Freitag, 29. August 2014

Unzusammenpassende Reihenbände oder: Die spinnt, die Neyasha

Derzeit bereite ich alles auf einen Umzug vor und das ist auch der Grund, weshalb es hier momentan etwas ruhiger ist. Ich tingle von Möbelhaus zu Möbelhaus, organisiere Kram und schwanke zwischen totaler Euphorie (hurra, ich zieh in eine Wohnung mit Balkon!) und leichter Verzagtheit angesichts des Aufgabenberges, der vor mir liegt.
Nun ja, als Vorbereitung für den Umzug habe ich heute mal wieder meine Bücher aussortiert und bin dabei zum wiederholten Male über eins der großen Ärgernisse in meinem Regal gestolpert ...


Es ist zwar eine gänzlich unwichtige Kleinigkeit, aber es macht mich ganz kirre, dass ich Heide Solveig Göttners tolle Trilogie "Die Insel der Stürme" in dieser Mischung aus Taschenbüchern und Hardcover besitze.
Wie es dazu kam? Den 1. Teil habe ich erst gekauft, als schon das Taschenbuch erschienen ist. Dann war ich beim 2. Teil aber zu ungeduldig, um zu warten, also habe ich mir das Hardcover gekauft. Da dieses auch wirklich sehr schön gestaltet ist, war mein Plan, mir den 3. Teil ebenfalls als Hardcover zu kaufen und irgendwann auch beim 1. Teil das Hardcover nachzukaufen.
Dabei habe ich allerdings meine Rechnung ohne Piper gekauft, denn: Der 3. Teil erschien nur noch als Taschenbuch.


Alles keine Tragödie, aber obwohl ich weder eine großartige Coverkäuferin bin, noch mein Bücherregal säuberlich nach Größe/Farbe oder sonstigen äußerlichen Kriterien ordne, hasse ich es, wenn bei Reihen die einzelnen Bände nicht zusammenpassen. Ich habe sogar schon merhmals überlegt, mir vom 2. Teil das Taschenbuch zu kaufen und zu sehen, ob ich dafür mein Hardcover irgendwie loswerde. 
Das scheitert aber einerseits daran, dass ich kaum Anbieter finde, die das (vergriffene) Taschenbuch zu einem brauchbaren Preis nach Österreich schicken und andererseits auch daran, dass ich mich - mit etwas Vernunft betrachtet - frage, ob ich nun völlig bekloppt bin. 
Ist es denn nicht völlig egal, in welcher Kombination ich nun diese Trilogie bei mir im Regal stehen habe? Schließlich ändert das ja nichts am Inhalt!

Wie geht es euch mit Reihen, bei denen die einzelnen Bände nicht zusammenpassen? Stört euch das auch oder spielt das für euch keine Rolle? Denkt ihr, dass ich vollkommen spinne oder würdet ihr euch an meiner Stelle lieber früher als später den 2. Band als Taschenbuch besorgen?
Es würde mich wirklich interessieren, ob das eine persönliche Macke von mir ist oder eher eine typische Eigenheit von bibliophilen Menschen. ;-)

Donnerstag, 28. August 2014

[Kurzrezensionen] Von Träumen, walisischen Königen und Operndiven

Kerstin Gier - Silber. Das 1. Buch der Träume

Wieder einmal heißt es für Liv und ihre Schwester umziehen - dieses Mal nach London, wo ihre Mutter sich in den Vater von zwei Kindern verliebt hat. Liv ist von ihrer neuen Familie nicht besonders angetan, aber dann wird sie von ihrem Stiefbruder und seinen Freunden in einen seltsamen Pakt und ebenso seltsame Träume mit hineingezogen.
Ich fand Giers "Edelstein"-Trilogie sehr nett zu lesen, aber für "Silber" kam ich mir gefühlte 100 Jahre zu alt vor. Setting und Figuren erinnern an einen amerikanischen High School-Film und so kam mir dann auch der Rest des Romans vor: teilweise unterhaltsam, sehr einfach zu lesen, aber auch absolut oberflächlich und klischeehaft. Die Figuren wirken für ihr Alter sehr kindisch und unreif und dementsprechend habe ich auch das Gefühl, dass das Zielgruppenalter deutlich unter dem der "Edelstein"-Trilogie liegt.
Die Liebesgeschichte entwickelt sich außerdem sehr sprunghaft und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Liv in den späteren Bänden eigentlich mit einem ganz anderen Jungen zusammenkommen soll. Ob das stimmt, werde ich vermutlich nicht mehr herausfinden, da ich nicht vorhabe, weitere Bände der Trilogie zu lesen.
Ganz daneben fand ich übrigens, wie in dem "Tittletattle-Blog" über eine mollige Mitschülerin gelästert wird - und zwar, ohne dass das jemals auch kritisch thematisiert wird.
2 von 5 Sternchen


Maggie Stiefvater - The Raven Boys

Blue stammt aus einer Familie, in der alle hellseherische Fähigkeiten haben - nur sie selbst nicht, bis sie in einer besonderen Nacht eine Begegnung der etwas anderen Art hat. Dadurch lernt sie Gansey und seine Freunde, die "Raven Boys", kennen, die auf der Suche nach dem Grab eines sagenumwobenen Königs sind.
Ich habe diesen Roman bereits vor ein paar Monaten gelesen und gar nicht vorgehabt, noch eine Rezension zu schreiben, bis er mir durch "Silber" wieder ins Gedächtnis gerufen wurde und zwar deshalb, weil ich die Konstellation - ein Mädchen und vier Jungs, die mit dem Übernatürlichen in Berührung kommen - ein bisschen ähnlich fand. Damit hören aber die Parallelen schon wieder auf, alleine deshalb, weil Stiefvaters Roman von Klischees und Oberflächlichkeit weit entfernt ist. Er enthält interessante und lebensechte Figuren, deren Probleme einem wirklich zu Herzen gehen und toll beschriebene Beziehungen (sowohl freundschaftliche als auch romantische) zwischen diesen Figuren. Auch die Handlung ist spannend und kann einige wirklich originelle Themen bieten. Von dem etwas banal klingenden Klappentext sollte man sich hier auf keinen Fall abschrecken lassen.
Trotzdem konnte der Roman mich nicht vollends überzeugen und es fällt mir schwer zu sagen, weshalb nicht. Vielleicht lag es daran, dass ich ihn stellenweise etwas verwirrend fand und für mich die Spannung zum Ende hin ein wenig nachließ.
Dennoch ein lesenswerter Trilogie-Auftakt, der ordentlich frischen Wind in die Jugendliteratur bringt.
4 von 5 Sternchen


Carmen Iarrera - Mord in der Scala

Ausgerechnet vor der Eröffnungspremiere stürzt der künstlerische Leiter der Mailänder Scala vom obersten Rang des Opernhauses und es scheint sich nicht um einen Unfall zu handeln. Staatsanwalt Ruggero Solara, der eben erst aus Rom hierher versetzt wurde, merkt bald, dass er hier mit seinen Ermittlungen in ein wahres Wespennest stößt.
Dieser Roman war mein zweites "Zufallsbuch", dieses Mal mit den Vorgaben: ein Krimi von einer Autorin, deren Name mit "I" beginnt. Die Auswahl war nicht besonders groß, aber eine Krimi mit der Scala als Schauplatz hat mich auch sofort gereizt.
Über weite Strecken ist "Mord in der Scala" auch tatsächlich ein solider, gut zu lesender Krimi. Ruggero Solara ist ein sympathischer Protagonist und das Tempo des Romans ist auf eine ähnliche Weise gemächlich wie etwa die Miss Marple-Krimis. Die Scala schafft tatsächlich ein sehr schönes Umfeld, auch wenn mir die Beschreibungen von Iarrera stellenweise etwas gezwungen vorkamen - so, als wollte sie noch rasch unterbringen, was sie alles darüber recherchiert hat.
Was mir dann leider nicht mehr so gut gefallen hat, war das Ende des Romans. Die Art und Weise, wie Solara hier mit einem "Köder" den Mörder fassen will, kam mir sehr unglaubwürdig und schockierend leichtsinnig vor, zumal auch wenig versucht wurde, um den Mörder ganz konventionell zu überführen. Außerdem kann ich in einem Krimi herzlich gern auf ein halboffenes Ende verzichten. In der Hinsicht kam ich mir wirklich ein wenig veralbert vor und wusste nicht, weshalb die Autorin das so gelöst hatte.
Alles in allem war dann mein Gesamteindruck doch eher durchwachsen, daher 3 von 5 Sternchen.

Donnerstag, 21. August 2014

Stieg Larsson - Verdammnis



Genre: Krimi
Dauer: 10 Stunden 10 Minuten (gekürzte Lesung)
gelesen von: Dietmar Bär
Verlag: Random House Audio
ISBN: 978-3837100419
Meine Bewertung: 2,5 von 5 Sternchen


Ein Journalist tritt an die Zeitschrift "Millennium" mit einer großen Enthüllungsstory über Mädchenhandel und Prostitution in Schweden heran. Obwohl Mikael Blomkvist schnell klar wird, dass sie damit einigen Mächtigen ordentlich auf die Zehen treten werden, möchte er die aufsehenerregende Story veröffentlichen. Doch noch im Zuge der Recherchen kommt es zu zwei Morden.
Es stellt sich heraus, dass es Verbindungen zu Lisbeth und ihrer Vergangenheit gibt - und bald gilt sie als Hauptverdächtige.

Nachdem mich Verblendung so begeistert hat, habe ich mich sehr auf die Folgebände der Trilogie gefreut, aber leider konnte mich "Verdammnis" ganz und gar nicht überzeugen. Die Handlung kommt nur quälend langsam in Gang, ständig werden völlig banale Vorgänge beschrieben (nach dem Motto "Er machte sich einen Kaffee, danach ging er duschen und anschließend legte er sich schlafen") und dazwischen bleibt auch immer noch Raum für eifriges Product Placement. Ich musste aufpassen, dass meine Gedanken nicht abschweiften - und dabei war das schon die gekürzte Hörbuchfassung!

Als dann der eigentliche Fall endlich in Gang kam, konnte mich auch dieser leider nicht überzeugen. Ich muss zugeben, dass Krimis, bei denen die Protagonisten zu tief in den Kriminalfall verstrickt sind, oft nicht mein Fall sind und so war es auch hier. Das ist wohl in erster Linie reine Geschmacksache, aber abgesehen davon gibt es auch kaum spannende Ermittlungen und Erkenntnisse. Meistens läuft es daraus hinaus, dass Lisbeth sich irgendwo (mühelos) einhackt und somit an die Informationen gelangt. Das war für mich gar kein Vergleich zum 1. Band, bei dem mich der Krimiplot mitsamt den Ermittlungen wirklich überzeugt hat.

Apropos Lisbeth: Neben ihren Hackerfähigkeiten wird sie auch sonst zur absoluten Superfrau. Sie weiß alles, kann alles, knackt alle Computer und Sicherheitssysteme, ist dank der Geschehnisse von Band 1 superreich (und hat dank des Geldes nun auch größere Brüste - schön, dass wir das geklärt hätten) und die Menschen ihrer Umgebung teilen sich in zwei Lager auf:
1. Die Guten, die bedingungslos zu Lisbeth halten, an ihre Unschuld glauben (oder zumindest stark an ihrer Schuld zweifeln) und sie für toll halten.
2. Die Bösen, die sie für eine psychopathische Mörderin und/oder Schlampe und/oder dumm halten und selbst entweder ordentlich Dreck am Stecken haben oder sich zumindest als frauenverachtende Idioten entpuppen.
Das war mir nicht nur zu schwarz-weiß gezeichnet, sondern auch nicht ganz nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Lisbeth kein ganz einfacher Mensch ist. Da wäre es durchaus glaubwürdig gewesen, wenn sie auch mal bei Sympathieträgern anecken würde.
Letztendlich hat das alles dazugeführt, dass mich praktisch alles, was mit Lisbeth zu tun hatte, nur noch genervt hat und ich sie auch als Figur nicht mehr besonders mochte (was mich jetzt wohl zur Bösen macht ;-)).

Das beutetet nicht, dass "Verdammnis" nicht doch auch streckenweise sehr spannend ist. Auch den Schreibstil von Stieg Larsson finde ich (abgesehen von einer gewissen Ausschweifigkeit) sehr angenehm. Dennoch hat mich der Roman großteils enttäuscht und ich habe keine Lust mehr auf den 3. Band, obwohl der 2. mit einem absoluten Cliffhanger und praktisch mitten in der Handlung endet.
Da ich mir aber nach dem absolut gelungenen "Verblendung" schon euphorisch die schwedische Verfilmung der gesamten Trilogie gekauft habe, werde ich mir ganz frevlerisch für das Ende nur noch die Filme ansehen.

Sonntag, 17. August 2014

Buchstabengeplauder #14

Buchgeplauder

In den letzten Wochen war das Lesen bei mir die reinste Berg- und Talbahn: grandiose Bücher haben sich mit solchen abgewechselt, die mich sehr enttäuscht haben. So gab es für mich mit Jenseits von Eden und Amy & Roger's Epic Detour zwei echte Highlights, während mich der 1. Band von Silber von Kerstin Gier sowie Verdammnis von Stieg Larsson gar nicht überzeugen konnten. Irgendwo mittendrin lag für mich mein Zufallsbuch Mord in der Scala von Carmen Iarrera, das zwar über weite Strecken solide Krimihandlung bieten konnte, leider aber auch gravierende Schwächen hatte.
Alle diese Bücher werde ich noch rezensieren - vielleicht aber eher zusammengefasst in Kurzrezensionen.

Aktuell habe ich Verteidigung der Missionarsstellung ausgelesen und kann erst einmal nur sagen, dass das ein wirklich schräges Buch ist. Man weiß ja, dass Wolf Haas immer ein wenig abseits vom Strom schwimmt, aber dieser Roman ist wirklich seltsam. *g* Eher gut seltsam als schlecht seltsam - immerhin, aber trotzdem kein wirkliches Highlight.

Als Hörbuch habe ich außerdem gerade mit einem Reread begonnen (oder ist das dann ein Rehear?) und zwar Pompeji von Robert Harris, das ich zwar auch schon als Taschenbuch im Regal stehen habe, das es aber vor einer Weile sehr günstig bei Audible gab und da musste ich glatt zugreifen. Ich glaube, ich lese diesen Roman sogar schon zum dritten Mal, kann mich aber kaum noch an Details erinnern. Schon die ersten zwei Stunden haben mir aber wieder richtig gut gefallen. Mit einem Wasserbaumeister, der das rätselhafte Versiegen der Aqua Claudia untersuchen soll, bietet Harris hier einen sehr interessanten und ungewöhnlichen Blick auf den Vulkanausbruch.

SuB-Geplauder

Es gibt außerdem Zuwachs auf meinem ebook-SuB. Von meinem Geburtstag hatte ich noch einen Thalia-Gutschein übrig, von dem ich mir nun Lilach Mers Winterkind und Marina Boos' Nacht der Geparden gegönnt habe. Bei beiden Romanen habe ich einige Zeit gewartet, ob es sie nicht vielleicht noch in der Städtischen Bücherei geben wird, aber nun habe ich aufgegeben. Immerhin liegen beide auch schon sehr lange auf meiner Wunschliste.
Damit ist mein SuB nun doch mal wieder etwas gewachsen, aber derzeit habe ich das Gefühl, dass ich auch gerade einigermaßen viel zum Lesen komme - was mich selbst erstaunt, da ich eigentlich gerade sehr viele Dienste habe. Aber ihr wisst ja, wenn bei mir in der Arbeit tote Hose herrscht, komme ich manchmal zum Lesen und gerade an diesem Wochenende herrschte (trotz einigem Herumärgern) sowas von tote Hose - verlassene Westernstadt nichts dagegen. Ich habe schon darauf gewartet, dass die Grasbüschel durchgerollt kommen.

Schreibgeplauder

Jaaa, tatsächlich, es gibt Schreibgeplauder! Mit einer lieben Kollegin aus dem Tintenzirkel habe ich nämlich das Vorhaben gestartet, jeden Tag wenigstens 25 Minuten (das entspricht einer Pomodoro-Einheit) am Roman zu arbeiten - sei es nun schreiben, überarbeiten oder plotten. Das ist nicht die Welt, aber besser als nichts und einige Male sind es auch schon 3x25 Minuten geworden.
Leider ist das aktuelle Projekt noch immer Bühnenrätsel, aber immerhin kommt allmählich Licht in meinen Kriminalfall und ich habe die große Hoffnung, dass ich noch rechtzeitig mit der Rohfassung fertig werde, um endlich einmal wieder beim NaNo mitmachen zu können.


Das war zur Abwechslung sogar mal wieder einiges an Buchstabengeplauder, was mich natürlich freut, da ich bisher in diesem Jahr sonst ja vergleichsweise eher wenig gelesen und geschrieben habe.
Nun lasse ich noch gemütlich den Feierabend ausklingen, freue mich auf meinen freien Tag morgen und den geplanten Kinobesuch mit Lyne (Saphirblau steht auf dem Programm) und wünsche euch noch einen schönen Sonntagabend!

Samstag, 16. August 2014

Morgan Matson - Amy & Roger's Epic Detour


Genre: Jugendbuch, Road Novel
Seiten: 368
Verlag: Simon & Schuster UK
ISBN: 978-0857072696
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen




Nach dem Unfalltod ihres Vaters weigert Amy sich, hinter das Steuer eines Autos zu setzen. Wie soll nun aber das Auto von Kalifornien quer durch das Land an die Ostküste gebracht werden, wo ihre Mutter bereits in das neue Haus vorausgezogen ist? Ein Glück, dass Roger, ein alter Freund der Familie, ebenfalls an die Ostküste gelangen muss - und noch viel mehr Glück, dass er von der Route, die Amys Mutter bis ins kleinste Detail vorausgeplant hat, ebenso wenig hält wie Amy. Spontan entschließen die beiden sich zu einem kleinen Umweg, der zu einem immer größeren wird und sie beide dazu bringt, sich den Geistern ihrer Vergangenheit zu stellen.

Ich bin auf dieses Buch durch reinen Zufall aufmerksam geworden und da es nach einer locker-leichten Sommerlektüre klang, habe ich spontan das ebook gekauft. Ein Kauf, den ich keine Sekunde bereut habe! Denn "Amy & Roger's Epic Detour" ist viel mehr als nur eine leichte Sommerlektüre. Es ist ein stellenweise sehr trauriges Buch, das den plötzlichen Tod eines Elternteils und alle damit verbundenen Schwierigkeiten thematisiert. Die Fahrt durch das Land zwingt Amy dazu, aus dem Schneckenhaus, in das sie sich verkrochen hat, herauszukommen und sich all den Erinnerungen zu stellen, die sie bisher verdrängt hat.
Und auch Roger trägt so einige Probleme mit sich herum, vor denen er nicht länger davonlaufen kann.

Somit wird die Reise auch zu einer inneren Reise, die Amy und Roger ein ganzes Stück voranbringt. Ihre Entwicklung verläuft dabei langsam und stets realistisch und manchmal bedeuten zwei Schritte vorwärts auch wieder einen Schritt zurück. Morgan Matson schildert das so sensibel, dass ich jederzeit mit Amy mitfühlen konnte. Da man den gesamten Roman aus ihrer Perspektive liest, ist man ihr näher als Roger, aber auch er ist eine überzeugende, dreidimensionale Figur.

Bei all den ernsten Themen und traurigen Szenen behält der Roman aber doch auch immer eine gewisse Leichtigkeit und hat auch einige humorvolle Szenen zu bieten. Mit Amy und Roger unterwegs zu sein, macht einfach Freude. Es ist schön zu sehen, wie sie beide innerlich reifen und Amy allmählich auftaut, aber es ist auch schön, gemeinsam mit ihnen eine ganze Reihe von amerikanischen Bundesstaaten kennenzulernen.
Ich muss gestehen, dass mich die USA als Reiseziel nie gereizt haben, aber dieser Roman hat mir tatsächlich Lust auf das Land gemacht. Es ist einmal ein ganz anderes Amerika als immer nur New York oder Los Angeles, das einem die Autorin da präseniert - vom Yosemite National Park über die einsamste Straße von Amerika, durch Kansas und die Welt der Reichen in Kentucky bis hin nach Philadelphia. Die Beschreibungen von Morgan Matson machen derartig Lust auf mehr, dass ich am liebsten die gesamte Route einmal nachfahren würde.
Eine wichtige Rolle spielen auch all die Menschen, denen die zwei unterwegs begegnen - und das Essen. Mir ist beim Lesen mehrmals dermaßen das Wasser im Mund zusammengelaufen, dass ich das Essen am liebsten aus dem Buch herausgeholt hätte. ;-)

Abgerundet wird das ganze noch durch durch Amys Reise-Scrapbook, das sie unterwegs anlegt und dessen Seiten Eingang in den Roman finden: Playlists, Rechnungen, Fotos, Karten, Skizzen, usw. Gedruckt kommt das vermutlich noch deutlich besser zur Geltung als auf dem ebook-Reader.

Schließlich enthält der Roman auch noch eine sehr zarte Liebesgeschichte, die nie besonders in den Vordergrund rückt. Es hätte nicht unbedingt Liebe sein müssen - der Roman hätte meiner Meinung nach auch sehr gut mit einer reinen Freundschaft funktioniert, aber da die Romantik großteils eher unterschwellig vorhanden ist, stört das auch keineswegs. Noch dazu ist das Ende des Buches auch (und nicht nur) in dieser Hinsicht sehr gut gelungen.

Erwartet habe ich mir von "Amy & Roger's Epic Detour" ein nettes Sommerbuch, das man mal eben so weglesen kann. Bekommen habe ich eines meiner Lesehighlights dieses Jahres. Überzeugende, liebenswerte Figuren, ein gewisser Wohlfühlfaktor trotz ernster Thematik und tolle Reisebeschreibungen, die mir ganz fürchterliches Fernweh beschert haben, ergeben eine rundum gelungene Mischung. Sehr empfehlenswert!

Mittwoch, 13. August 2014

[Challenge] Ein Jahr mit Brandon Sanderson

Ich kann es mir schon wieder nicht verkneifen, an einer neuen Challenge teilzunehmen:


Elena von den Leseträumen und Crini von All About Books laden zu einer Langzeitleserunde mit den Büchern von Brandon Sanderson ein. Es soll Leseabende geben, vielleicht auch gemeinsame Leserunden und hoffentlich viel Austausch über Sandersons Bücher. Erfolgreich teilgenommen hat man, wenn man mindestens drei Bücher gelesen und rezensiert hat. Genaueres erfahrt ihr auch auf den jeweiligen Challengeseiten hier und hier.

Ich wollte schon länger etwas von Sanderson lesen, da er mir immer wieder ans Herz gelegt wird, aber bisher hat es noch nie gepasst. Zudem reizt mich am meisten "The Stormlight Archive", aber da frage ich mich, ob ich nicht lieber warte, bis mehr Bände erschienen sind. 
Ich denke also, dass ich als Einstieg mal lieber eines seiner Einzelwerke lesen möchte - "Elantris" oder "Warbreaker", die es erfreulicherweise auch in der Wiener Onleihe gibt, wenn auch nur in der deutschen Übersetzung. Wenn mir diese Bücher gefallen, wage ich mich vielleicht auch mal an eine seiner Serien. Auch seine Jugendbuchreihe "Alcatraz" reizt mich - die klingt erfrischend anders.
Auswahl gibt es auf jeden Fall genug und ich hoffe auf einen schönen Austausch mit anderen Lesern.

Meine Leseliste
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Freitag, 8. August 2014

Die Sache mit den Serien - in nackten Zahlen

Vor ein paar Tagen hat Tina von reading tidbits eine Übersicht über ihre begonnen und beendeten Buchreihen gepostet. Daraufhin habe ich - als alter Listenfan, ihr kennt das ja schon von mir - auch begonnen, eine solche Übersicht zu erstellen.

Eine so schöne Grafik mit der prozentualen Verteilung gibt es bei mir zwar nicht, aber ich habe mir von Tina die Idee mit einer tabellarischen Übersicht geklaut. Somit habe ich eine vollständige Auflistung mit allen meinen Serien seit 2004 (damals habe ich mit meinen Leselisten begonnen) erstellt - in erster Linie für mich, aber wer es genau wissen will, kann sich hier die Liste ansehen, die somit deutlich über meine oben verlinkte Serienübersicht hinausgeht.

In den letzten 10 Jahren habe ich 67 Buchserien angefangen (bzw. weitergelesen) - das ist für einen so langen Zeitraum gar nicht mal so viel. Mit eingerechnet habe ich alle Bücher mit zusammenhängenden Fortsetzungen - auch, wenn es insgesamt lediglich zwei Bände sind. Weggelassen habe ich dagegen lange Krimireihen, bei denen ich nie vorhatte, alle Bände von vorne bis hinten zu lesen (z.B. von Arnaldur Indridason und Elizabeth Peters).

Und hier einmal die nackten Zahlen:

Serien insgesamt: 67
davon beendet: 24 (35,8 %)
davon abgebrochen: 24 (35,8 %)
noch offen: 19 (28,4 %)

Von den 19 offenen Reihen könnte ich bei 14 immerhin sofort weiterlesen, wenn ich wollte. Bei 5 hingegen warte ich auf weitere Bände, wobei ich mir zumindest bei einer - der Elbensang-Trilogie von Daniela Knor - wohl keine Hoffnungen mehr machen brauche, da der Piper-Verlag die Trilogie vor Erscheinen des 3. Bandes abgesägt hat. Ja, das ist ein toller Umgang mit Lesern ...
Die Camolud-Chronik von Jack Whyte hätte ich damals auch gern weitergelesen, wenn es in der Bücherei weitere Bände gegeben hätte. Leider wurde nur der 1. Band auf Deutsch übersetzt und da ich mir die weiteren Bände dann nicht alle auf Englisch kaufen wollte, habe ich die Serie eher unfreiwillig abgebrochen.

Was mich an meiner Übersicht fasziniert hat: Ich hatte etwa um 2009/2010 herum eine Phase, in der ich sehr viele Serien vollständig gelesen habe, während ich in den Jahren 2011/2012 so gut wie keine Serien beendet habe. Der Wechsel zwischen diesen beiden Phasen (in der Liste etwa um die Nr. 38 - Grim - herum) fällt fast genau mit dem Beginn meines Blogs zusammen, was vermutlich kein Zufall ist. Damals habe ich nämlich viele Serien begonnen, die auf anderen Bücherblogs in aller Munde waren - mehr, weil sie überall präsent waren und weniger, weil sie mich wirklich interessierten. Darunter fallen Grim, Alterra, Splitterherz, Trix Solier, Matched und Im Labyrinth, die ich alle abgebrochen habe. 
Dazu kam, dass mir mein SuB, seit ich ihn für den Blog erstmals aufgelistet habe, ziemlich im Nacken saß. Er war damals mind. dreimal so umfangreich wie heute und es hatte mich ziemlich schockiert, schwarz auf weiß zu sehen, wie viele ungelesene Bücher ich besaß.
Das führte dazu, dass ich einige Serien nicht weiterlas, weil ich dachte, ich müsste doch statt weiteren neuen Bänden lieber mehr Bücher von meinem SuB lesen.
Wenn ich jetzt darüber nachdenke, habe ich das Gefühl, dass in meiner Anfangszeit des Bloggens das Lesen ein bisschen in Stress ausgeartet ist. Dagegen kämpfe ich bis jetzt an, obwohl sich das gerade in diesem Jahr wieder deutlich entspannt hat. 

Was ich mir (abgesehen von weiterhin möglichst wenig Druck beim Lesen) wünschen würde, wäre ein zeitnahes Weiterlesen von Serien. Ich merke, wie ich etwa bei Acacia schon wieder vieles vergesse und mir den Abschlussband von Das Tal gleich sparen kann, wenn ich ihn nicht endlich mal lese.
Gerade bei Percy Jackson habe ich wieder gemerkt, wie angenehm es ist, alle Bände einer Serie relativ knapp hintereinander zu lesen und deshalb wundere ich mich immer selbst darüber, weshalb ich manche Serien so lange "offen" lasse.

Wie ist es bei euch? Könnt ihr bei eurem Umgang mit Buchserien eine Veränderung feststellen, seit ihr mit dem Bloggen begonnen habt? Habt ihr seither vielleicht auch mehr Serien begonnen und abgebrochen? Und wie viele Serien könnt ihr offen haben, ehe ihr das Gefühl habt, dass euch das zuviel wird?

Dienstag, 5. August 2014

Susanne Klingner - Hab ich selbst gemacht: 365 Tage, 2 Hände, 66 Projekte


Genre: Sachbuch, Erfahrungsbericht
Seiten: 336
Verlag: KiWi-Taschenbuch
ISBN: 978-3462042856
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

Sachbuch-Challenge


Die Journalistin Susanne Klingner fasst einen folgenschweren Neujahrsvorsatz: Sie möchte ein Jahr lang alles, was möglich ist, selbst machen, angefangen von Brot über Seife bis hin zu Kleidung. Dabei versucht sie auch dem neuen Trend des Selbermachens ein wenig auf den Grund zu gehen und herauszufinden, was es denn ist, das die Menschen daran begeistert.

"Hab ich selbst gemacht" ist ein locker-flockig geschriebenes Buch, das sich praktisch wie nichts wegliest. Susanne Klingner schreibt auf eine sympathische Art über ihre Erfahrungen und Experimente und schildert auch sehr ehrlich, wenn etwas misslingt. Ein Jahr lang heißt es für sie also Backen, Stricken, Nähen und Handwerken, was das Zeug hält und dabei schreckt sie auch vor eher ungewöhnlichen Experimenten nicht zurück: So stellt sie bei einem Workshop Schuhe her, lässt sich beibringen, wie man Käse macht und mischt sich ihre eigene Zahnpasta zusammen.
Das alles ist sehr unterhaltsam zu lesen und macht einem auch selbst Lust, einfach mal ein paar mehr Dinge auszuprobieren. Besonders sympathisch fand ich die spontane Losleg-Mentalität von Susanne Klingner, besonders wenn sie sich auf ganz unbekanntes Terrain begibt. Sie verschweigt auch nicht, dass ihr das Selbermachen zwischendurch ordentlich auf den Keks ging und die Ergebnisse nicht immer so waren wie erhofft.

Zwischendurch philosophiert sie auch ein wenig über das Selbermachen allgemein, über diesen Wunsch, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen, anstatt es einfach zu kaufen und über das Glücksgefühl, das dabei entsteht. Insgesamt bleiben diese Passagen (wenn sie etwa auch eine Bloggerin interviewt und den Trend in Amerika unter die Lupe nimmt) aber sehr an der Oberfläche und nehmen auch nur einen kleinen Raum ein - da hätte ich von einer freien Journalistin ein bisschen mehr erwartet.
Ich finde es auch sehr schade, dass in dem Buch keine Fotos enthalten sind. Wenn man das Buch liest und bei so manchen Projekten auch nahezu mitfiebert, würde man schon gerne sehen, was Susanne Klingner da so alles gemacht hat. Besonders die Schuhe und ihr "kleines Schwarzes" konnte ich mir ohne Bilder nicht wirklich vorstellen - ich habe aber später immerhin noch herausgefunden, dass es sich bei dem Kleid um diesen Schnitt hier handelt.

Sehr spaßig geschildert sind teilweise die Reaktionen ihres Umfelds, die mich beim Lesen oft zum Schmunzeln gebracht haben. Den Widerwillen ihres Mannes und die im Gegensatz dazu große Begeisterung ihrer Schwiegermutter stellt Klingner sehr humorvoll und lebhaft dar.

Fazit: Ein Buch, das amüsant zu lesen ist und das Inspiration für eigene Projekte liefert. Es ist ein Erfahrungsbericht und kein Bastelbuch, sprich: man darf sich darin zwar keine großartigen Anleitungen erwarten. Am Ende gibt es aber eine umfangreiche Linksammlung und zwischendrin ist auch immer mal wieder ein Rezept eingestreut. Ich hätte mir nur gewünscht, dass Klingner mit ihren Überlegungen ein bisschen mehr in die Tiefe geht und man auch Fotos von ihren selbstgemachten Sachen zu sehen bekommt.

Samstag, 2. August 2014

[2. 8. 2014] Lesesamstag

Ich habe gerade gefrühstückt und bin dann bereit, mit dem Lesen zu beginnen. Wie immer werde ich den Beitrag hier im Laufe des Tages aktualisieren. Die Liste, wer sonst noch mitliest, findet ihr hier. Wer sich heute noch spontan entscheidet mitzulesen, kommt natürlich auch noch auf die Liste.

Da das Wetter heute ausnahmsweise einmal nicht nach Gewittern aussieht, werde ich später sicher in den Park gehen, um dort ein wenig zu lesen. Da ich morgen einen 10-Stunden-Dienst habe, will ich schließlich nicht heute auch den ganzen Tag drinnen hocken.

Und hier sind mal meine Bücher - ich bin noch ziemlich untentschlossen:


Perfect habe ich schon am Anfang der Woche begonnen, habe aber noch nicht wirklich reingefunden. Außerdem habe ich noch Verdammnis als Hörbuch hier und Arm und reich wäre mein nächstes Sachbuch für die Challenge. Und da ich noch Gutscheine von meinem Geburtstag übrig hab, überlege ich, mir spontan noch Amy&Roger's Epic Detour auf meinen Reader zu laden, da das ein richtig nettes Sommerbuch zu sein scheint.

Es ist also genug Auswahl vorhanden. Und, was wollt ihr heute lesen?

Update um 11:00
Ich habe mir Amy&Roger's Epic Detour gegönnt und gleich mal damit begonnen. Bis jetzt gefällt es mir gut, ich befürchte nur, dass der Roadtrip darin zu fürchterlichem Fernweh bei mir führen wird (zumal ich in den letzten Jahr auch so gut wie nie im Urlaub war).
Für einen kleinen "Kurzurlaub" schnappe ich mir jetzt mal meinen Lesestoff, packe mir ein kleines Picknick ein und mache mich auf in den Park.

Update um 15:00
Im Park war es sehr angenehm - die Luft ist heute nicht ganz so schwül wie an den letzten Tagen und mit Temperaturen an die 30 Grad herrscht auch keine schlimme, hochsommerliche Hitze. Vorerst bin ich aber jetzt doch wieder zurück in meine Wohnung gefahren - vielleicht mach ich mich später nochmal auf in den Park.
Amy&Roger's Epic Detour gefällt mir immer besser, am liebsten würde ich auch gleich aufbrechen und irgendwohin fahren. Ich wage aber zu bezweifeln, dass eine Fahrt mit der Straßenbahn durch Wien einen adäquaten Roadtrip darstellen würde ...
Jetzt muss ich erst mal diversen Kram erledigen und werde vielleicht auch mal ein wenig knüpfen und dabei Hörbuch horchen.


Update um 18:30
Ich wundere mich bei Lesetagen immer, wo eigentlich die Zeit geblieben ist. Wirklich viel habe ich heute nicht gemacht und trotzdem bin ich auch beim Buch noch nicht so viel weitergekommen. Also wie konnten sich da schon wieder so viele Stunden davonstehlen??
Nun ja, ich bin jetzt bei Amy&Roger's Epic Detour fast bei der Hälfte und mag das Buch noch immer sehr. Im Internet habe ich auch eine praktische Karte mit der Route gefunden, was sehr hilfreich ist, wenn man - so wie ich - die Weststaaten nur so ungefähr im Kopf hat.
Jetzt muss ich aber erst einmal fürs Kochen unterbrechen, damit ich heute ein Abend- und morgen in der Arbeit ein Mittagessen habe.
Und wie läufts bei euch so? Ist euch die Zeit auch so davongerast?

Update um kurz vor Mitternacht
So, ich werde jetzt mal ins Bett verschwinden. Ich habe noch ein wenig an Verdammnis weitergehorcht und ein bisschen an Perfect weitergelesen.
Obwohl ich (seitenmäßig) nicht sehr viel geschafft habe, war das heute ein sehr schöner Lesetag mit einem Buch, das mir bisher sehr viel Freude bereitet hat. Falls es morgen in der Arbeit ruhig ist, kann ich dort vielleicht ein wenig an Amy&Roger's Epic Detour weiterlesen.

Danke nochmal für das gemütliche gemeinsame Lesen! Ich hoffe, ihr hattet ebenfalls ein paar schöne Lesestunden!

Freitag, 1. August 2014

John Steinbeck - Jenseits von Eden


Genre: Familiensaga, Klassiker
Seiten: 683
Verlag: Buchgemeinschaft Donauland
ISBN: 978-3423108102 (der aktuellen Taschenbuchausgabe; in meiner Ausgabe von 1953 ist keine zu finden)
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

Ein Jahr mit Nobelpreisträgern

Kalifornien im ausgehenden 19. Jahrhundert: Adam Trask zieht nach Konflikten mit seinem Bruder Charles und einigen ereignisreichen Jahren auf eine Farm im Salinas Valley. Zusammen mit seiner Frau Cathy und unterstützt von dem chinesischen Diener Lee möchte er sich hier sein eigenes kleines Paradies erschaffen. Immer wieder kreuzt sich sein Leben mit dem des irischen Farmers Samuel Hamilton, der mit seinen zahlreichen Kindern ein karges Stück Land bewirtschaftet.
Über mehrere Jahrzehnte hinweg verfolgt John Steinbeck die wechselhafte Geschichte dieser beiden Familien.

Jahrelang habe ich diesen Roman im Bücherregal meiner Mutter ignoriert, da ich damit immer nur einen Film mit James Dean in Verbindung gebracht habe, bei dem mich die paar Ausschnitte, die ich davon kannte, nicht überzeugt haben. Als ich nun im Zuge meiner Nobelpreis-Challenge zu dem Buch gegriffen habe, war ich also skeptisch, aber schon in den ersten Kapiteln konnte Steinbeck mich überzeugen.
Es handelt sich bei "Jenseits von Eden" um eine groß angelegte Familiensaga, die angelehnt an die Geschichte von Kain und Abel die wechselhafte Beziehung zwischen zwei Brüdern in gleich zwei Generationen (zuerst Adam und Charles, dann Adams Söhne Aron und Caleb) schildert. Das und die Frage, wie weit die Entscheidung eines Menschen für das "Gute" oder das "Böse" vorherbestimmt ist, sind die zentralen Themen des Romans.
Abgesehen von diesem philosphischen Leitthema, das in mehreren Gesprächen des Romans diskutiert wird, geht es aber vor allem um großartige Einzelschicksale, die mehr oder weniger stark verknüpft werden.

Dabei schafft Steinbeck das Kunststück, jede einzelne Figur in diesem umfangreichen Werk interessant und glaubhaft darzustellen. Sei es nun die faszinierend-furchteinflößende Cathy, der weise Lee, der etwas weltfremde Adam oder Caleb, der im ewigen Kampf mit sich selbst liegt - ich habe mit allen mitgefiebert und hätte gern noch mehr Zeit mit ihnen verbracht. Nicht zu vergessen Samuel Hamilton, der eine der klügsten, freundlichsten und wunderbarsten Figuren ist, der ich jemals in einem Roman begegnen durfte.
Mir ist das Schicksal jedes einzelnen unglaublich zu Herzen gegangen, ich habe mit all den unterschiedlichen Menschen von Salinas mitgelitten und mitgebangt und mich über die schönen Momente gefreut. Diese sind zwar nicht so zahlreich - die Grundtendenz des Romans ist eher melancholisch -, aber dennoch ist "Jenseits von Eden" keineswegs trostlos, sondern auch dank Lee voller Hoffnung und Warmherzigkeit.

Gestört hat mich an "Jenseits von Eden" nur, dass es zu kurz ist, denn die Familie Hamilton verschwindet zum Ende hin quasi ins Nichts und dabei hätte ich doch so gern erfahren, wie es den übrigen Familienmitgliedern ergangen und was aus ihrer Farm geworden ist. Allgemein ist die Verknüpfung zwischen den beiden Familien recht locker und von der Freundschaft zwischen Samuel, Lee und Adam einmal abgesehen, gibt es auch sehr wenig Berührungspunkte. Vermutlich ist das mit ein Grund, weshalb die Hamiltons irgendwann keine Rolle mehr spielen.
Es handelt sich bei ihnen übrigens um John Steinbecks eigene Familie mütterlicherseits - wie weit es sich hier tatsächlich um autobiografische Elemente und wie weit um dichterische Freiheit handelt, ist mir allerdings nicht bekannt.

Abschließend bleibt mir nur zur sagen, dass "Jenseits von Eden" eines der wundervollsten Bücher ist, das ich jemals gelesen habe. Es ist vollgepackt mit vielschichtigen Figuren, die sich weiterentwickeln und stets neue Facetten offenbaren, mit klugen Gesprächen, die einen selbst zum Nachdenken anregen und hat zudem auch noch eine spannende Handlung zu bieten. Auch sprachlich ist es sehr schön zu lesen, wobei die Übersetzung von Harry Kahn stellenweise etwas antiquiert klingt.
Ich kann den Roman allen, die keine Scheu vor generationenüberspannenden Familiensagas haben, nur wärmstens ans Herz legen!


Was übrigens den berühmten Film betrifft, so glaube ich nicht, dass ich ihn mir noch anschauen werde. Er setzt erst mit der zweiten Hälfte des Romans ein und hat ausgerechnet meine Lieblinge Lee und Samuel gestrichen. Abgesehen davon macht auch alles einen etwas verkitschten und überdramatisierten Eindruck. Lieber werde ich es mit der Miniserie von 1981 versuchen - irgendwann, wenn der Roman in meinem Kopf nicht mehr so präsent ist, denn derzeit könnte für mich keine Verfilmung der Welt mit dem Buch mithalten.