Mittwoch, 29. Juni 2011

Schreibstress, Leseneuigkeiten und mal wieder: SuB-Zuwachs

Ihr kennt ja jetzt schon diese allgemeinen Plauderbeiträge von mir schon: Das wird mal wieder ein Überblick über alles, was ich gerade so lese und schreibe.

Der letzte Feinschliff
Meine "Frostpfade" sind jetzt soweit fertig, dass ich mein Gratisexemplar von CreateSpace bestellen kann. Auch das Cover ist erstellt - aber hier muss ich noch darauf warten, dass es genehmigt wird, da Create Space sehr pingelig ist mit den Maßen.
Wettbwerbstauglich ist das Manuskript aber leider noch nicht so ganz. Ich möchte nochmal ein paar Kleinigkeiten überarbeiten, und dazu muss ich auch noch eine Zusammenfassung und einen Plotplan erstellen. Da habe ich also noch so einiges zu tun bis zum 8. Juli.

Und wie gehts dann weiter?
Als nächstes werde ich mich wohl auf die Überarbeitung von "Bühnenzauber" stürzen, das in der Rohfassung ja leider ein totales Chaos ist. Aber ich habe schon viele Ideen, was ich ändern möchte.
Ich hoffe auch, dass ich mal wieder bei den "Göttersteinen" weiterkomme - hier hänge ich leider an dem Problem fest, dass ich einen Bürgerkrieg zu schreiben habe und nicht weiß, wie ich das am besten mache. Mit Politik, Krieg und Kämpfen hab ich es ja beim Schreiben sonst nicht so sehr.

Aktueller Lesestoff
Dass ich bei dem ganzen Überarbeiten momentan nicht gar so viel zum Lesen komme, erklärt sich wohl von selbst. Leider hab ich auch gerade nichts, was mich so wirklich packt. Zuletzt habe ich mir als ungekürztes Hörbuch "Whisper" von Isabel Abedi vorlesen lassen, was nett war, mich aber nicht vom Hocker gerissen hat.
Dann lese ich auch schon seit einer Weile "Die Magier von Montparnasse" von Oliver Plaschka als eBook, und ich bin froh, dass ich es nur aus der Bücherei ausgeliehen habe. Ich bin nämlich gar nicht begeistert davon, obwohl ich so hohe Erwartungen hatte. Am liebsten würde ich den Roman einfach abbrechen, aber ich bin doch neugierig, was es mit allem so auf sich hat - und um das herauszufinden, muss ich ihn wohl oder übel doch zu Ende lesen.
Und schließlich habe ich inzwischen endlich mit den "Buddenbrooks" begonnen. Weit bin ich noch nicht, daher kann ich hier noch nicht viel dazu sagen. Man kann aber nicht behaupten, dass es mich gleich vom Beginn an reingezogen hat. ;-)

Challenges
Bei der Historien-Challenge habe ich inzwischen ziemlich aufgeholt. Mir fehlen jetzt noch 4 Romane, was ich bis Oktober auf alle Fälle schaffen sollte. Ob ich bis dahin auch noch 3 Fachbücher schaffe, ist allerdings fraglich. Immerhin habe ich jetzt für das Mittelalter mal ein Werk über Marco Polo aus der Unibliothek ausgeliehen. Nach Daughter of Xanadu hat es mich einfach gereizt, mehr über Marco Polo zu erfahren. :-)
Auch bei der English-Challenge läuft es gut. Bisher habe ich jeden Monat brav mein englisches Buch gelesen und hatte also noch keine "Strafbücher" zu bewältigen. Und ich finde, dass es auf alle Fälle etwas bringt, regelmäßig auf Englisch zu lesen. Ich bin jetzt wieder besser "drinnen" und traue mich jetzt auch über mehr englische Bücher drüber (wobei ich allzu anspruchsvolle Sachen immer noch eher meide).
Tja, und bei den Klassikern bin ich ja gerade mit den "Buddenbrooks" beschäftigt, wobei ich befürchte, dass ich damit noch laaange brauchen werde. Vielleicht stürze ich mich parallel dann mal auf "Roman eines Schicksallosen" von Imre Kertész, da das ja gleichzeitig auch eins meiner fehlenden Bücher für die Historien-Challenge ist.

Neuer Lesestoff

Außerdem hat mein Geburtstag mir neuen Lesestoff beschert. :-)
Geschenkt bekommen habe ich "Between Shades of Gray" von Ruta Sepetys, und außerdem habe ich Geld bekommen für meinen eBook-Reader. Da ich ja einen Gebrauchten gekauft habe, hatte ich nun noch etwas übrig und habe mal wieder bei Büchern zum halben Preis zugeschlagen:
Von "Schnee" von Orhan Pamuk habe ich eine ganz entzückende Mini-Ausgabe gefunden: Es ist gebunden, hat etwa reclam-Größe, ist auch in der Dicke sehr handlich (dafür sind die Seiten halt sehr dünn) und es hat ein Lesebändchen. Ich wollte diesen Roman schon längst mal lesen, obwohl mir "Das Museum der Unschuld" von Pamuk leider nicht sehr gut gefallen hat. Ich hoffe mal, dass "Schnee" besser ist.
Dann war ich außerdem mutig, denn ohne "Das Spiel" bis jetzt gelesen zu haben, habe ich auch gleich noch bei "Die Katastrophe", dem 2. Band der "Das Tal"-Serie von Krystyna Kuhn zugeschlagen. Ich kann also nur hoffen, dass mir der 1. Band gefällt, sonst war das ein echter Fehlkauf.

Und zu guter Letzt warte ich noch auf eine Bestellung bei medimops. Ich wollte dort eigentlich nur ein Buch bestellen, das ich für meine Dissertation brauche und das nicht mehr verlegt wird, aber nach Österreich sind die Versandkosten für zwei Bücher genauso hoch wie für eins, daher dachte ich, dass es ja geschickter wäre, gleich noch eines mitzubestellen. ;-)
Und da ich eine sehr günstige Ausgabe (angeblich in einem sehr guten Zustand) von "Das Lied der Banshee" von Janika Nowack entdeckt habe, ging das also gleich noch mit. Bisher war ich ja von allen Romanen vom Pan-Verlag, die ich gelesen habe, eher enttäuscht, daher bin ich ein wenig skeptisch. Aber die Einbindung von verschiedenen Sagengestalten in ein modernes Umfeld interessiert mich einfach, da ich selbst ja auch ab und zu Vergleichbares schreibe.

Tja, so wird das nichts mit dem SuB-Abbau ...

Sonntag, 26. Juni 2011

Anne Michaels - Wintergewölbe


Genre: Gegenwartsliteratur
Seiten: 352
Verlag: Berlin Verlag
ISBN: 9783827005342
Meine Bewertung: 3,5 von 5 Sternchen





Drei historische Ereignisse bilden den Hintergrund des Romans: 1959, beim Bau des St.-Lorenz-Seeweges begegnen sich Jean und Avery zum ersten Mal in einem trockenen Flussbett - und sie verlieben sich ineinander. 1964 führt ihr Weg sie nach Ägypten, wo Avery die Umsetzung des Tempels von Abu Simbel leitet, die wegen des Aufstauens des Nils zum Nassersee notwendig ist. Und schließlich kommt als dritte zeitliche Ebene noch der Wiederaufbau von Warschau nach dem Zweiten Weltkrieg hinzu, von dem Jeans Geliebter Lucjan erzählt.

Diese drei Zeitebenen werden nicht chronologisch erzählt, sondern ineinander verflochten. Vieles erfährt man durch Rückblenden oder Erzählungen der Figuren. Doch Anne Michaels schweift noch weiter durch die Zeiten und bietet allerlei Exkurse zu Themen, die mit der Handlung des Romans oder seinen Figuren verknüpft sind. Das ist oftmals eine Gratwanderung, da die Gefahr besteht, dass man als Leser von den vielen Informationen erschlagen wird oder man den Eindruck bekommen kann, die Autorin möchte damit ihr Wissen zum Ausdruck bringen. Bei Anne Michaels sind zwar die ausführlichen Exkurse meistens faszinierend und interessant, aber manchmal geht sie dann doch zu weit, wodurch sich beim Lesen eine gewisse Ermüdung einstellt.
Überhaupt entfaltet die Autorin ihre Geschichte sehr langsam und gemächlich. In langen Gesprächen erzählen Jean und Avery einander von ihrer Familie und ihrer Kindheit. Als eine Tragödie sie verstummen lässt und sie sich schließlich trennen, lernt Jean den Maler Lucjan, der nun seinerseits die Geschichte seines Lebens schildert.

Man bekommt also in diesem Roman sehr viel in Dialogen erzählt. Dennoch bleiben die Figuren seltsam auf Distanz, scheinen kein wirkliches Leben zu entwickeln. Das liegt vielleicht gerade an diesen Dialogen, da sie gewissermaßen sehr künstlich wirken.
Im Grunde vermittelt der Roman als Ganzes vor allem den Eindruck eines Kunstwerkes - sprachlich und auch in der Erzählstruktur. Sowohl in den großen historischen Hintergründen als auch in den Beziehungen der Figuren zueinander thematisiert der Roman Zerstörung, Verlust, Auseinanderbrechen und Wiederaufbau. Das ist faszinierend zu lesen, aber nicht immer fesselnd. Anne Michaels schreibt zudem in starken Bildern und Metaphern, und über weite Teile war für mich das Interessanteste an dem Roman die Sprache.

Insgesamt ist "Wintergewölbe" schwer zu bewerten. Der Roman ist sperrig und zeitweise in der Erzählweise beinahe schleppend, zieht einen aber dennoch in seinen Bann. Er präsentiert interessante Figuren, die einem aber nicht wirklich nahe kommen. Alleine der schönen Sprache wegen lohnt es sich aber ihn zu lesen. Dazu ist der Roman auch meisterhaft strukturiert mit all den verschiedenen Erzählebenen, die ineinander greifen.
Von mir gibt das 3 bis 4 Sternchen.

Der Roman hat sozusagen über Umwegen zu mir gefunden - mein Dank gilt daher dem Berlin Verlag für das Rezensionsexemplar sowie Pia dafür, dass sie es an mich weitergegeben hat.

Freitag, 24. Juni 2011

Pflicht und Verantwortung: Königin Bergund Hano

Bergund ist ebenfalls eine Figur aus meinem High-Fantasy-Projekt "Die Göttersteine". Sie ist von der Entstehung her fast so alt wie Vendalar und Riava, hat aber seither eine Namensänderung und eine komplette Kehrtwendung ihres Charakters hinter sich. Beim Schreiben habe ich mit ihr manchmal meine Probleme, da sie für mich ziemlich schwierig zu schreiben ist und ich mit ihrer Perspektive teilweise nicht gut klarkomme.

Bergund ist Anfang zwanzig, hat dunkle Haare und grüne Augen, ist relativ groß und ein wenig kräftiger gebaut. Sie ist das zweitälteste von vier Kindern und daher eigentlich nicht die erste in der Thronfolge. Ihre ältere Schwester Ramhild hat allerdings (aus Liebe, nicht aus politischem Kalkül) in ein Fürstentum eingeheiratet und damit auf den Thron verzichtet. Um das genauer zu erklären, müsste ich nun die Heirats- und Häuserpolitik der Skonländer erläutern, was hier aber zu weit führen würde. Daher müsst ihr das jetzt wohl einfach mal so hinnehmen. ;-)
Das ganze ist natürlich in der Familie besprochen worden - sowohl der König als auch Bergund waren damit einverstanden. Allerdings ist dann der König unerwartet früh bei einem Reitunfall gestorben, wodurch Bergund viel früher als gedacht Königin wurde.
Sie fühlt sich ein wenig damit überfordert und hat eine große Angst, etwas falsch zu machen. Aus diesem Grund klammert sie sich in vielen Punkten an Traditionen fest. Trotz ihrer Einwilligung in Ramhilds Entscheidung, nimmt sie es ihrer Schwester übel, dass sie ihre Gefühle über ihre Pflichten gestellt hat. Nach Bergunds Ansicht kommt zuerst die Verantwortung ihrem Land gegenüber und erst dann die eigenen Bedürfnisse und Gefühle.
Bergund hat also ihre Gefühle ganz in sich eingeschlossen, und dazu kommt noch, dass sie schon von Haus aus eher kühl und zurückhaltend ist. Mit großen Emotionen kann sie nichts anfangen.
Obwohl Bergund so streng mit sich selbst und ein wahres Arbeitstier ist, ist sie nicht unbedingt eine beliebte Königin. Dafür wirkt sie zu kaltherzig, und dafür sind auch die Maßstäbe, die sie an andere legt, zu hoch: Denn sie erwartet von allen dasselbe Streben nach Perfektion wie von ihr selbst.

Zu Beginn des Romans heiratet Bergund einen Adligen namens Farn, obwohl sie eigentlich keinen Ehemann möchte. Aber sie betrachtet auch das als ihre Pflicht und als eine Tradition, der sie sich nicht widersetzen möchte. Farn wiederum hegt aufrichtige Gefühle für Bergund, womit sie nicht besonders gut klarkommt. Ihre wäre eine reine Zweckgemeinschaft lieber, da sie mit Farns Liebe nichts anfangen kann.
Dazu kommt noch, dass Bergund versucht, mehr über die titelgebenden Göttersteine herauszufinden, was möglichst niemand wissen sollte. Und Farns große Neugierde betrachtet sie daher als Gefahr.

Es klingt vielleicht so, als wäre Bergund mit ihrer kühlen Art und ihrer Schwierigkeit, mit anderen Menschen umzugehen, Vendalar ein wenig ähnlich. Das mag auf den ersten Blick auch so sein, aber der entscheidende Unterschied ist: Dalar trägt nach außen hin eine Maske, während es aber unter der Oberfläche sozusagen gewaltig brodelt. Bergund hingegen ist gewissermaßen tatsächlich zu der Maske geworden, die sie trägt.

In der folgenden Szene begegnen wir Bergund und Farn direkt vor ihrer Hochzeitsnacht. ;-) Ich hoffe, die vielen Namen irritieren euch nicht - es ist für das Verständnis der Szene eigentlich unerheblich, wer sie alle sind.

Ihr Lächeln fühlte sich an wie festgefroren, und Bergund fragte sich, ob man es ihr wohl ansehen konnte, dass sie es ihrem Gesicht aufzwang. Bei ihren Schwestern war es echt, daran zweifelte sie nicht. Nanwigs Lachen tönte laut und hemmungslos durch den Saal, und Ramhild ließ sich davon anstecken. Ein wenig verlegen hielt sie sich daraufhin die Hand vor den Mund, aber Sihard beugte sich zu ihr hin, zog ihre Hand weg und küsste sie vor all den Gästen. Bergund wusste nicht, ob sie ihre Schwester wegen ihrer Unbekümmertheit beneidete oder verachtete. Ob man von ihr und Farn nun, da sie verheiratet waren, auch erwartete, dass sie ihre Zuneigung offen zur Schau stellten? Wenn, dann würden sie enttäuscht werden. Es kostete Bergund bereits alle Überwindung, ihre Hand nicht von Farns wegzuziehen, und obwohl sie immer wieder seinen Blick auf ihr ruhen fühlte, vermied sie es, zu ihm zu sehen.
Wieder lachte Nanwig, und mit einem Mal wollte Bergund einfach nur noch von hier weg. Sie erhob sich und nickte Farn kurz zu, der sofort aufstand. Das Lächeln blieb weiterhin in ihrem Gesicht, während Bergund sich an ihre Gäste wandte, ihnen für ihr Kommen dankte und ihnen noch einen angenehmen Abend wünschte. Gemeinsam mit Farn verließ sie den Saal, begleitet von Giser und ihren Verwandten, während ihnen die anderen Gäste zujubelten. Bergunds Widerwillen wuchs mit jedem Schritt, als ihre Begleiter sie bis in die Privatgemächer und vor ihre Schlafzimmertür führten. 

Dann öffnete Anrun die Tür, und die Begleiter warfen die Blüten der Feuersterne auf die Schwelle. Diese Blumen sollten die Ewigkeit ihrer Liebe symbolisieren. Beinahe hätte Bergund darüber gelacht - welche Liebe? Auch, als Anrun schon die Tür hinten ihnen ins Schloss gezogen hatte, hörten sie noch immer die rituellen Gesänge ihrer Verwandten.
Schweigend standen sie einander gegenüber. Farn wirkte nicht so selbstsicher und fröhlich wie sonst, als sie jetzt zu ihm blickte. Dennoch klang seine Stimme fest, als er die alte Formel sprach: „Ich bitte um Aufnahme in dein Haus. Ich werde dich achten, dir treu sein und dich vor allen Gefahren beschützen. Wo du bist, möchte auch ich sein, solange Guda, der Eine, es mir erlaubt.“
„Ich nehme dich auf in mein Haus. Ich werde dich achten, dir treu sein und dich vor allen Gefahren beschützen. Und wohin du gehst, dahin will auch ich gehen, solange Guda, der Eine, es mir erlaubt“, antwortete Bergund.
Sie löste den Gürtel und die Fibeln, die ihr Obergewand zusammenhielten und ließ den schweren Stoff zu Boden gleiten. Die Bewegung kam ihr plump und unbeholfen vor. Nur mit Mühe widerstand sie der Versuchung, die Arme vor ihrem Körper zu verschränken, als sie jetzt nur noch in ihrem dünnen Untergewand vor Farn stand. Schüchternheit war ihr immer fremd gewesen, doch so entblößt hatte sie sich bisher nur ihren Dienerinnen gezeigt. Farns Blick ruhte auf ihr, und Bergund erkannte darin Begehren und ... Zärtlichkeit? Rasch wandte sie den Kopf ab. „Sieh mich nicht so an“, wollte sie sagen. „Du solltest nicht so für mich empfinden.“ Denn sie würde seine Gefühle niemals erwidern können. Selbst die freundschaftliche Zuneigung, die sie noch vor einigen Monden für ihn empfunden hatte, war in der letzten Zeit erstickt worden von Pflichten und Verantwortung.

Dienstag, 21. Juni 2011

Jörg Fündling - Kaiser von morgens bis abends. Ein Tag an der Spitze des Römischen Reichs


Genre: Sachbuch
Seiten: 143
Verlag: Primus Verlag
ISBN: 9783896783868
Meine Bewertung: 4 von 5 Sternchen

Historien-Challenge (Sachbuch - Antike)



Wie mag ein typischer Tag im Leben eines Römischen Kaisers ausgesehen haben? Jörg Fündling (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Alte Geschichte in Aachen) führt die Leser durch einen solchen möglichen Tag und versucht, einem Kaiser quasi für 24 Stunden über die Schulter zu schauen. Dabei legt er sich nicht auf einen bestimmten Kaiser oder ein Jahr fest, sondern erstellt sozusagen ein Idealbild davon, wie ein typischer Arbeitstag in der Zeit des klassischen Prinzipats (zwischen Augustus und den Severern) ausgesehen haben könnte.
Fündling zeichnet dabei nicht nur einen typischen Tagesablauf nach, sondern bietet ausgehend davon auch einige Exkurse zum Klientelsystem, den Kaiservillen und dem Reisen mit dem Gefolge, zum Rechtswesen und dem Ablauf eines Gastmahls.

Es ist erstaunlich, wieviele Informationen hier auf recht wenigen Seiten untergebracht werden. Nach dem Lesen des Buches hat man wirklich das Gefühl, einen umfassenden Einblick in die Verpflichtungen und üblichen Termine eines Kaisers bekommen zu haben. Ich muss dazu sagen, dass das Buch gerade für mich sehr spannend war, da ich in einem meiner Romane aus der Sicht einer Königin schreibe und hier nun viele interessante Anregungen gefunden habe.
Auch wenn Fündling, wie bereits erwähnt, einen quasi allgemeingültigen Idealtypen entwirft, gibt er doch auch immer wieder konkrete Beispiele aus dem Leben bestimmter Kaiser. 
In den Anmerkungen können all jene, die dem ganzen noch genauer auf den Grund gehen wollen, auch die entsprechenden Belege finden. Fündling greift vor allem auf die Historia Augusta, auf Tacitus, Cassius Dio und Herodian zurück. Weitere wichtige Quellen sind für ihn die Briefe Plinius des Jüngeren, die Korrespondenz von Fronto für Antoninus Pius und natürlich die Selbstbetrachtungen von Mark Aurel.
Das Buch kommt in der Gestaltung recht schlicht daher: Neben den Anmerkungen und einer Kaiserliste im Anhang gibt es noch einige schwarz-weiß-Bilder sowie Textkästen mit Originalzitaten aus den oben genannten Quellen.

Sprachlich liest sich das Werk sehr flüssig - Fündling schreibt teilweise recht salopp, dafür aber auch unterhaltsam.
Es handelt sich hier ganz klar um ein populärwissenschaftliches Werkt und nichts, was man etwa problemlos in einer Diplomarbeit zitieren könnte. Das soll nicht heißen, dass dieses Buch schlecht recherchiert wäre, aber es wendet sich eben doch klar an ein zwar geschichtlich interessiertes, aber eher nicht-wissenschaftliches Lesepublikum.
Ein wenig Vorwissen in antiker Geschichte und gewisse Lateinkenntnisse schaden dabei allerdings nicht - letztendlich behandelt das Buch ja doch recht spezielle Themen und ist daher nicht gerade als Einstiegswerk in die Geschichte der römischen Kaiserzeit geeignet.

Ich fand das Buch amüsant zu lesen, dabei durchaus aufschlussreich und informativ. Populärwissenschaftliche Werke über die römischen Kaiser landen sonst immer gern vor allem bei den Exzessen und Skandalgeschichten von Caligula, Nero, Elagabal und anderen berühmt-berüchtigten Kaisern. Die Konzentration auf den Arbeitsalltag ist hier wirklich mal etwas anderes. Für meinen Geschmack könnte die Sprache doch gern etwas weniger salopp sein und manche Darstellungen etwas ausführlicher. Insgesamt aber ein durchaus empfehlenswertes Fachbuch, dem ich 4 von 5 Sternchen gebe.

Sonntag, 19. Juni 2011

Dori Jones Yang - Daughter of Xanadu

Genre: Historischer Roman/Young Adult
Seiten: 352
Verlag: Delacorte Press
ISBN: 978-0385739238
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

Historien-Challenge (Hochmittelalter)
English-Challenge  (Juni)



Emmajin, die (fiktive) älteste Enkeltochter von Khubilai Khan, hat ein großes Ziel: Sie möchte eine berühmte Kriegerin in der mongolischen Armee werden und ist bereit, alles dafür zu tun. Als der Khan ihr den Auftrag gibt, sich mit dem fremden Händler Marco Polo anzufreunden, um ihm wichtige Informationen über seine Heimat zu entlocken (für eine mögliche Invasion), entspricht das nicht ihren Vorstellungen von einer ruhmreichen Aufgabe. Noch dazu sind ihr die Ansichten und das Verhalten des Italieners sehr fremd. Dennoch ist Emmajin fasziniert von den Geschichten, die Marco Polo erzählt, und nach und nach bringt er ihr bisheriges Weltbild zum Wanken.

StefanieEmmy hatte mit ihrer Einschätzung vollkommen Recht: Das hier ist ein Neyasha-Buch und ich kann ihr gar nicht dankbar genug sein für ihre schöne Rezension, die mich überhaupt erst auf diesen Roman aufmerksam gemacht hat.
"Daughter of Xanadu" ist wirklich ein tolles Buch, das ich all jenen ans Herz legen kann, die sich für frühere Epochen und fremde Kulturen interessieren und sich mit einer jugendlichen Heldin anfreunden können.

Beim Klappentext klang es so, als würde bei diesem Roman eine Liebesgeschichte im Mittelpunkt stehen, aber das stimmt nicht ganz. Hauptthema ist eigentlich der Selbstfindungsprozess einer jungen Frau, deren größte Träume sich zu erfüllen scheinen - um sich dann als gar nicht so schön zu entpuppen.

Emmajin ist eine ganz wunderbare und glaubwürdige Romanfigur. Ihr Denken ist sehr stark von ihrer Kultur und ihrem Umfeld geprägt, und mit Marcos Ansichten kann sie zunächst gar nichts anfangen. Es dauert lange, ehe sich zwischen den beiden eine Freundschaft entwickelt, und auch dann wirft Emmajin nicht gleich all ihre bisherigen Vorstellungen über den Haufen. Ihr Ziel, eine Kriegerin zu werden, stellt sie über diese Anfänge einer vorsichtigen Liebe, und gerade das macht den Roman so schön. Man hat hier nicht gleich die Liebe auf den ersten Blick, die dazu führt, dass auf einmal nichts anderes mehr wichtig ist. Es ist wirklich eine langsame Annäherung zwischen den beiden, und dennoch wird die Anziehungskraft zwischen den beiden Figuren so intensiv, dass man sie beim Lesen selbst spüren kann.

Trotzdem muss noch einiges geschehen, ehe Emmajin umzudenken beginnt. Die Autorin schont ihre Heldin hier nicht. Emmajin muss so einiges einstecken, und ihre Träume von glorreichen Kämpfen und Ruhm und Ehre werden gnadenlos zerstört. Die Schilderungen sind auch durchaus brutal - und ich fand es wirklich gut, dass Krieg hier nicht beschönigt wird.
All die Zweifel, die Emmajin befallen und ihre Verlorenheit, weil sie plötzlich nicht mehr weiß, wo überhaupt ihr Platz im Leben ist, sind so glaubwürdig geschildert, dass ich beim Lesen selbst einen Kloß im Hals hatte.

Dazu ist auch noch der historische Hintergrund sehr spannend. Ich hatte von der Geschichte der Mongolen im 13. Jahrhundert bisher kaum eine Ahnung, konnte mir aber dank der anschaulichen Beschreibungen bald Xanadu, den Khan und das Leben in der mongolischen Armee sehr gut vorstellen. Es war interessant, mal etwas über diese Zeit ganz abseits des europäischen Mittelalters zu lesen, und Dori Jones Yang versteht es wirklich, eine Epoche zum Leben zu erwecken.
Das einzige, was mir im Zusammenhang mit dem geschichtlichen Hintergrund störend aufgefallen ist, ist das Ende: Es scheint den Aufzeichnungen von Marco Polo stark zu widersprechen. Allerdings hat es letztendlich doch nur den Anschein, da man nicht weiß, wie sich alles tatsächlich weiter entwickelt.

"Daughter of Xanadu" ist eines der seltenen Bücher, bei denen ich zum Ende hin kaum weiterlesen wollte, weil ich nicht wollte, dass es aus ist. Ich bin schon lange nicht mehr so tief in einen Roman und seine Figuren eingetaucht. Zwar ist der Roman in sich abgeschlossen, aber gerade habe ich auf der Webseite der Autorin gelesen, dass es eine Fortsetzung geben wird. Darauf freue ich mich sehr, denn ich möchte unbedingt mehr von Emmajins Geschichte lesen.

5 Sterne, gar keine Frage!

Samstag, 18. Juni 2011

[Stöckchen] ”Wenn ich nicht Ich wäre, sondern…”

Mirjam hat mir ein interessantes Stöckchen zugeworfen, das ursprünglich von Bookaholic stammt. Ich finde die Fragen recht spannend, bin mir aber gleichzeitig nicht sicher, wie genau sie zu beantworten sind. Sollen Bücher gewählt werden, die einen selbst beschreiben? Die einen selbst aus irgendeinen Grund berühren? Solche, die etwas beinhalten, wie man selbst gern sein würde?
Ich hab mir mal die Antworten bei Bookaholic angesehen, und da klingt es eher so, als hätte sie Bücher gewählt, die ihr sehr gut gefallen haben.
Die Formulierung "Wenn ich nicht Ich wäre, sondern ..." klingt aber für mich mehr nach einem Vergleich, also nach Büchern, die aus irgendeinem Grund zum eigenen Charakter passen. Und das ist natürlich eine schwierige Angelegenheit. Aber ich starte mal einen Versuch ...

”Wenn ich nicht Ich wäre, sondern…”

… ein Buchtitel …
Irgendwie finde ich "Das Lächeln der Fortuna" von Rebecca Gablé passend. Wenn ich so auf die letzten Jahre zurückblicke, hat mir da Fortuna so einige Male zugelächelt - während ich derzeit schon eine ganze Weile vergeblich darauf warte.

… ein Fantasybuch …
Dann würde ich mich wie Bastian in der "Unendlichen Geschichte" voller Enthusiasmus so sehr in ein Buch vertiefen, bis ich schließlich selbst darin lande. Oft tauche ich ja so sehr in ein Buch ein, dass ich nach einer Weile überrascht bin, dass es rund um mich noch eine Welt gibt.

… ein Krimi/Thriller-Buch …
Da wäre ich wohl eher ein altmodischer, klassischer Krimi mit "harmlosen" Morden und keinem Seriengemetzel. Etwas von Agatha Christie vielleicht.

… ein Historischer Roman …
Da passt am besten der letzte Historische Roman, den ich gelesen habe, nämlich "Daughter of Xanadu" von Dori Jones Yang. Ich will zwar nicht unbedingt eine ruhmreiche Kriegerin werden wie Emmajin ;-), aber ihre Suche nach einem Platz im Leben und die Zweifel, was sie wirklich möchte und wohin sie mit ihrem Leben will, kann ich gerade sehr gut nachvollziehen.

… ein Horror-Buch …
Oh, ich wäre vermutlich ein sehr lahmer Horrorroman, da ich ja so ein Angsthase bin und mich schon bei Kleinigkeiten grusle. Nachdem ich aber aus eben diesen Gründen so gut wie nie etwas aus diesem Genre lese, fällt mir kein konkretes Buch ein.

… ein Buchcover …
"Die geheime Sammlung" von Polly Shulman. Dieses verspielt-verträumte Cover und dann der Scherenschnitt eines lesenden Mädchens ... das passt irgendwie.

… ein Genre …
Sprunghaft und unentschlossen, wie ich manchmal bin, wäre ich wohl ein wilder Genremix.

… ein Autor …
Hm, also da wäre ich gern Patricia McKillip.

… ein mystisches Wesen …
Da ich sowohl Pferde als auch das Meer liebe: ein Hippokamp.

… ein (Kinder)-Märchen …
"Die sechs Diener" - ein Märchen, das ich früher als Hörspiel zuhause hatte. Ohne die sechs Diener, die ihm helfen, würde der Königssohn darin sein Ziel nicht erreichen. Und genauso hätte ich ohne die vielen wunderbaren Menschen in meinem Leben vieles nicht erreicht.

… eine Buchseite …
Das Inhaltsverzeichnis, da ich - trotz chaotischer Anflüge - eigentlich ein Strukturierungs- und Planungsfreak bin. ;-)

… ein Paperback (Taschenbuch)…
Uff, also bei diesem Punkt passe ich ebenso wie beim nächsten - das ist mir irgendwie zu allgemein.

… ein Hardcover (gebundene Ausgabe) …

… ein verfilmtes Buch …
Hier wähle ich jetzt einfach mal meine Lieblingsverfilmung, und das ist "Der Sternwanderer".

… eine Buchserie/-reihe …
"His Dark Materials" von Philip Pullman, da ich so gern auch einen Dæmon an meiner Seite hätte und außerdem liebend gern Lyras Oxford erkunden würde.

Puh, jetzt habe ich ganz schön lange für die Beantwortung gebraucht. Ich werfe nun das Stöckchen mal an StefanieEmmy und Caroline und hoffe, dass sie Lust und Zeit dafür haben.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Die Notizbücher und ich

Mirjam von der literatur-revue, die gestern ein schönes neues Notizbuch auf ihrem Blog gezeigt hat, hat mich auf die Idee gebracht, hier mal einen Eintrag über meine Vorliebe für schöne Notizbücher zu schreiben.

Ich bin eigentlich ein recht sparsamer Mensch (zwangsläufig) und lege meistens keinen großen Wert auf Marken, aber bei Notizbüchern bin ich pingelig und greife auch schon mal tiefer ins Geldtascherl. Das liegt nicht nur daran, dass ich schicke Notizbücher mit allerlei Gimmicks (Bändchen, Lasche im hinteren Deckel, Stifthalter, ...) liebe, sondern dass ich auch bevorzugt mit einer Füllfeder schreibe (nämlich jener, die mein Titelbild oben ziert). Bei vielen Notizbüchern rinnt allerdings Tinte ein wenig auseinander, was ich gar nicht mag. Deshalb bin ich ein besonderer Fan von Moleskine (nirgends sonst gleitet eine Füllfeder so schön über das Papier). In den Paperblanks-Büchlein kann man mit Tinte nicht ganz so schön schreiben, aber dafür sind sie ganz toll gestaltet.
Das sind also meine Lieblinge, und nun gibt es einen genaueren Blick auf einzelne Notizbücher, die bei mir fürs Schreiben und auch Lesen wichtig sind:


Diese drei wunderschönen Bücher markieren eine wichtige Phase meines Schreibens. Ich habe mich vor einigen Jahren in eine lange Schreibblockade manövriert, als ich meine Selbstzweifel so groß werden ließ, dass ich kaum mehr einen Satz zu Papier bringen konnte. Dazu hatte ich auch noch die Vorstellung, alles müsste bereits bei der Rohfassung "perfekt" sein. Also war ich ständig nur am Überarbeiten und Umformulieren und kam keinen Schritt weiter.
Irgendwann hatte ich die Idee, nicht mehr am Computer zu schreiben, sondern mich dazu zu zwingen, nicht jeden Satz zigmal zu überarbeiten: Ich wollte wieder ganz altmodisch mit einem Stift auf Papier schreiben, und um mich von einem ständigen Durchstreichen zu bewahren, kaufte ich mir ein tolles, teures Notizbuch, das mir zu schade für permanente Änderungen gewesen wäre.
So zwang ich mich also dazu, einfach mal eine Rohfassung "runterzuschreiben" - und in den drei Notizbüchern oben befindet sich die erste Hälfte meiner "Göttersteine" (wobei das 3. Buch nur zur Hälfte vollgeschrieben ist). Und so sehen die Seiten in diesen Büchern aus:


Ich bin dann schließlich doch wieder auf das Schreiben direkt am Computer umgestiegen, was dazu führte, dass ich plötzlich kaum mehr einen Grund hatte, so tolle Notizbücher zu kaufen. Es gibt aber auch weiterhin zwei, die ich regelmäßig in Benutzung habe:

Für Schreibnotizen habe ich nun ein schlichtes Büchlein, das ich selbst mit einem Stifthalter "gepimpt" habe, damit ich für Notizen unterwegs (wo ich meine Füllfeder meist nicht dabei habe) immer einen Stift direkt dabei habe.
In dieses Buch kommt alles rein, was mir gerade so zum Schreiben einfällt: einzelne Ideenfetzen, Romanfragmente, die mir unterwegs einfallen, Überlegungen zum Plot, Brainstorming für Titel/Personennamen, usw.
Das ist wirklich mein Universal-Notizbuch, das nicht auf einen bestimmten Roman beschränkt ist. Für den NaNo im letzten Jahr habe ich mir ja ein ganz besonderes Notizbüchlein gebastelt, aber das war eine Ausnahme. Da ich ja meist an mehreren Projekten gleichzeitig arbeite, wäre es mir zu umständlich, für jeden Roman immer ein eigenes Notizbuch herumzuschleppen.



Auch fürs Lesen habe ich ein eigenes kleines Büchlein. Es handelt sich hier wirklich um ein Mini-Buch (9x6,5 cm), in dem ich Leselisten führe (immer mit dem Datum, wann ich ein Buch begonnen und beendet habe), spontane Wünsche eintrage, vorläufige Challenge-Listen erstelle und eine Auflistung von Klassikern führe, bei denen ich der Meinung bin, dass ich sie irgendwann mal lesen will/sollte. ;-)



Leider würde ich am liebsten immer mehr Notizbücher kaufen als ich eigentlich brauche - aber ich halte mich dann doch meistens eisern zurück, und so habe ich erstaunlicherweise (noch) keinen Notizbuch-SuB*. ;-)

(* in dem Fall wäre das dann der Stapel unbeschriebener Bücher)

Dienstag, 14. Juni 2011

Leserunde: Thomas Mann - Buddenbrooks

Spät aber doch gehts in der Klassiker-Challenge jetzt sozusagen ans Eingemachte:
Nanni von Fantasie und Träumerei und ich haben uns beide vorgenommen, die "Buddenbrooks" von Thomas Mann zu lesen. Und um uns gegenseitig zu motivieren, gehen wir das Ganze gemeinschaftlich an.
Für die Dauer unserer kleinen Leserunde werde ich also diesen Eintrag hier festpinnen, damit wir uns über den Roman in den Kommentaren austauschen können.
Ich werde den Eintrag dann gegebenenfalls noch ergänzen, falls wir uns auf bestimmte Zeiträume für einzelne Abschnitte einigen.

Falls noch jemand mitlesen will: Nur zu! ;-)

Damit wir ohne Angst vor Spoilern über den Inhalt diskutieren können, gibt es für jeden der 11 Teile des Romans einen eigenen Beitrag, wo in den Kommentaren nach Lust und Laune darüber diskutieren, jammern, schimpfen und mitfiebern können. Vorerst versuchen wir es ohne bestimmte Zeitvorgaben - mal sehen, wie weit das funktioniert.
Die Links führen auf einen eigenen kleinen Blog, den ich für diesen Zweck eingerichtet habe (um hier nicht alles mit den Buddenbrooks zupflastern zu müssen ;-)).

Erster Teil
Zweiter Teil
Dritter Teil
Vierter Teil
Fünfter Teil
Sechster Teil
Siebter Teil
Achter Teil
Neunter Teil
Zehnter Teil
Elfter Teil

Sonntag, 12. Juni 2011

Im Laufschritt über frostige Pfade

Allmählich muss ich mich mit "Polarnacht" ein wenig beeilen - momentan ist es erneut bei Testlesern, aber als NaNo-Gewinnerin habe ich noch einen Gutschein, um mir ein Buch bei CreateSpace drucken zu lassen, und dafür bleibt nun nicht mehr viel Zeit. Bis Ende Juni sollte der Roman also nicht nur noch ein letztes Mal überarbeitet werden, sondern ich brauche auch noch ein Cover und muss das Ding natürlich anständig formatieren.
Das ganze wird übrigens keine Print-on-Demand-Veröffentlichung, sondern ich lasse lediglich das eine Gratis-Exemplar drucken. Da ich es dann einer Freundin (die schon seit Jahren darauf wartet, etwas von mir lesen zu können) zum Geburtstag schenken möchte, soll das Ganze natürlich trotzdem schön aussehen.

Immerhin habe ich mich jetzt einmal der Umbenennung des Titels zugewandt. "Polarnacht" klingt zwar schön, war aber für mich immer nur ein Platzhaltertitel, weil ich damals beim NaNo einen Namen eintragen wollte. Leider passt der Titel nicht wirklich zum Roman - denn obwohl er im hohen Norden bei Rentiernomaden spielt, ist der Großteil der Handlung dennoch unterhalb des Polarkreises angesiedelt. Somit kommt also im ganzen Roman keine polare Nacht vor. ;-)
Aber wie das eben manchmal so ist mit Arbeitstiteln: Man gewöhnt sich daran und belässt es einfach mal dabei.
Nun aber wollte ich für den Druck natürlich einen passenden Titel haben, und dieser lautet jetzt Frostpfade. Ein herzliches Dankeschön geht hierbei an Sturmfänger für diesen tollen Titelvorschlag! :-)

Diesen Punkt kann ich also abhaken, und den Rest schaffe ich hoffentlich auch noch bis Ende Juni.

Margaret Atwood - Alias Grace


Genre: Historischer Roman/Biographie
Seiten: 624
Verlag: Berlin Verlag
ISBN: 978-3827000125
Meine Bewertung: 5 von 5 Sternchen

Historien-Challenge (19. Jahrhundert)



Eine reale Begebenheit liegt diesem Roman zugrunde: 1843 wurde in Kanada die 16jährige Grace Marks des Mordes an ihrem Arbeitgeber und dessen Haushälterin angeklagt und zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Verbrechen erregte großes Aufsehen und gab auch einige Rätsel auf. So erzählte Grace bei ihrer Verhaftung eine andere Geschichte als bei der Gerichtsverhandlung, und wiederum etwas anderes behauptete der ebenfalls verurteilte James McDermott, der zum Tode verurteilt wurde. Ob Grace Mittäterin war oder lediglich Mitwissende oder möglicherweise völlig unschuldig, war ebenso unklar wie die Frage, in welchem Verhältnis sie zu James McDermott stand.
Margaret Atwood hat sich dieser historischen Person angenommen und versucht, einige dieser Fragen zumindest literarisch zu beantworten.
In ihrem Roman begegnet man Grace nach langen Haftjahren, als der Nervenarzt Simon Jordan sie regelmäßig aufsucht, um hoffentlich endlich die Wahrheit über die Morde zu erfahren. Grace erzählt ihm ihre Lebensgeschichte, bis sie schließlich mithilfe von Hypnose ihre verlorenen Erinnerungen an die Morde wiederfinden soll.

"Alias Grace" ist ein wunderbarer Roman. Es ist ein Krimi, eine psychologische Studie, eine Biografie und vor allem: eine großartige Schilderung des Lebens im Kanada Mitte des 19. Jahrhunderts. Dabei geht es nicht um Politik und große Herrscher, sondern eher um das Leben der "einfachen" Leute und alltägliche Dinge: das Leben eines Dienstmädchens, die Zustände in einem Gefängnis zu dieser Zeit, die Schwierigkeiten einer Schiffsreise von Irland nach Kanada und die Anfänge der Psychologie, so wie wir sie heute kennen.
All das schilderte Margaret Atwood so anschaulich, dass man das Gefühl hat, mittendrin zu sein. Sie hat einen wunderbaren Blick für Details und schreibt sowohl aus Grace' Sicht als auch aus der von Simon Jordan sehr glaubwürdig und überzeugend. Einige eingestreute Briefwechsel unterstreichen noch das Gefühl von Authentizität.

Auch sonst gibt es aus meiner Sicht an dem Roman nichts zu meckern. Obwohl das Erzähltempo zeitweise eher gemächlich ist, fand ich ihn niemals langweilig. Grace' Kindheit und Jugendzeit war ebenso spannend zu lesen wie ihr Alltag im Gefängnis und ihre Arbeit für die Frau des Gefängnisdirektors. Dabei mochte ich ihre Perspektive mehr als die des Arztes, auch wenn Simon Jordan als Figur durchaus interessant beschrieben ist.
Den Schreibstil von Margaret Atwood liebe ich sowieso. Jedes Wort ist präzise gesetzt, und trotz der anschaulichen und lebhaften Beschreibungen ist die Sprache eher schnörkellos. An keiner Stelle bin ich über holprige Sätze gestolpert; stets passte die Wortwahl zu den jeweiligen Figuren.

Der Roman liefert übrigens keine endgültige "Auflösung" - was man am Ende glauben möchte, bleibt einem selbst überlassen. Dennoch ist das Ende nicht unbefriedigend, und im Laufe des Romans werden einige kleine Hinweise gestreut, die einem vielleicht nicht unbedingt eine wirkliche Lösung bieten, aber eine gewisse Richtung vorgeben.

Alles in allem ein wirklich großartiger Roman, der sich meisterhaft zwischen Fiktion und Wirklichkeit bewegt und ein spannendes psychologisches Porträt einer Epoche zeichnet.
Ich kann den Roman nur wärmstens empfehlen, wie übrigens auch viele andere Werke von Margaret Atwood.
Das gibt natürlich die Höchstwertung von 5 Sternchen - unter meinen bisherigen Romanen für die Historien-Challenge ist das eindeutig der Höhepunkt!

Dienstag, 7. Juni 2011

Kerstin Gier - Liebe geht durch alle Zeiten (Trilogie)


Die "Edelstein-Trilogie" beginnt ein wenig wie ein Sisi-Film: Während Gwendolyns Cousine Charlotte jahrelang darauf vorbereitet wurde, sich bei Zeitreisen angemessen zu verhalten, wächst Gwendolyn selbst unbekümmert und ohne Zwänge auf. Umso bestürzter ist die ganze Familie, als sich herausstellt, dass nicht Charlotte wie erwartet das Zeitreisegen besitzt, sondern Gwendolyn. Völlig unvorbereitet wird sie in ein neues Leben voller Zeitreisen, Intrigen und geheimer Logen hineingeworfen. Ihr zur Seite steht der arrogante Gideon, den Gwendolyn zwar unausstehlich, leider aber auch verflixt attraktiv findet ...

Kerstin Giers Jugendbuch-Trilogie liest (und hört) sich weg wie nichts. Es gibt keine nennenswerten Längen und nichts, was den Lesefluss wirklich bremst. Die Hörbücher hatte ich rasch durch, und den 3. Band habe ich dann, als ich krank im Bett lag, überhaupt an einem Tag mehr oder weniger in einem Rutsch gelesen. Dennoch fand ich die Büche eher mittelmäßig.
Sie sind ohne Zweifel sehr süß, sehr witzig und auch recht rasant, aber nichts, was mir nachhaltig im Gedächtnis bleiben würde. Flott-leichte Kost für zwischendurch, aber letztendlich doch nichts besonderes.

Die ganze Zeitreise-Thematik fand ich hier eigentlich ganz originell in Szene gesetzt. Die strikten Regelungen, die geplanten Sprünge mithilfe des Chronografen, das Hinarbeiten auf ein bestimmtes Ziel, das sich über mehrere Jahrhunderte erstreckt ... das war alles sehr schön zu lesen. Leider entstehen auch hier - wie fast immer bei Zeitreise-Plots - kleine Ungereimtheiten bis hin zu einem echten Logikfehler (zumindest aus meiner Sicht) am Ende der Trilogie.

Die Figuren sind alle sehr liebenswert - zwar ist Gwendolyn mir manchmal zu sehr das hilflose Mädel, aber ihre Selbstironie und ihre humorvolle Erzählstimme waren mir doch sehr sympathisch. Auch das Liebes-Hin-und-Her zwischen ihr und Gideon fand ich für eine solche Teeangerliebe eigentlich sehr stimmig, wenn auch manchmal ein wenig nervig. Aber ich mochte die beiden miteinander großteils, bis ich mich schließlich im 3. Band über einen bestimmten Punkt sehr geärgert habe. Darauf möchte ich kurz eingehen - wer nicht gespoilert werden will, möge bitte die graue Passage nicht lesen!
Zwei Bände lang wird die Liebe zwischen Gideon und Gwendolyn eher spritzig-witzig aufgebaut - eine typische Teenagerliebe mit Eifersüchteleien, Misstrauen und Wortgefechten. Wahnsinnig romantisch fand ich das alles eigentlich nicht, aber gerade das hat mir daran gut gefallen. Und dann folgt im 3. Band plötzlich die Klischee-Liebe nach dem Motte "Ohne dich ist mein Leben nichts wert!" und "Für dich würde ich sterben!" etc. Das hat für mich zu beiden Figuren nicht gepasst, ich habe diese Äußerungen in ihrer bisherigen Beziehungen auch nicht motiviert gesehen und ich habe mich wirklich geärgert, dass anscheinend neuerdings jede Liebe in einem Jugendbuch gleich in eine so extreme Richtung (die einzig wahre Liebe, ohne die man nicht mehr leben könnte) gehen muss.

Auch die anderen Figuren fand ich schön gezeichnet, allen voran Gwendolyns Freundin Leslie, die wirklich so ist, wie man sich eine treue Freundin wünscht. Manche Personen waren vielleicht ein wenig überzeichnet, aber es passte zum Stil der Bücher. Xemerius, der kleine Wasserspeier-Dämon wanderte meiner Meinung nach auf einem sehr schmalen Grat zwischen herzig-lustig und einem endlos nervenden Sidekick. Manchmal war es mir dann doch zuviel des Guten, aber meistens fand ich ihn durchaus liebenswert.

In Summe ergibt das für mich eine Trilogie, die sich flott und witzig liest, eine großteils spannende Handlung und liebenswerte Figuren zu bieten hat, letztendlich aber nicht lange im Gedächtnis bleibt. Das etwas überhastete und meiner Meinung nach viel zu einfache Ende, das zudem so einige Antworten schuldig bleibt, führt schließlich doch zu einem eher durchwachsenen Gesamteindruck.
Allen, die gern humorvolle Jugendbücher mit Romantik lesen, kann ich die Trilogie aber wirklich ans Herz legen.

In Summe gibt das von mir 3-4 Sternchen (jeweils 4 für die ersten beiden Bände und 3 für den dritten).


Und nun noch ein paar Daten zu den jeweiligen Ausgaben:

Kerstin Gier - Rubinrot. Liebe geht durch alle Zeiten
Verlag: Arena Audio
Dauer: 292 Minuten
gelesen von: Sascha Maria Icks
ISBN: 9783401263342
Sascha Icks ist meiner Meinung nach eine ganz tolle Sprecherin, die auch hier allen verschiedenen Figuren ganz einzigartige Stimmen und Sprechweisen verleiht.

Kerstin Gier - Saphirblau. Liebe geht durch alle Zeiten
Verlag: Arena Audio
Dauer: 287 Minuten
gelesen von: Josefine Preuß
ISBN: 9783401263472
Josefine Preuß' jugendliche Stimme passt zwar wirklich gut für Gwendolyn, aber dennoch bedaure ich den Sprecherwechsel. Sascha Icks hat mich einfach einen Tick mehr überzeugt - vor allem, was die Variabilität der Stimme betrifft.

Kerstin Gier - Smaragdgrün. Liebe geht durch alle Zeiten
Verlag: Arena
Seiten: 496
ISBN: 9783401063485

Freitag, 3. Juni 2011

Hinter der Maske: Dalar

Kommen wir also zu einer weiteren meiner Figuren, zu Dalar (oder vollständig: Vendalar Vano-Ligas). Er ist in derselben Fantasywelt beheimatet wie Herun, stammt aber aus einem ganz anderen Roman, nämlich meinem epischen High-Fantasy-Monsterding "Die Göttersteine".

Dalar gehört zu meinen ältesten Figuren überhaupt. Die ersten Szenen zu dem besagten Roman entstanden vor mehr als 10 Jahren, auch wenn es seither kaum noch etwas gibt, was sich nicht komplett geändert hat. Auch Dalar selbst hat sich stark verändert und ist hoffentlich im Laufe der Zeit vielschichtiger geworden.
Interessant ist, dass er als einer der wenigen meiner Hauptpersonen sehr lange nur von außen betrachtet wird. Er hatte ursprünglich nie selbst die Perspektive in den Göttersteinen und tritt auch jetzt erst spät als Perspektiventräger zutage. Sonst wird er fast immer aus der Sicht von Riava beschrieben (die ich bestimmt auch irgendwann hier vorstellen werde).
Das war weniger plotbedingt, sondern entstand tatsächlich eher aus seinem Charakter heraus. Denn Dalar wollte mich lange nicht wirklich in seinen Kopf blicken lassen. Zwar kenne ich ihn als Figur sehr gut und bilde mir auch ein, ihn gut zu verstehen (was nicht zuletzt daran liegt, dass er auf eine sehr verschleierte Weise mehr von mir selbst hat als viele andere Figuren), aber aus seiner Sicht schreiben: Das ging irgendwie nicht. Aber dann kam eine Szene, die nur aus seiner Sicht funktionieren konnte, und seither klappt es eigentlich ganz gut.

Dalar ist gewissermaßen eine eher sperrige Figur. Ich bin mir nicht sicher, wie er bei Lesern ankommen wird, aber zumindest ich als Autorin mag ihn sehr gern. Er ist ein sehr verschlossener und misstrauischer Mensch und trägt nach außen hin meist eine eher gleichgültige Maske zur Schau. Auf alle, die ihn nicht gut kennen (was auf die meisten zutrifft), wirkt er kühl, schroff und überheblich. Gerade die Überheblichkeit ist aber wirklich eine reine Maske, da er eigentlich nicht allzu viel von sich selbst hält. Dalar hat eine ständige Angst zu versagen und mag sich selbst nicht besonders. Da er aber nach außen hin meist sehr ruhig und selbstsicher wirkt, muss man ihn schon gut kennen, um zu wissen, dass er in Wirklichkeit stark an sich selbst zweifelt. Und man muss ihn auch sehr gut kennen, um zu merken, dass er eigentlich ziemlich warmherzig und gefühlsbetont sein kann. Da Dalar nicht besonders gut mit anderen Menschen umgehen kann, verhält er sich manchmal auch jenen gegenüber, die er mag, nicht sonderlich freundlich.

Sein Charakter ist sehr stark dadurch bedingt, dass er die meiste Zeit seines Lebens von anderen verachtet wurde. Er entspringt einer etwas unglücklichen Verbindung zwischen zwei Kulturen, die einander feindselig gesinnt sind. Äußerlich kommt er ganz nach seinem Vater - er hat blonde Haare, dunkle blaugraue Augen und eine helle Haut -, aber aufgewachsen ist er im Volk seiner Mutter, wo er nie wirklich akzeptiert wurde. Dass der Ratsvorsitzende des Landes sein Ziehvater ist, hat ihn nicht unbedingt beliebter gemacht, sondern der Verachtung auch noch einen gewissen Neid hinzugefügt.

Die folgende Szene ist vermutlich aus dem Zusammenhang gerissen schwer zu verstehen - aber das sind alle Szenen mit Vendalar. Es ist ein Gespräch zwischen Rhal, einem Anatca (einem nicht-menschlichen Volk meiner Welt) und Dalar über eine dritte Figur namens Lechan, die um eine Eingliederung der Anatca in die menschliche Gesellschaft bemüht ist:

“Dir ist Lechan auch unheimlich”, stellte Vendalar fest.
“Das ist sie uns allen. Aber wir sind auf sie angewiesen. Sie ist unser Bindeglied zu den Menschen. Unsere einzige Verbündete unter ihnen.”
“Das stimmt nicht. Was ist mit Riava und mir? Ihr benötigt Lechan nicht mehr als euer Bindeglied.”
Rhal erwiderte Vendalars Lächeln. Dann wurde er wieder ernst. Er betrachtete das meist so verschlossene Gesicht des Menschen und dachte an sein Misstrauen, seine Schroffheit. “Ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber …”
“Aber was?”, fragte Vendalar scharf.
“Lechan hat die Fähigkeit, andere zu führen und zu überzeugen. Ich verstehe es zwar nicht ganz, aber es liegt wohl an ihrer Sicherheit und ihrem Selbstbewusstsein. Du kannst das nicht. Du …” Rhal brach ab. Erstmals machte der Mensch einen Schritt auf ihn zu und er wusste nichts besseres zu tun als ihn mit seinen Schwächen zu konfrontieren. Aber das Problem war, dass sie genau aus diesem Grund Lechan doch brauchten. Vendalar war niemand, der Menschen rasch für sich einnehmen, sie führen konnte. Dafür zweifelte er zu sehr an sich selbst und dafür war er zu wenig bereit, anderen einen Schritt entgegenzugehen. Vielmehr schien er alle anderen um jeden Preis ausschließen zu wollen.
Vendalar presste die Lippen aufeinander und legte die Stirn in Falten.
“Es tut mir Leid”, sagte Rhal. “Ich wollte nicht …”
“Nein, du hast Recht. So etwas in der Art hat schon Riava in Palua zu mir gesagt.” Vendalar lachte auf, hart und spöttisch. “Ich bin unfähig, wenn es um den Umgang mit anderen Menschen geht. Mein Ziehvater war sehr darum bemüht, diesen Defizit von mir auszumerzen, aber auch er war nicht erfolgreich.”