Donnerstag, 30. Januar 2014

Alberto Angela - Vom Gladiator zur Hure. Die Reise einer Münze durch das Römische Reich


Genre: Sachbuch
Seiten: 608
Verlag: Riemann
ISBN: 9783641104610
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

Sachbuch-Challenge


Angela verfolgt in seinem Buch die mögliche Reise eines römischen Sesterzen durch das gesamte Römische Reich zur Zeit Trajans und über seine Grenzen hinaus. Auf dieser Reise behandelt er verschiedene Themen, die für die jeweilige Gegend typisch sind oder sich im Verlauf der Reise gut einfügen: von den Legionen Roms und ihren Militärlagern über Straßenbau, Wagenrennen, Chirurgie, Garumproduktion bis hin zu Sklavenhandel und Roms Fremdenpolitik.

Die Struktur an sich finde ich ziemlich clever und sie verschafft auch einen guten Eindruck von der Größe des Römischen Reiches. Bei der Vielzahl an Themen kann der Autor aber trotz der stolzen Seitenzahl meist nur an der Oberfläche verharren und Grundlagen vermitteln, auch wenn er ab und zu durchaus interessante Details unterbringt. Insgesamt würde ich also sagen, dass das Buch in erster Linie für Einsteiger in die Materie gedacht ist. Sobald man sich bereits näher mit der römischen Antike beschäftigt hat, erfährt man zumindest zu manchen Themenbereichen nichts neues mehr. 
Manches wiederum war auch mir mit einem halben Archäologiestudium gänzlich neu. Das Problem ist aber, dass man durch den Aufbau des Buches (der durchaus seinen Reiz hat) nur schwer einzelne Themen herauspicken kann. Zwar gibt es meist übergeordnete Themen für ein Großkapitel, aber Angela macht immer wieder auch zahlreiche Abstecher zu anderen Themen.

Tatsächlich ist es bei diesem Buch empfehlenswert, es wie einen Roman von hinten nach vorne zu lesen. So habe ich es auch gemacht, obwohl ich mich zwischendurch häufig gelangweilt habe. Immerhin ist das Buch aber sehr unterhaltsam und einfach geschrieben, so dass man es also wirklich zügig dahinlesen kann.
Manchmal neigt Angela zu Ausschmückungen und Anekdoten, die schon eher einen romanhaften Charakter haben (diverse Liebesgeschichten und Einzelschicksale etwa). Das ist stellenweise nett zu lesen, stellenweise aber auch ziemlich nervig, zumal Angela mit solchen Einschüben oft unbeholfen umgeht. Als er etwa einen fiesen Sklavenhändler mit kleinen, verschlagenen Augen beschreibt, kam ich mir ein wenig vor wie in einem Groschenroman.

Alles in allem bietet das Buch einen ganz guten ersten Einblick in verschiedene Themen der römischen Antike. Es scheint recht vernünftig recherchiert zu sein, auch wenn manchmal reine Spekulationen als eine Tatsache dargestellt werden. Wünschenswert hätte ich einen etwas saubereren Umgang mit den Quellen gefunden. Zwar erwarte ich mir in einem populärwissenschaftlichen Werk keine Vielzahl an Fußnoten, aber dass etwa Lionel Casson mehrmals erwähnt (und sogar ohne Quellenangabe wörtlich zitiert) wird, dennoch aber keinen Eingang in das sehr knappe Literaturverzeichnis gefunden hat, halte ich für äußerst fragwürdig.
Ansonsten trotz eines manchmal unbeholfenen und gezwungen witzigen Schreibstils durchaus unterhaltsam zu lesen.

Kommentare:

  1. Dann bin ich ja froh, dass es kein reiner Reinfall für dich war. Mal schauen, wie mir das Buch gefällt. Einzelne Zitate werde ich niemals einer Quelle zuordnen können und da ich mich in den letzten Jahren so gut wie gar nicht mehr mit Geschichte beschäftigt habe, wäre so ein Überblick für mich vermutlich ein ganz guter Wiedereinstieg in das Thema. :)

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    1. Ich konnte das Zitat auch nicht so zuordnen - der Autor hat Lionel Casson direkt zitiert, aber ohne Seitenangabe oder Erwähnung, aus welchem Werk von Casson das überhaupt ist. Sowas sollte in Sachbüchern nicht sein.
      Als Wiedereinstieg ist das Buch sicher gut geeignet. Und es liest sich ja auch wirklich sehr locker.

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