Dienstag, 26. Februar 2013

Isabel Abedi - Lucian


Genre: Phantastik, Jugendbuch
Seiten: 559
Verlag: Arena
ISBN: 978-3401503875
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen




Nach einem Albtraum sieht Rebecca ihn plötzlich unter ihrem Fenster stehen: Einen rätselhaften Jungen, der ständig unvermutet auftaucht und zwar keine eigene Vergangenheit zu haben scheint, sich dafür aber an Ereignisse aus Rebeccas Kindheit erinnert. Doch er scheint nicht nur Bruchstücke ihrer Vergangenheit zu kennen, sondern auch Teile ihrer Zukunft, darunter auch ihren Tod ...

Ich habe einen netten Jugendroman ohne großartige Überraschungen erwartet und "Lucian" eigentlich nur deshalb gelesen, weil das ebook gerade in der Onleihe verfügbar war. Doch über weite Teile hat der Roman meine Erwartungen deutlich übertroffen und hätte ich nicht vor allem im letzten Drittel so einige Kritikpunkte gefunden, hätte er vielleicht sogar die Höchstwertung bekommen.
Denn vor allem die erste Hälfte ist wirklich sehr gut gelungen. Das Rätsel um Lucian stand für mich dabei gar nicht mal so sehr im Mittelpunkt, sondern mehr Rebecca und ihr Umfeld, das wunderbar beschrieben ist. Ihre Mutter und deren Lebensgefährtin Spatz, Rebeccas beste Freundin und Sebastian, ihr Ex-Freund und gleichzeitig auch ein bisschen eine Seelverwandter, sind so liebenswerte und lebhaft beschriebene Figuren, dass ich wohl noch etliche Seiten über sie hätte lesen können.
In dieser ersten Hälfte steckt soviel: Freundschaft, Liebe, Komplexe wegen des eigenen Körpers, Unsicherheiten, wann es der richtige Zeitpunkt für das erste Mal ist, familiäre Probleme, .... so viele Themen der Teenagerzeit, die sensibel und auch mit einer gewissen humorvollen Direktheit behandelt werden.

Die eher phantastische Handlung rund um Lucian bildet lediglich eine weitere Ebene, die gerade das richtige Maß an Rätsel und Spannung beiträgt.
Zwar ist sehr bald klar, wer oder was Lucian wohl ist, aber die Details und all die Zusammenhänge werden erst später deutlich und haben mich auch in einigen Punkten überrascht. Es fügt sich auch alles schön ineinander und wirkt in sich sehr stimmig und durchdacht.

Leider lässt für mich der Roman ab etwa der Hälfte deutlich nach. Es gibt einen klaren Einschnitt in der Handlung und damit verbunden einen Ortswechsel, der einige Probleme mit sich bringt. So fand ich es sehr schade, dass das so sorgfältig eingeführte Umfeld mit all den wunderbaren Nebenfiguren damit beinahe von der Bildfläche verschwand. Der Fokus legte sich klar auf Rebecca und Lucian, was für mich nur teilweise funktionierte.
Dazu kam, dass es für mich einige Logiklücken gab, ich die Motivation mancher Figuren nicht mehr ganz nachvollziehen konnte und ich mich außerdem über Rebeccas Egoismus geärgert habe. Dass sie ganz auf Lucian konzentriert ist, ist angesichts der Umstände zwar verständlich, aber es macht Rebecca nicht unbedingt sympathisch, dass sie keinerlei Gedanken daran verschwendet, was ihre Handlungen vielleicht für andere Figuren bedeuten.

Und schließlich fand ich das Ende sehr gehetzt, überhastet und unglaubwürdig. Irgendwo stimmt da das Tempo nicht mehr und es bleibt dann auch die Logik ein wenig auf der Strecke. Der Roman ist ja nicht unbedingt kurz, aber ich finde, das Ende hätte ruhig noch ein paar mehr Seiten vertragen.

"Lucian" beginnt wirklich grandios und hat auch später noch einige wunderbare Szenen und so manche Aha-Momente zu bieten, aber insgesamt lässt der Roman zum Ende hin stark nach. Da er mich trotzdem durchwegs fesseln konnte und die erste Hälfte für mich zum besten gehört, was ich in der letzten Zeit gelesen habe, ergibt das für mich letztlich trotzdem noch 4 Sternchen.

Sonntag, 24. Februar 2013

[31 Tage - 31 Filme] Tag 11

Welchen Film würdest du deinen Kindern zeigen?

Bei dieser Frage hatte ich sofort eine ganz klare Antwort im Kopf und diese lautet: 
Ronja Räubertochter

Natürlich würde ich meinen Kindern zuerst das Buch vorlesen bzw. ihnen das Buch zum Lesen geben, aber ich halte den Film nicht nur für eine der besten Literaturverfilmungen aller Zeiten, sondern auch für einen der schönsten Kinderfilme überhaupt.
Es geht darin um so viele große Themen wie Freundschaft, Toleranz, Probleme mit den Eltern, Erwachsenwerden und Tod, die für einen Kinderfilm teils ungewöhnlich direkt und ungeschönt behandelt werden. Das liegt natürlich an der wunderbaren Vorlage, aber ich finde es bemerkenswert, dass der Film in der Hinsicht ebenso mutig und unverkrampft an diese Themen herangeht und Kindern dabei auch einiges zutraut.
Und daneben ist es natürlich auch einfach ein großartiger Abenteuerfilm, der trotz der ernsten Themen ohne jeglichen moralischen Zeigefinger auskommt.

Übrigens finden sich im skandinavischen Raum so einige Kinderfilm-Perlen, neben anderen tollen Lindgren-Verfilmungen wie "Mio, mein Mio" auch sehr sehenswerte neuere Filme, so etwa "Kim und Wölfe" und "Nur Wolken bewegen die Sterne".
So gut ich diese aber auch finde - an Ronja Räubertochter können sie nicht heranreichen.





Mittwoch, 20. Februar 2013

Lloyd Alexander - The High King



Genre: Kinder-/Jugendbuch, Fantasy
Seiten: 277
Verlag: Henry Holt
ISBN: 978-1429961981
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen



Lord Gwydions Schwert Dyrnwyn, die mächtigste Waffe in Prydain, ist dem finsteren Arawn in die Hände gefallen. Nun heißt es Verbündete zu finden, um gegen Arawn und seine Schergen eine Chance zu haben. Aber dieser letzte Kampf verlangt Taran und seinen Freunden einiges ab, und sie haben mit Verrat und schweren Verlusten zu kämpfen, ehe sie schließlich Arawn gegenüberstehen.

Im letzten Band der "Chronicles of Prydain" kommt es zum klassischen Kampf Gut gegen Böse, für den - sowohl auf Seiten der Freunde als auch der Feinde - noch einmal alle Figuren auftauchen, die man in den letzten Bänden lieben und hassen gelernt hat. Lloyd Alexander führt hier also wirklich alle Fäden zusammen und lässt keine Figuren einfach sang- und klanglos aus der Geschichte verschwinden.

Als Abschluss der Pentalogie ist also "The High King" wirklich sehr schön gelungen, aber für sich alleine betrachtet hat mich der Roman nicht völlig überzeugt. Wirkliche Spannung kam für mich nicht auf, obwohl doch soviel auf dem Spiel steht, aber mal ganz ehrlich: Es rechnet doch wohl nicht wirklich jemand damit, dass der absolut Böse am Ende siegt?
Dazu kommt noch, dass dieser härteste Kampf nicht ohne Verluste abläuft, mich diese Verluste aber nicht wirklich berührt haben, so wie mich allgemein die meisten Figuren in diesem Roman nicht wirklich berühren konnten. 
Tarans Entwicklung ist zwar schön gestaltet, geht hier aber soweit, dass er so absolut gut, edel, bescheiden und verantwortungsvoll geworden ist, dass keine Schattenseiten mehr übrig bleiben. Vom unreifen Jungen, der überstiegene Träume von Ruhm und Heldentaten hatte, bis hin zu dem vernünftigen jungen Mann, der merkt, dass ihm an diesem Ruhm gar nichts liegt, war es ein weiter Weg - aber in diesem letzten Band ist Taran eine so strahlend positive Figur geworden, dass er mir fast schon unwirklich vorkam.
Eilonwy hat dagegen leider kaum eine Entwicklung durchgemacht - sie ist im Grunde immer noch genauso wie im ersten Band und macht auf mich einen sehr flachen Eindruck. Anfangs waren ihr ständiges Geplapper und ihre Eigensinnigkeit noch charmant, aber mittlerweile hätte ich mir etwas mehr Dimensionen gewünscht.
Zum Glück gibt es aber auch noch Nebenfiguren wie Fflewddur Fflam, Rhun und Gurgi, die nicht nur ungemein liebenswert sind, sondern sich auch auf eine nachvollziehbare Art und Weise wunderbar weiterentwickelt haben, ohne aber dabei zu perfekten Helden zu werden.

Ich hatte in "The High King" also zum Teil mit den Figuren zu kämpfen und ein wenig auch mit der Handlung, die ich über weite Strecken nicht besonders spannend fand.
Umgekehrt wurde mir der Roman aber auch nie wirklich langweilig und gerade das Ende hat mich schließlich noch damit versöhnt. Es gibt keine großartigen Überraschungen am Ende, aber es ist einfach stimmig und ein schöner Mittelweg zwischen einem Happy End und doch einem weinenden Auge. Es hat mich auf eine Art und Weise bewegt, dass ich es wirklich als ein perfektes Ende für die Serie bezeichnen würde.

Insgesamt betrachtet haben mir die "Chronicles of Prydain" gut gefallen, mich aber auch nicht völlig begeistert. Es ist eine schöne Kinderbuchserie vor einem sehr stimmungsvollen Hintergrund, die ich aber eher kein zweites Mal mehr lesen werde. Das gewisse Etwas hat mir letztendlich dann doch gefehlt.

Sonntag, 17. Februar 2013

Sonntagsgeplauder #50

Okay, mittlerweile bin ich an einem Punkt, wo ich wohl dem an die Gurgel springe, der in meiner Gegenwart das Wort "Saga" in den Mund nimmt ... Ehrlich, dieser totale Lesemarathon ist mittlerweile ziemlich anstrengend, da mir im Kopf schon all die Þorsteins und Þormo∂s und Helgis durcheinanderpurzeln, all die Varianten von Familienfehden und Blutrache sich irgendwann erschöpfen und es einfach gerade verflixt viel an Sagaliteratur ist, das ich auf einem Haufen lese.
Nun haben sich auch schon andere auf die Suche nach entsprechenden Szenen in Sagas gemacht und es wäre vielleicht nicht notwendig, jede einzelne verdammte Saga von vorn bis hinten zu lesen, aber auf andere verlass ich mich ja prinzipiell schon mal gar nicht. Immerhin hab ich schon zwei Szenen, die ganz am Rande und äußerst vage zu meinem Thema passen, gefunden, die mir in der bisherigen Sekundärliteratur verschwiegen wurden ...
Trotzdem ist es natürlich nicht nur mühsam, da mich die eine oder andere Saga wirklich begeistert hat. Darüber werde ich irgendwann nochmal was schreiben (ebenso wie darüber, von welchen ich euch abrate).

Weiterhin geht also sonst bei mir in Bezug auf Lesen nicht recht viel weiter (logischerweise). Ich krebese noch immer in "The High King" herum und bin auch mit "Dracula" noch nicht durch. Beide Romane gefallen mir aber so gut, dass ich keine tatsächliche Pause einlegen möchte, während ich mit soviel Studienlektüre beschäftigt bin. Außerdem brauch ich ja gerade ein Hörbuch nebenbei fürs entspannte Häkeln. :-)

Bücherzuwachs gibt es dementsprechend auch keinen bei mir. Mir machen ja schon die Büchereibücher Sorgen, die ich noch zuhause habe, da ich nicht weiß, ob ich zu denen überhaupt noch komme, ehe ich sie wieder zurückgeben muss (ewig kann man ja auch nicht verlängern ...). Na, mal sehen. Im Notfall kann ich sie mir ja irgendwann nochmal ausleihen.

Unnötig zu erwähnen, dass ich natürlich auch noch kein weiteres Challengebuch geschafft habe - ich weiß noch nicht mal, welches ich als nächstes lesen möchte. Zum Glück wurde die "1 Buch pro Monat"-Regel aufgehoben. ;-)

Tja, ihr seht, ich habe derzeit nicht so wahnsinnig viel interessantes hier zu berichten. Nicht einmal lustige Suchanfragen gibt es derzeit, sondern nur die Dauerbrenner "das lied von eis und feuer übersetzung" sowie "robert harris cicero band 3".

Ich hoffe, dass mein Sonntagsgeplauder in der nächsten Woche wieder etwas gehaltvoller ausfällt. Möglicherweise bin ich bis dahin aber auch wahnsinnig geworden und habe eine weitreichene Fehde mit meinen ständig streitenden Nachbarn begonnen, weshalb ich geächtet wurde und das Haus verlassen musste ... äh ... wie auch immer.

Einen schönen Restsonntag wünsche ich euch!

Samstag, 16. Februar 2013

[31 Tage - 31 Filme] Tag 10

Welcher ist der lustigste Film, den du kennst?

Bei Komödien merke ich immer, wie schnell man als Kind etwas lustig findet - viele Filme, die mich früher zum Lachen gebracht haben, finde ich mittlerweile nur noch doof.
Dabei haben gerade Kinderfilme oft einen sehr schönen Humor. So bin ich ja ein großer Fan von Ein Königreich für ein Lama, der sich in einigen Punkten von anderen Disney-Filmen abhebt und zahlreiche wirklich großartige Szenen zu bieten hat. Es gibt wohl nicht viele Filme, die mich mehr zum Lachen bringen als dieser, da er nicht nur einen sehr charmanten, sondern oft auch äußerst trockenen Humor zu bieten hat. Dazu noch ein mal etwas anderes Setting und weder die sonst Disney-übliche zuckersüße Liebesgeschichte noch ein nerviger Side-Kick. Wirklich ein sehr empfehlenswerter Film - und definitiv nicht nur für Kinder!




Aber ich möchte noch eine andere Komödie nennen, die ich absolut großartig finde, wenngleich "lustig" vielleicht nicht unbedingt passend ist. Ich rede von Wag the Dog, einer bitterbösen Satire, in der ein Krieg inszeniert wird, um kurz vor der Wahl von einem ... Fehltritt des Präsidenten abzulenken. Es ist ein unglaublich zynischer Film, der noch dazu stellenweise so wahr ist, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt. Nicht ganz zur harmlos-gemütlichen Abendunterhaltung geeignet, sonst aber äußerst sehenswert (und großartig besetzt).


Mittwoch, 13. Februar 2013

Guy Gavriel Kay

Endlich setze ich mich mal wieder an ein Autorenporträt. Nachdem ich mit Patricia A. McKillip schon eine von mir gern gelesene und meiner Meinung nach viel zu unbekannte Fantasyautorin vorgestellt habe, kommt mit Guy Gavriel Kay erneut ein Fantasyautor, der etwas abseits der üblichen Konventionen unterwegs ist - und vielleicht deshalb auch hierzulande viel zu wenig Beachtung findet.

Ein paar Fakten

Guy Gavriel Kay wurde 1954 in Weyburn (Kanada) geboren und wuchs in Winnipeg auf. Er studierte Rechtswissenschaften und Philosophie und arbeitete als Student ein Jahr lang in Oxford mit Christopher Tolkien an der Redigierung des "Silmarillion". Später arbeitete er als Autor und Produzent an einer kanadischen Radioserie. 1984 erschien der erste Band von Kays "Fionavar"-Trilogie. Er erhielt für seine Romane einige Preise, darunter den World Fantasy Award für "Ysabel" im Jahr 2008.

Seine Romane

Viele von Kays Romanen könnte man gewissermaßen als eine Mischung zwischen Fantasy und historischem Roman bezeichnen. So orientiert er sich mit seinem "Sarantine Mosaic" stark an Byzanz zur Zeit Justinians II, mit "The Lions of Al-Rassan" an der Zeit der Reconquista, mit "The Last Light of the Sun" an den Wikingerüberfällen in England im späten 9. Jahrhundert. 2010 begab er sich mit "Under Heaven" in die Zeit der Tang-Dynastie und damit in - für Fantasy - ziemlich ungewöhnliche Gefielde.
Viele seiner Romane beinhalten wenig oder gar keine Magie und auch keine exotischen Wesen, sind also lediglich mit der Einbettung in eine eigene Welt mit eigenen Kulturen (wenn diese auch stark an irdische angelehnt sind) als "phantastisch" zu bezeichnen.
Ich mag diesen äußerst sparsamen Einsatz von magischen Elementen, war aber auch von "Tigana" angetan, in dem Magie ein wesentliches Plotelement darstellt.
"Klassische" Fantasy findet man bei Kay am ehesten in seiner "Fionavar"-Trilogie, in der fünf Menschen in einer fiktiven Welt landen, wo sie Schlüsselrollen in den kommenden Ereignissen spielen.

Ich liebe die Settings von Kay (besonders Sarantium), aber was ich an seinen Romanen besonders schätze sind der Schreibstil und die Figuren.
Mittlerweile hat sich ja die personale Erzählperspektive in der modernen Fantasy stark durchgesetzt, aber Kay schickt in seinen Romanen einen - weitgehend - auktorialen Erzähler ins Rennen. Dieser nistet sich durchaus oft für längere Zeit im Kopf einer Figur ein, streut dazwischen aber auch Vorausdeutungen, Rückblicke und allwissende Passagen ein. Das klingt vielleicht etwas sperrig, aber ich finde, dass sich die Romane von Kay sehr gut lesen - nicht nur, weil sie sprachlich auf einem sehr hohen Niveau sind, sondern auch, weil dieser Erzählweise manchmal etwas "archaisches" anhaftet, das einfach gut zu der Zeit passt, in der die Romane angesiedelt sind.

Ungewöhnlich und gewissermaßen "archaisch" sind auch die meisten der Figuren von Kay. Sie agieren meist im Umfeld der Mächtigen oder sind gar selbst wichtige (politische) Persönlichkeiten. Und sie haben wohl gemeinsam, dass ihnen allen etwas von einem klassischen Held anhaftet. Bei Kay gibt es herausragende Kämpfer, schöne Frauen, intrigante Strippenzieher und talentierte Künstler. Das besondere ist aber, dass sie dennoch in Graustufen gezeichnet sind und nicht wie langweilige Überhelden wirken. Es ist schwer, es in Worte zu fassen, aber immer, wenn ich einen Roman von Kay lese, habe ich plötzlich den Wunsch, selbst ein wenig über solche Helden zu schreiben, obwohl sowas sonst gar nicht mein Fall ist. Aber viele seiner Figuren gehören wirklich zu meinen absoluten Lieblingen, denen auch ein Tyrion Lannister nur schwer den Rang ablaufen kann.
Man könnte ihnen vielleicht vorwerfen, dass sie Zusammenhänge allzu schnell durchschauen, aber ganz ehrlich: Ich bin so erleichtert, auch mal Figuren präsentiert zu bekommen, die kompetet, intelligent, sehr tatkräftig und - vor allem - mir in ihrem Wissen meistens einen Schritt voraus sind. Mir passiert es sonst sehr oft, dass mir als Leserin längst schon alles klar ist, während die Figuren exakt nichts kapieren. Bei Kay hingegen muss ich mich bemühen, mit den Figuren Schritt zu halten und dementsprechend überrascht bin ich auch stets von Wendungen oder Enthüllungen. Es ist schon mehr als einmal vorgekommen, dass ich praktisch mit offenem Mund vor dem Buch gesessen bin und ein echtes "whoa"-Gefühl hatte.

Ansonsten ist zu den Romanen von Kay noch zu sagen, dass Künste oft eine große Rolle spielen (so etwa Musik in "Ein Lied für Arbonne" sowie "Tigana" und Mosaikkunst in "A Sarantine Mosaic") und er diese Kunstwerke und die Hingabe ihrer "Meister" derartig gut beschreibt, dass ich tatsächlich einmal Tränen über ein zerstörtes Mosaik vergossen habe. Ja, ich weiß, das klingt lächerlich, aber wer "A Sarantine Mosaic" bereits gelesen hat, kann das vielleicht nachvollziehen.
Überhaupt sollte man Taschentücher in Griffweite haben, wenn man einen Roman von Kay liest. Es sind keine direkt tragischen Geschichten, die er erzählt, aber seinen Büchern liegt stets eine ganz eigene Melancholie inne, und wenn bei ihm eine Figur stirbt, dann nimmt einen das beim Lesen richtig mit.

Ich denke, das waren jetzt genug der Lobeshymnen. Guy Gavriel Kay ist sicher ein Autor, der nicht jedermanns Fall ist, aber ich kann nur empfehlen, es mal mit ihm zu probieren. Wenn man eher klassische Fantasy mag, dann vielleicht "Fionavar", wenn man etwas für historische Themen übrig hat, dann bieten sich "A Sarantine Mosaic" oder "The Lions of Al-Rassan" an, wer mehr Magie möchte und sich mal auf ein renaissance-artiges Setting einlassen will, ist wohl mit "Tigana" gut beraten.
Einschränkend muss ich sagen, dass ich von "Fionavar" bisher nur den ersten Band kenne und auch Kays neueste Romane noch nicht gelesen habe - zu denen kann ich also nur wenig sagen.

Hier nun eine Liste seiner Veröffentlichungen mit dem Titel der deutschen Übersetzungen, die leider großteils nur noch gebraucht zu bekommen sind: 

Liste der veröffentlichten Romane

- The Fionavar Tapestry (Die Herren von Fionavar):
        1. The Summer Tree, 1984 (Silbermantel)
        2. The Wandering Fire, 1986 (Das wandernde Feuer)
        3. The Darkest Road, 1987 (Ein Kind von Licht und Schatten)
- Tigana, 1990 (2 dt. Bände: Der Fluch u. Der Hofnarr)
- A Song for Arbonne, 1992 (Ein Lied für Arbonne)
- The Lions of Al-Rassan, 1995 (Die Löwen von Al-Rassan)
- A Sarantine Mosaic (Die Reise nach Sarantium):
       1. Sailing to Sarantium, 1998 (2 dt. Bände: Das Komplott u. Das Mosaik)
       2. Lord of Emperors, 2000 (2 dt. Bände: Der Neunte Wagenlenker u. Herr aller Herrscher)
- Beyond This Dark House, 2003 (ein Gedichtband, nicht auf Deutsch übersetzt)
- The Last Light of the Sun, 2004 (Die Fürsten des Nordens)
- Ysabel, 2007 (nicht auf Deutsch übersetzt)
- Under Heaven, 2010 (nicht auf Deutsch übersetzt)

Sonntag, 10. Februar 2013

Sonntagsgeplauder #49

Lesegeplauder

Ich bin noch immer tief in Sagas vergraben und werde das noch eine ganze Weile sein - übrigens inzwischen auch in den Vorzeitsagas, wovon ich die Sturlaugs saga sehr gut zu lesen fand.
Aus dem Grund geht gerade bei anderen Büchern nicht viel weiter, aber immerhin habe ich nach langem endlich Das Lied des Basilisken ausgelesen und nun "The High King" begonnen - auf dass ich mal eine meiner vielen Serien abschließen kann.
Außerdem läuft bei mir gerade "Dracula" als Hörbuch, das eigentlich Teil meiner ursprünglich mal vage geplanten Challenge wäre. Ich bin aber ehrlich gesagt inzwischen nicht mehr besonders motiviert, gleich wieder eine neue Challenge ins Leben zu rufen und bin davon abgesehen mit meinen Sagas derzeit schon genug mit "Listen-Lesen" eingedeckt. Vorerst werde ich das also mal bleiben lassen und dann vielleicht stattdessen mal eine kleine Kurzzeit-Challenge machen.

Schreibgeplauder

Dass ich hier im Schnelltempo eine Saga nach der nächsten lese, hat auch inspirationsmäßig gewisse Spuren hinterlassen. Ich habe jetzt einen schon ziemlich detaillierten Plot im Kopf über eine verwickelte Geschichte voller folgenschwerer Schwüre und daraus resultierenden Rachezügen, zerbrochenen Freundschaften und Toten. Allerdings ist das so eindeutig eine "archaisch"-epische Geschichte, dass sie sich wohl kaum als Roman umsetzen lässt. Das ganze wird also vielleicht eher weltenbastlerischen Wert haben und also höchstens als eine Heldensage in meiner Fantasywelt umgesetzt werden. Natürlich eine mit anständigem tragischen Ende. ;-)

Und sonst so?

In unregelmäßigen Abständen lese ich auf dem Blog von Patrick Rothfuss mit, dessen unverkrampfte Art der Beiträge ich stets sehr lesenswert finde. Besonders mag ich ja seine Bereitschaft, sich auf alle möglichen verrückten Aktionen einzulassen, so etwa sein gemeinsames Lesen einer Sexszene mit Amber Benson, wo ihr hier die Erklärung und unten im Beitrag auch eine äußerst amüsante Videoaufzeichnung findet. 
Jetzt gibt es von ihm erneut etwas zum Lachen, nämlich eine gemeinsame Sache mit anderen Autoren, bei der sie ... nein, lest und seht hier selbst: Cover der besonderen Art 
Aber Achtung, denn um Patrick Rothfuss zu zitieren: Be careful, once you’ve seen it, you can’t un-see it. Stimmt, jedes Mal, wenn es nur vor meinem inneren Auge auftaucht, beginne ich schon wieder zu kichern. *gg*

Ach, und wo wir schon bei Fantasyautoren sind ... Es ist zwar inzwischen nicht mehr neu, aber ich glaube, ich habe hier noch nie das herrliche Video Write Like the Wind verlinkt, das wohl jedem "Song of Ice and Fire"-Fan aus dem Herzen sprechen dürfte. Das Lied habe ich damals übrigens auch über einen Eintrag von Patrick Rothfuss entdeckt, insofern passt das ja hier noch zum Rest der Links. ;-)

Ich wünsche euch viel Spaß damit und noch einen schönen Sonntagabend!

Samstag, 9. Februar 2013

Patricia McKillip - Das Lied des Basilisken



Genre: Fantasy
Seiten: 318
Verlag: Klett-Cotta
ISBN: 978-3608932218
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen



In der Asche des Kamins überlebt ein kleiner Junge, während seine gesamte Familie niedergemetzelt wurde. Er wächst auf Luly, der abgelegenen Insel der Barden, auf und verdrängt alles, was in seiner Kindheit geschehen ist. Erst viele Jahre später wird er von seiner Vergangenheit wieder eingeholt und bricht in seine Heimat auf, um dort Rache an dem "Basilisken" Arioso Pellior zu üben.

Drei Anläufe habe ich gebraucht, um nun doch noch "Das Lied des Basilisken" zu lesen. Beim ersten Mal habe ich den Roman sehr bald abgebrochen, weil mich der Anfang nur verwirrt hat. Dann habe ich eine ganze Reihe von McKillips Romanen gelesen und alle sehr gern gemocht, weshalb ich es nochmal mit dem Roman probieren wollte. Also erneut aus der Bücherei ausgeliehen - und wieder am Anfang gescheitert.
Aber irgendwie hat es mir doch keine Ruhe gelassen und so wollte ich dem Roman eine letzte Chance geben. Immerhin habe ich mich auch in andere Romane von McKillip wunderbar eingefunden, mit denen ich auf den ersten Seiten noch Probleme hatte.

Nun, was soll ich sagen: Dieses Mal habe ich den Roman auch tatsächlich gelesen, aber es hat für mich deutlich länger als nur ein paar Seiten gedauert, um mich darin einzufinden. Genaugenommen hatte ich bis etwa zur Hälfte Probleme mit dem Roman und war unschlüssig, ob ich nicht doch noch abbrechen sollte, da er mich so gar nicht fesseln konnte. Aber dann ist mit Rooks Aufbruch von Luly und seiner Reise zurück in seine Heimat plötzlich die Handlung so richtig in Schwung gekommen. Die zweite Hälfte hat mir auch dann tatsächlich gut gefallen, aber ganz ehrlich: Hätte diesen Roman nicht eine meiner Lieblingsautorinnen geschrieben, hätte ich wohl niemals so lange durchgehalten.

Dabei enthält "Das Lied des Basilisken" sehr viele Elemente, die ich schon aus anderen Büchern der Autorin kannte und die mir dort sehr gut gefallen haben. Aber hier hat irgendetwas nicht so recht für mich funktioniert. Die Handlung an sich ist gewissermaßen eher geradlinig und mit dem Motiv der Rache des überlebenden Kindes nicht einmal besonders originell. Dennoch führt die übliche verschlungene Schreibweise von McKillip dazu, dass einem alles sehr fremd, rätselhaft und undurchschaubar vorkommt. Genau das liebe ich sonst an ihren Büchern, aber hier war es mir zuviel. Stellenweise hatte ich das Gefühl, völlig im Dunkeln zu tappen und die Motivationen der Figuren nicht durchschauen zu können.
Auch sonst hatte ich mit den Figuren so meine Probleme, obwohl sie durchaus dreidimensional gezeichnet sind. Aber es kam mir immer vor als könnte ich weder an die Hauptfigur Rook noch an seinen Sohn Hollis so richtig herankommen. Die Bardin Giulia und die Töchter des Basilisken machten auf mich im Vergleich einen viel greifbareren Eindruck, was mal wieder bestätigt, dass McKillip einfach ein Händchen für interessante weibliche Figuren hat.

Insgesamt halte ich "Das Lied des Basilisken" für ein ungewöhnliches und stellenweise sehr faszinierendes Fantasybuch, das mich aber nicht wirklich überzeugen konnte. Es gibt einige Romane von Patricia McKillip, die ich wärmstens weiterempfehlen würde (Od Magic, Alphabet of Thorns, Ombria in Shadow, The Forgotten Beasts of Eld), aber dieser hier gehört leider nicht dazu.

Dienstag, 5. Februar 2013

[Isländersagas] "Bauern prügeln sich"

Mit diesem kurzen Satz hat Heiko Uecker mal die Isländersagas charakterisiert und damit quasi eins der wichtigsten Handlungselemente knapp umrissen.
Wie ich ja letzte Woche geschrieben habe bin ich derzeit in Sagas vergraben, und hier kommt jetzt mal eine kleine Zusammenfassung, womit man es mit den Isländersagas überhaupt zu tun hat (keine Sorge, es wird nicht wissenschaftlich).
Die Isländersagas sind sozusagen ein Untergenre der altnordischen Sagaliteratur, die als ein wesentliches Merkmal eine Balance zwischen historischer Wirklichkeit und Fiktionalität haben. Sie erzählen von einer Periode in der isländischen Geschichte von etwa 930-1030, sind aber doch im Wesentlichen Fiktion. Niedergeschrieben wurden sie erst um das 13. Jh. herum und erzählen vor allem von Familien aus der Zeit (nach) der isländischen Besiedlung. Und dabei ist eben einer der wesentlichen Bestandteile der Konflikt zwischen Einzelpersonen und Familien, der sich nach dem Prinzip der Blutrache oft immer weiter hochschaukelt.
Fehden zwischen bedeutenden Familien stehen also meist im Zentrum und führen im Laufe der Handlung oft zu zahlreichen Toten. Phantastische Elemente wie Flüche, Zauberinnen, prophetische Träume, Wiedergänger und Trolle spielen dabei auch teils eine Rolle und werden ganz selbstverständlich in die "realistische" Handlung eingebettet.

Das alles liest sich recht spannend und mitunter auch unterhaltsam, aber wer sich mal über Isländersagas drübertrauen mag, sollte sich natürlich dennoch keinen modernen Roman vorstellen. Die Sagas sind recht nüchtern geschrieben und berichten sozusagen objektiv von äußeren Vorgängen, weniger aber von dem Innenleben der Figuren. Man muss außerdem meistens ein recht großes Personal jonglieren, da neue Figuren oft mitsamt ihrem Familienumkreis eingeführt werden. In der Hinsicht sind die kürzeren Sagas teilweise eine größere Herausforderung, da man bei einigen innerhalb weniger Seiten mit einer beängstigenden Anzahl von neuen Figuren konfrontiert wird.
Ich habe bisher vor allem kürzere Sagas gelesen und dabei gemerkt, dass mir die längeren besser liegen. So habe ich die Njáls saga in sehr guter Erinnerung, obwohl die mit einem äußerst umfangreichen Personal aufwartet, und von denen der letzten Zeit hat mir die Vatnsdœla saga am besten gefallen, bei der es sich im Grunde um eine Familiensaga handelt, die über mehrere Generationen reicht. Andere Sagas wiederum stellen mehr eine Einzelperson in den Mittelpunkt.
Auch im Erzähltempo gibt es klare Unterschiede - so gehen manche bei Beschreibungen bis ins kleinste Detail, während andere ein beachtliches Tempo vorlegen und sich kaum mit längeren Beschreibungen aufhalten.
Die Hauptfiguren sind manchmal echte "Überflieger", manchmal aber auch in starken Grauschattierungen gezeichnet oder gehen überhaupt in die Richtung "Antiheld". Frauen spielen in manchen praktisch gar keine Rolle (außer, dass sie geheiratet werden), während sie in anderen die Handlung vorantreiben. So geht die Fehde und das daraus resultierende Unglück in der Njáls saga von der streitbaren Hallger∂r aus und in der Þórðar saga hreðu würde der Held ohne die Hilfe der resoluten Ólöf manchmal ziemlich alt aussehen. 

Soweit mal ein allgemeiner Überblick. Vielleicht habt ihr ja Lust bekommen, es mal mit einer Isländersaga zu probieren - ich kann sie euch durchaus ans Herz legen, gebe aber dennoch die Warnung mit, dass man es eben nicht mit moderner Literatur zu tun hat und einem manches sowohl in der Erzählstruktur als auch im Inhalt wohl recht fremd vorkommt.

Ich habe nun - auch als Ansporn für mich selbst - eine (noch nicht ganz vollständige) Liste erstellt, in der ich meine Fortschritte festhalte (grün markierte hab ich gelesen). Diese werde ich auch links fest verlinken, wen es also interessiert, wie weit ich mit den Sagas sowie den kürzeren Þættir bin, kann das dort verfolgen.
Für diese erste Sichtung lese ich die Sagas, soweit vorhanden, erst mal in der Übersetzung - Stellen, die für mich relevant sind, sind dann natürlich auch noch im Original zu lesen.