Mittwoch, 13. März 2013

Julie Peters - Am Fuß des träumenden Berges


Genre: Belletristik
Seiten: 464
Verlag: Wunderlich
ISBN: 978-3805250504
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen




Anfang des 20. Jahrhunderts bricht die junge Engländerin Audrey nach Kenia auf, um dort Matthew Winston, den Besitzer einer Teeplantage, zu heiraten. Sie hofft, mit dieser Heirat ein dunkles Kapitel ihrer Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Und tatsächlich scheint sie nicht nur in Matthew ihre große Liebe, sondern auch in Kenia eine neue geliebte Heimat gefunden zu haben. Bis der Ausbruch des 1. Weltkrieges ihre Welt erneut ordentlich ins Wanken bringt.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Roman, den ich eigentlich eher aus "Pflichtbewusstsein" begonnen habe, mich aus meiner derzeitigen kleinen Lesekrise herausheben würde? Denn nach einem Einstieg, der mich ob der ständigen nebulösen Andeutungen vergangener Ereignisse nur wenig überzeugen konnte, fiel es mir dann doch nicht schwer, mich in den Roman einzufinden. Bald war sogar der Punkt erreicht, an dem ich ihn kaum noch aus der Hand legen konnte.
Dabei ist der Roman nun nicht unbedingt spannungsgeladen, aber die Figuren und vor allem der Schauplatz Kenia zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben mich schnell gefesselt.

"Am Fuß des träumenden Berges" ist im Grunde keine Liebesgeschichte , sondern die Entwicklungsgeschichte einer jungen Frau, die in der Fremde zu sich selbst findet und auch eine Reihe von Schicksalsschlägen unter anderem deshalb übersteht, weil sie in der Plantage mit all den Menschen gewissermaßen einen Anker gefunden hat.
Das alles hat mir sehr gut gefallen - Audreys Leben auf der Plantage, ihre innere Entwicklung und die Begegnung mit sehr liebenswerten Nebenfiguren.
Auch mit Matthew hat Julie Peters eine interessante Figur mit Stärken und Schwächen geschaffen, auch wenn ich manche Handlungen von ihm zum Ende hin nicht ganz nachvollziehbar fand.

Die schon erwähnten nebulösen Andeutungen früherer Geheimnisse haben mich hingegen ein wenig genervt. Für mich hatte das etwas von künstlicher Geheimhaltung vor den Lesern, da man ja die meiste Zeit in Audreys Kopf steckt und es also so wirkt als würde sie ständig sorgfältig ihre Gedanken filtern, damit man nur ja als Leser nicht zu früh das eine große, dunkle Geheimnis erfährt.
Da der Roman in der Handlung und seinem Tempo zu überzeugen weiß, wäre es auch gar nicht notwendig, die Leser mit so etwas bei der Stange zu halten.

Außerdem bin ich über ein paar seltsame Fehler gestolpert, die auf mich den Eindruck entweder eines schlampigen Lektorats oder einer Überlagerung von verschiedenen Fassungen machten. So wird zu Beginn mit der Dienerin Mary eine Nebenfigur recht spektakulär eingeführt - aber dann verschwindet sie erst einmal völlig im Nichts. Sie wird überhaupt nicht mehr erwähnt, ich habe mich sogar gefragt, ob Audrey sie tatsächlich als Dienerin auf die Plantage mitgenommen hat und weshalb sie eingeführt wurde. Aber dann taucht sie auf einmal als Figur wieder auf als wäre sie die ganze Zeit hier gewesen, und von da an wird sie auch ständig erwähnt.
Das andere waren eher so etwas wie Anschlussfehler, der eine auf Seite 182:
Sie hatte das Gefühl, sie müsse nicht drei Zimmer durchqueren bis zu ihrem Bett, sondern den Mount Kenya besteigen.
Sie saß auf der Bettkante und (...)
Beim Lesen hatte ich da einfach das Gefühl als fehle ein kleiner Übergang.
Und ein waschechter Anschlussfehler findet sich auf den Seiten 213/214. Die eine Seite endet mit dem Satz Sie fuhr herum und floh, aber auf der nächsten Seite steht Audrey immer noch wie angewurzelt und kann sich nicht rühren.

Dem insgesamten Lesevergnügen hat das natürlich keinen Abbruch getan, aber es waren doch Dinge, über die ich gestolpert bin und die ich nicht ganz unerwähnt lassen wollte.
Ansonsten war der Roman aber wirklich schön zu lesen und für mich insgesamt auch runder als seine Vorgänger, die ein wenig unter einer zu groß abzudeckenden Zeitspanne gelitten haben. Die zweite Hälfte hat mich einiges an Schlaf gekostet, da ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Daher auch 4 Sternchen trotz mancher Kritikpunkte.

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