Sonntag, 30. September 2012

Sonntagsgeplauder #37

Lesegeplauder

Das ist heute mal wieder ein richtig toller Sonntag: Ich hab keinen Dienst, im Backrohr steht gerade mein Lieblingskuchen und später gehts zu einem Spielenachmittag. Ein Lesesonntag wird das also eher nicht werden, aber zumindest beim Frühstück habe ich heute schon ein wenig gelesen. Ich habe mir nämlich gestern noch spontan aus der Onleihe "Gute Geister" auf meinen Reader geladen und war gleich begeistert. Bisher hab ich ja nur gutes über den Roman gehört und es sieht ganz so aus als ob ich mich bald zu den begeisterten Stimmen gesellen könnte. 

Auußerdem habe ich erneut mit "Fool on the Hill" begonnen, aber ich weiß nicht recht, ob dieses Buch und ich noch Freunde werden. Es ist ja teilweise witzig und äußerst skurril, aber von den Figuren kann mich keine so recht packen und die Geschichte über diesen Kater und den Hund nervt mich einfach nur. Tierische Protagonisten klappen für mich manchmal sehr gut (bei "Watership Down" etwa) und manchmal gar nicht (z.B. "Felidae"). Hier scheint es leider eher ein Fall von "gar nicht" zu sein. :-(

Challengegeplauder

Jessi hat ihre 2. Chance-Challenge, die morgen zu Ende gewesen wäre, um zwei Monate verlängert, sie läuft also noch bis zum 1. 12. 2012. Ich muss gestehen, dass mir das äußerst gelegen kommt, da mit von meinem 12. Buch - "The Eye of the World" - noch viel fehlt. Obwohl ich seit dem ersten Mal lesen das meiste vergessen habe, finde ich den Roman stellenweise zum Gähnen langweilig. Aber abbrechen möchte ich ihn jetzt auch nicht mehr. Es klappt auch ganz gut, dass ich immer wieder mal eine Stunde beim Hörbuch horche und daneben knüpfe, aber dass ich mal einen ganzen Abend lang gespannt weiterlausche wie bei manch anderem Hörbuch, das wird da einfach nichts. Eigentlich habe ich dem Roman vor allem deshalb noch eine 2. Chance gegeben, um dann endlich mal mit der Serie weitermachen zu können, da sie ja angeblich nach dem 1. Buch deutlich besser wird. Aber ich glaube, das wird nichts. Ich bin einfach nur froh, wenn ich mit "The Eye of the World" durch bin und werde damit "The Wheel of Time" endgültig ad acta legen.

Ansonsten läuft es bei den Challenges ganz gut. Bei der Englisch-Challenge ist hoffentlich jetzt die Zeit der Strafbücher vorbei und ich schaffe wieder brav in jedem Monat mein Buch.
Ich habe übrigens auch schon ein paar Überlegungen für eine neue Challenge im nächsten Jahr. Sie wird aber weniger Freiheiten bieten als die Themen-Challenge und womöglich auch nicht allzu viel Anklang finden, da sie aktuelle Romane schon mal komplett ausschließt. Um was für eine Idee es sich handelt, werde ich euch auf alle Fälle noch erzählen, wenn sie in meinem Kopf erst mal etwas besser gereift ist. 

Schreibgeplauder

Ich schreibe derzeit zwar nicht viel, aber ich habe mir ein hübsches neues Notizbuch gestaltet - sowohl fürs Schreiben als auch für Hintergründe, als quasi das Weltenbasteln. Es ist ausnahmsweise mal recht großformatig, da es nicht als Unterwegs-Notizbuch für kleine Ideen gedacht ist, sondern eher für das ausgiebige Schreiben/Basteln zuhause.
Und nein, bei mir hat nicht immer alles dieselben Farben wie mein Bloghintergrund. *g* Das hat sich hier einfach ergeben, weil ich eben noch den Papyrus hatte, der ja schon oben in meinem Banner zu sehen ist - und ich dachte mir, dass der doch einen schönen Untergrund für Notizen zu einer eher antik gehaltenen Fantasywelt abgibt. Darüber ist dann noch mit Kaffee gefärbtes Papier, ein Ausschnitt einer Stadtkarte (siehe auch hier) und das verkleinert ausgedruckte Porträt von Gabran, meinem Theaterdichter. Ich weiß nicht, ob es so schlau ist, sich ausgerechnet einen Charakter, der manchmal unter massiven Schreibblockaden leidet, auf so ein Notizbuch zu kleben, aber Gabran hat ja auch oft seine dichterischen Höhenflüge und ein hübscher Anblick ist er allemal. *dideldum*
Übrigens finde ich dieses Notizbuch schon alleine durch das Cover unglaublich inspirierend - ich sollte also öfter sowas gestalten. :-) 


So, und jetzt muss ich mal meinen Kuchen aus dem Ofen holen, der schon wieder auf das Dreifache seiner ursprünglichen Größe gewachsen ist (das fasziniert mich bei dem jedes Mal).
Ich wünsch euch einen schönen und hoffentlich ebenso sonnigen Sonntag wie hier!
 

Donnerstag, 27. September 2012

Patricia A. McKillip - In the Forests of Serre


Genre: Fantasy
Seiten: 304
Verlag: Ace Trade
ISBN: 978-0441011575
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

English-Challenge  (September)
Themen Challenge (Suche) 

Als Ronan, der Prinz von Serre, unabsichtlich eines der weißen Hühner der Hexe Brume tötet, wird er mit einem Fluch belegt und irrt fortan auf der Suche nach einem Feuervogel durch die Wälder. Währenddessen ist Sidonie, die Prinzession von Dacia, nach Serre unterwegs, um den Prinzen zu heiraten. In ihrem Gefolge ist der Zauberer Gyre, der die Wege von Ronan und schließlich auch Brume kreuzt und auf diese Weise eine Reihe von unerwarteten Ereignissen in Gang setzt ...

Die Handlung des Romans lässt sich nur schwer zusammenfassen, da sie - typisch für McKillip - recht verwickelt und auf ihre Weise auch einzigartig ist. Da ich bereits mehrere Bücher der Autorin gelesen habe, erkannte ich das eine oder andere Element wieder und ahnte manches auch bereits im Voraus, aber dennoch war es mir meistens unmöglich zu sehen, wohin der Roman führen wird. Der Plot schlägt einige unerwartete Haken und ist auch kaum vergleichbar mit anderen Fantasybüchern.

McKillip konnte mich also wieder einmal überraschen und auch verzaubern. Wie ihre anderen Romane steckt auch "In the Forests of Serre" voller Magie, die auf faszinierende Weise beschrieben wird. Allerdings konnte mich die Magie hier nicht ganz so begeistern wie in einigen anderen ihrer Romane. Sie ist hier undurchschaubarer, zugleich aber auch ein wenig zu breit gefächert. Ich konnte dahinter kein Konzept erkennen und hatte eher das Gefühl, als wäre mit Magie jederzeit alles möglich. So etwas finde ich immer ein wenig problematisch, da auf diese Weise schnell ein gewisser "Deus ex machina"-Effekt entstehen kann. Ganz so weit geht es in diesem Roman noch nicht, aber trotzdem konnte mich die Magie hier nicht so überzeugen wie etwa in "Alphabet of Thorn" oder "Ombria in Shadow".

Die Figuren sind alle interessant und bewegen sich fast durchwegs in Graustufen. Es gibt nur wenige, die man eindeutig als gut bezeichnen könnte (am ehesten vielleicht den treuen Schreiber Euan) und keine, die durch und durch böse sind. Beinahe alle von ihnen sind immer wieder auf einer Suche: der Suche nach Brume, dem Feuervogel, dem Weg nach Hause, nach einer bestimmten Geschichte.
Dieses Konzept zieht sich auch durch die Struktur des Romans. Immer wieder brechen einzelne Figuren in die Wälder von Serre auf, kehren zwischendurch zurück in den Palast des Königs Ferus und brechen erneut auf. Auf Dauer wirkt das etwas eintönig, auch wenn der Roman alleine durch seine offenen Fragen die Spannung bis zum Ende hält. Schön ist es, dass diese Fragen tatsächlich alle beantwortet, die Fäden alle verknüpft und alle Rätsel gelöst werden. Dadurch wirkt der Roman trotz mancher Schwächen im Mittelteil am Ende in sich stimmig und abgeschlossen.

Sprachlich kam ich nach einer gewissen Eingewöhnungsphase besser mit dem Roman zurecht als vorher befürchtet. Patricia McKillip schreibt ja sehr poetisch und oft auch rätselhaft, was die Lektüre schon auf Deutsch nicht so einfach macht, aber entweder habe ich inzwischen doch mehr Übung beim Lesen auf Englisch oder aber "In the Forests of Serre" ist einfacher zu lesen als so manch anderer ihrer Romane. Abgesehen von ein paar kleinen Unsicherheiten und Verwirrungen hatte ich auf alle Fälle keine großen Probleme beim Lesen, auch wenn mir die Schönheit von McKillips Sprache in der deutschen Übersetzung besser bewusst wird (so absurd das jetzt auch klingen mag). Auf Englisch entgehen mir einfach viel zu viele Feinheiten.

Mein Fazit: "In the Forests of Serre" ist ein sehr ungewöhnlicher Fantasyroman voller Magie, der zweifellos lesenswert ist. Allerdings reicht er für mich nicht ganz an einige andere Romane von McKillip heran - daher auch "nur" 4 Sternchen.

Dienstag, 25. September 2012

Melde mich gehorsam zurück!

Hinter mir liegt ein verlängertes Wochenende, das ich mit Freunden verbracht habe, die ich - teils schon seit vielen Jahren - aus dem Internet kenne. Es war sehr schön, zum Lesen bin ich allerdings wie vermutet nicht gekommen; daher tut sich bei mir büchermäßig immer noch nichts neues.
Na gut, es tut sich insofern was, da ich mittlerweile "A Shadow in Summer" abgebrochen habe. Ich habe einfach nicht in das Buch reingefunden, kann mit den Figuren nichts anfangen und bekomme wohl einen Schreikrampf, wenn ich noch einmal "he/she took a pose of ..." lesen muss. ;-)
Mit "The Eye of the World" und "In the Forests of Serre" bin ich hingegen noch immer beschäftigt - was allmählich zu einem gewissen Hörbuchstress führt, da ich "The Eye of the World" eigentlich als letztes Buch für die 2. Chance-Challenge nehmen wollte, die am 1. Oktober endet. Mal sehen, ob ich bis dahin fertig werde ...

Ansonsten habe ich vom Wochenende Inspiration zum Schreiben mitgenommen und war heute schon mit ein paar Hintergrundinformationen für die Göttersteine sowie ein paar Ideen für den 2. Teil beschäftigt. Und ich bin wieder ins Grübeln gekommen, ob ich nicht doch das geplante Ende für den 1. Teil umändern soll. Genau genommen wäre es eine Rückkehr zum ursprünglich geplanten Ende, das ich deshalb verworfen habe, weil es mir gar zu traurig vorkam. Dass Figuren am Ende sterben werden, ist klar, aber zumindest bei einer davon wäre es schon recht heftig (vor allem für die verbleibenden Figuren). Ich habe schon längst eine Alternativlösung gefunden, die sich auch schön einfügen würde, aber dennoch bin ich jetzt wieder unschlüssig.
Letztendlich ist das auch einer der Gründe, weshalb ich das Schreiben der letzten Kapitel so lang vor mir herschiebe. Aber irgendwann muss ich ja doch zu einer Entscheidung kommen.

Tja, soviel mal dazu. Ich hoffe, dass ich demnächst auch endlich mal wieder ein Buch beende und es somit hier auch wieder eine Rezension zu lesen gibt. Oder aber ich schaffe es endlich, eine neue Figurenvorstellung zu schreiben. Was auch immer der nächste Beitrag wird - ich gelobe nun wieder etwas mehr Aktivität. ;-)

Mittwoch, 19. September 2012

Katze müsste man sein ...

Es tut mir Leid, dass es hier gerade so ruhig ist, aber ich habe seit Anfang der Woche einen neuen Schreibtisch und war daher ständig mit Aufbauen, Einräumen und Umräumen beschäftigt. ;-)
Da ich übers Wochenende wegfahre, werde ich da allerdings erneut nicht zum Schreiben kommen. Vielleicht finde ich morgen zwischen Dienst und Packen noch Zeit für einen kleinen Beitrag.

Einstweilen vertröste ich euch mit einem Foto. Vor einer Woche war ich nämlich bei meiner Familie und da lag unser Kater so herrlich entspannt im Garten, dass ich ihn spontan mit dem Handy fotografiert habe. Und mittlerweile bekomm ich die Fotos von meinem Handy auch auf meinen Mac (da hatte ich ja vor einer Weile noch Probleme). Also ... tadaaa:


Nachtrag: Hier seht ihr noch ein weiteres Faulenz-Bild, dieses Mal im Haus. DieJai hat mich gefragt, ob sein Fell eher rötlich ist und das sieht man hier besser als auf dem Foto oben.


Sonntag, 16. September 2012

Sonntagsgeplauder #36

Lesegeplauder
Ich bin noch immer mit "In the Forests of Serre" beschäftigt und das wird sich wohl auch eine Weile nicht ändern. Nicht nur, weil ich damit auf Englisch kämpfe, sondern auch, weil ich derzeit zuhause wenig zum Lesen komme und unterwegs immer nur meinen Reader mit habe. Dort war mein letztes ebook "72 Tage in der Hölle" von Nando Parrado, ein Erfahrungsbericht über den Flugzeugabsturz in den Anden 1972, der definitiv lesenswert ist (obwohl ich schon "Überleben" von Piers Paul Read kannte).
Als nächstes ebook habe ich "A Summer in Shadow" begonnen, das mich bisher aber noch nicht wirklich begeistert. Mal sehen, ob ich mich mit dem Roman noch anfreunde oder ob das nun doch wieder mal ein Abbruch wird.

Bücherflohmarkt
Letzte Woche gab es auch wieder Lesenachschub - irgendwie will und will mein SuB einfach nicht unter 15 schrumpfen. ;-)
Die Rede ist vom allährlichen Flohmarkt der Städtischen Büchereien Wien, der gestern Nachmittag stattgefunden hat. Da ich direkt von der Arbeit gekommen bin, war ich schon vor Beginn dort und konnte meinen Augen kaum trauen: Eine ganze Menschentraube wartete schon darauf, dass der Flohmarkt eröffnet würde. Ich weiß ja von den letzten Jahren, dass da immer sehr viel los ist, aber so früh war ich noch nie dort und ich hätte wirklich nicht im Traum damit gerechnet, dass schon vor Beginn so viele Leute warten.

Nun ja, ein dementsprechendes Gewimmel gabs dann auch beim Flohmarkt. Trotzdem fand ich immer wieder ein Plätzchen bei einem der zahlreichen Büchertische, um mich durchzuwühlen. Obwohl mich so einiges anlachte und ein Preis von 1 Euro pro Buch ja auch wirklich nicht viel ist, hielt ich eisern an meinem Vorsatz fest, nur solche Bücher zu kaufen, die sich bereits auf meiner Wunsch- bzw. "will ich mal lesen"-Liste tummeln. Drei sind es letztendlich geworden und zwar:
- Mark Z. Danielewski, Das Haus
- Jürgen Kaizik, Die Schatten Hölderlins
- Robert Löhr, Der Schachautomat
 
Alle drei Hardcover sind in einem sehr guten Zustand, wobei "Die Schatten Hölderlins" überhaupt ein Rätsel ist, da es aussieht wie neu und auch gar keinen Bibliotheksaufkleber trägt (hat das jemand sozusagen dazwischengeschummelt?). Besonders gefreut hab ich mich natürlich über "Der Schachautomat", da das der einzige Roman von Robert Löhr ist, den ich noch nicht kenne und ich seine anderen alle geliebt habe.
(entschuldigt bitte das schlechte Foto)

Es war auf alle Fälle toll, in den Büchern zu stöbern, aber im nächsten Jahr werde ich wohl erst wieder später am Abend zum Flohmarkt gehen. Da ist zwar die Buchauswahl nicht mehr so groß, aber dafür herrscht auch nicht gar so ein Gedränge und man kann eher in Ruhe stöbern.

Freitag, 14. September 2012

Britannien, Peru und Tibet - Rezension im Dreierpack

Rosemary Sutcliff - Der Adler der neunten Legion (gekürztes Hörbuch)

Als Kind habe ich irgendwann mal Sutcliffs historischen Roman über einen jungen Zenturio, der sich in Britannien auf die Suche nach der verschwundenen neunten Legion begibt, gelesen. Ich war damals nicht sehr begeistert und denke, dass es wohl daran lag, dass der Centurio Marcus mir  als Kind sehr fern war. Ich hatte damals lieber Mädchen als Hauptfiguren und die Begeisterung für die Antike hatte mich da auch noch nicht genug gepackt, um mich bei dem Roman wirklich bei der Stange zu halten.
Als ich dann vor einer Weile bei einem Flohmarkt über das Hörbuch gestolpert bin, dachte ich mir, dass ich es doch nochmal damit versuchen könnte. Nun, die Probleme von damals hatte ich jetzt mit dem Buch nicht mehr, aber leider befürchte ich, dass das Hörbuch keine gute Wahl war. Der Roman ist ganz nett, aber es geht alles recht schnell und simpel, die Figuren entwickeln nur wenig Leben und wirkliche Spannung kam nie auf. Ich nehme an, dass das zum großen Teil an den Kürzungen der Hörbuchfassung liegt. Dazu kommt dann noch, dass der Roman auch historisch betrachtet mittlerweile nicht mehr so recht funktioniert, da die neunte Legion wohl keineswegs in Britannien verschollen ist.
Ob ich dem Roman nun nochmal eine 3. Chance gebe und zwar mit dem gedruckten Buch? Ich bezweifle es.
3 von 5 Sternchen


Christoph Ransmayr - Der fliegende Berg

Zwei ungleiche Brüder brechen von Irland nach Tibet auf, um dort im Himalaya einen noch unbestiegenen Berg zu suchen, den vielleicht letzten weißen Fleck auf der Weltkarte. Den einen treibt die Herausforderung, die Sucht nach dem Gipfel, den anderen hingegen das Interesse und die Liebe zu der Kultur des Nomadenvolkes der Kampa.
Seit mich "Die letzte Welt" restlos begeistert hat, lese ich jeden Roman von Christoph Ransmayr. Dieser hier hat mir gut gefallen, reicht für mich aber dennoch nicht ganz an andere Romane von Ransmayr heran. Dabei verschränkt er mehrere Ebenen recht geschickt ineinander. Die Zeit bei den Nomaden und die Besteigung des fliegenden Berges gibt Padraic, dem Ich-Erzähler, Anlass, sich an seine Kindheit mit seinem Bruder Liam und seinem patriotischen Vater zu erinnern. Dabei stehen die Dominanz Englands über Irland sowie die Dominanz Chinas über Tibet einander gegenüber und schaffen eine Verbindung zwischen diesen beiden Polen des Romans. Allerdings springt Ransmayr ein wenig zu sehr zwischen den Zeiten und Orten hin und her, wiederholt vieles und scheint nicht so recht zum Punkt zu kommen.
Sowohl die Handlung mit ihren verschiedenen Ebenen (die auch für sich betrachtet sehr interessant sind) als auch die formale Gestaltung in Versen machen den Roman aber dennoch sehr lesenswert.
4 von 5 Sternchen


Mario Vargas Llosa - Der Geschichtenerzähler

Wie Ransmayr ist auch Llosa ein Autor, der mich mit einem Roman so begeistert hat, dass ich auch weitere von ihm lesen wollte. Und auch hier wurden meine Erwartungen nicht ganz erfüllt.
"Der Geschichtenerzähler" ist vor allem das Porträt eines indianischen Stammes der Amazonasregion, die Machiguengas. Die Erzählung des Ich-Charakters über dessen Freund Mascarita, der von dem Stamm so fasziniert ist, dass es fast an Besessenheit grenzt, wird immer wieder unterbrochen von langen Mythen der Machiguengas.
Anders als in "Tod in den Anden", wo Llosa die Mythen kunstvoll in die Haupthandlung einflicht, wirken sie hier zunächst wie losgelöst von der Haupthandlung. Und die sprunghafte Erzählweise macht es einem auch nicht so leicht, diesen Mythen zu folgen. Wie sie mit der Erzählung über Mascarita verbunden sind und weshalb sie scheinbar so zusammenhanglos von einer Sache zur nächsten springen, wird einem im Laufe des Romans klar, aber sie sind doch sehr sperrig zu lesen.
Dazu kommt, dass mir "Der Geschichtenerzähler" teilweise gar nicht wirklich wie ein Roman vorkommt, sondern eher wie eben ein Porträt der Machiguengas, das notdürftig von einem Handlungsgerüst zusammengehalten wird.
Und so interessant dessen Kultur auch ist, so war mir "Der Geschichtenerzähler" einfach zu wenig ein Roman und zu sehr eine reine Beschreibung.
3 von 5 Sternchen

Dienstag, 11. September 2012

[30 Tage übers Schreiben bloggen] 28. und 29. Frage

Hast du schon einmal über eine Figur mit körperlichen oder geistigen Behinderungen geschrieben? Beschreibe sie, und wenn es keine passenden Hauptcharaktere gibt, dann vielleicht ein paar Nebenfiguren?

Vor dieser Frage wollte ich mich eigentlich drücken, da ich sie nur mit einem lapidaren "nein" beantworten kann. Ich habe lange überlegt, aber mir fällt tatsächlich nicht mal eine wichtigere Nebenfigur ein, die körperliche oder geistige Behinderungen hat. Nicht, dass ich mich da irgendwie bewusst dagegen entschieden hätte - ich habe ehrlich gesagt noch nie daran gedacht, über eine Figur mit körperlichen oder geistigen Behinderungen zu schreiben. Ich weiß auch nicht, ob ich mich da drübertrauen würde. Gerade geistige Behinderungen sind ein so schwieriges und sensibles Thema, dass ich mir auch kaum vorstellen könnte, es nur nebenbei abzuhandeln. Und ich denke nicht, dass ich mal einen Roman schreiben werde, in dem genau dieses Thema im Mittelpunkt steht.
Tja, und körperliche Behinderungen ... Farn trägt in den Göttersteinen von einer schweren Verletzung ein steifes Bein davon, aber ich denke mal nicht, dass das zählt.
Daher nein - ich habe noch nie darüber geschrieben und es in nächster Zeit auch nicht wirklich geplant.

Wie oft denkst du ans Schreiben? Bist du schonmal im Alltag über etwas gestolpert, das dich eine Geschichte oder Figur erinnert hat?

Ich denke viel öfter ans Schreiben als man angesichts meiner Schreibflaute vermuten könnte. Es vergeht bestimmt kein Tag, an dem ich nicht ans Schreiben denke. Meine Figuren sind wahnsinnig präsent in meinem Kopf und manche Szenen gehe ich in Gedanken wieder und wieder durch. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen, mal länger nicht über meine Geschichten und Figuren nachzudenken. Was allerdings das tatsächliche Schreiben betrifft - das mache ich derzeit nicht so oft. ;-)
Den 2. Teil der Frage kann ich nicht so einfach beantworten. Auf Anhieb fällt mir da nichts aus meinem Alltag ein, das mich explizit an eine Figur oder Geschichte erinnert hätte. Natürlich gibt es immer wieder mal Kleinigkeiten, aber etwas Konkretes könnte ich da jetzt nicht nennen. Ich denke auch, dass es öfter umgekehrt ist - dass mich also etwas aus meinem Alltag zu bestimmten Szenen oder Figuren inspiriert.

Sonntag, 9. September 2012

Sonntagsgeplauder #35

Schreibgeplauder
Letzte Woche hatte ich mich noch darüber gefreut, ein Plotproblem gelöst zu haben. Nun ja, allerdings hat das nun auch Veränderungen mit sich gebracht, die wiederum eine ganze Reihe von neuen Problemen aufwerfen ... Vom Regen in die Traufe, könnte man also sagen.
Allerdings gefällt mir der Anfang in der veränderten Form doch deutlich besser, daher muss ich nun sehen, wie ich die neuen Probleme löse. Mir war ja immer schon klar, dass die "Göttersteine" teils ein recht großes Chaos sind (auch dadurch bedingt, dass ich schon so lange daran arbeite und immer wieder ganze Handlungsstränge geändert habe), aber ein wenig frustrierend ist das alles schon. Zum Glück sind meine anderen Romane simpler und nicht mal annähernd so chaotisch ...

Lesegeplauder
Derzeit geht bei mir nicht recht viel weiter. Ich höre zwar immer wieder mal hier und da ein Kapitel von "The Eye of the World", aber da das ungekürzte Hörbuch gut 30 Stunden dauert, braucht das eben seine Zeit. Daneben lese ich ja schon seit einer gefühlten Ewigkeit "Der Geschichtenerzähler" von Mario Vargas Llosa und ich muss zugeben, dass er mir - anders als das großartige "Tod in den Anden" - gar nicht so recht zusagt. Ich finde den Roman sehr statisch und durch die eingeschobenen Mythen recht zerfasert.
Deshalb habe ich dann parallel noch ein Buch begonnen und endlich mal zu "In the Forests of Serre" von Patricia McKillip gegriffen. Dieser Roman liegt ja schon sehr lange auf meinem SuB - nicht, weil er mich nicht interessiert (ganz im Gegenteil, ich lechze nach weiteren McKillip-Romanen), sondern weil ich weiß, dass ich mit ihr auf Englisch nicht gut klarkomme. Da ich aber in letzter Zeit wirklich viel auf Englisch gelesen habe, dachte ich, dass es nun doch klappen sollte. Ich muss aber zugeben, dass ich recht große Schwierigkeiten damit habe. Es ist nicht so, dass ich die Handlung nicht verstehe, aber ich muss Sätze sehr oft mehrmals lesen und komme daher kaum voran. Hätte ich den Roman als ebook, würde ich wohl in einer Tour Vokabeln nachschlagen ... %-) Aber gut, es gibt von dem Roman ja keine deutsche Übersetzung, insofern stellt sich gar nicht erst die Frage, ob ich nicht versuchen sollte, ihn noch auf Deutsch aufzutreiben.

Flohmarkt nächsten Samstag
Ich freue mich übrigens schon auf den jährlichen Bücherflohmarkt der Städtischen Bücherei, der nächste Woche am Samstag stattfinden wird. Letztes Jahr konnte ich ja nicht hingehen, aber dieses Jahr hab ich an dem Tag Frühdienst und kann also im Anschluss zum Flohmarkt gehen. Der ist übrigens immer riesig und völlig überfüllt - sowohl mit Büchern als auch mit Menschen. ;-) Meistens bin ich heillos überfordert und fühle mich dann, wenn ich die Bücherei verlasse, wie einmal kräftig durchgewalzt, aber trotzdem freu ich mich jedes Jahr darauf und bin enttäuscht, wenn ich nicht hingehen kann.
Mal sehen, was für eine Ausbeute ich nächste Woche mit nach Hause bringe. Am besten setze ich mir schon vorher ein (nicht zu großzügiges) Limit, sonst könnte das ausarten ...

Mittwoch, 5. September 2012

Eine Stadt. Ein Buch 2012

Ich habe ja bereits 2010 und auch im Vorjahr von der Aktion "Eine Stadt. Ein Buch" erzählt, bei der in Wien 100.000 Gratisexemplare eines Buches verteilt werden. Auf der Webseite der Aktion selbst konnte ich zwar zum diesjährigen Buch noch nichts finden, aber dafür bin ich über diesen Artikel gestolpert. Demnach gibt es dieses Jahr "Eine Hand voller Sterne" von Rafik Schami. Ich kenne den Roman nicht und habe auch sonst noch nichts von Schami gelesen, daher passt das ja gut.
Erhältlich ist das Buch in diesem Jahr ab dem 22. November. Üblicherweise findet man es dann etwa 5 Tage lang in allen Zweigstellen der Städtischen Bücherei, in den meisten größeren Buchhandlungen, im Rathaus, im Votivkino, in den Wiener Volkshochschulen und schließlich auch bei der Fernwärme Wien.

Falls von den hier mitlesenden Österreichern jemand unbedingt das Buch haben möchte und nicht in Wien wohnt: Sagt mir Bescheid, vielleicht kann ich euch ein Exemplar schicken.

Dienstag, 4. September 2012

Alexandre Dumas - Der Graf von Monte Christo


Genre: Abenteuerroman, Klassiker
Seiten: 937
Verlag: Aufbau Taschenbuch
ISBN: 978-3746661254
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

Themen-Challenge (Rache)



Der junge Edmond Dantés scheint vom Glück begünstigt zu sein. Er steigt vom einfachen Seemann zum Kapitän auf und ist im Begriff, sich mit seiner großen Liebe zu vermählen, als er durch eine Intrige verhaftet und in den Kerker des Château d’If geworfen wird. Jahrelang fristet er hier ein elendes Dasein, das ihm nur durch einen Mitgefangenen erträglich gemacht wird. Dieser wird nicht nur sein Lehrmeister, sondern beschreibt ihm auch den Weg zu einem großen Schatz. Mithilfe dieser Reichtümer beginnt Dantés, der sich nun als "Graf von Monte Christo" bezeichnet, nach seiner Flucht Rache an seinen Feinden zu nehmen.

Eins vorweg zu der Ausgabe, die ich gelesen habe: Erst, als ich schon recht weit im Buch fortgeschritten war, habe ich erfahren, dass es nur eine einzige nicht gekürzte deutsche Ausgabe gibt, und zwar ist es jene von dtv mit gut 1500 Seiten. In den anderen ist meist nicht vermerkt, dass es sich um eine gekürzte Fassung handelt, da meine ebook-Version aber jener des oben angeführten Aufbau-Verlages entspricht, die "nur" um die 900 Seiten hat, handelt es sich dabei also ebenfalls nicht um die vollständige Fassung.
Ich wollte mir aber nicht extra noch die Ausgabe von dtv kaufen und hatte auch beim Lesen nie das Gefühl als würde an irgendeiner Stelle etwas fehlen. Trotzdem ist also beim Kauf etwas Vorsicht geboten. Es gibt nämlich auch Fassungen, die gerade noch 200-500 Seiten haben, was dann wohl wirklich zu einem massiv verstümmelten Text führen muss.

Nun aber zum Roman an sich: Jahrelang hatte ich an diesem Klassiker der Abenteuerliteratur kein Interesse - noch nicht einmal an den Verfilmungen. Das hat mich jetzt in die glückliche Lage versetzt, dass ich über den Inhalt nur genau soviel wusste, wie ich nun oben darüber geschrieben habe. Ich konnte also recht ahnungslos an den Roman herangehen und war auch fast von der ersten Seite weg gefesselt. Es ist schon länger her, seit ich zuletzt ein Buch in der Hand hatte, das so durchgängig die Spannung gehalten hat.
Das Unglück, das sich anfangs über Dantés zusammenbraut, dann seine hoffnungslose Lage im Gefängnis und schließlich sein Rachefeldzug - all das schildert Dumas so fesselnd, dass ich das Buch immer nur schwer zur Seite legen konnte und am Ende beinahe traurig war, dass es nun aus ist.

Es ist aber nicht nur die Handlung, die den Roman so spannend macht, sondern vor allem auch die Figur des Grafen selbst. Anfangs ein liebenswerter Jüngling, der von den Ereignissen völlig überrollt wird, entwickelt er sich zu einem verbitterten Mann, den nur noch der Gedanke an Rache am Leben erhält. Die anderen Figuren sind großteils recht simpel gezeichnet und meist eindeutig Gut oder Böse zuzuordnen, aber die Titelfigur weist deutlich mehr Facetten auf. Der Graf hat in seinem Rachedurst, aber auch in seinem festen Gedanken, dass seine Hand ihm gewissermaßen von Gott geführt wird, etwas so erschreckendes, dass ich oft nicht wusste, ob ich wirklich mit ihm mitfiebern sollte. Und doch konnte ich mich nie ganz seinem Bann entziehen und wünschte mir einige Male die vollständige Vernichtung seiner Widersacher.

Der einzige Grund, weshalb ich von dem Roman nicht ganz uneingeschränkt begeistert bin, ist die Tatsache, dass mir vieles ein wenig zu extrem war: manche der Schurken zu niederträchtig, die Schätze allzu reich, die jungen Frauen allzu tugendhaft, die Intrigen, mit der der Graf Rache nimmt, zu verwickelt und schließlich seine Feinde oft zu naiv oder arglos. Und ob jemand nach jahrelanger Kerkerhaft mit karger Nahrung tatsächlich vor Kraft strotzend und jung geblieben sein und zudem noch über strahlendweiße Zähne verfügen kann, sei mal dahingestellt ...
Manchmal schimmert also doch das abenteuerhafte des Romans ein bisschen zu sehr durch und führt zu gewissen Übertreibungen.

Davon abgesehen ist aber "Der Graf von Monte Christo" ein sehr fesselnder Roman, der zwar vielleicht schon etwas in die Jahre gekommen, aber noch kein bisschen verstaubt ist. Allen, die ihn noch nicht kennen, kann ich ihn wirklich nur wärmstens empfehlen!


Übrigens wäre ich jetzt doch auch neugierig auf eine Verfilmung, auch wenn ich nicht so recht weiß, welche ich ansehen sollte. Die wohl bekannteste und werkgetreueste dürfte ja die Miniserie von 1998 sein, aber da schreckt mich Gérard Depardieu ein wenig ab, der so gar nicht mit meiner Vorstellung von Edmond Dantés übereinstimmt und den ich außerdem schon in "Les Misérables" nicht mochte. Die neuere Verfilmung von 2002 dürfte allerdings auch nicht wirklich eine Alternative sein, da James Caviezel für mich zwar rein optisch besser in die Rolle passt, dafür aber die Änderungen der Handlung wohl so massiv sind, dass man nur noch vage Ähnlichkeiten zum Buch erkennt. Es gibt allerdings auch noch zahlreiche ältere Verfilmungen, bei denen ich nicht weiß, wie gut diese sind. Falls ihr mir also eine empfehlen könnt - nur zu!

Sonntag, 2. September 2012

Sonntagsgeplauder #34

Schreibgeplauder
Die letzte Woche hatte ich auf einmal wie aus dem Nichts eine Eingebung, wie ich einige Dinge vom Anfang der Göttersteine deutlich logischer gestalten kann. Damit hätte ich jetzt ein halbes Plotloch, das praktisch schon seit Ewigkeiten besteht, gestopft - zumindest im Kopf, denn umschreiben muss ich das ganz erst noch.
Es ist schon faszinierend: Ich habe schon ziemlich lange nichts geschrieben und denke auch derzeit kaum bewusst über den Roman nach, aber dennoch fallen mir in letzter Zeit reihenweise Lösungen ein für Plotprobleme, die schon seit Jahren bestehen. Das ist natürlich äußerst erfreulich und es macht mir Hoffnung, dass ich all die Handlungsprobleme meines Romanmonsters früher oder später doch noch in den Griff bekomme.

Lesegeplauder
In der Hinsicht hat sich bei mir in der letzten Woche nicht allzu viel getan. Ich lese noch immer "Der Graf von Monte Christo" sowie "Der Geschichtenerzähler". Als Hörbuch lausche ich nun - wie schon in meinem letzten Sonntagsgeplauer angekündigt - "The Eye of the World" von Robert Jordan. Allerdings bezweifle ich sehr, dass ich wirklich die gesamte "Wheel of Time"-Reihe lesen werde. Aber ich möchte dem 1. Band einfach noch mal eine Chance geben. Und falls ich ihn dieses Mal wider Erwarten doch ganz toll finde, habe ich ja das beruhigende Wissen, dass der letzte Band schon am 8. 1. 2013 erscheinen wird. Ich denke nämlich, dass mich vor einigen Jahren auch die Aussicht auf eine endlose Reihe, die möglicherweise überhaupt nie zu einem Abschluss kommt, ziemlich abgeschreckt hat.

Bücherzuwachs
Am Mittwoch sind endlich die letzten beiden Bände der "Chronicles of Prydain" bei mir angekommen. Ich habe mich total gefreut, die Bücher endlich bei mir zu haben, umso mehr, da ich die Reihe nun vollständig besitze. An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich eine totale Vorliebe für optisch zusammenpassende Buchreihen habe. Ich gehöre zu denen, die wie ein Rohrspatz schimpfen, wenn ein Verlag mitten in einer Reihe die Gestaltung ändert und die zu unkontrollierten Buchkäufen neigen, wenn es mehrere Bände zusammen in einem hübschen Schuber gibt ...
Aber diese kleinen Taschenbüchlein sehen doch wirklich schön aus, wenn sie so nebeneinander im Regal stehen, oder?


Und alle Bände nebeneinander gelegt ergeben auch ein recht hübsches Bild (die Schrift glänzt metallisch, deshalb spiegelt sie auf dem Foto teilweise ein bisschen). Ich finde es auch schön, dass man bei jedem Cover die darauf dargestellte Szene eindeutig dem Buch zuordnen kann.

Lesung von Wolf Haas
Am Donnerstag war im Museumsquartier eine Lesung von Wolf Haas aus seinem neuen Roman "Verteidigung der Missionarsstellung". Die Lesung war teilweise gar keine, da Wolf Haas vieles (vor dem Publikum auf- und abwandernd) auswendig rezitiert hat - ziemlich beeindruckend angesichts der Satzungetüme, die er da so zum Besten gegeben hat. ;-) Wie immer war es ein Erlebnis, Wolf Haas live zu sehen, auch wenn seine Wiedergabe der "Online Standard"-Forumsbeiträge zu seinem neuen Roman bei der Lesung 2009 nicht mehr zu übertreffen war.
Die "Verteidigung der Missionarsstellung" scheint wieder recht ungewöhnlich in der Erzählform zu sein (so wie bereits "Das Wetter vor 15 Jahren") und auch viel mit Sprache zu spielen. Der Humor dürfte auch nicht zu kurz kommen und somit ist der Roman gleich mal auf meine Wunschliste gewandert.
Ich habe übrigens bei der Lesung extra Fotos mit meinem Smartphone für meinen Blog gemacht, aber mein dämliches Handy hat was gegen meinen MacMini - oder umgekehrt, ich weiß es nicht. Was auf alle Fälle mit meinem früheren Handy (also im Grunde meinem vorletzten) noch wunderbar geklappt hat - nämlich eine einfache Übertragung von Dateien auf meinen Computer - klappt nun nicht mehr. Auch mit Bluetooth nicht. Woran auch immer es liegt - ich hatte gerade keine Lust, da ewig herumzuprobieren, zumal die Fotos ohnehin nicht allzu toll sein dürften.
Aber wer ein paar Eindrücke der Lesung sehen möchte, findet in diesem Artikel ein paar Fotos.

So, und nun werde ich den restlichen Sonntag wohl lesend verbringen. Draußen ist zwar nicht mehr ganz so ein kaltnasses Verkriech-Wetter wie gestern, aber dennoch verkümel ich mich jetzt mal gemütlich mit einer Tasse Kaffee und meinem Reader auf die Couch.

Samstag, 1. September 2012

[30 Tage übers Schreiben bloggen] 27. Frage

27. Spielen Äußerlichkeiten eine große Rolle in deinen Geschichten? Erzähl uns davon, oder wenn nicht, wie du deine Figuren ansonsten entwirfst

Das ist eine interessante Frage, die ich mal wieder nicht allgemeingültig für meine Figuren beantworten kann - das hängt nämlich ganz vom Roman und den Figuren ab. Es ist schon vorgekommen, dass ich von einer Figur zuerst eine Zeichnung hatte, ehe ich sonst viel von ihr wusste. So war es etwa mit Andalind aus "Bühnenzauber" und Ramhild aus den "Göttersteinen". Natürlich hatte ich auch da schon eine gewisse Vorstellung, sonst hätte ich die jeweiligen Personen auch nicht zeichnen können. Aber die Vorstellung war eben noch sehr vage.
Manche Figuren entsehen also zuerst optisch vor meinem inneren Auge, während andere schon einen sehr klar definierten Charakter, dennoch aber für mich noch kein Aussehen haben.  

Auch die Frage, ob Äußerlichkeiten eine große Rolle in meinen Geschichten spielen, kann ich nicht so eindeutig beantworten.
Andalind etwa wird den halben Roman lang sehr stark über ihr Äußeres definiert und von Gabran aufs heftigste angeschwärmt. ;-) Damit geht natürlich einher, dass ihr Äußeres auch eine große Rolle spielt und sie auch recht genau beschrieben wird.
Nun habe ich aber im selben Roman mit Herun nahezu das genaue Gegenteil. Ich hatte schon lange vor der Zeichnung eine sehr genaue Vorstellung davon, wie Herun aussieht. Aber im Roman spielt das Aussehen von Herun kaum eine Rolle. Der Grund dafür ist ganz einfach der, dass es für Herun selbst keine große Rolle spielt. Sie findet ihr Aussehen in Ordnung, denkt aber nicht großartig darüber nach. In der Hinsicht trägt sie weder Komplexe mit sich herum noch ist sie eitel. Es ist also für die Figur und für den Roman schlichtweg egal, wie sie aussieht. 

Ganz anders ist es da etwa mit Riava, die sehr unglücklich mit ihrem Aussehen ist. Daher denkt sie natürlich auch öfter mal darüber nach und verhält sich logischerweise in manchen Situationen auch entsprechend. Und auch bei Vendalar spielt das Aussehen durchaus eine wichtige Rolle, da er dadurch als "fremdartig" heraussticht. Er trägt quasi seine (problematische) Herkunft stets sichtbar mit sich herum, was für ihn nicht einfach ist.

Diese Beispiele zeigen vielleicht schon, dass Äußerlichkeiten in meinen Geschichten vor allem dann eine große Rolle spielen, wenn sie auch eine bestimmte Funktion haben. Was ich dagegen nicht mag, das ist eine Technik, die man recht häufig in manchen Liebesromanen findet: dass nämlich jede auftretende Person gleich mal mit Haar- und Augenfarbe vorgestellt wird und gern auch noch mit ihrer schlanken/hochgewachsenen/wohlgerundeten (in jedem Fall aber tollen) Figur. So etwas finde ich mühsam, wenn Charaktere nur zum Selbstzweck beschrieben werden - nicht, weil der Perspektiventräger sich bestimmte Gedanken zu deren Aussehen macht oder das Äußere in irgendeiner Hinsicht wichtig für die Geschichte ist, sondern nur, um ein möglichst rasch ein möglichst simples Bild in den Kopf der Leser zu pflanzen.
Dabei habe ich nichts gegen Beschreibungen an sich - aber sowohl als Leserin als auch als Schreiberin möchte ich, dass sie persönlich und individuell sind (was genau fällt dem Perspektiventräger am Gegenüber auf bzw. über welchen Aspekt des eigenen Körpers würde vielleicht der Perspektiventräger nachdenken), sich in die Handlung einfügen und sich nicht auf ein Abarbeiten der wichtigsten "Eckdaten" beschränken.
Ob mir das immer so gelingt oder ob ich nicht auch einige Beschreibungen in meinen Geschichten habe, die fehlplatziert oder schlichtweg misslungen sind, kann ich selbst natürlich nicht sagen.