Mittwoch, 11. Juni 2014

Jonas Jonasson - Die Analphabetin, die rechnen konnte



Genre: Schelmenroman
Seiten: 448
Verlag: carl's books
ISBN: 978-3570585122
Meine Bewertung: 2,5 von 5 Sternchen



Nombeko, die in Südafrika in ärmlichsten Verhältnissen aufwächst, kann zwar nicht schreiben, hat aber ein Gespür für Zahlen wie keine Zweite. Der Zufall (und mehr als nur eine skurrile Wendung) will es, dass sie als Putzfrau bei einem Atomwaffentechniker landet. Auf der anderen Seite der Welt, in Schweden, wachsen zwei Jungen heran, von denen der eine offiziell nicht existiert und der andere als einziges Ziel hat, die Monarchie zu stürzen.
Als sich die Lebenswege der drei kreuzen, wird die Sache erst so richtig kompliziert ...

Vor zwei Jahren hat mich Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand völlig begeistert und ich wünschte, ich könnte dasselbe auch von Jonassons zweitem Roman sagen. Leider kann aber der Nachfolger nicht einmal annähernd mit seinem Erstling mithalten.
Das liegt zum Teil daran, dass das Konzept nun nicht mehr neu ist: Wieder lässt Jonasson mehrere Menschen durch Zufall in aberwitzige Abenteuer und über die eine oder andere bekannte Persönlichkeit stolpern. Vielleicht hätte mir die Analphabetin also besser gefallen, wenn ich sie zuerst gelesen hätte.

Aber es ist nicht alleine das Gefühl, das alles bereits schon einmal gelesen zu haben, das mir das Vergnügen an dem Roman ein wenig geraubt hat. Die Analphabetin ist schlichtweg über weite Strecken zäh zu lesen. Zum Teil liegt das an den Figuren, die mich allesamt nicht überzeugen konnten. Nombeko ist intelligent und gewitzt, kann sich aus jeder Situation herauswinden und ist im Grunde unfehlbar. Wenn etwas schief geht (und es geht einiges schief!), dann liegt das nie an ihr, sondern an der Unfähigkeit ihrer jeweiligen Wegbegleiter. Diese wiederum sind großteils so unfähig und dumm, dass sie Nombekos Intelligenz mehr als ausgleichen. Vor allem Holger Nr. 1 und Celestine haben mich irgendwann so genervt, dass ich mir händeringend gewünscht habe, der Elefant aus dem Hundertjährigen möge sich auf sie beide draufsetzen.
Insgesamt waren mir also die Figuren zu extrem gezeichnet - entweder toll in allem oder unfähig in allem und das auf eine Art und Weise, dass sie mir eigentlich alle unsympathisch waren.
Dafür kann Jonasson mit den Nebenfiguren punkten, angefangen von den drei Chinesenmädchen über Celestines Großmutter bis hin zum schwedischen König.

Allerdings lag es nicht nur an den Figuren, dass sich in mir stellenweise gepflegte Langeweile breitmachte. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Handlung oft auf der Stelle trat und die Figuren nur von einem Fehlschlag zum nächsten stolperten, ohne voranzukommen. Zudem war mir der Roman auch einfach zu skurril und abgehoben. Ich könnte jetzt nicht einmal genau sagen, ob er tatsächlich noch verrückter ist als der Hundertjährige oder ob sich das Konzept mit der Zeit einfach ermüdet. 
Immerhin fand ich aber das letzte Viertel dann wieder grandios und wirklich zum Schießen (und das war an skurrilen Verwicklungen kaum noch zu überbieten).

Jonasson hat grandiose Einfälle, daran besteht kein Zweifel. Er hat auch einen wunderbar trockenen Schreibstil und rechnet einmal mehr auf die respektloseste Weise mit Politik und aktueller Geschichte ab. Trotzdem konnte mich der Roman ganz und gar nicht überzeugen. Er hat einige sehr schöne Ansätze und ist stellenweise sehr witzig, aber insgesamt fand ich ihn eher zäh zu lesen. Ein beherztes Kürzen (vor allem im Mittelteil) hätte ihm vermutlich gut getan. Und schließlich können auch Nombeko und die Holgers einfach nicht mit Allan mithalten, von dem ich auch am Ende des Hundertjährigen noch nicht genug hatte.

Kommentare:

  1. Nach deiner Rezension bin ich echt froh, dass ich sowieso nie das Verlangen verspürt habe, den Roman zu lesen. Ich denke, so schnell werde ich das aucht nicht tun - außer das Schicksal schlägt wieder zu und legt mir das Buch vor die Füße. Damit fordere ich es doch gleich mal heraus! :D Wenn ich das Buch lesen soll, dann findet es schon seinen Weg zu mir, und wenn nicht, auch nicht schlimm.

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    1. Ja, das ist sicher besser so. Ich war auch schon etwas skeptisch, aber da ich den Hundertjährigen so toll fand (bei dem die Meinungen ja auch auseinandergingen), dachte ich doch, dass mir auch der Nachfolger gefallen würde.

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