Sonntag, 29. September 2013

David Anthony Durham - Macht und Verrat (Acacia 1)



Genre: High Fantasy
Seiten: 800
Verlag: Blanvalet
ISBN: 9783641016746
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen



Seit Jahrhunderten schon beherrschen die Akaran von der Insel Acacia aus ein gewaltiges Reich scheinbar in Ruhe und Frieden, doch unter der Oberfläche brodelt es: Die besiegten Länder wollen Unabhängigkeit und auch die Akaran selbst sind nur eine Marionette in den Fäden der mächtigen Handelsgilde. Als die Mein aus dem kalten Norden mit grausamen Verbündeten Acacia angreifen, stürzen sie das gesamte Reich in ein Chaos.

"Macht und Verrat", der Auftakt zu Durhams Acacia-Trilogie beginnt mit der Schilderung von König Leodans Kindern, die einem in ihrer Konstellation irgendwie bekannt vorkommen: Aliver, der älteste Sohn und Thronerbe, der sich erst noch in seine verantwortungsvolle Rolle einfinden muss, die naive ältere Tochter Corinn, die vor allem mit Kleidern und ihrer Schönheit beschäftigt ist, die wilde jüngere Tochter Mena, eine kleine Rebellin und Liebling ihres Vaters und schließlich Dariel, der jüngste Sohn, der abenteuerlustig durch das Schloss streift.
Erinnert irgendwie an die Stark-Kinder? Ja, umso mehr noch, weil Corinns weiteres Schicksal dem von Sansa sehr gleicht, ebenso wie Alivers Weg Gemeinsamkeiten zu dem von Robb aufweist und die Bedrohung aus dem Norden ein wenig an die Wildlinge denken lässt.

Mit den Parallelen zu "A Song of Ice and Fire" in der anfänglichen Figurenkonstellation und einigen anderen Punkten muss man sich also erst einmal anfreunden. Während ich mich bei Martin aber sofort in jede einzelne der Figuren gut einfinden konnte, hatte ich bei "Macht und Verrat" mit sämtlichen Perspektiventrägern zunächst Schwierigkeiten. Das lag zum Teil wohl an der etwas seltsam anmutenden Marotte von Durham, an allen möglichen passenden und leider auch unpassenden Stellen indirekte Rede einzusetzen. Wenn gerade jemand zu einer bedeutenden Ansprache anhebt oder zwei Personen ein sehr persönliches Gespräch führen, wirkt es sehr sperrig und distanziert, wenn man das nur als indirekte Rede serviert bekommt - umso mehr, weil dadurch die Figuren sehr auf Abstand gehalten werden.

Mit der Zeit konnte ich dennoch ganz gut in das Buch hineintauchen, da mir die Figuren allmählich vertraut wurden und ich die politischen Verhältnisse sehr spannend fand.
Doch dann folgt nach gut 200 Seiten eine leserische Katastrophe: Ein Sprung von 9 Jahren! Kaum also hat man hineingefunden, die doch recht zahlreichen Figuren sortiert und beginnt mitzufiebern, kommt ein völliger Bruch und verbunden damit auch ein völliger Stillstand. Denn nun muss man bei allen Perspektiven quasi nochmal neu beginnen, wird mit Rückblenden und Zusammenfassungen auf den aktuellen Stand gebracht und muss sich in ganz neue Situationen und gewissermaßen auch ganz neue Figuren einfinden, deren Charakter sich natürlich im Laufe der Jahre weiterentwickelt hat.

Erzähltechnisch ist dieser Sprung also mehr als unglücklich und ich war an diesem Punkt nahe daran, den Roman einfach abzubrechen. Dass ich es nicht getan habe, war gut, denn nachdem die mühsame Phase all der Rückblicke erst einmal überwunden ist, kommt die Handlung endlich so richtig in Fahrt. Noch dazu führt der Autor aus der Sicht der in alle Winde zerstreuten Kinder wirklich faszinierende Kulturen ein, allen voran der Vumu-Archipel mit seiner grausamen Göttin. 
Sehr gut geschildert sind auch die Probleme der Mein, in Acacia die Macht zu halten und sich mit der Handelsgilde zu arrangieren. Hamish Mein, der zu einer der interessantesten Figuren des Romans gehört, muss bald feststellen, dass er zu ähnlichen Kompromissen gezwungen ist wie vor ihm König Leodan und dass die Gilde die eigentlichen Fäden zieht.
Der Umgang mit Macht und das Scheitern der eigenen hohen Ideale sind Themen, die in dem Roman differenziert behandelt werden und oft auch zu einem bitteren Nachgeschmack führen. Durham macht es seinen Lesern nicht immer einfach und schreckt nicht vor unschönen Plotentwicklungen zurück. So ist auch das Ende nur zum Teil versöhnlich und gerade offen genug, um Lust auf den nächsten Band zu wecken, ohne einen mit großen Cliffhangern zurückzulassen.

Insgesamt hat mir dieser Trilogie-Auftakt dann doch ganz gut gefallen, trotz zahlreicher Startschwierigkeiten und einigen größeren Kritikpunkten. Abgesehen von der etwas inflationär eingesetzten Magie im hinteren Drittel (bzw. dem Auftauchen aller möglichen höheren Mächte) hat mich der Roman ab der Hälfte durchaus überzeugt und ich würde gern mehr über die spannenden Kulturen und die teils sehr interessanten Figuren lesen.

Kommentare:

  1. Oh, die Figuren lesen sich aber wirklich sehr bekannt. Aber schön, dass es nach den anfänglichen Startschwierigkeiten doch noch gut wurde. Ich warte mal ab, was du zu dem Nachfolger sagst, und überlege dann, ob das wohl was für mich ist. :)

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    1. Uneingeschränkt empfehlen kann ich den Roman ja leider wirklich nicht. Aber wer weiß, vielleicht entfallen dann beim 2. Band sämtliche Kritikpunkte. :-)

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