Donnerstag, 29. September 2011

Simon Beaufort - Das Geheimnis der Heiligen Stadt


Genre: Historischer Roman
Seiten: 394
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3404153442
Meine Bewertung: keine, da ich das Buch abgebrochen habe

Historien-Challenge (Die Kreuzzüge)



Kurz nach dem ersten Kreuzzug, ein Jahr nach der Eroberung von Jerusalem, erschüttert eine Mordserie die Heilige Stadt. Geoffrey Mappestone, ein Kreuzritter in den Diensten von Tankred von Tiberias, wird beauftragt, den Schuldigen zu finden. Doch bei seinen Ermittlungen gerät er zwischen die Fronten und kann bald selbst seinen engsten Freunden nicht mehr trauen.

Folgendes vorweg: Ich breche selten Bücher ab und dachte, ich müsste diesen Roman auf jeden Fall zu Ende lesen (weil er für die Historien-Challenge ist), allerdings habe ich festgestellt, dass es erlaubt ist, eines der Challenge-Bücher abzubrechen, wenn man wenigstens bis Seite 100 gelesen hat. Daher "muss" ich jetzt dennoch eine Rezension schreiben. Behaltet dabei bitte im Hinterkopf, dass ich den Roman nur bis Seite 252 gelesen habe.

Dass ich das Buch abgebrochen habe, sagt im Grunde schon aus, wie es mir gefallen hat: nämlich gar nicht. Ich versuche mal zu ergründen, was ich daran so schlecht fand.
Zunächst einmal konnte ich mit den Figuren, allen voran mit Geoffrey selbst, nichts anfangen. Klischees und Verallgemeinerungen haben mir jeden Zugang zu ihnen verwehrt. Praktisch alle Mönche sind fett, gierig und stellen den Frauen nach; alle Kreuzritter bis auf Geoffrey sind dumme Plünderer und jederzeit gern für ein Massaker zu haben. Ich bezweifle gar nicht, dass das auf viele auch zutraf, aber dennoch hätte ich mir hier eine etwas differenzierte Darstellung und etwas mehr Graustufen gewünscht.
Geoffrey hingegen ist ein durch und durch moderner Mensch, der in seinem gesamten Denken und Verhalten anders ist. So etwas ist in historischen Romanen nicht selten und eine gewisse Modernisierung braucht man wohl, um sich in die Figuren hineinversetzen zu können, aber Geoffrey ist wirklich ein Extrembeispiel. Ich möchte hier kurz die SPQR-Krimis von John Maddox Roberts erwähnen (ja, ich bin ein Fan davon): Auch hier ist Decius in einigen Punkten ein echter Exot unter den restlichen Römern, aber dennoch wirkt er in seiner Kultur fest verankert und bei vielen Themen (etwa Sklaverei) ganz klar von seiner Zeit geprägt.
Bei Geoffrey konnte ich so etwas gar nicht feststellen. Seine ethischen und moralischen Grundsätze sind völlig modern und es gibt nichts, was ihn in seiner Zeit und Kultur verankert. Den Kreuzzug hat er übrigens nur mitgemacht, weil er Interesse an fremden Kulturen hat und die arabischen Wissenschaften genauer studieren will. Natürlich ist er auch durch und durch gerecht, edel, hilfreich und gut, macht sich nichts aus Reichtümern und ist gebildet ohne Ende.
Ob es dann auch noch eine Liebesgeschichte mit einer äußerst selbstbewussten, klugen und schlagfertigen Frau gibt, die offensichtlich im Zusammenhang mit den Morden steht, konnte ich allerdings nicht mehr feststellen ...

Stichwort fremde Kulturen: Trotz teilweise recht ausführlicher Beschreibungen konnte der Autor mir Jerusalem um 1100 nicht greifbar machen. Ich hatte nie das Gefühl, wirklich drinnen zu sein oder die Stadt spüren zu können. Und trotz aller Problematik mit den Kreuzrittern und den Geistlichen kam es mir auch nicht vor, als würde mir diese Zeit irgendwie nahegebracht werden.
Das mag unter anderem auch am Schreibstil liegen, der nicht direkt schlecht ist, aber sehr hölzern wirkt.

Und als wäre das alles nicht genug, konnte mich auch der Kriminalfall nicht fesseln. Vielleicht lag es daran, dass ich mich durch meine ganzen Probleme mit dem Roman nicht mehr so gut darauf konzentrieren konnte, aber ich konnte überhaupt nicht mehr durchblicken und auch Geoffreys Verdächtigungen nicht wirklich nachvollziehen.
Spannung kam daher für mich gar nicht auf - wer nun die Morde begangen hat und warum ist mir, ehrlich gesagt, herzlich egal.
Dass ich einen Krimi ohne mit der Wimper zu zucken abbreche, nachdem ich schon über der Hälfte war, ist wirklich eine Premiere. Aber in mir ist nicht die geringste Neugierde, wie sich nun alles auflöst.

Ich bin nun wirklich erleichtert, dass ich den Roman abbrechen kann und kann ihn - was für eine Überraschung ;-) - nicht weiterempfehlen.

Dienstag, 27. September 2011

Maggie Stiefvater - Forever


Genre: Contemporary Fantasy
Verlag: Scholastic Audio
Dauer: 12 Stunden 16 Minuten (ungekürzte Lesung)
gelesen von: Maggie Stiefvater, Jenna Lamia, Pierce Cravens, Dan Bittner, Emma Galvin
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

English-Challenge (September) 


Achtung: Die folgende Rezension enthält Spoiler für den 1. und 2. Band 


Seit Grace am Ende von "Linger" zum Wolf wurde, versucht Sam weiterhin sein Leben zu leben, während Cole der Problematik der Verwandlungen auf wissenschaftliche Weise zu Leibe rückt. Dass Sam verdächtigt wird, etwas mit Graces Verschwinden zu tun zu haben, macht die Lage nicht gerade einfacher. Mit dem Frühling kehrt endlich Grace zurück, doch das Wiedersehen wird getrübt von dem Fund eines toten Mädchens und Tom Culpepers Versuche, die Jagd auf die Wölfe von Mercy Falls zu legalisieren.

Es gibt ein paar Dinge, die ich ganz allgemein zu der "Wolves of Mercy Falls"-Trilogie loswerden möchte: Ich war zunächst sehr skeptisch und erwartete eine weitere Romanze mit einem schwachen Mädel, das sich ihrem Liebsten sofort an den Hals wirft und in einer Tour von ihm gerettet werden muss. Aber Maggie Stiefvater überraschte mich mit sehr überzeugend ausgearbeiteten Figuren, die wirklich wunderbar miteinander harmonieren. Der nüchternen, praktisch veranlagten und selbständigen Grace steht der gefühlsbetonte und kreative Sam gegenüber. Beide sind sehr unterschiedlich und doch passte die Chemie zwischen ihnen von Anfang an. Daher fand ich im ersten Band die Liebesgeschichte wirklich bewegend und nachvollziehbar.
Was ich allerdings nicht ganz so nachvollziehbar fand, war der ganze Erklärungsversuch der Verwandlungen. Und im 2. Band wurde das für mich immer abstruser und unlogischer. Auch sonst hat mir "Linger" deutlich weniger gefallen als der "Shiver", und so stand ich auch "Forever" recht skeptisch gegenüber.

Aber ich bin nun durchaus zufrieden mit dem Abschluss der Trilogie. Zwar hat der Roman ein paar Längen und könnte gerade in der ersten Hälfte etwas gestrafft werden, aber dann nimmt die Handlung an Fahrt auf und wird deutlich zielgerichteter.
Die ganze Theorie mit der Werwolf-Sache ist zwar für mich immer noch nicht ganz logisch, aber da der 3. Band im Plot weniger darauf aufbaut, fiel es mir hier nicht mehr so störend auf. Die Liebe zwischen Grace und Sam fand ich auch hier wieder sehr schön dargestellt, wobei die romantischen Szenen weniger Raum einnehmen als in den vorigen Bänden (was nicht unbedingt ein Nachteil ist).
Auch die Perspektiven von Cole und Isabel waren gut ausgearbeitet und ich konnte mich jetzt auch deutlich besser mit Cole anfreunden als noch in "Linger".

Was mir an der gesamten Trilogie gut gefallen hat, ist die Darstellung der Wölfe. Man hat beim Lesen das Gefühl, als würde die Autorin diese Tiere wirklich lieben, wodurch die Szenen mit den Wölfen und aus Wolfssicht sehr gefühlvoll wirken. In diesem Band spielen sie fast noch mehr Rolle als in den vorigen Bänden, was mich persönlich sehr gefreut hat.

Und schließlich fand ich auch das offene Ende sehr passend, auch wenn nicht alle Handlungsstränge zu einem wirklich Ende geführt werden und es den Lesern in einigen Punkten selbst überlassen bleibt, sich alles weitere auszumalen.

Noch ein paar Worte zur Hörbuch-Fassung: Es gibt für alle Ich-Erzähler eigene Sprecher(innen), die meiner Meinung nach auch allesamt gut für die jeweilige Perspektive passen. Mit dem Englisch hatte ich hier anfangs deutlich größere Schwierigkeiten als beim selbst lesen, aber ich habe mich schnell hineingefunden.
Maggie Stiefvater hat einen wirklich schönen, gefühlvollen Stil, und die Sprecher(innen) haben das auch sehr gut transportiert. Einzig die Rilke-Zitate klingen ungewollt komisch, da das Deutsch kaum verständlich war. Aber da sie nur selten vorkommen, war das kein allzu großes Problem.

Für diesen schönen und streckenweise auch sehr spannenden Abschluss der Trilogie gibt es von mir 4 Sternchen.

Sonntag, 25. September 2011

[30 Tage übers Schreiben bloggen] 1. Frage

1. Erzähl uns von deinem Lieblingsschreibprojekt/der Lieblingswelt, mit der du gearbeitet hast, und warum?

Hm, ich weiß nicht, ob ich von einem Lieblingsprojekt sprechen kann. Mein langjähriges Herzensprojekt "Göttersteine" ist schon etwas ganz besonderes für mich, aber andererseits hat mir auch das Schreiben der "Frostpfade" viel Spaß gemacht, und meine Leute aus "Bühnenzauber" haben sich auch schon sehr dauerhaft in meinem Kopf eingenistet.
Es gibt aber etwas, das diese drei Projekte gemeinsam haben: Sie alle sind in meiner Fantasywelt Acarneya angesiedelt. Es ist vielleicht etwas seltsam, von einer "Lieblingswelt" zu sprechen, wenn man nur diese eine hat. Allerdings habe ich schon Romane in unserer Welt und in einer Parallelwelt angesiedelt, und in beiden habe ich mich schreiberisch nicht so wohlgefühlt wie in Acarneya.
Acarneya ist nun schon recht alt und war zunächst nur als Hintergrund für die damalige Urfassung der Göttersteine gedacht. Allerdings wurde die Welt zum Selbstläufer, und so habe ich eigentlich jahrelang fast nur an der Welt gebastelt und sehr wenig geschrieben. Ich habe einfach einen ungeheuren Spaß daran, Karten zu zeichnen, mir kleine Details zu überlegen oder mich von irdischen Kulturen inspirieren zu lassen und sie zu etwas eigenem zu machen.
Ursprünglich war Acarneya überhaupt nur als eine alternative "historische" Welt gedacht - mit wenig Magie und ohne fremdartige Wesen. Da allerdings meine "Göttersteine" sehr magische High Fantasy sind, war zumindest ersteres von Anfang an kaum zu realisieren (und fremde Wesen haben sich auch bald eingeschlichen). Es gibt aber nur noch wenige Magier und es gibt auch nicht mehr überall Magie, was mir die Möglichkeit bietet, dort auch ganz "unmagische" Romane anzusiedeln (wie etwa meine "Frostpfade").
Allgemein mag ich es, dass Acarneya mir viele Möglichkeiten bietet. Da es durchaus sehr verschiedene Kulturen dort gibt (die als verbindendes Element wohl ein prä-mittelalterliches Feeling haben), lassen sich auch ganz unterschiedliche Projekte darin verwirklichen. Daher kann ich mir vorstellen, in nächster Zeit auch noch mehr Romane in Acarneya anzusiedeln. Und auch darüber hinaus gibt es in "meiner" Welt noch viel für mich zu entdecken.

[30 Tage übers Schreiben bloggen] Übersicht

Es gab schon zwei Runden der "31 Tage - 31 Bücher" und immer wieder machen Stöckchen mit Fragen übers Lesen die Runde. Bei Maja habe ich nun 30 Fragen über das Schreiben gefunden - diese kursieren offensichtlich (auf Englisch) schon länger in der Autorenblogwelt, aber ich bin erstmals durch Maja darauf aufmerksam geworden. Ich werde ihre Übersetzung der Fragen (vielen Dank!) übernehmen und sie auch in einem anderen Punkt ganz frech nachahmen: Da ich nicht 30 Tage lang hintereinander nur diese Fragen beantworten möchte, werde ich von Zeit zu Zeit immer wieder mal eine beantworten.

1. Erzähl uns von deinem Lieblingsschreibprojekt/der Lieblingswelt, mit der du gearbeitet hast, und warum?
2. Wie viele Figuren hast du? Bevorzugst du Männer oder Frauen?
3. Wie kommst du auf Namen für Figuren (und für Orte, wenn du über fiktive Orte schreibst)?
4. Erzähl uns von einer deiner ersten Geschichten/Figuren!
5. Dem Alter nach, wer ist deine jüngste Figur? Die Älteste? Wer ist “am jüngsten” und “am ältesten” im Bezug auf den Erschaffungszeitpunkt?
6. Wo schreibst du am liebsten? Zu welcher Tageszeit? Computer oder traditionelles Schreibzeug?
7. Hörst du Musik beim Schreiben? Was für welche? Hast du Lieder, die genau zu deinen Figuren passen?
8. Welches Genre schreibst du am Liebsten? Welches liest du?
9. Wie kommst du an die Ideen für deine Figuren? Beschreibe den Erschaffungsprozess!
10. In welche wirklich seltsamen Situationen hast du deine Figuren gebracht? Es zählen sowohl “richtige” Szenen aus den Geschichten als auch Mems und Spielereien
11. Über welche Figur schreibst du am liebsten? Am ungernsten?
12. In welcher Geschichte hast du die beste Welt gebaut? Hast du ein paar Tipps dazu?
13. Über welche Kultur - fiktiv oder echt - schreibst du am liebsten?
14. Wie erstellst du, so gebraucht, Stadtpläne und Landkarten? Hast du welche zum Vorzeigen?
15. Halbzeit! Erzähl uns von einem Schriftsteller, den du bewunderst, egal ob Profi oder nicht
16. Schreibst du über romantische Beziehungen? Wie tust du das, und wie weit bist du beim Schreiben bereit zu gehen?
17. Lieblingsprotagonist! Warum?
18. Lieblingsschurke! Warum?
19. Lieblingsnebenfigur, die sich in Rampenlicht gedrängt hat - und warum!
20. Über welche Begegnungen und Handlungen schreibst du am liebsten?
21. Hat eine deiner Figuren Kinder? Wie gut kannst du die rüberbringen?
22. Erzähl von einer Szene zwischen deinen Figuren, die du nie geschrieben oder jemandem erzählst hast. Sie muss nicht ernst gemeint sein.
23. Wie lange brauchst du normalerweise, um eine ganze Geschichte fertigzustellen - vom Planen über das Schreiben bis zur Online-Veröffentlichnug (wenn du deine Arbeiten postest)?
24. Wie bereit bist du, deine Figuren zu töten, wenn der Plot danach verlangt? Was ist die interessanteste Art, auf die du jemanden umgebracht hast?
25. Haben irgendwelche Figuren von dir Haustiere? Erzähl uns von ihnen!
26. Nun zur Kunst! Zeichnest du deine Figuren? Zeichnen andere sie? Nimm eine deiner eigenen Figuren und zeig uns sein Lieblingsbild von ihr!
27. Überhaupt, spielt Äußerlichkeiten eine große Rolle in deinen Geschichten? Erzähl uns davon, oder wenn nicht, wie du deine Figuren ansonsten entwirfst
28. Hast du schon einmal über eine Figur mit körperlichen oder geistigen Behinderungen geschrieben? Beschreibe sie, und wenn es keine passenden Hauptcharaktere gibt, dann vielleicht ein paar Nebenfiguren?
29. Wie oft denkst du ans Schreiben? Bist du schonmal im Alltag über etwas gestolpert, das dich eine Geschichte oder Figur erinnert hat?
30. Letzte Frage! Stups jemanden an! Und sag uns, was du über denjenigen als Autor und/oder über eine seiner Figuren denkst.

Donnerstag, 22. September 2011

Auf der Suche nach der Muse: Gabran

Hier kommt nun Gabran, der jüngere Bruder von Herun. Leider schreibt er sich nicht ganz so gut wie seine Schwester. Dabei kann ich nicht einmal behaupten, dass ich wirklich Probleme mit seiner Perspektive habe, aber er nervt mich manchmal unglaublich ...

Gabran ist 25 Jahre alt, hat dunkle wuschlige Haare und graugrüne Augen wie Herun. Er ist Dichter am königlichen Theater, was in der dort üblichen Theaterpraxis bedeutet, dass er zugleich als "Regisseur" mit den Darstellern die Stücke probt.
Vom Charakter her ist Gabran ganz anders als Herun. Er ist ein Träumer und ein Idealist, ein zutiefst unsicherer Mensch und dazu ziemlich wechselhaft. Seine Stimmungen wechseln quasi von himmelhochjauchzend zu zu Tode betrübt. Und ganz ähnlich ist es auch mit dem Schreiben: Manchmal arbeitet er nächtelang wie besessen an einem Stück, dann wieder schreibt er gar nicht und fühlt sich völlig nutzlos. Zu Beginn des Romans befindet sich Gabran gerade in so einem Tief, in dem er keine Ahnung hat, was er schreiben soll. Er schreibt für das Theater vor allem Liebestragödien. Die junge Hauptdarstellerin am königlichen Theater findet er ganz furchtbar, daher fühlt er sich auch nicht inspiriert, Stücke für sie zu schreiben. Was er dringend braucht, ist also eine Muse.

Auch im wirklichen Leben träumt Gabran von der großen Liebe. Er hält sich selbst meistens für nicht besonders liebenswert und hat Angst, für immer alleine zu bleiben, was für ihn ein schrecklicher Gedanke ist.
Wenn Gabran verliebt ist, dann macht er seine Angebetete (anders kann man das bei ihm echt nicht bezeichnen) zum Mittelpunkt seines Lebens. Er neigt dazu, sich schnell ein fixes (sehr idealisiertes) Bild von einer Frau zu machen und an dem festzuhalten. Fehlern gegenüber ist er also erst einmal blind.
Man sollte allerdings nicht den Fehler machen und Gabrans Naivität und seine verträumte Art für Dummheit zu halten. Das Problem ist, dass er manches nicht sehen will und nicht, dass er es nicht sehen kann.

Als Dichter ist Gabran sehr talentiert - wenn er schreibt, dann schreibt er wirklich gut. Er schafft es normalerweise, eine Balance zu finden zwischen dem, was das Publikum erwartet und neuen, innovativen Ideen für das Theater. Ein paar von seinen bisherigen Stücken werden inzwischen auch an zahlreichen anderen Theatern gespielt, was angesichts seines jungen Alters recht bemerkenswert ist.

Aus schreiberischer Sicht finde ich Gabran zeitweise recht anstrengend. Seine Stimmungsschwankungen sind da weniger das Problem als sein Herumgejammere, seine oft negative Einstellung und seine Verbohrtheit, wenn man es so bezeichnen möchte. Er begreift nicht, dass er nicht von sich selbst auf andere schließen kann.
Da er selbst recht hohe moralische Ansprüche und die Vorstellung von der einen wahren Liebe hat, ist ihm das Verhältnis zwischen seiner Schwester und dem Händler Maldwin ein Dorn im Auge. Dass Herun da vielleicht ganz andere Vorstellungen als er hat und Maldwin außerdem durchaus imstande ist, seine Schwester glücklich zu machen, versteht er nicht. Gabran kann Maldwin nicht ausstehen, und dass der Händler ihn mit seinem Selbstbewusstsein und seinem manchmal beißenden Spott einschüchtert, ist da nicht eben hilfreich.
Diese ganze Sache treibt auch einen ziemlichen Keil zwischen die beiden Geschwister, die sich sonst eigentlich sehr nahe stehen.

Die folgende Szene ist vom Anfang des Romans und zeigt Gabran an einem seiner absoluten Tiefpunkte. Dazwischen habe ich ein Stück rausgenommen, weil das sonst recht lang geworden wäre.

Ein Klecks Tinte auf dem sonst leeren Blatt Papyrus. Der Klecks formte ein Gesicht, das Gabran ansah. Ihn verhöhnte.
Um ihn herum brach die Dämmerung herein. Gabran rieb sich die müden Augen und überlegte, ob er sich den Luxus gönnen sollte, eine Öllampe zu entzünden. Vermutlich wäre es eine Verschwendung. Wozu überhaupt Licht, wenn es ohnehin nur den Tintenklecks ausleuchten würde, der ihn weiterhin verspottete? Dennoch stand er auf und verließ mit der Lampe seine Kammer. Auf dem Gang hatte der Hausdiener wie erwartet bereits die Kerzen in den Halterungen entzündet. Gabran hielt den Docht der Lampe an die Flamme. Als sie hell aufloderte, trug er die Lampe behutsam zurück in seine Kammer. Im flackernden Licht schien das Gesicht auch noch zu lachen.

Kein Wort. Kein Wort. Du wirst wieder kein Wort schreiben.
Nun hatte der Klecks bereits eine Stimme bekommen. Gabran ließ den Kopf in seine Hände sinken. Die Stimme hatte Recht. Er würde an diesem Abend erneut schlafen gehen, ohne dem Tintenklecks Wörter hinzugefügt zu haben. So wie all die Tage zuvor ebenfalls. Doch sobald er versuchte, mit Worten das Bild einer jungen Schönheit zu formen, einer bezaubernden Liebenden, sah er vor sich die unscheinbare Susa. Und er hörte ihre leise, zögernde Stimme, die kaum das Theater zu erfüllen vermochte.
(...)
Gabran rollte den Papyrus zusammen und verdeckte so den Tintenklecks, der ihn höhnisch verlachte. Mittlerweile war es dunkel geworden. Wieder ein Abend der Leere. Er hatte nichts geschrieben, und auch sonst gab es nichts, das sein Leben erfüllte. Tagsüber probte Gabran mit den Schauspielern Stücke, in denen sich Männer und Frauen fanden und miteinander glücklich wurden. Oft war es nur für eine kurze Zeit, ehe das Schicksal sie wieder auseinanderriss, meistens durch den Tod. Aber immerhin hatten sie dann vor ihrem Tod geliebt und gelebt. Das was er hatte, das war kein Leben. Das war nur Leere und Kälte und Einsamkeit. Manchmal fingen ihn die Worte auf und verliehen seinem traurigen Dasein einen Sinn. Doch zur Zeit hatte er auch die Worte nicht.

Dienstag, 20. September 2011

Die 2. Chance Challenge

So, jetzt ist es fix: Ich werde bei Jessis 2. Chance Challenge mitmachen, bei der es darum geht, ein Buch, das man bereits gelesen hat, nochmal zu lesen (sei es, weil man es so toll fand oder weil man ihm eine 2. Chance geben möchte).

(mit Klick auf das Bild kommt ihr zu Jessis Challenge-Beschreibung)

Die Challenge geht vom 1. Oktober 2011 bis zum 1. Oktober 2012. verlängert bis 1. Dezember 2012! In dem Zeitraum sollen 12 Bücher gelesen werden, wobei die Voraussetzung nur ist, dass man das Buch nicht zum ersten Mal liest.
Rezensionen müssen nicht zwingend geschrieben werden, zumindest aber ein Hinweis dazu, dass man das Buch für die Challenge gelesen hat und wie die Eindrücke waren.
Ein Einstieg in die Challenge ist jederzeit möglich und es muss keine Bücherliste im Voraus erstellt werden.

Ich finde die Challenge-Idee sehr schön, da es einige Bücher gibt, die ich gern nochmal lesen möchte (weil ich sie sehr mag) und auch welche, die ich nochmal lesen möchte, um bei einer Serie wieder den Anschluss zu finden. Gerade letzteres ist oft etwas mühsam, da ich meist auf den neu erschienen Band neugierig bin, gleichzeitig aber weiß, dass ich aus den vorigen Bänden schon viel zu viel vergessen habe und sie vorher also nochmal in Angriff nehmen sollte. Gerade da ist so eine Challenge dann ein netter zusätzlicher Ansporn.
Ich werde keine tatsächliche Liste erstellen, aber ich hab mir dennoch mal ein paar Gedanken gemacht, welche Bücher ich gern nochmal lesen würde:

Bücher, die ich so mochte, dass ich sie wieder einmal lesen will
- Kurt Held, Die rote Zora
- Patricia A. McKillip, Das Buch der Dornen
- Harper Lee, To Kill a Mockingbird
- Peter S. Beagle, Das letzte Einhorn
- Gillian Bradshaw, Der Falke des Lichts (und vielleicht auch die beiden Folgebände)
- Michael Ende, Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch
- Judy Blume, Sommerschwestern

Bände aus Serien, die ich nochmal lesen möchte, ehe ich mich auf den neuen Band stürze
- George R. R. Martin, A Clash of Kings
- George R. R. Martin, A Storm of Swords
- George R. R. Martin, A Feast for Crows
- Patrick Rothfuss, The Name of the Wind

Bücher, denen ich noch eine wirkliche "2. Chance" geben möchte:
- John Irving, Letzte Nacht in Twisted River
- Robert Jordan, The Eye of the World
- Rosmary Sutcliffe, Der Adler der neunten Legion

Nachtrag: Nun hab ich noch die ganze Liste meiner (im Keller gelagerten) Kinderbücher durchforstet und bin da auf etliche gestoßen, die ich aus nostalgischen Gründen gern nochmal lesen würde:
- Enid Blyton, Die Schwarze Sieben
- Kerstin Backman, Sofie-Serie
- Uta Over, Ponys bis fast in die Küche (Der Schwalbenhof Bd. 3)
- Lise Gast, Jona träumt vom Reiten 
- Julie Campbell, The Secret of the Mansion (Trixie Belden Bd. 1)

Sonntag, 18. September 2011

Sonntagsgeplauder #2

Gestriger Lesesamstag
Mein kleiner Lesetag gestern hat richtig Spaß gemacht. Ich hab einige Seiten geschafft und bin auch endlich mal mit "Der silberne Bogen" durch, womit mir nur noch ein Buch für die Historien-Challenge fehlt. Außerdem habe ich nun mit der "Tal"-Serie von Krystyna Kuhn begonnen, wo mich der Auftakt zwar nicht vom Hocker gerissen, aber doch neugierig genug gemacht hat, dass ich heute gleich mal mit dem 2. Band begonnen habe.
Auf alle Fälle wars schön, mal wieder richtig viel zu lesen. Ich sollte solche Lesetage wirklich öfter mal machen.

Challengegeplauder
Wie schon gesagt: Bei der Historien-Challenge nähere ich mich dem Ende. Dafür habe ich auch schon eine Challenge gefunden, die diese nahtlos ablösen könnte. Dabei handelt es sich um die 2. Chance Challenge von Jess, die am 1. Oktober beginnt. Ziel ist es, innerhalb eines Jahres 12 Bücher ein 2. Mal zu lesen - entweder, weil man sie so toll fand oder, weil man ihnen noch eine 2. Chance geben will. Da ich mit meinen vielen begonnenen Serien in nächster Zeit so einige Bücher ein weiteres Mal lesen möchte, um wieder auf den aktuellen Stand zu kommen und auch sonst Lust hätte, ein paar geliebte Bücher mal wieder zur Hand zu nehmen, werde ich da wohl mitmachen. Sobald ich ganz fest entschlossen bin und ein paar Buch-Überlegungen angestellt habe (auch wenn ich sicher keine fixe Liste erstellen werde), gibts dazu natürlich noch einen extra Beitrag.

Bücherflohmarkt und Gratisbuch der Stadt Wien
Derzeit baue ich ja fleißig meinen SuB ab, aber es ist September und das bedeutet, dass zwei Aktionen vor mir liegen, die meinen "keine neuen Bücher"-Vorsatz torpedieren könnten:

1. Der große jährliche Flohmarkt der Hauptbücherei steht an. Genaugenommen findet er am 1. Oktober von 17:00 bis 21:00 statt. Dort gibt es immer ganze Berge von Büchern zu einem mehr als günstigen Preis. Man muss sich allerdings durch ganze Massen von anderen Lesefreunden wühlen - und natürlich auch durch unübersichtliche Massen von Büchern. Mal sehen, ob ich mir das dieses Jahr "antue". Mein Bücherregal sagt "Nein. Kein Platz. Punkt.", aber ich weiß nicht, ob ich da widerstehen kann.

2. Die Aktion "Eine Stadt. Ein Buch", bei der jedes Jahr 100.000 Sonderexemplare eines bestimmten Romans gedruckt werden, habe ich im letzten Jahr hier vorgestellt. Diesmal (vom 17.-22.10.) gibt es von Mario Vargas Llosa "Der Geschichtenerzähler" und hier ist es natürlich keine Frage, ob ich mir das Buch hole oder nicht. Es wäre ja schön blöd, wenn ich den Roman eines Nobelpreisträgers nicht gratis wollen würde. ;-)

Schreibgeplauder
Etwa die Hälfte meines "Bühnenzaubers" ist zumindest mal grob überarbeitet. Da aber vor allem die 2. Hälfte des Romans noch einige Änderungen benötigt, ist noch nicht wirklich die Hälfte der Arbeit geschafft. Aber es läuft soweit ganz gut. Analog zu meinem sonstigen Wörterzählen beim Schreiben wird diesmal die Überarbeitungszeit gezählt. Vorgenommen habe ich mir 25 Stunden im September, und bei bisher 12 h 25 min liege ich zwar nicht ganz in der Zeit, aber es sieht doch ganz gut aus.
Meistens ist das Überarbeiten gar nicht mehr so schlimm, wenn man erst mal damit begonnen hat. :-)

David Gemmell - Der silberne Bogen


Genre: Historischer Roman
Seiten: 640
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453531956
Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

Historien-Challenge (Sagen in der Geschichte)



Aeneas, Prinz von Dardania, der in diesem Roman meist "Helikaon" genannt wird, hat das größte Schiff seiner Zeit bauen lassen, die "Xanthos" und macht mit ihr Jagd auf Piraten und andere Schurken. Da es sich bei den Piraten aber großteils um Mykener handelt, die (natürlich inoffiziell) Agamemnos Befehl unterstehen, hat Helikaon schnell eine ganze Reihe von Leuten auf seinen Fersen, die ihn lieber tot als lebendig sehen würden. Doch auch nach Troja strecken die Mykener ihre Fühler aus - und machen es sich dabei zunutze, dass familiäre Konflikte die Lage im Palast instabil machen.

Diesen Roman zusammenzufassen, fällt mir sehr schwer, und damit wären wir auch gleich bei einem Problem, das zumindest die ersten 300 Seiten durchzieht: Die Handlung ist zunächst nicht besonders zielgerichtet. Da ist Helikaon, der Konflikte mit den mykenischen Piraten hat, dennoch aber kein bestimmtes Ziel zu verfolgen scheint. Dann Odysseus, der den dardanischen Prinzen einst unter seinen Fittichen hatte. Andromache, die gegen ihren Willen Hektor aus Troja heiraten soll und zuvor die Wege von Helikaon und Odysseus kreuzt. Gershom, ein ägyptischer Schiffbrüchiger, der von Helikaon und seinen Männern aus dem Meer gefischt wird und seine wahre Identität verschleiern möchte. Und schließlich Argurios, ein mykenischer Held, der Helikaon töten soll.
Obwohl alle diese Einzelschicksale durchaus miteinander verbunden werden, ist lange Zeit nicht wirklich erkennbar, wohin das alles letztendlich führen soll. Natürlich, irgendwann wohl zum trojanischen Krieg, da es sich ja hier um den ersten Band einer Troja-Trilogie handelt. Doch das ist kein Ziel und kein roter Faden, der aus dem Roman heraus erkennbar ist. Auch Spannung kam für mich lange Zeit nicht auf. Die Handlung dümpelt vor sich hin und man weiß nicht so recht, wohin alles führen soll, was mit gewissen Szenen bezweckt wird und was die Figuren eigentlich wollen.
Erst ab der Hälfte oder eher sogar ab dem letzten Drittel kam wirklich Fahrt in die Geschichte.

Das muss nun nicht grundsätzlich ein Problem sein. Ein Roman kann auch dann fesseln, wenn er nicht zielstrebig zu einem bestimmten Ereignis hinführt. Dann allerdings braucht er wirklich interessante Figuren, denen man bereitwillig folgt, weil man wissen möchte, was mit ihnen passiert. Das war für mich hier leider nicht der Fall. Helikaon bleibt lange Zeit sehr schwer zugänglich und schaffte es auch kaum, mich emotional zu berühren. Auch bei den anderen Figuren dauerte es teilweise sehr lange, bis ich mich mit ihnen anfreunden konnte.
Dabei geht es nicht darum, ob es sich hier nun um "gute" und sympathische Figuren handelt oder nicht. Ich bin auch schon sehr ambivalenten Figuren mit Haut und Haaren verfallen, wenn sie interessant, lebendig und dreidimensional wirken (Stichwort: Song of Ice and Fire). Bei Gemmell allerdings wirken die Figuren stellenweise eher wie Statuen. Erhöhte Helden, die legendär sind, einen aber nicht mitfiebern lassen. Bei einem Stoff wie Troja bietet sich das natürlich an und ich habe nun auch nicht prinzipiell etwas gegen echte Helden. In diesem Roman sind sie mir teilweise aber etwas zu legendär, zu heldenhaft und zu überragend im Kampf. Da hilft es auch nichts, dass Helikaon seine Dämonen mit sich herumträgt und sich teilweise zu grausamen Handlungen hinreißen lässt, die ihn nicht gerade zu einem wirklich positiven Charakter machen.
Dennoch konnte ich mich im Laufe des Romans mit den meisten Figuren immer besser anfreunden. Zum Ende hin habe ich dann auch wirklich mit ihnen mitgefiebert und wollte wissen, was weiter mit ihnen passiert.

Interessant dargestellt fand ich den historischen Hintergrund. Gemmell macht hier sehr klar deutlich, dass Troja und Mykene nicht alleine waren, sondern dass man sich hier in einem komplexen Geflecht aus verschiedenen Königreichen, Inselstaaten und Verbündeten befindet. Besonders spannend fand ich es, dass Gemmell hier der neueren Forschung folgt, die Troja als hethitischen Vasall betrachtet und auch trojanische Streitkräfte auf Seiten der Hethiter bei der Schlacht von Kadesch annimmt.
Allgemein versucht Gemmell eher, die Sage vor allem historisch darzustellen und geht hier auch durchaus seine eigenen Wege. Das führt dann auch zu einigen witzigen kleinen Änderungen, wenn etwa Helena von Sparta als nicht besonders schön dargestellt wird, sondern lediglich von dem schüchternen Bücherwurm Paris angehimmelt wird.
Gerade aber das Herausheben aus dem Bereich der Legenden und hinein in ein sehr greifbares politischs Umfeld macht vielleicht die überragenden Helden etwas unglaubwürdig. Denn diese wiederum passen eher in die Heldenepik als in einen realistischen historischen Roman.

Trotz aller Kritikpunkte hat aber David Gemmell hier einen interessanten Auftakt zu seiner Trilogie geschaffen. Er hat mit diesem Band die ersten Weichen für den trojanischen Krieg gestellt, und obwohl ich von dem Roman nicht ganz überzeugt war, interessiert es mich nun doch, wie er den Sagenstoff in den weiteren Bänden umsetzt.
Allgemein sind die Kritiken zu diesem Roman übrigens sehr begeistert - ich scheine mit meiner Meinung als wieder einmal eher einsam dazustehen. Mal sehen, ob meine Kritik zu den nächsten Bänden dann positiver ausfällt.

Für den ersten Band (den man übrigens auch problemlos als eigenständigen Roman lesen kann) vergebe ich hiermit mittelmäßige 3 Sternchen.

Samstag, 17. September 2011

Kleiner Lesesamstag

8:30
Mein geplanter Lesetag beginnt insofern nicht so gut, da heute Nacht unter meinem Fenster Gleisarbeiten (Straßenbahn) stattgefunden haben und ich nicht wirklich viel schlafen konnte. Nun bin ich müde, obwohl ich später aufgestanden bin als sonst. Naja, ich hab schon mal einen Kaffee getrunken und werde dann also loslegen. Folgende Bücher hab ich mir bereitgelegt:
Mit "Der silberne Bogen" bin ich etwa bei der Hälfte, den Roman möchte ich heute gern auslesen. "A Clash of Kings" ist gerade eher mein Nebenbei-Buch, da ich es ja schon kenne, daher werde ich vielleicht eher noch was Neues beginnen, und zwar wollte ich vor weiteren Challenge-Büchern mal "Das Spiel" dazwischenschieben. Hoffentlich ist es spannend.
Und da ich hier noch ein begonnenes Knüpfwerk habe, werde ich vielleicht auch ein wenig bei "Forever" weiterhorchen.
Großartige Verpflichtungen hab ich heute sonst nicht, ich muss nur einkaufen gehen und möchte ein wenig "Bühnenzauber" weiter überarbeiten. Ich habe also heute genug Zeit zum Lesen. Auf gehts! :-)

11:30
Bei "Der silberne Bogen" bin ich noch nicht viel weiter gekommen - ich habe knapp 70 Seiten gelesen, aber immerhin kam dann mal eine vielversprechende Wendung. Hoffentlich wird die ganze Handlung jetzt etwas zielgerichteter.
Bei "Forever" habe ich eine gute Stunde weitergehorcht, wobei mich der Roman auch nicht gerade vor Spannung an den Fingernägeln kauen lässt. ;-) Aber als Knüpfuntermalung ist das schon okay.
Jetzt werde ich mal einkaufen gehen und dann was zum Mittagessen kochen. 

13:00
Puh, ich hab ewig gebraucht zum Einkaufen, weils eine Aktion gab und die Leute alle eingekauft haben, als gäbs kein Morgen mehr. %-) Naja, jetzt hab ich meinen Bauch angefüllt mit Kaiserschmarrn *mjamm* und werde mich mal ein wenig meinem "Bühnenzauber" zuwenden, ehe ich weiterlese. 

15:20 
Ich habe sehr fleißig zwei Szenen überarbeitet und eine neue eingefügt und mich danach wieder auf "Der silberne Bogen" gestürzt. So gaaaanz langsam freunde ich mich mit den Figuren an. Ich bin ja auch erst auf Seite 457 ... %-)
Insgesamt hab ich jetzt also gut 150 Seiten gelesen und etwas über eine Stunde Hörbuch gehorcht. So wirklich viel ist das noch nicht. Ich werd mir jetzt mal Tee kochen und dann weiterlesen. Das wär doch gelacht, wenn ich heute Gemmels Roman nicht endlich bezwingen würde!

17:45
Ich habe nun "Der silberne Bogen" ausgelesen. Zum Ende hin hat mir der Roman dann doch recht gut gefallen. Ob ich den nächsten Band "Der Donnerschild" auch noch lesen werde, weiß ich noch nicht so genau, allerdings würde ich nun doch gern wissen, wie Gemmel den trojanischen Krieg umsetzt.
Naja, mal sehen. 343 Seiten sowie eineinhalb Stunden Hörbuch sind die bisherige Ausbeute.
Jetzt mach ich mal ein bisschen ein Päuschen zum Essen und zum weiteren Überarbeiten von meinem Roman, und später gehts dann wohl mit "Das Spiel" von Krystyna Kuhn los.

21:20
Beim "Spiel" bin ich jetzt etwa bei der Hälfte angekommen. Mysteriös das ganze, aber so richtig gepackt hat es mich noch nicht.  Ich glaube, ich habe ein bisschen ein Problem, den großteils albernen und engstirnigen Jugendlichen da abzukaufen, dass es sich bei ihnen um hochintelligente Elitestudenten handeln soll.
Insgesamt ist jetzt beim heutiger Stand bisher 475 Seiten.

23:30
Nun habe ich "Das Spiel" ausgelesen - etwa ab der Hälfte war es dann doch ziemlich spannend. Die Wahrheit über Julia und Robert war mir zwar in den Grundzügen schon ziemlich bald klar, aber dennoch hat es die eine oder andere unerwartete Wendung gegeben. Und natürlich werde ich jetzt die Serie weiterlesen, um herauszufinden, was es mit diesem ganzen Tal auf sich hat.
Mal sehen, ob ich jetzt noch etwas lese oder doch ins Bett gehe. Momentan bin ich etwas müde, was wohl an der recht kurzen letzten Nacht liegt.

0:20
Ich werde jetzt ins Bett gehen und beende hiermit meinen Lesesamstag. Ein bisschen hab ich jetzt noch an "A Clash of Kings" weitergelesen; insgesamt waren es daher 664 Seiten und eineinhalb Stunden Hörbuch. Das ist ja eine recht gute Ausbeute. ;-) 
Vor allem hatte ich heute das Gefühl, die Zeit ganz gut genutzt zu haben, da ich ja auch noch etwa zwei Stunden meiner Überarbeitung von "Bühnenzauber" gewidmet habe.
Es war auf alle Fälle schön, mal wieder richtig viel zu lesen. So, und nun: Gute Nacht!

Die harten Fakten:
- Der silberne Bogen: 343 Seiten
- Das Tal 1.1. Das Spiel: 298 Seiten
- A Clash of Kings: 23 Seiten
- Forever: 1 h 35 min

Donnerstag, 15. September 2011

Patricia A. McKillip

Ich bin mal so optimistisch und führe eine neue Kategorie ein, obwohl ich noch gar nicht weiß, ob ich von nun an wirklich regelmäßig solche Autorenporträts machen werde. Nun ja, das wird sich alles zeigen.
Patricia McKillip wollte ich hier schon seit langem vorstellen, da sie unbestritten zu meinen Lieblingsautorinnen gehört, daher ist es nur passend, diese Kategorie mit ihr zu eröffnen.

Ein paar Fakten

Patricia Anne McKillip wurde 1948 in Salem geboren und verbrachte einige Jahre ihrer Kindheit in England und Deutschland. Sie studierte englische Sprache und Literatur an der San Jose University, wo sie 1973 ihren Magister machte. Im selben Jahr wurden ihre ersten Romane "House on Parchment Street" und "The Throne of Erril of Sherril" veröffentlicht. 1975 gewann sie den World Fantasy Award für "The Forgotten Beasts of Eld" - und 2003 ein weiteres Mal für "Ombria in Shadow".

Ihre Romane

Die Romane von Patricia McKillip kann man einfach nur als zauberhaft beschreiben. Sie sind meistens rätselhaft, oft sehr still, manchmal romantisch ohne kitschig zu sein und großteils von überschaubarer Länge. Ihre "Riddlemaster"-Trilogie ("Erdzauber" auf Deutsch) sticht unter ihren Werken ein wenig heraus, weil es sich dabei eher um klassisch-epische Fantasy handelt, wobei ich auch diese Trilogie im Berich der High Fantasy als einzigartig bezeichnen würde.
Patricia McKillips Romane sind manchmal nicht ganz einfach zu lesen. Meistens gibt es viele Andeutungen, Rätsel und Verwicklungen, die sich erst nach und nach entfalten. Magie spielt fast immer eine große Rolle, wobei es sich hier nie um effekthaschende Zauber oder simple Sprüche handelt. Vielmehr ist auch die Magie in ihren Romanen meist rätselhaft und oft schwer zu durchschauen. Eine Kohlezeichnung, Knoten in einem Faden, ein Buch, eine Handarbeit ... meist ist die Magie bei ihr in solchen Dingen verborgen.
Ihre Figuren sind interessant und vielschichtig, und mich freut es besonders, dass sie immer sehr starke und einzigartige Frauen in ihren Romanen hat.

Manche von McKillips Büchern sind schwerer zugänglich als andere. "The Changeling Sea" etwa ist ein zauberhaftes, kleines Märchen, das vielleicht nicht ganz mit einigen ihrer späteren Romane mithalten kann, dafür aber auch leichter zu lesen und zu verstehen ist als manche andere ihrer Werke. Besonders empfehlen kann ich außerdem "Ombria in Shadow", "Od Magic" sowie "Alphabet of Thorn", wovon vor allem das letztgenannte leichter zu durchschauen ist, ohne aber vorhersehbar zu sein.

Auch sprachlich sind McKillips Romane manchmal nicht ganz einfach. Die Autorin hat einen sehr poetischen und ausgefeilten Schreibstil, der ein aufmerksames Lesen erfordert. Das soll aber nicht heißen, dass die Bücher mühsam zu lesen wären, ganz im Gegenteil: Allein der Sprache wegen sind ihre Romane ein Genuss und stechen aus dem manchmal etwas grauen Einheitsbrei der Fantasy heraus.
Ich muss aber zugeben, dass ich mit ihrem Englisch nicht immer klarkomme. So hatte ich etwa mit "The Changeling Sea" keine Probleme, während ich mich von "The Tower at Stony Wood" ein wenig überfordert fühlte. Ich finde aber, dass ihre Romane auch in der deutschen Übersetzung nichts von ihrer Sprachmagie einbüßen. Leider bekommt man aber viele ihrer früheren Werke auf Deutsch mittlerweile nur noch gebraucht. Übrigens ist das (und die Tatsache, dass manche ihrer Romane nicht übersetzt wurden) einer der Hauptgründe, weshalb ich sehr darum bemüht bin, an meinem englischen Leseverständnis zu arbeiten. Ich will Patricia McKillip endlich problemlos im Original lesen können!

Apropos deutsche Ausgaben: Hier kann ich über manche der Cover mal wieder nur den Kopf schütteln, da sie teilweise sehr kitschig und überladen wirken. Ich kann nur empfehlen, sich hiervon nicht abschrecken zu lassen. Wie so oft trügt auch hier der äußere Schein.

Liste der veröffentlichten Romane

House of Parchment Street, 1973
The Throne of Erril of Sherril, 1973
The Forgotten Beasts of Eld, 1974 (Die vergessenen Tiere von Eld)
The Night Gift, 1976
The Riddlemaster of Hed, 1976 (Die Schule der Rätselmeister - Erdzauber 1)
Heir of Sea and Fire, 1977 (Erbin von Wasser und Feuer - Erdzauber 2)
Harpist in the Wind, 1979 (Harfner im Wind - Erdzauber 3)
Stepping from the Shadows, 1982
Moon-Flash, 1984 (Mond über den Wassern - Kyreol 1)
The Moon and the Face, 1985 (Auf den Schwingen des Mondes - Kyreol 2)
Fool's Run, 1987
The Changeling Sea, 1988 (Meereszauber)
The Sorceress and the Cygnet, 1991 (Die Zauberin und der Schwan - Cygnet 1)
The Cygnet and the Firebird, 1993 (Der Prinz und der Feuervogel - Cygnet 2)
Brian Froud's Faerielands #2: Something Rich and Strange, 1994
The Book of Atrix Wolfe, 1995 (Die Königin der Träume)
Winter Rose, 1996 (Winterrose)
Song for the Basilisk, 1998 (Das Lied des Basilisken)
The Tower at Stony Wood, 2000 (Im Drachenturm)
Ombria in Shadow, 2002 (Schatten über Ombria)
In the Forests of Serre, 2003
The Alphabet of Thorn, 2004 (Das Buch der Dornen)
Od Magic, 2005 (Der Zaubergärtner)
Harrowing the Dragon, 2005
Solstice Wood, 2006
The Bell at Sealey Head, 2008
The Bards of Bone Plain, 2010
Wonders of the Invisible World, 2012
Kingfisher, 2016

    Montag, 12. September 2011

    Geplant: Ein Lesetag nächsten Samstag (17. 9.)

    Ich habe beschlossen, dass ich am Samstag einen Lesetag einlegen werde - ähnlich wie auch schon letztes Jahr mal Anfang Oktober. Das wird nämlich jetzt wohl erst mal wieder für eine Weile mein letzter freier Samstag sein, und da ich ja auch zwecks Historien-Challenge noch ein bisschen einen Lesezahn zulegen muss, möchte ich da einen kleinen Lesemarathon machen.
    Falls sich mir jemand anschließen möchte (und sei es nur für ein Stündchen) wäre das natürlich nett. :-)

    Freitag, 9. September 2011

    Das Lied von Eis und Feuer - Deutsche Ausgaben

    Im Juli habe ich hier auf meinem Blog die Serie "A Song of Ice and Fire" vorgestellt. Über den Inhalt der Serie werde ich daher nicht erneut etwas schreiben, wenn es nun um die deutsche Übersetzung geht.
    "Das Lied von Eis und Feuer" erscheint seit 1997 im Verlag Blanvalet, wobei die englischen Bände (die ja nicht unbedingt kurz sind) jeweils auf zwei deutsche Bände aufgeteilt wurden. Und das ist die Reihenfolge der bisherigen 8 deutschen Bände:

    - Die Herren von Winterfell (A Game of Thrones Teil 1, 1997)
    - Das Erbe von Winterfell (A Game of Thrones Teil 2, 1998)
    - Der Thron der Sieben Königreiche (A Clash of Kings Teil 1, 2000)
    - Die Saat des goldenen Löwen (A Clash of Kings Teil 2, 2000)
    - Sturm der Schwerter (A Storm of Swords Teil 1, 2001)
    - Die Königin der Drachen (A Storm of Swords Teil 2, 2002)
    - Zeit der Krähen (A Feast for Crows Teil 1, 2006)
    - Die dunkle Königin (A Feast for Crows Teil 2, 2006)
      Die Cover der damaligen Ausgaben sahen ... nun ja ... eher nach Conan der Barbar aus als nach einer Serie mit politischen Verwicklungen, Intrigen und ambivalenten Figuren. Hier nur zwei Beispiele:

      Die Übersetzung war außerdem nicht die beste - vor allem die Übersetzung der Eigennamen war äußerst inkonsequent.
      Seit 2010 erscheinen die alten Bände in einer neuen Ausgabe mit viel schickerem und passenderem Cover und in einer neuen Übersetzung. Nun werden die Eigen- und Ortsnamen fast alle eingedeutscht. Das ist im Hinblick auf mehr Einheitlichkeit und auf Leser, die die englischen Namen nicht verstanden haben, natürlich verständlich. Über manche Seltsamkeiten wie die Übersetzung von "King's Landing" als "Königsmund" sowie Versuche, Namen wie "Lannister" als "Lennister" deutscher (?) zu machen, kann ich zwar nur den Kopf schütteln, aber gut ...
      Da aber die Serie noch nicht abgeschlossen ist und die folgenden Bände alle nur noch in der neuen Übersetzung erscheinen, bedeutet das, dass nun mitten in der Serie teilweise die Namen wechseln. Das halte ich für eine wirkliche Unsitte, und das hat mich schließlich dazu bewogen, völlig auf das englische Original umzusteigen. Immerhin habe ich mich 8 Bände lang an "Jon Snow" und "Theon Greyjoy" gewöhnt und kann mir nicht vorstellen, von nun an über "Jon Schnee" und "Theon Graufreud" zu lesen.

      Alle, die mit der Serie erst jetzt beginnen und die sie auf Deutsch lesen wollen, empfehle ich daher, von Beginn an unbedingt die neue Übersetzung zu wählen, um dann nicht mitten in der Serie mit anderen Namen konfrontiert zu werden. So sehen jetzt übrigens die neuen Ausgaben aus (als Beispiel hier mal die ersten vier Bände):


      Die ersten drei sind bereits erschienen, die Erscheinungstermine der weiteren Bände werden vom Verlag derzeit mit folgenden Terminen angegeben:
      - Die Saat des goldenen Löwen: 19. September 2011
      - Sturm der Schwerter: 17. Oktober 2011
      - Die Königin der Drachen: 19. Dezember 2011
      - Zeit der Krähen: 16. Januar 2012
      - Die dunkle Königin: 19. März 2012
      Bis also der 5. englische Band "A Dance with Dragons" auf Deutsch erscheint, wird man sich noch ein wenig gedulden müssen.

      Schließlich möchte ich auch noch die "Luxusausgaben" erwähnen: FanPro brachte die Serie als limitierte Hardcover heraus - und zwar als ungeteilte Ausgaben:

      - Eisenthron (A Game of Thrones, Januar 2004)
      - Königsfehde (A Clash of Kings, September 2004)
      - Schwertgewitter (A Storm of Swords, Dezember 2005)
      - Krähenfest (A Feast for Crows, August 2008)


      Diese Hardcover sind derzeit nur noch gebraucht (zu teilweise astronomischen Preisen) zu bekommen. Der 5. Band wird unter dem Titel "Drachenreigen" erscheinen - ein Veröffentlichungsdatum ist noch nicht bekannt und die Übersetzung wird (soweit ich das bisher mitbekommen habe) dieselbe sein wie in den neuen Blanvalet-Taschenbüchern.

      Soviel also zu den verschiedenen Ausgaben von "Das Lied von Eis und Feuer". Ich hoffe, dass dieser Überblick für manche von euch ein wenig hilfreich war.

      Dienstag, 6. September 2011

      Es ist ein Kreuz mit den Kreuzzügen

      GAH! Tut mir Leid, aber anders kann ich es gerade nicht ausdrücken.
      Worum gehts? Folgendes:
      Für die Historien-Challenge fehlen mir noch die beiden Stationen "Sagen in der Geschichte" und "Kreuzzüge". Erstere decke ich mit einem Buch von meinem SuB ab, aber für zweitere wollte ich einen Roman aus der Bücherei ausleihen, nämlich "Die Rose der Kreuzritter".
      Nun habe ich aber diese Station anfangs immer vor mir hergeschoben, da ich einfach sehr ungern über die Kreuzzüge lese. Dann, vor einigen Wochen, dachte ich, ich sollte doch mal langsam diese Station in Angriff nehmen. Allerdings war das Buch dann immer ausgeliehen.

      Anfang August schließlich in ich extra zu meiner Lieblings-Zweigstelle gefahren, das Buch war auch dort, nur: Ich konnte es nicht ausleihen, weil die ein Computerproblem hatte. Und dann war ich erstmal im Urlaub. Nach der Rückkehr war das Buch wieder in allen Zweigstellen ausgeliehen. Okay, hab ich mir gedacht, langsam ist es aber echt an der Zeit ... Also hab ich es vorbestellt. Vorbestellte Bücher dürfen nicht verlängert werden, und so habe ich damit gerechnet, das Buch bald zu bekommen (als Rückgabetermin war dort der 13. September angegeben). Heute am Morgen hab ich nochmal in den Katalog reingeschaut, und was seh ich? Als Rückgabetermin steht jetzt Oktober! Das gibts doch nicht! Es war nur eine Vorbestellung gelistet, und das bin ich (es kann also nicht sein, dass vor mir noch jemand dran war). Ich kann natürlich jetzt bei der Bücherei anrufen und mich beschweren (vielleicht bekomme ich wenigstens meine Vorbestellungsgebühr zurück).
      Aber zeitmäßig hilft mir das gar nicht weiter. Soll ich das Buch jetzt doch kaufen? Das hatte ich eigentlich nicht vor. Soll ich mir ein anderes Buch suchen, das in der Bücherei verfügbar ist? Soll ich die Challenge doch noch hinschmeißen, wenn mich die Kreuzzüge doch eh so nerven?

      Ach, ich weiß es einfach nicht. Aber ich bin wirklich genervt. Das Vorbestellen hätte ich mir sparen können, aber bisher hat sowas immer gut geklappt. Sowas ärgerliches! *mpf*

      Sonntag, 4. September 2011

      Thomas Mann - Buddenbrooks


      Genre: Gesellschaftsroman
      Seiten: 572 (Ja, die geringe Seitenanzahl kommt zustande durch eine winzige Schrift in dieser Ausgabe)
      Verlag: Bertelsmann
      Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

      Klassiker-Challenge  (Deutschland)



      Thomas Mann porträtiert hier vier Generationen einer Lübecker Kaufmannsfamilie - begonnen bei dem lebenslustigen Johann Buddenbrook über dessen pietistisch-strengen Sohn und seine Enkelkinder bis hin zu Hanno, dem schließlich letzten der Buddenbrooks. Schon in der zweiten Generation zeichnet sich durch Fehlentscheidungen und geschäftliche Verluste ein gewisser Niedergang ab. Zwar erreicht die Familie unter Thomas Buddenbrook ihren vermeintlichen Höhepunkt, als er Senator wird, doch die Familie und auch die Firma steuern doch unübersehbar auf ihren Untergang zu.

      Jahrelang schwebten die Buddenbrooks wie ein Schreckgespenst über mir. "Diesen Roman muss man als Germanistikstudentin gelesen haben", dachte ich mir immer, aber da ich mich durch Manns "Zauberberg" streckenweise eher gequält hatte, wagte ich mich an den Roman einfach nicht heran. Nun gab die Klassiker-Challenge mir endlich den notwendigen Schubs. Zum Glück, muss ich sagen, denn ich fand den Roman wirklich sehr lesenswert.
      Dabei ist der Einstieg eher mühsam: Schon im ersten Teil wird man von Namen erschlagen, und es ist nicht ganz einfach, den Überblick über all die Mitglieder der Familie zu behalten. Doch als ich erst einmal die ersten etwa 50 Seiten bewältigt hatte, las sich der Roman recht flüssig und problemlos.

      Es ist faszinierend, wie Thomas Mann hier den schleichenden Niedergang einer Familie zeichnet, die sich mehrmals beinahe noch einmal zu berappeln scheint, ehe es doch wieder weiter bergab geht. Das führt natürlich auch zu einer eher pessimistischen Grundstimmung, obwohl es einige sehr witzige Momente gibt und der Roman keineswegs durchgehend trostlos ist.

      Natürlich ist es interessant, die Familie als ganzes zu verfolgen, aber wie jeder gute Roman lebt auch dieser von einzelnen, starken Figuren. Thomas Mann schafft es, sehr klar charakterisierte Figuren mit teils recht stark ausgeprägten Eigenheiten sowie Stärken und Schwächen zu zeichnen. Trotz der Fülle an Personen stehen doch die Geschwister Tony und Thomas deutlich im Mittelpunkt. Tony ist wohl nicht nur für mich jene Figur, die mich emotional am stärksten ansprach, und so fungiert sie auch als eine Art Begleiterin durch den gesamten Roman: Mit ihr beginnt er, und sie bleibt den Lesern auch bis zum Ende erhalten.
      Dabei ist Tony in all ihrer Naivität und Überheblichkeit doch sehr liebenswert und auch zu bemitleiden, wenn sie sich aus falschem Pflichtbewusstsein heraus immer wieder in unglückliche Ehen stürzt. Immerhin werden den Lesern mit diesen Ehemännern (vor allem mit Herrn Permaneder und seinem Bayrisch) einige sehr vergnügliche Momente geschenkt.
      Mit Thomas tat ich mir etwas schwerer, ist er doch eine ziemlich schwierige und nicht immer liebenswerte Person. Mit seiner Konzentration auf Äußerlichkeiten und Repräsentation hat er aber doch so einiges mit Tony gemeinsam - auch wenn er ständig eine Rolle zu spielen scheint, während Tony oft sehr unbekümmert ihre Gefühle zur Schau stellt.

      Parallel zu finanziellen Verlusten im Geschäftsleben geht es schließlich auch mit der Familie bergab: Thomas Buddenbrooks einziges Kind Hanno ist kränklich, schwach, schüchtern und von seinem Vater gänzlich unverstanden. Hanno scheint kaum lebensfähig zu sein, was einen krassen Gegensatz zu der Lebenslust und der Stärke seines Urgroßvaters darstellt. Und so strebt der Roman schließlich seinem unvermeidlichen Ende entgegen.

      Thomas Manns erster Roman mag vielleicht noch nicht die Reife und sprachliche Ausgeklügeltheit des "Zauberbergs" zeigen, aber dennoch hat mir sein Erstling viel besser gefallen. Wenn man von ein paar Längen absieht, ist der Roman gut und unterhaltsam zu lesen und bietet eine Vielzahl von interessanten Figuren. Auch wenn die verschiedenen Perspektiven alle authentisch wirken, zeigt sich hier doch noch die Jugend des Autors: Wenn er aus der Sicht der noch jugendlichen Tony schreibt oder später aus der des heranwachsenden Hanno, schafft er deutlich mehr emotionale Nähe zu den Figuren als bei den älteren Perspektiventrägern. Diese Szenen sind auch jene, die am lebendigsten und anschaulichsten wirken.
      Doch auch der Rest des Romans ist flüssig zu lesen - so flüssig und verhältnismäßig "einfach", dass ich jetzt im Nachhinein nicht mehr weiß, weshalb ich vor diesem Werk eine solche Scheu hatte.
      Natürlich handelt es sich hier nicht um ein modernes Werk voller atemberaubender Spannung, aber dennoch ist der Roman auch heute noch lesenswert und alles andere als verstaubt.

      Wegen einer Längen gibt das von mir 4 Sternchen.

      Sonntagsgeplauder #1

      Lesegeplauder
      Man glaubt es nicht, aber ich bin beinahe mit den "Buddenbrooks" fertig. Ich denke sogar, dass ich heute vielleicht noch die Rezension verfassen werde.
      Dafür bin ich aber noch gar nicht weit mit Gemmels "Der silberne Bogen", was erstens daran liegt, dass ich gerade den Roman einer Schreibfreundin vorgezogen habe und zweitens daran, dass ich in letzter Zeit eher unterwegs gelesen habe und da immer nur meinen Reader mithatte.
      Außerdem habe ich mir gestern aus der Bücherei "Paper Towns" von John Green ausgeliehen und da gleich mal reingeschnuppert. Wenn man bedenkt, dass ich als Hörbuch auch noch "Léon & Louise" von Alex Capus höre, dann merkt man, dass ich gerade mal wieder das Problem habe, alles gleichzeitig lesen zu wollen ... Gut also, wenn ich zumindest mal ein Buch davon beende.

      Schreibgeplauder
      Nachdem ich mich nochmal intensiv mit dem Plot von "Bühnenzauber" auseinandergesetzt habe, habe ich da jetzt eine sehr einschüchternde Liste an Dingen, die ich ändern/streichen/ergänzen/verschieben muss. Das ist echt beängstigend. Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll und habe auch Angst, mich da völlig zu verzetteln.
      Ich glaube, ich werde doch noch ein wenig mehr Zeit in die Vorarbeit investieren und auch nochmal bei jeder Szene auflisten, was daran so bleiben kann und was geändert werden muss.
      Ja, es hat schon was, wenn man bereits im Vorfeld plottet. ;-) Vom Zeitaufwand her ist es aber eigentlich egal, ob ich nun vorher wochenlang plotte und plane, oder ob ich die Erstfassung frei von der Leber weg schreibe und dann halt nachher vor der Überarbeitung wochenlang plotte und plane ... Okay, die Überarbeitung wäre wohl weniger aufwändig, wenn ich nicht so eine Bauchschreiberin wäre. Naja, was solls - ich hab mit dem Roman ja keinen Stress.

      SuB-Geplauder
      Theoretisch steht ja immer noch mein Vorhaben, keine neuen Bücher zu kaufen. Immerhin hab ich ja meinen SuB wieder unter 40 schrumpfen lassen, und bis Ende des Jahres hätte ich dann einen Stand unter 30 angestrebt.
      Nun habe ich aber doch einen Neuzugang zu verzeichnen (bzw. zwei mit dem Büchereibuch) sowie ein bestelltes Buch, auf das ich noch warte. Allerdings handelt es sich bei dem ersten um ein Hörbuch, weil ich einen Gutschein für audible hatte. Ich würde nämlich doch gern noch die "Wolves of Mercy Falls"-Trilogie zu Ende lesen, und da es "Forever" nicht auf Englisch in der Bücherei gibt (anders als die ersten beiden Bände), habe ich jetzt den Gutschein genutzt und mir das englische (ungekürzte) Hörbuch runtergeladen. Wengistens braucht das keinen Platz. ;-)
      Und dann warte ich noch auf "The Black Cauldron" von Lloyd Alexander, weil es mich sehr in den Fingern juckt, jetzt doch endlich mal bei den Prydain-Chronicles weiterzulesen.

      Challengegeplauder
      Wie schon oben geschrieben: Ich bin mit "Der silberne Bogen" noch nicht sehr weit. Somit fehlen mir also immer noch zwei Bücher für die Historienchallenge. Dabei habe ich in Zahlen eigentlich schon genug Romane gelesen (nämlich genau 12), aber ich habe damit noch nicht alle geforderten Kategorien abgedeckt. *seufz* Ehrlich, wenn ich nicht so stur wäre, hätte ich diese Challenge wohl doch schon hingeschmissen. Aber jetzt, einen Monat vor Ende, zieh ich das auch noch durch.
      Bei den anderen beiden Challenges liege ich hingegen immer noch gut in der Zeit - erst recht, wenn ich mal die Buddenbrooks durch habe.

      Außerdem habe ich viel über meine eigene Challenge-Idee nachgedacht. Ich kann schon mal soviel sagen, dass es wohl wirklich um Motive/Themen in der Literatur gehen wird. Allerdings finde ich von Frenzels Motiven viele recht seltsam bzw. nicht allzu zeitgemäß (da sind Motive dabei, die ich noch am ehesten bei der Commedia dell'arte vermuten würde und bestimmt nicht bei moderner Literatur). Also habe ich nun mit meiner eigenen Liste begonnen. Es ist natürlich wirklich schwer, da eine Auswahl zu treffen, zumal es mir wichtig ist, eher zeitlose Themen zu finden, wo es sowohl bei Klassikern als auch bei moderner Literatur Beispiele gibt.
      Es wird sich wohl um "Grundthemen" des Lebens handeln, wie Liebe, Rache, Schuld, ... Derzeit habe ich etwa 20 Themen, aber ich bin immer noch sehr unsicher mit der Auswahl.
      Morgen kann ich allerdings in der Unibibliothek zwei Bücher über Themen in der Weltliteratur abholen, und da finde ich vielleicht auch nochmal Anregungen.

      Soweit also mal wieder ein allgemeiner Statusbericht. So einen gibt es vielleicht ab jetzt in unregelmäßigen Abständen öfter mal wieder, daher habe ich das ganze mal mit "#1" betitelt. ;-)

      Freitag, 2. September 2011

      Hans Bankl - Die kranken Habsburger. Befunde und Befindlichkeiten einer Herrscherdynastie


      Genre: Sachbuch
      Seiten: 157
      Verlag: Kremayr & Scheriau
      ISBN: 978-3218006491
      Meine Bewertung: 3 von 5 Sternchen

      Historien-Challenge (Sachbuch - Frühe Neuzeit)



      Exzentrik, Betrug, Krankheiten, erotische Eskapaden, Größenwahn, tragische Tode ... Angefangen von Rudolf I. bis hin zu Karl I. beschreibt Hans Bankl die schillerndsten Persönlichkeiten der Habsburger-Dynastie.

      Aufgrund der Kürze des Buches kann der Mediziner dabei alle Schicksale nur recht oberflächlich anreißen. Manchen wird dabei mehr Platz eingeräumt (Maria Theresia, Joseph II., Franz Joseph und Elisabeth), während andere nur in wenigen Sätzen erwähnt werden. Dennoch gelingt es Bankl, eine durchgängige Geschichte des Hauses Habsburg in das Büchlein zu packen und dabei keineswegs nur die Krankengeschichten (wie der Titel suggerieren mag), sondern auch politische Hintergründe und kleine Alltagsanekdoten zu beschreiben.
      Dennoch bleibt kaum Raum für eine wirklich ausführliche Darstellung, und so kann der Autor oft nur bei mittlerweile altbekannten Tatsachen verweilen. Wer sich schon näher mit der Geschichte der kaiserlichen Familie beschäftigt hat, wird hier nicht mehr viel Neues erfahren - schon gar nicht, wenn es um die ohnehin ausführlich in der Schule behandelten Persönlichkeiten wie Maria Theresia und Franz Joseph geht. Hier hätte ich mir teilweise auch eine etwas andere Gewichtung gewünscht und mehr über jene Kaiser erfahren, die einem eher weniger bekannt sind.

      Dennoch ist das Buch informativ und stellenweise äußerst amüsant. Für mich persönlich hatten viele Anekdoten einen besonderen Wiederkennungswert, da ich eine Weile bei dem Musical "Die Habsburgischen" gearbeitet habe und nun gewisse Handlungselemente und Skurrilitäten besser zuordnen konnte (während umgekehrt durch das Musical viele Begebenheiten für mich nun auch nichts Neues mehr waren).

      Ein nettes Büchlein mit viel Schmunzelpotential, das aber aufgrund der Kürze nicht sonderlich in die Tiefe gehen kann und daher auch gut als Einstiegswerk geeignet ist. Wem die üblichen Geschichtsbücher zu trocken sind, der wird hier vermutlich mit all den kleinen Anekdoten seinen Spaß haben.
      Von mir gibt das kurzweilige 3 Sternchen.