gestört, dass ich ziemlich weit hinten stand. Patrick hat auf mich einen wahnsinnig sympathischen Eindruck gemacht und es hat Spaß gemacht, seinen ehrlichen Antworten zu lauschen.
Schade nur, dass das mit der Übersetzung so gar nicht geklappt hat.

Eine kleine Anekdote noch am Ende: Im Zuge der Fragen kam Patrick auch irgendwann auf das Thema Fanfictions und seltsame "pairings" zu sprechen und meinte dazu, wie absurd etwa eine Fanficition mit Draco Malfoy und einem Dalek wäre - und dass man wahrscheinlich selbst dazu welche finden würde. 
Nun ja, natürlich konnte ich daraufhin gar nicht anders, als zuhause zu recherchieren und kann uns alle beruhigen: Nein, zum Glück scheint es das Pairing Draco Malfoy und Dalek (noch) nicht zu geben. *gg*

Donnerstag, 19. März 2015

[Kurzrezensionen] Von Gift, Drohbriefen und Flüchen

Dorothy L. Sayers - Starkes Gift

Der 5. Krimi mit der adeligen Spürnase Lord Peter Wimsey beginnt mit einer Gerichtsverhandlung, in der die Schriftstellerin Harriet Vane des Mordes an ihrem ehemaligen Geliebten angeklagt wird. Obwohl zahlreiche Indizien gegen sie sprechen, will Peter nicht an ihre Schuld glauben und beginnt zu ermitteln.
"Starkes Gift" ist ein äußerst unterhaltsamer Krimi, in dem neben Lord Peter auch seine Bekannte Miss Climpson ermittelt. Vor allem mit ihren Kapiteln hatte ich einen Riesenspaß, aber auch sonst gibt es hier einiges zu schmunzeln. Der Kriminalfall an sich ist eher simpel gestrickt und auch recht schnell zu durchschauen, aber es gibt dennoch einige Fragen, über die man rätseln kann und die am Ende alle zufriedenstellend beantwortet werden.
Lord Peters plötzliche Verliebtheit kommt zwar ein wenig aus dem Nichts, aber dann wiederum passt das - und die ungelenke Art, wie er um Harriet wirbt - durchaus zu seinem Charakter. Ich denke, dass sich in den nächsten Bänden noch eine interessante Dynamik zwischen ihnen entwickeln könnte.
Ein sehr amüsanter und spannender, wenn auch etwas vorhersehbarer Krimi, dem ich 4 Sternchen gebe.


Carola Dunn - Styx and Stones

Eine weitere Adelige, die sich als Detektivin versucht: die Ehrenwerte Daisy Dalrymple. Zwar etwas unbeholfener als Lord Peter, aber ebenso amüsant. In "Styx and Stones" führt ein Hilferuf ihres Schwagers sie aufs Land. In dem vermeintlich beschaulichen Dorf sorgen anonyme Drohbriefe für Unruhe. Natürlich ist auch ein Toter nicht mehr fern, sobald Daisy vor Ort ist.
Nach dem recht schwachen Vorgängerband "Dead in the Water" hat mir dieser Krimi wieder besser gefallen. Daisys Gespräche mit all den unterschiedlichen Dorfbewohnern haben mir gut gefallen - man wird hier wirklich gut in einen Mikrokosmos mit allen möglichen Charakteren eingeführt und wie sich das in einem Krimi gehört, schlummern in den meisten ungeahnte Abgründe (auch wenn sie - typisch für die Daisy Dalrymple-Mysteries - nicht allzu dunkel geraten sind). Was mir hier leider gar nicht gefallen hat, ist der Streit zwischen Daisy und Alec, der auf eine künstliche Weise überdramatisiert und dabei aber so knapp abgehandelt wird, dass mich nur gefragt habe, was das denn bitte sollte. 
Deshalb dann doch nur 3,5 Sternchen, obwohl mir der Krimi ansonsten sehr gut gefallen hat.


Neil Gaiman - The Sleeper and the Spindle

Das Äußere dieses dünnen Buches habe ich euch bereits hier vorgestellt, kommen wir nun zum Inneren: Wie eine Seuche breitet sich ein Fluch aus, der alle Menschen in tiefen Schlummer versetzt. Und so macht sich Schneewittchen am Vorabend ihrer Hochzeit mit drei Zwergen auf den Weg, um den Fluch zu lösen, der vor vielen Jahren in einem Turm seinen Anfang nahm.
Neil Gaiman verknüpft in dieser Erzählung die Märchen von Schneewittchen und Dornröschen miteinander und versieht sie mit einigen unerwarteten Wendungen. Statt hilflosen Prinzessinnen gibt es hier wehrhafte Frauen, die recht energisch die Zügel in die Hand nehmen und eine äußerst spannende Handlung. 
Die Zeichnungen von Chris Riddell passen perfekt zum Inhalt und verstärken die düster-skurrile Atmosphäre des Buches.
Leider konnte mich die Erzählung trotzdem nicht ganz überzeugen, auch wenn ich nicht genau sagen kann weshalb. Am Ende blieb bei mir einfach ein Gefühl von "das wars?" und ich hatte ein wenig den Eindruck, als wären die Figuren teilweise Mittel zum Zweck, als würde mir etwa Schneewittchen entgegenbrüllen "Schau mal, was für eine starke Frauenfigur ich bin!". Andererseits ist die Erzählung für wirklich ausgeformte Charaktere auch fast zu kurz und es passt wohl auch zum Märchencharakter, dass die Figuren eher Typen sind.
Dennoch eine sehr lesenswerte Märcheninterpretation, die durch die tollen Illustrationen zu einem Fest für die Augen wird. 4 Sternchen

Sonntag, 15. März 2015

Buchstabengeplauder #26

Meine Güte, war das hier in der letzten Woche still ... Okay, ich hatte einen recht zeitintensiven Kurs, musste für eine kranke Kollegin einspringen und habe auch dieses Wochenende Dienste, aber vor allem leide ich mal wieder an einer starken Rezensier-Unlust. Manchmal kann ich mich da selbst nicht verstehen: Ich möchte zu den Büchern etwas schreiben und wenn ich erst mal mit der Rezension beginne, macht es mir auch meist Spaß - trotzdem kann ich mich oft überhaupt nicht dazu aufraffen, einfach mal anzufangen. Und umso mehr Bücher dann auf eine Rezension warten, umso schlimmer wird es ...

Apropos Rezensionen: Es wird bei mir von nun an eine neue Form von Buchvorstellungen geben. Schon seit einer Weile hadere ich ziemlich mit mir, wenn ich Bücher von Freunden/Bekannten lese. Ich habe dann beim Lesen oft das Gefühl, unter Druck zu stehen, dass mir das Buch gefallen muss, damit ich ganz ehrlich eine begeisterte Rezension schreiben kann. "Gefälligkeitsrezensionen" habe ich noch nie geschrieben und werde ich auch niemals schreiben, aber ebenso wenig würde ich so ein Buch verreißen. Bisher war meine Vorgehensweise daher, dass ich nur dann eine Rezension geschrieben habe, wenn mir das Buch gefallen hat. Aber wirklich ideal war das für mich trotzdem nicht, weil mich das beim Lesen dennoch unter Druck gesetzt und mir manchmal sogar den Lesespaß genommen hat. 
Noch dazu war ich mir nie recht sicher, wie "objektiv" ich in so einem Fall an das Buch herangehen kann und das ist dann wieder euch Lesern gegenüber vielleicht nicht ganz fair. Man liest ja doch ein Buch anders, wenn man den Autor/die Autorin kennt und noch schlimmer wird es, wenn man den Roman vielleicht schon vor der Veröffentlichung testgelesen hat.

Daher habe ich mich dazu entschlossen, dass ich ab jetzt zu entsprechenden Büchern einfach eine Art Buchvorstellung (ohne Sternchenwertung) schreiben werde, in der ich euch erzähle, worum es geht, was mir gefallen hat und wen ich als Zielgruppe für das Buch sehe. Ich denke, das ist die beste Lösung, mit der ich mich selbst auch wohler fühle - und auf diese Weise kann ich solche Romane dann auch wieder freier lesen. Konkrete Kritikpunkte gebe ich dann lieber persönlich weiter, auch wenn ich vermutlich trotzdem in der Buchvorstellung kurz darauf eingehen werde, wenn mich etwas gestört hat - einfach, damit ihr auch einschätzen könnt, ob das Buch etwas für euch wäre.
Haltet ihr das auch als Lesersicht für eine brauchbare Lösung?

Sonntag, 8. März 2015

Andy Weir - Der Marsianer


Genre: Science Fiction
Seiten: 513
Verlag: Heyne
ASIN: B00KG5VKK8
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen



 
Als die Marsmission "Ares 3" wegen eines heftigen Sturms überstürzt abgebrochen werden muss, wird Mark Watney aufgrund eines Unfalls für tot gehalten und auf dem Mars zurückgelassen. Seine einzige Hoffnung ist es, bis zur nächsten geplanten Mission "Ares 4" zu überleben. Der verbleibende Proviant kann allerdings niemals so lange reichen und die Ausrüstung erlaubt es ihm kaum, bis zum Landeplatz von Ares 4 zu gelangen. Mark Watney braucht also einen Plan, um das Unmögliche zu schaffen: vier Jahre alleine auf dem Mars zu überleben.
 
Ich habe schon seit meiner Kindheit eine gewisse Schwäche für Astronomie und Raumfahrt und habe etwa den Film "Apollo 13" bereits zigmal gesehen. In Buchform habe ich mich allerdings noch kaum an das Thema gewagt und zum Teil hat mir "Der Marsianer" bestätigt, weshalb nicht.
Mark Watney braucht all sein Wissen und seinen Erfindungsreichtum, um sich in der ersten Zeit auf dem Mars einzurichten und sich sein weiteres Überleben zu sichern. Wie er das schafft, schildert er in aller Ausführlichkeit. Das ist einerseits zwar spannend, andererseits hatte ich aber oft massive Probleme, das alles nachvollziehen zu können. Bei einem Film hat man hier den Vorteil, dass man das alles direkt sieht. Im Buch hat man dagegen nur die Beschreibungen und wenn man sich dann manches schlichtweg nicht vorstellen kann, wird die Sache schnell anstrengend zu lesen.
Dabei ist es nicht prinzipiell uninteressant zu lesen, wie Mark in bester McGyver-Manier die Probleme angeht und sich mit dem, was ihm zur Verfügung steht, alles mögliche zusammenbastelt. Trotzdem gab es für mich vor allem am Anfang und dann auch zwischendurch noch einmal einige Durchhänger, bei denen ich schon eher das Gefühl hatte, eine Bedienungsanleitung zu lesen als einen Roman.
 
"Der Marsianer" ist großteils wie ein Logbuch geschrieben, also aus der Sicht von Mark, auch wenn bei einigen Kapiteln kurz zur NASA und den restlichen Astronauten von Ares 3 gesprungen wird.
Was mich an dem Buch besonders interessiert hat, war die Frage, wie ein Mensch psychisch mit so einer Situation umgeht - und leider fällt der Roman in diesem Punkt völlig durch. Die extreme Situation, die Einsamkeit, die ständige Gefahr, das alles wirkt sich auf Mark offensichtlich gar nicht aus. Er macht keine Entwicklung durch, er scheint nie zu verzweifeln (oder hält das zumindest nicht im Logbuch fest) und behält bis zum Ende einen flapsigen, ironischen Stil bei. An Familie, Freunde oder andere Personen, die er zuhause zurückgelassen hat, werden praktisch keine Gedanken verschwendet. Dadurch wirkte Mark für mich nicht wie ein greifbarer Mensch, sondern wie ein (sehr amerikanischer) Superheld und ein reines Mittel zum Zweck: eine unglaublich flache, oft auch nicht besonders sympathische Figur, die nur dazu da ist zu zeigen, was mit Erfindungsgeist und Hartnäckigkeit alles möglich ist.
 
Ich muss also ehrlich sagen, dass "Der Marsianer" auf einer emotionalen Ebene vollkommen uninteressant ist. Trotzdem ist der Roman inhaltlich spannend, wenn auch äußerst geradlinig (ein Problem entsteht und wird gelöst, das nächste entsteht und wird gelöst, usw.) und er hat mich stellenweise auch sehr gefesselt. Ob das, was Mark da so alles anstellt, auch technisch wirklich möglich ist und wie realistisch die Bedingungen auf dem Mars dargestellt werden, kann ich nicht genau beurteilen, aber man hat beim Lesen durchaus den Eindruck, dass der Autor sorgfältig recherchiert hat (auch wenn mir die Ausgangssituation mit dem Sturm in einigen Punkten etwas löchrig vorkam).
Das Buch wird übrigens von Ridley Scott und mit Matt Damon in der Hauptrolle verfilmt. Ich kann es mir als Film richtig gut vorstellen und erwarte mir davon sogar etwas mehr als vom Buch, weil vermutlich die Hauptkritikpunkte darin weniger zum Tragen kommen.

Freitag, 6. März 2015

[Lesen gegen das Wintertief] Auflösung des Buchrätsels

Im Zuge unseres Lesetages haben Lyne und ich einige Fragen gestellt, in denen sich ein Buchstabenrätsel verborgen hat. Richtig zusammengepuzzelt haben die Buchstaben das Wort "Netherfield" ergeben. Das war dann offensichtlich doch etwas schwerer zu erraten als gedacht, aber nachdem wir den Tipp gegeben haben, in Stolz und Vorurteil zu suchen, haben wir doch rasch vier richtige Antworten bekommen und zwar von Winterkatze, Caroline, 78sunny und BücherFähe. 

Heute Nachmittag haben Lyne und ich dann ausgelost, als wir in der Arbeit Dienstübergabe hatten.




Die Gewinnerin ist Caroline! Du bekommst von uns einen 10 Euro-Büchergutschein (ob von Amazon oder lieber woanders, kannst du dir aussuchen), damit du auch für den nächsten Lesetag wieder genug Lesestoff hast. ;-)

Herzlichen Glückwunsch!

Mittwoch, 4. März 2015

Buchstabengeplauder #25

Auslosung zum Lesetag
Zunächst mal: Lyne und ich haben vier richtige Antworten für das Bücherrätsel beim Lesetag bekommen. Da wir uns am Freitagnachmittag sehen, werden wir bis dahin noch mit der Auslosung der Gewinnerin warten - dann können wir das sozusagen live zu zweit machen. Bis dahin habt ihr also noch die Chance, uns die richtige Antwort zu schicken.

Lesegeplauder
Derzeit hinke ich ein klitzekleines Bisschen meinen Rezensionen hinterher ... Das liegt daran, dass ich im Februar sage und schreibe 8 Bücher gelesen habe, was in letzter Zeit für meine Verhältnisse wirklich viel ist - und davon habe ich erst 3 rezensiert. Ich schätze, da werde ich wohl wieder die eine oder andere Rezension ausfallen lassen.
Was meine aktuelle Lektüre betrifft, so wäre es wirklich an der Zeit, dass ich endlich zu Gnade von Toni Morrison greife - nicht nur, weil ich das Buch bald in die Bücherei zurückbringen muss, sondern auch, weil nun schon zwei Monate vergangen sind und ich noch kein einziges Buch für meine Nobelpreis-Challenge gelesen habe. Vielleicht beginne ich den Roman einfach mal parallel zum Marsianer, mit dem ich wohl noch ein wenig beschäftigt sein werde.

Lesung von Patrick Rothfuss
Von Zeit zu Zeit lese ich auf dem Blog von Patrick Rothfuss mit und in dem aktuellen Beitrag ging es um seine Deutschlandtour. Ich wollte eigentlich nur nach unten scrollen zum nächsten Beitrag, da sehe ich im vorüberziehenden Text "Vienna". Wie bitte was?
Ja, Patrick Rothfuss liest am 20. März in der Buchhandlung Kuppitsch im Rahmen der Vindragona (Fantasytage). Gratis. Sitzplätze waren schon alle längst vergeben (welch Wunder ...), aber man kann sich per Mail noch für Stehplätze anmelden. Und ich habe an dem Abend keinen Dienst! Ich bin also quasi im Affentempo in mein Mailprogramm gerast und habe eine Mail geschickt. Nach ein wenig hoffen und bangen (ich habe wirklich schon damit gerechnet, dass ich zu spät dran bin), kam die Antwort, dass es nur noch Plätze ohne Blick auf den Autor geben würde, aber man könne der Lesung lauschen und am Ende Bücher signieren lassen.
Natürlich finde ich es schade, dass ich zu spät dran bin für ordentliche Plätze, aber in der Not frisst der Teufel Fliegen, nicht wahr? ;-)
Ich freue mich auf jeden Fall darauf und denke, dass ich mir dann auch The Slow Regard of Silent Things signieren lasse (obwohl ich eine lange Schlange befürchte *g*). Sonst mach ich das ja eher nicht - mir geben signierte Bücher nicht so viel. Aber ich glaube, das ist wirklich das erste Mal, dass Patrick Rothfuss nach Wien kommt - die Gelegenheit muss ich dann doch nutzen.

Montag, 2. März 2015

Hugh Howey - Level


Genre: Science Fiction
Dauer: 10 Stunden 51 Minuten (ungekürzte Lesung)
gelesen von: Peter Bieringer
Verlag: Hörbuch Hamburg
ASIN: B00M3CQK34
Meine Bewertung: 2,5 von 5 Sternchen

Hörbuch-Challenge

Achtung, leichte Spoiler zum 1. Band "Silo" lassen sich hier leider nicht vermeiden!

Im Jahr 2049 wird der Architekt Donald Keene mit dem Bau eines riesigen unterirdischen Gebäudekomplexes beauftragt - angeblich, um den Sicherheitsbestimmungen beim Bau einer Anlage zur Lagerung und Entsorgung verbrauchter Kernbrennstoffe nachzukommen. Bis Donald erkennt, wofür das Gebäude tatsächlich dient, ist es längst zu spät und das Leben, wie er es bisher kannte, hat sich für immer verändert.

"Level" erzählt die Vorgeschichte zu Silo, ist aber dennoch unbedingt als Folgeband zu verstehen, da man sich sonst all das Rätselraten um den Silo und die Überraschungseffekte, die einen Großteil der Spannung im 1. Band ausmachen, von Vornherein zerstört.
In dem Prequel wird nun ein Bogen gespannt von der Entstehung der Silos bis hin zu den Ereignissen im 1. Band etwa 300 Jahre später. Es gibt also in dem Roman große Zeitsprünge und nicht nur das: Howey springt auch zwischen den Zeitebenen hin und her, indem er mit den Anfangstagen in Silo 1 und den Geschehnissen rund um den "Untergang" in Silo 17 zwei Handlungsstränge miteinander verflicht, die zeitlich weit auseinander liegen. Diese Sprünge sind anfangs etwas verwirrend und man muss sich ein wenig hineinfinden, aber mit der Zeit konnte ich ihnen gut folgen.

Trotzdem konnte mich "Level" nicht wirklich fesseln. Gerade im Vergleich zu "Silo", das ich ja kaum aus der Hand legen wollte, ist mir aufgefallen, wie wenig ich teilweise den Drang hatte, dem Hörbuch weiter zu lauschen.
Es fällt mir allerdings schwer zu sagen, weshalb das so war. Einerseits lag es wohl an den Zeitsprüngen, die dazu führen, dass der Roman ein wenig episodenhaft wirkt und man sich immer wieder erst neu in die Situationen einfügen muss. Andererseits kamen mir auch alle Figuren recht flach und schablonenhaft vor. Solo in Silo 17, den man ja schon vom vorigen Band kennt, war noch am besten ausgearbeitet, aber in Silo 1 konnte ich mit keiner der Figuren so richtig mitfiebern.

Was die Handlung betrifft, so ist es natürlich interessant, mehr über die Silos und die Hintergründe zu erfahren. Manche Fragen aus "Silo" wurden nun beantwortet, viele bleiben aber weiterhin offen. Alle Antworten wird es also wohl erst im abschließenden Band geben - wenn überhaupt.

Alles in allem war "Level" kein wirklich schlechtes Buch, aber es konnte mich leider auch nicht begeistern. Was man über die Silos erfährt, ist letztendlich doch recht wenig bzw. geht kaum über das hinaus, was man am Ende von "Silo" bereits begriffen hat. Es wäre schlicht nicht notwendig gewesen, diese Hintergründe sowie Solos Geschichte so lang auszuwalzen.
Auch die Lesung von Peter Bieringer hat mich nicht vom Hocker gerissen, da ich sie stellenweise etwas eintönig und manchmal auch unpassend fand (etwa, wenn er lautstarke Wörter in den Raum schmettert, die von "flüsterte er" begleitet werden).
Ich hoffe, dass der 3. Band wieder deutlich besser ist.

Sonntag, 1. März 2015

[Lesen gegen das Wintertief] Fazit


Vielen Dank an alle, die gestern so eifrig mitgelesen und Fragen beantwortet haben! Es war sehr schön, sich mit euch gemeinsam in Büchern zu vergraben und auch all die unterschiedlichen Antworten zu lesen.

Ich war gestern ein wenig unkonzentriert, aber so ging es mir in der letzten Zeit oft an Lesetagen. Das ist, glaube ich, derzeit ein generelles Problem von mir, dass es mir schwerfällt, mich ganz und gar auf eine Sache zu konzentrieren und dabei nicht schon wieder etwas anderes im Kopf zu haben. Trotzdem hat das Lesen Spaß gemacht. Ich habe Starkes Gift von Dorothy L. Sayers ausgelesen (vorher hatte ich bei dem Roman etwa schon 50 Seiten gelesen) und fand den Krimi sehr amüsant. Dann habe ich noch mit Der Marsianer von Andy Weir begonnen und bin bis auf Seite 114 gekommen. Nach einem interessanten Einstieg bin ich nun allerdings von dem Roman nicht mehr so begeistert. Mal sehen, wie er noch wird.
Und schließlich habe ich noch etwa eine Stunde bei meinem aktuellen Hörbuch - Die Furcht des Weisen - weitergehört.

Ich habe gestern dann nicht mehr allzu lange gelesen, da ich heute langen Dienst habe (ich muss jetzt dann auch gleich los in die Arbeit) und habe dann deshalb auch am Abend kein Fazit mehr geschrieben.

Nun bin ich schon ziemlich gespannt, wer von euch das Buchstabenrätsel lösen wird. Falls heute im Laufe des Tages keine Mails eintrudeln, können Lyne und ich ja vielleicht noch einen kleinen Hinweis geben. Diesen würde ich dann am Ende des Überblicksbeitrags einfügen, also schaut vielleicht dort am Abend nochmal vorbei, falls ihr bis dahin noch ratlos seid.