Freitag, 26. Oktober 2012

John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter


Genre: Jugendbuch
Seiten: 256
Verlag: Carl Hanser
ISBN: 978-3446240094
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

Themen-Challenge (Tod) 


Die 16jährige Hazel hat Krebs ohne eine wirklich Hoffnung auf Heilung. Auf eine Selbsthilfegruppe mit anderen krebskranken Jugendlichen hat sie überhaupt keinen Bock, aber dann lernt sie dort den schlagfertigen Gus kennen. Auf einmal kann Hazel sich beinahe wie ein "normaler" Teenager fühlen, mit flirten, verlieben und allem, was dazu gehört.
Neben Gus fühlt sich Hazel nur von einem Menschen verstanden, dem Schriftsteller Peter Van Houten. Hazels großer Wunsch ist es, zu erfahren, wie es mit den Figuren des Romans "Ein herrschaftliches Leiden" nach dem recht abrupten Ende weitergeht. Aber das, schreibt Van Houten in einer Email, könne er ihr nur persönlich mitteilen. Dumm nur, dass er in Amsterdam lebt ...

Wie schon "Paper Towns" hat mich auch dieser Roman von John Green praktisch von der ersten Seite weg gepackt. Es ist sehr eindrucksvoll und auch gnadenlos, wie der Autor hier von Krebs und vom Sterben erzählt. Obwohl Hazel und Gus beide mit der Krankheit zynisch und mit schwarzem Humor umgehen, schreckt John Green nicht davor zurück, sie auch in ihre dunkelsten Momente zu begleiten, in Momente der Wut, der Verzweiflung, der Beschämung. In dieser Hinsicht ist der Roman unerbittlich und gerade das ist auch seine große Stärke. Er beschönigt nichts, ist aber gerade dank Hazels eher ironischer Perspektive dennoch nicht deprimierend.
Leider konnte mich der Roman dennoch emotional überhaupt nicht packen. Ich kann nicht wirklich erklären, weshalb nicht, ich kann nur sagen, dass er mich trotz des traurigen Themas nicht berührt hat. Obwohl ich den Roman innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe, hatte ich nie das Gefühl, wirklich tief hineinzutauchen. Und mit dem Zuklappen des Buches war es für mich auch erledigt - da klang nicht wirklich etwas in mir nach, was man doch bei so einem Thema durchaus erwarten würde.
Ich muss auch gestehen, dass ich mir ein anderes Ende gewünscht hätte - eines im Stil von "Ein herrschaftliches Leiden". Vielleicht hätte das auch länger in mir nachgehallt, ich weiß es nicht.

Was mir dagegen sehr gut gefallen hat, das waren all die Gespräche über Bücher, die Hazel und Gus in dem Buch führen. Überhaupt spielt das Lesen eine große Rolle in dem Roman, wobei es besonders erfrischend ist, dass Hazel einerseits eine Vorliebe für anspruchsvolle Literatur hat, andererseits aber auch mit großer Begeisterung die Romane zu einem Computerspiel liest und darüber hinaus äußerst gerne sinnlose Castingshows im Fernsehen anschaut. Das macht sie irgendwie sehr sympathisch und auch glaubwürdig. Sie ist ein junges Mädchen mit einer schlimmen Krankheit, das viel durchgemacht hat und sich auch sehr kluge Gedanken macht, sich dennoch aber auch für ganz banales "Teenagerzeugs" begeistern kann. Das eine schließt eben das andere nicht aus.

"Das Schicksal ist ein mieser Verräter" ist ein wirklich empfehlenswertes Buch mit liebenswerten Figuren, interessanten Wendungen und der richtigen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor. Warum es mich emotional dennoch nicht berührt hat, kann ich nicht wirklich erklären, aber dadurch ist es für mich eben doch kein "perfekter" Roman.

Kommentare:

  1. Ich muss zugeben, ich hatte mehr von dem Roman erwartet - nach all den tollen Rezensionen. Doch anscheinend geht es mir bei den meisten hochgelobten Romanen so, dass sie bei mir nicht so gut ankommen wie bei all den anderen.

    Von dem her - würde ich Rezensionen schreiben - hätte sie genau so geklungen wie deine hier. Er war gut und schnell zu lesen, aber irgendwie...

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    1. Das beruhigt mich ja, dass es nicht nur mir so damit ging. Ich hatte schon den Eindruck, dass alle anderen überwältigt und emotional ganz mitgenommen waren. Aber bei mir hat er auch einfach keinen wirklich dauerhaften Eindruck hinterlassen.

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  2. Höre ich da heraus, dass du auch zu den Personen gehörst, die am liebsten "Ein herrschaftliches Leiden" gelesen hätten?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

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  3. Gewissermaßen ja. Es kam mir so vor, als hätte Peter van Houten das Thema noch besser umgesetzt als John Green. ;-)

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