Freitag, 29. Juni 2012

Das war die Klassiker-Challenge

So, nun ist die Klassiker-Challenge vorbei. Ihr erinnert euch vielleicht noch: Vor eineinhalb Jahren hatte Lena ihre tolle Challenge in die Welt gerufen, bei der es darum ging, Klassiker aus 16 verschiedenen Ländern zu lesen. Pflicht waren 10 Bücher, als Zeitraum war ursprünglich das Jahr 2011 anberaumt. Da aber viele nicht so recht in die Gänge kamen, hat Lena schließlich die Challenge um ein halbes Jahr verlängert. Viel gebracht hat das leider nicht: Am Ende waren nicht mehr viele übrig, und abgeschlossen haben die Challenge lediglich Hermia und ich.
Schade, dass so viele abgesprungen sind bzw. die Bücher nicht mehr geschafft haben, aber ich fand die Challenge dennoch sehr schön. Es hat gut getan, endlich mal wieder mehr Klassiker zu lesen - bei mir sind es letztendlich 12 geworden.
Highlight unter den älteren Büchern war Die Herrin von Wildfell Hall, aber auch die Buddenbrooks haben mir ausgesprochen gut gefallen. Von den neueren Romanen haben mir am besten Tod in den Anden und Der Meister und Margarita gefallen. Am unteren Ende der Skala ist Gulliver's Travel, das ich sehr zäh fand. Und "Ein Spiel der Natur" habe ich abgebrochen, weil ich leider gar nicht hineingefunden habe - mag aber sein, dass es einfach nicht der richtige Zeitpunkt für das Buch war.

Vielen Dank nochmal für die schöne Challenge, Lena!

Und zu guter Letzt ist hier nochmal meine Liste der gelesenen Bücher:

Afrika: abgebrochen
China oder Indien oder Japan: *Salman Rushdie - Die bezaubernde Florentinerin
Deutschland: Thomas Mann - Buddenbrooks 
Frankreich: Chaderlos de Laclos - Gefährliche Liebschaften 
Griechenland: Heliodor - Aethiopika
Irland: Jonathan Swift - Gulliver’s Travels
Italien: /
Österreich oder Schweiz: Joseph Roth - Radetzkymarsch
Ozeanien: /
Polen oder Tschechien oder Ungarn: *Imre Kertész - Roman eines Schicksallosen
Russland: *Michail Bulgakow - Der Meister und Margarita
Skandinavien: /
Spanien: Juan Ramón Jiménez - Platero und ich
Südamerika: *Mario Vargas Llosa - Tod in den Anden
UK: Anne Bronte - Die Herrin von Wildfell Hall
USA: Edgar Allan Poe - Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym

Salman Rushdie - Die bezaubernde Florentinerin


Genre: Schelmenroman, Gegenwartsliteratur
Seiten: 448 Seiten
Verlag: Rowohlt
ISBN: 978-3498057831
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen

Klassiker-Challenge  (Indien)


Im 16. Jahrhundert taucht in Fatehpur Sikri, am Hof des Großmoguls Akbar, ein Fremder namens Niccolò Vespucci auf und behauptet, durch die geheimnisvolle Qara Köz, eine verschollene Prinzessin, mit dem Mogul verwandt zu sein. Akbar ist auf eine seltsame Weise von dem Florentiner fasziniert und lauscht Abend für Abend, wie dieser die Geschichte von drei Freunden erzählt: Antonio Argalia, Niccoló "Ill Machia" und Ago Vespucci. Ihre Geschichte führt von Italien bis in die Neue Welt, erzählt von den Medici und Botticelli, von Krieg und Zauberei. Verbunden sind all diese Erzählungen durch Qara Köz, die "bezaubernde Florentinerin".

Rushdies Roman ist zugleich ein farbenprächtiges Märchen, ein Abenteuerroman, eine historische Erzählung, eine Gesellschaftsstudie und ein Schelmenroman. Phantasievoll und detailreich verwebt der Autor alle möglichen Geschichten ineinander und springt dabei mühelos vom Orient ins Italien der Renaissance, von dem großen Herrscher Akbar zu dem listigen Niccolò. Ihm dabei beim Lesen zu folgen, gelingt allerdings nicht ganz so mühelos. Einige Male hatte ich das Gefühl, mich fast im Gewirr der verschiedenen Handlungsstränge zu verlieren. Das wurde im Laufe des Romans besser, auch wenn ich einige Male doch innehalten und mir die Zusammenhänge ins Gedächtnis rufen musste.

Rushdies Erzählstil ist üppig und anschaulich, manchmal aber ein bisschen zu weitschweifig und detailverliebt. Stellenweise zieht sich der Roman und die Handlung geht nur schleppend voran. An solchen Stellen musste ich mich teilweise sogar zum Weiterlesen zwingen, obwohl ich die Geschichte von Qara Köz sonst sehr faszinierend fand.
Etwas gewöhnungsbedürftig ist auch die Vermischung von historischen Fakten mit märchenhaften Elementen und Magie.

Alles in allem ist "Die bezaubernde Florentinerin" ein zauberhafter Roman voller Geschichten, der aber machmal etwas verwirrend zu lesen ist und an manchen Stellen auch eine kleine Straffung vertragen hätte.

Donnerstag, 28. Juni 2012

Interview bei Elenas Leseträumen

Elena von Leseträume interviewt immer wieder andere Buchblogger und präsentiert auf diese Weise jeden Monat einen anderen Blog.
Im Juni hat sie bei mir nachgefragt, was mich sehr gefreut hat (ich lese ihre "Nachgefragt bei ..." schon seit längerem gerne). Den 1. Teil des Interviews gab es gestern, den 2. Teil gab es heute. Lest mal rein, wenn ihr wissen wollt, weshalb ich zu bloggen begonnen habe, in welches Buch ich gern mal reinklettern würde und welche Autoren ich wohl nicht noch einmal lesen würde.
Und auch sonst ist Elenas Blog immer wieder einen Besuch wert!

George R. R. Martin - A Feast for Crows

Genre: Fantasy
Seiten: 1104
Verlag: Bantam
ISBN: 978-0553582024
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

English-Challenge  (Juni)
2. Chance Challenge


Achtung: Diese Rezension enthält SPOILER zu den vorherigen Bänden (aber natürlich nicht zu diesem Band)!


Nach all den turbulenten Ereignissen rund um die Red Wedding sowie die Ermordung von Joffrey und Tywin, ist in Westeros so etwas wie eine gewisse Ruhe eingekehrt. Cersei ist in King's Landing darum bemüht Tommens Regierung zu sichern und sieht rings um sich nur Feinde, allen voran die junge Königin Margaery. Aber in dem trügerischen Frieden entstehen bereits neue Probleme: Auf den Iron Isles wird ein neuer König gewählt, der Großes anstrebt, und nach dem Tod von Oberyn Martell mischt sich nun auch Dorne in die Politik ein. 

"A Feast for Crows" ist zwar ein dicker Schinken (wobei die Seitenzahl etwas täuscht - die Schrift ist hier deutlich lockerer gesetzt als noch in den beiden Vorgängern), dennoch aber nur ein halbes Buch. Danaerys, Jon Snow, Tyrion, Bran - sie alle kommen in diesem Band nicht vor. Beim ersten Mal Lesen hat mich das noch stärker irritiert als jetzt, da ich mittlerweile ja wusste, was mich erwartet. Ich habe die genannten Figuren auch nicht so sehr vermisst, da der 4. Band dafür ungemein interessante Intrigen im Red Keep zu bieten hat, aber ärgerlich finde ich die Aufteilung der Handlungsstränge dennoch und zwar vor allem aus folgendem Grund: Man weiß nun also bereits, dass sowohl im Osten als auch an der Mauer länger nichts passieren wird, das in irgendeiner Weise mit den Ereignissen in King's Landing verknüpft wird. Denn abgesehen von ein paar Gerüchten über Drachen bekommt man in der Hauptstadt gar nichts von Dany und Jon mit. Auf diese Weise raubt einem der 4. Band ein wenig die Spannung für den 5.

Ein weiteres Problem ist, dass mit "A Feast for Crows" die Handlung erstmals zu zerfasern scheint. Es taucht eine Vielzahl an neuen Perspektiventrägern auf, manche davon auch lediglich für ein oder zwei Kapitel. Einerseits ist es sehr spannend, manche Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, aber ist es bei einigen Perspektiven fraglich, ob es wirklich notwendig war, diese einzuführen. Natürlich kann ich das vor dem Ende der Serie noch nicht beurteilen, aber ich stelle dennoch die Behauptung auf, dass man hier an einigen Stellen hätte kürzen können.

Das klingt jetzt alles negativer als es tatsächlich der Fall ist, denn trotz dieser Kritikpunkte liest sich auch "A Feast for Crows" sehr gut. Mitzuverfolgen, wie Cersei sich mit Paranoia und schlichter Dummheit immer näher an den Abgrund bringt, hat einen gewissen Unterhaltungswert. Ich kann nicht behaupten, dass ich sie mag, aber zumindest ist sie eine ausgesprochen interessante Perspektiventrägerin. Weitere Highlights waren für mich Jaime und Sansa, die sicher zu den Figuren gehören, die sich am stärksten weiterentwickeln. Spannend ist auch alles, was in Dorne passiert, während die Kapitel von Samwell und Brienne ein gewissen Nervpotential haben (obwohl ich Brienne als Charakter sehr mag). 

Fazit: "A Feast for Crows" hat einige der interessantesten Perspektiven und Entwicklungen bisher zu bieten - leider gibt es im Gegenzug auch einige Handlungsstränge, die sich wirklich ziehen wie ein Strudelteig.

Schließen möchte ich die Rezension mit ein paar Worten von Genna Lannister, die in vielerlei Hinsicht bezeichnend für diesen Band sind: 
"Better to mock the game than to play and lose."

Montag, 25. Juni 2012

100 Bücher wird ein Jahr alt!

100 Bücher feiert Geburtstag mit einem Gewinnspiel (die Teilnahmebedingungen findet ihr, wenn ihr auf das Bild unten klickt), und obwohl ich sonst nicht so die eifrige Teilnehmerin bei Gewinnspielen bin, muss ich dieses Mal natürlich unbedingt mitmachen.
Denn Milas Blog gehört für mich zu meinen absoluten Lieblingen. Wer ihn noch nicht kennt: Mila hat es sich als Ziel gesetzt, die BBC-Liste der 100 beliebtesten Bücher aus dem Jahr 2003 vollständig zu lesen. Seit ich selbst diese Liste durchgegangen bin, spukt mir ja so ein Vorhaben im Kopf herum, alleine deshalb finde ich die Idee großartig! 
Schön daran finde ich aber auch, dass dadurch bei Mila eine große Vielfalt an Genres herrscht. Klassiker, moderne Fantasy, Kinderbücher, historische Romane, Gegenwartsliteratur, ... Da geht es ebenso kreuz und quer wie bei mir meistens. ;-) Zu jedem gelesenen Buch gibt es eine sehr ausführliche Rezension - und auch eine Begründung, falls Mila mit dem Buch gar nicht klarkam und es deshalb abgebrochen hat. 



Also danke, Mila, dass du dich auf so ein großes Projekt gestürzt hast und uns daran teilnehmen lässt! Hiermit wünsche ich deinem Blog natürlich auch nochmal alles Gute zum Geburtstag! :-)

Sonntag, 24. Juni 2012

Sonntagsgeplauder #27

Ich bin jetzt mit "A Feast for Crows" durch, was bedeutet: Ich kann mich auf "A Dance with Dragons" stürzen! Allerdings habe ich ein wenig Angst, dass ich vielleicht gar nicht mehr aufhören kann, wenn ich mal damit anfange, insofern warte ich vielleicht noch eine Woche, denn dann habe ich Urlaub und es macht nichts, falls ich bis in die frühen Morgenstunden lese. ;-)

Es ist ja auch nicht so, dass ich nichts habe, das ich in der Woche noch rasch dazwischen schieben könnte, denn - wie schon letzte Woche erwähnt - gibt es einige Neuzugänge. Als Geburtstagsgeschenke habe ich "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" (schon gelesen und auch rezensiert) und "Der Nachtzirkus" bekommen.

Außerdem habe ich einen Teil meiner Gutscheine eingelöst, zunächst für eine ersehnte Fortsetzung: Seit mich Daughter of Xanadu im letzten Jahr restlos begeistert hat, warte ich ja auf den Nachfolger "Son of Venice". Nun ist er endlich da, und ich bin ein klein wenig enttäuscht von den reinen "Äußerlichkeiten". Den 1. Band habe ich nämlich als Hardcover im Regal stehen, während der 2. nun gleich als Taschenbuch erschienen ist. Da ich außerdem das Cover nicht wirklich toll finde (ich habe mir Marco anders vorgestellt), habe ich mich gleich für das ebook entschieden.
Auch das zweite Buch war gewissermaßen eine Kompromisslösung. Nachdem ich von Thomas Burnett Swann sowohl Queens Walk in the Dusk als auch Green Phoenix gelesen habe, wollte ich natürlich nun auch den 3. Band seiner Latium-Trilogie - "The Lady of the Bees" - auf Englisch lesen. Leider ist der Roman nur noch sehr schwer aufzutreiben, und da er gebraucht auf Deutsch viel leichter und um Welten günstiger zu bekommen ist, habe ich ihn mir also nun in der deutschen Übersetzung gekauft. Hoffentlich ist sie gut.

An neuem Lesestoff mangelt es mir also gerade nicht. Außerdem ist damit erst ein Teil der Gutscheine eingelöst, aber der Rest muss warten, bis ich wieder weniger ungelesene Bücher habe (zumal ich mich eh noch nicht so recht entscheiden kann).

Das war nun in erster Linie ein Neuzugänge-Beitrag, aber da es so etwas bei mir eh nicht so häufig gibt, hoffe ich, ihr verzeiht mir die etwas einseitige Ausrichtung dieses heutigen Sonntagsgeplauders.

Freitag, 22. Juni 2012

Rachel Joyce - die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry


Genre: Roman (präziser kann man das hier wirklich nicht sagen)
Seiten: 384
Verlag: Krüger
ISBN: 978-3810510792
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

Themen-Challenge (Reise) 


Als Harold Fry einen Brief von seiner ehemaligen Arbeitskollegin Queenie Hennessy bekommt, in dem sie schreibt, dass sie im Sterben liegt, möchte er eigentlich nur rasch seine Antwort in den nächsten Briefkasten werfen. Doch er geht weiter und weiter, bis er nach einem Gespräch mit einem Mädchen an einer Tankstelle weiß, was er machen möchte: Zu Fuß zu Queenies Hospiz an der schottischen Grenze gehen, fast 1000 Kilometer. Queenie müsse mit dem Sterben warten, sagt er bei einem Telefongespräch mit dem Hospiz, denn er wäre auf dem Weg zu ihr - zu Fuß.

"Du unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" hat mich gleich auf den ersten Seiten in seinen Bann gezogen. Diese Idee (oder Mission) des unscheinbaren Harold, der nach 45 Jahren als Handelsvertreter nun im Ruhestand ist und noch nie etwas ungewöhnliches in seinem Leben gemacht hat, fand ich sofort großartig.
Harold ist zunächst selbst von seinem Entschluss überwältigt und nahezu eingeschüchtert, doch die positiven Reaktionen der Menschen, denen er davon erzählt, spornen ihn an. Nur seine Frau Maureen, die sich von ihm schon lange entfremdet hat, hält seinen Entschluss für völligen Unsinn.

Gerade diese ersten Tage von Harold haben mir am besten gefallen: Seine Zweifel, zugleich aber die Entschlossenheit, weiterzugehen. Die praktischen Probleme, auf die er stößt. Und die großartigen Menschen, denen er begegnet und ihre Reaktionen auf sein Vorhaben.
Das alles liest sich unglaublich berührend und herzerwärmend und weckt in einem beinahe den Wunsch, eine ähnliche Reise zu beginnen. Am schönsten ist es, zu beobachten, wie Harold sich nach und nach verändert und weiterentwickelt, an Selbstbewusstsein gewinnt und ganz neue Seiten an sich entdeckt.

Leider hat mir dann das letzte Viertel des Buches nicht mehr so gut gefallen. Nach der anfänglichen Euphorie machte sich bei mir ein Gefühl der Leere und der Frustration breit - das ist an sich passend, da es Harold ganz ähnlich ergeht, aber leider waren diese Gefühle auch das, was bei mir nach dem Lesen nachhallte.
Und das lag für mich nicht mehr an den Problemen und Zweifeln von Harold, sondern an folgenden Punkten: Nach dem gemächlichen Einstieg und der langsamen Charakterentwicklung am Anfang fand ich am Ende vieles zu schnell und überhastet. Außerdem wartete ich vergeblich auf die von der Autorin im Klappentext versprochenen "Überraschungen" und unerwarteten Wendungen, von denen einige Kritikten berichteten. Ich fand das gesamte Ende mit all seinen "Auflösungen" unglaublich vorhersehbar und es ist nichts passiert, von dem ich nicht schon nach 100 Seiten angenommen hatte, dass es passiert.
Das finde ich noch immer schade - ich hätte mir hier gewünscht, dass Rachel Joyce ihre Leser tatsächlich überrascht, indem sie ungewöhnliche Wege einschlägt und mit manchen Erwartungshaltungen bricht. Aber vielleicht hatte ich einfach die "falschen" (bzw. vielmehr die richtigen) Erwartungen.

Insgesamt ist Rachel Joyce' Roman sehr schön, berührend, oft humorvoll und unglaublich warmherzig. Leider hat mich das Ende nicht so überzeugt - es ist zu vorhersehbar und kratzt sogar an manchen Stellen schon sehr stark an der Grenze zum Kitsch.
Lesenswert finde ich Harolds ungewöhnliche Pilgerreise dennoch. Gerade die erste Hälfte, die ich im Schnelltempo verschlungen habe, gehört für mich zum besten, was ich in der letzten Zeit gelesen habe.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Themen-Challenge - April und Mai

Erneut mit etwas Verspätung gibt es nun einen Überblick über die letzten beiden Monate. Ich habe die neuen Rezensionen in meine schlaue Liste eingepflegt, die nun allmählich eine beängstigende Länge annimmt. ;-)
Ihr findet sie wie gehabt HIER.

Inzwischen hat sich Fjolamausi durch alle 20 Themen gelesen, während Mareike von Book Challenges, Die Jai und Karo die Challenge mit den erforderlichen 10 Themen abgeschlossen haben. 
Dafür gibt es auch Aussteiger - so ist PiMis Bücher aus der Challenge ausgestiegen und der Blog von poison au coeur ist nunmehr seit März von der Bildfläche verschwunden. Außerdem kann ich bei der Faserpiratin die Challengeseite nicht mehr finden. Ich habe sie mal angeschrieben und warte ab, ob sie noch bei der Challenge dabei ist.

Soviel also zum allgemeinen Stand der Dinge.

Ich selbst habe seit dem letzten Überblick nur ein weiteres Buch begeisteuert und zwar Im Rausch der Stille zum Thema Das Böse. Allerdings wird es bald eine Rezension zu "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" (Thema Reise) geben, und derzeit lese ich ja auch "Schuld und Sühne" (Thema Schuld natürlich).
Bei Numbers habe ich beschlossen, den Roman nicht - wie ursprünglich gedacht - für das Thema Tod zu zählen, da ich finde, dass der Tod an sich trotz Jems spezieller Fähigkeiten wenig thematisiert wird. Oder zumindest nicht auf eine Art und Weise, wie ich es mir für die Challenge wünschen würde. Ich habe in der Hinsicht ja recht hohe Ansprüche und möchte, dass das Thema wirklich im Zentrum steht. Hier ist also doch noch ein anderes Buch fällig.

Soviel also zum April und Mai. Es tut mir Leid, dass ich dieses Mal wenig auf einzelne Themen oder Bücher eingehe, aber da gab es in den letzten Wochen nichts, was mir speziell aufgefallen wäre bzw. auch keine Tendenz zu einem bestimmten Thema oder Buch.

Das wars für dieses Mal, den nächsten Überblick gibt es dann voraussichtlich im August.


Dienstag, 19. Juni 2012

Mehr Brokkoli?

Mila hat mir schon vor einer Weile ein Stöckchen zugeworfen, in dem es um Filme geht. Auch wenn es hier vorrangig um Bücher geht, habe ich ja auch die 31 Tage - 31 Filme laufen, daher fügt sich auch dieses Stöckchen ganz gut auf meinem Blog ein, denke ich. Also los!

1. Ein deiner Meinung nach richtig schlecht gecasteter Buchcharakter?
Da gibt es ja leider so einige, aber ganz, ganz schlimm ist Jonathan aus "Die Brüder Löwenherz". Ich habe es ja schon ab und an mal erwähnt, dass ich die Verfilmung nicht gelungen finde und mir sehnlichst eine neue wünsche. Und das liegt vor allem auch an der Besetzung von Jonathan.
Dieser wie 25 Jahre alt aussehende Kerl mit der seltsamen Fönfrisur (oder Perücke, ich weiß es nicht so recht), soll der hübsche, 14jährige Jonathan sein? Der Held und Schwarm meiner Kindheit? Nicht wirklich, oder? *mpf*
Es gibt auch andere schlimme Besetzungen, vor allem solche, wo die Darsteller einfach schlecht sind (*hust*JonSnow*hust*), aber dennoch: Jonathan ist ein ganz besonders abschreckendes Beispiel.
 
2. Ein Kinderfilm der dich jedes mal in nostalgische Stimmung bringt?
Nach langem Überlegen (es gibt einige Filme, die mich in nostalgische Stimmung bringen), möchte ich hier die Frage etwas freier interpretieren und wähle keinen Film, sondern eine Serie. Und zwar geht es um "Als die Tiere den Wald verließen" (übrigens dichtauf gefolgt von "Perrine"). So eine wunderschöne, spannende, berührende und auch traurige Serie! Ich brauche nur das Intro zu hören und versinke schon in Nostalgie.

3. Welches sind deine Top 3 Lieblingsfilme aller Zeiten und warum? 
Oje, so etwas ist immer sehr schwierig zu beantworten. Ich möchte jetzt auch nicht Filme vorstellen, die ich ja bereits bei den 31 Tage - 31 Filme behandelt habe. Ich wähle jetzt mal folgende 3 Filme:
- Truman Show: Befürchtet habe ich eine dümmliche Komöde, und bekommen habe ich dann einen charmant-witzigen Film mit reichlich Kritik und Stoff zum Nachdenken. Und von Jim Carrey war ich hier wirklich positiv überrascht.
- American Beauty: Eine bitterböse Satire auf den amerikanischen Traum. Ich liebe den Film einfach mit all seinem Sarkasmus, seiner emotionalen Tiefe, seinen wunderbaren Charakteren, seinen besonderen Momenten. Filme dieser Art gibt es viel zu selten.
- Der Sternwanderer: Das Buch von Neil Gaiman fand ich nett, aber mehr auch schon nicht, den Film hingegen könnte ich wieder und wieder sehen. Für mich ist das einer der besten phantastischen Filme überhaupt, vom Anfang bis zum Ende spannend, humorvoll, warmherzig, skurril und toll besetzt.
 
4. Das dümmste Filmzitat aller Zeiten?
Bei diese Frage muss ich wohl passen. Ich schätze mal, dass ich wirklich dumme Zitate immer verdrängt habe, denn mir hat sich da wirklich keins besonders eingeprägt.
 
5. Und das beste?
Ach du liebe Zeit, da könnte ich ja jetzt mal wieder endlos aufzählen ... und zwar sowohl berührende oder kluge Zitate als auch lustige. Letztendlich bin ich bei einem gelandet, das kürzer nicht sein könnte, und zwar besteht es nur aus zwei Wörtern: "Mehr Brokkoli?"
Wer nicht weiß, was es damit auf sich hat, kann sich die entsprechende Szene aus "Ein Königreich für ein Lama" hier auf Englisch ansehen:
Ich liebe diesen Film!
 

Und nun werfe ich das Stöckchen mit folgenden 5 Fragen an Nanni und Kix weiter:

1. Welches Buch würdest du gerne verfilmt sehen?
2. Welcher ist dein Lieblings-Filmcharakter?
3. Gibt es ein Filmzitat, das du selbst ab und zu im Alltag verwendest?
4. Bei welchem Film musst du immer und immer wieder Tränen vergießen?
5. Und welcher bringt dich jedesmal wieder zum Lachen?

Sonntag, 17. Juni 2012

Sonntagsgeplauder #26

Ich werde mich heute eher kurz fassen, da ich übers Wochenende zu meiner Familie gefahren bin und mein Macbook nicht mitgenommen habe. Nun sitze ich am Uralt-Laptop meiner Mutter, auf dem ich nicht wirklich gern tippe. ;-) Außerdem lädt das Wetter eher zum Lesen in der Sonne ein als zum Hocken vorm Computer.

Nachdem ich Numbers. Den Tod im Blick und  The Hounds of the Morrigan beendet hatte, wollte ich nicht wieder so viel parallel lesen, aber nun tanze ich schon wieder auf zu vielen Hochzeiten gleichzeitig: Mit "A Storm of Swords" bin ich noch nicht ganz fertig (aber fast), bei "Die bezaubernde Florentinerin" steck ich mitten drin, dann habe ich noch mit "Schuld und Sühne" begonnen und nun habe ich gestern zum Geburtstag "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry" geschenkt bekommen und musste das unbedingt sofort anfangen.
Wenigstens werde ich heute tatsächlich mal ein wenig Lesezeit übrig haben und morgen sitze ich ja auch wieder für eine Weile im Zug. Aber dennoch sollte ich es mir abgewöhnen, gar so viele Bücher gleichzeitig zu lesen ...

Ja, Stichwort Geburtstag, das bedeutet: Neuzugänge. Neben der Pilgerreise habe ich vorerst nur einen Amazon-Gutschein bekommen (das wird wieder ein ewiges Überlegen, was genau ich mir von meiner langen Wunschliste gönnen möchte), aber ich weiß schon, dass noch weitere Buchgeschenke anstehen. :-)
Das bedeutet natürlich wieder nichts gutes für meinen SuB, da neue Bücher ja immer viel verlockender sind als jene, die da schon jahrelang ungelesen vor sich hinvegetiere.

Ansonsten bin ich gerade sehr in Schreiblaune (eh klar, gerade dann, wenn ich mein Macbook nicht mit habe!) und hoffe, dass die nicht gleich wieder verfliegt. Schließlich gehört ja noch immer ein gewisser Roman beendet ...

So, damit belasse ich es heute - die Tastatur hier macht mich ganz wahnsinnig. Der Challengeüberblick und ein Stöckchen, das Mila mir zugeworfen hat, müssen also noch ein wenig warten, bis ich wieder in Wien bin.
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag und hoffe, dass es bei euch genauso sonnig ist wie hier!

Donnerstag, 14. Juni 2012

Pat O'Shea - The Hounds of the Morrigan


Genre: Fantasy, Kinder-/Jugendbuch
Seiten: 480
Verlag: Oxford Children's & Education
ISBN: 978-0192728722
Meine Bewertung: 2 von 5 Sternchen

English-Challenge  (Mai)


Der zehnjährige Pidge befreit ungewollt die Schlange Olc-Glas aus einem alten Manuskript und gerät auf diese Weise zwischen die Fronten einer Auseinandersetzung, die zwischen der Göttin Morrigan und dem Dagda herrscht. Zusammen mit seiner kleinen Schwester Brigit muss er sich in Tir-na-nOg, der Anderwelt, auf eine gefährliche Suche begeben, die Hunde der Morrigan stets auf den Fersen.

Ich muss ehrlich sagen, dass diese Rezension eher lästige Pflicht ist (für die Challenge), da ich gar keine Lust habe, überhaupt groß Worte zu diesem Buch zu verlieren. Es wurde mir vor Jahren wärmstens ans Herz gelegt und auch die Kritiken im Internet überschlagen sich großteils vor Begeisterung.
Am Anfang des Romans sah es noch so aus, als würde ich in diese Lobeshymnen einstimmen. Die bedrohliche Atmosphäre, die herrscht, nachdem Pidge das Manuskript erworben hat, die Versuche der Morrigan, ihm dieses Manuskript abzujagen, der Alltag von Pidge und Brigit - all das ist so anschaulich geschildert, dass man mühelos darin eintauchen kann.
Mit dem Beginn der eigentlichen Queste und dem Übertritt in die Anderwelt wird die Handlung aber leider sehr eintönig. Pidge und Brigit stolpern ohne großen eigenen Antrieb durch die Welt, folgen den Anweisungen, die sie vom Dagda und anderen mythologischen Figuren bekommen, und sobald sie einmal nicht weiterwissen oder in Schwierigkeiten geraten, tauchen neue Figuren aus dem Nichts auf, die ihnen helfen. Und sind doch einmal keine Helfer zu Stelle, fungieren die Nüsse, die Pidge anfangs bekommen hat, als Deus ex machina und zaubern immer irgendeine Lösung aus dem Hut.
Nach diesem Muster geht es mehr als 300 Seiten lang dahin, ehe doch noch ein rasanter Showdown folgt und ein unbefriedigendes Ende.

Ich war oft knapp davor, das Buch abzubrechen und kann im Nachhinein nicht sagen, weshalb ich es doch zu Ende gelesen habe. Ich wollte nicht schon wieder ein Buch abbrechen, schon gar keins, für das ich Geld ausgegeben habe, aber spätestens ab der Hälfte war ich nur noch gelangweilt und genervt.

Von den Figuren waren die Morrigan und ihre Schwestern Bodb und Macha noch die interessantesten, auch wenn sie oft so schrill überzeichnet waren, dass ich sie nur noch lächerlich finden konnte. Die Kinder waren zwar recht liebenswert, machen aber leider nicht einmal die Ansätze einer Entwicklung durch. Egal, was auch geschieht, sie stehen alles tapfer durch und bleiben ansonsten genauso, wie sie bereits am Anfang waren. 

Davon abgesehen schwankt der Roman seltsam zwischen fast schon slapstickartigem Humor und düsterem Ernst. Manche Stellen wirken so kindisch-lächerlich, dass man das Gefühl hat, die Zielgruppe wären Kinder im Vorlesealter, während andere dann doch wieder sehr bedrohlich und "erwachsen" wirken. Die Sprache ist ziemlich anspruchsvoll (ich hatte hier mehr mit dem Englisch zu kämpfen als beim Song of Ice and Fire), was dann doch wieder den Eindruck vermittelt, als würde der Roman sich an ältere Kinder und Jugendliche richten.

Fazit: "The Hounds of the Morrigan" besticht durch einen tollen Einstieg und einige originelle Ideen sowie skurrile Nebenfiguren, besteht aber leider großteils aus einer ziellos wirkenden Reise, bei der jegliche Spannung durch den inflationären Einsatz von aus dem Nichts erscheinenden Helfern und Hilfsmitteln zunichte gemacht wird. Das Ende selbst ist ebenfalls enttäuschend und hinterlässt eher einen schalen Nachgeschmack.
Ich persönlich kann das Buch weder Kindern noch Erwachsenen weiterempfehlen.

Montag, 11. Juni 2012

Kinderbuchzitate - Auflösung

Da die meisten Bücher bereits erraten wurden, werde ich jetzt die Zitaterätsel auflösen. Ich habe mich sehr über die rege Beteiligung gefreut! Wer gern noch mitraten möchte, kann das hier tun und sollte also jetzt nicht weiterlesen. ;-)

1. Otfried Preußler - Krabat
Das war schnell erraten. Die Textpassage war nicht so schwer und das Buch ist wohl doch sehr bekannt.

2. Christine Nöstlinger - Maikäfer flieg!
Antigone hatte den richtigen Riecher und Christine Nöstlinger in dem Zitat erkannt, wenn auch nicht das Buch. In dem geht es übrigens um die Kindheit der Autorin während des 2. Weltkrieges. Schade, dass das Buch offensichtlich nicht so bekannt ist - ich "musste" es in der Schule lesen, habe es geliebt und es wirklich unzählige Male verschlungen.

3. Loyd Alexander - The Book of Three (The Chronicles of Prydain 1)
Dass sich hinter dem ungeschickten Schmied Taran, der Hilfsschweinehirt verbirgt, war schnell erraten. Vermutlich war das Zitat auch durch die Nennung von Coll etwas einfacher als manche andere.

4. Tonke Dragt - Die Türme des Februar
Das einzige Rätsel, das gänzlich ungelöst blieb. Ich gebe auch zu, dass das Zitat recht allgemein war, aber wer das Buch kennt, weiß, dass ein Wort darin wirklich eine sehr große Rolle spielt. Ich selbst habe den Roman erst als Erwachsene gelesen, finde ihn aber wirklich sehr empfehlenswert. Phantastische Literatur vom Feinsten!

5.  Kai Meyer - Die fließende Königin (Merle-Trilogie 1)
Streifenzebra hat dieses Zitat aufgelöst, nachdem es eine ganze Weile ohne Rateversuche geblieben war. Offensichtlich ist diese Trilogie weniger bekannt als ich gedacht hätte.

6. Otfried Preußler - Die kleine Hexe
Abraxas, der eingefleischte Junggeselle. Der Rabe hat hier einige auf die falsche Fährte gelockt (Wunschpunsch), aber auch hier hat Streifenzebra das richtige Buch erraten.

7. Käthe Recheis - Wolfsaga
Dieses Zitat war offensichtlich eine harte Nuss, das einige eher den Brüdern Löwenherz zugeordnet hätten. Bei der Suche nach einer passenden Stelle hab ich Lust bekommen, diesen Roman mal wieder zu lesen.

8. C. S. Lewis - Prince Caspian (The Chronicles of Narnia 2)
Was habe ich beim Lesen über diese Stelle gelacht! Als ich nun auf Zitatesuche war, wusste ich sofort: Das muss unbedingt hinein.

9. Michael Ende - Die unendliche Geschichte
Hinter diesem Zitat haben einige zunächst Tintenherz vermutet - das war wohl naheliegend, da auch darin Bücher eine große Rolle spielen. Aber diese Gedanken stammen natürlich von Bastian Balthasar Bux.

10. Astrid Lindgren - Die Brüder Löwenherz 
Und hier kamen dann doch noch die Brüder Löwenherz. Der Satz ist einer meiner (vielen) Lieblingssätze aus dem Buch. Noch lieber hätte ich daraus ein anderes Zitat gewählt, aber da hätte ich zu viele Namen unkenntlich machen müssen. Es geht um die Stelle, als Jonathan sagt, dass er selbst dann niemanden töten könnte, wenn sein eigenes Leben in Gefahr wäre:
"Wenn alle wären wie du", sagte Orwar, "dann würde das Böse ja bis in alle Ewigkeit herrschen!"
Aber da sagte ich, wenn alle wären wie Jonathan, dann gäbe es nichts Böses.


"Die rote Zora" hätte für mich ja eigentlich auch unbedingt noch reingehört, aber daraus hatte Mila schon ein Zitat gepostet und ich wollte nach Möglichkeit 10 andere Bücher wählen.

Ich bedanke mich bei euch allen für das eifrige Raten und natürlich bei Mila für die tolle Idee! Vielleicht werde ich irgendwann noch einmal so ein Zitateraten machen. :-)

Sonntag, 10. Juni 2012

Rachel Ward - Numbers. Den Tod im Blick


Genre: Jugendbuch
Verlag: Silberfisch
Dauer: 6 h 7 min (gekürzte Lesung)
ISBN: 978-3867420570
gelesen von: Laura Maire
meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen



Die fünfzehnjährige Jem, die seit ihrer Kindheit von einer Pflegefamilie zur nächsten weitergereicht wurde, hat eine besondere Gabe: Wenn sie jemandem in die Augen blickt, kann sie das Todesdatum ihres Gegenübers sehen. Daher lässt sie niemanden an sich heran, und der hibbelige Spinne ist der letzte, mit dem sie Freundschaft schließen möchte, weiß sie doch, dass er bald sterben wird. Dennoch drängelt er sich ungefragt in ihr Leben und zwischen den beiden Außenseitern entsteht eine gewisse Verbundenheit.
Als die beiden mit dem London Eye fahren wollen, sieht Jem bei allen Menschen um sie herum dasselbe Datum. In Panik fliehen die beiden und entgehen somit ihrem Tod. Doch von nun an sind sie auf der Flucht, denn die Polizei ist auf der Suche nach den beiden Jugendlichen, die im letzten Moment von dem Attentat auf das London Eye weggelaufen sind.

"Numbers" besticht vor allem mit grandiosen Figuren. Bei den meisten Jugendbüchern, die ich in letzter Zeit gelesen habe, war die Hauptfigur ein Durchschnittsmädchen der Mittelschicht, doch Jem hebt sich davon ab. Aufgewachsen in Armut bei einer drogensüchtigen Mutter gehört sie mit 15 Jahren zu jener Gruppe von Jugendlichen, die von der Gesellschaft abgeschrieben wurden. Und auch Jem selbst sieht für sich keine Perspektive. Ihre Schulstunden sitzt sie genervt ab, ihre Mitschüler hält sie mit ihrer schroffen Art misstrauisch auf Abstand.
Ganz anders ist da Spinne mit seinen raschen Stimmungswechseln, seiner Fröhlichkeit auf der einen und unkontrollierten Wutanfällen auf der anderen Seite. Er ist kein Traumprinz, körperlich nicht sonderlich attraktiv und wohl eher nicht der Romanheld, der zum Anhimmeln taugt. Gerade das macht die langsam entstehende Liebesgeschichte aber auch so herzerwärmend. Es ist einfach er mit all seinen Macken und Fehlern, in den sich Jem allmählich verliebt, und eben nicht ein attraktives Aussehen, das sie gleich beim ersten Anblick in Schwärmereien versetzt.
Dass die zarten Bande letztendlich doch wieder in Richtung "Du bist mein Leben" abdriften, fand ich ein wenig ärgerlich, in diesem Fall aber passend, da die beiden in einer Situation sind, in der sie nur einander haben und sich daher entsprechend verzweifelt aneinander festhalten.

Die Liebesgeschichte steht aber ohnehin nicht im Mittelpunkt. Es geht mehr um die Flucht, um Jems Entwicklung, ihre allmähliche Öffnung ihren Mitmenschen gegenüber und um all die Probleme und Vorurteile, mit denen zwei Jugendliche wie Spinne und Jem zu kämpfen haben.
Dass sie auf ihrer Flucht immer wieder auch auf selbstlose, hilfsbereite Menschen treffen, ist erfreulich, kam mir manches Mal aber doch nicht ganz realistisch vor. Wieviele Menschen sind denn wirklich bereit, zwei von der Polizei gesuchten Jugendlichen zu helfen?

Abgesehen von diesem kleinen Kritikpunkt fand ich es noch seltsam, dass am Ende manches (vor allem die Sache mit dem Attentat) sehr in der Luft hängen blieb - das mag aber auch an der gekürzten Hörbuchfassung liegen.
Ansonsten ist das Ende sehr stimmig. Wer auf Friede Freude Eierkuchen hofft, wird hier enttäuscht werden, aber ich fand das Ende sehr berührend und auch sehr passend für den Roman.

Die Sprache ist in "Numbers" eher schlicht, fügt sich aber sehr gut in die Perspektive von Jem ein. Es klingt tatsächlich so, als würde eine Fünfzehnjährige aus schwierigen Verhältnissen die Geschichte erzählen. Dass Jem dabei auch öfter mal die Leser direkt anspricht, ist anfangs gewöhnungsbedürftig, passt aber ebenfalls gut zu ihrer Erzählperspektive.

Fazit: "Numbers" ist ein spannender und auch berührender Roman mit einer wirklich interessanten Hauptfigur, der sich durchaus aus dem Einheitsbrei vieler Jugendbücher abhebt. Es gibt zwar noch weitere Teile, aber der Roman ist in sich abgeschlossen und kann problemlos auch als Einzelband gelesen werden.
Trotz kleiner Schwächen sehr empfehlenswert!

Mittwoch, 6. Juni 2012

[Blogparade] Kinderbuchzitate

Auch nach 2 Jahren des Bloggens hab ich noch nicht so ganz kapiert, wie das mit Blogparaden läuft, aber auf alle Fälle hat Mila eine zum Thema Kinderbuch-Lieblingszitate gestartet, und da ich sowohl Buchzitate liebe als auch meine alten Kinderbücher, mach ich da natürlich mit.
Das Problem ist nur, dass ich fast alle Kinderbücher bei meiner Familie habe und somit derzeit keinen Zugriff darauf. Ich musste mir also bei einigen Büchern mit dem netten "Blick ins Buch" eines gewissen Online-Versandhauses aushelfen, wodurch ich manchmal auf Zitate aus den ersten Seiten eingeschränkt war. Und ein paar Bücher habe ich nur auf Englisch, daher hat sich auch das eine oder andere englische Zitat dazwischengeschoben.

So, jetzt aber genug der Vorrede. Hier kommen meine 10 Zitate. In den Kommentaren hoffe ich auf eifriges Raten (alle, die selbst noch raten wollen, sollten also die Kommentare erst anschließend lesen ;-)). Bei manchen Zitaten habe ich Namen durch "er/sie" bzw. xxx ersetzt, damit es nicht zu einfach ist.



1. Elf Raben saßen auf einer Stange und blickten ihn an. Er sah, dass ein Platz auf der Stange frei war, am linken Ende. Dann hörte er eine Stimme. Die Stimme klang heiser, sie schien aus den Lüften zu kommen, von fernher, und rief ihn bei seinem Namen.

2. Der Großvater hatte überhaupt oft Angst. Er hatte Angst, wenn er zum Finanzamt gehen musste, er hatte Angst, wenn ihn ein Polizist anschaute, und er hatte Angst, wenn er im Radio den englischen Sender suchte – den er übrigens nie fand. Vor der Großmutter hatte der Großvater aber die größte Angst. Ich dachte immer, der Großvater hat die Großmutter nur geheiratet, weil er sich vor ihr gefürchtet hat. Sie hat ihn sicher wild angeschaut und gesagt: "Leopold! Du heiratest mich!" Und der Großvater hat dann wahrscheinlich aus lauter Angst "Ja, Juli, ja, ja, Juli!" gesagt.

3. "Why?" xxx cried. "Why must it be horseshoes? As if we had any horses!"
Coll was stout and round and his great bald head glowed bright pink. "Lucky for the horses," was all he said, glancing at xxx's handiwork.

4. Eines glaube ich auf jeden Fall: dass Worte eine große Macht haben können; nicht nur in Sätzen, sondern auch einzeln.

5. "Vielleicht würden sich manche Märchen und Mythen als wahr herausstellen, wenn nur jemand den Mut aufbrächte, in einem Brunnen nach einer goldenen Kugel zu suchen oder die Dornenhecke vor einem Schloss zu zerschneiden."

6. Der Rabe war ein eingefleischter Junggeselle. Er pflegte zu sagen: "Als Junggeselle lebt man bei weitem bequemer. Erstens braucht man kein Nest zu bauen. Zweitens braucht man sich nicht mit einer Frau herumzuärgern. Und drittens bleibt es einem erspart, dass man Jahr um Jahr für ein halbes Dutzend hungriger Rabenkinder sorgen muß. Zuerst fressen sie einen arm, und dann fliegen sie sowieso ihrer Wege. Ich weiß das man von meinen Geschwistern, die alle seit langem verheiratet sind, und ich möchte mit keinem von ihnen tauschen."

7. Er wünschte wie in seinem Traum dahinzulaufen, über endlose Wiesen, über Hügel und durch Täler, immer weiter und weiter. Irgendwo in unbekannter Ferne lag Nitakama, das Land des Sommers, von dem die Wandervögel erzählten, wo die Sonne auch im Winter warm schien und wo es keinen Schnee, keine Kälte und keine eisigen Winde gab.

8. "That's the worst of girls. They never can carry a map in their heads." 
"That's because our heads have something inside them."

9. "Ich möchte wissen", sagte er vor sich hin, "was eigentlich in einem Buch los ist, solang es zu ist. Natürlich sind nur Buchstaben drin, die auf Papier gedruckt sind, aber trotzdem - irgendwas muss doch los sein, denn wenn ich es aufschlage, dann ist da auf einmal eine ganze Geschichte."

10. Es gibt Dinge, die man tun muss, sonst ist man kein Mensch, sondern nur ein Häuflein Dreck.


Viel Spaß beim Raten! 

(und hier gibt es nun die Auflösung)

Sonntag, 3. Juni 2012

Sonntagsgeplauder #25

Ich war heute schon ganz sportlich unterwegs und bin beim Österreichischen Frauenlauf mitgelaufen, der ein Jubiläum feierte - nämlich 25 Jahre.
Nicht nur deshalb war/ist das Wochenende bei mir ziemlich stressig und vollgestopft. Heute Abend ist noch Theater angesagt - und zwar werde ich mir im Rahmen der Wiener Festwochen eine englischsprachige Aufführung von Der Meister und Margarita ansehen.
Morgen geht es leider extrem stressig weiter, aber da ich über 3 Stunden im Zug verbringen werde, komm ich vielleicht mal wieder mehr zum Lesen.

Lesegeplauder
Ja, apropos Lesen. Letzte Woche habe ich im Schnelltempo "Krieg der Sänger" von Robert Löhr gelesen und bereits rezensiert.
Schneckentempo ist hingegen bei "The Hounds of the Morrigan" angesagt. Der Roman wird leider immer zäher und eintöniger, aber ich will nicht schon wieder ein Buch abbrechen. Mal sehen, ob ich den Roman noch in absehbarer Zeit bezwinge.

Challengegeplauder
Da ich bei dem Buch so langsam bin, habe ich leider schon wieder nicht mein monatliches englisches Buch für die Challenge geschafft, wodurch jetzt im Juni erneut ein Strafbuch angesagt ist. Das wird dann wohl "Between Shades of Gray", das schon länger auf meinem SuB liegt.
Für die Klassiker-Challenge habe ich nun mit "Die bezaubernde Florentinerin" von Salman Rushdie begonnen und hoffe doch, dass ich zumindest dieses eine Buch noch bis zum Challenge-Ende schaffen werde.
Außerdem ist es jetzt wieder mal an der Zeit für einen Überlick über meiner Themen-Challenge. Ich hoffe mal, dass ich diese Woche noch dazu komme.

Das wars jetzt erst mal, ich habe heute vor dem Theater noch eine Menge zu erledigen und muss mich deshalb etwas kürzer fassen.
Ich wünsch euch noch einen gemütlichen, sonnigen Sonntag!