Freitag, 27. Juli 2012

Kate Atkinson - Ein Sommernachtsspiel


Genre: Gegenwartsliteratur
Seiten: 379
Verlag: Diana
ISBN: 978-3453152533
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

Themen-Challenge (Familie)


Die Geschichte der Familie Fairfax steht unter keinem guten Stern: Vor über 300 Jahren verschwand die erste Lady Fairfax spurlos und bald darauf brannte das Herrenhaus bis auf die Grundmauern nieder. In der Mitte des 20. Jahrhunderts verschwand die Mutter von Charles und Isobel Fairfax ebenfalls spurlos. Als 16jährige erzählt Isobel nun die Geschichte ihrer Familie, ihre eigene Geschichte und eine Geschichte von Traum, Schein und Wirklichkeit.

Gemeinsam mit Isobel springt Atkinson in ihrem Roman durch die Zeiten - von der fernen Vergangenheit in die Gegenwart, zurück in die Zeit, als Isobels Mutter verschwand und schließlich bis in die Zukunft. Und gemeinsam mit Isobel verliert man sich beim Lesen manchmal zwischen Zeiten und auch zwischen Trug und Wirklichkeit. Isobels Perspektive ist eine Perspektive der überbordenden Fantasie, bis ich irgendwann das Gefühl hatte, verloren im dunkeln Wald zu stehen. Aber an diesem Punkt holte Atkinson mich wieder ab und überraschte mich mit einer Wendung, die mich noch einmal etliche Seiten zurückblättern ließ, wo ich einen kleinen Aha-Moment erlebte.

Isobels Reise durch die Zeiten und die Geschichte ihrer Familie beschreibt Atkinson in einer ganz einzigartigen Sprache. Ungewöhnliche Vergleiche, präzise Formulierungen und das Spiel mit Worten machen den Roman allein sprachlich bereits zu einem Erlebnis. Einige Male musste ich auch über Isobels Sarkasmus schmunzeln - und einmal ließ mich das Buch sogar mitten in der Straßenbahn laut loskichern:
Was für ein Stuß, wie Mrs. Baxter sagen würde, aber was kann man von einer Frau erwarten, die zusammen mit ihrem Pudel nur über eine einzige Gehirnzelle verfügt, die sie abwechselnd benutzen? Wer heute an der Reihe ist, kann man nur raten. (S. 154)

Debbie, die Dame mit der einen Gehirnzelle und Isobels Stiefmutter, ist nur eine von vielen skurrilen Gestalten, die sich rund um Isobel in dem Roman tummeln. Die griesgrämige Tante Vinny, die strebsame Eustace, der lüsterne Untermieter Mr. Rice, Isobels stille Freundin Audrey ... rund um sie entfalten sich Tragödien, Komödien und seltsame Begebenheiten.

"Ein Sommernachtsspiel" ist ein durch und durch faszinierendes, aber nicht immer leicht zugängliches Buch. Ich hatte ab und zu etwas längere Lesepausen zwischendurch und hatte dann oft Probleme, wieder hineinzufinden. Und zwischendurch wurde mir die Handlung doch etwas zu abgedreht (trotz der stimmigen Auflösung am Ende).
Dennoch ein empfehlenswerter Roman, den man aber mit einiger Konzentration lesen sollte.

Kommentare:

  1. Geniales Buch, wie ich finde. Wenn Du magst, kannst Du mal meine Lesefortschritte bei Deiner Super-Challende "Von Liebe, Tod und Ehre" nachschauen.
    Schönen Wochenstart
    Myriam

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Schön, dass den Roman mal jemand kennt. :-)
      Ich guck natürlich eh regelmäßig vorbei und schau, wie es euch den so mit der Challenge geht. :-) Mein nächster Überblick ist dann ja irgendwann im August geplant.
      Ich wünsch dir auch einen schönen Wochenstart!

      Löschen

Anregungen, Lob, Tadel? Immer her damit, ich freu mich über alle Kommentare!
Nur nicht über Spam, mit dem ich seit dem Abschalten der Sicherheitsabfrage schon wieder überflutet werde - daher versuche ich es jetzt einmal mit Moderation.