Dienstag, 23. Juli 2013

Carlos Ruiz Zafón - Der Gefangene des Himmels



Genre: Roman
Seiten: 416
Verlag: S. Fischer
ISBN: 9783100954022
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen



Barcelona 1957. Das Weihnachtsgeschäft in der Buchhandlung Sempere und Söhne läuft nur schleppend, als eines Tages ein Unbekannter eine teure Ausgabe von "Der Graf von Monte Christo" kauft - um sie als Geschenk an Fermín in der Buchhandlung zurückzulassen. Für Fermín ruft dieses eigenartige Geschenk Erinnerungen an Zeiten wach, die er gern vergessen hätte. Als er Daniel aus seiner Vergangenheit erzählt, wird diesem klar, dass die Ereignisse von damals auch mit seinem eigenen Leben verknüpft sind.

Ich kann "Der Gefangene des Himmels" nicht als Roman für sich betrachten, sondern nur im Kontext der Erzählungen um den "Friedhof der Vergessenen Bücher" (der hier übrigens nur eine geringe Rolle spielt). 
"Der Schatten des Windes" hat mich vor Jahren völlig umgeworfen und ist für mich noch immer eins der großen Lese-Highlights aller Zeiten. "Das Spiel des Engels" war nicht mehr und nicht weniger als ein sehr guter Roman. "Der Gefangene des Himmels" schließlich ist nicht einmal mehr das. Ich finde ihn nicht schlecht, aber er ist auch nichts besonderes.
Ich würde sogar sagen, dass sich die Lektüre nur dann lohnt, wenn man die vorigen Romane auch gelesen hat (während diese auch gut für sich alleine stehen). Denn "Der Gefangene des Himmels" lässt so einige Ereignisse der Vorgänger in einem ganz neuen Licht erscheinen und das ist es auch, was den Reiz dieses Romans ausmacht. 
Wenn man all diese intertextuellen Bezüge wegnimmt, bleibt eine durchaus spannende, aber eigentlich recht dünne Geschichte übrig. Es gibt einen sehr geradlinigen Handlungsstrang, der aus Fermíns Vergangenheit erzählt und ein paar (auch emotionale) Verwicklungen in der Gegenwart, aber das wars auch schon.
Stichwort "dünne Geschichte": In dem Roman steckt sehr viel weniger Inhalt als das recht dicke Buch vermuten lässt, da die Schrift äußerst großzügig gesetzt ist und die Seiten ziemlich dick sind. Scheint, als wollte man den Roman zumindest auf den ersten Blick an die Länge der beiden Vorgänger annähern, obwohl darin lediglich eine recht kompakt-kurze Handlung steckt.

Dennoch hat der Roman - abgesehen von den Querverweisen auf die Vorgänger - seine Stärken. Zuallererst ist natürlich der Schreibstil von Zafón zu nennen, der einfach schön zu lesen ist und besonders in den Dialogen von Fermín voller Wortwitz steckt. Die Sprache ist oft auch äußerst direkt und drastisch, denn es gibt im Roman zahlreiche brutale Szenen. Aber sie fügen sich flüssig in den Rest ein und sind auch noch innerhalb der Grenzen des Erträglichen.
Und schließlich wird die Freundschaft zwischen Daniel und Fermín in dem Roman wunderschön geschildert. Beide sind sympathisch, gleichzeitig aber weit davon entfernt perfekt zu sein. In ihrer Freundschaft zueinander aber wachsen sie über sich hinaus und sind fähig, durch den Einfluss des jeweils anderen an den eigenen Fehlern zu arbeiten.
Und nur, weil ich mehr über ihre Freundschaft lesen möchte und neugierig bin, wie sich gewisse Aspekte noch auflösen und verbinden werden, werde ich bestimmt auch den (abschließenden) vierten Roman über den "Friedhof der Vergessenen Bücher" lesen.

1 Kommentar:

  1. Ich fand schon "Das Spiel des Engels" mittelmässig. Und deine Rezension bestärkt mich darin, dieses Buch nicht lesen zu wollen.

    Von daher - vielen Dank dafür! ;)

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