Dienstag, 31. Dezember 2013

J.R.R. Tolkien - The Hobbit

Genre: Fantasy
Verlag: HarperCollins
Dauer: 12 Stunden (ungekürzte Lesung)
gelesen von: Rob Inglis
ISBN: 978-0007146901
Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternchen

"Bücher, die man gelesen haben muss"-Challenge
"Zurück in die Vergangenheit"-Challenge


Bilbo Beutlin führt ein ruhiges Leben als angesehener Hobbit, als eine Gesellschaft von 13 Zwergen und einem Zauberer bei ihm einfällt, um ihn mit auf eine aberwitzige Reise zu nehmen. Die Zwerge unter der Führung von Thorin Oakenshield wollen ihren Schatz von dem Drachen Smaug zurückholen und brauchen dazu einen Meisterdieb. Weshalb Gandalf in Bilbo einen solchen sieht, stellt sich erst nach einigen Gefahren und Abenteuern heraus - und auf eine andere Weise als gedacht.

Es ist Jahre her, seit ich den Hobbit zuletzt gelesen habe, und erneut habe ich mich bei diesem wundervollen Fantasymärchen prächtig amüsiert. Mit dem Herr der Ringe lässt er sich kaum vergleichen; es handelt sich um eine lustigere und weniger epische Geschichte. Es geht nicht um Weltrettung, sondern um einen Goldschatz, und auch wenn die Reisegefährten mit zahlreichen ernsten Gefahren konfrontiert werden, ist der Grundton doch viel harmloser.
Humor kommt nicht zu kurz und führt zu allerlei skurrilen Szenen, von denen meine liebste die Ankunft bei Beorn ist, als Gandalf im Laufe seiner Erzählung mehr und mehr Zwerge einbringt, um den Gastgeber nicht sofort mit der ganzen Gruppe zu überfallen. Ähnlich lustig und erinnerungswürdig ist auch der Beginn, als die Zwerge alle bei Bilbo einfallen und dem armen Hobbit die Speisekammer leerfuttern. Diese Szenen und die Rätselspiele sind mir vom ersten Mal Lesen gut in Erinnerung geblieben und haben mich jetzt wieder genauso zum Kichern gebracht wie damals.
Dennoch schimmert immer wieder auch eine gewisse Melancholie durch, die den Roman zu mehr als nur einem lustigen Abenteuer macht. Man merkt immer wieder, dass in Tolkiens Welt eine Tiefe und Düsternis stecken, an die der "Hobbit" nur ein wenig ankratzt.

Die Handlung schreitet in diesem überschaubaren Roman schnell voran und der bemitleidenswerte Bilbo wird von einer scheußlichen Situation in die nächste geworfen: Trolle, Goblins in dunklen Höhlen, riesenhafte Spinnen in einem unheimlichen Wald und natürlich der furchterregende Drache Smaug. Doch obwohl Bilbo alles andere als ein heldenhafter Kämpfer ist, wächst er über sich hinaus und meistert fast alle Probleme mit Bravour. Mehr als einmal wären die Zwerge ohne ihn aufgeschmissen. Besonders schön finde ich es, dass Bilbo in erster Linie durch Gewitztheit und List besticht und trotz seiner Entwicklung hin zu einem beherzten Gefährten bis zum Ende den ängstlichen Hobbit in sich trägt.

Der Erzählton ist zwar im Hobbit unbeschwerter und etwas einfacher als im Herr der Ringe, aber doch deutlich anspruchsvoller als in den meisten modernen Fantasyromanen. Dementsprechend habe ich mir mit dem englischen Hörbuch manchmal etwas schwer getan, obwohl ich die Handlung ja schon kannte. Der Griff zum Hörbuch hat sich dennoch gelohnt, da Rob Inglis die Geschichte wunderschön liest. Er hat auch eine ausgesprochen schöne Gesangsstimme, auch wenn die zahlreichen Lieder in ihren Melodien alle recht ähnlich klingen.

Diese kleine Rückkehr nach Mittelerde hat Spaß gemacht und in mir auch wieder ein wenig die Sehnsucht nach dem Herr der Ringe geweckt. Den halben Stern Abzug gibt es letztendlich auch deshalb, weil ich nicht umhin kann, die beiden Romane miteinander zu vergleichen. Der Hobbit ist zwar ein wunderbares, humorvolles und spannendes Buch, geradliniger und kurzweiliger als der Herr der Ringe, aber er kann mich einfach nicht auf dieselbe Weise berühren wie Tolkiens Trilogie.
Dafür ist aber Bilbo wirklich eine Klasse für sich. Es war schön, sich erneut mit ihm auf die Reise zu begeben, denn ganz ehrlich: Keiner der neun Ringgefährten kann ihm auch nur annähernd das Wasser reichen.

Und damit habe ich nun auch endlich mein 12. Challengebuch geschafft! Dann kann ich ja nun entspannt in den Silvesterabend starten. ;-)
Rutscht alle gut ins neue Jahr 2014! 

Montag, 30. Dezember 2013

Evelyn Waugh - Wiedersehen mit Brideshead

Genre: Gesellschaftsroman, Klassiker
Verlag: Diogenes
Dauer: 12 Stunden 49 Minuten (ungekürzte Lesung)
gelesen von: Sylvester Groth
ISBN: 978-3257801385
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen

"Bücher, die man gelesen haben muss"-Challenge


In den 20er Jahren freundet sich Charles Ryder in Oxford mit dem aus vornehmen Verhältnissen stammenden Sebastian Flyte an. Er ist sowohl fasziniert von Brideshead, dem prächtigen Zuhause von Sebastian, als auch von der exzentrischen Familie, die ihn mit vermeintlich offenen Armen empfängt. Dennoch bleibt Charles stets ein Außenseiter - in der Familie Flyte ebenso wie auch sonst überall in seinem Leben.

Die erste Hälfte von "Wiedersehen mit Brideshead" hat mich begeistert. Wie Waugh hier das letzte Aufblühen einer schon fast vergangenen Welt beschreibt und oft mit nur wenigen Worten Schauplätze und Figuren zum Leben erweckt, ist wirklich beeindruckend. Die Freundschaft zwischen Charles und Sebastian fand ich sehr schön geschildert - umso schmerzhafter ist es mitzuerleben, wie Sebastian mehr und mehr an der Welt und der Gesellschaft zerbricht. Wie Charles ist er ein Außenseiter, aber anders als sein Freund schafft er es nicht, sich anzupassen und einzufügen, sondern scheint wirklich außerhalb des Lebens zu stehen.
Vor allem Sebastian ist es zu verdanken, dass die erste Hälfte mir eine emotionale Achterbahnfahrt beschert hat: von Humor und Nostalgie über Melancholie bis hin zu Wut und Verzweiflung.

Leider habe ich mir etwa ab der Hälfte immer schwerer mit dem Roman getan. Mir kam die Handlung immer zerfaserter vor - ich wusste nicht, worauf Waugh eigentlich hinaus will oder ob er überhaupt auf etwas hinaus will. Die anfangs noch recht interessanten religiösen Diskussionen wurden mir nun etwas zu gehäuft und anstrengend. Allgemein nimmt Religion einen recht großen Raum ein, denn nicht Charles' niedrigere Stellung verhindert, dass er jemals richtig zu den Flytes gehören wird, sondern eher die Tatsache, dass er Agnostiker ist und mit den katholischen Werten der Familie nur wenig anfangen kann. Leider konnte auch ich nur wenig damit anfangen, da es mir zum Ende hin zunehmen so vorkam als wollte mich der Autor bekehren.
Ich fand es außerdem schade, dass die Freundschaft zu Sebastian immer mehr in den Hintergrund tritt und ich schließlich das Gefühl hatte, als würde Charles in Wahrheit gar nichts an seinem Freund liegen. Allerdings stellt sich irgenwann die Frage, ob Charles überhaupt an jemandem etwas liegt. Er macht teilweise einen seltsam gleichgültigen und fast kaltherzigen Eindruck, beinahe als stünde er auch außerhalb zwischenmenschlicher Bindungen.

Alles in allem konnte "Wiedersehen mit Brideshead" mich nicht überzeugen. So sehr mir die erste Hälfte auch gefallen hat, so wenig konnte ich mit der zweiten anfangen. Waugh hat einen sehr angenehmen Schreibstil und schafft wunderbar atmosphärische Szenen, aber die Handlung kam mir seltsam zerfasert vor, als handele es sich eigentlich um zwei Romane. Die religiösen Debatten fand ich außerdem zunehmend ermüdend.
Ich bereue es nicht, den Roman gelesen zu haben und könnte auch nicht behaupten, dass er mir nicht gefallen hat, aber leider hat er mich nach einem grandiosen Beginn zum Ende hin wirklich enttäuscht.

Samstag, 28. Dezember 2013

Mein Schreibjahr 2013 und Ausblick auf 2014

Schreiberisch hat sich leider in diesem Jahr nur sehr wenig bei mir getan. Ich habe im Frühling Bühnenzauber weiter überarbeitet, aber fertig ist der Roman noch immer nicht. Das liegt zum Teil daran, dass es eher Kleinigkeiten rund um die Charakterentwicklung sind, die für mich noch nicht stimmen - und diese zu überarbeiten bzw. diesen Kleinigkeiten konkret zuleibe zu rücken, ist alles andere als einfach.

Neu geschrieben habe ich nur im November den Beginn von Bühnenrätsel, der Fortsetzung von Bühnenzauber, die mir auch wieder einigen Input in Bezug auf die Figuren auch für den 1. Teil geliefert hat. Ich wollte den Roman auch im Dezember weiterschreiben, aber in diesem Monat war bei mir einfach der Wurm drinnen. Vor Weihnachten hatte ich zuviel Stress, dann war ich über die Feiertage ziemlich mit Familienfeiern und kochen und solcherlei Dingen eingespannt, und nun bin ich nicht nur total verkühlt, sondern habe mir auch noch eine leichte Darmgrippe eingefangen.
Da ich heute frei habe, wollte ich viel schreiben, aber ich mag mich gerade einfach nur aufs Sofa schmeißen, mich in eine Decke kuscheln, "Downton Abbey" weitergucken und ein nettes Buch lesen und mir nicht über das derzeitige Plotloch in dem Roman den Kopf zerbrechen müssen.
Daher habe ich den Dezember für mich erst einmal abgehakt. Falls ich die nächsten Tage noch etwas schreibe - schön. Falls nicht, dann eben nicht.

2014 möchte ich aber endlich wieder richtig loslegen mit dem Schreiben. Es finde es schade, dass ich in den letzten beiden Jahren so wenig geschrieben habe, und es nervt mich, dass ich schon so lange einige unfertige Romane mit mir herumschleppe.
Deshalb versuche ich es 2014 wieder einmal mit einem Jahresziel - und zwar mit dem moderaten Ziel von 150.000 Wörtern. Das sollte auch in stressigen Zeiten machbar sein und auch noch Zeit für Überarbeitungen lassen. Falls nicht, werde ich das Ziel eventuell noch nach unten korrigieren.

Und konkret in Projekten gesprochen, nehme ich mir folgendes vor:
- Die Göttersteine zu Ende schreiben.
- Bühnenrätsel zu Ende schreiben.
- Bühnenzauber fertig überarbeiten.
- möglicherweise meinen Nachtjäger umplotten und weiterschreiben
- ein neues Projekt beginnen (idealerweise als NaNo-Projekt, aber das wird sich zeigen)

Ich hoffe, dass das nächste Jahr schreibmäßig wieder erfolgreicher wird als dieses und ich zumindest ein paar meiner Ziele erreiche.

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Weihnachtliches Allerlei

Während es auf den Blogs rundherum schon längst Weihnachtsbeiträge gab, bin ich ein bisschen später dran. Vor Weihnachten war es noch unglaublich stressig mit den Geschenken, dann war viel Familie angesagt und heute musste ich wieder arbeiten, daher bin ich noch nicht zu viel gekommen. Außerdem bin ich extrem verkühlt - alle Jahre wieder, muss ich da schon sagen, da ich jedes Jahr zu Weihnachten erkältet und halb krank bin. Das nervt.

Trotzdem war es ein sehr schönes und gemütliches Weihnachtsfest. Buchgeschenke habe ich (noch) nicht bekommen (ich erwarte eines die nächsten Tage), dafür aber einige Gutscheine und von meinem Familienwichtel die 4. Staffel von "Downton Abbey". *jubel*

Und hier zeige ich euch mal, was mich in den letzten Tagen und Wochen so gestresst hat:

"Inspirationsmappen" zum Sammeln von Vorlagen, Ideen und ähnlichem:
Nun ja, Scrapbooking ist noch nicht ganz meine Stärke ...

Dann habe ich für die (scheußlichen) Monster High-Puppen meiner jüngsten Nichte ein Outfit gehäkelt - ein Kleid nebst Handtäschchen und Cape:
Entschuldigt die nicht allzu gelungenen Fotos - die habe ich vor dem Einpacken noch rasch mit dem Handy gemacht.

Und dann noch diverse Knüpfereien:

Nicht abfotografiert habe ich diverse Liköre, selbstgemachte Müsliriegel, eine gehäkelte Weihnachtsmaus und einen gehäkelten Schneemann. Ja, da ist schon einiges zusammengekommen ....

Jetzt bin ich mal ganz froh, dass der Geschenkestress vorbei ist. In den nächsten Tagen werde ich also mal gucken, was ich mir mit den Gutscheinen gönne, in der Welt von Downton Abbey versinken und außerdem versuchen, die 100 Books-Challenge noch erfolgreich abzuschließen. Und natürlich eifrig schreiben, damit ich nicht noch an meinem eh schon sehr kleinen Wortziel scheitere.
Langeweile steht also mit Sicherheit nicht auf dem Programm. ;-)

So, und jetzt wünsche ich euch nachträglich noch Frohe Weihnachten! Ich hoffe, ihr hattet schöne Tage im Kreis eurer Lieben!

Sonntag, 22. Dezember 2013

Gabriel García Márquez - Die Liebe in den Zeiten der Cholera


Genre: Gegenwartsliteratur
Seiten: 512
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3596162512
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

Ein Jahr mit Nobelpreisträgern


Über 50 Jahre lang wartet Florentino Ariza auf seine große Liebe Fermina Daza. Als junger Mann hatte er sich in sie verliebt und mit Liebesbriefen überschüttet, aber sie hat - auch auf Drängen ihres Vaters - einen angesehenen Arzt geheiratet. Als dieser dann stirbt, sieht Florentino endlich seine Chance gekommen, Fermina erneut seine Liebe zu beweisen.

"Die Liebe in den Zeiten der Cholera" beginnt mit dem Tod von Ferminas Mann und rollt dann nach und nach die Ereignisse auf, die bis zu diesem Punkt geführt haben. Es ist eine eigenartige Liebesgeschichte, die Márquez hier erzählt. Florentino wartet unerschütterlich auf seine Jugendliebe - zwar schläft er in dieser Zeit mit zahlreichen Frauen, aber er geht keine Bindung ein und richtet sein ganzes Leben danach aus, irgendwann mit Fermina vereint zu sein. Nicht aus persönlichem Ehrgeiz arbeitet er sich zum Leiter der karibischen Flussschifffahrtsgesellschaft empor, sondern nur, um seiner Fermina irgendwann zu genügen.
Das klingt vielleicht romantischer als es ist, denn beim Lesen fand ich die Liebesgeschichte seltsam blutleer. Weder konnte ich nachvollziehen, weshalb Florentino so über alle Maßen von der (ziemlich zickig-nervigen) Fermina schwärmt, noch was sie so viel liebenswerter als die anderen Frauen in seinem Leben macht, denen er aufgrund seiner Obsession für Fermina erst gar keine Chance gibt. Es scheint, als wäre es eher ein Bild, in das Florentino sich verliebt hat, aber in diesem Fall würde man irgendwann die Ernüchterung erwarten - die nicht kommt.
Die Liebschaften, die er in den 50 Jahren hat, sind zum Teil recht amüsant geschildert, zum Teil aber auch äußerst grenzwertig, wenn man über die sexuelle Beziehung eines 70jährigen zu einem 14jährigen Mädchen lesen muss. Das war dann auch der Punkt, an dem ich Florentino, der mir schon vorher nicht wirklich sympathisch war, von Herzen eine gesalzene Abfuhr nach all seiner Warterei gewünscht hätte.
Interessanter zu lesen fand ich Ferminas Lebensgeschichte, aus deren Vernunftehe mit Urbino im Laufe der Zeit doch so etwas wie Liebe - oder zumindest ein respektvolles Aneinander-Anpassen - wird.

Das beste an dem Roman war für mich aber der Hintergrund. Man erfährt viel über das Leben und die Gesellschaft in Kolumbien um die Jahrhundertwende, und da Márquez seinen Figuren jahrzehntelang begleitet, entfaltet sich ein wahres Kaleidoskop aus historischen und persönlichen Ereignissen und verschiedenen Schauplätzen im Karibikraum.
Auch sprachlich hat mir der Roman gut gefallen. Die oftmals verschachtelten Sätze von Marquéz lassen sich gut lesen und der augenzwinkernde Tonfall macht auch klar, dass man manche Geschehnisse nicht immer so ernst nehmen sollte. Die sprunghafte Erzählweise mit Rückblicken und Vorausdeutungen erfordert eine gewisse Konzentration beim Lesen, macht den Roman aber etwas weniger eintönig. Denn um ehrlich zu sein, fand ich "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" stellenweise recht langweilig, zumal die Handlung über weite Strecken ohne große Höhepunkte vor sich hinplätschert.

Alles in allem hat der Roman einen zwiespältigen Eindruck in mir hinterlassen. Ich fand ihn zwar stellenweise sehr faszinierend zu lesen, aber emotional konnte er mich kaum packen. Manchmal hat er mich ein wenig an den Stil von Isabel Allende erinnert und - ganz ehrlich: Nobelpreisträger hin oder her, aber was das Lesevergnügen betrifft, hat Allende ganz klar die Nase vorn.
Nun kann man einwenden, dass große Literatur nicht immer ein Vergnügen ist, aber ich fand Márquez' Roman noch nicht einmal besonders gehaltvoll. Natürlich, er ist schön geschrieben und interessant komponiert, aber hat er mich zum Nachdenken angeregt, ist etwas darin wirklich in mir hängen geblieben? Nein.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Sonntagsgeplauder #67

Puh, der Dienst heute hatte es in sich. Ich bin die ganzen 10 Stunden praktisch nie zum Verschnaufen gekommen - wofür ich nicht nur meinen Reader, sondern auch noch ein weiteres Buch mit hatte, frag ich mich wirklich. Beide hab ich nicht ein einziges Mal aus der Tasche rausgeholt.
Ich bin jetzt also ziemlich geschafft und werde wohl mal ein halbes Lesestündchen mit Tee und drei angezündeten Kerzchen einlegen. Nur ein halbes Stündchen? Ja, weil ich noch so unglaublich viel zu erledigen habe! Also wenn ich nächstes Jahr wieder so viele Geschenke selbst mache, dann muss ich schon im August anfangen - oder ich kauf sie doch einfach ganz uninspiriert.

Trotz allem hab ich letzte Woche ein bisschen was geschrieben und das Buch Nr. 11 für die Challenge ausgelesen. Als 12. hab ich mir nun spontan das englische Hörbuch vom Hobbit aus der Bücherei mitgenommen. Ich hab den schon seit Ewigkeiten nicht mehr gelesen und ich brauch jetzt unbedingt ein Gegengewicht zu den actionlastigen Filmen.
Ich habe mich auch im Hörbuch sofort wohlgefühlt. Das ist einfach so ein skurriler, kleiner Roman - herrlich! Damit sollte die Challenge noch gut zu schaffen sein, wobei ich nun schon wieder Rezensionen hinter mir herschleppe. Hoffentlich komme ich bald dazu, sie alle zu schreiben.

Tja, und das wars auch schon mit einem sehr kurzen Geplauder für heute. Ich hoffe, ihr hattet einen etwas gemütlicheren Sonntag als ich und wünsche euch noch einen schönen Abend!

Freitag, 13. Dezember 2013

[Wiener Streifzüge] Dehnepark und Jubiläumswarte

BeschreibungStadtwanderweg Nr. 4
StartpunktLinzer Straße (Linie 49)
Endpunktderselbe wie der Startpunkt
Gehzeitetwa 2,5 Stunden


Derzeit ist es bei den Streifzügen sehr ruhig. Ich bin leider eine Schönwetter-Wanderin und kann mich bei grauem Himmel und Kälte so gar nicht aufraffen, einen längeren Weg zu gehen. Natürlich hatte ich in letzter Zeit auch nie dann Zeit, wenn es denn einmal sonnig war. Daher habe ich nur den einen oder anderen kleinen Spaziergang unternommen oder mal einen Geocache gesucht, aber nichts davon war lang (oder interessant) genug für einen eigenen Streifzug.

Also habe ich einen herausgekramt, den ich schon vor Jahren gemacht habe und euch ohnehin gern noch vorstellen wollte. Während es also mit den Herbstfarben draußen schon vorbei ist, könnt ihr sie hier auf den Fotos noch einmal in ganzer Pracht genießen.

Der Stadtwanderweg Nr. 4 führt zuerst in den Dehnepark, der einer der schönsten Parks in Wien ist - mit stillen Wiesen, Teichen und alten Bäumen. Wirklich zauberhaft.

Ideales Pausen- und Leseplätzchen

Danach geht es dann eine Weile durch den Wald und in einer sanften Steigung bis zur Jubiläumswarte.
Blick von der Jubiläumswarte stadteinwärts

... und stadtauswärts
Danach geht es erneut durch den Wald, an der netten Kreuzeichenwiese vorbei und wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Da es schon eine Weile her ist, seit ich diesen Weg gegangen bin, kann ich mich nicht mehr im Detail daran erinnern, aber mit dem Dehnepark ist es auf jeden Fall einer der schöneren Stadtwanderwege. Auch sonst ist dieser Streifzug recht ruhig und waldig und mit der Straßenbahnlinie 49 auch gut zu erreichen - also genau das richtige, wenn einen mal der Stadtkoller packt.

Sonntag, 8. Dezember 2013

Sonntagsgeplauder #66

Passend zum 2. Adventsonntag zeige ich euch mal meine weihnachtliche Dekoration in diesem Jahr. Dekorieren ist bei mir immer sehr abhängig von Lust und Laune - und dieses Jahr hatte ich eben Lust darauf, mir eine hübsche Weihnachtsdekoration zu basteln.

Das eine ist mein "Adventkranz" - als ich die netten Holzzahlen ganz günstig gefunden habe, wollte ich die unbedingt für meinen Adventkranz verwenden, also wurden vier billige Gläser mit Sternchen bepinselt, dazu noch Kerzen, ein bisschen Tannenzweige und weihnachtliche Deko und schon war mein Adventkranz (oder eher: Adventteller) fertig:


Für meine zweite Weihnachtsdeko müssen jetzt alle, für die Bücher ein absolutes Heiligtum darstellen, sehr tapfer sein (oder gar nicht erst weiterlesen). Ich habe nämlich zwei alte Bücher, die ich ohnehin schon längst ausmisten wollte (eins davon ein Wörterbuch aus der Unterstufe, also nicht mehr so ganz aktuell) außen mit Papierfetzen und einzelnen Buchseiten beklebt. Zwei weitere Buchseiten fielen noch einer Sternchen-Stanzform zum Opfer und so bekamen also zwei Bücher, die schon seit langem ihr Dasein nur noch in einer Schachtel gefristet haben, einen neuen Daseinszweck:


Auch sonst bin ich schwer mit Basteln beschäftigt - allmählich bleibt mir nicht mehr viel Zeit, um alle Weihnachtsgeschenke fertig zu bekommen. Angesichts der Bastel- und Handarbeitsorgie, die mir bevorsteht, sollte ich wohl als letztes Buch für die 100 Books-Challenge noch ein Hörbuch wählen. Vorher muss ich aber erst noch "Wiedersehen mit Brideshead" zu Ende hören.
Immerhin habe ich heute "Die Liebe in den Zeiten der Cholera" ausgelesen. Der Roman hat mich jetzt ziemlich lange beschäftigt, was schon darauf hindeutet, dass er mich nicht so wahnsinnig gefesselt hat ...

Was meine Schreibziele betrifft, so sieht es noch seeehr mager aus. Aber die letzte Woche hatte ich aufgrund vieler Abenddienste kaum Zeit zum Schreiben. Ich hoffe, dass ich heute Abend noch ein bisschen was schaffe.
Bisher habe ich heute in erster Linie geknüpft, Ordnung ins Wohnungschaos gebracht und einen Geocache bei einer naheliegenden Kirche gesucht (und gefunden). 

Und wie war euer zweiter Adventsonntag?

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Bernard Beckett - Das neue Buch Genesis


Genre: Science Fiction
Seiten: 171
Verlag: Script5
ISBN: 9783839001035
Meine Bewertung: 1,5 von 5 Sternchen




In einer fernen Zukunft bemüht Anaximander sich um einen Platz in der angesehenen Akademie. Dafür muss sie sich einem fünfstündigen Prüfungsgespräch stellen, in dem sie über das Leben von Adam Forde und dessen geschichtlichen Hintergrund berichten soll. Denn vor Jahren wurde nach einer Seuche auf einer abgeschotteten Inselgruppe ein Staat nach dem Vorbild Platons errichtet, in dem die Menschen sich in eine strenge Ordnung einfügen müssen. Um auch weiterhin vor der Seuche verschont zu bleiben, wird jedes sich nähernde Boot gnadenlos zerstört - nur Adam Forde trifft während seiner Wache eine andere Entscheidung und stellt damit die bisherige Ordnung auf den Kopf.

"Das neue Buch Genesis" beginnt vor allem formal sehr interessant: Der gesamte Roman stellt die Prüfung von Anax dar, was zu Beginn die Möglichkeit bietet, in einem Frage- und Antwortspiel die gesamten geschichtlichen Hintergründe kurz und knapp darzustellen.
Nicht nur diese ungewöhnliche Erzählform, sondern auch die interessante Hintergrundgeschichte von Adam Forde haben mir zunächst sehr gut gefallen.
Dann aber nahm die Handlung nicht nur einen Schlenker zu einem ganz anderen Thema, sondern mir war auch nach etwa 50 Seiten klar, was wohl das angeblich so überraschende Ende beinhalten würde. Ehrlich gesagt habe ich den Roman danach nur noch gelesen, um entweder in meiner Vermutung bestätigt zu werden oder aber doch noch eine unerwartete Wendung präsentiert zu bekommen. Sonst gab es an dem Roman nichts, was mich auch nur in irgendeiner Weise gefesselt hätte.

Es ist allerdings sehr schwierig, meine Kritikpunkte näher zu erläutern, ohne massiv zu spoilern. Da ich mich aber über das Buch so unglaublich geärgert habe, dass ich gern näher darauf eingehen möchte, was meine Probleme damit waren, wird die weitere Rezension große SPOILER enthalten.
Wer den Roman also noch ahnungslos lesen möchte, sollte nun nicht mehr weiterlesen.


Etwa um die Seite 50 herum werden erstmals Roboter und künstliche Intelligenz zur Sprache gebracht. Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass Anax und die Prüfer keine Menschen, sondern Roboter sind. Nicht nur, weil die Art und Weise, wie dieses Thema eingebracht und von nun an zum Hauptthema des Buches wurde, mich gleich auf diese Spur gebracht hat, sondern auch, weil es im Prüfungsgespräch sehr schnell klar wird, dass es sich hier nicht um Menschen handelt.
Das Problem ist, dass es sich bei dem Buch um ein seltsames Flickwerk handelt. Diese postapokalyptische Gesellschaft, die sich nach dem Vorbild von Platons Politeia organisiert, fand ich sehr faszinierend, aber für den weiteren Plot rund um künstliche Intelligenz und Menschsein ist sie unerheblich. Nicht nur das: Auch Adam Fordes so bedeutende Entscheidung, ein Mädchen aus einem Boot zu retten, spielt an sich keine Rolle mehr. Das Mädchen Eva kommt nie wieder vor und dient nur als Grund, dass Adam nun als Strafe fortan mit einem neu entwickelten Roboter sprechen muss, um dessen Intelligenz zu trainieren.

Von nun an ist der Roman also ein reiner philosophischer Diskurs über Bewusstsein und die Unterscheidung zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz. Wenn nun Anax am Ende selbst erstmals erfahren hätte, dass sie ein Roboter ist, während sie sich für einen Menschen hielt, hätte das diese langen Diskussionen immerhin auf die Spitze getrieben.
Aber nein, Anax weiß ja, dass sie alle Roboter sind. Es wird nur den Lesern am Ende in einer großen Geste präsentiert - als ob das da noch irgendeine Überraschung gewesen wäre. Zusätzlich wird eine weitere seltsame Wendung eingebaut, die nicht besonders viel Sinn ergibt und in keiner Weise stimmig zu dem Rest des Romans passt. Es ist nur ein weiteres Element dieses Flickwerks, das sich nicht so recht einfügen möchte.
Und schließlich - Überraschung, Überraschung - handelt es sich bei der Akademie nicht wirklich um eine solche und bei dem Gespräch folglich auch nicht um eine Aufnahmeprüfung. Das ist nun zwar für Anax unerwartet, nicht aber für die Leser. Dass hinter der Akademie und der Prüfung etwas ganz anderes steckt, ist einfach von Anfang an so deutlich erkennbar, dass auch daraus kein überraschender Plottwist mehr entsteht.

Alles in allem ist also an dem Ende, das auf dem Klappentext und auch überall sonst so hervorgehoben wird, überhaupt nichts überraschend. Wirklich interessant fand ich an dem Roman nur die originelle Erzählform und das Anfangsszenario, das ich viel faszinierender als alles weitere fand. Schade, dass es im Gesamten wie ein Fremdkörper wirkt, da es keinen logischen Zusammenhang zwischen der präsentierten Gesellschaft und der darauffolgenden Debatte über künstliche Intelligenz gibt.
Was bleibt, ist also nur noch eine philosophische Debatte, die mit Mühe in einen Plot gestopft wird und nicht einmal für sich alleine überzeugen kann, da sie über weite Strecken sehr wirr und ziellos wirkt.

Nein, dieser Roman und ich sind keine Freunde geworden. Gut, dass ich ihn nur aus der Bücherei ausgeliehen hatte.

Dienstag, 3. Dezember 2013

Geplauder: Schreibziele, Familiensonntag und Catching Fire

Mein letzter Blogeintrag ist schon wieder einige Tage her, aber am Freitag und Samstag war ich noch ganz damit beschäftigt, meine 35.000 Wörter zu schaffen (was mir knapp gelungen ist). Ich möchte jetzt gern dranbleiben, habe aber im Dezember sicher sehr wenig Zeit zum Schreiben, daher habe ich mir ein Mini-Ziel von 10.000 Wörtern gesetzt. In erster Linie geht es mir darum, nicht wieder in eine monatelange Schreibpause zu schlittern.

Am Sonntag bin ich dann zu meiner Familie gefahren, um den Geburtstag meiner Mutter zu feiern und hatte dort einen sehr netten Tag, der folgendes enthielt:
- Reparatur meiner Kamera! Mein Bruder hat mir das inzwischen angekommene Ersatzdisplay eingebaut und jetzt ist alles wieder in Butter. Ich freu mich so! :-)
- Erste Rumtopf-Verkostung (meine Mutter, meine Schwägerin und meine älteste Schwester setzen jedes Jahr einen Rumtopf an, der dann am 1. Adventsonntag erstmals probiert wird).
- Geocachen mit meiner Nichte und meinem Neffen inklusive akrobatischen Verrenkungen und Stolpern durch den stockdunklen Wald. Außerdem haben wir uns erfolglos am Enträtseln einiger Mystery-Caches probiert.
- "Sightseeing" in meiner Heimatstadt, da die Kinder darauf bestanden haben, mir das Weihnachtshaus des Grauens zu zeigen. Dabei habe ich meine wiederauferstandene Kamera gleich eingeweiht, allerdings ist das Foto nur aus dem Autofenster entstanden:


Und gestern Abend gings dann noch mit meiner Schreibgruppe in Catching Fire. Ich fand ja die Verfilmung des 1. Teils absolut katastrophal, aber der 2. Teil gefiel mir jetzt doch wesentlich besser, vor allem die erste Hälfte. Danach gings leider ein wenig bergab, aber insgesamt fand ich den Film nicht schlecht. Die Hauptrollen finde ich immer noch extrem fehlbesetzt, aber wenigstens hat mich Jennifer Lawrence schauspielerisch diesmal überzeugt (im 1. Teil hat sie mich emotional nicht mal für eine Seunde gepackt).

Hauptärgernisse für mich: 
- Die Logikprobleme, die sich in der Arena dadurch ergeben, dass sie im 1. Teil das mit Peetas Bein geändert haben. Das hat man warum genau gemacht? 
- Dass man Haymitchs Sieg beim second Quarter Quell und das, was er dabei herausgefunden hat, weggelassen hat.
- Das völlige Aussparen von Peetas Familie, das zu einigen recht unerklärlichen Situationen führt.

Absolutes Highlight: 
Jena Malone als Johanna! Absolut genial, am liebsten hätte ich einen Film alleine über sie gesehen. ;-) Sehr berührend fand ich außerdem die Szene mit dem alten Mann im 11. Distrikt und Effies Verabschiedung.

Unfreiwillig komisch: 
- Die Anzüge der Soldaten, die extrem an die Imperialen Sturmtruppen erinnern. 
- Außerdem die deutsche Übersetzung, mit der ich hier erstmals konfrontiert wurde. "Jubel-Jubiläum" und "Karrieros"? Ernsthaft? Das ist ja schaurig!


Tja, es ist also kein Wunder, dass in den letzten Tagen zum Lesen keine Zeit mehr blieb. Dafür habe ich mir bei der Zugfahrt zahlreiche Notizen für eine Rezension und für einen geplanten Beitrag über Erzählperspektive gemacht. Ich nehme also an, dass ich diese Woche auch wieder etwas aktiver beim Bloggen sein werde, obwohl ich dienstmäßig ziemlich eingespannt bin.

Mittwoch, 27. November 2013

Alice Munro - Tanz der seligen Geistern


Genre: Erzählungen
Seiten: 374
Verlag: Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783596512195
Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternchen

Ein Jahr mit Nobelpreisträgern


In ihrer ersten Kurzgeschichtensammlung erzählt Alice Munro in 15 Geschichten von Menschen, die nicht so recht dazugehören, die in irgendeiner Weise am Rande der Gesellschaft stehen: ein Mädchen, das in eine Männerwelt gehören möchte, eine Schülerin, die beim Schulball von niemandem aufgefordert wird, eine Mutter, für die die Töchter sich schämen.
In den meisten Geschichten ist es nicht das alleinige Thema, und in manchen auch nur sehr am Rande, aber es zieht sich doch durch die Sammlung und bildet einen roten Faden.

Ein weiteres verbindendes Element ist das Milieu, in dem die Geschichten angesiedelt sind. Sie spielen alle von etwa 1930 bis 1950 in Kanada in der Unterschicht oder ärmeren Mittelschicht und vermitteln oft ein gewisses Gefühl der Schäbigkeit. Alice Munro fängt dabei alle Familien und Schauplätze - sei es nun eine Fuchsfarm oder eine adrette Siedlung, in der ein altes Haus ein störendes Bild abgibt - so gut ein, dass ich überall das Gefühl hatte, mittendrin zu stecken.
Das ist angesichts der Kürze der Geschichten bemerkenswert (manche Autoren schaffen das nicht mal auf mehreren hundert Romanseiten) und setzt sich auch in den Figuren fort, die Munro meist in nur wenigen Sätzen sehr klar zu charakterisieren versteht.

Die - oft kindliche, oft rückblickende - Perspektive der Geschichten wirkt stets glaubwürdig, wenn auch sprachlich nicht immer authentisch. Das ist vielleicht der einzige Vorwurf, den ich Munro machen könnte: Dass ihr sprachliche Geschliffenheit wichtiger ist als eine tatsächlich authentische Erzählstimme.
Dafür sind die Kurzgeschichten aber stilistisch sehr schön zu lesen - eher schlicht und nüchtern als blumig, unsentimental und mit stets präziser Wortwahl. Ab und zu hatte ich allerdings das Gefühl, dass die Übersetzung nicht ganz gelungen war, daher wäre es sicher besser, die Geschichten im Original zu lesen.

Inhaltlich fand ich alle Geschichten sehr interessant und auch mitreißend, sobald ich erst einmal hineingefunden hatte. Mein Problem mit Kurzgeschichten ist ja, dass man meist eine Weile braucht, um sich in die Situation und Figuren einzufinden, und wenn das dann endlich geschehen ist, ist die Geschichte auch meist schon zu Ende. Das war bei Munro nicht so sehr der Fall. Meistens habe ich mich schnell in einer neuen Geschichte zurechtgefunden, auch wenn ich am Ende dann oft enttäuscht war, dass ich nicht noch weiter bei den jeweiligen Figuren verweilen konnte. Aber gerade das ist ja auch schön, wenn es einem leid tut, von der Welt, in die man kurz eingetaucht ist, wieder Abschied nehmen zu müssen.
Dieser Abschiedsschmerz passt durchaus auch zu der eher traurigen Grundstimmung. Die Geschichten sind nicht trostlos, aber doch großteils melancholisch und vereinzelt auch schmerzhaft zu lesen.

Da ich sonst noch keine Kurzgeschichten von Munro gelesen habe, kann ich keine Vergleiche zu späteren Werken anstellen, aber auf mich wirkt ihr Erstlingswerk bereits sehr ausgereift. Mir haben die Kurzgeschichten alle sehr gut gefallen und mich auch neugierig auf mehr von der Autorin gemacht.
Meine persönlichen Highlights waren übrigens "Das Büro", in dem eine Autorin auf der Suche nach mehr Ruhe beim Schreiben ist, und "Tag des Schmetterlings" über ein Mädchen, das in der Schule gemobbt und erst aus traurigen Gründen scheinbar in die Klassengemeinschaft eingegliedert wird.

Sonntag, 24. November 2013

Sonntagsgeplauder #65

Lesegeplauder
 
Berlin und mein NaNo light haben dazu geführt, dass ich im November bisher wenig gebloggt und wenig gelesen habe. Immerhin fehlt mir jetzt aber von Tanz der seligen Geister nur noch eine Kurzgeschichte und ich kann eins schon mal sagen: Ich möchte auf jeden Fall noch mehr Kurzgeschichten von Alice Munro lesen (da trifft es sich ja gut, dass meine Mutter in Berlin auch eine Sammlung mit Erzählungen von ihr gekauft hat - und sinnvollerweise eine andere als ich ;-)).
Ob ich hingegen nach Die Liebe in den Zeiten der Cholera noch mehr von Márquez lesen werde, ist eher fraglich. Ich finde den Roman nicht direkt schlecht, aber ich kann auch nicht behaupten, dass er mich begeistert - und ich krieche wirklich im Schneckentempo durch die Seiten.
Wiedersehen mit Brideshead gefällt mir dagegen ausgesprochen gut und ich bin froh, dass ich handarbeitstechnisch mit Weihnachtsgeschenken eingespannt bin. Auf die Weise hab ich wenigstens einen Grund, regelmäßig beim Hörbuch weiterzuhorchen.
Tja, und wenn ich Márquez und Waugh geschafft habe, fehlt mir noch immer ein Buch der 100 Books-Challenge. Aua. Das wird eng. Ich glaube, ich muss mir da etwas kurzes suchen ...

Schreibgeplauder

Wie ich am Donnerstag schon geschrieben habe: Es läuft wieder einigermaßen. Noch bin ich mir nicht sicher, ob ich den Schreibfluss über den November hinaus retten kann - das war auch schon immer mein NaNo-Problem, dass ich danach zwar immer gut im Schreiben drinnen gewesen wäre, im Dezember aber dank Weihnachtsstress zu nichts gekommen bin.
Und so wie es aussieht, könnte das dieses Jahr wieder so werden. Dass ich mir derzeit bei "Bühnenrätsel" ein wenig die Rosinen aus dem Kuchen picke und vor allem die Szenen schreibe, die mir schon länger im Kopf herumgeistern, auch wenn es nicht chronologisch ist, dürfte da wenig hilfreich sein. Wenn ich so weitermache, bin ich am Ende nur noch mit ungeliebten oder verbindenden Szenen beschäftigt ... %-)

SuB-Geplauder

Wenn ich derzeit meinen SuB anschaue, frage ich mich: Meine Güte, was ist denn da passiert? Wo ist mein Vorsatz hinverschwunden, ihn nicht mehr über 15 wachsen zu lassen?
Naja, folgendes ist passiert: Von einer Freundin habe ich Das Haupt der Welt von Gablé und Die Macht des Schmetterlings von Dickinson weitergegeben bekommen, also weitergegeben im Sinne von: gratis. Wer kann denn da nein sagen?
Dann gab es für Kobobooks einen 80%-Rabattcode, den ich sofort für The Shape-Changer's Wife von Shinn eingelöst habe, ein englisches ebook, das schon seit Jahren auf meiner Wunschliste steht, das mir aber immer zu teuer war.
Außerdem gabs halt auch noch den einen oder anderen Büchereibesuch und meine aktuelle "Borgias"-Begeisterung hat eine Freundin veranlasst, mir Mirror Mirror von Maguire zu leihen, in dem wohl Lucrezia und Cesare in Nebenrollen vorkommen. Ich bin gespannt!
Tja, und das eine oder andere ebook hab ich momentan noch nicht mal bei meinem SuB mitgezählt. Hülfe!
Dass Weihnachten naht und damit wohl auch so manches Buchgeschenk, ist da jetzt auch nicht unbedingt beruhigend. Vielleicht sollte ich mir dieses Jahr einfach keine Bücher wünschen?
...
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WAS?! Weihnachten ohne Bücher? Undenkbar!
Dann lieber im nächsten Jahr ein neues SuB-Abbau-Vorhaben starten.

Donnerstag, 21. November 2013

[Schreibnovember] Zwischenstand

Nun ist also schon wieder mehr als die Hälfte des Novembers rum und ich kann erleichtert berichten, dass es mit dem Schreiben ganz gut läuft. Dafür, dass ich nun lange Zeit wirklich so gut wie gar nicht geschrieben habe, bin ich doch schnell wieder reingekommen.
Allerdings ist "Bühnenrätsel" derzeit wirklich ein Spaßprojekt bzw. ein Austesten, was aus dem Roman vielleicht mal werden könnte. Ich habe bisher sehr viele Dialogszenen und Zwischenmenschliches, aber recht wenig tatsächliche Handlung. Ob daraus wirklich mal ein vernünftiger Roman wird, weiß ich noch nicht, aber es macht Spaß zu schreiben. Natürlich hatte ich zwischendurch ein paar Durchhänger (gerade eben, weil so wenig vernünftiger Plot vorhanden ist), aber in erster Linie ging es mir ja darum, irgendwie wieder ins Schreiben zu finden, und das zumindest funktioniert auf diese Weise ganz gut.

Ich merke auch, dass ich durch das Schreiben nun wieder viel mehr über meine anderen Romane nachdenke und es mich in den Fingern juckt, daran weiterzuschreiben. Es ist mir jetzt sogar ein Rätsel, weshalb ich so lange gar nichts geschrieben habe. Es war wohl die Luft raus und dann habe ich keinen Anknüpfungspunkt mehr gefunden, um überhaupt wieder hineinzufinden.
In den letzten Tagen habe ich aber nicht nur an "Bühnenrätsel" geschrieben, sondern auch in meine anderen (unvollendeten) Romane hineingelesen. Dabei habe ich festgestellt, dass mein "Nachtjäger", den ich seit dem NaNo 2010 nicht mehr angerührt habe, gar nicht mal so ein hoffnungsloser Fall ist wie damals gedacht. Ja, ich habe mich ein wenig an die Wand geschrieben und ja, manches ist unstimmig und schlecht geschrieben, aber einige Szenen halte ich tatsächlich für gelungen und die Idee an sich mag ich immer noch. Ich muss mich da unbedingt mal ernsthaft mit den Plotlöchern auseinandersetzen und an dem Roman weiterarbeiten.

Und dann sind da ja auch noch meine endlosen "Göttersteine", die ich ebenfalls aufgrund Plotlöcher und einer allgemeinen Überforderung mit dem Ende vor einer ganzen Weile beiseite gelegt habe. Aber immer, wenn ich in den Roman reinlese, merke ich nicht nur, was für eine fürchterliche Baustelle er ist, sondern auch, wieviel er mir bedeutet. Es wird wohl für immer mein Herzensprojekt bleiben, das mich zwar oft zur Verzweiflung bringt aufgrund der Komplexität, das ich aber gerade wegen der vielen Handlungsstränge und der oft schwierigen Themen darin mag. Und so sehr mich Herun, Gabran und Maldwin auch faszinieren, so sehr ich sie mag - sie liegen mir nicht auf dieselbe Weise am Herzen wie meine Göttersteine-Figuren.

Ich kann also nur sagen, dass es die richtige Entscheidung war, so spontan einen "kleinen" NaNo zu beginnen. Nicht nur, weil ich endlich mal wieder schreibe und durchaus meinen Spaß mit "Bühnenrätsel" habe, sondern auch, weil ich mich nun überhaupt wieder mit meinen Romanen auseinandersetze.
Mein Vorsatz, wieder mehr an meinen Romanen zu arbeiten, steht also - und ich hoffe sehr, dass ich ihn auch durch die stressige Vorweihnachtszeit hindurch retten kann.

Sonntag, 17. November 2013

Arundhati Roy - Der Gott der kleinen Dinge


Genre: Roman, Gegenwartsliteratur
Seiten: 384
Verlag: Blessing
ISBN: 9783896670205
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

"Bücher, die man gelesen haben muss"-Challenge


Dieser Roman beginnt mit dem Begräbnis der Cousine der siebenjährigen Zwillinge Rahel und Estha. Wie genau es aber zu dem Tod des Mädchens kam und was alles im Vorfeld passiert ist, entfaltet sich im Roman erst nach und nach. Da sich einem die tatsächlichen Ereignisse beim Lesen erst allmählich offenbaren, möchte ich hier auch nicht vorausgreifen und gar nicht viel mehr über die Handlung an sich erzählen.
Grob gesagt geht es aber um etwa zwei Wochen in der Kindheit der Zwillinge in den späten 60er Jahren in Indien und um eine ganze Reihe von Ereignissen, die schließlich im Tod der Cousine gipfeln.

Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass es mir wahnsinnig schwerfällt, eine Rezension zu diesem Roman zu verfassen. Wäre ich durch die Challenge nicht dazu gezwungen, würde ich es wahrscheinlich bleiben lassen. Das möchte ich nur vorausschicken als Erklärung, weshalb die Rezension wohl recht kurz und schwammig ausfallen wird (und sich wohl nicht einmal Rezension nennen kann).
Denn obwohl ich den Roman sehr gut fand, konnte er mich nicht ganz überzeugen - ich weiß nur nicht, weshalb nicht. Die Handlung wird wirklich meisterhaft in Zeitsprüngen erzählt und ineinander verwoben, die Sprache ist sehr treffend und oft nahezu poetisch, die Themen, die im Roman aufgegriffen werden, regen zu kritischem Denken an. Der Roman ist sowohl lustig als auch traurig, lässt einen stellenweise fast mit ohnmächtiger Wut zurück und ist letztendlich auch über weite Strecken ungemein fesselnd zu lesen.
Was also hat mir gefehlt? Haben mich doch die Zeitsprünge gestört oder war die Sprache manchmal einfach nicht mein Fall? Ich weiß es nicht. Ich kann nur sagen, dass es mich mittendrin Überwindung gekostet hat, an dem Roman weiterzulesen. Er hat mich ohne Frage fasziniert und ich würde auch im Nachhinein sagen, dass sich das Lesen auf jeden Fall gelohnt hat, aber irgendetwas hatte das Buch an sich, das ich nicht in Worte fassen kann.

Daher gebe ich den armseligen Versuch einer Rezension an dieser Stelle auf und verweise euch lieber auf Birthes Besprechung, die sehr gut in Worte gefasst hat, was den Roman ausmacht.

Samstag, 16. November 2013

Das war Berlin

Ich bin zwar schon seit Mittwoch Abend wieder zurück in Wien, aber bisher bin ich einfach nicht dazu gekommen, einen Beitrag zu schreiben.
Berlin war ... interessant und sehr abwechslungsreich, aber nicht so, dass ich mit einem "wow"-Gefühl zurückgekommen bin. Wir haben uns sehr viel angesehen und mir haben auch einige Plätzchen in Berlin sehr gut gefallen, aber insgesamt war die Stadt nicht wirklich mein Fall (ich hoffe, ich werde nun nicht gleich zerfleischt). Es war aber auf jeden Fall schön, einfach mal wieder ein wenig aus dem Alltag rauszukommen.
Wohin ich es nicht mehr geschafft habe, das waren die Beelitzer Heilstätten. Mir blutet noch immer mein Herz, da ich mich so darauf gefreut hatte. Aber ich hatte enormes Pech mit einer verspäteten Regionalbahn und habe schließlich den Zug, den ich erreichen musste, um gerade mal eine Minute verpasst. Und damit leider auch den Treffpunkt für die Führung.
Abgesehen davon hat aber alles gut funktioniert, wir hatten auch großteils echt Glück mit dem Wetter und das Hotel war sehr schön. Hier einfach mal ein paar fotografische Eindrücke:

Außerdem habe ich mir beim Hugendubel noch ein Buch gegönnt und zwar "Tanz der seligen Geister" von Alice Munro in einer ganz entzückenden Mini-Hardcover-Ausgabe vom Fischer-Verlag ("Schnee" von Orhan Pamuk habe ich auch in einer solchen Ausgabe). Ich habe das Buch auch schon zu lesen begonnen und bisher gefallen mir die Kurzgeschichten sehr gut.


Tja, und nun bin ich also wieder zurück im Alltag, hatte ein paar recht dienstintensive Tage und auch sonst einiges zu tun und muss nun auch wieder ins Schreiben reinfinden, um meinen abgespeckten NaNo zu schaffen.

Samstag, 9. November 2013

Auf nach Berlin!

Ich verabschiede mich für die nächsten Tage, da ich morgen im frühen Morgengrauen nach Berlin fliege.
Vier Tage hab ich, um all das unterzubringen, was ich gern sehen möchte - definitiv zu wenig. Denn neben den üblichen Verdächtigen (Reichstag, Brandenburger Tor, Dom, Pergamon-Museum, ...) steht auch eine Führung über das Gelände der Beelitzer Heilstätten auf dem Programm.
Falls das Wetter allerdings ganz grausam ist, bleibt eh nur noch die Flucht in die Museen. Ich hoffe aber mal, dass uns zumindest ein paar Sonnenstrahlen vergönnt sind.

Also bis bald! Ich wünsch euch ein schönes Wochenende!

Donnerstag, 7. November 2013

Nnedi Okorafor - Who Fears Death


Genre: Phantastik/Science Fiction
Seiten: 386
Verlag: DAW
ISBN: 978-0756406172
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen




In einer Gegend, die entweder ein postapokalyptisches oder alternatives Afrika darstellt (das bleibt offen), versklaven die Nuru schon seit Jahren die Okeke - legitimiert durch eine religiöse Schrift. Angriffe auf Okeke-Dörfer und systematische Vergewaltigungen kommen immer häufiger vor. Onyesonwu ist das Kind solch einer Vergewaltigung und als solches überall eine Außenseiterin. Als sich herausstellt, dass sie noch dazu eine Magierin ist, scheint jegliche Eingliederung in die Gesellschaft unmöglich. Ihren Fähigkeiten steht sie hilflos gegenüber, da der Dorfmagier sich weigert, eine Frau auszubilden. Aber Onyesonwu gibt nicht klein bei und kämpft um die Ausbildung und um eine Möglichkeit, die Unterdrückung der Okeke zu beenden.

"Who Fears Death" ist ein sehr ungewöhnliches Buch, das die Geschichte einer jungen Frau, die lernen muss, mit ihren magischen Fähigkeiten umzugehen, mit einem afrikanischen Setting und äußerst brisanten Themen verbindet. Dass dieser Roman kein gemütlicher Spaziergang wird, wird schnell klar, als am Anfang die Vergewaltigung von Onyes Mutter und später die Beschneidung der Ich-Erzählerin beschrieben wird. Auch sonst wird eine ganze Reihe von keineswegs phantastischen Problemen thematisiert, wie etwa die Unterdrückung der Frauen, der Konflikt zwischen verschiedenen Völkern und die Ausgrenzung von Menschen rein aufgrund ihrer Herkunft bzw. ihres Aussehens.

Dennoch ist der Roman gerade in der ersten Hälfte keineswegs so düster, wie man nun vielleicht glauben könnte und das liegt vor allem an den großartigen Figuren. Onye ist direkt, kämpferisch, wütend und stößt die Menschen ihrer Umgebung permanent vor den Kopf, sogar jene, die sie liebt. Sie ist dermaßen auf Konfrontationskurs, dass ich sie beim Lesen nahezu bitten wollte, es ihren Mitmenschen doch manchmal ein wenig leichter zu machen. Es ist daher nicht immer einfach, aus ihrer Sicht zu lesen, aber gerade deshalb ist sie eine ganz wunderbare Hauptfigur.
Man kann sich denken, dass sich mit einer solchen Ich-Erzählerin sehr interessante zwischenmenschliche Konflikte ergeben. Bei all dem Streit, der fast allgegenwärtig in der Luft liegt, spielen aber auch Liebe und Freundschaft eine große Rolle. Mit Mwita, der ebenfalls ein Kind beider Völker ist, entsteht ein wunderbar geschilderte Liebesgeschichte, und mit den anderen drei Mädchen, die gemeinsam mit Onye das Ritual der Beschneidung erlebten, verbindet sie fortan eine tiefe Freundschaft.

Als Onye und die anderen schließlich zu einer Reise aufbrechen, geht es weniger um äußere Konflikte, wie ich zunächst erwartet hätte, sondern vielmehr um äußerst faszinierende Gruppendynamik. Bald wird klar, dass in Extremsituationen nicht mehr alle freundschaftlichen Bande Bestand haben können, während andere sich umso mehr festigen.
Das Problem ist allerdings, dass die Konzentration auf die Figuren und ihre Beziehungen zueinander auf Dauer doch ein wenig ermüdend ist. Streckenweise scheint die Handlung komplett auf der Stelle zu treten, während in der Gruppe nahezu seifenoperartige Zustände herrschen.
Das bedeutet noch nicht einmal, dass das zum Lesen langweilig ist, aber wenn sich dann auf den letzten Seiten die Handlung dermaßen überschlägt, dass wichtige Ereignisse beinahe in Nebensätzen abgehandelt werden, hat man doch das Gefühl, dass mit dem Erzähltempo etwas nicht stimmt.

Der andere Grund, weshalb der Roman für mich kein absolutes Highlight war, ist die Magie. Zunächst fand ich sie sehr interessant geschildert, aber meiner Meinung nach wird sie zuehends schwammiger und unbestimmter. Bei Onyes Reisen in eine Art magische Wirklichkeit hatte ich oft das Gefühl, auf der Strecke zu bleiben - und ich kann bis jetzt nicht genau sagen, ob es sprachliche Probleme waren oder ob mir die Szenen an sich einfach zu rätselhaft blieben.
Leider werden dann auch die meisten Probleme auf eine magische Weise gelöst. Das ist einerseits durchaus stimmig, da genau das ja Onyes große Fähigkeit ist, aber manchmal blieb für mich doch ein schaler Nachgeschmack. Ich hatte (gerade zum Ende hin) nicht das Gefühl, als hätten die Menschen wirklich etwas begriffen oder als wären gewisse Probleme tatsächlich an ihrer Wurzel gepackt worden. Vielmehr hat es ein wenig den Eindruck von oberflächlich drübergestreuter magischer Lösung.
Ich bin mir nicht sicher, ob das beabsichtigt ist. Möglicherweise ist genau das die bittere Aussage, die die Autorin einem mitgeben möchte: Manche schwerwiegende (und immer wiederkehrende) Probleme sind praktisch unlösbar und lassen sich nur noch auf magische Art bekämpfen. Aber ehrlich gesagt fände ich das als Aussage dermaßen desillusionierend und entmutigend (zumal der Roman ja auch sonst nicht vor Fröhlichkeit strotzt), dass ich nicht davon ausgehe, dass einem Nnedi Okorofaor das mit auf den Weg geben möchte.

Abschließend kann ich nur sagen, dass "Who Fears Death" ein sehr faszinierender und streckenweise auch sehr spannender Roman ist, der sich definitiv von jeglichem Einheitsbrei abhebt. Leider gab es aber auch so einiges, das mir nicht besonders gut gefallen hat und gerade am Ende blieb für mich ein eher schaler Nachgeschmack.
Eine lohnenswerte Lektüre ist es allemal, aber der Beginn verspricht leider mehr als der Roman dann auf dem letzten Drittel zu bieten hat.

Samstag, 2. November 2013

[Wiener Streifzüge] Weiter durch die Lobau

Beschreibungrundumadum Nr. 15+16
StartpunktLobgrundstraße (92B)
EndpunktEßlinger Furt (88B)
Gehzeit2,5 Stunden

Diesmal gibt es meinen Streifzug ausnahmsweise am Samstag, da ich noch ungeahnte Schwierigkeiten hatte, die Fotos von der Kamera meiner Schwester auf den Computer zu bekommen. Ein dreifaches Hoch auf Christian, der gestern heldenhaft den Kampf mit der Memory Card aufgenommen (und gewonnen) hat!

Im Juli habe ich euch bereits die Etappe 14 des "rundumadum"-Weges vorgestellt, die durch den Nationalpark Dona-Auen führt.
Letzten Sonntag habe ich nun die nächsten zwei Etappen in Angriff genommen. Zu der Gehzeit möchte ich kurz anmerken, dass das immer die Zeit ist, die ich für die Wanderung brauche. Ich bin aber meistens sehr strammen Schrittes unterwegs, was mir bei diesem Weg besonders stark aufgefallen ist, da in der Beschreibung von 3-4 Stunden die Rede ist. Wer also eher im gemütlichen Schlendertempo unterwegs ist, sollte also definitiv mehr Zeit einplanen als bei meinen Angaben. ;-)

Gleich zu Beginn, wenn man die Bushaltestelle in der Lobgrundstraße hinter sich gelassen hat, führt der Weg in den Wald - und bleibt dort auch bis zum Ende der beiden Etappen.



Herbstlich gefärbte Bäume, wohin man auch blickt.




Ab und zu durchbrechen Wiesen die ewigen Waldwege, aber ansonsten geht es (gut ausgeschildert) wirklich die gesamte Dauer des Streifzuges durch dichten Wald.



Mitten im Wald stößt man auf eine Schaltstation einer Rohölleitung (angrenzend an die Lobau befindet sich auch gleich das große Zentraltanklager der ÖMV).


An der Eßlinger Furt unmittelbar vor dem Endpunkt der beiden Etappen:


Unterwegs hat außerdem mein Leserherz einige Male höher geschlagen, da auf mehreren Bänken/Tischen im Wald Bücher rumlagen, die offensichtlich ähnlich wie beim Bookcrossing auf der Suche nach neuen Besitzern waren. Ich hätte beinahe eines mitgenommen (bevor es dort heimatlos liegenbleibt), aber letztendlich hat mich keines davon wirklich interessiert.
Ich hoffe aber doch, dass alle Bücher noch ein liebevolles neues Zuhause gefunden haben!


Diese beiden Etappen durch die Lobau sind nett und gemütlich zu gehen (Steigungen gibt es gar nicht), im Vergleich zur im Juli beschriebenen Etappe mit der schönen Dechantlacke und dem faszinierenden Moorgebiet ist dieser Streifzug aber ein wenig eintönig. So schön herbstlicher Laubwald auch ist - irgendwann wird er doch ein wenig langweilig.
Ein idyllischer und ruhiger Weg also, der nicht besonders viel Abwechslung zu bieten hat. Und ganz so ruhig ist es an einem sonnigen Sonntag dann doch nicht, da man sehr vielen anderen Spaziergängern, Radfahrern, ganzen Pensionisten-Wandergruppen und Familien mit Kindern begegnet.