Dienstag, 13. Mai 2014

Guy Gavriel Kay - The Fionavar Tapestry


Genre: High Fantasy
Verlag: HarperCollins Canada
Seiten: 774
ISBN: 978-0006479505
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen




Fünf junge Menschen werden von dem Magier Loren aus ihrem Studienleben in Toronto gerissen und nach Fionavar, die Erste aller Welten, versetzt. Was zunächst wie ein seltsames, aber harmloses Abenteuer wirkt, wird schnell zu einem tödlichen Ernst, als es dem dunklen Gott Rakoth Maugrim gelingt, sich aus seiner jahrhundertelangen Gefangenschaft zu befreien. Die fünf Studenten müssen feststellen, dass sie in dem einsetzenden Krieg eine wichtige Rolle spielen werden.

"The Fionavar Tapestry" ist eine Trilogie, die aus den drei Bänden "The Summer Tree", "The Wandering Fire" und "The Darkest Road" besteht. Den 1. Band hatte ich bereits vor Jahren auf Deutsch gelesen, mehr aber nicht, da es den Folgeband leider nicht in der Bücherei gab und die deutschen Bände nur noch schwer aufzutreiben sind.
Nun, da ich endlich die ganze Trilogie gelesen habe, habe ich mir einige Male gewünscht, ich hätte sie schon damals vollständig gelesen. Denn bei "Fionavar" handelt es sich um einen Roman, der mir vor einigen Jahren sicher noch viel besser gefallen hätte als jetzt.

Es ist sehr klassische High Fantasy und leider musste ich feststellen, dass das inzwischen nicht mehr so ganz mein Fall ist. "Fionavar" unterscheidet sich wirklich grundlegend von Kays späteren Romanen und hat deutliche Anleihen an "Herr der Ringe". Das ist jetzt noch nicht einmal negativ gemeint: Anders als viele andere "Erben Tolkiens", die lediglich oberflächliche Plotstrukturen und die üblichen Völker von Tolkien übernommen haben, sind bei Kay die Parallelen eher in der Tiefe zu finden. Seine Welt vermittelt denselben Eindruck mythologischer Tiefe wie Mittelerde und auch sonst sind die Ähnlichkeiten eher in einer ganz bestimmten Atmosphäre zu finden als in der eigentlichen Handlung.
Dieses Gefühl einer mythologischen Tiefe hat mich schon beim ersten Mal Lesen begeistert und mir auch jetzt gerade am 1. Band gut gefallen. Leider schlägt Kay aber dann im 2. Band mit der Verknüpfung der Artus-Sage einen Weg ein, der mich nicht so recht überzeugen konnte. Für mich will sich das alles nicht harmonisch ineinander fügen und dazu kommt im Zusammenhang mit der Artus-Sage auch noch das Prinzip des unausweichlichen Schicksals, das mir nicht gefallen hat. Dadurch konnte ich auch mit allen Figuren, die rund um dieses Element angeordnet sind (vor allem Jennifer) nicht sehr viel anfangen.

Leider konnten mich aber auch die anderen Figuren zum großen Teil nicht überzeugen, obwohl ich sonst Kays Charakterzeichnungen immer sehr schätze. Aber in "Fionavar" sind die meisten recht eindimensional gestaltet und ein bisschen gar heldenhaft dargestellt. Wirklich mitfühlen konnte ich mit kaum jemandem, am ehesten noch mit Prinz Diarmuid, der Priesterin Jaelle und Paul. Dass mich nur die wenigsten Figuren emotional packen konnten, hat dann leider auch dazu geführt, dass ich "unterwegs" beinahe das Interesse verloren habe. Dabei gäbe es mit zahlreichen Kämpfen genug "Action", die ich aber die meiste Zeit nicht allzu spannend fand. Auch eine der zentralen Liebesgeschichten hat mich gar nicht überzeugt, denn wo bleibt das wirkliche Gefühl, wenn ohnehin alles schon schicksalhaft vorgegeben ist?
Nach einem starken Beginn und einem schwachen Mittelteil folgte dann aber zum Glück doch wieder ein starkes Ende, das mich dann auch tatsächlich noch einmal gefesselt hat.

Alles in allem blieb Kays Erstling für mich aber um Welten hinter seinen späteren Werken zurück, die sich nicht nur aus dem Einfluss Tolkiens gelöst haben, sondern auch mit interessanteren Figuren und einer größeren emotionalen Tiefe aufwarten. Auch das ständige Eingreifen von Göttern und anderen Mächten kommt bei Kays späteren Romanen nicht mehr zum Einsatz.

"Fionavar" ist eine sehr klassische und auch anspruchsvolle Fantasy-Trilogie, die in Stimmung und mythologischem Hintergrund an Tolkien erinnert. Das hat mir anfangs noch sehr gut gefallen, aber gerade im 2. Band wurde mir dann das Schicksalsprinzip zu übermächtig und die Figuren konnten mich nicht überzeugen.
Da ich das Ende dann wieder gelungen fand und die Trilogie (wie alle Werke von Kay) sprachlich ein Genuss ist, gibt das doch noch 3 von 5 Sternchen. Ich denke aber, dass meine Bewertung vor einigen Jahren noch deutlich positiver ausgefallen wäre - inzwischen habe ich es gern etwas realistischer und "handfester".

Kommentare:

  1. Du hast beim Lesen die Trilogie so oft erwähnt, aber ich habe jetzt erst kapiert, dass das genau die Romane waren, die ich im Regal (also genau gesagt im Karton) habe. Ich mochte sie genug, um sie auch nach x Umzügen zu behalten, aber sie haben mich nicht so mitgerissen, dass ich jetzt unbedingt noch mehr von dem Autor lesen musste - obwohl der Autor immer noch auf der "irgendwann mal schauen"-Liste steht. ;)

    Die Entwicklung mit der Artus-Saga fand ich auch etwas irritierend, das hätte es nicht gebraucht ...

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    1. Also ich mochte wirklich alle anderen Romane von Kay lieber als diesen. Gerade die späteren Romane sind aber auch sehr anders, eher historisch als phantastisch (sie haben meist klar eine bestimmte Epoche als Vorbild) und kaum mit Magie. Mein Liebling war "A Song for Arbonne" und "A Sarantine Mosaic", wobei es bei letzterem schon so lange her ist, seit ich ihn gelesen habe, dass ich gar nicht einschätzen kann, wie ich ihn jetzt finden würde.

      Warum er da die Artus-Sage ins Spiel gebracht hat, ist mir wirklich ein Rätsel. Bis zu dem Punkt hat mir nämlich die Trilogie noch deutlich besser gefallen, als von da an.

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  2. Im letzten Absatz wiederholst du dich ein bisschen, was die Atmosphäre in dem Buch und Tolkine betrifft.

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    1. Ja, das sollte nochmal das zusammenfassende Fazit sein. ;-)

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