Sonntag, 28. Dezember 2014

Bärbel Arenz, Gisela Lipsky - Mit Kompass und Korsett. Reisende Entdeckerinnen


Genre: Sachbuch
Seiten: 176
Verlag: ars vivendi
ISBN: 978-3897164185
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen

Sachbuch-Challenge


Die beiden Autorinnen stellen in diesem Buch 16 weitgereiste Frauen aus dem 18. bis frühen 20. Jahrhundert vor, die aus unterschiedlichsten Gründen in die Ferne aufgebrochen sind. Es sind sehr faszinierende Frauen, die hier porträtiert werden und die sich meist über zahlreiche Konventionen hinwegsetzten. 
Von den wenigstens hatte ich zuvor jemals gehört, aber nun sind so einige von ihnen verfasste Reiseberichte auf meinem Wunschzettel gelandet.

Da wäre etwa die abenteuerlustige Wienerin Ida Pfeiffer, die als erste weiße Frau zu den Kopfjägern auf Borneo reist und dessen Gastfreundschaft preist, oder Amelia Edwards, die sich leidenschaftlich für den Erhalt archäologischer Altertümer in Ägypten engagiert; die britische Krankenschwester Kate Marsden, die Leprakranke in Sibirien behandelt und dafür in ihrer Heimat allerortens nur Kritik erntet und Isabelle Eberhardt, die ein freies, unkonventionelles Leben führen möchte und von tiefster Einsamkeit getrieben durch Nordafrika reist. 
Die Porträts sind zwar recht kurz, zeichnen aber doch anschauliche Bilder der so unterschiedlichen Frauen. Viele von ihnen wirken erstaunlich modern und äußern trotz zeitbedingter Vorurteile schärfste Kritik am Kolonialismus und Sklavenhandel. So etwa die Niederländerin Alexandrine Tinné, die auf ihren Reisen zahlreiche Menschen aus der Sklaverei freikauft.

Das Buch ist genau das richtige für alle Fernsüchtigen, auch wenn man manche Reisen wohl nicht unbedingt nachmachen möchte, so beschwerlich und strapaziös klingen diese. Umso mehr sind die Frauen zu bewundern, die alle Strapazen und Gefahren bewältigen, oft gegen den Widerstand von Männern oder der ganzen Gesellschaft.

Doch obwohl sich das Buch schön lesen lässt und von sehr faszinierenden Persönlichkeiten erzählt, war ich von der Aufmachung des Sachbuches nur mäßig begeistert. Auf der jeweils ersten Doppelseite findet sich stets ein kleines Porträt der jeweiligen Frau sowie eine Überblickskarte, auf der die (meisten) bereisten Orte eingezeichnet sind.

Soweit ist das alles noch schön gestaltet, aber was die weiteren Abbildungen in dem Buch betrifft, sind diese eine große Enttäuschung: Obwohl viele der Frauen Zeichnungen oder Fotografien auf den Reisen angefertigt haben, gibt es in dem Buch lediglich moderne, nichtssagende Fotos, wie man sie auch in jedem beliebigen Reiseführer finden würde:

Das fand ich wirklich enttäuschend, da ich mir gewünscht hätte, dass darin Abbildungen aus der jeweiligen Zeit zu finden sein würden. In den jeweiligen Wikipedia-Einträgen gibt es dagegen fast immer wunderschöne Abbildungen von den Frauen auf ihren Reisen - genau so etwas hätte ich mir in dem Buch gewünscht.
Und ganz ehrlich: Viel ausführlicher als die Wikipedia-Artikel sind die Biografien in dem Buch auch nicht, am ehesten können sie noch durch die zahlreichen Zitate aus den Reiseberichten der porträtierten Frauen punkten.

Alles in allem also ein interessantes Buch, das aber leider nicht sehr in die Tiefe geht und nur dürftig ausgestattet ist. Ich hatte es glücklicherweise nur aus der Bücherei ausgeliehen, denn der stolze Preis ist in diesem Fall wirklich nicht gerechtfertigt.

Samstag, 27. Dezember 2014

Lynes Bloggeburtstag und ein paar abschweifende Gedanken

Lyne's Books wird am 31.12.2014 bereits 2 Jahre alt (mein Gott die Zeit vergeht) und zu diesem Anlass gibt es von Lyne ein Gewinnspiel.


Zu gewinnen gibt es zweimal ein Wunschbuch - die genauen Teilnahmebedingungen könnt ihr bei ihr auf dem Blog nachlesen.

Ihre Gewinnspielfrage, auf welches Buch wir uns 2015 freuen, hat mich übrigens in ärgste Bedrängnis gebracht und heute Abend zu einer ausgedehnten Recherchierorgie geführt, die mich auch nicht weitergebracht hat.
Das ist doch irgendwie seltsam, oder? Ich habe das Gefühl, dass fast alle Bücherfans solche Fragen sofort beantworten können bzw. eher noch das Problem haben, sich für ein Buch entscheiden zu müssen.
Aber ich verfolge nur in seltenen Fällen Buchankündigungen mit, am ehesten noch, wenn es sich um die Fortsetzung einer Serie handelt. Derzeit warte ich da aber nur auf Martins The Winds of Winter sehnsüchtig - und es sieht nicht so aus als würde der Roman im nächsten Jahr erscheinen.
Hm, tja. Nun habe ich mich also ein wenig durch Verlagsvorschauen gewühlt, aber ehrlich gesagt fühle ich mich da von der schieren Menge an Neuerscheinungen meist erschlagen.
Abgesehen davon gibt es soviel, das ich noch lesen möchte, dass ich meist mehr darauf konzentriert bin, was bis jetzt erschienen ist und weniger darauf, was erst noch kommen wird ...
Ich werde tatsächlich fast immer erst auf Bücher aufmerksam, wenn sie erst einmal erschienen sind und vielleicht auch schon ein paarmal rezensiert wurden. Natürlich gibt es eine Reihe von Autoren, bei denen ich mich immer über neue Bücher freue, aber so wie es aussieht, werden von meinen üblichen Verdächtigen (Guy Gavriel Kay, Christoph Ransmayr, Juli Zeh, Peter S. Beagle, Patricia McKillip) im Jahr 2015 keine neuen Romane erscheinen.

Bin ich eigentlich die einzige Buchbloggerin, die Neuerscheinungen so gänzlich ignoriert? Wie geht es euch in der Hinsicht? Hibbelt ihr schon zahlreichen Büchern entgegen?

Letztendlich habe ich mich übrigens für Birthes Wer steht schon auf Pferde? entschieden. Da ich das Buch als Testleserin schon kennengelernt habe, muss ich zugeben, dass mich die Neugierde nicht direkt auffrisst, aber ich freue mich einfach sehr, dass ihre sympathische und auch sehr originelle Pferdeserie ein Plätzchen gefunden hat!

Freitag, 26. Dezember 2014

Verspätete Weihnachtsgrüße und Selbstgemachtes

Ein bisschen verspätet (aber immerhin ist gerade noch der zweite Weihnachtsfeiertag) wünsche ich euch allen noch frohe Weihnachten und hoffe, ihr hattet ein schönes Fest im Kreis eurer Familie/Freunde/Bücher (wie auch immer ihr halt gern Weihnachten feiert).
Bei mir waren die Feiertage zwar mit Diensten gefüllt, aber immerhin konnte ich gestern noch mit meiner Familie frühstücken und auch den Heiligen Abend habe ich bei meiner Familie verbracht.

Wie ihr ja hier mitbekommen habt, hatte ich in der Zeit vor Weihnachten ein bisschen Stress mit diversen selbstgemachten Geschenken. Und da einige von euch den Wunsch geäußert haben, dass sie diese gern sehen würden, gibt es also nun ein paar Fotos (nur die kulinarischen Geschenke - Schokolikör und eingelegten Fetakäse - habe ich nicht abfotografiert):

Für meine Freundinnen gab es neben dem erwähnten Schokolikör selbstgemachte Kosmetik.

Ein geknüpftes Lesezeichen für meine Nichte. Ich habe genau dieses Muster in dieser Farbkombi schon einmal geknüpft, aber da ich es so mochte und es meiner Nichte auch so gefiel, habe ich es nochmal geknüpft.

Meiner jüngeren Nichte habe ich wieder Kleidung für ihre Monster High Puppen gehäkelt: Eine Jacke, ein Schal und eine Mütze - letztere mit Aussparungen für die Katzenohren einer ihrer Lieblingspuppen. Puh, ich sags euch, diese Jacke war echt eine Fitzelei ...

Ein Wichtelgeschenk: ein gehäkelter römischer Offizier. ;-)

Noch ein Wichtelgeschenk: ein geknüpftes Armbändchen

Gehäkelte Babyschühchen für eine schwangere Freundin.

Und zu guter Letzt das "Highlight": ein gehäkeltes Schaf für meinen Neffen. Daran bin ich noch am 23. spätabends gesessen, aber es hat sich gelohnt, da mein Neffe völlig hin und weg war und es laut meiner Mutter gestern die ganze Zeit stolz in der gesamten Familie hergezeigt hat. :-)
(Das Foto im sonnig-grünen Gras ist übrigens zu Weihnachten entstanden - von "Leise rieselt der Schnee" konnte dieses Jahr mal wieder keine Rede sein ...)

Und nun habe ich die nächsten vier Tage frei, worauf ich mich schon sehr freue. Da wäre also genug Zeit zum Bloggen, aber ich möchte gar nichts versprechen, da ich mich mal auf ein paar Tage gänzlich ohne Verpflichtungen freue. Zuletzt hatte ich, glaube ich, im Juli so lange dienstfrei. Ich werde es mir also vermutlich mit Büchern auf dem Sofa bequem machen, je nach Wetter vielleicht mal einen kleinen Streifzug einlegen oder auch mal die eine oder andere DVD gucken.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Buchstabengeplauder #22

So, ich werde hier nun mal ein wenig Weihnachtsstimmung verbreiten. Dieses Jahr habe ich mir nämlich - zum Feier der neuen Wohnung - erstmals einen kleinen Christbaum gegönnt. Da ich keine Zeit mehr hatte, Schmuck zu basteln, kam drauf, was ich noch so hatte: eine kleine Girlande mit Strohsternen, ein paar wenige Kugeln, getrocknete Orangenscheiben und schließlich Sterne, die ich auf die Schnelle noch aus leeren Klopapierrollen gebastelt und zusammengeklammert habe.
Da gestern bei mir die Weihnachtsfeier mit meiner Schreibgruppe war, habe ich das Bäumchen auch schon etwas verfrüht aufgestellt und geschmückt, sodass wir die Bescherung unterm Baum machen konnten. :-)


Es war gestern eine total schöne Feier, die mir auch endlich mal zu Weihnachtsstimmung verholfen hat. So ganz konnte ich die aber noch nicht über die nächsten Tage mitnehmen, da ich heute einen wirklich scheußlich stressigen Dienst hatte und morgen auch noch ziemlich viel zu erledigen ist. Am Abend werde ich morgen dann aber zu meiner Familie fahren. Bis dahin muss ich noch eifrig häkeln, da die Geschenke noch nicht alle fertig sind ...

Apropos Geschenke: Da ich diese Woche schon am Dienstag mit Freundinnen Weihnachten gefeiert habe und gestern dann eben eine weitere Feier anstand, gabs schon einige Geschenke. Sie sind zwar großteils nicht buchig, aber es sind so schöne Geschenke, das ich sie euch einfach mal zeigen muss:

Von Lyne habe ich eine Mini-Playmobilfarm bekommen. Damit hat meine Mini-Arche Noah nun Gesellschaft. Sind die kleinen Tierchen nicht putzig?

Außerdem wurde ich mit einem schönen Tuch und selbstgehäkelten Socken beschenkt - diesen Winter muss ich also nicht mehr frieren.

Ebenfalls selbstgemacht sind diese Öle (einmal Chili-Knoblauch, einmal Zitrone-Pfeffer), die toll duften und bei mir sicher bald in der Küche zum Einsatz kommen.

Weiters gab es noch ein glitzernd-funkelndes Notizbuch mit Seiten aus handgeschöpftem Papier.


Und schließlich habe ich noch ein Bastelbuch zum "Sommernachtstraum" bekommen, aus dem man sich eine Bühne mit verschiedenen Kulissen und allen handelnden Charakteren ausschneiden kann. Sobald ich mir meine kleine Shakespeare-Bühne gebastelt habe, werde ich sie euch natürlich zeigen. :-)

Ich habe mich sehr über die Geschenke gefreut, weil das alles so schöne, originelle und individuelle Sachen sind. Da merkt man einfach, dass Herzblut drinnensteckt.
Mein ganzes Gebastel, das ich verschenkt habe, werde ich euch dann auch noch zeigen, wenn es endlich alles fertig ist.
Nun werde ich mich mal wieder mit meinem Häkelzeug aufs Sofa setzen und dabei an Aquarius weiterhorchen. Ein spannendes Hörbuch übrigens, das mich aber bislang noch nicht so ganz überzeugen konnte.
Auch mein aktuelles ebook The Girl with Glass Feet kann mich bisher nicht wirklich begeistern. Ich bin mir nicht sicher, ob mich das Englisch darin ein wenig überfordert oder ob das Problem einfach ist, dass ich derzeit immer nur ab und zu mal ein paar Seiten schaffe, aber ich komme überhaupt nicht rein und kann mit der Geschichte nicht wirklich was anfangen. Nun bin ich etwas unschlüssig, ob ich es mal unterbreche oder ob ich mir vielleicht die deutsche Übersetzung aus der Onleihe ausborge (da muss ich aber noch ein wenig drauf warten). Zumindest über die Weihnachtsfeiertage werde ich vielleicht aber erst mal ein anderes Buch dazwischenschieben.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

[Challenge] Arianas Hörbuch-Challenge

http://meinbuechertagebuch.wordpress.com/challenges/arianas-horbuch-challenge-2015/

Schon im Jahr 2014 hat Ariana eine Hörbuch-Challenge veranstaltet, aber da habe ich diese irgendwie verpasst. Bei der Neuauflage bin ich nun dabei, da ich ohnehin ein großer Hörbuchfan bin.
Es geht darum, 10 Hörbücher im Jahr 2015 zu hören und zu rezensieren. Dabei zählen nicht nur Hörbücher, sondern auch Hörspiele, solange diese auf einem Buch basieren. Ein Einstieg ist zwar jederzeit möglich, aber dann zählen nur die Hörbücher, die ab dem Zeitpunkt der Anmeldung gehört werden.
Die genauen Regeln könnt ihr bei Ariana nachlesen - und bei ihr könnt ihr euch auch mittels Kommentar und Link zu eurer Challenge-Überblicksseite anmelden.


Meine Hörbücher 2015
1. Hugh Howey - Level
2. Patrick Rothfuss - Die Furcht des Weisen 1
3. Patrick Rothfuss - Die Furcht des Weisen 2
4. William Golding - Lord of the Flies
5. Alfred Lansing - 635 Tage im Eis: Die Shackleton-Expedition
6. Eric Berg - Das Nebelhaus
7. Rob Thomas, Jennifer Graham - The Thousand Dollar Tan Line
8. Yrsa Sigurðardóttir - Das letzte Ritual
9. John Steinbeck - Die Straße der Ölsardinen
10. Yrsa Sigurðardóttir - Das gefrorene Licht
11. Eowyn Ivey - Das Schneemädchen

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Patrick Rothfuss - Der Name des Windes


Genre: High Fantasy
Dauer: 28 Stunden 8 Minuten (ungekürzte Lesung)
gelesen von: Stefan Kaminski
Verlag: der Hörverlag
EAN: 9783867173575
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen



Als ein reisender Chronist in einer Herberge unvermutet auf den einst berühmten und nun zurückgezogen lebenden Magier Kvothe stößt, beginnt ihm dieser seine Lebensgeschichte zu erzählen: Von seiner Kindheit bei fahrenden Spielleuten, seiner Jugendzeit in der Hafenstadt Tarbean und seinen ersten Jahren in der Universität. Während Kvothe sich durchs Leben schlägt, die Laute spielt, Magie erlernt und so einige Abenteuer erlebt, ist es aber vor allem eins, das ihn antreibt: die Suche nach den unheimlichen Chandrian, die einst für ein jähes Ende seiner Kindheit sorgten. 

Ich habe diesen Roman vor Jahren bereits einmal gelesen und wollte ihn nun in meinem Gedächtnis auffrischen, um endlich mit dem Folgeband beginnen zu können. Allerdings hat mir dieses Mal der Roman nicht mehr ganz so gut gefallen wie damals, was ich vor allem auf zwei Gründe zurückführe: zum Einen bin ich im Laufe der Zeit eine kritischere Leserin geworden; zum Anderen wusste ich inzwischen bereits, dass es auf die größten Fragen, die in dem Buch aufgeworfen werden, noch keine Antwort geben wird. Aber eins nach dem anderen:

"Der Name des Windes" hat eine auktorial erzählte Rahmenhandlung, die von Kvothe und seinem Schüler Bast in der Gegenwart berichtet, und eine Erzählung in der Erzählung, in der Kvothe aus der Ich-Perspektive sein Leben schildert.
Die Rahmenhandlung finde ich wunderbar. Rothfuss setzt die auktoriale Perspektive meisterhaft um und obwohl um Kvothe vielleicht ein bisschen sehr viel Wind gemacht wird, können mich doch das Geheimnis und die düstere Tragik, die ihn umgibt, ködern.
Dann aber setzt die Ich-Erzählung ein und auch beim zweiten Mal hatte ich Probleme damit, mich auf sie einzulassen. Ich finde einfach die Rahmenhandlung viel interessanter als die Kindheit eines naseweisen Genies und Kvothe als gebrochenen Erwachsenen deutlich faszinierender. Als Kind ist er dagegen nahezu unerträglich, was daran liegt, dass er einfach in allem toll ist und das auch noch selbst weiß.
Das bessert sich zwar im Laufe des Romans nicht sehr, aber er wurde mir dann doch im Laufe der Zeit sympathischer und seine ständige Brillanz erfährt zumindest von außen immer wieder Dämpfer.

Kaum hatte mich Kvothe aber mit dem ersten Auftreten der Chandrian und den immer wieder eingestreuten Geschichten in Tarbean geködert, kam für mich mit dem Eintritt in die Universität der nächste Dämpfer.
Patrick Rothfuss beschreibt die Universität, den Unterricht dort und das ganze Rundherum wirklich schön, aber dieses kindische Getue mit einem Schüler, der Kvothe ständig eins reinwürgen will und einem Lehrer, der in dieselbe Bresche schlägt, hat mich unendlich genervt. Das fand ich schon in Harry Potter unerträglich, aber gut, in ein Kinderbuch hat das noch annährend gepasst. In "Der Name des Windes" dagegen ist das für mich die Bestätigung dessen, dass ich mich sonst aus guten Gründen von solchen Geschichten fernhalte.
Außerdem kommt mir das plottechnisch erbärmlich vor: Hat Rothfuss wirklich keine interessanteren Hindernisse für Kvothe gefunden als der ständige Geldmangel und das pubertäre Gerangel mit dem dümmlichen Ambrose?

Und doch bin ich Kvothe erneut bereitwillig über hunderte von Seiten gefolgt und mochte den Roman trotz all der Kritikpunkte sehr gern. Das liegt vor allem an dem Erzählstil von Rothfuss. Vernünftige Plotstrukturen sind zwar offenbar nicht seine Stärke, aber er ist dennoch ein begnadeter Schriftsteller! Er hat so einen unglaublichen Blick für kleine Details und für Beschreibungen und - auch wenn Tausendsassa Kvothe das zunächst nicht vermuten lässt - ein Händchen für interessante Figuren. Nicht alle weisen eine echte Charaktertiefe auf (Meister Hemme etwa ist einfach nur der "böse Lehrer"), aber die meisten sind wirklich gut gelungen, allen voran Elodin und Auri, auch Kvothes sympathische Freunde und ... ja ... Denna. Zwar finde ich Kvothes große Liebe ziemlich anstrengend, aber Rothfuss hat mit ihr doch eine sehr runde Figur erschaffen, mit Stärken und Schwächen und einer nachvollziehbaren Persönlichkeit.
Auch die Welt, die Rothfuss hier erschaffen hat, gefällt mir sehr gut. Sie ist, was für High Fantasy ungewöhnlich ist, einmal nicht mittelalterlich, auch wenn es zunächst ein bisschen so wirkt, sondern erinnert eher an die Renaissance oder noch spätere Epochen. Es mag zwar nicht die originellste Welt sein, aber sie steckt voller Details und voller Leben und hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, die gut funktionieren, vor allem was die Magie betrifft.

Was mich aber schließlich an dem Roman am meisten begeistert, das sind die schon erwähnten geheimnisvollen Chandrian. Nicht einmal diese Dämonen selbst, aber die Art und Weise, wie sie in den Roman eingewoben werden und wie man in alten Geschichten, die erzählt werden, immer wieder Hinweise auf sie findet.
Ich würde mir wirklich wünschen, dass sie im nächsten Band eine größere Rolle spielen und dass Kvothe auch endlich mehr über sie herausfindet.

Trotz einiger Schwächen halte ich "Der Name des Windes" noch immer für einen der besten Fantasyromane der letzten Jahre, der aber leider bei einem Reread nicht so sehr dazugewinnt.

Das ungekürzte, von Stefan Kaminski gelesene Hörbuch ist übrigens sehr zu empfehlen. Er ist ja einer meiner Lieblingssprecher und kann auch in diesem Roman wieder allen Figuren Leben einhauchen.
Als Abschluss noch eine kleine Bemerkung am Rande: Ich habe mich dieses Mal ziemlich über die Doctor Who-Anspielung amüsiert, die mir beim ersten Mal noch entgangen ist. ;-)

Sonntag, 14. Dezember 2014

Buchstabengeplauder #21

Wie schaffe ich es eigentlich jedes Jahr, dass ich in der Adventszeit einen solchen Stress bekomme? Vielleicht hätte ich mir diesmal, da ich dienstmäßig ohnehin sehr eingespannt bin, nicht so viel Keksbackerei und selbstgemachte Geschenke vornehmen sollen. Aber andererseits gehört Keksbacken für mich zu Weihnachten dazu und ich schenke nun mal lieber Selbstgemachtes her.
Immerhin habe ich nun aber schon viel geschafft und hoffe, dass es in der nächsten Woche doch noch ein wenig ruhiger wird.

Nun ja, auf jeden Fall ist schlichter Zeitmangel der Grund dafür, dass ich derzeit so wenig blogge - na gut, Zeitmangel und die Tatsache, dass ich bei Feierabend irgendwann nach 22 Uhr lieber noch gemütlich eine Folge Doctor Who gucke anstatt Rezensionen zu schreiben. *hüstel* Derzeit bin ich übrigens bei Staffel 4 und liebe Donna! 

Zum Lesen komme ich derzeit leider auch nicht sehr viel, daher ruht Ivo Andrics Der Elefant des Wesirs gerade. Für immer mal nur ein paar Seiten zwischendurch in den Öffis ist das Buch nicht gut geeignet und bei Kurzgeschichten kann man ja problemlos mal eine Weile pausieren. Hoffentlich finde ich dafür bald wieder mehr Ruhe.
Inzwischen habe ich mal Damsel in Distress, den 5. Band der Daisy Dalrymple-Mysteries von Carola Dunn vorgezogen. Das ließ sich so richtig schön entspannt nebenbei lesen und der Kriminalfall war auch nicht so anspruchsvoll, dass man dafür allzu viele Gehirnkapazitäten gebraucht hätte. ;-)
Bei all der Bastlerei und Backerei hätte ich ja außerdem gerade gut Zeit für Hörbücher, aber Der lange Abschied von Raymond Chandler habe ich nun abgebrochen, da das leider gar nicht mein Fall war. Jetzt bin ich gerade ein wenig hörbuchlos. Ich habe zwar noch eine Erzählung von Stefan Zweig aus der Bücherei hier, aber darauf habe ich gerade nicht so viel Lust. Ich glaube, ich bräuchte eher etwas spannendes, das sich auch noch locker-flockig liest. Da ich morgen ohnehin in der Nähe meiner Lieblings-Zweigstelle der Büchereien sein werde, schaue ich vielleicht einfach mal, was mir dort über den Weg läuft.
Nun, da ich gar keine Hörbücher mehr auf dem SuB habe, überlege ich außerdem, ob ich nicht doch wieder ein Audible-Abo nehmen soll - vor einem guten Jahr hatte ich es abgemeldet, aber inzwischen sind alle Reserven von damals aufgebraucht. ;-)

Wenn ich in nächster Zeit weiterhin noch eher kommentierfaul bei euch sein werde, habt also bitte Nachsicht mit mir - ich komme gerade einfach kaum dazu eure Blogeinträge zu lesen. Ich finde es aber sehr schön, dass ihr alle so eifrig am Adventslesen seid und hoffe, dass ihr auch weiterhin noch viele gemütliche Lesestunden bis Weihnachten haben werdet!

Freitag, 12. Dezember 2014

Das war die Nobelpreis-Challenge

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich die Nobelpreis-Challenge gestartet. Zehn tapfere Mitstreiterin haben sich eingefunden, um sich mit mir auf die Herausforderung zu stürzen, 10 Nobelpreisträger in einem Jahr zu lesen.
Als sich abzeichnete, dass das für uns alle etwas knapp werden könnte, habe ich die Challenge bis zur Vergabe des Nobelpreises am 10. Dezember verlängert. Nun ist sie also zu Ende gegangen und ich muss gleich einmal zerknirscht zugeben, dass ich selbst es knapp nicht mehr geschafft habe. Die letzten Tage waren so stressig, dass ich kaum zum Lesen gekommen bin und wenn, dann hatte ich nur noch Gehirnkapazitäten für etwas ganz und gar entspannendes frei. Die Kurzgeschichten von Ivo Andric werde ich daher nun in der nächsten Zeit hoffentlich ganz in Ruhe zu Ende lesen.

So gibt es also nur zwei erfolgreiche Teilnehmerinnen und zwar Ariana und cat. Herzlichen Glückwunsch ihr beiden! Für euren Eifer gibt es wie versprochen ein Lesezeichen und noch eine kleinen Preis (nein, auslosen werde ich zwischen euch beiden nicht mehr, bei soviel Einsatz habt ihr beide einen Gewinn verdient). Ich werde mich dann bei gegebener Zeit noch bei euch melden wegen der Adresse, aber das wird noch ein wenig dauern - rechnet nicht damit, dass sich vor Weihnachten noch etwas tut. ;-)
Außerdem habe ich als Ansporn auch noch versprochen, dass unter denen, die die halbe Challenge geschafft haben, auch ein kleiner Gewinn verlost wird. Wir sind drei, die 5 oder mehr Bücher gelesen haben, und da ich selbst mich natürlich nicht beschenken werde, habe ich zwischen Birthe und Nina ausgelost. Die Glücksfee hat Birthe gezogen - herzlichen Glückwunsch! Auch bei dir werde ich mich irgendwann nach Weihnachten melden.

Ich freue mich, dass ein paar von euch mich bis zum Ende der Challenge begleitet haben. Vor allem der Endspurt, den Ariana im November noch hingelegt hat, war wirklich beachtlich!
Schade, dass so viele erst gar nicht richtig in die Challenge eingestiegen sind oder schon nach einem Buch wieder aufgegeben haben. Immerhin hat gbwolf mir geschrieben, dass ihr die Challenge trotzdem etwas gebracht hat, was mich natürlich freut. Sie hat ziemlich mit Mo Yan gekämpft und nach allem, was sie über das Buch erzählt hat, denke ich mal, dass das eher nicht mein Autor sein wird ...

Tja, und nun? Ich würde an sich die Challenge im Jahr 2015 gerne weiterführen, da ich durch sie einige wirklich tolle Autoren entdeckt habe (vor allem Alice Munro und John Steinbeck haben mich begeistert) und nicht zuletzt dank eurer Rezensionen auch noch so einige Werke mein Interesse geweckt haben.
Ich bin aber noch unschlüssig, ob ich es wirklich als Challenge machen soll oder einfach als persönlichen Lesevorsatz. Vermutlich eher zweiteres - und es werden auch weniger als 10 Autoren sein, da mir das offensichtlich ein zu hohes Ziel war. "Dranbleiben" an den Nobelpreisträgern möchte ich aber auf jeden Fall schon.

Und hier als Abschluss noch einmal die Teilnehmerliste mit den gelesenen Büchern:


Neyasha (ich)
1. Alice Munro - Tanz der seligen Geister
2. Gabriel García Márquez - Die Liebe in den Zeiten der Cholera
3. Doris Lessing - Afrikanische Tragödie
4. J. M. Coetzee - Schande 
5. Rudyard Kipling - Dunkles Indien
6. John Steinbeck - Jenseits von Eden
7. Orhan Pamuk - Schnee 
8. Tomas Tranströmer - Die Erinnerungen sehen mich 
9. Patrick Modiano - Die Gasse der dunklen Läden

Ariana
1. Gabriel García Márquez - Chronik eines angekündigten Todes
2. Gerhart Hauptmann - Bahnwärter Thiel und andere frühe Meistererzählungen  
3. John Steinbeck - Of Mice and Men
4. J. M. Coetzee - Disgrace 
5. Toni Morrison - Beloved 
6. Dario Fo - Mama hat den besten Shit 
7. Knut Hamsun - Hunger
8. Kenzaburō Ōe - Reißt die Knospen ab
9. Samuel Beckett - Endgame + Happy Days
10. Patrick Modiano - Ein so junger Hund

cat 
1. Gerhart Hauptmann - Der Biberpelz
2. Pearl S. Buck - Das Mädchen Orchidee
3. Toni Morrison - Menschenkind 
4. W. B. Yeats - Ein Morgen grünes Gras 
5. Thomas Mann - Buddenbrooks
6. George Bernard Shaw - Cashel Byrons Beruf
7. Heinrich Böll - Im Tal der donnernden Hufe
8. Hermann Hesse - Narziß und Goldmund
9. Alice Munro - Liebes Leben
10. Patrick Modiano - Der Horizont

Birthe
1. John Steinbeck - Früchte des Zorns
2. George Bernard Shaw - Pygmalion
3. Halldór Laxness - Seelsorge am Gletscher 
4. Rudyard Kipling - Kim 
5. Ernest Hemingway - Der alte Mann und das Meer

Nina 
1. Nagib Mahfuz - Zwischen den Palästen (Kairoer Trilogie 1)
2. Toni Morrison - Liebe
3. José Saramago - Die Reise des Elefanten
4. Orhan Pamuk - Cevdet und seine Söhne
5. Alice Munro - Liebes Leben

Ann-Bettina 
1. William Golding - Close Quarters

Evie (Blog von der Bildfläche verschwunden)
1. Henryk Sienkiewicz - Quo vadis?

gbwolf

Wörterkatze 

Nanni 

Bücherphilosophin  (Blog von der Bildfläche verschwunden)

Sonntag, 7. Dezember 2014

Kathrin Passig/Sascha Lobo - Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin


Genre: Sachbuch, Ratgeber
Seiten: 272
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3644102019
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

Sachbuch-Challenge



Wer mit dem Wort "Prokrastination" nichts anfangen kann, sich morgens freudig auf die Aufgaben des Tages stürzt und alle Aufträge stets lange vor der Deadline abgibt, braucht in dieses Buch keinen Blick zu werfen. Wer sich dagegen nach einer Stunde gern mal fragt, was zum Kuckuck aus den "nur mal rasch 5 Minuten einen Blick ins Internet werfen" geworden ist oder vor einem Abgabetermin schon mal eine durchwachte Nacht verbringt, könnte durchaus zur Zielgruppe gehören.
Kathrin Passig und Sascha Lobo gehen hier sehr humorvoll dem Phänomen der Aufschieberitis bzw. der Prokrastination auf dem Grund und stellen Überlegungen an, wie es dazu kommt, wie man damit umgehen kann, usw.
Die wertvollste Botschaft, die einem dieses Buch vermittelt, ist: Es gibt unterschiedliche Typen von Menschen und diese haben eben auch unterschiedliche Arbeitsweisen. Die Neigung zum Prokrastinieren ist meistens nicht einfach nur Faulheit und etwas, das man mal eben mit ein bisschen Selbstdisziplin in den Griff bekommen kann. Vielmehr ist es ein Charakterzug, der zum Teil überhaupt erst durch unsere heutige, extrem leistungsorientierte Gesellschaft zu einem Problem wird.
Es geht daher in diesem Buch zu großen Teilen um Selbstakzeptanz und darum, das eigene Potenzial auf eine Art und Weise auszuschöpfen, wie sie auch zu einem selbst passt - und nicht, sich eine Arbeitsweise aufzuzwingen, die einem nun einmal nicht liegt und die man daher vermutlich auch nicht dauerhaft durchhalten kann.
Soweit so gut - und zumindest in diesem Punkt fand ich auch das Buch durchaus hilfreich und ermutigend. Es bestätigt mich auch in meiner eigenen Erfahrung: nämlich, dass man, wenn man zum Prokrastinieren neigt, eine strenge Selbstdisziplin nie lange durchhalten wird. So etwas schafft man für eine Weile und dann fällt man wieder in die alten Muster zurück (manchmal gleich noch mit JoJo-Effekt, also schlimmer als zuvor).
Im weiteren Verlauf konnte ich aber mit dem Ratgeber immer weniger anfangen. Die Tipps sind nur teilweise hilfreich und oft so übertrieben, dass ich mir die ganze Zeit nicht sicher war, wie weit sie ernst gemeint sind und wie weit schlichtweg Satire. Dazu kommt, dass ich ein wenig das Gefühl hatte, die Autoren würden hier ihren ganz eigenen Lebensstil zum allgemeingültigen Prinzip erklären oder sogar Verhaltensweisen, die ich nahezu als gefährlich empfinde, weiter ermutigen (etwa das Aufschieben von Arztbesuchen oder das Ignorieren von amtlichen Briefen).
Vielleicht kann man auch mehr damit anfangen, wenn man tatsächlich so extrem zum Prokrastinieren neigt wie in einigen Beispielen darin geschildert. Ich selbst bin ja eher eine seltsame Mischung zwischen sehr diszipliniert und extrem zum Aufschieben neigend und konnte mich vielleicht auch deshalb in den Beschreibungen und Tipps nicht wiederfinden.
Unterm Strich ist der Ratgeber meistens amüsant und kurzweilig zu lesen und ganz nützlich dafür, um einem selbst auch mal wieder einen etwas anderen Blick auf die Dinge zu verschaffen. Als wirklich hilfreich habe ich ihn hingegen nicht empfunden - und der Titel sollte auch eher nicht lauten "Dinge geregelt kriegen", sondern "Wie ich damit umgehe, dass ich Dinge nicht geregelt kriege".
Das beste am Buch ist übrigens der Trailer, über den ich mich wirklich königlich amüsiert habe:

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Patrick Modiano - Die Gasse der dunklen Läden


Genre: Erzählung
Seiten: 160
Verlag: Suhrkamp
 ISBN: 978-3518466179
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

Ein Jahr mit Nobelpreisträgern


Guy Roland weiß nicht, wer er ist und wie sein wahrer Name lautet. Seit fast zehn Jahren arbeitet er unter einer erfundenen Identität für einen Pariser Privatdetektiv. Als dieser seine Tätigkeit aufgibt, macht sich Guy auf die Suche nach seiner eigenen Vergangenheit. Gespräche mit Fremden, alte Fotografien, auf denen er sich zu erkennen glaubt und rätselhafte Hinweise führen dazu, dass nach und nach das Bild eines Menschen zutage tritt. Die Frage ist nur, ob Guy tatsächlich dieser Mensch ist oder erneut in die Identität eines Fremden schlüpft.

Für "Die Gasse der dunklen Läden" wurde der diesjährige Nobelpreisträger Patrick Modiano 1978 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Es handelt sich auch tatsächlich um einen sehr interessanten Roman, der mich aber nicht ganz überzeugen konnte.
Ein Mann im mittleren Alter sucht darin nach seiner Identität und seiner vergessenen Vergangenheit. Er hangelt sich dabei von Hinweis zu Hinweis, unterhält sich in den Gassen von Paris mit allerlei Menschen, die ihn wiederum auf andere bringen und bringt dabei verschüttete Erinnerungen ans Tageslicht, bei denen er sich nicht sicher ist, ob sie wirklich seine Erinnerungen sind oder nur Fantasien, die er sich aufgrund der Gespräche zurechtzimmert.
Der Roman ist vermeintlich so einfach zu lesen, dass man Gefahr läuft, ihn zu schnell "wegzulesen". Denn obwohl die Sprache sehr schlicht ist und die zahlreichen Dialoge zu einem flotten Lesen verleiten, verlangt die Erzählung ein hohes Maß an Konzentration. Die zahlreichen Namen und all die Menschen, die Guy kurzfristig auf seiner Suche begleiten und ihm aus ihrem Leben erzählen, sind mir teilweise im Kopf durcheinander gepurzelt. Das Problem war vor allem, dass ich mittendrin eine längere Lesepause hatte und danach nur schwer wieder hineinfinden konnte. Ich würde also empfehlen, dass man sich für den Roman ausreichend Zeit nimmt, ihn aber zwischendurch nicht zu lange weglegt.

Das Rätsel, das Guys Vergangenheit umgibt, bleibt bis zum Ende spannend - umso mehr, weil die Wahrheit letztendlich in der Schwebe bleibt. Ich fand die ungelösten Fragen einerseits faszinierend, hatte aber andererseits mit einer gewissen Ratlosigkeit am Ende zu kämpfen. Es gab einfach einige Szenen und Episoden, die ich nicht einzuordnen wusste und einiges, das mir dann doch zu unklar blieb.
Guys Suche führt ihn zurück in die 40er Jahre und damit werden in dem Roman praktisch alle von Modianos offenbar beliebtesten Themen behandelt: Vergessen, Erinnerung, Frankreich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, unklare Identitäten.

Sprachlich liest sich der Roman sehr gut. Wie schon erwähnt ist der Stil eher schlicht, manchmal fast karg und die Wortwahl sehr präzise. Einzig der häufige - und aus meiner Sicht unmotivierte - Wechsel zwischen Präsens und Präteritum hat mich ein wenig irritiert. Möglicherweise liegt das an der Übersetzung und im Französischen fügen sich diese Zeitenwechsel besser ein.

Alles in allem ist "Die Gasse der dunklen Läden" ein faszinierender Roman, der zwar anspruchsvoll ist, sich aber dennoch sehr flüssig lesen lässt. Die Suche nach Guys verschütteten Erinnerungen ist ebenso interessant wie all die Lebensgeschichten anderer Menschen, die sich nach und nach entfalten.
Trotzdem wollte bei mir der Funke nicht ganz überspringen. Zum Teil liegt das wohl am Ende, das mich ein wenig ratlos zurückließ; zum Teil auch daran, dass ich das schwammige Gefühl hatte, dem Roman würde das "gewisse Etwas" fehlen. Kein Höhepunkt also im Rahmen meiner Challenge, aber doch ein Buch, das ich weiterempfehlen kann.

Samstag, 29. November 2014

Buchstabengeplauder #20

Ich habe eine ganz tolle Woche mit meiner Freundin hinter mir. Kaum zu glauben, dass wir uns seit so langer Zeit nicht gesehen haben (und dazwischen auch nur sporadisch Mailkontakt hatten) - es war, als hätte es diese Pause nie gegeben. Wir haben in diesen paar Tagen tapfer dem nasskalten Wetter getrotzt und waren in der Stadt unterwegs, haben lecker Tee getrunken, viele lange Gespräche geführt, Spieleabende mit anderen Freunden veranstaltet und waren im Kino: Den Film Ein Schotte macht noch keinen Sommer kann ich wärmstens weiterempfehlen, auch wenn er im Original sicher noch sehenswerter ist.
Alles in allem war es eine super Zeit und es ist sehr schade, dass wir uns gestern am Morgen schon wieder verabschieden mussten.

Derzeit rächt sich allerdings die entspannte Woche, da ich gestern, heute und morgen als Ausgleich nun in Diensten ertrinke. Das ändert sich auch für den restlichen Advent nicht mehr (ich jongliere grad mal wieder drei Jobs herum), aber ich hoffe, dass ich dennoch ein bisschen gemütliche Lesezeit finden werde. Vorrang haben aber erst einmal die Keksbäckerei und die Geschenke.

Immerhin nähere ich mich bei Die Gasse der dunklen Läden dem Ende (was bei 160 Seiten nicht wirklich ein Kunststück ist) und kann schon sagen, dass mir der Roman von Modiano gut gefällt. An meine Nobelpreis-Highlights (Steinbeck und Munro) kommt er für mich aber nicht heran.
Ansonsten warten einige Rezensionen weiterhin darauf, dass sie endlich geschrieben werden - ich hoffe, dass ich auch zu denen bald kommen werde.

Was das Schreiben betrifft, so versuche ich derzeit mal wieder, zumindest jeden Tag eine "Pomodoro"-Einheit (25 Minuten) dafür freizuschaufeln, was leider nicht immer klappt. Aber ich habe meine Romane natürlich nicht aufgegeben.
Ich denke außerdem darüber nach, ob ich nicht im nächsten Jahr einen meiner Romane in kleinen Fortsetzungshäppchen hier auf den Blog stelle. Nein, das ist kein Versprechen, nur einmal eine Überlegung. ;-) Ursprünglich wollte ich ja die Frostpfade als eine Adventkalendergeschichte hier veröffentlichen, doch dafür hat mir nun schlicht die Vorbereitungszeit gefehlt. Aber vielleicht werde ich ja morgen nach dem Dienst noch vom wilden Affen gebissen und ... nein, ich verspreche hier nichts. Ich wüsste noch nicht mal, wie ich den Roman vernünftig auf 24 Portionen aufteilen sollte und weiß auch nicht, ob ich mir den seelischen Stress antun soll, hier jeden Tag ängstlich auf Reaktionen/Kommentare zu warten. %-)
Aber irgendwann in der Zukunft bekommt ihr hier auf dem Blog mal was zu lesen. Zumindest soviel verspreche ich. ;-)

Sonntag, 23. November 2014

Buchstabengeplauder #19

Hier wird es nun vermutlich eine Woche lang still sein (sofern ich nicht morgen vor der Arbeit noch eine Rezension vorschreibe), da ich morgen Besuch von einer Freundin aus der Schweiz bekomme, die ich seit fünf Jahren nicht mehr gesehen habe. Zeit zum Bloggen wird da also in der nächsten Woche keine bleiben. ;-)

Ich schätze, dass ich in der nächsten Woche auch nicht zum Lesen kommen werde - da ist es ja gut, dass ich mit der Sachbuch-Challenge nun durch bin (mir fehlen nur noch die letzten beiden Rezensionen).
Bei der Nobelpreis-Challenge wird es hingegen etwas eng, aber ich lese jetzt meine letzten beiden Bücher beide parallel und bislang gefallen mir beide gut: In Die Gasse der dunklen Läden von Modiano musste ich mich erst einmal einfinden, aber inzwischen bin ich gut drinnen. Der Elefant des Wesirs von Andric ist dagegen eine Sammlung von Kurzgeschichten, die natürlich inhaltlich stark variieren, aber sprachlich lesen sie sich bislang alle sehr flüssig.

Es gibt übrigens dieses Jahr von Ariana wieder eine Art Adventlesen und zwar die Vorweihnachts-Lesewochen. Ich denke, dass ich aus Zeitgründen nicht mitmachen werde - obwohl es gerade bei Stress natürlich hilfreich wäre, sich auch einfach mal bewusst ein wenig ruhige Lesezeit zu gönnen. Vielleicht werde ich mich also noch umentscheiden - mal sehen.
Immerhin habe ich meinem Zimmer nun auch schon mal eine halb-winterliche Dekoration verpasst, nachdem die Kastanien ohnehin schon etwas schrumpelig wurden. ;-) Für die Tischdeko habe ich einfach drei Marmeladegläser unterschiedlicher Größe mit Zweigen und Zapfen gefüllt, was nur den Nachteil hat, dass mir allmählich die Marmeladengläser ausgehen (und dabei will ich doch noch meine jährliche Orangenmarmelade kochen).


Ich wünsche euch morgen einen schönen Sonntag! Bis in einer Woche dann!

Mittwoch, 19. November 2014

Daniel Glattauer - Geschenkt



Genre: Erzählung
Seiten: 336
Verlag: Deuticke
ISBN: 978-3552062719
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen



Gerold Plasser lebt und schreibt als Journalist bei einer Gratiszeitung so vor sich hin. Dass sein 14jähriger Sohn, von dem er bislang nichts wusste, nun jeden Nachmittag für ein paar Stunden bei ihm im Büro sitzt, irritiert ihn zwar, kann ihn aber nicht wirklich aus seiner Lethargie reißen. Dann geht bei einer Obdachlosenschlafstätte eine große Geldspende ein, zusammen mit einem kurzen Artikel von Gerold, in dem er von den finanziellen Schwierigkeiten der Einrichtung berichtete. Und das ist erst der Beginn einer Serie von anonymen Spenden, die Gerold nicht nur ins Blickfeld der Öffentlichkeit richten, sondern auch sein Leben ordentlich auf den Kopf stellen.

"Geschenkt" ist wie eine kuschelige Decke, in die man sich im Winter einhüllt, wie eine Tasse Tee, die einen von innen heraus wärmt. Ich habe schon lange keinen Roman mehr gelesen, der mich einfach nur glücklich gemacht hat, der so ganz und gar an das Gute im Menschen glaubt. Und das schöne daran ist, dass es nicht nur naives Wunschdenken ist, sondern tatsächlich geschehen ist: Das sogenannte Wunder von Braunschweig hat Glattauer zu seinem neuen Buch inspiriert.

Dass der Roman dennoch keine kitschige Zuckerwelt ist, ist zum Einen Glattauers wunderbar ironischem Schreibstil zu verdanken und zum Anderen seinem etwas untypischen Helden. Gerold ist wohl der Inbegriff einer "Is ma wurscht"-Einstellung und bewegt sich noch dazu scharf an der Grenze zum Alkoholismus (sofern er diese nicht schon überschritten hat). Nun gelingt dem Autor aber das Kunststück, dass Gerold dennoch sehr sympathisch rüberkommt. Auch wenn man ihn anfangs manchmal schütteln möchte, kann man ihm doch nicht böse sein, weil er nicht nur ein wahnsinnig gutmütiger Kerl ist, sondern auch gänzlich uneitel, wie auch seine spätere Flamme feststellt.
Und natürlich wächst Gerold im Laufe des Romans über sich selbst hinaus - ebenso wie sein Sohn Manuel, in dem deutlich mehr steckt als man anfangs vermutet. Wie Gerold es endlich schafft, seinen Hintern hochzubekommen und auch endlich so etwas wie Wertschätzung erfährt, ist neben der wunderbaren Spendenserie ein weiterer Grund, weshalb der Roman so ein unglaublich schönes Gefühl vermittelt. Auch die Beziehung zu Manuel ändert sich im Laufe der Handlung und wird wirklich herzerwärmend geschildert.
Dass Gerold nicht etwa eine 180°-Wendung bis zum Ende hinlegt, sondern weiterhin gegen sich selbst kämpfen muss, erdet dabei aber den Roman und verhindert auch, dass einem die Charakterentwicklung unrealistisch vorkommt.

Es gibt aber doch zwei Punkte, die mich an dem Roman gestört haben: Die Situation, dass Manuel, Gerolds Sohn, täglich bei ihm im Büro sitzt, weil seine Mutter für ein halbes Jahr als Ärztin in Afrika arbeitet und die Tante, bei der er wohnt, am Nachmittag keine Zeit hat, kommt mir extrem konstruiert vor. Welcher Vierzehnjährige kann denn bitte nicht für 2-3 Stunden am Nachmittag alleine bleiben? Das ist für mich extrem unglaubwürdig - umso mehr, weil Manuel zwar gegen die Situation an sich aufbegehrt, aber kein einziges Mal ins Feld führt, dass er zu alt ist für einen "Babysitter". Mal davon abgesehen, dass man in dem Alter üblicherweise ohnehin mindestens zwei Nachmittage in der Woche in der Schule verbringt.
Das zweite, was mir nicht so gefallen hat, ist die Liebesgeschichte, die für mich wie ein Fremdkörper wirkt, wie etwas, das eben noch rein musste. Ich halte sie für überflüssig und auch sehr beliebig, da man zwischen den beiden überhaupt keine echten Gefühle spürt.

Diese zwei Kritikpunkte haben mir die Bewertung sehr schwer gemacht, aber da für mich bei dem Roman sonst alles so stimmt, bekommt er von mir dennoch 5 Sterne. Es kommt nur selten vor, dass mich ein Buch so fesselt und so berührt und für mich ist "Geschenkt" einfach eins meiner Lesehighlights in diesem Jahr.
Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich die Auflösung sehr schön und stimmig fand. Man kann darüber diskutieren, ob es überhaupt zu einer solchen kommt oder das Ende eher offen bleibt, aber für mich war es schon sehr eindeutig - und das genialste ist, dass die Lösung einem eigentlich schon am Anfang vorweggenommen wird, man es aber zu dem Zeitpunkt nicht mitbekommt.

Daher: Unbedingt lesen!

Sonntag, 16. November 2014

Niccolò Ammaniti - Die Herren des Hügels



Genre: Erzählung
Seiten: 256
Verlag: Bertelsmann
ISBN: 978-3570006283
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen



Es ist ein trockener, heißer Sommer im Jahr 1978 im Süden von Italien. Die Kinder des armen Dorfes Acqua Traverse vertreiben sich die Zeit mit Spielen und Wettläufen mit harten Strafen für die Verlierer. Als der neunjährige Michele Amitrano als eine solche Strafe ein verfallenes Haus hinter einem Hügel betreten muss, stößt er darin auf einen fremden, halbverhungerten Jungen, der dort angekettet ist. Für Michele ist es zunächst ein spannendes Geheimnis, das seine Phantasie in Gang setzt, bis ihm allmählich klar wird, was es mit dem Jungen auf sich hat.

Ich bin auf diesen Roman durch Hermias Rezension aufmerksam geworden und bin glücklicherweise auch in der Bücherei fündig geworden. Die Taschenbuchausgabe ist unter dem Titel "Ich habe keine Angst" erschienen, was meines Wissens die genaue Übersetzung des italienischen Originals ist, aber es war neben dem Inhalt in erster Linie der ungewöhnliche Titel "Die Herren des Hügels", der mich auf den Roman neugierig gemacht hat.
Und das ist ein Glück, denn es handelt sich dabei um ein äußerst lesenswertes Buch. 

Aus der kindlichen Ich-Perspektive schildert Ammaniti diesen drückend-heißen Sommer, der Micheles gesamtes Leben auf den Kopf stellt. Es beginnt zunächst harmlos mit der Gruppe von Kindern - oder auch nicht ganz so harmlos, da deren Spiele mitunter ganz schön grausam ausfallen. Diese gefährliche Gruppendynamik beschreibt Ammaniti ebenso eindrücklich und anschaulich wie auch die Landschaft: wogende Weizenfelder, trockene Hügel und Täler, ein paar verstreute Häuser.
Obwohl die Sprache (der Perspektive angemessen) eher schlicht ist, ist dennoch die Beschreibung der Umgebung und der Beziehungen innerhalb der Dorfgemeinschaft ungemein lebhaft und stellenweise sogar poetisch.
Viele alltägliche Situationen wirken in dem Roman sehr bedrohlich, was vor allem daran liegt, dass man sie so eindrücklich aus Micheles Sicht erlebt - so etwa die Angst davor, beim Wettlauf zu verlieren und sich in Folge dessen einer Strafe stellen zu müssen oder auch Streitigkeiten in der Familie. Und natürlich auch das Rätsel um den fremden Jungen, das man in diesem Fall als Leser bald durchschaut, während Michele dafür noch fantasievolle Erklärungen sucht.

Die Wahrheit führt schließlich nicht nur zu einem Verlust von Micheles kindlicher Welt, sondern auch zu einem Verlust des Vertrauens in die Erwachsenen. Mit einemmal wird ein kleiner Junge mit dem Bösen konfrontiert und zwar dort, wo er nicht damit gerechnet hat. Seine gesamte Vorstellung einer (annähernd) heilen Welt bricht in sich zusammen und er sieht sich mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert.

"Die Herren des Hügels" ist ein packender und sehr aufwühlender Roman über den Verlust der Kindheit, über einen moralischen Zwiespalt und über einen Jungen, der mehr Mut entwickelt als alle Erwachsenen zusammen.
Ich habe nur einen einzigen kleinen Kritikpunkt, den ich hier aufgrund massiver Spoiler nicht wirklich nennen kann, aber er betrifft das Ende (das mir dennoch gut gefällt). Das ändert aber nichts an begeisterten 5 Sternchen. Sehr empfehlenswert!

Freitag, 14. November 2014

Das war die "Lange Nacht der Bücher"

Wie bereits angekündigt, war ich am Mittwoch mit einer Freundin bei der "Langen Nacht der Bücher", die erstmals zur Eröffnung der Buch Wien stattgefunden hat.
So lang war die Nacht allerdings gar nicht - sie dauerte von 20 bis 23 Uhr. Die Messestände hatten alle normal geöffnet, ebenso wie die Messebuchhandlung; dazu gab es diverse Lesungen und andere Veranstaltungen. Ein Eintrittspreis von 3 Euro war dafür völlig angemessen.

Die Buchmesse selbst ... nun ja. Im Vergleich zu Leipzig ist das alles immer noch sehr klein und überschaubar. Dafür herrscht aber auch bei weitem nicht so ein Gedränge, auch wenn die lange Schlange am Eingang zunächst anderes vermuten ließ. Aber in der Halle hat sich das dann doch alles schnell aufgeteilt und wir konnten recht gemütlich durch die Gänge schlendern. 


Es waren sowohl kleine (und mir unbekannte) Verlage vertreten als auch große. Wir haben eine gemütliche Runde durch die Messehallen gedreht und uns einige Leseproben mitgenommen, die ich mir in den nächsten Tagen mal zu Gemüte führen werde. 

 
Allerdings - und das war auch schon in Leipzig so - bin ich nicht diejenige, die ewig bei den Ständen die Neuerscheinungen durchforstet und dementsprechend waren wir auch eher zügig durch. Wir haben uns dann noch ein wenig in der recht einladend gestalteten Messebuchhandlung umgesehen, die aber nicht so spektakulär war. Das brandneue Herbstprogramm wird ja doch in Frankfurt vorgestellt und so gabs hier vor allem die Bücher, die man derzeit ja sowieso auch in den gängigen Buchhandlungen sieht. Bei einer Reihe von äußerst hübschen, leinengebundenen Neuausgaben von Jane Austen und den Bronte-Schwestern wäre ich beinahe schwach geworden und hätte mir welche gekauft, aber da ich die Bücher ja bereits in anderen Ausgaben habe, konnte ich mich davon dann doch abhalten.
Auf dem Foto seht ihr drei dieser Bücher in der Mitte:

 
Wir haben dann rechtzeitig bei der Forums-Bühne Platz genommen, wo ein Quiz veranstaltet wurde, moderiert unter anderem von Wolf Haas. Das Quiz, von dem wir das erste Semi-Finale sahen, war recht anspruchsvoll, mit Fragen natürlich zu Literatur, aber auch zu Geschichte, Musik, Politik, ...
Wolf Haas selbst ist allerdings wenig zu Wort gekommen und schien sich in der Rolle des Quizmasters auch nicht ganz so wohlzufühlen. Bei Lesungen wirkt er auf jeden Fall immer deutlich lockerer und witziger.


Vor dem 2. Semi-Finale haben wir das Quizduell dann allerdings verlassen, um rechtzeitig für die Lesung von Glattauer zur ORF-Bühne zu kommen.
Dort war gerade die Lesung von Don Winslow zu Ende und es gab noch eine kleine Gesprächsrunde. Diese war zwar ganz interessant, aber da wir keine Ahnung von dem entsprechenden Roman hatten, fehlte uns natürlich ein wenig der Kontext. Die Übersetzung durch die Dolmetscherin war außerdem auch eher unbeholfen.


Nach dem Gespräch mit Don Winslow, verschwanden einige, um sich von ihm Bücher zu signieren lassen - und so konnten wir die Gunst der Stunde nutzen und noch zwei Sitzplätze für die nächste Lesung ergattern.
Daniel Glattauer hat den Anfang seines neuen Romans "Geschenkt" gelesen, den ich selbst ja eben erst gelesen hatte - aber das hat mich nicht weiter gestört. Ich habe ihn bisher noch nie live erlebt und fand seine Lesung sehr unterhaltsam, lebhaft und gut verständlich.


Auch beim folgenden Gespräch hat Glattauer einen sehr sympathischen und klugen Eindruck gemacht, auch wenn ich nicht allem, was er so über das Zeitungswesen und digitales Lesen gesagt hat, zustimmen würde. Bevor es dann aber konkret um sein Buch gehen konnte, musste das Gespräch bereits abgebrochen werden, weil das Programm etwas in Verzug geraten war. Das war natürlich schade.

Alles in allem war es ein schöner Abend mit Glattauers Lesung als Highlight. Um einen ganzen Tag dort zu verbringen, wäre mir die Buch Wien aber auf jeden Fall zu klein (und im Verhätnis dann auch zu teuer). Für 3 Stunden war es genau richtig und die Mischung aus Stöbern in den Ständen, Lesung und Quiz sehr angenehm.

Dienstag, 11. November 2014

Buchstabengeplauder #18

In der letzten Zeit hatte ich wieder einiges Glück mit der Buchauswahl. Elantris von Brandon Sanderson habe ich zwar leider nach etwa 250 Seiten abgebrochen, weil es mir nach einem interessanten Beginn dann so gar nicht zugesagt hat, aber ansonsten war ich in den letzten Wochen mit meiner Lektüre sehr glücklich.
Die ersten vier Bände der Daisy Dalrymple Mysteries haben sich praktisch weggelesen wie nichts und der nächste Band wartet bereits auf meinem Reader. Aus der Bücherei hatte ich außerdem Die Herren des Hügels von Niccolo Ammaniti ausgeliehen - ein sehr beeindruckender Roman, zu dem ich auf jeden Fall noch eine Rezension schreiben werde. Und schließlich hatte ich aus der Onleihe noch Geschenkt von Daniel Glattauer geladen und innerhalb kürzester Zeit gelesen. Da hat Glattauer mal wieder alle Register gezogen und einen äußerst lesenswerten Roman geschrieben.

Aktuell schaue ich gerade, dass ich noch alle Challenges zu einem erfolgreichen Abschluss bringe. So lese ich für die Sachbuch-Challenge gerade Mit Kompass und Korsett - ein Buch über reisende Frauen vom 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert.  
Für die Nobelpreis-Challenge habe ich mir ein neues Buch gegönnt und zwar Die Gasse der dunklen Läden von Patrick Modiano. Ich war mir lange unsicher, welchen Roman von ihm ich kaufen soll. Dieser hier wurde mir von einer Freundin empfohlen, aber mich haben bei einem Reinblättern auch "Villa Triste" und "Aus tiefstem Vergessen" angesprochen. Ich hoffe also, dass ich für mich die richtige Wahl getroffen habe.
Als weiteres Challengebuch habe ich meiner Mutter Sündenfall entführt, eins der unbekannteren Bücher von John Galsworthy. Ich habe mir außerdem für meinen nächsten Büchereibesuch Ivo Andric notiert, nehme aber an, dass das zumindest vor dem Challengeende nichts mehr wird.

Um noch einmal auf Daniel Glattauer zurückzukommen: Er liest morgen Abend bei der Langen Nacht der Bücher, die als Auftakt zur Buch Wien stattfindet. Da mir eine Kollegin die letzten zwei Stunden meines Dienstes abnimmt, werde ich mir diese auch anhören können. :-)
Ich muss ja gestehen, dass ich nur einmal bei der Wiener Buchmesse war - damals war sie noch im Rathaus (inzwischen ist sie in der Messehalle D) und steckte noch in den Kinderschuhen. Oder eher noch in gar keinen Schuhen, da das damals ein Trauerspiel war, man muss es ehrlich sagen. Daher hatte ich seither auch keine große Lust mehr darauf, obwohl sie inzwischen doch deutlich größer sein dürfte.
Die lange Nacht der Bücher klingt aber vielversprechend, da neben Daniel Glattauer auch Wolf Haas da sein wird und ein paar weitere Autoren, die ich allerdings nicht kenne. Und bei einem Eintrittspreis von 3 Euro kann man auch nicht sehr viel falsch machen.

Sonntag, 9. November 2014

Carola Dunn - Daisy Dalrymple Mysteries 1-4

 
Vor einer Weile gab es die Omnibus-Edition der ersten 4 Bände der Daisy Dalrymple-Krimis zu einem Spottpreis als ebooks und da sie ganz nett klangen, habe ich sie mir gegönnt. Daraufhin schlummerten sie monatelang fast vergessen auf meinem Reader vor sich hin, ehe ich nun innerhalb eines Monats alle 4 Bände gelesen habe - was schon mal für die Serie spricht.
Es handelt sich bei der Omnibus-Edition um folgende Bücher:
- Death at Wentwater Court
- The Winter Garden Mystery
- Requiem for a Mezzo
- Murder on the Flying Scotsman


Die Krimis sind in den 1920iger Jahren in England angesiedelt und haben als Hobbydetektivin Daisy Dalrymple, eine junge Frau aus der Oberschicht, die als Journalistin selbst für ihren Lebensunterhalt sorgt. Sie stolpert in Herrenhäusern, bei einem Konzert und in einem Zug über Leichen und unterstützt stets Scotland Yard eifrig bei den Ermittlungen. Dabei entspinnt sich allmählich eine zarte Romanze mit Chief Inspector Alec Fletcher, auch wenn dieser nicht gerade eine standesgemäße Partie darstellt.

Mir haben die Krimis sehr viel Spaß gemacht und ich bin mir sicher, dass ich die Serie weiterlesen werde. Daisy ist eine sympathische, junge Frau, die ihr Herz am rechten Fleck hat und eine leicht rebellische Ader mitbringt. Auch die Nebenfiguren sind liebevoll ausgearbeitet und einige von ihnen, wie etwa Daisys Verehrer Philip Petrie, treten auch in mehreren Bänden auf. Jedesmal mit dabei ist natürlich Alec, der charmante Polizist, der Daisy gern aus den Ermittlungen raushalten würde, dabei aber nur wenig erfolgreich ist.

Das Setting finde ich wunderbar. Spätestens seit "Downton Abbey" habe ich eine Schwäche für England um und nach dem 1. Weltkrieg und Carola Dunn erweckt diese Zeit in ihren Krimis auch sehr gut zum Leben. Die Auswirkungen des Krieges sind noch deutlich zu spüren und geben dem sonst sehr heiteren Grundton ab und zu eine etwas dunklere Note.
Apropos heiter: Es handelt sich bei dieser Serie eindeutig um Cozy Krimis und ich muss leider sagen, dass sie mir manchmal doch etwas zu "cozy" sind. Natürlich ist es ganz nett, wenn man zwischendurch auch mal Bücher mit absolutem Wohlfühl-Faktor liest, in denen man trotz der Verbrechen keine großen Katastrophen befürchten muss. Allerdings fehlen mir dann doch ein wenig die Abgründe. So würde ich mir etwa wünschen, dass auch mal eine Auflösung etwas schmerzhafter ausfällt und vielleicht Daisy einmal in ein wirkliches Dilemma stürzt oder sie zumindest nachhaltig prägt.

Die Kriminalfälle selbst sind abwechslungsreich und spannend, wenn auch nicht sonderlich raffiniert. Bei allen 4 Krimis hatte ich den Mörder bereits eine ganze Weile vor dem Ende erraten, aber da auch all das Rundherum (die Beziehungen der Figuren zueinander, Daisys Arbeit, das Leben der Verdächtigen) stets eine große Rolle spielt, gibt es neben dem Krimiplot auch noch reichlich Nebenhandlungen.

Dass es etwas unrealistisch ist, wenn eine junge Frau ständig über Verbrechen stolpert, ist natürlich ein Problem, das sich zwangsweise ergibt, wenn man in einer Krimiserie nicht einen Polizisten als Protagonisten hat. Anders lässt sich eine solche Krimiserie nun einmal nicht umsetzen. Daher hat mich das auch nicht sonderlich gestört, obwohl es gerade wegen des kurzen Zeitraums (die ersten 4 Bände sind innerhalb eines halben Jahres angesiedelt) schon auffällt.
Ich hoffe aber, dass das im Laufe der Serie dadurch abgeschwächt wird, dass sich wohl die Beziehung zwischen Daisy und Alec vertieft und sie fortan durch ihn in die Fälle hineingezogen wird.

Alles in allem haben mich die Krimis gut unterhalten und ich würde alle 4 Bände mit etwa 3-4 Sternen bewerten. Zeug zur Lieblingsserie haben sie für mich nicht, weil sie mir dafür auf jeden Fall zu gemütlich und zu gefällig sind, aber für einen kuschligen Abend auf dem Sofa sind sie perfekt geeignet.

Freitag, 7. November 2014

Hugh Howey - Silo


Genre: Science-Fiction, Endzeit/Postapokalypse
Seiten: 534
Verlag: Piper
ISBN: 3869521597
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen
 
 
 
 
Seit Generationen ist die Luft an der Erdoberfläche vergiftet und der letzte Rest der Menschheit hat sich in ein unterirdisches "Silo" zurückgezogen. Sheriff Holston beginnt sich aber zu fragen, ob wirklich alles so ist, wie es den Anschein hat. Vor drei Jahren ist seine Frau gestorben, weil sie nach draußen wollte - aber was hat sie damals entdeckt, dass sie überhaupt diesen tödlichen Wunsch geäußert hat? Holston beschließt, dass er selbst mit eigenen Augen sehen möchte, was sich hinter der großen Luke, die sie alle beschützt, verbirgt.
 
"Silo" ist ein ebook, das ich durch eine Gratisaktion entdeckt habe. Ich nutze solche Aktionen sonst nur selten, da ich nicht zig ebook-Leichen auf meinem Reader ansammeln möchte, die ich dann doch nie lese. Auf "Silo" bin ich vor allem deshalb neugierig geworden, weil das Self-Publishing-ebook im englischsprachigen Raum quasi durch die Decke geschossen ist, weshalb sich dann Piper die Rechte für die deutsche Übersetzung gesichert hat.
Nun muss ja so ein Überraschungserfolg noch nicht viel heißen, aber in diesem Fall kann ich ihn wirklich nachvollziehen. Der Roman ist ungemein spannend und hat mich selbst in einer Zeit, in der ich stressbedingt kaum den Kopf frei zum Lesen hatte, mit glühenden Wangen an meinen Reader gefesselt.
 
Die Inhaltsbeschreibung klingt zunächst nach einem sehr vertrauten Handlungsschema solcher letzten Menschheitsrefugien, aber keine Bange: So vorhersehbar ist der Roman nicht. Hugh Howey hat einige Überraschungen in der Hinterhand und stellt gerade zu Beginn alle Vermutungen mehrmals mit einigen Wendungen auf den Kopf. Diese Wendungen bringen auch mit sich, dass die Protagonisten mehrfach wechseln, was vielleicht nicht jedermanns Fall ist. Mich hat das aber nicht gestört und ich konnte mich auch auf jede neue Perspektive schnell einstellen.
 
Es sind einerseits die offenen Fragen, die das Buch so fesselnd machen, andererseits auch die latente Bedrohung, die über den Figuren schwebt, denn wer zu viele Fragen stellt, gerät schnell in Gefahr, aus dem Silo verbannt zu werden. Und Fragen stellen vor allem Sheriff Holston und die Mechanikerin Juliette Nichols reichlich. Juliette ist eine äußerst sympathische Figur: ein wenig ruppig zwar, aber auch intelligent und mutig. Die anderen Figuren stehen etwas hinter ihr zurück - sie sind zwar gut ausgearbeitet, in manchen Punkten aber doch etwas klischeehaft. Trotzdem bringen sie noch genug Facetten mit, dass sie authentisch und lebensecht wirken.
 
Das Silo selbst ist beinahe ein Protagonist für sich: eine komplette Stadt auf zahlreichen Stockwerken, mit bildhaft beschriebenen unterschiedlichen Abteilungen und Bewohnern, deren Lebenszweck es in erster Linie ist, ihre Zuflucht am Laufen zu halten. Dennoch beginnt sowohl das mittlerweile veraltete Gebäude als auch die strenge Gesellschaftsordnung allmählich zu bröckeln. Immer mehr Menschen stellen in Frage, was sie bislang zu wissen glaubten, bis schließlich ihre gesamte Welt aus den Fugen gerät.
 
Dass "Silo" für mich dann doch kein perfekter Roman ist, liegt vor allem daran, dass es für mich einige Logiklücken gab. Ob es tatsächlich Lücken sind, kann ich zwar noch nicht beurteilen, da das der Auftakt zu einer Trilogie ist, aber ich bezweifle dennoch, dass alles noch zur Zufriedenheit erklärt wird. Zudem geschieht zum Ende hin manches ein wenig überstürzt, was dann auch dazu führt, dass gewisse Ereignisse und auch Entscheidungen der Figuren nicht ganz nachvollziehbar sind. Umgekehrt hätte man in den ersten zwei Dritteln vielleicht manches straffen können, wobei ich mich aber beim Lesen nie gelangweilt habe.
Sprachlich ist der Roman nicht überragend geschrieben, er liest sich aber trotzdem flüssig und schnell - hätte ich ihn im Original gelesen, hätte ich mich wohl auch an der recht einfachen Sprache nicht gestört.
 
Fazit: "Silo" ist ein äußerst spannender Roman über Lüge und Manipulation, bei dem die Seiten nur so an einem vorbeifliegen. Er enthält altbekannte Elemente, schlägt aber doch so eigene Wege ein, dass ich ihn durchaus originell fand. Da das Tempo teilweise nicht ganz stimmt und der Roman sprachlich vielleicht noch ein wenig Feinschliff vertragen hätte, gibt das von mir 4 Sternchen mit leichter Tendenz nach oben.

Mittwoch, 5. November 2014

[Tag] Harry Potter und ich

Derzeit wandert mal wieder ein Tag durch die Buchblogs. Ich weiß nicht genau, wo er den Anfang genommen hat, aber ich habe ihn schon vor einer Weile bei Caroline gefunden. Für alle, die schon nichts mehr über Harry Potter lesen wollen, tut es mir leid, aber ich mag die Bücher einfach und finde auch die Fragen sehr schön.

1. Deine Harry Potter Geschichte, deine erste Begegnung mit Harry Potter?
Kurz, nachdem die ersten drei Bände auf Deutsch erschienen sind (1998 oder 1999 müsste das gewesen sein), hat eine Schulfreundin sie gelesen. Damals waren die Bücher noch ziemlich unbekannt, aber ich hatte in einer Zeitschrift etwas über Rowling gelesen und war deshalb neugierig. Ich habe sie also von meiner Freundin ausgeliehen und sofort verschlungen.
Und danach ging die Warterei los ...

2. Hast du alle Bücher gelesen/ Filme gesehen?
Ja, zuerst auf Deutsch, dann ab Band 5 auf Englisch, weil ich nicht auf die Übersetzung warten wollte. Die ersten Bände habe ich ziemlich oft gelesen, da ich meistens vor dem Erscheinen eines neuen Bandes alle vorherigen nochmal gelesen habe. Dementsprechend habe ich Band 7 bislang nur ein einziges Mal gelesen. ;-)
Die Filme habe ich mir auch alle im Kino angesehen.

3. Wenn du sie gelesen hast - bevor du den Film geschaut hast oder danach?
Davor natürlich, da ich ja die Bücher immer gleich nach dem Erscheinen gelesen habe und die Filme zu dem Zeitpunkt noch nicht gedreht waren. ;-)

4. Dein liebster HP Band/ Film? Und der schlechteste?
Ich liebe Band 3, weil ich die Wendung mit Sirius überhaupt nicht vorhergesehen habe und ich es auch schön fand, wie sich dann alles mit dem Zeitumkehrer ineinander fügte. Ich mag außerdem die etwas unheimliche Stimmung in Band 2 und fand es wiederum beim letzten Band schön, dass die starre Struktur der Schuljahre aufgebrochen wurde.
Am wenigsten mochte ich von den Büchern Band 5, weil ich ihn anfangs unglaublich zäh fand und Umbridge (sowie die Stimmung, die sie verbreitet) einfach furchtbar ist.

Interessanterweise mag ich aber die Verfilmung des 5. Bandes ganz gern, weil einige Elemente enthalten sind, die ich schon im Buch sehr mochte und die durch die Kürzung deutlicher herauskamen, während das zäh langsame Fortschreiten der Handlung dadurch entfiel.
Mein Liebling ist aber auch bei den Filmen der 3., da dieser richtig schön umgesetzt ist: Er enthält ein klares Thema (Zeit), das sich in diversen Symbolen/Kameraeinstellungen durch den gesamten Film zieht. Auf diese Weise entsteht eine tiefere Ebene und es stimmt für mich auch einfach das Tempo.
Ich liebe außerdem alles rund um den Ball im 4. Film:
"Now, Mr. Weasley, place your right hand on my waist."
"WHERE?!"
Dagegen mochte ich den 6. Film nicht, den ich, glaube ich, wirklich kein zweites Mal sehen möchte. Zusammenhanglos, an den falschen Stellen gekürzt, ständig werden Themen angeschnitten, die dann in der Luft hängen bleiben, usw.

5. Dein Lieblingscharakter gut/ böse? 
Es gibt eine ganze Reihe von Nebenfiguren, die ich liebe. Da ich mich wirklich auf keine festlegen kann: McGonagall (ich hatte im letzten Band panische Angst, dass sie sterben könnte), Luna, Ginny, Fred und George, Sirius.
Gilderoy Lockhart ist natürlich ein herrlicher Spaß, auch wenn er recht nervig sein kann.

Snape ist sonst ja ein sehr beliebter "Böser", den ich aber großteils überbewertet finde: Dieses total kindisch-zickige Verhalten vor allem Harry gegenüber fand ich für einen Erwachsenen (und einen Lehrer noch dazu) absolut lächerlich. Später wurde er für mich dann interessanter, vor allem am Ende, aber in den ersten Bänden ist er für mich eine der anstrengendsten Figuren überhaupt.
Umbridge kann man natürlich richtig schön hassen, allerdings ist sie unerträglich. "Lieblingscharakter" kann ich sie daher wohl eher nicht nennen ...

6. Lieblingsschauspieler/in?

Maggie Smith! Auch Emma Thompson und Kenneth Branagh - es macht unglaublich Spaß, ihnen zuzusehen.
Die Kinderdarsteller fand ich anfangs alle nicht gut, da hat es eine ganze Weile gedauert, bis sie nicht mehr so hölzern gespielt haben. Von ihnen fand ich Emma Watson und Tom Felton noch am besten.

7. In welchem Haus würdest du am liebsten als Schüler/in in Hogwarts sein?
Ich finde das relativ schwierig. Slytherin fällt ja, so wie es dargestellt wird, eher aus, aber ich mag auch Gryffindor nicht besonders, weil das Haus auf mich extrem ... elitär wirkt. Nein, das ist nicht das richtige Wort, aber eben so "wir sind ja so toll, bei uns sind die mutigen und die loyalen und alle, die 'cool' sind". %-)
Am sympathischsten ist mir Hufflepuff und es hat mir immer sehr leid getan, dass das Haus in den Büchern so untergeht. Es hat eigentlich das schönste "Motto" - nämlich, dass dort jede(r) einen Platz findet, aber so, wie das dargestellt wird, erscheint es wie das Haus der Loser. Ich glaube, ich würde schon aus reinem Trotz dorthin wollen, könnte mir aber auch Ravenclaw gut vorstellen.

8. Welches Haustier hättest du gern?
Eine Katze, auch wenn eine Eule wohl praktischer wäre.

9. Gefällt dir das Ende oder hättest du es dir anders gewünscht/ vorgestellt?
Ich muss gestehen, dass ich den Epilog furchtbar finde und mir bis jetzt wünsche, ich hätte ihn einfach nie gelesen. Er hat mir das ganze Ende zerstört, das ich sonst eigentlich durchaus gelungen fand.

10. Wolltest du auch schon immer mal Butterbier trinken?
Für mich klingt es ziemlich eklig, aber sollte ich es irgendwann mal zu den Harry Potter Studios schaffen (was ich sehr hoffe!), werde ich es dort sicher mal ausprobieren.

11. Dein Lieblingsort?
Schwierig, es gibt so viele faszinierende Orte in den Büchern. Am gemütlichsten stelle ich mir den Fuchsbau vor, aber besonders spannend zu erkunden ist sicher Diagon Alley.

12. Lieblingslehrer - Schulfach? 
McGonagall (wer hätte das gedacht *g*). Ich mochte solche gerecht-strengen Lehrer schon in meiner eigenen Schulzeit. Sehr sympathisch sind aber auch Flitwick und Lupin.
Ich denke, dass mir die Pflege magischer Geschöpfe und die Arbeit in den Gewächshäusern am meisten Spaß machen würde. Natürlich sind auch die Zauberei-Fächer sehr interessant, wobei mir Verteidigung gegen die dunklen Künste zu unheimlich/gefährlich wäre. ;-)

13. Traurigster Moment?
Hm, schwierig. Ich mochte Dobby nie, fand aber seinen Tod sehr traurig geschrieben.
Trotzdem wohl eher der Tod von Sirius, auch wenn ich den in dem eigentlichen Moment gar nicht recht begriffen habe.

14. Welches Fabelwesen ist dein Liebling?
Buckbeak. Als Pferdefan würde ich einfach sehr gern einmal auf einem Hippogreif reiten.

15. Welches deutsche Buchcover gefällt dir am besten?
Ich musste jetzt erst mal die deutschen Buchcover googlen, weil ich manche nie gesehen hatte. Ich muss ja zugeben, dass ich allgemein kein Fan der deutschen Cover bin, mag am liebsten aber das des 1. Bandes, da hier der Zeichenstil noch zum kindlichen Charakter des Buches passt.

16. Was wäre bei dir im Raum der Wünsche?
Da dieser sich ja den aktuellen Wünschen/Bedürfnissen anpasst, kann ich das nicht allgemein beantworten.

17. Hast du mit 11 auch auf einen Brief von Hogwarts gewartet?
Dafür war ich bei Erscheinen des ersten Buches bereits zu alt. ;-)
Aber falls das auch zählt: Ich war mit etwa 9 Jahren todunglücklich darüber, dass mich "Die Unendliche Geschichte" nicht tatsächlich nach Phantasien bringt. Nein, darüber bin ich bis jetzt nicht hinweggekommen.

18. In was würde sich ein Irrwicht bei dir verwandeln?
Eine Spinne. *schauder*

19. Was ist dein Lieblingsartefakt?
Der Zeitumkehrer. Wie oft hätte ich einen solchen schon brauchen können!