Sonntag, 29. April 2012

Sonntagsgeplauder #21

Dieses Wochenende war sowas von vollgestopft mit Diensten und Familienfeiern, dass ich praktisch zu gar nichts gekommen bin - das nächste Wochenende wird nicht besser, und dazu kommt, dass ich im Mai nicht nur eine Auftragsarbeit zu erledigen habe, sondern auch mehr Dienste als sonst mache. Ich hoffe, dass ich dennoch wieder mehr zum Lesen und Bloggen komme. In letzter Zeit war es ja hier doch eher ruhig.

Lesegeplauder
„Im Rausch der Stille“ zieht sich wie ein Strudelteig. Ich hab schon überlegt, dass ich das Buch abbreche, aber irgendwie interessiert es mich ja doch, wie das alles endet. Wenn es halt schon enden würde!
Dabeneben lese ich nicht nur „Im Land des Feuerfalken“, sondern auch „A Feast for Crows“. Sobald ich damit durch bin, ist mein Reread der Serie beendet und ich kann mich endlich auf „A Dance with Dragons“ stürzen! Darauf freu ich mich jetzt schon sehr (auch wenn danach das fiese Warten auf den nächsten Band wieder losgeht).
Allgemein habe ich gerade das Gefühl, dass ich nicht viel lese, dabei habe ich im April insgesamt durchaus viele Bücher beendet, aber das liegt auch daran, dass ich Anfang des Monats einige Bücher zu Ende gelesen habe, die ich noch vom März mitgeschleppt habe.

SuB-Geplauder
Hm, ich werde wohl das nächste Etappenziel meines SuB-Abbauplanes nicht erreichen ... das wäre nämlich ein Stand von höchstens 20 Büchern bis Ende April gewesen (es sind jetzt 24).
Da ich mir aber nur kleine Schritte vorgenommen habe, wäre das nächste Ziel dann erst ein Stand von 15 Büchern Ende Juli. Zumindest das sollte ich dann doch auf alle Fälle schaffen (selbst mit Geburtstagsbüchern und dem einen oder anderen Büchereibesuch dazwischen).

Blog-Geplauder
Das Dashboard von blogspot wurde jetzt endgültig auf das neue Design umgestellt, das ich bisher tunlichst gemieden habe. Ich bin überhaupt nicht begeistert und finde mich noch nicht wirklich gut zurecht. Momentan kommt mir einiges noch deutlich umständlicher vor als vorher, aber ich hoffe mal, dass das nur daran liegt, dass ich mich noch ein wenig einarbeiten muss. Ich finde auch gerade viele Funktionen nicht - bzw. wenn ich sie finde, dann dort, wo ich sie nicht vermutet hätte. %-)
Ach, musste diese Umstellung denn wirklich sein? *alte Frauenstimme* "Früher war alles besser!" *Krückstock schwing*

Mittwoch, 25. April 2012

Agatha Christie - Endless Night


Genre: Krimi
Seiten: 304
Verlag: Harpercollins
ISBN: 978-0007151677
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

English-Challenge (April)


Every night and every morn,
Some to misery are born,
Every morn and every night,
Some are born to sweet delight.
Some are born to sweet delight,
Some are born to endless night.
(William Blake, Auguries of Innocence)

Michael Rogers hat bisher ein unstetes Leben geführt und sich mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Doch dann stößt er durch Zufall auf "Gipsy's Acre", das zum Verkauf steht, und er träumt fortan von diesem Grundstück. Als er die reiche Erbin Ellie kennenlernt, scheint sein Traum in greifbare Nähe zu rücken, aber man munkelt, ein Fluch liege auf Gipsy's Acre ...

"Endless Night" ist anders als die meisten Romane von Agatha Christe und ich bin mir auch nicht sicher, ob man es tatsächlich als Krimi bezeichnen kann. Die tatsächlichen Krimielemente tauchen erst sehr spät auf und stehen auch da nicht unbedingt im Vordergrund. Über weite Teile ist das Buch eher ein psychologische Studie.
Man lernt Michael in einem gemächlichen Einstieg ausführlich kennen, und den Großteil des Romans erlebt man mit, wie er sich mit Ellie ein gemeinsames Leben aufbaut. Der Fluch von Gipsy's Acre schwebt dabei ebenso als stetige Bedrohung über ihnen wie auch Ellies Verwandte und Bekannte, die über die Verbindung zu dem Taugenichts Michael nicht sehr glücklich sind.
Es ist also eine unterschwellige Spannung da, die auch noch aus einem anderen Grund entsteht. Und nun komme ich zu dem Punkt, an dem ich nicht weiß, wie ich überhaupt noch etwas über dieses Buch schreiben kann, ohne bereits zuviel zu verraten.

Das Problem ist, dass mein größter Kritikpunkt an dem Roman zugleich der größte Wendepunkt am Ende ist (den ich natürlich nicht spoilern möchte). Ich konzentriere mich vorerst also einmal auf die positiven Dinge: Der Beginn, der Michael sehr schön charakterisiert, hat mir wirklich gut gefallen, und obwohl die Handlung dann eher dahinplätschert, habe ich mich beim Lesen nie gelangweilt. Der Roman ließt sich auch auf Englisch sehr flüssig lesen, auch wenn mir manche Dialoge arg gekünstelt vorkamen.
Mir hätte der Roman sehr gut gefallen, hätte ich nicht bereits etwa ab der Hälfte einen bestimmten Verdacht gehabt, von dem ich hoffte, er würde sich als falsch erweisen. Hat er aber leider nicht. Agatha Christie wendet nämlich in diesem Roman einen Kniff an, den ich bereits aus einem anderen Buch von ihr kannte, und den ich damals schon nicht sehr mochte. Immerhin war ich damals wirklich überrascht, während mir dieses Mal eben die zu erwartende Wendung schon früh klar war.
Das hat mein Lesevergnügen doch sehr beeinträchtigt - nicht nur, dass ich den Kniff schon früh durchschaut habe, sondern vor allem, dass ich diesen Kniff nicht mag. Daher war ich vor allem genervt, als am Ende die Auflösung kam - obwohl ich zugeben muss, dass sie recht geschickt ausgeführt ist.

Alles in allem war es für mich dadurch nur ein mittelmäßiges Lesevergnügen. Schade, denn der Anfang war wirklich interessant.

Falls jemand den Roman kennt (der auf Deutsch "Mord nach Maß" heißt), würde es mich sehr interessieren, ob es euch ähnlich damit ging wie mir.

Montag, 23. April 2012

Gail Jones - Sechzig Lichter


Genre: Historischer Roman, Gegenwartsliteratur
Seiten: 221
Verlag: Edition Nautilus
ISBN: 978-3894015626
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen




Australien im 19. Jahrhundert: Nach dem Tod ihrer Eltern werden die Geschwister Lucy und Tom von ihrem Onkel Neville nach England geholt. Als Arbeiterin in einer Albumen-Fabrik, wo lichtempfindliches Papier hergestellt wird, kommt Lucy erstmals mit der Fotografie in Berührung. Als ihr Weg sie schließlich nach Indien führt, erhält sie Unterricht bei einem Fotografen und verschreibt sich fortan ganz dieser Kunst.

"Sechzig Lichter" ist ein faszinierender, aber sperriger Roman. Zu Beginn fiel es mir nicht ganz leicht, in ihn hineinzufinden, da er abrupt zwischen Lucys Kindheit und der Geschichte ihrer Eltern hin- und herspringt. Doch mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und war fast enttäuscht, als die Erzählung dann doch linear wurde und sich ganz auf Lucy konzentrierte.
Gail Jones erzeugt in ihrem Roman sehr starke Bilder. Mit einer großartigen Beobachtungsgabe beschreibt sie kleine Momente, Details, mitunter ganz alltägliche Szenen. Diese Momente versucht Lucy festzuhalten, und die Fotografie bietet ihr dazu die Gelegenheit.

Neben diesen Momentaufnahmen tritt die Handlung manchmal fast in den Hintergrund, aber sie wird doch auch dazwischen immer wieder flott vorangetrieben. Es ist schon ein großer Lebensweg, den die Autorin da auf so wenigen Seiten einfängt. Manchmal hätte ich mir dann auch gewünscht, an manchen Stellen länger verweilen zu können, nicht so rasch wieder fortgetrieben zu werden.
Denn die Themen, die angeschnitten werden, sind interessant und hätten durchaus mehr Raum verdient: die Anfänge der Fotografie, Toms Arbeit in einer Laterna-Magic-Schau, Lucys Seereise nach Indien, Australien im 19. Jahrhundert und die Gegensätze zu London, ... 
Besonders Lucys Zeit in Indien hätte gerne noch ausführlicher sein dürfen, da Gail Jones hier mit einer unglaublichen Liebe und Wärme von dem Land schreibt. Zu sehen, wie Lucy sich hier auf ihre ganz eigene Art eingliedert und nahezu aufblüht, war einfach schön.

Überhaupt ist Lucy eine interessante Protagonistin: eine junge Frau mit einem unglaublichen Lebenshunger und einem ganz eigenen Blick auf die Dinge. Anders als andere Fotografen ihrer Zeit strebt sie keine Perfektion an, sondern sucht ganz im Gegenteil eher nach Fehlern auf ihren Bildern, nach Besonderheiten, die andere mit Geringschätzung betrachten und sie doch erst richtig zum Leben erwecken.

"Sechzig Lichter" ist ein ganz besonderer, kleiner Roman, den ich trotz seiner Schwächen wärmstens weiterempfehlen kann. Sprachlich ist er nahezu herausragend. Schade nur, dass er über manche Stellen zu schnell hinwegzufliegen scheint und die Geschichte von Lucys Eltern am Anfang fast wie losgelöst vom restlichen Roman wirkt.
Im Bereich der historischen Romane über das 19. Jahrhundert ist er auf alle Fälle etwas ganz eigenständiges und bietet Abwechslung von vielen sonst immer gleichen Büchern.

Sonntag, 22. April 2012

Sonntagsgeplauder #20

Ein langer Arbeitstag ist zu Ende und es ist noch Zeit für ein wenig Sonntagsgeplauder (wozu ich letzte Woche nicht gekommen bin).

Schreibgeplauder
Ich wünschte, ich könnte endlich schreiben: Ich bin mit den Göttersteinen fertig! Leider ist das immer noch nicht der Fall. Ich habe ein bisschen weitergeschrieben und eine Szene von mittendrin umgeschrieben, aber viel mehr hat sich nicht getan. Es fällt mir so schwer, jetzt am Ende alle Fäden zumindest annähernd zusammenzuführen (es wird ja noch einen 2. Band geben). Ach, das ist schon eine zähe Sache ...

Lesegeplauder
Ich bin leider auch nicht gar so viel zum Lesen gekommen in der letzten Woche, aber ich habe heute "Endless Night" von Agatha Christie ausgelesen (an dem mich eine Sache wahnsinnig gestört hat, aber dazu dann in der Rezension mehr) und ich habe "Der Mahlstrom" von Frode Granhus zu Ende gehört. Das war ein sehr spannender Krimi, allerdings habe ich da ebenfalls den einen oder anderen größeren Kritikpunkt.
Mal sehen, was ich mir als nächstes schnappe. Da mir "Im Land des Feuerfalken" als unerwartetes Rezensionsexemplar ins Haus geflattert ist (sowas ist mir bisher noch nie passiert), werde ich das bald lesen - ich bin nur noch etwas unschlüssig, ob ich nicht "Der Krieg der Sänger" noch dazwischen schieben werde.
Daneben lese ich ja außerdem noch "Im Rausch der Stille" von Albert Sánchez Pinol, und das ist ein wirklich eigenartiges Buch. Ein wenig Phantastik, ein wenig Horror, ein wenig Philosophie - und ich weiß noch nicht, worauf das alles hinauslaufen soll. Der Anfang war sehr fesselnd, aber dann wurde es eher zäh. Ich brauche also unbedingt noch ein Buch zum flotten Parallellesen.

Challengegeplauder
Bei der Klassiker-Challenge bin ich nun schon seit einer Weile etwas faul, obwohl "Ein Spiel der Natur" bereits auf meinem SuB liegt. Zumindest diesen Roman möchte ich bis Ende Juni noch schaffen - ob ich von den fehlenden Ländern noch weitere schaffe bis dahin, wird sich zeigen.
Für die Englisch-Challenge war jetzt ein Strafbuch angesagt, was ich mit A Storm of Swords abgehakt habe. Und mit "Endless Night" habe ich auch das reguläre Buch für April geschafft.
Bei der Themen-Challenge war ich jetzt etwas faul. "Im Rausch der Stille" passt möglicherweise für das Thema "Das Böse", aber genau kann ich das wohl erst sagen, wenn ich den Roman zu Ende gelesen habe.

Suchbegriffe
Es ist mal wieder an der Zeit für ein paar besonders kuriose Suchbegriffe:

conan der barbar 2011 online anschauen
Faszinierend, dass damit sogar mehrere Leute auf meinem Blog gelandet sind.

die frau als männliche ich erzählerin
Ähm, WAS? Eine männliche Ich-Erzählerin? Ahja, alles klar ....

arthur miller, tess in hexenjadt
Okay, mal davon abgesehen, dass das eine sehr kreative Schreibweise von "Jagd" ist, gibt es in dem Theaterstück keine Tess.

fantasy umfeld intrige politik beschreiben
Ich hab zwar keine Ahnung, was genau der/die Suchende damit meint, aber die Kombination von Fantasy, Intrige und Politik ist doch sicher auf den derzeitigen "Song of Ice and Fire"-Boom zurückzuführen. ;-)

Samstag, 21. April 2012

Auf der Sonnenseite des Lebens: Maldwin

Ich wollte eigentlich die Vorstellung von Maldwin erst schreiben, wenn ich ihn endlich zu Papier gebracht habe, aber da ich einfach derzeit überhaupt nicht in einer Zeichen- oder Malphase bin, werde ich das Bild irgendwann nachreichen. (so, Bild ist nachgereicht ;-))


Selten sind meine Figuren so vom Glück begünstigt wie Maldwin Hatras: Er ist ein reicher Tuchhändler Ende 30, der in der Stadt Koron sozusagen in Saus und Braus lebt. Als Sohn eines cumeischen Händlers und einer skonländischen Adeligen wird er vom "alten" Adel in der Stadt zwar mit Geringschätzung betrachtet, aber wer soviel Geld (und als Kreditgeber so mancher wichtiger Person auch viel Einfluss) hat, kann über so etwas leicht hinwegsehen.
Dementsprechend selbstbewusst geht Maldwin durchs Leben. Er ist ein Genießer, der guten Wein, gutes Essen, gute Gesellschaft und gute Unterhaltung schätzt. Das ist wohl auch der Grund, weshalb er das königliche Theater finanziell unterstützt - wobei sein Interesse ursprünglich weniger dem Theater an sich als mehr der Schauspielerin Kudune galt, mit der er für eine kurze Zeit eine Affäre hatte.
Mittlerweile pflegt Maldwin aber mit Herun eine - wie er es selbst nennt - Liebschaft, obwohl er inzwischen mehr für sie empfindet, als sie beide wahrhaben wollen. Er war bereits einmal verheiratet, aber diese Ehe ist grandios gescheitert und seither hat er feste Bindungen gemieden. Scheidungen sind in Koron übrigens keine allzu große Sache, das nur am Rande.

Maldwin ist eine meiner ungewöhnlichsten Figuren (zumindest für meine Verhältnisse). Er ist ein gutgelaunter und scharfzüngiger Spötter, der keinerlei Selbstzweifel kennt und auch wenig Geduld mit Menschen hat, die selbst eher unsicher sind. Jegliche Minderwertigkeitskomplexe sind ihm fremd - natürlich: Er ist erfolgreich, gutaussehend und hat keinerlei Geldsorgen. Man kann sich also vorstellen, dass Bescheidenheit nicht zu seinen Stärken gehört.
Gerade deshalb finde ich ihn aber sehr erfrischend und hatte einen unglaublichen Spaß daran ihn zu schreiben.
Mein einziges Problem mit ihm ist, dass er mich oft anlügt. Das kenne ich so von keiner anderen Figur. Viele sind verschlossen oder wollen ihre wahren Gefühle verbergen, aber bei Maldwin geht es noch darüber hinaus. Bei den anderen Figuren weiß ich es immerhin, wenn sie gerade nicht ihr wahres Ich zeigen, aber bei ihm bin ich mir da oft nicht so sicher. Wieviel von seinem Charakter ist lediglich Blendwerk? Ein Ruf, den er nach außen pflegt?
Das macht ihn ab und zu etwas undurchschaubar selbst für mich - und das liegt bestimmt nicht nur daran, dass ich nie aus seiner Perspektive schreibe.

Obwohl Maldwin also einer meiner Lieblinge beim Schreiben ist, kann ich nicht behaupten, ihn wirklich gut zu kennen. Und dazu passt vielleicht auch folgende Szene ganz gut:

Während sie gemeinsam das Harbrand-Theater verließen, dachte Herun an den kalten, drohenden Tonfall von Maldwin vorher bei Mede. Das war eine Seite an ihm, die sie noch nicht gekannt hatte. “Ich scheine auch außerhalb der Bühne von Schauspielern umgeben zu sein, die ständig nur Rollen spielen.”
“Wovon redest du?”
“Wer ist der wahre Maldwin? Der, der mit freundlichem Lächeln Lügen erzählt? Der, der kalte Drohungen ausspricht? Der, der eine Abendgesellschaft mit Spott und Witzen unterhält? Oder der, der mir ohne zu fragen beisteht, wenn ich Hilfe brauche?”
Maldwin lachte. “Nun, ich bin der eine ebenso wie der andere. Wir alle tragen verschiedene Masken in verschiedenen Situationen, Herun.”
“Ich trage keine Masken.”

Mittwoch, 18. April 2012

[30 Tage übers Schreiben bloggen] 21. Frage

Hat eine deiner Figuren Kinder? Wie gut kannst du die rüberbringen?

Ich habe natürlich Figuren, die Kinder haben, aber das sind bisher nur Nebenfiguren und keine Perspektiventräger. Und ich schätze fast, dass sich das auch nicht so schnell ändern wird. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich nicht so das Händchen für Kinder habe und auch ungern aus der Sicht einer Mutter schreiben möchte.
Das liegt zum einen daran, dass ich bezweifle, dass ich diese Sicht wirklich gut rüberbringen kann. Zum anderen finde ich, dass Kinder eine Hauptperson unglaublich einschränken. Das kommt natürlich immer darauf an, was für einen Roman man schreibt. Aber zumindest bei meinen bisherigen hatte ich immer Hauptfiguren, die recht frei agieren konnten und das fand ich auch ganz gut. Natürlich gibt es oft Einschränkungen verschiedenster Art und das kann auch mal notwendig sein, aber Kinder binden eine Figur eher mal an einen Ort oder zumindest ein stetes Leben.

Davon abgesehen finde ich (kleine) Kinder eher anstrengend, um mal ganz ehrlich zu sein. Wenn ich da an diesen Jungen in "Die Straße" denke - puh, also der hat mir teilweise echt den letzten Nerv geraubt. 
Bran und Arya hingegen im "Song of Ice and Fire" mag ich sehr, aber die verhalten sich meistens auch sehr viel älter als sie eigentlich sind.
Mit wirklich "kindlichen" Kindern, die nicht schon aus irgendeinem Grund auf sich selbst gestellt sind, tu ich mir hingegen auch beim Lesen eher schwer.

Irgendwann werde ich bestimmt auch mal über Eltern schreiben bzw. kleine Kinder prominenter in einem Roman unterbringen, aber wohl eher nicht in absehbarer Zeit.

Montag, 16. April 2012

Anika Beer - Als die schwarzen Feen kamen


Genre: Contemporary Fantasy, Jugendbuch
Seiten: 448
Verlag: cbj
ISBN: 978-3570401477
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen




Die fünfzehnjährige Marie steht stets im Schatten ihrer Freundinnen, leidet immer wieder unter seltsamen Anfällen und hat seit ihrer Kindheit Träume von unheimlichen schwarzen Feen. Als der von den Mädchen umschwärmte Gabriel sie vor einem Schwarm schwarzer Feen in ihrem Schatten warnt, glaubt Marie zunächst, dass er sich mit ihr einen Scherz erlauben möchte. Aber bald wird ihr klar, dass die Feen in unsere Realität eingebrochen sind - und dass sie auf Gabriels Hilfe angewiesen ist.

Manchmal gibt es Figuren, die einem auf Anhieb sympathisch sind, und Marie ist eine davon. Trotz ihrer Unsicherheit besonders auch im Umgang mit ihren recht egoistischen Freundinnen wirkt sie nicht schwach. Sie ist einfach ein Mädchen mit Zweifeln und Ängsten, das aber durchaus eine innere Stärke hat und im Laufe des Romans immer mehr Selbstbewusstsein entwickelt.
Das liegt nicht zuletzt an Gabriel, der zu Maries Stütze wird, als sie plötzlich ganz auf sich alleine gestellt ist. Aus der Freundschaft entwickelt sich allmählich eine zarte Liebe, die sehr schön und ruhig erzählt wird. Besonders gut hat mir gefallen, dass sie langsam aufgebaut wird und nicht von jetzt auf gleich von der Liebe des Lebens die Rede ist. 

Einen düsteren Kontrast bilden dazu nicht nur die schwarzen Feen, sondern auch die Bestien, die Gabriel in den Schatten der Menschen sehen kann. Beide Konzepte sind erfrischend anders und wissen über weite Strecken des Romans zu fesseln.
Allerdings sind für mich gerade in diesem Zusammenhang einige Fragen offen geblieben. Es wird nie wirklich klar, was es mit den Bestien auf sich hat, warum Gabriel sie sehen kann und warum sie so aussehen, wie sie aussehen. Ebenso blieb mir im Bezug auf die Feen und die Obsidianstadt einiges unklar. Es muss ja nicht immer alles beantwortet und zu Tode erklärt werden, aber für mich blieben hier einige Aspekte in der Luft hängen und schienen deshalb nicht so wirklich in der Geschichte verankert zu sein.

Nichtsdestotrotz ist der Roman bis zum Ende spannend und liest sich gut und flüssig. Sprachlich gibt es da nichts zu meckern, und es fiel mir auch nie schwer in die Perspektive von Marie oder Gabriel einzutauchen. Beide kommen glaubwürdig rüber und sind angenehm vernünftig für ihr Alter.
Insgesamt ein sehr gelungenes Jugendbuch, das ich mir nur im Hinblick auf die phantastischen Elemente stellenweise etwas ausführlicher gewünscht hätte.

Mittwoch, 11. April 2012

Von Liebe Tod und Ehre - das war der März

Mit ein wenig Verspätung kommt jetzt der Monatsrückblick zur Themenchallenge. Von jetzt an werde ich den wohl nur noch alle zwei Monate machen, das ist mir sonst einfach zu stressig. Und so wahnsinnig viel gibt es dazu ja auch nicht zu berichten. ;-)

Sarah hat inzwischen schon alle 20 Themen durchlesen - gratuliere zur quasi doppelt bestandenen Challenge! 
Von kattiesbooks, wo ich nie eine Überblicksseite gefunden habe, kam bisher auch zu meiner Nachfrage, ob sie noch bei der Challenge dabei sein will, keine Antwort, daher nehme ich sie jetzt aus meiner Liste. Gänzlich von der Bildfläche verschwunden ist der Blog von poison au coeur - keine Ahnung, ob es da nur grad Probleme mit Blogger gibt oder der Blog gänzlich gelöscht wurde. Ich werde wohl demnächst nochmal vorbeischauen.

Und was hat sich sonst so getan? Ich habe mit Die Flamme erlischt das sperrige Thema Ehre abgehakt (der Roman selbst war auch sperrig) - aber mit nun 3 Büchern ist dieses Thema noch immer das Schlusslicht. 
Bei der Liebe hat StefanieEmmy mit Ewig Dein das erste Buch beigesteuert, das die dunkle Seite dieses Themas zeigt. Ich finde es schön, dass auf diese Weise eine gewisse Vielfalt reinkommt.
Dass in einem Buch durchaus mehr Themen stecken können, zeigt Antje Babendererdes "Julischatten", das mittlerweile bei sage und schreibe drei verschiedenen Themen auftaucht (Feindschaft, Freundschaft, Reise).

Und zu guter Letzt ist hier nochmal der Link zur Auflistung aller bisher rezensierten Bücher nach Themen:

Montag, 9. April 2012

George R. R. Martin - A Storm of Swords

Genre: High Fantasy
Dauer: 47 Stunden 30 Minuten (ungekürzte Lesung)
gelesen von: Roy Dotrice
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

English-Challenge (Strafbuch für März)
2. Chance-Challenge

Achtung, enthält SPOILER zu den ersten beiden Bänden (aber natürlich nicht zu diesem Band)!

Nach dem Fall von Winterfell und der Schlacht auf dem Blackwater River werden auf Westeros die Karten neu gemischt: Unter den großen Häusern bilden sich mittels Hochzeiten neue Verbindungen, manche Verbündete wechseln ihre Seiten und der Konflikt zwischen den Lannisters und den Starks strebt seinem Höhepunkt entgegen. Währenddessen ist Daenerys weit im Osten damit beschäftigt, eine Armee zusammenzustellen und die Wildlinge rüsten sich im Norden für ihren Angriff auf die Mauer.

"A Storm of Swords" knüpft nahtlos dort an, wo "A Clash of Kings" geendet hatte und wirbelt die Leser weiter durch eine Berg- und Talfahrt der Emotionen. Einige Figuren finden ihren Tod, und während ich an einer bestimmten Stelle beim ersten Mal lesen das Buch am liebsten gegen die Wand gedonnert hätte, gibt es auch den einen oder anderen Todesfall, der einem ein tiefe Genugtuung verschafft.
Diesmal, da ich schon wusste, was mich erwartete, fehlte natürlich der Überraschungseffekt, aber der 3. Band war auch beim Re-Read wieder unglaublich spannend. Es gab Szenen, die wollte ich mir am liebsten gar nicht anhören, weil ich schon wusste, dass sie mich wieder sehr aufwühlen würden - das zeigt bereits, wie gut Martin es versteht, mit den Emotionen (und auch Erwartungen) seiner Leser zu spielen.

"A Storm of Swords" bildet meiner Meinung nach den bisherigen Höhepunkt der Reihe. Es kommen zwei neue Perspektiven hinzu, wovon eine (unerwarteterweise) bald zu meiner Lieblingsperspektive wurde. Dementsprechend habe ich mich natürlich jetzt beim 2. Mal lesen darauf gefreut.
Trotz vieler Handlungsstränge bleibt die Sache noch recht übersichtlich und Martin hat die Fäden auch noch gut in der Hand, obwohl der ganze Plot immer größere Kreise zieht.
Und trotz der unglaublichen Länge von fast 50 Stunden Hörbuch bzw. 1200 Buchseiten wird der Roman einfach nicht langweilig. Ich bin allen Figuren gern auf ihrem Weg gefolgt, habe erneut mit ihnen mitgefiebert und habe manchmal wirklich bis tief in die Nacht hinein der Lesung gelauscht, weil ich nicht aufhören konnte.

"A Storm of Swords" bekommt von mir ganz klar 5 Sternchen, da es praktisch nichts an dem Roman gibt, was mich wirklich stört.

Für die Hörbuchfassung gilt das leider nicht in demselben Maße, da Roy Dotrice nicht immer der geeignete Sprecher ist. Prinzipiell ist seine Stimme sehr angenehm und man kann ihr gut lauschen, aber sobald er versucht, verschiedenen Figuren verschiedene Stimmen zu verleihen, wird die Sache eher nervig. Nicht nur, dass er einige ganz fürchterlich säuselt oder schnarrt, er bringt auch auf recht unmotivierte Art und Weise diverse Akzente und Dialekte unter. Man gewöhnt sich daran und es hat mich dann auch nicht massiv gestört (sonst hätte ich ihm kaum so lange gelauscht), aber ärgerlich ist es dennoch. Und die Lieder sind auch nicht unbedingt gelungen - da bin ich mal sehr gespannt, wie diese in der HBO-Serie umgesetzt werden.
Apropos Serie: Ich hoffe wirklich inständig, dass es eine 3. Staffel geben wird, denn "A Storm of Swords" enthält wirklich grandiose Szenen, die ich unglaublich gerne sehen würde.

Allen "A Song of Ice and Fire"-Lesern kann ich also nur sagen: Freut euch auf diesen wirklich tollen 3. Band, auch wenn ich die Hörbuchfassung nicht uneingeschränkt empfehlen kann.

Sonntag, 8. April 2012

Sonntagsgeplauder #19

Zunächst einmal wünsche ich euch allen noch frohe Ostern!
Ich hoffe, ihr hattet heute einen schönen Sonntag und allgemein - trotz Kälte und Regen - ein angenehmes Osterwochenende. Ich bin derzeit bei meiner Familie, habe am Freitag mit meinen Nichten Eier gefärbt, gestern stundenlang beim Kachelofen gelesen und heute eine Überdosis Familie genossen. Das ist ab und zu sehr schön, aber jetzt bin ich auch ganz froh, dass ich für eine Weile das Haus für mich und ein bisschen Ruhe habe. ;-)

Ich habe gerade mit Schrecken festgestellt, was ich alles noch an Posts geplant und noch nicht geschafft habe:
- Rezension zu "Als die schwarzen Feen kamen"
- Rezension zu "A Storm of Swords" (ja, ich hab es endlich zu Ende gehört!)
- Rezension zu "Sechzig Lichter"
- Porträt des Mondwolf-Verlages
- Challengeüberlick für den März

Irgendwie bin ich halt echt grad zu faul für alles, was nicht nur gemütliches Gelaber ist. *hüstel* Aber in der nächsten Woche werde ich auf alle Fälle ein paar dieser geplanten Beiträge schreiben.

Lesegeplauder
Gestern habe ich "Sechzig Lichter" von Gail Jones ausgelesen, das ein zunächst etwas sperriges, dann aber doch sehr interessantes Buch war. Neu begonnen habe ich danach mit "Endless Night" von Agatha Christie. Das wird dann mein erster Christie-Krimi auf Englisch.
Nach all den Wälzern bin ich also jetzt vorerst wieder mal bei ein paar kürzeren Büchern gelandet, was durchaus erholsam ist. Allerdings brauche ich jetzt - nach "A Storm of Swords" - ein neues Hörbuch, und ich überlege ernsthaft, ob ich nicht gleich "A Feast for Crows" ebenfalls als Hörbuch anschließen soll. Da mich der Sprecher stellenweise ziemlich genervt hat, lese ich es aber vielleicht doch besser selbst.

Schreibgeplauder
Ich bin gerade mal wieder mit einem Zeitstrahl für die "Göttersteine" beschäftigt. Ich habe ja mehrere getrennte Handlungsstränge, die sich zwischendurch auch mal vereinen, dann wieder auseinanderlaufen, sich kreuzen, aufspalten, usw. Das führt dazu, dass ich manchmal nicht mehr so genau weiß, ob die Chronologie eigentlich noch stimmt. Ich habe vor längerem schon mal alles in einen Zeitstrahl eingetragen, aber das war noch vor etlichen Kapiteln und somit ist dieser also nicht mehr auf dem neuesten Stand.
Diese Planungsarbeit rundherum um einen Roman mag ich ja eigentlich ganz gern, auch wenn es gerade ein fürchterliches Herumgerechne ist.

Zugegeben, das ist heute ein bisschen ein chaotischer Sonntagspost. Ich bekomme gerade meine Gedanken nicht so recht sortiert, was vielleicht an all dem Kindergewusel heute Nachmittag liegen könnte. Also verzeiht mir, wenn das heute ein bisschen wirr war. ;-)

Samstag, 7. April 2012

Mein erstes Jahr mit elektronischen Büchern

Nun, da ich meinen ebook-Reader seit fast einem Jahr habe, habe ich darüber nachgedacht, ob er eigentlich mein Leseverhalten verändert hat.
Es ist auf keinen Fall so, dass ich jetzt keine "normalen" Bücher mehr lese. Aber ich merke, dass ich gerade englische Bücher am liebsten auf meinem Reader lese. Es ist einfach so praktisch, wenn man unbekannte Wörter einfach mal antippt und übersetzt bekommt - vor allem, weil das tolle Collins English-German Dictionary ja auch flektierte Formen kennt. 

Deutsche ebooks lese ich hingegen viel seltener. Ich habe mir auch erst einmal eins gekauft, alles weitere waren kostenlose Klassiker oder geliehene Bücher aus der Onleihe der Städtischen Bücherei. Das Problem ist einfach, dass mir die deutschen ebooks meistens zu teuer sind. Auch wenn ich weiß, dass die tatsächlichen Druckkosten bei einem Buch nur einen sehr geringen Anteil ausmachen, gibt es da irgendeine Sperre in meinem Kopf, die sich weigert, ein ebook zu kaufen, wenn es gerade mal 1 Euro günstiger ist als das Taschenbuch.
Auch da können englische ebooks wieder punkten, da diese oft sehr günstig sind.

Unterwegs schätze ich natürlich meinen Reader sehr. Gerade bei längeren Zugfahrten hat er sich schon gut bewährt, und ich finde es erfreulich, dass ich in solchen Fällen nicht mehr so lange herumüberlegen muss, was für ein Buch ich mitnehmen soll. Gedanken wie "Hm, komm ich mit dem einen Buch aus? Ich habe aber gar keinen Platz für noch ein Buch. Und diesen dicken Wälzer möchte ich eigentlich schon gar nicht einpacken." gehören damit der Vergangenheit an.

Grundsätzlich freue ich mich darauf, wenn mein SuB so weit abgebaut ist, dass ich mir ohne schlechtes Gewissen vielleicht mal ein paar ebooks leisten kann. Derzeit habe ich nämlich meistens nur ein ungelesens ebook, das dann logischerweise auch die nächste Lektüre wird - und ich fände es schon nett, wenn ich da mal ein bisschen Auswahl hätte. 
Dennoch werde ich sicher auch in Zukunft noch gedruckte Bücher kaufen. Das liegt nicht nur an dem geringen Preisunterschied bei deutschen Büchern, sondern auch daran, dass ich manche Bücher einfach gedruckt haben möchte, wenn sie etwa besonders schön aufgemacht sind oder es sich um Folgebände einer Reihe handelt, bei der ich die ersten Bände schon im Regal stehen habe. Davon abgesehen gibt es ja auch nicht alle Romane als ebooks.

Mein Fazit also: Ich finde meinen Reader ungemein praktisch, vor allem bei englischen Büchern. Das bedeutet aber nicht, dass ich nun nur noch ebooks lese. Es ist eher ein ähnliches Nebeneinander wie etwa auch zwischen "normalen" Büchern und Hörbüchern.
Den Kauf bereue ich auf alle Fälle nicht und ich weiß eins sicher: Sollte mein Reader mal kaputt werden (ich habe ihn ja schon gebraucht gekauft, also wer weiß, wie lange er noch hält), werde ich mir bestimmt einen neuen zulegen. Denn ganz ohne kann ich es mir schon gar nicht mehr vorstellen.

Mittwoch, 4. April 2012

Guy Gavriel Kay - Tigana


Genre: Fantasy
Seiten: 816
Verlag: Harpercollins
ISBN: 978-0007342044
Meine Bewertung: 4,5 von 5 Sternchen

English-Challenge  (März) 


Vor 18 Jahren eroberten zwei Magier und ihre Truppen den Kontinent "the Palm" und teilten die Länder unter sich auf: Alberico von Barbadior besetzt den Osten, Brandin von Ygrath den Westen. Von den eroberten Ländern hat es Tigana am schlimmsten getroffen. Als Rache für seinen dort getöten Sohn hat Brandin die Städte nicht nur dem Erdboden gleichgemacht, sondern auch den Namen und die Vergangenheit des Landes aus der Erinnerung all jener getilgt, die nicht selbst dort geboren wurden.
In all den Jahren aber haben einige Überlebende aus Tigana im Verborgenen daran gearbeitet, die beiden Eroberer zu vertreiben und ihrem Land den Namen wieder zu geben. Und jetzt ist für sie die Zeit reif, um all die Pläne in die Tat umzusetzen und sowohl Alberico als auch Brandin zu töten.

Ich liebe die Romane von Guy Gavriel Kay. Obwohl in einem Fantasysetting angesiedelt, sind einige dennoch eher "historische" Romane in einem verfremdeten Umfeld ohne jegliche magischen Elemente. Anders "Tigana", denn hier spielt Magie durchaus eine wichtige Rolle. Dennoch handelt es sich bei dem Roman eher nicht um typische Fantasy. Um die zentralen Themen Erinnerung, Identität, Freiheit und Rache herum entwickelt sich ein Geflecht aus Beziehungen, politischen Wirren und Intrigen.
Wer also große Action und Schlachten erwartet, wird mit diesem Roman nicht unbedingt glücklich werden.

Im Mittelpunkt stehen vielmehr die Figuren und ihre Vergangenheit. Kay schlüpft dabei nicht nur in die Perspektive der Rebellen, sondern auch in jene der beiden Eroberer. Dass hier nicht einfach auf der einen Seite die Guten und auf der anderen die Bösen stehen, wird schnell klar. Gerade Alessan di Tigana greift bisweilen durchaus zu fragwürdigen Methoden, die auch seine Begleiter zeitweise an seinen Handlungen zweifeln lassen. Und umgekehrt ist Brandin bei all seiner Unerbittlichkeit und den fast alles überschattenden Rachegefühlen doch auch ein sehr leidenschaftlicher und faszinierender Mann, dessen Charisma man sich beim Lesen nur schwer entziehen kann.
Bei aller Ambivalenz findet man bei Kay doch noch so etwas wie "klassische" Helden - ganz im Gegensatz zu George R.R. Martins Figuren etwa. Das findet man eigentlich mittlerweile in der Fantasy eher selten: Figuren, die vielschichtig und gut durchdacht sind und doch den Hauch von edelmütiger Größe an sich haben. Und ich muss sagen, ich mag diese Helden von Kay. Sie alle haben eine Intelligenz und Tatkräftigkeit gemeinsam, die durchaus erfrischend ist, vor allem, wenn man schwache und planlose Figuren so wenig mag wie ich.

Das Setting lässt sich am ehesten vielleicht mit Italien in der Renaissance vergleichen, wobei die Parallelen zu realen Vorbildern in "Tigana" nicht so groß sind wie in anderen seiner Romane. Die Welt wirkt jetzt nicht unbedingt bis ins Detail ausgearbeitet, ist aber doch mit ihrer Kultur, ihrer Religion und den lokalen Sitten sehr greifbar.

Sprachlich habe ich diesen Roman von Kay ebenso großartig gefunden wie seine anderen, auch wenn ich mit dem Englisch manchmal zu kämpfen hatte. Mittlerweile hat sich die personale Perspektive in der Fantasy stark durchgesetzt, aber Kay schreibt da etwas eigenwilliger. Er zoomt immer mal wieder aus seinen Figuren heraus, macht auktoriale Einschübe, Vorausdeutungen und in einem hohen Maß auch Rückblenden. Sowas kann schiefgehen, aber bei Kay liest sich das alles sehr flüssig und stimmig. Kurz gesagt: Ich liebe seinen Stil einfach!

Bei all dem Lob hat "Tigana" aber auch ein paar Schwachpunkte. So wird der Zufall (vor allem, wenn es darum geht, dass wichtige Figuren einander immer wieder über den Weg laufen) ab und an überstrapaziert und die Liebe zu ihrem Land ist bei manchen Personen stellenweise schon etwas nervig.
Das ändert nichts daran, dass ich den Roman insgesamt wirklich toll fand und fast traurig bin, dass ich ihn schon zu Ende gelesen habe. Ich vermisse die Figuren und hätte sie gern noch länger auf ihrem Weg begleitet. Dennoch hat "Tigana" mich nicht ganz so sehr begeistert wie etwa "A Sarantine Mosaic", also gibt es "nur" 4,5 Sternchen.

Sonntag, 1. April 2012

Ein halber Sonntags-Lesemarathon

Wie schon in meinem Sonntagsgeplauder angekündigt, habe ich heute mal wieder einen kleinen Lesetag eingeplant. Okay, oder zumindest einen Lesehalbtag. ;-)
Ich hab mal wieder einen freien Sonntag, draußen ist es kalt und verregnet und bei mir geht lesetechnisch gerade nicht viel weiter - das sind doch die besten Voraussetzungen für so einen Nachmittag voller Bücher. Kix hat überlegt, ob er auch ein wenig mitmacht - das wäre natürlich sehr erfreulich. :-)

Was tummelt sich bei mir grad so an Büchern?
Da sind einerseits jene drei, die ich gerade lese, nämlich:
Bei "Tigana" und "Als die schwarzen Feen" kamen fehlen mir jeweils noch etwa 100 Seiten, wobei ich bei ersterem recht langsam bin - nicht nur, weil es auf Englisch ist, sondern auch, weil es stellenweise nicht ganz einfach zu lesen ist. Und von "A Storm of Swords" (ungekürztes, zweigeteiltes Hörbuch) fehlen mir nun noch 8 Stunden, das werde ich heute also sicher nicht zu Ende hören. Aber ein bisschen was würde ich schon gern schaffen.
Davon abgesehen habe ich hier gerade einen Roman zum Betalesen und ich arbeite mich gerade intensiv durch Millers "Hexenjagd" als Vorbereitung für die demnächst anstehende Probenzeit.
So gesehen sind es also fünf Bücher, denen ich heute einige Stündchen widmen möchte.

Update um 16:00
"Als die schwarzen Feen kamen" habe ich jetzt ausgelesen, dazu wird es dann auch demnächst eine Rezension geben. Mir hat der Roman sehr gut gefallen, trotz kleiner Kritikpunkte zum Schluss hin. Überhaupt habe ich seit "Die Flamme erlischt" wieder deutlich mehr Glück mit meinem Lesestoff. "Tigana" ist ja auch super - daran werde ich heute sicher noch weiterlesen.
1 Stunde habe ich jetzt auch wieder bei "A Storm of Swords" gelauscht und dabei geknüpft. Meine Handytasche sieht allmählich ihrer Vollendung entgegen. :-)

Die Zeit fliegt nur so dahin - 20:00
Und schon ist wieder der ganze Nachmittag rum, unglaublich. Ich habe inzwischen "Hexenjagd" nochmal durch (inklusive vieler Notizen zu den Figuren), brav weiter betagelesen und auch ein bisschen an "Tigana" gelesen.
Zwischendurch war ich auch noch mit DVD-gucken beschäftigt, da ich parallel zu meinem re-read von "A Storm of Swords" gerade ein - hm, wie nennt man das dann - re-show(?) von "A Game of Thrones" mache, um mich für die 2. Staffel zu rüsten, die heute auf HBO beginnt. Ja, es ist gerade alles ein wenig gar viel "A Song of Ice and Fire". Ich hab den Kopf nur noch voll mit Westeros und all den Leuten dort. Wenn das so weitergeht, fang ich noch an Dothrakisch zu sprechen ... ;-) 

Jenseits von Mitternacht ... 
Ja, zu später Stunde habe ich nun auch noch "Tigana" ausgelesen. Es war zum Ende hin sehr spannend und schön und berührend. Die Schwächen, die der Roman im Mittelteil hatte, können doch nichts daran ändern, dass der Gesamteindruck mehr als positiv ist. Ob ich ihn so toll fand wie die anderen Romane von Kay, die ich gelesen habe, da bin ich mir noch nicht so sicher, wobei das jetzt auch das erste Buch von Kay war, das ich vollständig auf Englisch gelesen habe. Der Eindruck von gewissen Längen mag also auch einfach daher kommen.
In jedem Fall aber wars schön, mal wieder was von diesem Autor zu lesen, der mich bisher noch mit keinem seiner Bücher enttäuscht hat. :-) 

Sonntagsgeplauder #19

Lesegeplauder
 Puh, bei mir geht echt gefühlt derzeit nicht viel weiter. Naja, nicht nur "gefühlt" - immerhin habe ich im März nur 4 Bücher gelesen, was gerade angesichts der langen Zugfahrten zur Leipziger Buchmesse recht wenig ist.
Da ich heute einen freien Sonntag habe (juhu!), habe ich überlegt, mal wieder einen kleinen Lesetag einzulegen. Dazu werde ich also eventuell später noch einen gesonderten Beitrag schreiben.

Challengegeplauder
Tja, nun ist es tatsächlich passiert: Ich habe im März kein englisches Buch zu Ende gelesen. Das heißt also, dass für die Englisch-Challenge ein Strafbuch im April fällig ist. Naja, das beunruhigt mich jetzt allerdings nicht sehr, da ich mich ja bei "Tigana" sowie "A Storm of Swords" tatsächlich mal dem Ende nähere und daher ein weiteres englisches Buch in diesem Monat relativ gut schaffen sollte (solange ich nicht gleich wieder so einen Wälzer auswähle).
Ansonsten gibt es in den nächsten Tagen wieder einen monatlichen Überblick zur Themen-Challenge. Mal sehen, was sich da im März alles getan hat.

Bloggeplauder
Ich habe im April ein Porträt des Mondwolf-Verlages geplant, wobei ich noch nicht genau weiß, wann ich dazukommen werde. Aber auf alle Fälle wird es das noch innerhalb dieses Monats geben.
Ansonsten möchte ich jetzt auch wieder etwas mehr zum Schreiben bloggen - seien es nun weitere Antworten zu den 30 Tage übers Schreiben bloggen-Fragen oder auch mal wieder eine Figurenvorstellung. Außerdem arbeite ich schon länger an einer kleinen Überblicksseite über meine Romane, aber ich scheitere noch immer an der kurzen, inhaltlichen Zusammenfassung der "Göttersteine". ;-)

Ja, das wars jetzt vorerst. Neue Bücher sind in der letzten Woche nicht dazugekommen, was auch gut so ist, da mein SuB-Abbau-Plan eigentlich vorsieht, dass ich meinen Stapel bis Ende April auf 20 Bücher runterbringe. Na, ob das was wird? Das hängt vor allem davon ab, ob ich nun wieder etwas mehr zum Lesen komme als im März.

Und ansonsten: Stichwort 1. April. Seid ihr eigentlich schon mal sozusagen von einem Blog in den April geschickt worden oder habt das selbst auf eurem Blog getan? George R.R. Martin hat das ja etwa letztes Jahr mit sehr viel Selbstironie getan, was ich wirklich lustig gefunden habe (auch wenn ich sonst nicht so der große Fan von Aprilscherzen bin). Mal sehen, ob er sich in diesem Jahr auch wieder was einfallen lässt.